SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für März, 2008

.Berliner Luft II – Exil-Regensburger stellen im Kunst-und Gewerbeverein ihre Werke aus. Zugegeben, die Überschrift lässt einen Regensburg/Pentling-Papst-Bezug vermuten, aber weit gefehlt. Die Verben „wohnen“, „sitzen“ und „glauben“ sind der Titel für die zweite Schau Berliner Exil-Regensburger im Kunst- und Gewerbeverein. Zeigten vor einem Monat „ältere Semester“ ihre Arbeiten, so dürfen diesmal die Jungen ran, darunter Annette Beisenherz und Philip Wiegard aus Regensburg, die mit ihren Künstlerfreunden eine Ausstellung der extremen Kontraste zusammengestellt haben. Dekoratives, Verstörendes und scheinbar Zusammenhangloses. Beim Gang über das knarrende Parkett der Schauräume in der Regensburger Ludwigstraße habe man immer die Worte „wohnen“, „sitzen“ und „glauben“ im Hinterkopf, dann eröffnet sich nicht nur für jedes gezeigte Werk eine Interpretations-Perspektive, dann erschließt sich auch in der Zusammenschau ein Sinnfälligkeit.
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„Berliner Luft“, das ist die heimliche Hymne der Hauptstadt (Schlager aus der Operette Frau Luna), „Berliner Luft“, das ist ein köstliches Dessert (fruchtige Abwandlung der Creme Bavaroise) und „Berliner Luft“, das war eine beachtenswerte Kunstausstellung von Malern und Bildhauern aus der Bundeshauptstadt in den Regensburger Räumen des Kunst- und Gewerbevereins. Wochenblatt digital hatte es schon im Februar angekündigt, dass ein neuer Schwall frischer Luft aus dem Märkischen Sand gen Oberpfalz ziehen wird, und nun ist sie das, die Kunstbriese. Annette Beisenherz zeigt mit teils monumentalen Lithografien (Madonnen des 21. Jahrhunderts) und dreckigen Großstadt-Fotos einen weiten Spagat. Weisen die Madonnen eindeutig Chagall-Duktus auf und geben sie sich – scheinbar – „User-freundlich“, so ändert Beisenherz ihre Handschrift mit „gesammelte Wünsche 2003 – 2006“ radikal. Die unglaubliche Bandbreite der jungen Künstlerin mit Theaterhintergrund, Jahrgang 1971, ist in „wohnen, sitzen, glauben“ nicht komplett zu ersehen, frühere Ausstellungen in Regensburg und ein Besuch auf www.annettebeisenherz.de machen deutlich, Annette Beisenherz’ Bildsprache ist vielfältig, reich und immer wieder überraschend. Beisenherz erfüllt nie Erwartungen, sie überrascht und verblüfft immer aufs neu. Gut so! Kunst muss unberechenbar bleiben. Der Sohn des Regensburger Wirtschaftsweisen Wiegard, Philip, 1977 in Schwetzingen geboren, hat in penibler Kleinst- und Fleißarbeit das Berliner Bode-Museum aus Fotografien im Modell nachgebaut. Der Kunstbau als Kunst, das Museum als Ort des Glaubens – der Kunsttempel. Um Kultisches geht es auch bei den anderen beiden Arbeiten Wiegards. Der Fetisch-Schuh „Nike Air“ als Plastik an der Wand versinnbildlicht den Verehrungs-Status, den Dinge genießen. Der Einkaufswagen mit „Heiligenschein“, wenn man die Installation denn so nennen will, macht auch dem Letzten (und leider auf etwas vordergründige Art) klar, Kunst ist Kommerz und Kommerz ist Kunst. Das Warhol-Zitat, „früher ging man ins Museum, um Schönes zu sehen, heute geht man ins Kaufhaus“, wird lakonisch illustriert. Wuchtig, archaisch und roh geben sich die Glas-Holz-Beton-Skulpturen von Wilken Skurk (1966 in Dresden geboren), die an Totems und Throne erinnern. Die Verbindung unterschiedlichster Materialen, kontrastreich ineinandergeschachtelt, unterstreicht die Härte der einzelnen Werkstoffe. Kompromisslosigkeit, Strenge und Starrheit kennzeichnet die Plastiken Skurks, ganz im Gegensatz zu den Papierarbeiten von der 1971 geborenen Nadja Schöllhammer, die graphische und illustrative Papierarbeiten zeigt. Zurückhaltend gibt sich der kleinformatige Bilderzyklus, fast privat Hingekritzeltes wie von Beim-Telefonieren-Herzchen-Maler, eine Bildergeschichte, spontan, verspielt, chiffriert. Raumgreifend gerät ihre Wandinstallation, bevölkert von Fabelwesen und Fantasie-Pflanzen, mit feinem Strich grafiert, saubere Scherenarbeit, ein wirkungsvoller Hingucker. Die Strenge der Werke von Ulrich Vogl (1973 in Kaufbeuren geboren) wird durch metallisch changierende Lichtreflexe gleichermaßen verstärkt wie gemildert – faszinierend wie Sternengefunkel, kalt wie die moderne Technologie. Fünf jungen Künstlerpersönlichkeiten, fünf komplett neue Ausdrucksweisen. Fünf Freunde und das Abenteuer Kunst. Die Schau der jungen Regensburger Künstler und ihrer Freunde aus dem „Berliner Exil“ ist noch bis zum 24. März 2008 geöffnet und darf (zum besseren Verstehen) mehr als nur einmal besucht werden. Wohnen, sitzen, glauben und „Berliner Luft“ atmen.

Heute: zweite Warnstreikwelle

Allein bei der Stadtverwaltung sind es 3.500 Beschäftigte, die die Gewerkschaft verdi morgen zum zweiten Warnstreik innerhalb von zwei Wochen aufruft. Hintergrund sind die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst. Während die Gewerkschaft acht Prozent mehr Lohn für die rund 1,3 Millionen Beschäftigten bei Bund und Kommunen fordert, bieten die Arbeitgeber fünf Prozent mehr Lohn – nach […]

„Realitätsverlust” – Günther Riepl kritisiert Schaidinger

Kreisvorsitzender der Freien Wähler regt sich über Hans Schaidinger auf. Eine Wahlempfehlung der Freien Wähler für die Stichwahl gibt es nicht, aber wo der ungeliebtere Oberbürgermeister steht, scheint klar zu sein. Es ist nämlich eigentlich eine unverdächtige Aussage, die Hans Schaidinger am Abend des Wahldebakels der großen Parteien getroffen hat: „Ich muss um die bürgerlichen […]

Leben auf dem Sprung

Unsereins macht sich Gedanken, ob in einem Artikel jeder Buchstabe da ist, wo er hingehört. Andere ärgern sich, weil sie schon wieder länger arbeiten müssen. Dabei gibt es Jobs, bei denen es um Menschenleben und Sekunden geht. Wolfgang Kraus erzählt mir davon. Welche Tätigkeit üben Sie hier bei der Gesundheitswoche aus? Ich kläre Besucher über […]

Schade! Goethe-Baumriesen stehen im Weg

Die gute Nachricht vorneweg: Der Walnußbaum bleibt auch nach Abschluss der Bauarbeiten stehen. Dennoch müssen für die Laufbahn der neuen Sportanlage am Goethe-Gymnasium zwei alterwürdige Baumriesen weichen, darunter eine Hainbuche, für die man schon die eine oder andere Träne verdrücken darf. Zwar fallen beide unter die Baumschutzverordnung, ohne die Fällung wäre allerdings der Neubau von […]

Wahl-Pechvögel – Teil I

Minou Banafsche – die letzte Chance ist ein OB Wolli Freud und Leid lagen für Minou Banafsche am Sonntag ganz dicht zusammen. In ersten Prognosen hatte es so ausgesehen, als würde der jungen SPD-Kandidatin der Sprung in den Stadtrat gelingen. Zum Schluss musste fehlten 127 Stimmen. Eine Chance bleibt: Sollte Joachim Wolbergs Oberbürgermeister werden, rückt […]

Rudis Berichte über Regensburg sind ein Hort der Objektivität

Die Bewunderung fällt über mich her wie ein Raubtier, als ich den machtvollen Artikel von Rudolf Neumaier am Montag in der Süddeutschen Zeitung lese. Er beschäftigt sich mit der Regensburger CSU. Ich bin beeindruckt, wie viel Überblick dieser Mann vom Bayerischen Leitmedium hat, ohne sich am Sonntag überhaupt bei der Wahl in Regensburg blicken zu […]

Schein und Sein – der falsche Steuerberater

Wie Ewald F. sich sieben Jahre lang als jemand ausgab, der er nicht war. Sieben Jahre lang prangte im Regensburger Stadtwesten – bescheiden unter dem seiner Ehefrau, einer Rechtsanwältin und Steuerberaterin – das Schild des 51jährigen Ewald F. (Name geändert) mit dem Zusatz „Diplomkaufmann – Steuerberater“. Auch im Internet und in den einschlägigen Telefonbüchern war […]

Man sorgt sich umeinander

Das Projekt Mehrgenerationenhaus klingt für viele Menschen verlockend. Es ist ein schöner Gedanke, wenn sich Menschen aller Altersstufen unterstützen und jeder das in die Gemeinschaft einbringt, was er am besten kann. Das funktioniert bei Bernhard Bachmeier auch in einem gewöhnlichen Wohnblock. Wie finden Sie es, dass in Regensburg ein Mehrgenerationenhaus eröffnet wurde? An sich eine […]

Stichwahl der Verlierer

Trotzt historischer Verluste: Wolbergs und Schaidinger schaffen’s in den zweiten Wahlgang Viele „schwarze Tage” in der Regensburger Kommunalpolitik der vergangenen Jahre fanden gestern ihren – vorerst – krönenden Abschluss. Und dass noch am selben Abend der (Noch-)CSU-Fraktionschef Herbert Schlegl zwei Ortsvorsitzende als „Kanaken” beschimpfte, zeigt wie blank die Nerven liegen (mehr dazu auf Seite 3). […]

Fair, ein Hetzer, irr und wirr

Beschäftigen wir uns mit einem Namen. Christian Karembeu. Der hat 17 Geschwister. Er ist mittlerweile 37 Jahre alt und wird von Kollegen als selbstbewusst und meinungsfreudig beschrieben. Er war Mitglied der französischen Nationalelf. Mit der wurde er Weltmeister. Zwei Mal holte er mit Real Madrid die Champions League und so ist es kein Wunder, dass […]

„Du mit Deinen Kanaken”

Die Wahl: Stimmen von Verlierern und Entnervten „Demokratisch” hat Oberbürgermeister Hans Schaidinger das Wahlergebnis gestern abend in der ARD genannt, wenngleich es ihm – sollte er in 14 Tagen erneut gewählt werden – „umständliche Abstimmungen” (Schaidinger vor wenigen Tagen) bescheren wird. Obwohl es für eine große Koalition mit der SPD reichen würde, sind dort mit […]

Wenn die stürmische Emma den Ludwig trifft

Orkan Emma wütete mit 70 Stundenkilometern über Regensburg 800 Notrufe und 60 Einsätze bei der Polizei, 90 Mal mussten Feuerwehren in Stadt und Landkreis ausrücken, abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume – Orkan Emma wütete mit Geschwindigkeiten von bis 70 Stundenkilometern über Regensburg. Bei einem Verkehrsunfall gab es einen Leichtverletzten. Die Kreuzung Thundorferstraße/ Weißgerbergraben musste am Morgen […]

„Rache”, „Loser”, „Das war zu erhoffen”– Wählerstimmen

Claudia Riepl (nicht verwandt mit Günther Riepl) und Wolfgang Feiner: „Uns freut’s, dass Schaidinger abgewatscht wurde. In etlichen tiefschwarzen Stimmbezirken hat er über 20 Prozent verloren. Es wundert uns nicht, dass die SPD nicht davon profitieren konnte. Sie hätte einen besseren Kandidaten verdient gehabt.” Eduard Buchinger: „Die rechtsradikalen Umtriebe vor 15 Jahren hätte die CSU […]

Strohballen-Prozess – ein Stochern im Nebel

Derzeit kann sich der Angeklagte noch entspannt zurücklehnen War der 28jährige Thomas L. vor Jahresfrist der Mörder seines Onkels – oder anders gefragt: Kann der Straubinger Oberstaatsanwalt Klaus Dieter Fiedler dem Angeklagten diese grausame Gewalttat nachweisen? Wie ausführlich berichtet, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der „Richtige“ auf der Anklagebank des Schwurgerichts Regensburg sitzt, den […]

Eisbären auf Erfolgskurs

Gegen Landsberg feiert der EVR den vierten Sieg in Folge Die Eisbären setzen ihre Erfolgsserie fort: Bei Schlusslicht Landsberg feiert sie gestern Abend den vierten Sieg in Folge und setzten sich mit einem furiosen 5:1 (2:0;0:0;3:1) durch. Die Tore für das Team von Trainer Igor Pavlov erzielten Peter Flache (3), Jason Miller und Niklas Hede. […]

Das Blaue vom Himmel

Der mit Spannung erwartete „Tag X“ ist endlich vorbei. Die Stimmen sind abgegeben. Die Wahlbeteiligung war nicht besonders erfreulich. Karolina Steinhauser hat nicht gewählt und lässt mich an Ihrer Sicht der Dinge teilhaben. Wieso sind Sie nicht zur Wahl gegangen? Weil es sowieso nichts bringt. Das ist doch völlig egal, wem man seine Stimme gibt. […]

Lorand Sachs bleibt Kickbox-Weltmeister

Lorand Sachs vom RoyalGym Regensburg ist zum dritten Mal Weltmeister im Kickboxen in der Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm. In der fünften von zehn angesetzten Runden – jeweils zwei Minuten – bezwang er den Herausforderer, Lokalmatador Rene Kretschmar, der von Sachs stellenweise regelrecht verprügelt wurde. Schließlich mussten die Betreuer des völlig demoralisierten und blutenden Kretschmer zu […]

Stichwahl! Amtsinhaber verliert rund 18 Prozent, bleibt aber weit vor den Herausforderern

Enttäuschung bei SPD und CSB Aufregung um Herbert Schlegl Viel gerätselt wurde in den letzten Tagen vor der OB- und Stadtratswahl – wie würden sich die Querelen in den beiden großen Parteien auf die Wahlergebnisse auswirken? Werden die CSU-Wähler ihren Spitzenkandidat Hans Schaidinger wieder mit einer satten Mehrheit ausstatten, wird sich der Kuschelwahlkampf von SPD-Kandidat […]

Stadtbau

Die „Sauerei ohne Ende” interessiert keine Sau

Stadtbau: Nichts wurde aufgeklärt, stattdessen gibt es stetig neue Affären Von Aufklärung ist viel geredet worden, seit die Affäre um die bestechliche Stadtbau-Mitarbeiterin Monika Z. (Wohnungen gegen Bares) im Dezember vom Wochenblatt aufgedeckt wurde. Tatsächlich aufgeklärt wurde nichts. Mit dem Rausschmiss des Stadtbau-Geschäftsführers Martin Daut gilt die Bestechungsaffäre dennoch offiziell als beendet. Das erklärte auch, […]

drin