Landrat verkündet: „Donaustauf ist nicht ausländerfeindlich“

Landrat Herbert Mirbeth (CSU): „Wir können die Armut der Welt nicht allein in Deutschland lösen.“ Foto: as
„Sehr liberales Asylrecht“
Mirbeth ist peinlichst darum bemüht, die „konstruktive Atmosphäre“ in der man diskutiert habe, zu betonen. Dass man sich mit der Problematik beschäftigen müsse, liege insbesondere daran, dass das „sehr liberale Asylrecht in Deutschland“ in der Bevölkerung „sehr breit und sehr häufig bejaht“ werde, erklärt der Landrat. „Aber wenn es konkret wird, dann wird es – da möchte ich niemandem zu nahe treten – immer schwierig.“ So eben auch in Donaustauf. Und sowohl in der Stadt wie auch auf dem Land – das sei der Fluch der wirtschaftlichen Prosperität – sei der Wohnungsmarkt generell recht angespannt. [stextbox id=”info” caption=”Info” float=”true” width=”600″] 1993 wurde beim sogenannten Asylkompromiss das Grundrecht auf Asyl erheblich eingeschränkt. Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland ist seitdem um fast 90 Prozent zurückgegangen. Als Ergebnis folgte unter anderem die zwangsweise Unterbringung von Flüchtlingen in „Gemeinschaftsunterkünften“ und das kürzlich vom Bundesverfassungsgericht gekippte Asylbewerberleistungsgesetz. Mehr dazu [/stextbox] Er, sagt Mirbeth, müsse hier schon mal den Bund kritisieren. Der habe Immobilien auf ehemaligen Bundeswehrkasernen, die als Asylunterkünfte „bestens geeignet“ wären, „nicht vorgehalten“. Eine solche Kaserne befindet sich auch in Mirbeths Heimatstadt Hemau – dort wäre für eine solche Nutzung nur ein Beschluss des Stadtrats erforderlich. Das allerdings erwähnt der Landrat nicht. Stattdessen fährt er mit seiner Kritik am Bund fort. Es sei nämlich ebensowenig verständlich, weshalb dem Flüchtlingsstrom aus Ländern wie Serbien und Mazedonien nicht endlich „ein Riegel vorgeschoben“ werde. „Die Anerkennungsquote liegt bei Null. Und wir können die Armut der Welt nicht allein in Deutschland lösen.“„Theoretisch müssten wir einfach ‘Nein’ sagen.“
Angesichts dieser Fehler sei man froh um jede Immobilie, in der man Asylbewerber unterbringen könne. Nur habe die Gemeinde Donaustauf „große Probleme, das ihren Bürgerinnen und Bürgern zu vermitteln“. Wenn man aber sehe, wie gut das in Wörth an der Donau – dort sind 72 Menschen untergebracht – funktioniere, dann läge „bei allen Bedenken ein Mangel an Information vor“. In Donaustauf gehe es nicht darum, ob man Flüchtlinge aufnehme, sondern lediglich „um das Wie“. Ins selbe Horn stößt Bürgermeister Jürgen Sommer. „So wie das läuft in letzter Zeit mit dem Asyl, kann es nicht weitergehen.“ Da habe der Landrat vollkommen recht. „Theoretisch müssten wir einfach ‘Nein’ sagen, damit die Politik da endlich mal umdenkt.“ Aber das könne man unter dem Gesichtspunkt der Humanität ja nicht machen. [stextbox id=”info” caption=”Info” float=”true” width=”600″] 90 Prozent der Asylbewerber aus Serbien und Mazedonien sind laut Angaben des Bundesamts für Migration Roma. Diese Volksgruppe ist in beiden Ländern nach wie vor erheblichen Diskriminierungen ausgesetzt. 0,3 Prozent der Antragsteller aus Serbien und 0,2 Prozent der Antragssteller aus Mazedonien werden derzeit in Deutschland anerkannt. Mehr Informationen zur Situation der Roma bei Pro Asyl. [/stextbox] Auf eine öffentliche Versammlung zusammen mit dem Landrat hat man sich in dem Zwei-Stunden-Gespräch geeinigt. Ein Ansinnen, dem sich Mirbeth lange verweigert hatte – nun hat er nachgegeben. Die Diskussionsrunde in Donaustauf soll in den nächsten beiden Wochen stattfinden.
„So wie das läuft in letzter Zeit mit dem Asyl, kann es nicht weitergehen.“ Bürgermeister Jürgen Sommer (SPD). Foto: as