SOZIALES SCHAUFENSTER

Bebauungsplan für "Quartier West"

Biotop-Bebauung ist beschlossene Sache

Koalition, Brücke und AfD bringen am Donnerstag den Bebauungsplan für das „Quartier West“ auf den Weg. Das Vorhaben der „Immobilien Zentrum Regensburg“-Gruppe hatte seit November für Proteste gesorgt.

Zu einem letzten Protest gegen den wenig später beschlossenen Bebauungsplan hatte der Bund Naturschutz aufgerufen. Foto: Baumgärtner

Die Argumente sind ausgetauscht und die Fronten sind klar. Während am späten Dienstagnachmittag noch etwa zwei Dutzend Menschen auf dem Dachauplatz für den Erhalt eines Biotops im Stadtwesten von Regensburg demonstrieren, bringt zwei Stunden später auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine deutliche Mehrheit im Planungsausschuss des Stadtrats den Bebauungsplan für das dort geplante „Quartier West“ auf den Weg.

WERBUNG

Bund Naturschutz sieht „klaren Fortschritt“ 

Wie mehrfach berichtet, laufen Naturschutzverbände seit Monaten Sturm gegen das Vorhaben der „Immobilien Zentrum Regensburg“-Gruppe und fordern den kompletten Erhalt des etwa 11.000 Quadratmeter großen Wäldchens (die gesamte zur Bebauung vorgesehene Fläche ist rund 20.000 Quadratmeter groß).

Dass nun im Aufstellungsbeschluss davon die Rede ist, dass wenigstens eine zusammenhängende 5.000 Quadratmeter große Grünfläche vorgesehen werden soll, sieht Raimund Schoberer, Vorsitzender des Bund Naturschutz, zumindest als „klaren Fortschritt“ gegenüber den bisherigen Planungen. „Wir fordern aber weiterhin, dass die Stadt und der Grundeigentümer an anderer Stelle einen Ersatz finden und die Stadt dieses Areal als zukünftigen Klima-, Biodiversität- und Bürgerpark entwickelt.“

OB: „Situation jetzt besser als vorher“ 

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer verteidigt hingegen am Donnerstag erneut das Vorgehen der Stadt. Auf dem Areal habe es seit den 80ern ein großflächiges Baurecht für Gewerbe (40.000 Quadratmeter) gegeben. „Da gab es wesentlich weniger Auflagen für Grün.“ Schon allein deshalb sei der aus dem Jahr 2016 stammende Beschluss, eine mögliche Wohnbebauung auf der Fläche zu prüfen, ein Fortschritt. „Wenn wir nichts gemacht hätten, hätte der Eigentümer dort ohne Probleme eine große Gewerbehalle hinbauen können.“ Die Situation sei jetzt besser als früher. Und wenn immer wieder gefordert werde, dass die Stadt die Fläche sichern solle, dann gehe das „in Richtung Enteignung“.

Eigentümerin war zunächst eine Tochter des Bayernwerks. Erst im September 2020 hatte das IZ die Fläche erworben, offenbar – das geht aus der Beschlussvorlage hervor – erst nach Gesprächen („planerischen Abstimmungen“) mit der Verwaltung über Art und Umfang einer möglichen Wohnbebauung.

Der Bebauungsplanentwurf sieht ein Urbanes Gebiet auf der Fläche vor, vornehmlich Wohnen, etwas Gewerbe – insgesamt 35.000 Quadratmeter Geschossfläche in bis zu siebenstöckigen Gebäuden. Überbaut wird auch die bisherige Kinderkrippe „Stromspatzen“ und durch einen Neubau ersetzt, weichen müssen auch die vorhandenen Tennisplätze. Von dem Biotop soll besagte zusammenhängende Grünfläche von 5.000 Quadratmetern erhalten bleiben.

Was bleibt von den Bäumen übrig?

Fraglich bleibt allerdings, was dabei von dem schützenswerten ältere Baumbestand übrig bleibt. Benedikt Suttner (ÖDP) weist darauf hin, dass dies bereits aus der Beschlussvorlage hervorgehe. Dort heißt es unter anderem:

„Die bestehenden Flächen sind schadstoffbelastet und Untersuchungen haben teilweise LHKW-Schäden (Leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe) festgestellt. Werden solche Flächen durch bauliche Tätigkeiten angetastet, sind zwingend Sanierungsmaßnahmen zur Dekontamination – mittels Erdaushub und weiterer Maßnahmen – notwendig. Ein Erhalt von Bäumen in betroffenen Bereichen ist bei Erdaushub dann nicht möglich. Insbesondere sollen Teile des vorhandenen Baumbestandes daher gesichert werden, indem die öffentlichen Grünflächen vor allem in dem Bereich angeordnet werden, der keiner Altlastenentsorgungsverpflichtung unterliegt.“

Vor diesem Hintergrund sei es nicht unwahrscheinlich, dass hier eher Stückwerk anstelle einer zusammenhängenden Grünfläche entstehen werde. Insbesondere der wertvolle Baumbestand sei angesichts dieser Umstände gefährdet. Angesichts der öffentlichen Debatte um das Gelände habe er sich von der Verwaltungsvorlage mehr erhofft, so Suttner. Die Fläche werde durch die Umwandlung von Gewerbe in Wohnen für das IZ attraktiver. „Da hätte man auch mehr Grün herausholen können.“

„Bauland zu Bauland“

Ja, sagt Planungsreferentin Christine Schimpfermann. Das Ergebnis der notwendigen Bodensanierung könne sein, dass die Bäume weg müssten. „Wir weisen Sie darauf ehrlicherweise schon jetzt darauf hin.“ Diesen Hinweis an die Stadträte hätte man gar nicht geben müssen, so Schimpfermann. „Aber wir haben es aus Transparenzgründen reingeschrieben.“

Die Planungsreferentin spricht von einem „guten Ergebnis“, dass die Verwaltung in Verhandlungen mit dem IZ erzielt habe. Ein gutes Viertel des gesamten Planungsgebiets werde öffentliche Grünfläche – damit würden die normalen städtebaulichen Vorgaben „übererfüllt“. Tatsächlich habe man nicht die Bebauung einer Grünfläche auf den Weg gebracht, sondern habe „Bauland zu Bauland“ gemacht.

Ähnlich argumentieren auch die Vertreter von SPD, Brücke und Freien Wählern. Günther Riepl spricht von einem „Vorzeigeprojekt für urbanes Wohnen“. Gegen die Stimmen von ÖDP, Grünen und Irmgard Freihoffer (Linke) bringt die Ausschussmehrheit den Bebauungsplan nach knapp halbstündiger Debatte auf den Weg.

Print Friendly, PDF & Email

SUPPORT

Ist dir dieser Text etwas wert?

Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer regelmäßigen Spende!
Per PayPal:
Per Überweisung oder Dauerauftrag:

 

Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14 7509 0000 0000 0633 63
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (38)

  • Mr. T.

    |

    Langjährige politische Landschaftspflege muss ja schließlich auch Früchte tragen. Peter Wohlleben hat von dieser graubraunen Allianz gestern bei Lanz sicher niemand gesehen. Jeder einzelne Baum, der dort steht, ist für das Mikroklima mehr Wert als eine Wohnung. Das sind die allerletzten Bäume dort (abgesehen von den Allebäumen an der Lilienthalstrasse, von denen aber auch regelmäßig welche fallen (müssen)). Und so wie es sich jetzt ausgestaltet wird das Restgrün sicher nicht aus den bestehenden Bäumen bestehen, die erstmal der Bautätigkeit im Weg sein werden und auf Grund der belasteten Böden leider gefällt werden müssen. Dafür pflanzt man dann schon wieder ein paar Stängel in eine angelegte Grünanlage auf den 5000 qm. Zum Kotzen diese Scheindemokratie in Regensburg, in der jeder mal was sagen darf und jeder mal gehört wird und dann alles nochmal besprochen wird, um dann das, was von vornherein feststand, zu kommunizieren und als erfolgreichen Kompromiss zu verkaufen. Dass es beim RKK einmal nicht geklappt hat, war Warnung genug vor zu viel Bürgerbeteiligung.

    Was kann man jetzt noch machen? Kann man den BN für den Rechtsweg unterstützen?

  • xy

    |

    In Regensburg gibt es genügend Bäume und Alleen. Was es in Regensburg nicht gibt, sind genügend bezahlbare Wohnungen. Man kann doch nicht ein “Biotop” fordern und dafür vielen Menschen eine Wohnung vorenthalten. Biotope gehören in die weite Natur und Wohnungen gehören in die Stadt!

  • Mr. T.

    |

    Geht’s noch ignoranter, xy? Sie wissen ganz genau, dass dort keine bezahlbaren Wohnungen entstehen werden, sondern Anlageobjekte. Sie sollten auch wissen, dass es nicht egal ist, wo der Baum steht. Die meiste Wirkung entfaltet er in seiner direkten Umgebung. Und außerdem gibt es im Westen noch genug Brachen, die man bebauen könnte, ohne wertvolle Bäume fällen zu müssen.

  • da_Moartl

    |

    Um dieses verwilderte “Biotop” ist es nicht wirklich schade. Und in einem Straßendreieck dieser Anordnung von einem “Park” zu träumen, verrät eher eine gewisse Weltfremdheit. Wer sich in der näheren Umgebung umschaut, kann – wenn auch nicht auf öffentlichem Grund – sehr viel Bäume entdecken. Das Problem wird ein ganz anderes werden: Nachdem man die Kreuzung am REWE durch den jüngsten “Umbau” schon derart verunstaltet hat (gleichermaßen unmöglich für REWE-Kunden wie für Fußgänger oder Radfahrer), wird der Verkehr an dieser Kreuzung spätestens nach Abschluss der Bauarbeiten vollends kollabieren.

  • Giovanni Bavarese

    |

    Interessant dass die Verwaltung immer noch mit dem tief im Korruptionssumpf versunkenen ImmobilienZentrum verhandelt.

    Hinter dem Rücken des Stadtrates. Und das, obwohl das IZ noch gar kein Eigentümer des Grundstückes war!

  • Mr. T.

    |

    da_Moartl, sowas muss nicht “schön” oder “gepflegt” sein, um zum Voreil zu gereichen. Alleine die Anwesenheit der verwilderten Natur ist etwas Wert. Im Gegenteil wäre ein angelegter “Park” sicher viel weniger Wert.

  • Solitär

    |

    Schon absurd: die Welt brennt im wörtlichen Sinne, wird überflutet, und verdörrt. Es ist bekannt, dass jetzt überall – im kleinen wie im großen – alles getan werden muss, um überhaupt die 1,5 Grad noch zu erreichen. Und in Regensburg sitzt eine CSU in der Regierung und macht Politik für Privateigentum, Autos und gegen alles was irgendwie “zum Erhalt der Schöpfung” (wohl die größte Farce in deren Selbstverständnis) beitragen KÖNNTE. Die SPD betreibt Selbstaufgabe und der Rest ist halt da abzunicken. Das ist so absurd.

  • Stefan

    |

    Biotope sind verwildert, sonst wärs ja ein Park! Und in Zeiten von klimabedingter Überwärmung von Städten ( Wien z.b. investiert 100Mio € um in Zukunft mit solchen Biotop die Stadt zu kühlen, sonst drohen 7 Grad mehr, also 46 Grad im Hochsommer) als auch Überschwemmungen (aktuell in den Medien sichtbar) durch immer mehr Versiegelung der Böden, sollte man wirklich mal beginnen solche Flächen zu schützen, denn einen 30 / 40 Jahre alten Baum kann man leider nicht pflanzen. Um der betroffenen Fläche sind zahlreiche baumlose Flächen die bebaut werden könnten. Und wer hier behauptet die entstehenden Wohnungen würden bezahlbar werden, der lügt ganz einfach. Vom Klimaschutz reden viele, hier sieht man wie es mit der Wirklichkeit bestellt ist, ob Politik oder privat.

  • R.G.

    |

    @Stefan
    Als man bei uns gegenüber modernere und teurere Objekte baute, setzte man alle Ersatzbäume in unseren Hof, danach nochmals bei einem weiteren Wohnbau. Es war etwas eng, dunkler Schatten wurde erzeugt.
    Im Resultat heißt das für uns, dass es hier bei großer Hitze auf der Südseite bis zu 4 Grad weniger hat als bei den teureren Häusern gegenüber, wo hübsche Waschbetonplatten den großen Hof zieren. Etwa der gleiche Temparaturunterschied besteht zwischen unserem grünen Stadtteil und der zubetonierten Stadtmitte.
    Das Haus nebenan hat von der besseren Wohnlage demnach keinen Vorteil.
    Ich denke, die Menschen messen und überprüfen in ihrer unmittelbaren Wohnumgebung zuwenig, ihnen wird so nicht bewusst, dass man selbst etwas gegen die örtliche Überhitzung wirken kann.

  • joey

    |

    “Bauland zu Bauland”
    Staub zu Staub

  • Nix passiert

    |

    Gott sei Dank ist der Spuk zu Ende. Es gibt im Regensburger Osten genügend ‚Baustellen’ um die Natur zu schützen oder das Umfeld aufzuwerten. Beispiel Schloß Pürkelgut, Leopold-Kaserne usw.

  • Tröster

    |

    Interessante Aussage der Planungsreferentin: Man hätte dem Stadtrat das mit den Bäumen nicht mitteilen müssen, man tut es aber aus Transparenzgründen trotzdem.
    Sehr großzügig, kann man da nur sagen.
    Eigentlich dachte ich immer, die Verwaltung hat den Stadtrat ausführlich und umfassend zu informieren. Die Regensburger Stadtverwaltung scheint hier anderer Meinung zu sein und die Stadtspitze wohl ebenso…

  • Gscheidhaferl

    |

    @Tröster
    Das mit der unzureichenden Information des Stadtrats betrachtet Frau Schimpfermann vielleicht inzwischen als eine Art Gewohnheitsrecht? Und es wäre ja letztlich auch ein probates Mittel, um Verantwortlichkeiten zu verschleiern, wenn was daneben geht: Der Stadtrat kann sagen, er wurde nicht hinreichend informiert und die Verwaltung kann sagen, sie war zur detallierteren Information weder verpflichtet, noch wurde sie dazu mehrheitlich aufgefordert.

    Jedenfalls finde ich es auch bezeichnend, dass augenscheinlich dearart nachdrücklich auf Selbstverständlichkeiten hingewiesen wurde, wie etwa darauf, dass die Verwaltung dem Stadtrat gegenüber an dieser Stelle ehrlich sein wollte. War das am Ende nicht durchgehend der Fall?

    Und wer hat nun genau wieviel Anteil an der Vorlage, über die da abgestimmt wurde? Stammt sie noch überwiegend von der Verwaltung? Oder ist es ein Papier, für das eher das IZ die Autorenschaft beanspruchen sollte?

    Wie schade, dass in Regensburg solche Fragen tatsächlich erntshaft gestellt werden müssen.

  • JJAngleton

    |

    Wie viele “neue” Bäume muss man eigentlich pflanzen, um einen “alten” Baum zu ersetzen?

    Frage richtet sich an einen Juristen, und einen Biologen und einen Klimatologen

  • Chris K.

    |

    Hallo,
    ich wohne jetzt seit 35 Jahren in der Straße. Von bezahlbaren Wohnraum (zumindest was ich mir vorstelle und das sind nicht 1000€ kalt für 70 m²) wird man hier nicht wirklich sprechen können. Dafür ist die Lage und Infrastruktur (alle möglichen Schulen/Kitas und Ärzte in der Nähe, 20 Minuten zu Fuß in die Innenstadt, Westbad und diverse Supermärkte daneben) viel zu gut.

    Was mir über die letzten Jahre auffällt ist, dass die Tierarten in der Umgebung immer weniger werden (früher gab es mehr Fledermäuse und Vögel und wir hatten eigentlich jährlich Igel im Garten). Das einzige was (zumindest gefühlt) zunimmt sind die Mücken, vielleicht weil eben weniger natürliche Feinde in der Umgebung.

    Grüße
    Chris

  • Frank und Frei

    |

    Unsere Stadtverwaltung und Stadträte tun doch seid Jahren nur das Beste für unser Boom Town.

  • Hartl Norbert

    |

    2016 war ich beim Beschluss dort Wohnraum mittels eines neuen Bebauungsplans zu prüfen dabei. Richtig ist, dass dort Baurecht für Gewerbe, ohne Erhalt einer Grünfläche bestand. Ziel war 2016 preisgünstigen Wohnraum zu erstellen und auch eine Biotopfläche zu sichern. Dies geschieht jetzt. Mit dem Bebauungsplan werden, wenn die angegebenen Quadratmeter stimmen 40 % geförderte Wohnungen entstehen (ca. 200). Was soll also die Debatte, es sei anders. Alles ein Sturm im Wasserglas, der Planungsausschuss hat eine richtige Entscheidung getroffen. Leider haben die Debatten das Ganze um zwei Jahre verzögert, die Wohnungen könnten schon bezugsfertig sein.

    Norbert Hartl

  • Gscheidhaferl

    |

    @Norbert Hartl
    Vielen Dank für Ihren Beitrag! Dazu nur zwei Nachfragen: Wie lange unterliegen die geförderten Wohnungen dann der Mietpreisbindung und was heißt das in konkreten Zahlen, d.h. wie hoch wäre dann die Miete pro Quadratmeter?

  • joey

    |

    @JJAngleton
    Jeder Baum stirbt irgendwann, also ist ein neuer so gut wie ein alter, wenn man kontinuierlich nachpflanzt. Blanke Mathematik, lernt man am Freitag in der Schule.

    Das Werden und Vergehen ist in der Natur ausgleichend, wobei das Werden den Vorteil der Variation und damit neue Arten mitbringt. Das widerspricht dem üblichen gärtnerhaften Naturverständnis der mitteleuropäischen Menschen.

  • R.G.

    |

    Herr Hartl, waren das für eine Alleinerzieherin mit Arbeitsplatz an der Kassa im Supermarkt leistbare Wohnungen, die man dahin plante?
    Haben Sie Förderung für diese Personengruppe erdacht oder für den mittleren und oberen Mittelstand?

  • Mr. T.

    |

    Das ist doch ein Schmarrn, Herr Hartl, die Debatten laufen doch gar nicht so lange. Das IZ hat das Grundstück vor noch nichtmal einem Jahr erworben, nachdem es sich von der Verwaltung wohl hat zusichern lassen, dass das schon klappen wird mit dem Baurecht.

  • R.G.

    |

    Das Münchner Baumschutzgesetz bzw. die Situation in Deutschland:
    https://www.lbv-muenchen.de/ratgeber/was-tun-wenn/baumschutz.html

    @Stefan
    Das Wiener Baumschutzgesetz. Ersatzpflanzungen:
    https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrW&Gesetzesnummer=20000294
    “(2) Das Ausmaß der Ersatzpflanzung bestimmt sich derart, daß pro angefangenen 15 cm Stammumfang des zu entfernenden Baumes, gemessen in 1 m Höhe vom Beginn der Wurzelverzweigung, ein Ersatzbaum mittlerer Baumschulenqualität (8 bis 15 cm Stammumfang) zu pflanzen ist. In den Fällen des § 4 Abs. 1 Z. 1, 3 und 6 sind Ersatzbäume im Verhältnis 1 : 1 zu pflanzen, wobei im Falle des § 4 Abs. 1 Z. 6 der Magistrat von der Vorschreibung der Ersatzpflanzung Abstand nehmen kann.

    (3) Die Durchführung der Ersatzpflanzung obliegt – abgesehen von den Fällen des Abs. 6 – dem Träger der Bewilligung nach § 4, der sie in erster Linie auf derselben Grundfläche, wenn dies nicht möglich ist, in einem Umkreis von höchstens 300 m vom Standort des zu entfernenden Baumes auf eigenem oder fremdem Grunde vorzunehmen hat”

  • Stefan

    |

    @joey Jeder Baum stirbt irgendwann….
    Die Zeit, in der ein Baum als CO₂-Speicher dient, bezeichnet man als Kohlenstoffumschlagzeit. Je größer und je älter ein Baum wird, desto länger entzieht er der Atmosphäre dauerhaft Kohlenstoffdioxid.
    Jeder Baum, der gepflanzt wird, lohnt sich. Denn alle Bäume reduzieren den CO₂-Gehalt in der Atmosphäre.
    Weil alte Bäume viel CO₂ speichern, ist es wichtig, sie zu schützen.
    Vlt erstmal lesen:
    https://a.plant-for-the-planet.org/wp-content/uploads/2020/12/faktenblatt_baeume_co2.pdf

  • joey

    |

    @Stefan
    Ein neuer Baum entzieht genau so viel wie ein alter, wenn er alt wird (ca. 10 Jahre und schon ist er groß). Es kommt eben darauf an, was man mit dem alten Baum macht.
    Laubbäume kann man meist nur verheizen, für Möbel eignet sich nur ein kleiner Teil. Nadelhölzer am Bau sind langfristig gebunden.

  • Hindemit

    |

    Herr Joey ist der Meister im Hin- und Verdrehen von Argumenten bis sie passen. Bei Ihrer Logik wird eben ein neuer Baum nicht alt, so leichtfertig wie Sie bereit sind ihn (den neuen) zu opfern.

  • Tobias

    |

    R.G.
    “Die Alleinerziehende mit Job an der Supermarktkassa” [ach, da wird nicht gegendert, wenn es um Tränendrücken geht?!] ist ja nun wirklich albern. Gerade in Deutschland wird man mit Förderungen und Zuschüssen nur so bombardiert, vor allem von den Steuerzahlern, die ebenfalls mit teuren Mieten und Abgabenlasten zu tun haben in Richtung denen, die eben ein ganz normales Szenario im Leben durchmachen: Mal verlieren. Soll es jetzt gratis Wohnraum geben? Als Ostdeutscher kann ich Ihnen sagen: Das wollen Sie nicht. 59 Mark für eine 70m²-Wohnung funktioniert nicht. Da gibt es so viele Berichte über die zerfallenden Innenstädte, das können Sie selber mal nachrechnen.

    Ich kann diese “Bezahlbare Wohnraum”-Geschichte langsam nicht mehr hören, denn “bezahlbar” – was ist das? Soll die Supermarkt-Kassiererin (ungelernt und Teilzeit, die sie ja ihr Kind hat) jetzt ihr Penthouse erhalten? Ist “bezahlbar” das, was ürbrig bleibt, wenn sich jemand zwei Urlaube und drei Smartphones gönnt? Man will schön leben, alles ganz prima. Industrie, Infrastruktur, Universität, viele saubere Busse und Bahnen – das kommt aber eben nur vom Schaffen. Gleichzeitig will man aber Mieten auf Niveau des bankrotten Verwaltungskaffs, welches Regensburg 1950 war. So geht das halt nicht. Die Stadt boomt halt. Und es sollen ja immer mehr Menschen werden, “Flüchtlinge” sollen zu hunderten dazukommen – aber nein, bauen darf man auch nicht. Und hohe Mieten, die daraus resultieren, gehen auch nicht.

    Da fragt man sich über den Bildungsstand in der Bevölkerung und verstehe zunehmend, warum Verwaltungen “einfach machen”.

  • joey

    |

    @Hindemit
    Danke für den Meister, aber das Verdrehen weise ich zurück. Wenn Sie was Falsches finden, können Sie mich ja inhaltlich korrigieren.

    Ich widerspreche nur der Baumreligion. Bäume sind eben nicht ewig, auch nicht in der Natur. Alte Bäume werden immer kränker und fallen irgendwann um. Das geht im gesperrten Urwald Nationalpark Modellgebiet ganz locker, in Stadtwäldern wird man das nicht abwarten können/dürfen.
    Wenn man immer wieder nachpflanzt, bleibt die Bilanz langfristig etwa gleich.

  • XYZ

    |

    Kommentar gelöscht. Kein Antisemitismus. Meiden Sie unser Forum.

  • Mr. T.

    |

    joey, vielleicht eher Vereinfachen statt Verdrehen. Bloß so einfach ist es nicht. Natürlich muss man auch mal alte Bäume im Stadtgebiet fällen, aber dann sind sie oft schon ein paar Hundert Jahre gestanden und haben viel fürs Klima bewirkt. Das kann kein Baum, der ein paar Jahre alt ist. Da gehts um Biomasse. Und davon hat sich in besagtem Wäldchen sehr viel entwickelt die letzten Jahrzehnte. Da würde so gut wie alles geopfert werden und ein paar Neupflanzungen würden grad mal ein paar Prozent der jetzt vorhanden Biomasse ersetzen. Dieser kleine Wald ist fürs lokale Stadtklima unbezahlbar und nicht zu ersetzen.

  • joey

    |

    @Mr.T
    Biomasse: der junge Baum wächst und bindet damit mehr Biomasse neu (!) als der ausgewachsene alte.
    Die CO2 Verminderung durch Laub könnte man mit Fassadenbegrünung ebenso oder vielleicht gar besser machen, wächst schnell. Wilder Wein nährt Insekten im Sommer, Efeu im Spätherbst. An meinem eigenen Haus ist kein Bienensterben, da brummt es so richtig laut.
    Biomasse ernte ich an meinem eigenen 100m Wall mit 3 reihigen Wildsträuchern so viel, daß mein Anhänger dafür langsam zu klein wird. (Ich muß das Zeug schneiden, weil es sonst einen Radweg blockiert…). Das Kleinzeug macht mehr als ein alter Baum, dazu brauche ich keinen Lesestoff für Stadtkinder. Wers nicht glaubt, kann ja kommen und mir helfen, als biologisches Praktikum…

  • Raimund Schoberer Bund Naturschutz

    |

    Sehr geehrte Leserinnen und Leser von RD,

    Danke an Herrn Aigner für den Beitrag.

    Der Aufstellungsbeschluss ist soweit gefasst; leider. In den städtischen Unterlagen steht “…mindestens 5000m² zusammenhängende öffentliche Grünfläche …”. Das ist schon mehr als nichts wenn auch viel zuwenig; da die Fläche “der letzte kleine Rest” im Quartier ist; und von einem “leztzten Rest” dann weniger wie die Hälfte übrig lassen ist nicht gerade gut.

    Interessant ist die Aussage in den städtischen Aufstellungsunterlagen: “Durch den Aufstellungsbeschluss sind keine direkten Auswirkungen auf das Klima zu erwarten. Das Schutzgut Natur/Klima wird im Rahmen des weiteren Verfahrens untersucht”.
    Es wird interessant, zu welchen Ergebnissen und Abwägungen die weiteren Planungen hier kommen, wenn große Teile dieser zentral wichtige „Klima- und Biodiversitätinsel“ für die Bebauung und Altlastensanierung überplant werden.

    Als Bund Naturschutz werden wir auf jeden Fall im Verfahren Stellung nehmen, haben gute Argumente und werden für diese Argumente auch weiterhin öffentlich eintreten und bei der Politik für ein Umdenken werben.

    Klagen gegen die Stadt sind im Bauleitplanverfahren vielfach wenig aussichtsreich. Dazu ist das Planungsrecht leider zu sehr “pro Bau” gestrikt.
    Soweit der Stadtrat nicht selbst noch eine andere Linie einschlägt kann eigentlich nur ein Bürgereintscheid noch eingreifen. Das muss dann aber wohl überlegt sein und geht nur mit einem breiten Bündnis, vielen Engagierten und natürlich mit guten Argumenten die viele Bürgerinnen und Büger in der Gesamtstadt überzeugen.

    Viele Grüße
    Raimund Schoberer
    Vorsitzender BN KG Regensburg

  • Chris K.

    |

    Hallo,
    ich würde bezahlbaren Wohnraum so definieren, dass nicht mehr als die Hälfte meines Gehaltes für die Miete drauf geht (früher war das bei weitem weniger).
    Ich bin ja dann gespannt ob man diese Förderung auch im Kaufpreis der Wohnung sieht (in der Udetstraße wird gerade gebaut und dort werden 70 m² Wohnungen für 500.000 und mehr verkauft) und ob das auch über Mieten weitergegeben wird.

    Grüße
    Chris

  • Hindemit

    |

    Hr. Joey, gerne nehme ich Ihre Einladung an und zeige , wo sie inhaltlich daneben liegen. Sie behaupten, dass “neue” Bäume genauso viel oder sogar mehr CO2 binden als Bestandsbäume (auch in Ihrer Replik an Mr. T oben). Das ist Falsch!
    Die Gleichung geht nicht auf, sie müssten ein Vielfaches an “neuen Bäumen” Pflanzen, um die Co2- Kompensation von z.B. eine Buche mit 30cm Durchmesser auszugleichen. Ich glaube nicht, und es wurde auch nicht im Artikel berichtet, dass das IZ ein Vielfaches der Bestandsbäume ersetzt, im Gegenteil es würde deutlich weniger. Ergo eine massive ökologische Verschlechterung ergibt sich mathematisch.
    “Zu beachten ist, dass Bäume in den ersten Jahren nach Pflanzung eher geringe Biomassevorräte anlegen. Erst mit zunehmendem Alter wird vermehrt CO2 gebunden.“ Quelle https://www.co2online.de/service/klima-orakel/beitrag/wie-viele-baeume-braucht-es-um-eine-tonne-co2-zu-binden-10658/
    @redaktion: Entschuldigen Sie die Antwort, aber Falschbehauptungen sollten nicht unwidersprochen bleiben. Ich erwarte zwar nicht, dass Hr. Joey an dem Punkt zustimmt, aber es lesen ja auch andere mit, die Argumenten gegenüber offener sind.

  • Mr. T.

    |

    Hindemit +1

    Chris K., 50% des Gehalts für die Miete ist zwar schon für mache realistisch, aber ich würde das nicht mehr bezahlbar nennen – vielleicht nur im wörtlichen Sinn.

  • joey

    |

    @Hindemith
    ich habe nie gefordert, alte Bäume umzuhauen. Eine Fokussierung auf Bäume ist aber nicht die ganze Wahrheit, denn alle Pflanzen sterben – dazu brauche ich keine Links. Wer glaubt, daß im Stadtbereich Buchen 300 Jahre alt werden, der ist ein Optimist. Entscheidend ist für die langfristige CO2 Bilanz, was mit dem Biomaterial anschließend passiert. Hartholz wird verfeuert! Douglasien wird nun keiner in R pflanzen… da ist Kompostierung von Fassadengrün wesentlich nachhaltiger…. wenn es denn überhaupt ums co2 geht.
    Die meisten wollen hier ihren Hundepark und einige verwenden den Baummythos für politische Zwecke.
    Nein, ich bin nicht der Freund des IZ und der üblichen Zustände in R.

  • Hindemit

    |

    q.e.d.

  • Stefan

    |

    Hab nochmals alles durchgelesen. Dass hier jemand einen Hundepark fordert, oder nur von Bäumen redet kann ich leider so nicht finden. Ja es geht um Bäume, Bäume die 30/40Jahre alt sind, deren Wurzeln tief in den Boden reichen, die Temperaturen von bis zu 6Grad durch ihren Schatten verhindern können, die in ihrer Gesamtheit Insekten, Vögeln , Kleintiere und vieles mehr einen Lebensraum bieten! Bäume, ob frisch gepflanzt oder 10Jahre alt,bkönnen dieses nicht! Ob junge Bäume überhaupt eine Überlebenschance in der Stadt haben( man sieht ja mittlerweile zunehmend immer mehr junge Bäume in der Stadt die kaputt gehen) durch zunehmender Bodenversiegelung und Temperaturzunahme, wird ohne intensiver Pflege sehr schwierig , eher unmöglich . Bei der Betroffenen Fläche geht es um etwas dass so 30/40 Jahre brauchte um sich zu entwickeln, Nichts kann so etwas ersetzen. Und genau diese kleine Flächen zu erhalten macht im Großen genau den Unterschied aus wie sich das Klima der Stadt entwickelt. Andere Städte haben dieses längst erkannt, in Regensburg die Politik und einige Bürger anscheinend noch nicht.

  • Mr. T.

    |

    Stefan +1 – genau so ist es.

    Und wenn da auch wider die halbe Fläche begrünt werden würde, wäre dies maximal eine Rasenfläche mit ein paar jungen Bäumen drin und nicht mehr so ein Biotop mit einer solchen Biomasse und natürlichen Vielfalt. Die 11.000 qm sind wohl die mit Abstand wertvollste Fläche im ganzen Viertel. Zwar nicht für die Eigentümer, die die Fläche am liebsten versilbern würden, aber für die Anwohner im Viertel. Deswegen darf das Wäldchen auf keinen Fall geopfert werden. Es gibt genug weniger wertvolle Brachflächen in nächster Umgebung für Wohnungsbau, die zuerst bebaut werden müssten wenn die Nachfrage nach Anlageobjekten, die man in der Haltezeit noch vermieten kann, so groß ist. Für das IZ heißt es dann zwar: leider verspekuliert. Aber es gibt ja auch keine Garantie, dass positive Signale aus der Verwaltung nach dem Kauf auch noch zwingend zu maximalem Profit führen müssen. Politische Landschaftspflege birgt eben auch ein kleines Verlustrisiko.

Kommentare sind deaktiviert

drin