SOZIALES SCHAUFENSTER

Autokorso

Conti-Beschäftigte wehren sich gegen geplanten Stellenabbau

Es war eine Hiobsbotschaft für die Angestellten des kriselnden Autozulieferers Continental. Bereits vergangene Woche hatte die Unternehmensleitung in Hannover die Sparpläne vorgestellt. 13.000 Arbeitsplätze stehen bundesweit auf der Kippe. Allein für den Standort Regensburg befürchtet die Gewerkschaft IG Metall, dass rund 2.100 Stellen gestrichen werden könnten. Am Donnerstag demonstrierten rund 500 Angestellte mit einem Autokorso gegen die Sparpläne. Auf einer gemeinsamen Kundgebung auf dem Parkplatz am Jahnstadion forderten Betriebsrat und IG Metall-Vertreter ein rasches Umdenken und die Suche nach Alternativen.

Knapp 200 Autos fuhren am Donnerstag als Korso von Continental zum Jahnstadion. Es war ein Zeichen der Belegschaft gegen den geplanten Stellenabbau. Foto: bm

„Der Kampf hat gerade erst begonnen. Und wenn Frau Reinhart und Herr Degenhart nicht zu uns kommen, um mit uns zu sprechen, dann kommen wir eben demnächst nach Hannover.“ Mit diesen Worten schwört Herbert Brücklmeier, Betriebsratsvorsitzender bei Continental Regensburg, seine Kolleginnen und Kollegen auf die bevorstehenden Wochen ein. Laut ihm sei das Vertrauen in Konzernchef Elmar Degenhardt und den Vorstand rund um Ariane Reinhart – sie ist für das Personalmanagement zuständig – zerstört. Bereits im Juni wurde durch Insider-Informationen bekannt, dass das Unternehmen einige 100 Millionen Euro einsparen will. „Das wird sehr schmerzhaft. Aber wir haben keine andere Wahl“, so Degenhart in einem internen Video.

Conti will jährlich eine Milliarde Euro einsparen

Mittlerweile ist bekannt: Conti will jährlich eine Milliarde Euro einsparen – 30.000 Arpeitsplätze weltweit, 13.000 in Deutschland und davon 2.100 in Regensburg. „In diesen Zeiten eine Beschäftigungssicherung auszusprechen, wäre nicht fair den Mitarbeitern gegenüber. Wir werden sie nicht garantieren können“, ließ Personalchefin Dr. Ariane Reinhart Anfang September per Pressemitteilung wissen.

Zuletzt habe es noch Versprechungen gegeben, dass die abgespaltete Antriebssparte Vitesco für die kommenden Jahre bestehen bleibe, so Betriebsrat Brücklmeier. Vitesco ist auch für den Regensburger Standort ein wichtiger Arbeitgeber. Doch genau dort soll nun ein Großteil der Stellen gestrichen werden. „Keine betriebsbedingten Kündigungen“, fordert der Betriebsrat auf der Bühne stehend. Im Hintergrund das Jahnstadion, wo früher einmal der Continental-Schriftzug prangte.

Etwa 500 Angestellte haben sich an diesem Nachmittag auf dem Parkplatz P3 versammelt. Der Autokorso ist einer von mehreren in ganz Deutschland. Corona-bedingt gab es im Vorfeld von der Polizei eine Teilnehmerbegrenzung. Neben den vielen Conti- und Vitesco-Mitarbeitern sind auch Angestellte von Osram, Siemens und Infineon vor Ort. „Wir solidarisieren uns mit unseren Kollegen. Das ist selbstverständlich“, sagt ein Osram-Angestellter. Zwischen zwei Autos haben er und Kollegen ein Banner mit der Aufschrift „Wir sind dabei“ gespannt. An den dutzenden Autos wehen kleine Gewerkschaftsfahnen.

Mit Autokorse gegen die Konzernleitung

Bereits um 14.30 Uhr starten die knapp 200 Autos vom Firmenparkplatz im Osten Regensburgs. Mit Fahnen der IG Metall und lautem Hupkonzert geht es auf einer mit der Polizei abgesprochenen Strecke als Autokorso Richtung Stadion, wo sie dann gegen 15.30 Uhr mit Fahnen und Bannern von Mitgliedern des DGB, der Linkspartei, Linksjugend Solid und der SPD empfangen werden. Neben dem Kreisrat der Linken Klaus Nebl empfangen auch der Wenzenbacher Bürgermeister Sebastian Koch (SPD) und SPD-Landtagsabgeordnete Margit Wild den Korso.

2.100 Arbeitsplätze sollen allein in Regensburg bedroht sein. SPD, Linke und DGB zeigen sich am Donnerstag geeint und wollen das noch nicht hinnehmen. Foto: bm

Laut Wild müsse Continental seiner sozialen Verantwortung gerecht werden. Stellenabbau sei der „völlig falsche Ansatz“. Noch deutlicher wird Nebl. „Es kann nicht sein, dass Conti Steuergelder einstreicht, dann Dividenden ausschüttet und am Ende tausende Stellen streicht.“ Hier zeige sich die „hässliche Fratze des Kapitalismus“. Eigentum verpflichte. Eine Pflicht, die im Grundgesetz stehe und auf das auch Jürgen Scholz, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg, in seiner Eingangsrede verweist. „Es geht hier nicht um Corona, sondern um eine Umstrukturierung auf Kosten der Beschäftigten.“ Die würden seit Jahren unter großem Einsatz große Profite erwirtschaften. „Und jetzt bekommen sie einen Fußtritt verpasst.“

Vier-Tage-Woche statt falschem Krisenmanagement

Die Corona-Krise diene laut Johann Horn, Vorsitzender der IG Metall Bayern, lediglich als Vorwand, um „offensichtlich eigene Fehler der Vergangenheit auszubügeln“. Horn erteilt in seiner Audiobotschaft ebenfalls betriebsbedingten Kündigungen eine klare Absage. Er und Scholz bringen stattdessen die zuletzt bereits breiter diskutierte Idee einer Vier-Tage-Woche ins Spiel. „Wenn es wirklich weniger Arbeit gibt, dann lasst uns diese doch besser verteilen und so Arbeitsplätze sichern“, betont Scholz. Klatschend und hupend bekräftigen die Angestellten immer wieder diese Aussagen.

Unterstützung erhalten sie von Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Während ihre Parteikollegen Koch, Wild und weitere inmitten der Conti-Belegschaft stehen, ist sie selbst verhindert und sendet ihre Worte ebenfalls per Audiobotschaft. „Ich stehe an eurer Seite. Ihr seid uns wichtig“, teilt die OB mit. Schließlich sei der Wohlstand der Stadt nicht zuletzt der harten Arbeit der Angestellten der zahlreichen Firmen in und um Regensburg zu verdanken. Dem Strukturwandel in der Automobilindustrie müsse mit anderen Mitteln begegnet werden. „Gerade jetzt würden sich unglaubliche Chancen bieten, den Transformationsprozess gemeinsam zu gestalten und neue Arbeitsplätze zu finden“, so Maltz-Schwarzfischer.

„Entweder völlig verpennt oder einfach kein Interesse”

Eine Aufforderung, die dann auch Rico Irmischer von der IG Metall bekräftigt. „Ja, die Automobilindustrie und die Zulieferer sind in schwierigem Fahrwasser. Die Transformation schlägt immer stärker durch. Die Umstellung vom Verbrenner zu alternativen Antrieben, die Umstellung der Produktion, höhere Automatisierung, Digitalisierung und viele andere Megatrends verändern unsere Arbeitsplätze maßgeblich.“ All das seien herausfordernde Aufgaben, auf die die IG Metall allerdings schon lange hingewiesen habe, so Irmischer. „Wie oft haben wir öffentlich gefordert, dass die Beschäftigten mitgenommen werden müssen? Dass die Transformation mit den Beschäftigten, nicht an den Beschäftigten vorbei gemeistert werden muss.“

Für Rico Irmischer deuten die aktuellen Pläne auf ein klares Versagen des Managements hin.

Das Conti-Management habe das aber „entweder völlig verpennt oder hat einfach kein Interesse daran, die konstruktiven Vorschläge der IG Metall aufzunehmen“. Das sei „grob fahrlässig“ und mitverantwortlich für die Situation des Unternehmens. Einen der „Managementfehler“ sieht der Gewerkschafter auch in der Ausgliederung der Antriebssparte. Dadurch seien die Kosten enorm gestiegen. „Zusätzliche Vorstandsmitglieder, doppelte Strukturen, weitere Ebenen, Ausgaben über Ausgaben, die sich Conti gut und gerne hätte sparen können.“ Dass nun die Angestellte dafür bezahlen sollen, „das stinkt doch zum Himmel“.

Auf einer gemeinsamen Versammlung mit den Beschäftigten möchte die IG Metall nun die nächsten Schritte besprechen. Die Stimmung unter den Mitarbeitern vor dem Stadion zeigt am Donnerstag: „Heute ist erst der Start. Der Kampf hat gerade erst begonnen.“ (Brücklmeier).

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Kommentare (50)

  • joey

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    Autokorso? Fahrrad bitte. Die IG Metall war ja auch gegen Verbrenner und nun kommen die Folgen.
    Nein, das ist kein Managementfehler: ein Kurzstreckenfahrzeug mit nur ein paar E-Motörchen braucht eben weniger Teile. Entlassungen sind wirtschaftlich bei einem Produkt, das nicht hergestellt werden soll.
    Ja, das ist das Ergebnis von FFF.

  • Andreas

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    Wer Klimaschutz fordert und generell gegen Autos, auch E-Autos, ist der sollte zur Arbeitslosigkeit stehen, die seine Politik verursacht!
    Wenn Leute sagen wir können Klimaschutz ohne Arbeitslosigkeit, dann ist das genau so populistisch wie wenn die Rechten sagen: Ausländer raus und alles wird gut.

  • Sir Sonderling

    |

    > Ja, das ist das Ergebnis von FFF.

    Und das ist sehr gut, so!

    Schade, dass das hochbezahlte Conti-Management die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkannt hat. Auf der ganzen Linie versagt, haben sie – und die Angestellten dürfen nun die schale Suppe auslöffeln.

  • ottonormahl

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    Huch, damit hätte jetzt keiner gerechnet. Ich glaube, dass mit der “hässlichen Fratze des Kapitalismus” stimmt, das ist für die vielen neuen Harzer verantwortlich.

    Da will ich mal das nächste Mal lieber wieder rot-grün wählen.

  • Klaus Nebl

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    Zu den Management-Fehlern der Continental AG kommt aber auch noch das fast schon zynische Gebaren zwei Monate vorher ca. 600 Millionen Euro Dividende aus zu bezahlen, eine Dividende, die u.a. von genau den Leuten erarbeitet wurde, die jetzt bei Conti entlassen werden sollen. Im übrigen flossen fast 300 Millionen Euro von dieser Dividende in die Schweizer Taschen von Frau Schäffler. Darauf bezog sich mein Kommentar, dass ‘Eigentum verpflichtet’, aber es kommt immer mehr zu der Regel, dass Gewinne privatisiert werden und Verluste sozialisiert werden – also eine genaue Umkehr der Verpflichtung des Eigentums.

  • Hthik

    |

    @joey 11. September 2020 um 15:39

    “Nein, das ist kein Managementfehler: …”

    Märkte zu beobachten und neue zu erschließen, ist ja auch nicht die Aufgabe eines Managers, nicht wahr? Eine Frechheit, dass sich die Welt ändert! Das sollte verboten werden.

    Völlig überraschenderweise hat sich diese “Arbeitsteilung” nicht bewährt.

    https://wabw.uni-hohenheim.de/fileadmin/einrichtungen/wabw/Digitalisate/Arbeitsappelle/04_Arbeitsappell_1_10_55_Geschaeftsleitung.jpg

  • Hthik

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    @Andreas 11. September 2020 um 16:18

    “Wenn Leute sagen wir können Klimaschutz ohne Arbeitslosigkeit, …”

    An Arbeitslosigkeit ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Wer arbeiten will, kann sich ja ehrenamtlich engagieren. Schlecht ist der Umgang der Gesellschaft mit Arbeitslosigkeit, insbesondere das sogenannte Hartz IV.

  • timweide

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    Kommentar gelöscht. Nutzer gesperrt. Trolle sind unerwünscht.

  • Skyrider

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    @joey
    “Ja, das ist das Ergebnis von FFF”.
    Seh ich anders. FFF war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Jahrelang, wurde an einer veralteten Technologie (Verbrenner), mit Unterstütziung der Politik, hier besonders der CSU (Verkehrsministerium) festgehalten. Hier wurden Millarden verdient und der Aktienkurs befeuert. In den Vorstandsetagen wurden diese Entwicklungen, hin zur E-Mobilität einfach mal verschlafen. Hätten diese Damen und Herren hier 5 Jahre eher gegengesteuert, würden diese Massnahmen jetzt weniger hart ausfallen. Die anscheinend noch kurz vorher ausgezahlte Dividende, macht mich sprachlos . Noch sprachloser, macht mich das Verhalten der Gewerkschaft. Ihr sitzt doch im Aufsichtsrat und habt mit euren “Vertretern” die letzten Jahre jede Entscheidung mitgetragen, oder? Zur “Anteilnahme” der SPD, fällt mir gar nichts mehr ein……

  • xy

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    Bei den astronomisch-fürstlichen Löhnen, die in der Auto-(Zulieferer-)Industrie gezahlt werden, musste das irgendwann einmal so kommen. Jeder, auch die Gewerkschaften, musste das wissen. Das Geheule besteht aus Krokodilstränen.

  • roberta

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    @Hthik

    “An Arbeitslosigkeit ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Wer arbeiten will, kann sich ja ehrenamtlich engagieren.”

    Genau und wer kein Brot hat soll doch Kuchen essen. Was stimmt nicht mit dir?

  • joey

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    @Hthik
    klar, die Welt ändert sich immer (auch in Ökologie und Klima und Wirtschaft und Technik und…), eine Katastrophe kommt aber immer aus Geschwindigkeit und Menge, welche natürliche Änderungsfähigkeit überfordert. Es geht hier um willkürlich und plötzlich angeordnete technische Änderungen und Steuerhöhungen. Die Politik tut seit längerem alles, um Transporte und Mobilität zu verteuern denn sie läßt sich vor grünen NGOs hertreiben.

    Menschen brauchen Generationen für Veränderungen. Menschen gehen bestimmte Berufswege und richten ihr Leben ein. Ein 40 jähriger Maschinenbauer mit Familie in Hemau kann nicht einfach in eine Fahrradfabrik in Ungarn wechseln. Er kann den niedrigeren Lohn nicht kompensieren und seine Kinder können nicht ungarisch… Er kann auch nicht aus Hemau mit einem E-Car nach Nürnberg pendeln.

  • Burgweintinger

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    Joey: “Ein 40 jähriger Maschinenbauer mit Familie in Hemau kann nicht einfach in eine Fahrradfabrik in Ungarn wechseln. “!

    Dieser 40-jährige hat 2000 zum studieren angefangen. Bereits 2000 wurden viele nachhaltige Technologien gebaut und im Maschinenbaustudium gelehrt, mit ein bisschen Hirn für die Gesamtbetrachtung hätte er erkennen können, dass das mit den Verbrennern für sein Arbeitsleben wohl nicht mehr ausreichen wird…

  • Tobias

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    @xy:
    Da haben Sie Recht. Ich weiß nicht, ob ich das hier schonmal erwähnte, aber meine Tante wollte in der BMW-Kantine anfangen und hätte als Quereinsteiger bei einem Subunternehmer in Teilzeit mehr verdient als eine Vollzeit Fleisch-Fachverkäuferin – das ist im Einzelhandel einer der gut bezahlten Stellen im Verkauf und Kundenkontakt. Boni von mehreren Tausend Euro sind auch normal gewesen für “Depperlarbeiten”.

    Sorry, ich verstehe nicht ganz, warum die Leute da jetzt “heulen” (doofes Wort). Ich habe die MZ heute gelesen, Tenor: “Ich war X Jahre dabei…” Ja, X Jahre in denen Du gearbeitet und ein Entgelt erhalten hast. Ich wüsste nicht, dass da jetzt lebenslange Alimentierung entstehen muss. 2010 hat man mich ausgelacht im Handel für mein Gehalt. Jetzt habe ich ein gutes, sicheres Auskommen (“Systemrelevanz”). Die fetten Jahre sind vorbei.

  • joey

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    @Burgweintinger
    dann bauen Sie mir doch mal einen nachhaltigen Betonmischer.

  • Taxifahrer

    |

    Wenn selbst Conti Mitarbeiter nicht mehr mit dem Auto auf eine Demo dürfen, läuft irgendwas falsch.

  • Jung, divers, reich

    |

    @Tobias
    “Ich wüsste nicht, dass da jetzt lebenslange Alimentierung entstehen muss”. “Die fetten Jahre sind vorbei.”

    Na endlich, Sie haben es verstanden.

    Man hat zugegebenermassen vergessen, daß man dem gewöhnlichen Arbeiter sagt, dass die jetzige Politik nicht für ihn gemacht ist.
    Ok, schon da, wenn gesagt wird, unser Land wird sich verändern oder wenn Flexibilität eingefordert wird.

    Als klassischer Grünenwähler mit Job in der öffentlichen Hand braucht man sich keine grauen Haare wachsen lassen. @Tobias “systemrelevant, sicheres Auskommen”.

    Man hat ohnehin nicht weit vom Häuschen in Burgweinting zum Amt in der Stadt, da reicht ein E-Mobil.
    So auch bei der kommenden Ernährungswende: Ja wenn man sich den Einkauf im Biomarkt nicht leisten kann und dann das Billigfleisch wegkommt, kann ein bischen Fasten nix schaden, Arme sind eh zu dick, weil sie sich Sport-und Freizeitangebote weniger leisten können.
    Als Rot-Grünwähler kann man sich die Aggression des einfachen Präkärlohnarbeiters gar nicht erklären.
    Gottseidank lebt und wohnt man selbst ökologisch, nachhaltig im stadtnahen Eigenheim -weit genug weg vom gewöhnlichen Biodeutschen unterer Einkommensschichten, der sich den Stadtrand mit hochwillkommenen Neubürgern teilt und seiner 900Euro-Rente entgegendümpelt.

    Doch, doch, das neue Deutschland ist schon lebenswert, man muß es sich aber leisten können.

  • heiner gärtner

    |

    Das einzigste, was man den Arbeitnehmern vorwerfen kann ist, dass sie die Überheblichkeit und den Zynismus gewisser politischer Kreise nicht bemerkt haben und jetzt auch noch so naiv sind und sich von IG Metall und SPD verschaukeln zu lassen, die Mitverursacher und Künder der Energiewende waren und sich jetzt als Feuerwehr aufspielen.

    Der Arbeiter hat zugeschaut, wie verrückte rot-grüne Ideologen jahrelang Schleim für einen riesigen Lungenhering hochgewürgt haben, den sie den Arbeitern jetzt so richtig ins Gesicht spucken.

    Aber so ist das mit dem deutschen Michel, du schneidest ihm die Eier ab und der sagt: “Danke, jetzt tu ich mich viel leichter mit dem Laufen.”

  • Mr. T.

    |

    Das Problem der deutschen Autmomobil- und Autmomobilzulieferindustrie ist doch, dass man die üppigen Erlöse viel zu wenig in dringend nötige Innovationen steckt und dafür lieber Aktionäre bedient und Angestellte mit üppigen Gehältern und Arbeitsmodellen von anderen Unternehmen abwirbt. Trotzdem sich die Welt weiter dreht macht man die Augen zu und setzt weiter auf langsam obsolet werdende Technologien und wenn’s mal nicht mehr so läuft, bettelt man um Hilfen, um die üppige Personaldecke im Führungs- und Angestelltenbereich nicht ausdünnen zu müssen.
    Jetzt koppelt endlich mal die Politik die Hilfen an Innovationen und fördert nur mehr zukunftsfähige Technologien und schon malden sich die ewiggestrigen Bestandskonservierer und wollen auch für sterbende Pferde unbgrenzte lebenserhaltende Maßnahmen durchsetzen.
    Wer steht denn da bei Conti eigentlich im Feuer? Arbeiter oder Angestellte, die eh schon seit Jahren nur ihre Zeit im Büro absitzen und ihre ganze Mühe dafür einsetzen, dass niemand merkt, dass es ohne sie auch gänge?

  • Charlotte

    |

    Was ist denn das für eine ideologische Schlammschlacht hier? So einfach ist das eben alles nicht…

    Natürlich hätte man viel früher agieren müssen, um verbrauchsärmere Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Für den Wohlstand sehr vieler Bundesbürger haben die Politik und auch die Gewerkschaften über Jahrzehnte (hier waren und sind die CDU/CSU, SPD, die Grünen und die FDP mit dabei) nicht das erforderliche Tempo an den Tag gelegt.

    Und dann sind wir schon bei den Verbrauchern: die vielen hochmotorisierten Fahrzeuge incl. den so gerne ‚gebashten‘ SUVs werden ja auch gerne gekauft. Auch hier sind nur die wenigsten bereit, auf ihr Auto zu verzichten.

    Und natürlich sind die meisten Menschen nicht im öffentlichen Dienst und auch beruflich auf ein Fahrzeug angewiesen. Wenn dann außerdem noch Kinder betreut werden müssen und ggf. die alten gebrechlichen Eltern versorgt werden, ist ein Auto ein wunderbares Hilfsmittel.

    Ach ja, ich hoffe eben nicht, dass jetzt alles auf Elektroautos umgestellt wird, ich hoffe auch die ökologischen Parteien wissen, dass diese in der Ökobilanz nicht das Wahre sind. Von der Batterien-Problematik incl. menschenverachtenden Arbeitsbedingungen weit weg in Afrika ganz zu schweigen

    Und noch ein dezenter Hinweis: viele Unternehmen sind eben deshalb erfolgreich und können attraktive Löhne zahlen und investieren, weil sich auch Aktionäre an Unternehmen beteiligen. Dass sie dafür Zinsen bekommen, ist nicht verwerflich! Sie tragen dann auch das Risiko, wenn jetzt in der Krise Dividenden ausfallen oder gekürzt werden oder Kurse deutlich fallen.

    Sich hämisch über zukünftige Jobverluste zu äußern, zeugt von Empathielosigkeit! 2100 Arbeitsplätze sind enorm viel und selbstverständlich trifft es Fühungskräfte, Angestellte und Produktionsmitarbeiter. Ich persönlich mache hier keine Unterschiede, jeder verlorene Arbeitsplatz ist erstmal eine persönliche Notsituation.

  • joey

    |

    @Taxifahrer
    Fahrradkorso war und ist Ironie.

    Sie müssen morgen ein E-Taxi haben und wenn Sie es sich nicht leisten können, hätten Sie eben früher anfangen sollen. Stattdessen haben Sie Ihre Shareholder Gewinne eingestrichen und nicht investiert, was Sie nicht brauchen und was keine Gewinne abwirft. Sie denken eben nicht vorausschauend und ans Klima. So ist sie, die deutsche Wirtschaft.

  • JürgenTemp

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    Erstens, die Zulieferer machen das was die OEMs haben wollen. Der Vorwurf, sie hätten schon früher reagieren sollen, ist etwas daneben. Was hätten sie machen sollen? ausser vielleicht raus aus dem Automotiv, und dann Produkte und/bzw. Dienstleistungen für Endkunden erstellen? oder beides. Das ist nicht einfach, Conti ist nicht Apple oder Tesla (Musk)

    Über Löhne in Automotiv braucht man sich auch nicht beschweren, wenn die Leute nichts mehr verdienen werden bzw. weniger. Dann der Bürger muss damit rechnen, dass weniger Steuereinnahmen für den Staat weniger an Leistungen in Bildung, Sicherheit, Gesundheit, Straßenbau, Löhne, Renten etc. bedeutet.

  • Klaus Nebl

    |

    Mich erstaunt die Richtung der Diskussion hier sehr, es sind doch nicht die Arbeiter Schuld am Abbau ihrer Arbeitsplätze! Es sind doch nicht die Mitarbeiter bei Heidelberger Druck, bei Lufthansa, bei MAN, bei Siemens Energy, bei Conti, bei Airbus, bei Schäffler ….Schuld. Es wird endlich Zeit die Systemfrage zu stellen und schleunigst zu beantworten. Das System lässt es eben zu, dass diejenigen die Jahr für Jahr die Produktivität eines Unternehmens erzeugen auch zugleich die Spielmasse derer werden, die von dieser Produktivität in erster Linie profitieren. Das neoliberale Wirtschaftssystem in Verbindung eines kaltblütigen Kapitalismus ist für die breite Masse menschenverachtend und spaltet die Gesellschaft immer mehr in wenige Gewinner und viele Verlierer. Meine erste Aktion wäre z.B. in Jahren wo Arbeitsplätze in einem Unternehmen abgebaut werden, gibt es keine Dividende, keine Boni für die Manager und entsprechend der prozentualen Abbauzahl weniger Grundgehalt für die Vorstände. ‘Eigentum verpflichtet’ – und das muss endlich auch für Kapitalisten gelten und sie müssen es auch spüren, dass das ihnen gegebene Eigentum verpflichtet!

  • xy

    |

    Die imer-mehr-haben-Mentalität der Gewerkschaften vernichtet Arbeitspätze. Und das wissen die auch ganz genau, interessiert sie aber nicht. Wenn aktuell im Öffentlichen Dienst 4,8% mehr, mindestens 150 EUR, (bei 0% Inflation!) gefordert werden, nimmt man wieder ganz bewußt weniger Stellen in Kauf, denn anders ist das angesichts des Steuerrückgangs wegen Corona gar nicht zu finanzieren. Und trotzdem werden die Arbeitsplatzinhaberbonzen dann wieder ganz krokodilmäßig-laut heulen, wie schlimm die Arbeitgeber sind, obwohl man selbst die Schuld trägt. Keine Vernunft, wohin man blickt.

  • xy

    |

    Kommentar gelöscht. Bitte nicht persönlich werden.

  • Burgweintinger

    |

    Joey:

    Ja ich weiß Sie denken immer sehr kurz, das stellen Sie immer wieder unter Beweis, erst wieder mit Ihrem Betonmischer-Kommentar.

    Aber für Sie nochmal etwas deutlicher:
    Der Maschinbaustudent aus dem Jahre 2000 hätte auch in seinem Studium, eben nicht Schwerpunkt Automotive/Verbrennung wählen können, sondern eben auch Umwelttechnik, dann wäre er heute nicht in der von Ihnen beschriebenen Situation.

    Nochmals: Seit den 80ger Jahren wird uns erzählt dass das mit dem Öl und Verbrennung scheisse ist und nicht gut gehen wird.

    Wer Abitur hat und sich dann trotzdem für eine Ausbildung/Studium in diesem Bereich entscheidet, quasi sehenden Auges, der darf nachher nicht rumheulen…

  • joey

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    @Burgweintinger
    was nicht alles erzählt wurde und wird…

    Ich denke nicht kurz, sondern versuche mich kurz auszudrücken. Dabei werte ich andere (z.B. Sie) nicht ab. Anstand ist CO2 neutral.

  • Progel

    |

    nach Conti kommt BMW und dann RGB. die fetten Jahre sind vorbei.

  • Hthik

    |

    @roberta 11. September 2020 um 19:47

    “Würde die weltweite Gesellschaft nur vernünftig sein, könnte das bis heute erreichte Wissen der Menschheit aus dieser Erde ein Paradies machen. In der Tat ist sie kein Paradies, sondern ein Irrenhaus – doch nicht, weil wir etwa nicht genug wissen.” – https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Weizenbaum

    Auch nicht deswegen, weil wir nicht genug arbeiten. Das konnte man vielleicht zu Max Webers Zeiten noch glauben. Die Verbindung zwischen Arbeiten und Essen war vielleicht einmal nützlich, jedenfalls ist sie nicht notwendig und von Menschen gemacht. Beispielsweise

    “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen … Nur wer arbeitet, soll auch essen.” 09.0.2006
    “Links ist das, was Arbeit schafft.” 02.10.2007

    https://de.wikiquote.org/wiki/Franz_M%C3%BCntefering

    Ich erinnern daran, dass wir beispielsweise den Kohleabbau immer noch fördern. Der Staat zahlt, damit Menschen Arbeiten verrichten, die das Potential haben die Menschheit zugrunde zu richten, nur damit diese durch Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen, statt ihn einfach zu bekommen.

  • Alfons

    |

    Die immer mehr haben-Mentalität der Gewerkschaften vernichtet Arbeitsplätze?????? Überproduktion, Kampf um Marktanteile, geänderte Nachfrage, verkehrte Entscheidungen in der Konzernspitze sind sehr viel wahrscheinlicher für den Wegfall von Arbeitsplätzen verantwortlich . Gewerkschaften sind ein Zusammenschluß von Arbeitnehmern mit dem Ziel die Interessen der Beschäftigten zu vertreten und über Tarifverträge Arbeitszeit und LÖhne zu verhandeln. Dies ist, wenn man abhängig Beschäftigter ist, eine absolute Notwendigkeit, weil freiwillig Konzerne keine Lohnerhöhungen verteilen. Die Lohnentwicklung in Deutschland ist nicht das Problem. Die Lohnerhöhungen fallen bereits seit Jahrzehnten gemäßigt aus. https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/arbeitsmarktpolitik/187829/lohnentwicklung-in-deutschland-und-europa
    Unterm Strich wächst die Prokuktivität und die Gewinne einiger Reicher. Stichwort Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums und die Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung ist auf dem STand des Jahres 2000. Soviel zur Argumentation der immer Mehr Mentalität die xy den Gewerkschaften vorgewirft.
    Außerdem ist der Lohnanteil nur ein kleiner Teil der in den Kosten eines Produkts steckt. Je automatisierter ein Konzern produziert, desto kleiner ist dieser Anteil. Und ein kleiner Teil prozentual um ein paar Prozente erhöht, ist nicht der Grund für die Vernichtung der Arbeitsplätze.
    Ich arbeite um zu leben und nicht um zu arbeiten. Und dann fallen von meinem Lohn 50 % für die Miete an und ich soll mit meinem Lohn auch noch die Verantwortung haben durch Verzicht Konzerne zu retten und die Folgen von Krisen muss ich auch noch finanzieren.

  • Mr. B.

    |

    Über viele, viele, viele, Jahre die aggresivste, neoliberale Marktwirtschaft gefahren, die man sich nur vorstellen kann, Egoisten erzogen (unsere Kind geht natürlich nur!!!! aus Gymnasium), wollte man einen Handwerksberuf ergreifen, wurde man als einfach und primitiv bezeichnet (hier wird man ja schmutzig und verdient nicht so viel) und dann plötzlich “Aufwachen”, wenn es mal nicht mehr so weitergeht (Corona kam dann auch noch, doch Corona ist jetzt wahrscheinlich in vielen Bereichen mit seinen Fehlern nicht gerade zur unrechten Zeit gekommen), wie ewig gedacht?
    Ich persönlich glaube, dass auf uns in der näheren Zukunft noch ganz andere Aufgaben und Einschränkungen zukommen werden?
    Aber wie hieß immer wieder ein “guter” Spruch aus führenden Politikerkreisen und von “großen” Wirtschaftsmanagern: “Das regelt doch alles der Markt!”
    Er tut es eben nicht und nicht endlos!
    Ansehen und Gier beherrschen hier den Markt!!!!!
    —und wer bleibt dann irgendwann ganz böse auf der Strecke?
    —eben nicht diejenigen die den Spruch getätigt haben. Sie haben nämlich größtenteils oder darüberhinaus ausgesorgt, egal was kommt!!!!!

    Zum Schluss noch ein Wort zur SPD:
    Hier jetzt die Arbeiter zu unterstützen, klingt doch einfach nur und ausschließlich nach eigener Wahlwerbung!!!!!!!
    Sie haben sich schon seit vielen Jahren von ihren “Arbeitern” entfernt und sind ebenfalls dem o. g. Wirtschaftssystem gefolgt. Der massive Wählerrückgang war m. E. zu Recht die Folge!
    Dies war ebenfalls von eigener Hand gemacht (ohne Struktur-Klimawandel und vor allem ohne Corona, das es damals noch gar nicht gab)!

    Jetzt wäre vielleicht ein guter Zeitpunkt zu überdenken, wie wir gemeinsam weitermachen, bzw. weitermachen wollen!!!!
    Wir sollten unseren Kindern und Enkeln auch noch was hinterlassen, oder nicht?

    ps: ich bin absolut parteilos

  • Tessla350km

    |

    Na und?

    Die Entlassungen zeigen doch nur, dass sich die E-Mobilität als stärker erwiesen hat als diese Uralt Otto-Technik.

    Schließlich ist die Klimarettung ein bissl wichtiger als das kleine Schicksal von ein paar überbezahlten CO2-Kriminellen.

    Merke:
    Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt!

    Klimaschädliches Verhalten? – Setzen 6!

    @Progel
    “die fetten Jahre sind vorbei”

    Chapeau! Das stimmt und ist zu begrüssen. Gucken Sie sich auf dem Bild diese dicken, schwitzenden Arbeiter mal an -degueulasse! Lieber mal mehr zu Fuß gehen und nicht dauernd nach Malle fliegen (CO2-Fussabdruck) und sich vollfressen, bis die tättowierte Schwarte platzt!

  • joey

    |

    @Tessla350km
    warten Sie erst mal ab. Nur politische Vorgaben haben die Batterie “überlegen” gemacht. Tesla/Musk verdient nur Geld mit Emissionsrechten, seine Produkte sind nicht gewinnbringend. Auch sonst hat noch keiner einen Euro mit E-Autos verdient.

    Wenn man einfach die Verbrenner verbieten würde… – ja warum nicht? Dann müssten die E-Autos das Sozialsystem finanzieren. Die überdrehten Einsparziele der EU sind nur eine Einladung zur hemmungslosen Steuererhöhung mit Ausrede Klimaschutz. Gewerblicher Verkehr von der Papierrolle bis zum Betonmischer fährt auch weiterhin fossil, weil es gar nicht genug Strom gibt.

  • R.G.

    |

    Zugleich mit Regensburg traf es eine andere “Auto-” bzw. “Zulieferindustrie-” Stadt, die Zahlen der einzusparenden Stellen sind dort gleich, bei wesentlich kleinerer Einwohnerzahl.

    Ich lese abwechselnd die Reaktionen der Politik und Gewerkschaften zur Regensburger und zur Steyrer Lage und würde mir wünschen, die Verantwortlichen aus der Politik in Regensburg täten das auch.
    https://ooe.orf.at/stories/3066320/

  • Hthik

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    @joey 11. September 2020 um 19:58

    “… welche natürliche Änderungsfähigkeit überfordert.”

    Sicherlich, je länger man zuwartet, desto drängender wird es und desto schwieriger ist es das nachzuholen. Das ist oft so.

    “Es geht hier um willkürlich und plötzlich angeordnete technische Änderungen und Steuerhöhungen. Die Politik tut seit längerem alles, um Transporte und Mobilität zu verteuern denn sie läßt sich vor grünen NGOs hertreiben.”

    Worüber genau reden wir?

    “Menschen brauchen Generationen für Veränderungen.”

    Irgendwo früher hier im Blog findet man Beiträge von mir, in denen ich die Ansicht verteidige, dass sozialer Abstieg und die Angst davor kein großer Faktor beim Aufstieg der AfD waren. Kurz danach hat man mir einige neuere Studien gezeigt. Ich habe meine Ansicht geändert. Bin ich jetzt mein eigenes Kind? Die Welt ist kompliziert und der Mensch nicht beliebig lernfähig, aber ich glaube, es ist noch mehr drin; wir sind noch unter Optimum, das heißt es kann durch lernen noch etwas erreicht werden.

    “Menschen gehen bestimmte Berufswege und richten ihr Leben ein. Ein 40 jähriger Maschinenbauer mit Familie in Hemau kann nicht einfach …”

    Irgendwie ist das mit dem “Caveat emptor” des freien Markts doch nicht so toll, nicht wahr? Das könnte daran liegen dass es überhaupt schon schwierig ist, die erforderliche Information einzuholen, wenn man nur Otto 0815 ist.

    Ich möchte an meine Beschwerde über die verfehlte Kohlepolitik anschließen. Schauen wir über den Atlantik. Trump digs coal.

    https://www.gocomics.com/tomthedancingbug/2018/03/09

    Das Cartoonisten die Dinge zuspitzen, stimmt nicht immer. In diesem Fall hat er die ganze Umweltproblematik weggelassen um den Focus auf das Thema “Zwangsernährung sterbender Wirtschaftszweige” zu lenken. Keynes würde vielleicht vorschlagen, wenn es die Leute glücklich macht VHS-Kasetten zu produzieren, dann soll man sie das ruhig machen lassen zusätzlich können wir dann jemanden einstellen, der sie zerlegt und die Teile wieder an den Anfang der Produktionskette leitet. Jeder hat seinen Spaß https://www.youtube.com/watch?v=BoXu6QmxpJE

    Entscheidend ist nicht die Zahl der Arbeitsplätze, entscheidend ist, dass sich die Wirtschaft an den Bedürfnissen der Menschen, aller Menschen ausrichtet. Wenn die Wirtschaft dies nicht allein schafft, dann muss der Staat eingreifen.

    Bei manchen Problemen kann es durchaus sein, dass verkruste Denkgewohnheiten die Einsicht blockieren und man tatsächlich gemäß https://de.wikiquote.org/wiki/Max_Planck nur dadurch Fortschritt erzielt, dass die “Gegner allmählich aussterben”, aber ich halte das nicht für universal wahr, denn es gibt handfeste Interessen, die den Fortschritt behindern. Das Problem ist, dass der Blödsinn Kohleförderung aus der Sicht der hier gegen die Interessen der Menschheit paktierenden Partikularinteressen durchaus vernünftig ist.

    1. Die Industrie hält einen eigentlich unrentablen Zweig etliche Jahre weiter rentabel und streicht die Profite ein

    2. Die Politik zahlt pro Arbeitsplatz der erhalten wird weniger (oder glaubt das zumindest) als es kosten würde, neue zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen

    Insbesondere der zweite Punkt, selbst wenn es rechnerisch richtig sein sollte, ist aber falsch, wenn die Rechnung nicht die volkswirtschaftlichen Folgekosten berücksichtigt.

    Das Geld, dass der Staat zusätzlich braucht, kann er sich problemlos beschaffen durch Erschaffen. Eine hohe Inflation hat den zusätzlichen Vorteil ähnlich einer Vermögenssteuer zu wirken.

    Nr. 2 erscheint nur sparsam, ist es aber nicht

    https://www.gocomics.com/tomthedancingbug/2019/01/03

    Der tatsächliche Vorteil ist kein wirtschaftlicher, sondern ein politischer. Das gegenwärtige System hält sich dadurch an der Macht, weil viele den kurzsichtigen Scheinargumenten, man müsse sparen und Arbeitsplätze erhalten auf den Leim gehen. Wir müssen doch Arbeit haben! Arbeit ist unverzichtbar! Alternativlos!

  • joey

    |

    @Hthik
    Der Staat hat eine Schutzfunktion. Deshalb gibt es auch Sozialvorschriften, um die gröbsten Machenschaften einzugrenzen. Also die soziale Marktwirtschaft. Mit diesem “System” bin ich sehr glücklich. Die AfD Gründer (Wirtschaftsprofessoren) hatten den Erhalt dieser Form im Sinn.

    Jedesmal, wenn ein Staat aber in die Wirtschaft mit Produktvorschriften eingegriffen hat, kam recht bald Mist raus. Tschernobyl ist dann der katastrophale Höhepunkt sozialistischer Wirtschaftspolitik, das DDR Cola der Tiefpunkt.

  • Hthik

    |

    @joey 13. September 2020 um 16:09

    “… warten Sie erst mal ab. Nur politische Vorgaben haben die Batterie “überlegen” gemacht.”

    Das hat sie gemeinsam mit Katalysator, Gurt und allerhand weiterem Zeugs, dass der Staat die geknechteten Hersteller zwingt einzubauen. Nicht zu vergessen, die armen Käufer, die ja vielleicht lieber ein superbilliges Auto, das einfach fährt hätten und auf den ganzen Sicherheitskram verzichten würden. Schon https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Blech kann man ja viel dünner walzen, solange es nur den Fahrtwind aushält. Eine Diktatur ist das hier! Sieht das denn keiner???

    “Auch sonst hat noch keiner einen Euro mit E-Autos verdient. … Dann müssten die E-Autos das Sozialsystem finanzieren.”

    Bumblebee transform!

    Wenn die Deutschen Hersteller nichts zustandebringen, wird das scheitern. Ist es also doch gut, sie in diese Richtung zu stubsen, oder nicht?

    Für arme Behinderte ist das sowieso nichts B 3 KR 9/06 R vom 19.04.2007

    “Das Autofahren bzw der Besitz eines eigenen Pkw zählen zwar heute zum normalen Lebensstandard und sind Ausdruck des inzwischen erlangten allgemeinen Wohlstandsniveaus, doch gehört es nicht zu den Aufgaben der GKV, generell die Benutzung eines Pkw durch eine behinderungsgerechte Umrüstung zu ermöglichen.”

    https://sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?modul=esgb&id=68412

    “Gewerblicher Verkehr von der Papierrolle bis zum Betonmischer fährt auch weiterhin fossil, weil es gar nicht genug Strom gibt.”

    Man muss schon das Gesamtkonzept durchsetzen, sonst wird es nur greenwashing. https://www.youtube.com/watch?v=Zk11vI-7czE Neu ist das nicht, aber sicher nicht verkehrt darauf hinzuweisen.

  • Hthik

    |

    @joey 14. September 2020 um 15:10

    “… Sozialvorschriften, .. Mit diesem “System” bin ich sehr glücklich. … Jedesmal, wenn ein Staat aber in die Wirtschaft mit Produktvorschriften eingegriffen hat, kam recht bald Mist raus.”

    Letzteres ist eine steile Behauptung. Da ich aber nicht warten will, bis der Beweise – meiner Schätzung nach ohnehin nicht – kommt, dazu etwas Anderes.

    https://www.heise.de/make/meldung/Lebensgefahr-zu-Weihnachten-Trotz-EU-Warnung-gefaehrliche-Lichterketten-im-Handel-3888611.html?hg=1&hgi=0&hgf=false

    Sehr erstaunlich finde ich ja immer, das die Leute, die dagegen sind, dass man mutmaßlich Unproduktive ins Land lässt, die erhöhte Gefahr, die Bevölkerung die schon hier ist zu Krüppeln zu machen, eher locker sieht. Oder dass man sich mit der Plutokratie gegen die eigenen Interessen verbündet. Das zu verstehen könnte ein Froschkostüm mit Weichmachern, die ihre Arbeit am Gehirn verüben, vielleicht hilfreich sein, krieg ich aber nicht. Diese Verbraucherschützernazis haben an alles gedacht. Freiheit für alle Moleküle!

  • joey

    |

    @Hthik
    die vielen links schaue ich mir nicht an. Ich habe keine 3h Zeit für Michael Moore. Der hat auch nicht genug Elektrizität für den Bedarf einer derart arbeitsteiligen Gesellschaft. Bei dieser Betrachtung geht es nicht um Polemik mit moralischer Selbsterhöhung, sondern um Mathematik.

  • GSH

    |

    Die letzten zehn Jahre hat die Automobilproduktion geboomt. Arbeitsplätze wurde geschaffen und es wurde das Produkt gebaut, welches der OEM benötigt hat. Klar kann man darüber diskutieren ob es sinnvoll war, bei einem Absatzmarkt von 60 Millionen Autos jährlich die Kapazitäten auf 80 Millionen hochzuschrauben. Aber was soll denn das Managment des Zulieferbetriebes, ob groß oder klein, zum OEM sagen? Nein, ich bau’ dir deine Teile nicht, weil es nicht nachhaltig ist? Weil es klimaschädlich ist? Da würde ich gerne mal den gesellschaftlichen Aufschrei hören.

    Wir haben 10 Jahre Boom hinter uns. Jetzt kommen schwierige Zeiten! So what?

    Persönlich habe ich schon drei Werksschließungen beim Zulieferer hinter mir. So ziemlich jeden Mitarbeiter in der Branche ist klar, dass es kein Job mehr auf Lebenszeit ist. Nur die Gewerkschaften verschlafen mal wieder den Wandel und halten an ihren alten Zöpfen fest.

  • Hthik

    |

    @GSH 15. September 2020 um 10:56

    “Aber was soll denn das Managment des Zulieferbetriebes, ob groß oder klein, zum OEM sagen?”

    Das ist eine Frage mit vielen Voraussetzung, die ich nicht teile. Es geht schon nicht nur ums sagen, sondern ums tun. Was hätte man etwa mit dem eingenommen Geld tun können, wenn man die Chance des Booms ergreift?

    Ich verweise auf den obigen Link zum Plakat. Da ist nicht von Schönwettermanagemant die Rede. Dort gibt es auch noch mehr https://wabw.uni-hohenheim.de/fileadmin/_processed_/csm_11_Arbeitsappell_2-2-20_Arbeit_Neid_57f3f92635.gif Oder ist es vielleicht doch Glück und Management besteht daraus in boomenden glücklichen Zeiten die Aufträge einzusammeln, während der Herr im Blaumann sie ausführen muss?*

    Ich will gar nicht bestreiten, dass es keinen Druck auch auf Unternehmensleitungen gibt, aber der scheint zu keiner Erkenntnis zu führen, solange es einem selbst dabei passabel geht. Solange wird die Marktwirtschaft verteidigt und man lädt sich die Kanzlerin auf die IAA ein, um sich versichern zu lassen, dass keine Regulierungen stattfinden werden. Wenn dann später alles in den Graben fährt, kann man ja immer noch darauf verweisen, das die anderen auch schuld sind und man mitmachen müsste, man selbst sei also nur ganz, ganz wenig schuld. Das Argument kennen wir aus der Klimadiskussion.

    *Das Plakat ist geschickter gemacht, aber ich bitte im Moment um Verständnis für die Vereinfachung.

  • Hthik

    |

    Ich korrigiere
    “Ich will gar nicht bestreiten, dass es einen Druck auch auf Unternehmensleitungen gibt, …”
    Ich bitte um Verzeihung, das war doch sehr sinnentstellend.

  • Hthik

    |

    @joey 4. September 2020 um 18:45

    Michael Moore ist ja auch kein EVU.

  • GSH

    |

    @Hthik:

    Gerne stelle ich nochmal die Frage zur Diskussion: Was hätte das Managment von Continental (und anderen Zulieferbetrieben) in den Jahren 2009 bis 2019 machen sollen? Ich stelle in den Raum, dass jeder von den Überkapazitäten und zuviel gebauten Autos wußte. Auch die Gewerkschaften… Und? Wie wäre die Reaktion gewesen, wenn kein Personal eingestellt worden wäre? Wenn der Umsatz nicht mitgenommen worden wäre? Noch schlimmer: Wenn die Aufträge woanders gefertigt worden wären?

    Angebot und Nachfrage regeln den Markt. Es wurde viel nachgefragt und viel Personal benötigt. Jetzt wird weniger gefertigt und dadurch weniger Personal benötigt.

    Selbstverständlich ist Nachhaltigkeit etwas anderes. Aber wir leben nun mal in diesem Wirtschaftssystem. Den Aufschrei der Politik und der Gewerkschaften halte ich für zynisch. Jeder wußte, dass es so kommen wird.

  • Klaus Nebl

    |

    @GSH: Und ich halte es für zynisch und absolut unanständig, den Gewerkschaften, den Mitarbeitern und verallgemeinernd allen Parteien vor zu schmeißen, sie wären Schuld. Weder Mitarbeiter noch Gewerkschaften haben beschlossen Abschaltvorrichtungen in Autos einzubauen, damit Abgasgrenzwerte eingehalten werden können. Es waren die Unternehmer, die betrogen haben um noch mehr Profit zu machen. Vor Jahrzehnten muss der deutschen Automobilbranche schon klar gewesen sein, dass ihre Produktion keine Zukunft mehr hat und nur durch Betrug weiterleben kann. Zu diesem Zeitpunkt hätte man noch gegensteuern können und mit Investment in die E-Mobilität zukunftssichernde Maßnahmen einleiten können. Stattdessen hat man es lieber Tesla und den Chinesen überlassen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie das erste chinesisch produzierte Auto (ein Nachbau eines BMW SUV’s) auf die deutsche Straßen kam und man den Wagen wegen deren schlechten Bremsen belächelte. Mittlerweile haben aber die Chinesen das Lachen für sich gepachtet und bestimmen aufgrund ihrer Marktmacht den beschleunigten Umstieg der deutschen Automobilindustrie. Über Tesla brauchen wir gar nicht reden. Es waren und sind unqualifizierte Manager und Vorstände, die die deutsche Automobilbranche in diese missliche Lage gebracht haben. Und das System, das einzig und alleine auf “immer mehr” basiert und mittlerweile das Gegenteil vom ‘Eigentum verpflichtet’ geworden ist. Man schaue nur auf die Börse, kaum verkündet ein Unternehmen Mitarbeiterabbau schon schnellen die Kurse nach oben – mit Verlaub, das ist krank !

  • Hthik

    |

    @GSH 16. September 2020 um 07:48

    “Gerne stelle ich nochmal die Frage zur Diskussion: Was hätte das Managment von Continental (und anderen Zulieferbetrieben) in den Jahren 2009 bis 2019 machen sollen?”

    Zeitreisen funktionieren vermutlich nicht, damit ist die Frage bestenfalls akademisch. Aber selbst, wenn das Management damals die Idee gehabt hätte, nachzufragen, dann setzt eine sinnvolle Beschäftigung damit voraus, dass auch die Daten von damals damals zur Verfügung gestanden hätten.

    Strafrechtler nennen sowas https://de.wikipedia.org/wiki/Omissio_libera_in_causa der Trick ist aber sicherlich noch älter als die Römische Republik.

    Wie meistens, wenn ich die Konservativen kritisiere muss ich erwähnen, dass es einzelne Ausnahmeerscheinungen gibt, die tatsächlich Konsequenzen aus den postulierten Werten ziehen; hier fällt vielen vermutlich der Herr Grupp von Trigema ein, teilweise Götz Werner. Der BKU hingegen unterscheidet sich kaum von irgendeinem AG-Verband.

  • Hthik

    |

    @Klaus Nebl 16. September 2020 um 12:07

    “Und ich halte es für zynisch und absolut unanständig, den Gewerkschaften, den Mitarbeitern und verallgemeinernd allen Parteien vor zu schmeißen, sie wären Schuld.”

    Ich halte an der Grundthese fest, dass Arbeitslosigkeit nicht das eigentliche Problem ist, sondern der Umgang mit den Arbeitslosen. Das schließt aus, dass ich die Gewerkschaften völlig entlaste, schon wegen ihrer Mitverantwortung für das sogenannte Hartz IV-System. Ähnlich ist es etwa bei den Grünen, die immer noch verbreiten, sie hätten Arbeitslosen und Sozialhilfe zusammengelegt und das wäre eine tolle Leistung.

    Zur Linken schließe ich mich der Auffassung hier an https://tacheles-sozialhilfe.de/startseite/tickerarchiv/d/n/2692/ siehe die Zwischenüberschrift “4. Inge Hannemann ist aus der Linken ausgetreten”

    Zu den weiteren im Bundestag vertretenen Partei, muss ich wohl nichts mehr sagen und möchte dem Blogbetreiber den Rant ersparen.

  • GSH

    |

    Lieber Klaus Nebl,

    kein Käufer eines europäischen, japanischen, oder koreanischen Pkws würde die Qualitätsmängel des Teslas akzeptieren. Tesla ist wie Appel: Völlig überbewertet. Die chinesischen Automobilkäufer greifen wieder vermehrt auf europäische, speziell auf deutsche, Fahrzeuge zurück. Warum wohl? Weil die staatliche Förderung zurückgefahren wird und die Start Ups verschwinden.

    Nochmals: Die letzten zehn Jahre hat die Branche einen Boom erlebt und war auf Wachstumskurs. Arbeitsplätze wurde geschaffen. Aber die Automobilindustrie hat weiltweit Überkapazitäten. Diese werden abgebaut und Arbeitsplätze verschwinden. So bitte wie das klingen mag, aber das ist der Wandel der Zeit. Das ist niemanden vorzuschmeissen. Nehmen wir das Beispiel Haman in Straubing: Das Werk schließt. Aber 20 Kilometer weiter siedelt sich neu ein japanisches Unternehmen als Zulieferer BMW Dingolfing an. Dann entstehen wieder neue Arbeitsplätze.

    Und übrigens: Der Dieselbetrug ist nicht entstanden um mehr Profit zu generieren. Da machen sie es sich zu einfach.

  • Mr. T.

    |

    Klaus Nebl hat schon recht. Während sich in anderen Ländern die Automobilindustrie ein Rennen um die Vorherrschaft bei neuen Technologien liefert, wird bei uns versucht, aussterbende Technologie künstlich am Leben und Teilhaber kräftig bei Laune zu halten.
    So sind Subventionen kontraproduktiv. Da unsere Hersteller nur von Quartalszahlen zu Quartalszahlen denken, ist es am einfachsten auf Konjunkturprogramme zu setzen, als in neue Technologien zu investieren, was sich erst nach einigen Jahren auszahlen würde. Deswegen darf es solche Programme maximal für Anreize in neue, umweltfreundliche Technologien geben.
    Der Cartoon weiter oben ist übrigens sehr anschaulich!

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