SOZIALES SCHAUFENSTER

Keine Auskünfte, Beschwerden von Beschäftigten

Corona: Kann das Gesundheitsministerium kein Homeoffice?

Beschäftigte im Bayerischen Gesundheitsministerium sprechen davon, dass Homeoffice dort weitgehend ein Fremdwort und vielfach sogar unerwünscht sei. Das Ministerium selbst duckt sich weg und antwortet entweder ausweichend oder gar nicht.

Klaus Holetschek hat Melanie Huml als Bayerische Gesundheitsministerin abgelöst. Ist Homeoffice in seinem Ministerium ein Fremdwort? Foto: pm

Die Stadt Regensburg reagiert innerhalb weniger Stunden und liefert genaue Zahlen. Das Landratsamt und Regierung der Oberpfalz brauchen lediglich einen Tag um Aussagekräftiges zu schicken. Nur das Bayerische Gesundheitsministerium hat es seit Dienstag nicht geschafft, unsere Fragen danach zu beantworten, wie viel Homeoffice in der Behörde möglich ist.

Dabei haben sowohl Bundes- als auch Landespolitik gerade in den letzten Tagen immer wieder betont, wie wichtig Homeoffice und die dadurch reduzierten Arbeitskontakte bei der Eindämmung des Coronavirus seien. Seit Mittwoch gilt eine neue Verordnung des Bundesarbeitsmisteriums, derzufolge Arbeitgeber ihren Beschäftigten das Arbeiten von zuhause ermöglichen müssen, „wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen“. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat in Zusammenhang mit Homeoffice kürzlich unter anderem betont, dass der Freistaat hier mit gutem Beispiel vorangehen wolle.

Doch dazu, wie es in den Ministerien konkret aussieht, bleiben die Aussagen dünn. Bereits der Bayerische Rundfunk hatte am Wochenende weitgehend vergeblich versucht, eine vernünftige Antwort zu bekommen. Dort erklärte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums laut einem Bericht vom Sonntag lediglich, dass es eine „hohe“ Homeoffice-Nutzung gebe – genaue Zahlen könne man nicht nennen. Auch andere Ministerien halten sich weitgehend bedeckt.

„Home-Office ist bei uns noch immer ein Fremdwort.“

Aussagen von Beschäftigten im Bayerischen Gesundheitsministerium gegenüber unserer Redaktion legen zumindest nahe, welchen Grund für diese De-Facto-Auskunftsverweigerung es geben könnte: Just das Gesundheitsministerium scheint gerade nicht mit gutem Beispiel voranzugehen. „Home-Office ist in den meisten Abteilungen bei uns noch immer ein Fremdwort und bei vielen Vorgesetzten regelrecht unerwünscht“, heißt es da. „Von oben“ werde da auch nicht interveniert.

Vielfach würde nach wie vor auf Präsenztermine bestanden, um „zu acht oder zu zehnt“ in einem Raum zu diskutieren oder regelmäßige Besprechungen abzuhalten. Maskentragen und Mindestabstand würden dabei allenfalls „mehr oder weniger“ eingehalten. Auch technisch scheint noch einiges im Argen zu liegen. „Ich könnte von zuhause auch bisher auch weder E-Mails von meiner dienstlichen Adresse schreiben, noch abrufen“, berichtet uns ein Insider.

Keine komplizierten Fragen

Offiziell bestätigen kann unsere Redaktion diese Aussagen freilich nicht. Gerne hätten wir dem auch die Aussagen des Ministeriums gegenübergestellt und haben Anfang der Woche folgende Fragen geschickt:

1. Wie viele Beschäftigte arbeiten dort derzeit im Home Office (Anteil an den Gesamtbeschäftigten)/ Wie viele Telearbeitsplätze gibt es?
2. In welchen Bereichen ist Home Office möglich, in welchen nicht?
3. Trifft es zu, dass Beschäftigte des Bayerischen Gesundheitsministeriums an einem Heimarbeitsplatz keine dienstlichen E-Mails empfangen bzw. versenden können?
4. Wie ist die Handhabung von Teilnehmeranzahl, Abstands- und Maskenpflicht bei gemeinsamen Präsenz-Arbeitstreffen innerhalb des Ministeriums?
5. Welches Programm/Tool (z.B. Zoom) nutzt das Ministerium für Online-Treffen/-Sitzungen?

UPDATE am 4. Februar: Mittlerweile hat das Ministerium geantwortet (zum Bericht).

Doch die Antworten bleiben aus. Auf ein erstes Nachhaken am Mittwoch folgte noch eine freundliche Bitte um Geduld, eine nochmalige Erinnerung am heutigen Freitag gibt es bislang gar keine Reaktion.

Regensburger Behörden: 40 bis 70 Prozent Homeoffice möglich

Betrachtet man dagegen die Stadt Regensburg, deren Pressesprecherin aus dem Homeoffice antwortet, ist seit März 2020 einiges in Bewegung geraten. Und man scheint zu wissen, wovon man spricht. „Vor Ausbruch der Pandemie gab es bei der Stadtverwaltung rund 160 Telearbeitsplätze. Der aktuelle Stand an Telearbeitsplätzen beläuft sich auf über 1.000 (und dabei sind die städtischen Lehrkräfte noch nicht mitgezählt)“, schreibt uns Juliane von Roenne-Styra. Die Anschaffung von Hardware und Software-Lizenzen wird aufgelistet, ebenso ein Authentifizierungssystem, um private Endgeräte zulassen zu können.

Aktuell haben laut städtischen Angaben von den rund 2.000 Beschäftigten mit PC-Arbeitsplatz rund 50 Prozent die Möglichkeit zum Homeoffice. „Viele dieser Möglichkeiten werden für ein ‘rollierendes System’ genutzt, damit Doppelbelegungen in Büros vermieden werden können.“

Hans Fichtl vom Landratsamt Regensburg spricht von 250 (der insgesamt 650 Beschäftigten), die einen Homeoffice-Arbeitsplatz hätten – rund 40 Prozent. Dieses Angebot wolle man weiter ausbauen. „Zudem wurde im letzten Jahr mit dem neuen Angebot des Virtuellen Bürgerbüros die Möglichkeit eines visuellen Austausches geschaffen.“

Bei der Regierung der Oberpfalz schließlich seien laut einer aktuellen Auskunft für 550 der 780 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die technischen Voraussetzungen vorhanden, um im Homeoffice arbeiten zu können. „Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten wechselnd teilweise von zuhause aus und teilweise im Büro, insbesondere auch, um Doppelpräsenzen in den Büros zu vermeiden.“

Die Situation im Bayerischen Gesundheitsministerium bleibt hingegen eine weitgehende Blackbox.

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Kommentare (17)

  • Mr. T.

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    Für Ministeriumsmitarbeiter ist es sicher auch nicht einfach, das Dienstfax daheim ins WLAN einzubinden. Wohl denjenigen, die noch ISDN daheim haben.

  • Joachim Datko

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    In Behörden ist man es in der Regel nicht gewöhnt, die Arbeitsleistung oder das Ergebnis zu bewerten. Überspitzt formuliert: Man misst die Zeit der Anwesenheit.

  • joey

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    In Baubehörden ist eben noch Papier die Grundlage. Das Papier muß ich ja dort in speziellen Mappen hineinbringen, dann wird es dort zwischen verschiedenen Stapeln hin und her gebracht. Bei Homeoffice müßten die Akten dann hin und her paketiert werden – und am Ende gingen diese verloren wie die Prüfungsarbeiten der Hochschulen.
    Eine Digitalisierung würde die deutsche behördliche Kulturtradition in den Grundfesten gefährden.

  • XYZ

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    joey 20.37
    In Baubehörden ist das längstens vorbei, man kann alles digital einsehen, auch in Grundbuchämtern – aber da haben Gesundheitsämter und Ministerien schlicht und einfach verschlafen, war ja politisch nicht so wichtig.

  • Hartnäckig

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    Joachim.datko hat geschrieben:
    In Behörden ist man es in der Regel nicht gewöhnt, die Arbeitsleistung oder das Ergebnis zu bewerten. Überspitzt formuliert: Man misst die Zeit der Anwesenheit.
    Leider, leider hat Herr Datko sowas von Recht !
    Schade dass es so ist !!!!

  • Mathilde Vietze

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    Zu Datko und Hartnäckig: Das mag vor h u n d e rt Jahren so gewesen sein;
    offenbar befinden Sie beide sich n i c h t auf der Höhe der Zeit.

  • Auch a Regensburger

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    Finde die stadt hat sich im organisatorischen, sprich Aufstockung der Home Office Plätze, bemüht. Ob mehr möglich war, kann ich nicht beurteilen.

    Jedoch hilft dies auch nur bedingt, wenn die Möglichkeiten nicht voll ausgenutzt werden.
    Es darf seit Wochen/Monaten nicht 50% Prozent Büroauslastung gelten. Sondern Büro nur auf das nötigste zu begrenzen und die Home Office Möglichkeiten maximalst auszunutzen.

    Die Behörden hätten es vorleben müssen. Die Arbeitgeber hätten es freiwillig besser machen können. Die Arbeitnehmer auch.

    Kinder können es ja anscheinend auch. Kontakt ist Kontakt. Mal ganz einfach. Jeder der eine Tag im Büro war der hätte nicht sein müssen, hat einem Kind einen Tag Home Schooling beschert.

  • Skyrider

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    Mann sollte hier bedenken, dass die Mitarbeiter in den Gesundheitsämtern, mit den vom “Arbeitgeber” zur Verfügung gestellten Mitteln arbeiten müssen. Dem Mitarbeiter ist hier kein Vorwurf zu machen.
    Die Verantwortung dafür liegt hier vorrangig im Gesundheitsministerium, also bei Hr. Holetschek, die politische Verantwortung liegt bei der bayerischen Staatsregierung, also bei MP Söder.
    Der sollte sich wiederum bei seinen Vorgängern Stoiber und Seehofer bedanken, unter deren “Sparzwang”, die Gesundheitsämter nicht nur in ihrer technischen Ausstattung, sondern auch personell “vernachlässigt” wurden. Es wäre hier auch mal interessant zu erfahren, wie vielen Mitarbeitern überhaupt ein Dienst Laptop/Handy zur Verfügung steht. Das wäre hier eine Grundvoraussetzung, um überhaupt aus dem Homeoffice heraus kommunizieren zu können.

  • highwayfloh

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    Ich sag nur eines:

    Dienst-Laptop – privater Router (Wlan) TAE-Dose

    Verbindung wia Wlan diese ungesichert also kein WLAN-VPN zwischen Dienstlaptop und Router. Dann nützt auch die VPN am Laptop nix über das man dann vertrauliche Daten zu senden hat.

  • Piedro

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    @highwayfloh
    Der Zugang zum Server des Arbeitgebers erfolgt über einen VPN-Tunnel, der Datenstrom ist verschlüsselt, der Zugang nur über dieses freigebene Tool und Passwort möglich. Das ist keine Hexerei, wir nutzen das seit Jahren. Wer das WLan für unsicher hält kann ja ein Kabel nutzen.

  • Taxifahrer

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    Peinliche Posse.

  • Gondrino

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    In dieser Krise sehen und spüren wir, wo uns die Fetische “Schwarze Null” und “ausgeglichener Haushalt” gebracht haben. Wegen dem vorgeblichen Sparen sterben jetzt in der Pandemie Menschen. Es wurde jedoch nicht gespart, sondern dringend notwendige Investitionen in die digitale Infrastruktur einfach nicht gemacht. Diese Investionslasten in die Zukunft zu verschieben ist nicht besser als Schulden machen, sogar schlimmer, da die Kosten in der Zukunft ungleich höher ausfallen, wie man im Straßenbau und bei der Bahn genauso beobachten kann. Aber man wahrt den Schein, klopft sich auf die Schulter und das “Volk” ist zufrieden. Erst in der Krise merken dann die ersten, dass der Kaiser gar keine neuen Kleider anhat, sondern nackt ist.

    Btw. Infrastruktur? Welcher Minister ist da schnell wieder zuständig und welche Partei stellt den seit 2009?

  • highwayfloh

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    @Piedro:

    Es dürfte aber eben viele Fälle geben, wo der Router eben nicht per LAN-Kabel mit dem Dienst-Laptop im Home-Office verbunden werden kann. In diesen Fällen wird dann wohl W-Lan genutzt. Hier besteht meiner Meinung nach eben dann ein Angriffsvektor, wenn die Verbindung zwischen Laptop und W-Lan-Router nicht ebenso per VPN-Verbindung abgesichert ist.

  • Mr. T.

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    highwayfloh, der Tunnel geht vom Endgerät zum Firmennetz. Da spielt das WLAN und alle anderen Übetragungswege keine Rolle.

  • Piedro

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    @highwayfloh
    Das Programm für den VPN-Tunnel befindet sich auf dem Rechner. Der überträgt verschlüsselte Daten über das WLan zum Server, der Server überträgt verschlüsselte Daten auf den Rechner. Wenn sich jemand dazwischen hackt hat er genau gar nichts davon, weil die Daten nur für die berechtigten Rechner verwendbar sind. Das WLan ist keine Gefahr, der Datenschutz ist gewährleistet, so lange Dokumente nur auf dem Server gespeichert und bearbeitet werden.

  • highwayfloh

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    @Mr.T. & Piedro, danke für die Erläuterungen.

    Ich habe eben die Befürchtung, dass, auch wenn auf dem Firmenserver und dem Endgerät im Homoffice (Dienstlaptop) die VPN-Software genutzt wird, aber eben zwischen diesem Endgerät und dem privaten Router zu Hause, wenn diese beiden Geräte per W-Lan kommunizieren, sehr wohl eine Agriffsmöglichkeit besteht. Sonst könnte man sich ja doch die ganzen Hinweise, die W-Lans mit WPA2 + 3 Abzusichern bleiben lassen und gleich auf entsprechenden Schutz verzichten.

    Das der VPN-Tunnel eine sichere zusätzliche Hülle innerhalb des TCP/IP-Protokolls bietet ist mir schon klar, aber die Frage ist doch, wenn es dazwischen eine “offene Wegstrecke” gibt (Endgerät zu Hause ==> privater Router), ob dann das VPN-Prinzip nicht ausgehebelt wird, denn was gibt es sonst für einen Grund, dass man im Router (ich habe selbst eine aktuelle Fritzbox) ebenso einen VPN-Tunnel für sämtliche Verbindungen (also auch W-Lan)einrichten kann, wenn laut Euren beiden Erläuterungen die Nutzung auf Endgerät zu Endgerät diesbezüglich reicht?

    Nein, ich bin kein IT-Experte, aber ein bisschen was hab ich mir schon angeeignet und dieser Punkt macht mich eben doch ein bisschen stutzig, warum ich diesen Punkt angemerkt habe.

  • Mr. T.

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    highwayfloh, das sind zwei verschiedene Sicherheitsebenen. Das Absichern des WLANs mit starken Sicherheitsverfahren und schwer zu erratenden Schlüsseln dient dazu, dass niemand in Ihr WLAN-Netzwerk eindringen kann. Mit dem VPN wiederum wird über die gesamte Strecke von Ihrem Endgerät (Computer) über Ihr WLAN, Ihren Router, Ihren Internet-Provider bis hin zum Server, auf den sie zugreifen, ein sicherer Tunnel aufgebaut, auf den auf der Strecke dazwischen nicht zugegriffen werden kann. Er hat eine Tunnelöffnung auf Ihrem Endgerät und die andere am Server. Wie beim Pfaffensteiner-Tunnel; in den können Sie auch nur am Südportal oder am Nordportal mit Ihrem Bus einfahren und dazwischen weder hineinfahren noch ihn verlassen ;-)
    Also auch wenn Sie mit Ihrem Rechner in einem öffentlichen, ungeschützen WLAN mit dem Internet verbunden wären, könnten Sie durch den VPN-Tunnel eine sichere Verbindung zur anderen Seite des Tunnels aufbauen.
    Sie brauchen für eine VPN-Verbindung aber immer auch eine Gegenseite, zu der der Tunnel aufgebaut werden soll. Beim klassischen Home-Office-Anwendungsfall ist das der Server des Arbeitgebers. Auf der FritzBox selber brauchen Sie kein VPN einrichten. Das wäre nur der Fall, wenn Sie zum Beispiel von irgendwoher per VPN auf Ihre FritzBox daheim und das Netzwerk dahinter zugreifen möchten.

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