SOZIALES SCHAUFENSTER

Brauereien in der Corona-Krise

Der Brauer auf der Lauer

Eigentlich beginnt mit dem Tag des Bieres am 23. April für die Brauereien die beste Zeit des Jahres. Doch vorerst bleiben die Biergärten geschlossen, ebenso bleiben die als Einnahmequelle wichtigen Großveranstaltungen im Frühsommer aus. Einige Brauereien ergreifen kreative Maßnahmen.

Das Anzapfen zum Tag des Bieres am Haidplatz (hier mit Landrätin Tanja Schweiger) fällt heuer aus. Foto: Archiv/Staudinger

„Hahaläläluuuh, Himmi Herrgott, Erdäpfi, Saggerament, luuuuiah!” So ruft es der Engel Aloisius in der Geschichte des Münchener im Himmel laut hinaus. Den Dienstmann 172 vom Münchener Hauptbahnhof traf einst der Schlag als er einen Auftrag zu hastig ausführen wollte. Von Petrus selbst zum Engel ernannt, musste der Münchener im Himmel schließlich mit Harfe ausgestattet auf einer Wolke Hosianna frohlocken. Eine Tätigkeit die ihm nicht so recht behagte. Und zu allem Überdruss bekam er dort weder „an Schmaizla“ (Schnupftabak) noch den goldenen Hopfensaft, den Aloisius sonst so gern im Hofbräuhaus auf sein Wohl getrunken hatte. Das von Petrus angepriesene Manna mochte dem alten Grantler jedenfalls nicht so recht schmecken. „Hahaläläluuuh, Himmi Herrgott, Erdäpfi, Saggerament, lu uuu iah!”

Trotz gutem Wetter – Absatz im Keller

Und wer kann es dem armen Teufel schon verübeln? Schließlich ist gerade jetzt bei den steigenden Temperaturen und strahlend blauem Himmel ein kühles Bier etwas, das die Gemüter befrieden kann. Doch die Realität sieht eben auch für die Erdenbewohner derzeit etwas getrübt aus. Biergärten sind geschlossen. Veranstaltungen sind bis in den August hinein abgesagt. Und an der Donau fällt das gemeinsame Verweilen ebenfalls aus.

Besonders stark trifft das alles – neben der Gastronomie – auch die Brauereien und bedroht bereits jetzt viele in ihrer Existenz. 1.542 aktive Brauereien gibt es deutschlandweit und mit rund 650 stehen mit Abstand die meisten davon in Bayern. Doch neben den wenigen Schwergewichten der Branche wie Paulaner, Franziskaner, Becks oder auch Oettinger, deren Absatz zu einem erheblichen Teil auf dem Flaschenverkauf in den Getränkemärkten beruht, sind die zumeist kleinen und mittleren Brauereibetriebe, wie sie auch in der Oberpfalz (derzeit 72) existieren, stark von der Gastronomie, den eigenen Biergärten und den zahlreichen Festlichkeiten in den Schönwettermonaten abhängig.

“Müssen nun erfinderisch werden”

„Schon mit der Schließung der Wirtshäuser und Kneipen ist für uns ein großer Absatzkanal komplett weggebrochen“, lässt Thomas Neiswirth, Marketingleiter der Brauerei Bischhofshof, wissen, die unter anderem das Weltenburger am Dom betreibt. Nun komme die Absage von zahlreichen Veranstaltungen und der Mai-Dult hinzu. Die Mitarbeiter wurden bereits in Kurzarbeit geschickt. Doch allzu negativ wolle man derzeit nicht denken. Vielmehr betont Neiswirth, das man „nun eben ein wenig erfinderisch werden“ müsse.

Insbesondere die Dult-Fans möchte man derzeit emotional ein wenig aufpäppeln. „Die Dultabsage ist für uns natürlich auch moralisch schlimm“, so Neiswirth weiter. “Zusammenkommen, zusammen feiern, zusammen trinken – dafür steht die Regensburger Dult. Und da wir darauf nicht ganz verzichten wollen bieten wir ein kleines Dulterlebnis für zuhause zum Anstoßen im Familienkreis oder über die sozialen Medien.“ Die Dultbiere werden in Kooperation mit einem Getränkelieferanten direkt nach Hause geliefert und beim Kauf von zwei Kästen mit einem original Dultmaßkrug überreicht.

Die Hefe ist gesichert

Die nach wie vor prekäre Lage am Toilettenpapiermarkt könne mit Bier zwar nicht bewältigt werden. „Wir haben aber die drohende Hefekrise in den Supermärkten zum Anlass genommen, eine kleine Do It Yourself-Anleitung zu basteln, die auf unserer Homepage zu finden ist“, erklärt Neiswirth schmunzelnd. „Dort findet sich ein Rezept, wie aus unserem Weißbier Hefe zum backen gewonnen werden kann.“ Da die meisten Brauereien einen eigenen Hefestamm züchten, aus dem die Bierhefe entnommen wird, ist man hier unabhängig von Engpässen. Natürlich funktioniere dieser Trick mit jedem handelsüblichen Weißbier.

“Wir sitzen alle im selben Sud.”

Während die Hefeproduktion also sichergestellt zu sein scheint, bangt man gerade auch bei der Brauerei Eichhofener um das Fortbestehen des Traditionsunternehmens. Inhaber Michel-Andreas Schönharting setzt derzeit ebenfalls auf den Heimservice und fährt sein Bier sogar selbst aus. „Wir sitzen da aktuell alle im selben Sud und müssen jede Woche neu schauen wie es weitergehen kann.“

Doch komme er sich derzeit „wie in einer Lauerstellung vor“. „Wir hoffen natürlich auf eine baldige Lockerung der Maßnahmen durch die Politik.“ Gleichzeitig äußert er auch Verständnis für die politischen Entscheidungen. „Doch leider fußt unser Betrieb auf langfristiger Planung. Das ist alles von heute auf morgen weggebrochen.“ Der Lieferdienst könne das auf keinen Fall kompensieren. „Letztlich funktioniert das alles nur vorübergehend und hilft vor allem auch, dass wir selber aktiv bleiben und nicht nur rumsitzen.“

Spital verzichtet auf Kurzarbeit

Etwas entspannter blickt man bei der Spitalbrauerei auf die derzeitige Lage. Zwar ging auch dort die Nachfrage bei den Bierspezialitäten deutlich zurück. Neben der Spitalbrauerei gehören aber auch ein Seniorenheim und mehrere Immobilien zur Stiftung St. Katharinenspital. „Wir haben zum Glück ein Geschäftsmodell das nicht allein auf dem Bierabsatz münzt“, erklärt der Spitalmeister Wolfgang Linder.

Trotzdem sei die Situation bedenklich und mit April und Mai seien bereits zwei wichtige Monate nun weggefallen. „Kein Biergarten, keine Feiern, kein Zusammensitzen. Das trifft die Gastronomie sehr hart und damit natürlich auch unsere Brauerei.“ Dennoch werde man auf Kurzarbeit verzichten, so Linder. „Wir sind eine kleine, feine Brauerei die von Haus aus mit wenig Personal auskommt. Deshalb haben wir uns auch gegen Kurzarbeit entschieden.“ Stattdessen werden Überstunden und Urlaubstage abgebaut. „Außerdem nutzen wir die Zeit und bringen momentan unseren Biergarten, die Spielplätze und den Baumbestand in Ordnung.“ Auch der Spitalkeller wurde bereits umfangreich saniert und die Brauerei generalüberholt.

Hoffen auf den kleinen Lichtblick

Auf einen baldigen „zumindest kleinen Lichtblick“ hofft man aber beim Spitalbräu genauso wie in Eichhofen und bei Bischofshof. Wenigstens das verantwortungsvoll konsumierte Bier im Freien, das müsse es hoffentlich demnächst wieder geben, hofft Linder.

An dem Engel Aloisius sollte man sich bei der derzeitigen Lage allerdings kein Beispiel nehmen. Nachdem sich der Münchener einfach nicht in das Himmelsgeschehen integrieren wollte, gab ihm Gott persönlich einen Spezialauftrag. Mit einer wichtigen Botschaft an die bayerische Staatsregierung wurde Aloisius zurück auf die Erde geschickt. In München kehrte er dann aber erst einmal im Hofbräuhaus ein, bestellte sich eine Maß und soll bis zum heutigen Tage dort sitzen und Bier trinken. Die göttlichen Ratschläge – oder Gottes Eingebung – kamen folglich nie in der Staatskanzlei an.

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Kommentare (9)

  • Eingeborener

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    Nichts gegen eine halbe Bier -aber von ein bisserl Trinken leben die Brauereien ja nicht, sondern von einer überdurchschnittlich hohen Alkoholabhängigkeit in der deutschen Bevölkerung. Wie die WHO feststellt :Alkohol ist die zerstörerischte aller Drogen weltweit . Ich freue mich auf einen rd -Artikel , der mit den Produzenten von Heroin usw. mitleidet, die haben sicher auch grosse Umsatzprobleme derzeit.

  • joey

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    Der Bierkonsum war vorher schon deutlich reduziert, Überangebot, Branche mit Problemen. Gründe sind vielfältig, die immer strengeren Alkoholgrenzen sind ein wichtiger Faktor.

  • Piedro

    |

    @Eingeborener
    “…sondern von einer überdurchschnittlich hohen Alkoholabhängigkeit in der deutschen Bevölkerung.”
    Woher wissen Sie das? Meines Wissens gibt es keine Statistik zu Alkoholismus, nur zum durchschnittlichen Konsum. Und da ist D-Land keinesfalls “überdurchschnittlich.” Abgesehen davon bevorzugen Alkoholiker härteren Stoff, um ihren Pegel zu halten bräuchten Sie reichlich Bier. Mit Schnaps ist der Pegel eher zu erreichen und zu halten, und das ist wesentlich billiger. Auch der Anteil der Alkoholiker an der deutschen Bevölkerung negiert ihre Aussage.

  • R.G.

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    Haltet die Leute bei Laune mit Rezepten für Bierlikör, Bierbrot, Bierkuchen, Pfannkuchenteig mit Bier etc.

    Schales Bier verwendete man als traditionelles Malmittel für Pigmente auf Bauernmöbeln oder für Imitiation von Furnier im Art deco.
    ” Bierlasur ” sehen in Sie Fotos Ihrer Suchmaschine wenn Sie auf ” Bilder ” Klicken.
    Ein Rezept für Malen mit Pigmenten hat die Firma Kremer von Kremers Pigmente veröffentlicht.

  • Lothgaßler

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    @Piedro:
    Faktencheck:
    a) Deutsche konsumieren nicht überdurchschnittlich viel Alkohol: doch, siehe WHO-Bericht “Menschen in Europa trinken weiterhin mehr Alkohol als anderswo auf der Welt” (Suchmaschine anwerfern und dort dann auf die Faktenblätter der Länder gehen). Deutschland liegt übern EU-Durchschnitt.
    b) In Deutschland gibts überdurchschnittlich viele Alkoholabhängige: Wie meist, wird auch zu Alkoholabhängigkeit kein der Covid-19-Zählungen vergleichbarer Bodycount durchgeführt. Bei Vergleichen auf Basis von Schätzungen muss Vorsicht walten. Ich würde die Behauptung erst mal als These gelten lassen, zumal Anzeichen dafür existieren. Wer suchet, der findet vielleicht auch eine offizielle Statistik.

    Interessant ist allerdings der Vergleich der Gesundheitsfolgen/-Kosten von Alkohol:
    Lt. einer WHO-Studie, zitiert in Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 40, RKI 2008: “..Es wird geschätzt, dass weltweit 1,5 % aller Todesfälle, 2,1 % der durch vorzeitigen Tod verlorenen Lebensjahre, 6,0 % der durch körperliche und psychische Einschränkungen verlorenen Lebensjahre und 3,5 % der nach Einschränkungen adjustierten Lebensjahre (DALYs) auf die Wirkung von Alkohol zurückzuführen sind…”
    => Wenn die Politik nun dieselben Maßstäbe anlegt wie bei Covid-19, dann müssten eigentlich für Konsumenten, Brauer, Brenner und Gaststätten dramatische Eingriffe folgen.
    => Also nur noch Bier als Piccolöchen, bei einer Steuer um die 50% und bei einer Tracing-App mit in der Haut implantiertem Alkoholsensor.
    Zum Glück übertragen weder Politik noch Gesellschaft die für Covid-19 etablierten moralischen Maßstäbe auf andere Krankheiten und Gesundheitsrisiken: Lärm, Feinstaub, Alkohol, Tabak, “Pflanzenschutzmittel”, Schichtarbeit und sicher vieles andere mehr.
    Aus medizinischer Sicht ist Alkohol ohnehin die Grundlage für Desinfektionsmittel (äußerliche Anwendung, Mr. Trump denkt inzwischen über Injektion derselben nach). Bei Bier reicht leider dazu die Alkoholkonzentration nicht aus, aber als Fliegen- und Schneckenfalle reichts.

  • Eingeborener

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    Bier ist die Einstiegsdroge in Drogen aller Art (also nicht Cannabis). Nach meinen Beobachtungen wird mit zunehmendem Gewöhnungseffekt dann immer mehr Schnaps zum Bier getrunken, erst im fortgeschrittenen Suchtstadium wird Schnaps zur Hauptdroge. @Piedro, Sie haben sicher Ihre Gründe für die Verharmlosung des Alkoholkonsums. Nämlich ?
    Und damit gehen Sie auch systemkonform..Selbst die Politikerkaste muss trinken, um die hiesigen lieblosen Verhältnisse auszuhalten.
    Angeblich ist die Politik sehr an unserer Gesundheit interessiert, siehe Corona , so dass zB. die etwa 74000 Alkoholfolge-Toten pro Jahr locker verdrängt werden . Ein Paradox ? Da das System schwer auszuhalten ist , braucht es halt legale Drogen.
    Dies sei mit etwas Boshaftigkeit gesagt, da ich Ihre Beiträge im Allgemeinen wertschätze.

  • Piedro

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    @Eingeborener
    “Bier ist die Einstiegsdroge in Drogen aller Art (also nicht Cannabis).”
    Blödsinn. Die These: alle Fixer haben vorher gekifft ist so deppert wie die These: alle Fixer haben vorher Bier getrunken, oder: alle Fixer haben vorher Muttermilch gehabt.

    “@Piedro, Sie haben sicher Ihre Gründe für die Verharmlosung des Alkoholkonsums.”
    Und Sie haben sicher Gründe mir das zu unterstellen. Die interessieren mich aber nicht, ich habe nichts verharmlost.
    Lassen wir das, das Thema ist ein anderes.

  • Andreas

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    Kennt einer von Euch ein gutes und ähnlich prägnantes, deutsches Wort für das englische “social justice warrior”? Das würde hier mal wieder sehr gut passen.
    Abgesehen davon: wer helfen will kann einfach nur Bier kaufen von Brauereien die nicht mehr als 30 km weit weg sind. Für die meisten sollte sich das einrichten lassen. Öttinger, Warsteiner und co. überleben auch so.

  • Mr. T.

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    Ein deutsches Wort für “social justice warrior”? Ein Kämpfer für soziale Gerechtigkeit? “Spirk” vielleicht?

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