Auftaktveranstaltung "Soziale Stadt - Innerer Südosten"

Drei Inseln mit einem Dreieck und viel Eisenbahnverkehr

Kasernenviertel, Ostenviertel und Hohes Kreuz sollen im Rahmen des Projekts „Soziale Stadt – Innerer Südosten“ zu einem „Stadtteil der Zukunft“ zusammenwachsen. So lautet zumindest die Vision der Stadt Regensbrug und von ihr beauftragter Planungsbüros, die am Dienstag gemeinsam das Stadtentwicklungskonzept im kleinen Saal des marinaforums vorstellten.

Maltz-Schwarzfischer (2.v.r) hat Visionen für den Inneren Südosten. Foto: om

Verwaltung und Projektplaner sitzen sich wie Regierung und Opposition im britischen Unterhaus gegenüber, doch ist hier Konfrontation natürlich nicht zu erwarten. Im Gegenteil. Einmütigkeit prägt die städtischen Angestellten und die externen Stadtentwickler, die zahlreich im marinaforum erschienen sind, um bei der Auftaktveranstaltung zur „Sozialen Stadt – Innerer Südosten“ über die Stadtentwicklungspolitik rund um das Gleisdreieck zu informieren und interessierten Bürgern Rede und Antwort zu stehen. Rede mehr, Antwort weniger.

Soziale Stadt im Inneren Südosten: „Ungeheuer große Chance“

Der Grund der Auftaktveranstaltung ist die Absicht der Stadt Regensburg das Quartier „Innerer Südosten“, das sich aus Ostenviertel, Kasernenviertel und Hohem Kreuz zusammensetzt, im Rahmen der Bund-Länder-Städtebauförderung „Soziale Stadt“ in den kommenden Jahren städtebaulich, infrastrukturell und sozial „zu entwicklen“.

Dieses „Untersuchungsgebiet“ sei „eine besondere Herausforderung“ mit „enormen Entwicklungsmöglichkeiten und Potentialen“, wie es Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Stadtentwicklungsamtsleiter Anton Sedlmeier im Sinne aller Protagonisten formulieren. Laut Maltz-Schwarzfischer ist der Innere Südosten „der Stadtteil in Regensburg, in dem am allermeisten passieren wird“. Von „deutlichem Wandel“ ist die Rede, von einer „ungeheuer großen Chance“, die das Soziale-Stadt-Programm biete.

Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept, Projektmanagement, Quartiersmanagement

Überhaupt: Große Chancen, viele Möglichkeiten, spannende Herausforderungen – solche und ähnliche mit Superlativen garnierte Begriffe und Satzbausteine hört man am Dienstagabend am laufenden Band. Nicht nur seitens der Stadt, sondern vor allem von den drei Planungsbüros, die mit der Strategieentwicklung, der Beteiligungskoordination und der Kommunikation des Projekts beauftragt sind.

Die beteiligten Büros sind Yellow Z (Berlin) und Mahl Gebhard Konzepte (München), die für die Gestaltung des sogenannten integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) zuständig sind und Planwerk (Nürnberg), das für das Projektmanagement verantwortlich zeichnet. Im Juli wird zusätzlich ein Quartiersmanagement als Ansprechpartner für das betreffende Gebiet eingesetzt. Moderne Stadtentwicklung ist das.

Bürgerbeteiligung ist ausdrücklich gewünscht

Die ausgesprochen gut besuchte Veranstaltung (viele Stühle mussten nachträglich noch herbeigeschafft werden) im kleinen Saal des marinaforums ist selbst bereits Ergebnis der Planungen der Planer. Man hat viel vorbereitet, arbeitet mit Visualisierung, großformatigen begehbaren Stadtplänen und kleineren Varianten auf die Wunsch- und Kummerfähnchen gepinnt werden können und lädt Interessierte nachdrücklich zu Beteiligung, Mitsprache und Impulsgebung ein.

Besucher konnten Wunsch- und Kummerfähnchen stecken. Foto: om

Man habe stets ein offenes Ohr, Bürger sollen sich an die Ansprechpartner wenden. Bürgerbeteiligung soll also im Verlauf des Projektprozesses ganz groß geschrieben werden und mithilfe von noch stattzufindenden offenen, Senioren- und Jugendwerkstätten dokumentiert werden. All das erinnert stark an den Beteiligungsprozess zum RKK vor etwa einem Jahr und der folgenden Placebo-Bürgerbefragung.

„Insellage überwinden!“

Doch worum geht es bei dem Projektvorhaben genau? Die drei Stadtteile Kasernenviertel, Ostenviertel und Hohes Kreuz, die derzeit durch Bahngleisanordnung und Hauptverkehrsstraßen jeweils eine von einander getrennte „Insellage“ besitzen, sollen als gemeinsames Untersuchungsgebiet gedacht und der Inselcharakter überwunden werden. „Ein Stadtteil der Brücken“ könne hier etwa entstehen, wie es Planerin Andrea Gebhard formuliert. Doch nicht nur das. Man dürfe „es nicht so machen, dass es Ghettos gibt“, so Gebhard. Wichtig sei beispielsweise auch öffentliches Grün über jetzige Hindernisse hinweg zusammenzuführen.

In einer von insgesamt vier auf kurze Statements bedachte Expertengesprächsrunden pflichtet auch Gartenamtsleiter Hans Dietrich Krätschell dieser Idee bei und formuliert als Vision eine stadtweite Verbindung von Grünflächen, wobei das Gleisdreick die Grünflache „der Stadt der Zukunft“ sein könnte. Für Anton Sedlmeier stehen die Befreiung der betreffenden Stadtteile aus ihrem Inseldasein, etwa mittels Brücken, Tunneln oder (ganz visionär gedacht) Seilbahnen und die multifunktionale Nutzung des Quartiers (Wohnen, Arbeit, Freizeit) im Vordergrund.

Das Untersuchungsgebiet für das Projekt „Soziale Stadt“. Bild: Stadt Regensburg / Amt für Stadtentwicklung

Anwohner: „Donau wurde uns als Naherholung genommen!“

Auch die Bürgermeisterin verficht die Vision eines „Stadtteils der Zukunft“ bei Aufhebung der Insellage der drei Einzelstadtteile. Der Innere Südosten sei „Stadtmitte und nicht Stadtrand“ und müsse vor allem jungen Familien ein geeignetes Lebensumfeld bieten. Einzelpersonen, so die Sozialdemokratin, „finden immer einen Ort, wo sie unterkommen“.

Insgesamt dreht sich auf dem Podium viel um Visionen. Um Urbanität, um Mobilität und Energieeffizienz der Zukunft. Bei den wenigen Publikumsfragen, die nach über zwei Stunden zugelassen werden, geht es um eher profanere Dinge. Ob demnächst ein Nahversorger im Bereich des Marina Quartiers geplant sei oder ob die Donau, „die uns als Naherholung genommen wurde“ bei den Planungen Berücksichtigung finde, will etwa ein Anwohner unter viel Applaus wissen. Beim Thema Nahversorgung wird er vertröstet, das Thema Donau als Naherholung spart man aus.

Drei oder wie viele Brücken?

Auf Anregung eines Hohes-Kreuz-Bewohners wir auch kurz das Dreibrücken-Projekt der Schmack GmbH, das bereits vor vier Jahren unter medienwirksamer Anwesenheit von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs vorgestellt wurde, angerissen. Tatsächlich hat dieses Konzept viele der im marinaforum besprochenen Visionen bereits in Pläne gegossen, jedoch zeigt sich Stadtverwaltung hierbei mehr als zögerlich. Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer findet „Dreibrücken“ zwar „ein ganz tolles Projekt“, äußert aber Bedenken hinsichtlich Wohneignung und Lärmschutz inmitten der Gleise. Die Verhandlungen mit der Bahn seien schwierig und so weiter. Früher oder später werden diese Bedenken auch die vielen Planungsbüros der „Sozialen Stadt Innerer Osten“ einholen – Bürgerbeteiligung hin oder her.

Der Plan der Schmack GmbH zur Gestaltung des Gleisdreiecks und umliegender Gebiete. Foto: Schmack GmbH

Der bauliche Anfang dieser langfristig angelegten Entwicklung der Sozialen Stadt im Inneren Südosten wird übrigens das Begegnungszentrum in der Guerrickestraße sein (Baukosten: 5,3 Millionen Euro), das viele soziale Dienstleistungen und Angebote unter einem Dach vereint. Der Baubeginn soll noch in diesem Jahr erfolgen.

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Kommentare (8)

  • Erna Falter

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    Ich konnte zwar bei der Vorstellung nicht teilnehmen, aber der Artikel hilft mir auch nicht viel weiter. Am besten gefallen haben mir die Visionen von Anton Sedlmeier. Die Entwicklung der letzten paar Jahre haben jedoch den künftigen Verlauf bereits deutlich geprägt.

  • Mr. T

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    Mit ner Seilbahnanbindung ans Degginger könnte das richtig urban werden. Ich seh schon, wie tätowierte Kinder ihre bärtigen Mütter mit dem Lasten-E-Bobby-Car zwischen Craft-Parfümerie und Raw-Bratwurst-Boutique rumschippern.

    Jetzt mal Ernst beiseite: Ich hoffe, dass sie sich endlich mal besinnen und versuchen, eine lebenswerte Umgebung für Menschen zu gestalten. Dazu muss man wohl gar nicht so viel planen, man muss nur Möglichkeiten geben und dann einfach zulassen, dass sich etwas entwickelt. Der einzige Eingriff sollte dergestalt stattfinden, dass man versucht, zu verhindern, dass da irgendwer auch nur die geringste Chance auf finanziellen Profit finden kann.

  • Dieter

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    Ich musste auch als erstes an das Schmack Projekt denken – ist das ganz aus dem Rennen und wem gehören eigentlich die Grundstücke, die bebaut oder begrünt werden sollen?

    Innerer Südosten ist ausserdem Augenwischerei – mittlerer bis äußerer SO trifft es wohl eher. Auffällig ist, dass Candis, Marina, Innerer Osten aus dem Konzept ausgespart wurden – also die Filetstücke.
    Mit den drei Inseln sind hauptsächlich soziale Brennpunkte bzw. sozial schwächere Stadtteile gemeint.
    Die Hauptfrage nur, ob daraus eine große Insel werden soll oder ein gentrifizierter, moderner Stadtteil für besagte junge Familien? Wo sollen dann aber die jetzigen Anwohner, deren Mieten aktuell sicher günstiger sind, wohnen?

    Das ganze wirft mehr Fragen auf als dass beantwortet werden.

  • Markus Frowein

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    @Mr. T (13. Juni 2018 um 23:08)

    Zitat: „Ich hoffe, dass sie sich endlich mal besinnen und versuchen, eine lebenswerte Umgebung für Menschen zu gestalten.

    War das nun Spaß oder Ernst? Es geht immer um Gewinnmaximierung sowohl von
    Immobilientandlern, als auch von deren Freunden, den Geldkofferempfängern …

    @Dieter (14. Juni 2018 um 02:06)

    Zitat: „Die Hauptfrage nur, ob daraus eine große Insel werden soll oder ein gentrifizierter, moderner Stadtteil für besagte junge Familien?“

    Ich würde auf den zweiten Teil Ihrer Frage/Antwort tippen …

    Zitat: „Wo sollen dann aber die jetzigen Anwohner, deren Mieten aktuell sicher günstiger sind, wohnen?“

    In Pfakofen (https://de.wikipedia.org/wiki/Pfakofen)

  • Kneipenschreck

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    Donau: ein wichtiger Punkt

    ich wollte es erst selbst nicht glauben, aber neuerdings kontrolliert am südlichen Donauufer ( Kiesstrand Höhe Ende der äußeren Wiener Straße ) die Bundespolizei und verteilt dort Aufenthaltsverbote. Angeblich gehört der Grund der Hafen GmBh und diese verbietet es, dort zu sein. Am Strand liegt noch Schild rum, wo mal vermutlich betreten verboten drauf stand, gezeichnet vom Tiefbauamt, was mich auch wundert, sollte das Schild dort irgendwo mal rumgestanden haben, wie wohl das Tiefbauamt Verbote über den Aufenthalt am Ufer einer Wasserstraße aussprechen kann, was ja eigtl. dann dem Wasserwirttschaftsamt zugehörig wäre.. oder ist die Fläche kontaminiert ?

    Davon, wie sehr so ein Gewerblicher eine Vorzugsbehandlung genießt, können die Anwohner um den IT-Speicher sowie gegenüberliegender Donauseite in Weichs übrigens auch ein Lied singen : tuuuut – tuuuut.. schallt es neuerdings auch polyfon aus der Dampftröte der Rangierlock, was es nachts zu Uhrzeiten wie 3:00, 5:00,.. auch nicht besser macht..

    Während ich um 22:00 in einer Wohnanlage keinen Mucks mehr geben darf, kommt es dafür dann nachts um 2:00 unbekümmert über die Donau geschallt..

    na danke..

    erinnert mich irgendwie an dieses Lied:

  • Regensburger Bürger

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    In besagten Vierteln gibt es einen Ausländeranteil von 40-50% (nicht Migrationshintergund eingerechnet). Im vielen anderen Vierteln von 5-9%.

    Dies ist eine Katastrophale Stadtentwicklung.

    Soziale Stadt hin oder her. Es muss gebaut werden und Zuzug generiert werden. Und zwar Ohne Sozialquote!!! Die muss in anderen Stadteilen erhöht werden, bis Regensburg eine homogene Bevölkerungsstruktur un Allen Stadteilen hat.

    Die Firma Schmack will sehr viele Reihenhäuser bauen, die eine sofortige positive Auswirkung auf die Struktur haben wird.

    Die Lärmargumente sind schwer nachzuvollziehen. Da wir Anwohner vom Hohen Kreuz uns schon swif sehr Langem über einen Lärmschutz freuen würden. Der Bebauungsplan würde Lärmschutz vorsehen.

    Genauso kann man sich fragen, warum die paar Züge nach Hof eine größere Belastung darstellen, als die Verkehrsbelastung am Stobäusplatz oder der wesentlich stärkere Bahnverkehr beim Dörnbergviertel?

    Und v.a. wie kann dann die Stadt eine massive Erweiterung des Containerterminals diskutieren. Es ist zu laut um neu zu bauen. Aber den bestehnden Anwohnern kann der Lärm (quitschende Züge Nachts) zugemutet werden

  • Lothgaßler

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    @Regensburger Bürger:
    sehr richtig: Warum soll Bahnlärm höher gewichtet werden als Straßenlärm? Von der Sache her gibts keinen Grund, hier dürfte die Bahn sogar klare Vorteile bieten (sage ich als Innenstadtbewohner an einer Haupteinfallstraße, der lebensabschnittsweise auch mal nahe an einem vielbefahrenen Gleis gewohnt hat).
    Meine hintersinnige Antwort: Weil man dann der Deutschen Bahn die Schuld für alles mögliche geben kann (Lärmschutz, Brückenbau usw.).

    #Gedankenspielen um die Entwicklung der Gebiete:
    Wer Verbindungen will, der muss Verbindungen schaffen. Dabei darf der Wunsch der Bahn (Erhalt des Status-Quo) die Bedürfnisse der Stadt nicht dominieren: Weder in Sachen Lärmschutz, noch in Sachen Brücken oder Tunnel.
    Wie wäre es denn mal mit einem Versuch genossenschaftliche Bau-/Wohnprojekte zu fördern (Wien). Auch günstiges Bauen ohne den letzten Schnickschnack an Energieoptimierung auszureizen erscheint mir sinnvoll. Statt Reihenhäuser mit Handtuchgärten wieder Kleingartenanlagen: Damit wird mehr für Naturschutz geleistet als mit jeder Parkanlage.
    Autoverkehr: Eine schöne ruhige Wohngegend nimmt dem Individualverkehr viel Platz (Straßen und Stellflächen) und stellt sie den Anwohnern zur Verfügung.

    #Donau:
    Solche Besitzansprüche werden an einigen Stellen angemeldet und teilweise auch mit Zäunen durchgesetzt (ich denke an den Oberen Wöhrd mit den Motor-Wasser-Sport-Freunderln). Wir Bürger sind auch selber zu träge um uns zu wehren. Nicht wir sollten uns rechtfertigen für den Wunsch nach Zugang zur Donau, sondern die Besitzanspruchsmelder (auch wenn es Landes- oder Bundesbehörden sind) sollten sich rechtfertigen für das Aussperren, Wegschicken und Verbieten an 365 Tagen rund um die Uhr.

  • Grete Unhalter

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    Immer sinds die Anderen die einem das Leben zu Hölle machen. Vielleicht sollte man sich mal selbst am Schopf packen und aktiv werden.

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