SOZIALES SCHAUFENSTER

Zwischennutzung durch Vereine abgelehnt

Evangelisches bleibt vorerst leer

Der Stiftungsausschuss des Regensburger Stadtrats hat eine Zwischennutzung des Evangelischen Krankenhauses für Vereine mehrheitlich abgelehnt. Das Gebäude soll vielleicht irgendwann als Übergangsquartier genutzt werden, wenn das Neue Rathaus saniert wird, teilt die Oberbürgermeisterin mit.

Wenn der Zeitplan irgendwie zusammenpasst, dann soll das Evangelische Krankenhaus Übergangsquartier für das Neue Rathaus werden, das generalsaniert werden soll. Das sagt OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Foto: Archiv

„Unseres Erachtens“ ist eine Floskel, die Dr. Helmut Reutter seinen Ausführungen am vergangenen Donnerstag mehrfach voranstellt. Dennoch braucht der Geschäftsführer der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung nicht allzu lang, um zu begründen, warum eine Zwischennutzung des Evangelischen Krankenhauses durch Vereine und zivilgesellschaftliche Gruppen „unseres Erachtens“ nicht sinnvoll erscheint.

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Zu kleinteilig, zu aufwändig, zu teuer

Die Fraktion der Grünen hatten einen entsprechenden Antrag gestellt. Vorausgegangen war ein Brief des Aktionsbündnisses „Haus für Engagement“ an Stadtspitze und Stadtrat. „Die derzeitige Situation durch die Corona-Pandemie stellt Vereine, Initiativen und Selbsthilfe bei der Durchführung ihrer Treffen vor enorm große Herausforderungen. Aufgrund der weiter geltenden Abstands- und Hygienemaßnahmen werden viele bisher genutzte Räume in der nächsten Zeit nicht genutzt werden können“, heißt es darin. Reinhard Kellner, Vorsitzender der Sozialen Initiativen, die das Bündnis mitbegründet haben, beziffert die Miete für einen Raum, den er für ein Treffen von 20 Personen über das städtische Saalmanagement angemietet hatte, auf 280 Euro. Zu viel für die meisten kleinen Vereine.

Das ehemalige Evangelische Krankenhaus jedenfalls kann hier nach Ansicht der Ausschussmehrheit nicht als Lösung dienen. Das Gebäude, das in Teilen bis Anfang des Jahres als Ausweichquartier für das Diözesanzentrum gedient hatte, sei dafür viel zu kleinteilig, so Reutter. Die meisten Zimmer hätten lediglich 20 Quadratmeter. Und so seien „erhebliche Umbaumaßnahmen“ notwendig, um es für Treffen von Vereinen nutzbar zu machen. Außerdem sei dafür auch eine Nutzungsänderung notwendig, verbunden mit entsprechenden Bauantragsverfahren, Brandschutzprüfungen und dergleichen. Das sei so aufwändig, dass es „weit bis ins Jahr 2021“ dauern werde, ehe dann – wenn man es denn machen würde – eine Nutzung möglich sein könnte. „Eine sofortige Nutzung, wie es intendiert ist, um die akute Notsituation zu beheben, ist nicht der Fall“, so Reutter.

Auch habe die Stiftungsaufsicht (die Regierung der Oberpfalz, Anm. d. Red.) wegen der Berichterstattung über das Thema bereits bei ihm angerufen und mitgeteilt, dass auch für eine solche Zwischennutzung eine ortsübliche Miete verlangt werden müsse. Außerdem brauche man einen Ansprechpartner bei den Vereinen. Alles „erhebliche Punkte“, die den Vorstoß als nicht sinnvoll erscheinen ließen. „Unseres Erachtens.“

Künftige Nutzung – unklar

Welche „Idee“, wie es mehrfach heißt, die Stiftung im Evangelischen Krankenhaus umsetzen möchte, und wann, ist bislang nicht bekannt. Von einem ersten Planungsbüro, das ein Nutzungskonzept erarbeiten sollte, hatte man sich Ende 2018 nach fast drei Jahren Bearbeitungszeit getrennt. Die Arbeit eines neuen Büros, das anschließend mit dem Konzept beauftragt wurde, ist bislang nicht abgeschlossen. Und ganz generell ist die öffentliche Kommunikation der Stiftung eher kärglich.

Pfarrer Martin Schulte, neues Mitglied im Stiftungsausschuss, hält es vor diesem Hintergrund am Donnerstag denn auch für „längst nicht ausgemacht“, dass 2022 die Bagger anrollen werden, um die „Idee“ der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung zumindest dann umzusetzen. Da die Stiftung mit ihrem Vermögen schonend umgehen müsse, wolle er wissen, was bis dahin mit dem Gebäude passieren soll. Übergangslösungen seien notwendig.

Übergangsquartier fürs Neue Rathaus?

Hier gibt es bislang lediglich eine Anfrage der Stadt Regensburg. Dort plane man, das Neue Rathaus generalzusanieren, wie Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer erklärt. Einen Zeitplan nennt sie zwar nicht, aber sofern „sich herausstellen sollte, dass der Zeitpunkt, wo die Bagger (am Evangelischen Krankenhaus, Anm. d. Red.) anrollen in etwas weitere Ferne rückt“ und das mit dem Zeitablauf Neues Rathaus „koordinierbar ist“, werde man das Gebäude als Büroraum nutzen. „Das wäre ohne Nutzungsänderung möglich“, so die Oberbürgermeisterin, zu einer „ortsüblichen Miete“.

Den Antrag der Grünen lehnt der Ausschuss am Donnerstag gegen die Stimme von Stadträtin Wiebke Richter ab. Dazu müsse man umbauen, ist Maltz-Schwarzfischer überzeugt. Und das für „eine relativ kurze Nutzungsdauer“ zu tun „wäre fehlinvestiertes Geld.“

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Kommentare (4)

  • Mr. T.

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    Bis die Stiftung weiß, was sie will, könnte man das Ding ja ein paar Jahrzehnte sinnvoll nutzen.
    Brandschutz ist immer eines der Totschlagargumente, wenn man nicht will, dass irgendwas passiert. Brandschutz muss aber nicht heißen, dass da Millionen reingesteckt werden müssen, damit es die Auflagen erfüllt. Es kann auch sein, dass da nur einer von der Feuerwehr durchgeht und sagt, wo überall Brandmelder und Feuerlöscher hin müssen, damit es zulässig ist.
    Schade, dass es in Regensburg keine vitale Hausbesetzerszene gibt. Das wäre das perfekte Objekt.
    Nichts damit zu machen, ist eine Todsünde. Eigentum verpflichtet!

  • John, Paul, George & Ringo

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    „Die meisten Zimmer hätten lediglich 20 Quadratmeter.“
    Geil, viel Platz für Proberäume und Ateliers – meines Erachtens…

  • bedah

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    Meines Erachtens… könnte das neue Rathaus komplett in des alte evangelische Krankenhaus einziehen, und das ehemalige Neue Rathaus wird dann stattdessen zu einem neuen Kulturzentrum.
    Mitsamt eines unabhängigen Trägervereins in Selbstverwaltung, erstmal für einen kleienn Obulus auf 25 Jahre verpachtet.

  • highwayfloh

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    Ich habe es schon mal zu der Thematik im anderen Artikel geschrieben:

    Das Gebäude lässt sich sehr wohl sinnvoll nutzen:

    Als Corona-Isolierkrankenhaus oder bei anderen Fällen, welche der Isolation bedürfen.
    Dazu braucht es keine aufwändigen Umbauten nur eben, Brandschutzertüchtigung. Diese kann ganz simpel erfolgen:

    Sichtbare Sprinkler-Leitungen in alle Räume (es muss ja kein 8-Sterne Hotel aus dem Gebäude werden), entsprechende Rauchmelder und eine entsprechende Brandmeldeanlage, welche direkt mit der integrierten Leitstelle der Feuerwehr verbunden ist. Der Vorteil liegt auf der Hand:

    Ein zentrales Gebäude, dass für Isolationspatienten zentral zuständig ist und man kann dort die entsprechenden Fachkräfte zentral zusammenziehen. Die übrigen Krankenhäuser werden entsprechend entlastet. Also wo ist das Problem, dies umzusetzen? Hier wäre meiner Meinung nach sogar die staatliche Fürsorgepflicht im Sinne der Gesundheitserhaltung der Bevölkerung ein Argument, hier eine zweckdienliche Enteignung vorzunehmen, wenn die evangelische Kirche hier nicht einlenkt und zwar zu deren Kosten!

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