FOS/BOS-Petition: Abgeordnete machen wenig Hoffnung

Vergangenen Freitag haben Vertreter der FOS/BOS Regensburg in der Landshuter Straße eine Petition an die Landtagsabgeordneten Margit Wild (SPD) und Frau Maria Scharfenberg (Grüne) überreicht. Darin fordern sie den Bayerischen Landtag dazu auf, sich für den einhäusigen Neubau der FOS/BOS stark zu machen. Nach jahrelangen öffentlichen Protesten der Öffentlichkeit sprach sich im vergangenen April der Schulausschuss für eine gemeinsame Unterbringung von FOS und BOS in einem neuen Gebäude aus. 2011 sollte mit Bau an der Daimler- und Plato-Wild-Straße begonnen werden. Ein halbes Jahr später kam die große Ernüchterung: Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) sprach sich, angesichts der schlechten finanziellen Lage für eine Verschiebung des Spatenstichs aus. Zunächst auf unbestimmte Zeit, nun soll es 2013 so weit sein. Jetzt haben sich Elternbeirat, SMV und Schulleitung an den Bayrischen Landtag gewandt. In der Petition werden der allgemeine Platzmangel und unzureichende Brandschutzvorrichtungen kritisiert. Schimmelbefall, Lärm durch die Nähe zur Landshuter Straße, die Asbestverseuchung und viele andere Probleme werden in dem achtseitigen Schreiben aufgeführt. Zum Schluss steht die Bitte an alle bayrischen Landtagsabgeordneten, die Realisierung eines kurzfristigen Baubeginns zu ermöglichen. Dazu solle die Stadt Regensburg „über das übliche Maß hinausgehend“ materiell unterstützt werden. Die Personalratsvorsitzende der FOS/BOS Evelyn Mittenzwei beklagt das schlechte Lernklima. In der Landshuter Straße funktioniert die Lüftung nicht. Da man die Fenster nicht öffnen kann, hocken Schüler jeden Tag stundenlang im stickigen Klassenzimmer. Wie solle da die richtige Motivation entstehen?, fragt Mittenzwei. Die Mehrhäusigkeit schaffe lange Wege, die Zeit kosten, die für Gespräche und pädagogische Maßnahmen benötigt würde. Über 600 Schüler erklären mit ihrer Unterschrift: In solchen Schulgebäuden wollen sie nicht mehr unterrichtet werden. Der Vorsitzende des Elternbeirats Franz Schuster (Foto) erklärt, dass nur wenige Eltern Vertrauen in das Versprechen der großen Koalition hätten, 2013 mit dem Bau zu beginnen. Es gehe hier um keine finanzielle Entscheidung, sondern eine Frage des Willens. „Die Wirtschaftskrise konnte kein Mensch voraussehen und was 2013 passiert weiß man auch nicht“, so Schuster. Warum werden also andere Projekte, wie ein Straßenbau finanziert, der Schulbau aber nach hinten verschoben, wo doch niemand mit Sicherheit sagen kann, dass die finanzielle Lage in drei Jahren besser steht? Die beiden eingeladenen Landtagsabgeordneten betonen, dass ihnen eine Veränderung der jetzigen Situation am Herzen liege. Margit Wild weist aber auf „die Komplexität des politischen Prozesses” im Landtag hin. Nicht sie oder Maria Scharfenberg hätten das letzte Wort, sondern die Menschen im Bildungsausschuss. Die Hoheit der Kommunalen Selbstverwaltung lasse nur wenig Spielraum für ein Eingreifen des Landtags. Wichtiger, als die beiden Abgeordneten einzuladen, sei daher die Öffentlichkeitsarbeit, der Druck auf die Entscheidungsträger wie er bereits in der Vergangenheit stattgefunden habe. Beide, Scharfenberg und Wild versicherten, ihren Einfluss in den Ausschüssen zu nutzen und die Petition mit entsprechendem Nachdruck zu unterstützen. Wirklich hoffnungsvoll klingt das nicht.

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Kommentare (4)

  • Bernd Henneberg

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    Es ist wie immer: Alternativen werden nicht angedacht, bzw. von vornherein abgelehnt. Warum hat sich noch kein Mensch dafür interessiert, daß die Fachhochschule zur Uni hochziehen will, dort auch baut; irgendwann will man dann die FH-Gebäude an der Prüfeninger Str. aufgeben. Im Plan für die Verlängerung der Lessing-straße zur Klenzestraße durch die Kleingärten kann man schon sehen, daß irgend jemand von der Verlegung der FH gewußt haben muß, denn auf dem Gelände der FH wurde ein Nahverkehrszentrum angedacht. Aber dort ein Schulgebäude zu errichten scheint undenkbar. Scheinbar ist man, wie beim Jahnstadion schon einigen Investoren im Wort!

  • Joachim Datko

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    Der Regensburger Schuldenberg wird höher sein!

    Zitat : „„Die Wirtschaftskrise konnte kein Mensch voraussehen und was 2013 passiert weiß man auch nicht“, so Schuster.“

    Die Wirtschaftskrise ist zum Großteil einen Kreditkrise. Weil immer mehr auf Kredit finanziert wird, man Wolkenkuckucksheime baut, fragen sich nach einiger Zeit die Kreditgeber, ob sie ihr Geld jemals wieder sehen.

    Man muss sich einfach nur die Schülerzahlen an Grundschulen ansehen, neue Schulgebäude sind unnütz!

    Wenn jemand Material für die Voraussicht braucht, kann er es gerne haben:
    Siehe:
    Situation der Volksschulen in der Oberpfalz im Schuljahr 2009/2010
    „Die Gesamtschülerzahl an den Volksschulen der Oberpfalz ging gegenüber dem Vorjahr um 2.593 Schüler (3,89 %) auf jetzt 64.024 Schüler zurück. Die Zahl der Schulanfänger beträgt 9.465 und damit um 437 (4,4 %) Erstklässler weniger als im Vorjahr.“
    http://www.regierung.oberpfalz.bayern.de/aktuell/presse/pm-druckversion-2272.html

    Jahr für Jahr werden es weniger Grundschüler:

    Und das Theater um die Arbeitsplätze, ist man da nicht selber schuld? Da wird bürokratische „Infrastruktur“ aufgebaut, bis die Betriebe durch die finanzielle Belastung zusammenbrechen. Jedes Schulgebäude belastet die Wirtschaft.

  • grace

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    Sehr geehrter Herr Datko,
    Sie schreiben: „Jedes Schulgebäude belastet die Wirtschaft“.

    Ist es nicht so, dass gerade Meta-Ziele wie „Wirtschaft hat Vorfahrt“ das Bildungssystem, i.e. die Zukunft unseres Nachwuchses, der zukünftigen Steuerzahler gefährden. Soll es gute Bildung nur noch für
    „echte“ Abiturienten geben, oder gar nur noch für Privilegierte?
    Sollen Ihrer Meinung nach Schüler hinter Asbest- und Schimmel verrotten? Mit welcher Begründung?
    Sind sie Schüler zweiter Klasse?
    Die FH-Gebäude wären, wie Henneberg anmerkt, ein guter Weg (gewesen), doch auch hier scheint „Wirtschaft Vorfahrt“ zu haben.

  • Joachim Datko

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    Schulsystem überfinanziert!

    Zu “ grace 15. März 2010 um 11:12 Uhr … Ist es nicht so, dass gerade Meta-Ziele wie “Wirtschaft hat Vorfahrt” das Bildungssystem, i.e. die Zukunft unseres Nachwuchses, der zukünftigen Steuerzahler gefährden. Soll es gute Bildung nur noch für “echte” Abiturienten geben, oder gar nur noch für Privilegierte?“

    Meiner Ansicht nach ist das Schulsystem überfinanziert , ich würde die Bildungsausgaben kürzen. Unsere Schulen sind vom Konzept her veraltet, mittelalterlich.
    Ich würde die Schulzeiten kürzen, einige wenige Fächer ganz streichen und andere Fächer entrümpeln.

    Ein zusätzliches Gebäude für die FOS/BOS belastet nur die Arbeitsplätze, die die jetzigen Schüler später haben wollen. Wir leben in einer Welt der Überheblichkeit, ohne Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft.
    Die Großmannssucht in Regensburg führt immer weiter in die Verschuldung.

    Lernen ist eine persönliche Leistung, Lehrer und Schulen sind sekundär.

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