IHK-Akademieleiter in U-Haft

Im Zusammenhang mit der Insolvenz der IHK–Akademie Oberfranken ist ein leitender Mitarbeiter der IHK Regensburg ins Visier der Justiz geraten. Geschäftsführer Thomas S. wurde vor wenigen Tagen in U-Haft genommen. Ihm wird zur Last gelegt, unrechtmäßige Subventionen für die mittlerweile insolvent gegangene IHK-Akademie Oberfranken erlangt zu haben. Mit inhaltlich unrichtigen Angaben wurde Geld für diverse „Pilotprojekte” in Sachen Weiterbildung beantragt. Peinlichstes Beispiel: Ein Projekt, für das 600.000 Euro geflossen sein sollen, kam über eine aus Wikipedia zusammengeschusterte Stoffsammlung nicht hinaus. Mittlerweile steht ein Schaden von rund vier Millionen Euro im Raum. Die Anklage lautet auf den Verdacht der Untreue und Subventionsbetrug. Thomas S. war von 2005 bis 2006 als Prokurist bei der Akademie Oberfranken tätig. Wenig später (2006) wechselte er an die Akademie nach Regensburg, wo er bis vor kurzem in leitender Funktion tätig war, knapp zwei Jahre als deren Geschäftsführer. Die Akademie Oberfranken, eine GmbH, ging im Dezember 2007 pleite. Dem Freistaat schuldet sie einem Gerichtsurteil vom Januar zufolge 1,3 Millionen Euro. Voraussichtlich wird sie nur einen mittleren fünfstelligen Betrag bezahlen können. Der Rest an Steuergeldern ist futsch. Interessantes Detail: Kaum einen Monat nach der Pleite der Bayreuther Akademie wurde Thomas S. im Januar 2008 zum Leiter der IHK-Akademie in Regensburg berufen. Bereits seit längerem ermittelte die Staatsanwaltschaft Hof gegen Thomas S.. Im März 2009 wurde Anklage erhoben. Vor wenigen Tagen wurde er nun verhaftet. Derzeit ist S. von seinen Pflichten als Geschäftsführer entbunden. IHK-Präsident Peter Esser hat in der Vergangenheit beteuert, nichts von alledem gewusst zu haben, als S. zum Akademieleiter berufen wurde.

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Kommentare (6)

  • Aktenzeichen XY

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    „Ein Projekt, für das 600.000 Euro geflossen sein sollen, kam über eine aus Wikipedia zusammengeschusterte Stoffsammlung nicht hinaus.“

    Das klingt zunächst eher nach fachlicher Inkompetenz beispielsweise eines guten Verkäufers mit wenig Erfahrung in der Produktentwicklung und Buchhaltung als nach böser Absicht.

    „Interessantes Detail: Kaum einen Monat nach der Pleite der Bayreuther Akademie wurde Thomas S. im Januar 2008 zum Leiter der IHK-Akademie in Regensburg berufen.“

    Die damaligen Bewerberpräsentationen mit heutigem Kenntnisstand anzuschauen, wäre vielleicht erhellend.
    Hatte Herr Esser nicht einige Zeit vor der Berufung von S. schon einen auswärtigen IHK-Akademieleiter o.ä. nach Regensburg geholt und zu seinem wichtigsten Mitarbeiter gemacht?
    Der hat dann sicher fachliche Defizite des S. bemerkt und Herrn Esser gewarnt. Oder konnte S. irgendwie mit einem für beide massgeschneiderten Konzept aufwarten?

    Ob Betrug oder fachliche Inkompetenz: Innerhalb nur eines Jahres konnte S. hoffentlich in Regensburg noch keine Schäden anrichten, die nicht zu beheben wären …

  • Ach, wie gut das niemand weiß

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    Bei diesem Artikel mußte ich so laut lachen, wie selten im Netz. 600.000 Euro für eine Stoffsammlung, die hauptsächlich aus Wikipedia Artikeln besteht. Respekt! Wundert eh keinen mehr, wenn man gelesen hat, wie dünn der Kaufvertrag beim Kauf der Hypo Alpe Adria war. Warum sollte sich da jemand Mühe machen, wenns bei mehreren Milliarden auch so geht und (Steuer)Geld keine Rolle spielt. Nett für die, die davon was bekommen haben. Hoffentlich bekommt auch Wikipedia eine Spende von dem Geld.

    Und noch eine Parallele. Es wird von den Verantwortlichen mal wieder beteuert, nichts gewußt zu haben. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, keiner weiß mehr was. Vor allem Präsidenten (egal ob Minister- oder sonstiger Präsident) sind recht oft ahnungslos und vergesslich. Ein GF wird eingestellt (von wem eigentlich) und niemand will wissen, wie erfolgreich der Mann bei seiner letzten Tätigkeit war. Wer’s glaubt…?

  • Lora Kammer

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    Hat die IHK Aufsichtspflichten vernachlässigt?
    Es gibt Paralellen zum Skandal um die IHK-Akademie in Dessau. Mängel in der demokratischen Verfassung geben dem Präsidenten und dem Hauptgeschäftsführer viel Macht. Zugleich ist eine demokratische Kontrolle und Transparenz in der IHK schwach ausgeprägt.

    In diesem Zusammenhang steht die zunehmende Verlagerung von gesetzlichen Aufgaben aus den einzelnen IHKs in GmbH, wie die IHk Akademien, Vereine, wie die Funktionärslobby DIHK und IHK-Landesvereine, sowie Versorgungsanstalten, wie die Aussenhandelskammern (zugleich Reiseveranstalter für Funktionäre). Ausserdem generieren die Kammern immer neue Aufgaben fern des IHK-Gesetzes.

    Rund 10% Wahlbeteiligung zeigen, dass die Schwächen der IHK mit massenweisem Wahlboykott quittiert wird. Politiker beantworten Anfragen von unternehmern zu dem Thema in der Regel mit Textbausteinen aus Pressemeldungen und Broschüren der IHK.
    Eine ganz neue Bewertung der IHK und des vorläufigen IHK-Gesetzes von 1956 tut not. Oberflächliches herumdoktoren an Symptomen wäre fehl am Platze.

  • Omnibusfahrer

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    Herr Esser ist bis auf die Knochen blamiert. Er,der doch überall sich soooooooooooooo toll auskennt.
    Warum hat er nicht den Sohn von Rechtsanwalt W. genommen, der doch auch untergebracht werden mußte. Oder Frau P.B., die händeringend eine Anstellung sucht. Der RegRat Dr. M. hätte sich auch angeboten.
    Oder, oder oder…
    Die hättens zwar auch nicht gekonnt, aber der Betrug wäre weggefallen.

  • Aktenzeichen XY

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    „Kaum 1 Monat NACH Pleite der Bayreuther Akad. wurde“ deren ehem. Prokurist „T.S. zum Ltr. der IHK-Akad. in Regbg. berufen.“ Seine fachl. Inkompetenz hätte bis dahin auffallen müssen; denn aus Bayreuth wechselte er schon 6 Monate vorher zur IHK Regbg. Das berichtete die MZ ebenso wie – als einziges Regensburger Medium – den vollen Namen des Verhafteten.

    Ganze 2 Jahre lang – nicht nur 1 – konnte S. als GF Schaden auch bei uns anrichten. Wer hielt ihn während der 6 Monate vor Berufung zum GF fachlich über Wasser? Wurde Essers IHK zum „Intrigantenstadl“?

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