SOZIALES SCHAUFENSTER

Online-Petition gestartet

Kein Jahninsel-Ersatz in Sicht

Fünf Jugendorganisationen haben eine Online-Petition gestartet, mit dem Ziel das ungeliebte Betretungsverbot auf Jahninsel und Grieser Spitz abzuschaffen. Auch das generelle Musikverbot („Boomboxen“) in allen städtischen Grünanlagen soll gekippt werden. Die Stadt sucht derweil vergeblich nach alternativen Party- und Festivalwiesen.

Auseinandersetzung um Jahninsel und Gries geht weiter. Foto: om

„Menschen, die nicht schlafen können, weil die Bässe, die aus den Boom-Boxen dröhnen, die Wände zum Erzittern bringen. Müll, der sich in Grünanlagen aufhäuft. Glasscherben und weggeworfene Spritzen, die kleine Kinder gefährden.“

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Unter anderem so begründete Bürgermeister Ludwig Artinger (Freie Wähler) im Sommer letzten Jahres die Änderung der Grünanlagensatzung der Stadt Regensburg.

Betretungs- und Musikverbot

In einer Sitzung des Ferienausschusses am 25. August 2020 beschloss der Stadtrat mit den Stimmen der Koalition aus SPD, CSU, FDP, FW und CSB sowie der Stimme von AfD-Stadtrat Erhard Brucker ein nächtliches Betretungsverbot (23 bis 6 Uhr) auf Jahninsel und am Gries. Die Regelung beschränkt sich auf die Frühjahrs- und Sommermonate und ist zunächst bis Ende Oktober 2021 befristet. Nachdem es im Winter ausgesetzt war, gilt das Verbot seit 1. April wieder.

Auch das Abspielen „elektrisch verstärkter Musik“ wurde durch eine Änderung der Grünanlagensatzung verboten. Diese Regelung wiederum gilt permanent (auch tagsüber), unbefristet und in allen 139 städtischen Grünanlagen. Seit Ende letzten Jahres sucht das Stadtplanungsamt nach alternativen Örtlichkeiten zum Feiern. Dazu später mehr.

„Corona-Sommer“ verschärfte Situation

Die zwei Grünflächen um den Nordarm der Donau sind in den vergangenen Jahren zu einem immer beliebteren abendlichen und nächtlichen Treffpunkt zum Verweilen und Feiern avanciert. Besonders im „Corona-Sommer“ 2020 fanden sich dort sehr viele überwiegend junge Menschen ein. Müll und Lärm samt Anwohnerbeschwerden waren die von der Stadt angeführten Hauptprobleme. Mehrmals räumte die Polizei das Gelände.

Der Kommunale Ordnungsservice sprach von an den Wochenenden im Schnitt 400 bis 500 Personen am Gries und bis zu 800 Personen auf der Jahninsel. Oft seien diese alkoholisiert, spielten Trinkspiele und träten gegenüber den Streifen uneinsichtig auf, hieß es. Daneben hätte schlichtweg „jeder“ eine Boombox dabei.

Es hat sich „ausdiskutiert“

Der Beschlussfassung im Sommer waren bereits Proteste vor allem von Jugendorganisationen vorangegangen. So gab es auch am Tag der Sitzung des Ferienausschusses eine Kundgebung am Dachauplatz. Zuvor waren mehrere Dialogveranstaltungen und Diskussionsversuche gescheitert. Koalition, Stadtspitze und Verwaltung kündigten weitere Gesprächsbereitschaft auf und setzten stattdessen auf Restriktion.

Dialog gescheitert: Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer letzten Sommer auf der Jahninsel. Foto: Archiv/Bothner

Es habe sich „ausdiskutiert“ meinte damals etwa Gartenamtsleiter Hans Dietrich Krätschell bei einer Pressekonferenz auf der Jahninsel. Es müssten „Nadelstiche“ gesetzt werden, die „wehtun“. Der damalige Ordnungsamtsleiter und heutige Personalreferent Dr. Patrick Veit forderte, dass endlich eine „Reaktion erforderlich“ sei, um „erträgliche Zustände“ herzustellen. Dazu sei eine „klare rechtliche Regelung“ nötig.

Petition hat bisher knapp 1000 Unterschriften

Nun setzen die Jugendorganisationen ihren Protest auf andere Weise fort. In einer Online-Petition fordern Grüne Jugend, Jusos, Junge Ökologen, Julis und Linksjugend Solid „das Betretungsverbot für Jahninsel und Grieser Spitz sowie das allgemeine Musikverbot in Grünanlagen unverzüglich aufzuheben.“

In der Begründung führen die Parteijugenden an, dass „gerade in Zeiten der Pandemie (…) Grünanlagen wie die Jahninsel und der Grieser Spitz eine wichtige Alternative zu Bars und Restaurants dar(stellen).“ Menschen könnten hier „unabhängig von ihrem Geldbeutel und Alter ohne Konsumzwang zusammenkommen,“ heißt es weiter. Das generelle Musikverbot wird abgelehnt, weil es „schlicht unverhältnismäßig“ sei. Die Petition haben bisher über 1000 Personen unterzeichnet.

Der Regensburger Juso-Chef Bastian Käsbauer ist der Ansicht, dass es „völlig vermessen“ sei, gerade jetzt „die Bürger*innen von den zentralen Grünflächen der Stadt fernhalten“ zu wollen. Das helfe niemandem und schaffe „nur unnötiges Konfliktpotenzial,“ gerade bei der Unklarheit, wann Gastronomiebetriebe wieder regulär öffnen können. Die Sprecherin der Grünen Jugend, Eva Konen, fordert mitunter eine Aufwertung anderer Grünanlagen, um „attraktive Ergänzungen zu den Flächen an Donau“ zu schaffen.

Stadt auf der Suche nach „Flächen zum Feiern“

An diesem Mittwoch wird dem Ausschuss für Stadtplanung, Verkehr und Wohnungsfragen der Zwischenbericht zur Suche nach alternativen „Flächen zum Feiern“ vorgestellt. Ende November 2020 hatte die Koalition die Verwaltung „gebeten, zu prüfen, welche Flächen im Stadtgebiet von Regensburg sich als Partywiese bzw. Festivalgelände eignen und angeboten werden können.“ Die Ergebnisse sollten zeitnah vorliegen, damit eine Nutzung ab Frühjahr 2021 möglich wird.

Boombox in Verbotszone. Foto: om

Das wenig überraschende Zwischenergebnis der Prüfung: „nahezu alle Flächen im Regensburger Stadtgebiet“ eignen sich nicht. Allenfalls im Stadtosten gebe es Flächen, die einer genaueren Prüfung – freilich mit ungewissem Ausgang – unterzogen werden könnten. Hauptaugenmerke lagen dabei auf Abstand zu Bebauung, Lärmschutz und Erschließung des jeweiligen Geländes.

„Potenzialflächen“ allein im Stadtosten

Laut Stadtplanungsamt scheiden Haslbach, Kager, Ober- und Niederwinzer, Großprüfening, Graß, Universitätsgelände, Hafen und Kalkwerk aus unterschiedlichen Gründe als „nicht geeignet“ aus. Allein im Stadtosten gebe es „Potenzialflächen“, die insbesondere hinsichtlich „des Schall-/ Immissionsschutzes“ detailliert untersucht werden sollen.

Die stellvertretende Juso-Vorsitzende Anna Gmeiner kritisiert die bisher vergebliche Standortsuche seitens der Stadt. Dieses Vorgehen zeige „wie wenig Problemverständnis eigentlich da ist, denn auf die Vorschläge, die wir schon im vergangenen Jahr geliefert haben, wird erst gar nicht eingegangen.“

Dazu zählten „der verstärkte Einsatz von niedrigschwelligen Ansprechpersonen im Rahmen einer ausgeweiteten Sozialarbeit, mehr Mülleimer, mehr Sanitäranlagen und ein Durchsetzen der bereits geltenden Lärmschutzregeln.“ Stattdessen suche man „am gewerblich geprägten Stadtrand sowie am Hafen und am Kalkwerk“.

Die Auseinandersetzung um Jahninsel und Grieser Spitz wird auch unabhängig von der Suche weitergehen und dürfte weit über den 31. Oktober 2021 – dem eigentlichen Ende des Betretungsverbots – hinausreichen.


Kommentar: Symbolpolitische Nebelkerze

Den von der Koalition anberaumten Zeitraum ein Areal nutzbar zu machen, konnte man schon nicht halten. Es ist bereits Frühjahr 2021. Und es ist sowieso nicht klar, welche Strategie die Koalition mit der Suche nach einem Gelände am Stadtrand überhaupt verfolgt, das zugleich als „Partywiese“ und als „Festivalgelände“ dienen soll. Als hätte das eine zwingend mit dem anderen zu tun.

Vielmehr treibt eine regelmäßige Festivaltauglichkeit eines Geländes die immissionsrechtlichen Anforderungen in die praktische Unerfüllbarkeit. Auch kann man durchaus befürchten – sollte die Stadt wider Erwarten Erfolg haben –, dass für gelegentliche Veranstaltungen wie das Jahninselfest oder andere Festivals am Gries an ihrem eigentlichen Ort kein Platz mehr sein wird.

Naheliegender bei der Suche nach „Flächen zum Feiern“ ist aber, dass es sich dabei nur um eine undurchdachte symbolpolitische Nebelkerze der Koalition handelt, um junge Menschen vermeintlich ruhigzustellen. Das Signal, das ausgesendet werden soll: wir nehmen euch ernst, wir kümmern uns. Das Signal, das ankommt: wir bestimmen, wo ihr euch wann aufzuhalten habt.

Denn es ist ohnehin höchst fraglich, dass Jugendliche und junge Erwachsene zu Treffen und zum Feiern Plätze nutzen würden, die ihnen die Stadt irgendwo an der Peripherie per Stadtratsbeschluss zuweist. Nach dem Motto: Hier ist euer Gehege, nutzt es gefälligst!

Das geht völlig an der Lebenswirklichkeit von jungen Menschen vorbei. Die suchen sich ihre Plätze und Orte, die ihnen gefallen, einfach selber – ohne monatelange Verwaltungsprüfungen.

Eine Lösung für nächtliche Lärmprobleme an der Donau, in der Innenstadt und Stadtamhof ist diese Suche übrigens auch nicht. Dort werden trotz Festivalgelände und Corona-Ende auch weiterhin Leute nachts hinkommen, verweilen, feiern und vielleicht auch mal aufs Klo gehen wollen.

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Kommentare (24)

  • Verwundert

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    Grüne Jugend und Junge Ökologen befürworten vermeidbare Lärmemission und Vermüllung? Muss man das verstehen? :-I

  • Mr. T.

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    Scheisshäuser und Abfalleimer im Tausch gegen Aktivboxen und der Deal wär OK. Alles andere ist weltfremd und strunzdumm.

  • Günther Herzig

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    Die erste Frage, die sich mir stellt: Sind junge Leute und Jugendliche Bürger? Haben Sie Bürgerrechte?
    Es müssten doch alle, wenn sie schon nicht bereit sind für die “Jugend” etwas zu bieten, froh sein zu wissen, wo Sie sich aufhalten. Es ist geradezu widerlich zu erleben, wessen Interessen exklusiv bedient werden. Dass die Stadt das Gelände in einen Zustand zu bringen hat, mit Toilettenanlagen, Abfallsammelstellen und ähnlichem, um es nutzen zu lassen ist doch klar. Die alten weißen Männer sollten sich auch darüber im Klaren sein, dass diese ungeliebte Jugend in Kürze wählen wird. Und wenn die
    ” Feierwütigen” ausgeschlossen werden von der Nutzung, sind denn alle so naiv zu glauben, dass man junge Leute dadurch abhalten kann? Man wird es nicht können. schafft “Krieg” in der Stadt und die Folgen für das fragliche Gebiet werden schlimmer sein.

  • Horst

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    @ Verwundert
    Nur weil da manche Müll liegen lassen muss man nicht allen den Aufenthalt verbieten. Du denkst wie einer der im reppressiven Obrigkeitsstaat gefangen ist. Außerdem ist das kein Biotop sondern eine Naherholungsfläche. Und eine Plastiktüte die liegen bleibt untercheidet sich ja noch von Altölentsorung und anderen Umweltsünden.

  • R.G.

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    Ich finde das völlig in Ordnung, der Jugend nur eine bis zwei eingezäunte Zonen zur Verfügung zu stellen.
    Klappt bei den Hundeauslaufzonen auch ziemlich gut.

    Mit Anlehnung an die ausländische Imageekampagne einer preisgekrönten Werbeagentur, “Nimm ein Sackerl für mein Gackerl”, zur Lösung des Kotproblems auf Gehsteigen und Wiesen, ließe sich das durch junde Zweibeiner verursachte Kloproblem ohne große Investitionen lösen.
    Glauben sie mir, wenn man seine Kinder früh genug clickert und mit Schnüffel- und Suchspielen im Haushalt beschäftigt, täglich Sitz!, Platz!, Lieg! das Laufen auf allen Vieren etc. übt, brauchen sie in der Pubertät keine sozialen Begegnungsmöglichkeiten oder Musikmaschinen mehr!

  • Jonas Wihr

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    Genau Horst! Wenn ich bei Amazon bestelle, ist das okay. Ist ja nur eine Lieferung! Verstehe gar nicht, warum “Umweltsäuen” immer noch erlaubt ist, das liefern zu lassen. Kleine Umweltsünden sind schon okay. Und Lärm ist ja im Grunde genommen gar keine Umweltverschmutzung.

  • Jakob Friedl

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    Die Suche nach einem Festivalgelände hat nichts mit dem Bedürfnis vieler Menschen zu tun sich spontan an schönen und beliebten Orten im Stadtgebiet zu treffen.
    Am Mi 14.04.2021 um 17 Uhr im Ausschuss für Stadtplanung, Verkehr und Wohnungsfragen also der “Zwischenbericht zum Antrag der Stadtratsfraktionen CSU, SPD, Freie Wähler sowie der Stadträt*innen Opitz, Meierhofer und Janele vom 23.11.2020: Flächen zum Feiern”: Wer Spaß an komischer Kunst hat, kann sich die Seite 5 großformatig ausdrucken, auf der die Absurdität der Suche nach einer zentralen Party-Wiese anschaulich verdaut wird: http://europabrunnendeckel.de/download/VO211772561_Zentrale_Partiewiese_hahaha.pdf
    Ich interpretiere die Grafik lieber so: Überall dort im Stadtgebiet, wo ein Kreis gezogen ist, gibt es schöne Orte, an denen Menschen egal welchen Alters zusammenkommen können um z.B. mit Livemusik zu feiern. Die Leute, die sich daran stören würden, wenn auch in ihrer Nachbarschaft ab und zu mal was los ist, dürften im Promillebereich liegen. Regensburg könnte an so vielen Orten und aus so vielen Richtungen interessanter und lebenswerter werden, wenn nicht genau solche Initiativen über viele Jahre hinweg geradezu systematisch zunichte gemacht würden.
    Nur zwei Beispiele: Der Verein Donaudub hat sich bereits mit mehreren Briefen an die Verwaltung und die Stadträt*innen gewandt und kann ein Liedchen davon singen, wie schön und verträglich kleine dezentrale Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten sein könnten, würden sie nicht andauernd mit einer beachtlichen Redundanz mit kaum nachvollziehbaren Argumenten verboten oder ignorant verhindert. Genauso wie beispielsweise auch die Feste der Maibaumpartei oder die Ribislfeste in Burgweinting. Vgl. Ribisl-Lackofenprotest 3.Oktober 2019 von 10-19 Uhr Grünabfall Islinger Weg: https://youtu.be/bI6Krto7Xik
    Bevor sich so etwas Selbsterfundenes an selbstgewählten Orten im Stadtgebiet etablieren kann, wird eher noch die Dult dezentralisiert. Während dessen müllt der Kittel verlässlich getaktet bei jeder Mallorca-Heimat- oder What-the-f***-Party bis zum Straßenrand und beschallt vom Pürkelgut aus über die Autobahn hinweg ganz Burgweinting. Auch das muss eine Stadt aushalten können.

  • Verwundert

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    @Horst.
    Glauben Sie ich wollte Aufenthalt verbieten?
    Sie sollten genauer Lesen und Verstehen! ;-)
    Oder befürworten Sie auf Emissionen, Müll und Verwahrlosung?

  • Madame

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    Die jugend braucht freiplätze, um ihre Freunde und Bekannten zu treffen. Dabei soll aber auch auf das müllproblem geachtet werden
    Mehr abfallkörbe und freundliche ermahnung auf das wegräumen Ihrer Utensilien wäre angebracht. Wenn mañ beim gassigehern mit Hunden eine freilaufendzone und kotbeutel zu Verfügung stellt, könnte man den jungen und älteren Besuchern der freizonen zweckbeutel für müll empfehlen.

  • Mathilde V'ietze

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    Zu “Mr. T.” – Wir verstehen fein auch eine weniger o r d i n ä r e Sprache.

  • KW

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    Die von den jüngeren (als ich ;-) Bürgern gestartete Petition gegen das nächtliche Betretungsverbot würde ich sofort unterschreiben – wenn sie nicht auch das Nutzen der sog. “Boomboxen” einfordern würden.
    Diese Teile sind tatsächlich leider geil was den Sound angeht, schier unglaublich was da rauskommt. Nur halt klar, dass die Musikgeschmäcker verschieden sind, in ausgelassener Stimmung tendenziell immer noch lauter gedreht wird, der Schall sehr weit trägt und dadurch eine Kakophonie entsteht, die nur schwer erträglich ist. Selbst wenn man mittendrin sitzt aber noch nicht genug Alkohol intus hat, um es selber als toll zu empfinden.
    Insofern, liebe Petitions-Starter: rückt von eurer Boomboxen-Erlaubnis ab und es wird deutlich wahrscheinlicher, dass ihr Gehör findet. Meiner Meinung nach.

  • Ursula

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    =Allein im Stadtosten gebe es „Potenzialflächen“=
    Ach so, Autobahn, Rangierbahnhof, Stadion und sonstige Problemfelder interessieren offensichtlich nicht. Gute Nacht‚ wilder Osten.

  • Kernel

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    Petition schon unterschrieben.
    So geht man nicht mit der Jugend um. Sie ist unsere Zukunft – aber wir alten Säcke waren auch mal jung. Gottseidank hatten wir damals viel mehr Freiheiten als die Jugend heute.

  • Solitär

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    Ja sag einmal, lebt der Artinger tatsächlich noch? Ich dachte der hätte sich in einem Pizza-Karton-Müllhalter verfangen und käme nicht mehr raus.

  • Erika

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    @Kernel, früher gab es den ‚Allee-Dackel‘ der in in allen Parks aufpasste, Müll, Lärm, Massen-Saufgelage, Grillen waren weitgehend unbekannt. Ghettoblaster waren noch nicht erfunden. Die gute alte Zeit? Regensburg hatte noch weit unter 100tausend Einwohner, hatte aber auch schon Wohnungsnot. Die Problemviertel waren Pulverturm, westlich Altstadt, usw.

  • Charlotte

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    Was ist eigentlich immer noch das Problem?

    Die Grünanlagen können bis 23.00 Uhr genutzt werden, lediglich ein paar wenige Stunden nicht. Der Stadtrat und die BürgermeisterInnen suchen geeignete Flächen. Dass die Jugendverbände und Teile des politischen Nachwuchses grundsätzlich alles ablehnen und kompromisslos ihre Vorstellungen durchdrücken wollen, zeigt schon ziemliche Dreistigkeit und vor allem Ignoranz. So disqualifiziert man sich selbst und so zeigt man vor allem, dass Rücksicht und Dialog nicht auf dem Plan steht. Aber auch das wurde ja mit den Jugendverbänden schon jahrelang versucht und ist kläglich gescheitert.

    Genau diese Einstellung und auch die laxe Durchsetzung des Lärmschutzes für alle Bürger in den letzten Jahren, egal ob in Stadtamhof oder in der Altstadt (oder in anderen Teilen der Stadt natürlich auch), führte genau zu dieser Entwicklung. Und ganz ehrlich: wir gehören ebenfalls nicht “zum alten Eisen” und wir sind maximal irritiert über dieses rücksichtslose Anspruchsdenken. Liebe Jugendverbände – so wird das nichts und so funktioniert das Leben und Miteinander eben nicht. Nicht in dieser Angelegenheit und ganz generell eben auch nicht.

    Nur wer laut schreit, hat nicht automatisch Recht – ganz im Gegenteil.
    Wir sollten vor allem eines nicht tun: Einer Minderheit so viel Aufmerksamkeit schenken, denn ganz viele Menschen, egal ob jung oder alt, haben überhaupt kein Problem mit den neuen Regeln für die Grünanlagen und einem Verbot von Musikboxen. Ich gehe noch einen Schritt weiter: sie sollten auch an allen anderen Plätzen in der Altstadt ausgedehnt werden. Die Anwohner am Bismarckplatz, Neupfarrplatz, Wein- und Donaulände etc. freuen sich dann ebenfalls.

    Ein Dankeschön geht an alle im Stadtrat, Ordnungsdienst und Polizei, die endlich für mehr Nachtruhe sorgen.

  • Tom

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    Liebe Charlotte,

    Ihr Vorschläge sind sehr gut, aber eigentlich nicht notwendig. Sie sind ja selbst eine große lockdown- Anhängerin, da ist Ihnen sicher nicht entgangen, dass man in Berlin dabei ist im Schatten des Unionskanzlerkandidatenschaulaufens des InFSG so angepasst hat, dass zukünftig direkt schnell und unbürokratisch übers Land der Daumen gesenkt werden kann. Lockdown vor ever. Dann hat sich auch das Problem der lästigen Jugendlichen erledigt, die doch tatsächlich die Dreistigkeit haben, eine coole Jugendzeit zu fordern. Dann kann die Polizei Widerspenstige zum Wohle der Gesundheit vom Grieser Spitz entfernen. Was wollen die Pubertierenden eigentlich, die haben doch alle Computer, Handy, IPad…. Statt stundenlange herrlich sinnlose Gespräche reichen doch auch WhatsAppchatorgien, statt gemeinsames Grillen alle Telefonummern der Lieferservice am Handy, statt erste Liebeleien Vollservice von pornhub, gut sie werden alle fett, aber die Jogginghose hat ja einen Gummizug…..

    Lassen sie mich raten, sie haben keine Kinder!

    PS. der Ausdruck „Bürger“ in ihrem Posting ist nicht gendergerecht!

  • dha

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    @charlotte
    Seh ich ähnlich….
    Aber in Deutschland wird ja generell ein paar Bedenkenträgern mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als der großen Masse. 1000 Studenten eine Online-Petition unterschreiben lassen, ist aus meiner Sicht nicht wirklich repräsentativ.
    Mich würde tatsächlich interessieren, was bei einer demokratischen Abstimmung, ob die Regelungen so beibehalten oder abgeschafft werden, rauskommen würde.
    Verwunderlich ist es für mich schon, dass bei der Jugend, das Verlassen der Fläche um 23 Uhr scheinbar einem generellen Betretungsverbot gleich kommt!?

    Außerdem: Vielleicht hat es noch niemand mitbekomen, aber es müssen dieses Jahr eh alle um 21 Uhr daheim sein! ;-))

  • Anomaler Circus

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    Die Petions-Querfront argumentiert juvenil-hedonistisch-populistisch und die Wegebierlobby lacht sich ins Fäustchen, auf der Gegenseite sitzt die Lobby der statischen Gastronomie. Egal wer gewinnt, es geht um die Stadt als Gewerbegebiet mit Verdichtung des Wohnraums, Parks & Co. sind reine Ersatzflächen, echter Lebensraum ist anders.

  • Bernie0815

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    Das war von vorne herein eine Scheindebatte. Uns einen goldenen Wurm vor das parkhaus der bayerischen Geschichte zu knallen, es aber seit Jahren nicht “hinzukriegen” größere Abfalleimer oder mehr als ein Dixieklo auf den Gries zu stellen, verdeutlicht doch sehr anschaulich was der Stadt wichtig ist.
    “Kinder vor Spritzen zu schűtzen” ist dabei wohl das dreisteste Scheinargument. Wie kann man soweit am Bűrger vorbei regieren? Was hat denn das Millieu auf Jahninsel und Gries mit der offenen Drogenszene zu tun? Rein gar nichts! Oh man was könnte ich mich aufregen. Wir műssen da mal zusammen űber zivilen Ungehorsam nachdenken.
    Ich bin Anwohner am Gries. Jetzt mit einer Sperrzone vor der Nase….

  • Michaal

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    Danke für den Bericht,so konnten einige neue Stimmen gegen dieses unverschämte Nutzungsverbot, an dem sich Spießbürger ergötzen, gesammelt werden!

  • Verwundert

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    Es spricht ja nur wenig gegend den Aufenthalt auf den umstriittenen Flächen – aber es gibt kein Recht auf Lärm. Wäre doch so einfach , wenn alle mit Rücksicht und Achtsamkeit handeln würden! ;-)

  • Roche-Dirac

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    Öffentliche Flächen zu sperren ist grundsätzlich keine gute Idee. Insofern bracht es auch keine Ausweichflächen fürs Feiern oder ähnliches.
    Aber natürlich ist auch klar, dass eine “Fläche zum Feiern” in einem bewohnten Gebiet auch keine gute Idee ist. Einfach mal so 24/7 in einem Stadtgebiet das Feiern, genauer gesagt das Lärm machen, quasi offiziell erlauben, klappt nicht. Schliesslich gibt es ja die “Nachtruhe”. Meines Wissens ist dies sogar ein sogenannter rechtlich definierter Begriff.

    Worum geht es also eigentlich? Es geht darum diese Nachtruhe durchzusetzen. Das ist auch nix neues, das gab und gibt es schon immer. Dazu braucht es Personal und den klaren Willen dies auch durchsetzen zu wollen …
    Hingegen ist auch klar, dass Spaziergänger, die ruhig und friedlich nachts um 1 Uhr, eine öffentliche Fläche nutzen, dies bitteschön natürlich tun dürfen. Immer. Wär ja noch schöner .

    Wer auch immer glaubt, dass man mit Betretungsverboten von öffentlichen Flächen oder ähnlichem irgendwas z.B. die Nachtruhe, vernünftig regeln könnte, irrt.

  • Weichser Rudi

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    in Bezug auf den Kommentar von Roche-Dirac und der dort erwähnten Nachtruhe, erwachte in mir auch das Bedürfnis mal meine 2cent dazu in den Ring zu werfen.. : Als Weichser höre ich auch nun nach ca. 5 Jahren immer noch, teils in tiefster Nacht ( 3:00 , 5:00,.. ) die Drucklufthupe der Rangierlock(s?) der Bayernhafen gmbH. in unregelmäßigen Abständen. Gefühlt hat es sich zwar in den letzten Jahren schon verbessert was Intensität und Frequenz, wie oft diese nächtens betätigt wird, betrifft, doch der zugrundeliegende Stein des Antoßes ist für mich doch der: Bayernhafen: eine gmbh, zu >80% im Besitz des Freistaats Bayern, darf das offenbar, Jugendliche mit BoomBoxen aber: uiii, böööse !. Dazu darf sie noch einen privaten “Sicherheits”-dienst aufziehen, der mimikry-artig Bundespolizei-Autos imitiert und auf einem riesigen Gebiet ( IT-Speicher bis raus nach Barbing ) am dortigen Flussufer versucht, “Hausrecht” durchzusetzen. und das trotz :

    “Zum Baden und Schwimmen darf grundsätzlich auch jedermann nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz (BayNatSchG) Ufergrundstücke in der freien Natur ohne behördliche Genehmigung und ohne Zustimmung des Grundeigentümers oder sonstigen Berechtigten unentgeltlich betreten (Art. 27 Abs.1 und 2 BayNatSchG). ”
    (https://www.stmuv.bayern.de/service/freizeittipps/ratgeber/baden_recht.htm)

    Ich kann mich erinnern, dass es damals nach dem Paradies 1 bsw, auf der IT-Speicher-Seite ein Paradies 2 geben sollte, welchem aber dann schnell, von vermutlich der Bayernhafen gmbH der Stecker gezogen wurde . und wieso eigentlich ? das Gebüsch in dem das entstehen sollte, steht heute noch immer so da, wie damals, nur dahinter , auf der geteerten Fläche, die heut wie damals keinen je interessiert hat, stapeln sich jetzt haushoch Schiffscontainer.

    kann man nicht einfach einen Zaun oder ähnliches um so gewerbliche Lokalitäten machen, bzw. einfach einen Korridor für die Natur, für Spaziergänger, Jugendliche, Gassigeher,… entlang der nichtbefestigten, naturnahen Ufergrundstücke machen, und so nicht nur Jugendlichen, sondern allen Bürgern auf einfache Weise mehr Rückzugorte ermöglichen ?

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