SOZIALES SCHAUFENSTER

Black Lives Matter

Mit Knie und Faust gegen Rassismus

Im Zuge der weltweiten Protestbewegung „Black Lives Matter“ fand am Samstag auch in Regensburg eine zweite (diesmal angemeldete) Kundgebung statt. Über 500 vor allem junge Leute demonstrierten dabei beim “Schwammerl” gegen Rassismus und Polizeigewalt.

Mit der hochgestreckte Faust gegen Rassismus. Foto: om

„I can’t breathe.“ – Schon jetzt sind die Worte des am 25. Mai 2020 in Minneapolis getöteten George Floyd ikonisch. Der Polizist Derek Michael Chauvin kniete im Zuge einer Festnahme minutenlang auf Floyds Hals und schnürte ihm die Luft ab. Der Festgenommene verlor das Bewusstsein und verstarb letztlich. Die Szene wurde von Passanten gefilmt und ging um die Welt. Es ist nur einer von vielen Fällen brutaler Polizeigewalt gegen Afroamerikaner in den USA, aber ein besonders einprägsamer. In den Tagen danach kam es in vielen Städten unter dem Label „Black Lives Matter“ zu zahlreichen Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Nicht nur in den Vereinigten Staaten, auch in anderen Ländern, darunter Deutschland.

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500 statt 50

In München beispielsweise demonstrierten am Samstag trotz Corona 25.000 Menschen. Auch in Regensburg wurde binnen weniger Tage über Social Media zu einer Kundgebung beim „Schwammerl“ in der Fürst-Anselm-Allee mobilisiert. Über 500 Protestierende folgen am Samstagnachmittag dem Aufruf. Der zur Abstandswahrung mit Absperrband und Kreidekreuzen auf dem Boden vorbereitete Kundgebungsbereich reicht dabei bei weitem nicht aus. Mund- und Nasenschutz hingegen wird konsequent getragen.

Zahlreiche zum Großteil jugendliche Anwesende haben Schilder, Plakate und Transparente mitgebracht. Slogans wie „No Justice, No Peace“, „Black Lives Matter“ und eben “I can’t breathe” sind häufig anzutreffen. Die gleichsam ikonische Black-Power-Faust haben ebenfalls viele mitgebracht.

Organisatorinnen danken Polizei

Die Kundgebung, die unter anderem von den Regensburger Jugendbeirätinnen Stella Amoako und Adjoa Yeboah organisiert wird, ist mit einigen Mitmachelementen, Poetry und Musikeinlagen kurzweilig gestaltet. Die Redebeiträge thematisieren nicht nur den Tod George Floyds, der Auslöser der aktuellen Protestwelle ist. Auch „gegen den allgemeinen Rassismus“ wird protestiert. Es geht aber auch um Polizeigewalt. Die anwesenden Polizisten – das betonen die Organisatorinnen öfter – werden mit auffallend viel Dank bedacht.

Jugendbeirätin und Mitorganisatorin der Kundgebung: Adjoa Yeboah. Foto: om

Letzteres scheint insbesondere mit dem vergangenen Mittwoch zu tun zu haben, als es bei einer ersten Regensburger Black Lives Matter-Demonstration zu kurzfristigen Rangeleien von Kundgebungsteilnehmern und der Polizei gekommen war. Polizeibeamte versuchten einen (nicht erlaubten) Demonstrationszug zu stoppen und einer vorangehenden Gruppe ein Transparent zu entreißen. Dabei kam es auch zu einer Festnahme sowie dem Einsatz von Pfefferspray.

Mit Knie und Faust gegen Rassismus

Solche Szenen möchte man am Samstag tunlichst vermeiden. Es gelingt auch. Diesmal setzt sich kein Demonstrationszug in Bewegung. Die anwesenden Polizisten sind über die Danksagungen sichtlich erfreut, wenngleich nicht alle Protestierenden der Polizei applaudieren. Denn schließlich stellt die Bewegung Black Lives Matter einen systematischen Zusammenhang zwischen Rassismus und Polizeigewalt her.

Die Kundgebung liefert einige eindrucksvolle und berührende Momente. Etwa wenn die Teilnehmenden gemeinsam lautstark „Black Lives Matter“ oder „I can’t breathe“ skandieren oder andächtig einer Live-Akustikversion von Keanes „Somewhere Only We Know“ lauschen. Dabei knien die Demoteilnehmerinnen und -teilnehmer. Sie wirken traurig, wütend und entschlossen zugleich.

Colin Kaepernicks “Taking a knee” ist eine wirkmächtige Protestgeste. Foto: om

Dieses Hinknien ist eine Geste, die der ehemalige Quarterback der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, ab der Vorsaison 2016 während dem Abspielen der Nationalhymne vor NFL-Spielen als Protestform gegen rassistische Polizeigewalt wählte. „Taking a knee“ wurde infolgedessen zu einem großen Symbol antirassistischer Proteste. Auch eine weitere durch den Sport berühmt gewordene Protestgeste kommt zur Anwendung: Die empor gestreckte Faust – wie sie die 200-Meter-Läufer Tommie Smith und John Carlos bei den Olympischen Spielen 1968 unsterblich machten.

„Gewalt beginnt nicht mit einem Knie auf dem Hals.“

Die Reden beschäftigen sich vor allem mit Alltags- und institutionellem Rassismus. Man solle nicht nur auf die USA schauen, meint etwa Leandro Bomhard. „Wenn man als dunkelhäutiger Mensch in Regensburg aufwächst, ist die Auseinandersetzung mit Rassismus schon in frühen Jahren ein Muss.“ Rassismus sei „kein allein rechtsextremes Phänomen“. Er komme „aus der Mitte der Gesellschaft und kann auch nur durch diese gesellschaftlich relevant wirken,“ so der Redner. Er berichtet von unterschiedlichen alltagsrassistischen Erlebnissen.

Von Racial Profiling im Flixbus, Saisonverbot im Schwimmbad, ungefragtem Anfassen der Haare durch Fremde oder dem „Anmeldetag an einem großen und renommierten Gymnasium dieser Stadt. Einer ausgewiesenen Schule gegen Rassismus. Eine Schule mit Courage – zumindest steht das so in der Aula. An diesem Tag fragte der Schulleiter meine Mutter, ob sie denn noch andere Kinder adoptiert hätte und ob ich denn Deutsch sprechen würde.“

Der Regensburger Leandro Bomhard: “Gewalt beginnt nicht mit dem Knie auf dem Hals.”

Gewalt beginne nicht „mit einem Knie auf dem Hals, sondern viel früher,“ so Bomhard. „Ob Schulleiter*innen, Polizeibeamt*innen oder Bademeister*innen – sie alle haben Macht, im Alltag die Deutungshoheit und beeinflussen so das Leben aller, die von rassistischer Gewalt betroffen sind.“

Thomas Fuad Touray von der African Student Union Regensburg berichtet in einer kämpferischen Rede auf englisch ähnliche Erfahrungen. So sei ihm etwa der Zutritt in ein Café verweigert worden. Begründung: weil er schwarz sei.

Organisatorin Adjoa Yeboah schildert eindrücklich und teilweise um Fassung ringend, wie sie im Kindergarten nicht mit anderen Kindern essen durfte und eine Erzieherin den anderen nahelegte, sie sollen nicht mit „dem Negerlein“ spielen.

„Jeden Tag aufs Neue als fremd markiert.“

Auch für die Initiative „No Deportation Nowhere“ schlage sich Rassismus „im institutionellen und strukturellen Bereich nieder. Schlechterer Zugang und Diskriminierung bei medizinischer Versorgung, verhinderte Bildungsmöglichkeiten usw. Die gesellschaftliche Ausgrenzung bedingt unter anderem auch eine ungleiche Verteilung von Ressourcen und Teilhabechancen.“

Viele brachten Protestschilder mit. Foto: om

In der Erzählung Deutschlands als „weißer Nation“ würden „afrodeutsche Menschen und Personen of Color automatisch als nicht zugehörig zu Deutschland gezeichnet und jeden Tag aufs Neue als fremd markiert.“ Die Gruppe verliest im Anschluss mehrere Minuten lang einige Namen von Todesopfern rassistischer Gewalt in Deutschland. Der Beitrag endet unter viel Applaus um dem skandieren der Worte: „Oury Jalloh, das war Mord!“.

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Kommentare (13)

  • Solitär

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    Unglaublich. Wie oft und auf wie vielen Ebenen muss eig noch, in Einzelfällen und strukturell, gezeigt werden, dass der Polizeiaperat rassistisch ist, bis Menschen eben jenen auf einer Demo, die ausgelöst wurde durch den Mord von Polizisten an einer BPoC (Black Person of Color), nicht mehr danken und applaudieren sondern deren Neustrukturierung fordern. Die Polizei, die letzte Woche erst noch junge Menschen wegen einem Stück Stoff und ein paar Meter Weg gepfeffert hat, racial profiling in Regensburg betreibt und junge Menschen zwingt sich in der Öffentlichkeit auszuziehen soll jetzt der Freund genau jener Menschen sein, die gegen Rassismus in unserer Gesellschaft protestieren? Ich verstehe es nicht.
    Bis wieder ein Hitler-Bild irgendwo auf einem Polizeihandy auftaucht, eine geflüchtete Person in einer Polizeiwache verbrennt oder rechte Netzwerke von Polizei, Militär und Geheimdienst den Umsturz der Gesellschaft planen bzw rechte Terroristen decken. Dann sind es wieder Einzelfällle, tragisch und… ja… u.a. rassistische Gewalt gegen Schwarze. Aber Applaus, dass die Polizei eine Demo mit mehr Menschen zulässt als angemeldet.

  • Tpas

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    Sehr geehrter Solitär,
    normalerweise kommentiere ich hier nicht, aber Ihren Kommentar kann ich nicht unbeantwortet lassen. Als jemand, der beide Demos miterlebt hat (am Mittwoch zufällig, am Samstag absichtlich) stelle ich ihre Aussagen ernsthaft in Zweifel. Ein kleiner Teil der am Mittwoch anwesenden Demonstranten wollte einen Aufzug durchführen. Das ist schon seit Anfang Corona verboten und bei den erwähnten Demoteilnehmern auch gut bekannt. Als die etwas überrumpelte Polizei versucht hat den Aufzug zu stoppen, wurde versucht die Kette mit treten und schlagen zu überwinden. Deshalb wurde Pfeffer eingesetzt und eine Person festgenommen. Dass das Transparent weggenommen wurde (ist ja “nur ein Stück Stoff”) liegt wohl eher daran, dass dies gerne von gewaltbereiten Demonstranten (z.B. solche, die versuchen eine Polizeikette mittels treten und schlagen zu überwinden) benutzt wird um sich zu verstecken, unbeobachtet Gegenstände vorzubereiten, Festnahmen zu verhindern, etc. Das weiß auch so ziemlich jeder, der schonmal auf so einer Demo war.
    Die Demo am Samstag war angemeldet. Es waren mehr als 50 Personen, ja, aber da schon durch mehrere Gerichtsurteile bestätigt wurde, dass dies wohl kein Grund zur Auflösung ist, wurde hier seitens der Polizei noch nie eingeschritten. Bedankt hat sich die Leiterin unter anderem aber sowieso aus anderen Gründen, nämlich dafür, dass ihr sogar beim Aufbau von der Polizei geholfen wurde.
    Ihre generalisierenden Vorwürfe sind zudem wenig nachvollziehbar – warum sollte man bei Polizisten generalisieren – “sind doch eh alle rassisten mit Hitler-Bildern aufm Handy” und bei Demonstranten nicht? Diejenigen, die am Mittwoch Polizeibeamte angegriffen haben, um ihren Aufzug durchzusetzten sind doch auch nicht repräsentativ für alle Demonstranten? Wurde am Mittwoch nicht auch – trotz der Vorfälle – eine Demo am Domplatz erlaubt und durchgeführt, ganz ohne polizeiliche Einschränkung? Wo ist da die Logik?
    Und wann ist das letzte mal jemand in einer Regensburger Polizeiwache verbrannt? Das man die Polizei an hohe Standards hält und Maßnahmen kritisch hinterfragt ist richtig und gut. Auch muss man straffällige, rassistische Polizisten zur Rechenschaft ziehen, ohne wenn und aber. Aber warum darf man sich für gute Arbeit nicht auch mal bedanken?

  • Jürgen

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    Ich finde die Demos gegen Rechts gut und finde sie sogar notwendig angesichts unserer latent rechts werdenden Gesellschaft.
    Was ich allerdings nicht verstehe ist, warum man ausgerechnet jetzt auf die Straßen geht.
    Es war nicht der erste Afroamerikaner der in den USA von der Polizei zu Tode gebracht wurde. Ausgerechnet jetzt, in Zeiten einer Pandemie fällt es den Leuten ein.
    Ich vermisse in unserer Gesellschaft das politische Interesse und Engagement auch wenn mal nicht jemand beim Sterben gefilmt wird.

  • KW

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    @Solitär
    Ihre verallgemeinernde Aussage die Polizei, und ich nehme an Sie meinen hier insbesondere die Deutsche, sei rassistisch ist absolut und vollkommen daneben.
    Die Polizei ist über den Daumen gepeilt genauso viel oder wenig rassistisch wie der Rest der Bevölkerung.
    Also so wie @Solitär, Ärzte, Dachdecker, Rechtsanwälte, Reinigungskräfte, Uni-Professoren, Journalisten, Bäckereifachverkäufer, Männer, Frauen, Diverse, Ureinwohner, Zugereiste und so weiter und so fort.

  • Hans

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    Welch Ironie – angesichts eines Präsidenten Trump – dass Herr Kaepernick sich als Protestform auch dafür entschied, an der US-Wahl nicht teilnehmen zu wollen. Das war vielleicht ein falsches Signal, auch wenn ich seine Begründung dazu nachvollziehen konnte.

  • auch_ein_regensburger

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    „Die Polizei ist über den Daumen gepeilt genauso viel oder wenig rassistisch wie der Rest der Bevölkerung.“ – Das sind so Aussagen … Wie kommen Sie darauf?

    Allerhöchstens könnte man vermuten, Polizisten wären in etwa so rassistisch wie andere Gruppen, die von weißen Männern dominiert werden, die ein Faible für Uniformen, Waffen und autoritäre Hierarchien haben. Und damit schaut die Sache schon ein bisschen anders aus.

  • R.G.

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    @Jürgen
    “Was ich allerdings nicht verstehe ist, warum man ausgerechnet jetzt auf die Straßen geht.”
    Weil die auf die Corona Angst drauftreffende Angst, bei einem Polizeieinsatz vor verzweifelt rufendem Publikum ums Leben gebracht zu werden, zuviel der Angst ist.

    Es steht der Wert des Lebens im Raum.
    Gibt es Leben, dem man praktisch weniger Chancen lässt? Corona zeigte das sehr deutlich. Der Polizeieinsatz wieder.

    BLACK LIVES MATTER pocht auf den Wert des Lebens, für die benachteiligten Schwarzen.
    Wir, die wir die Alten wegen Corona fortisolierten, stellen rückwirkend auch die Frage, ob das Leben der Alten in der Praxis wirklich gleich zählte wie unseres.
    LIVES MATTER?

    Die Bewegung BLACK LIVES MATTER hilft uns, den Wert des puren Lebens zu begreifen, ihn anderen zuzusprechen.
    Haben wir ihn für unsere Generation wieder begriffen, wird es weiteren benachteiligten Guppen nützen.
    Unter anderem uns selbst, wenn wir im Großelternalter sind.

    Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg’ auch keinem Andern zu .

  • Solitär

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    @KW
    @Tpas

    Um euch mal aus eurer Komfortzone rauszuholen:

    Aus der Dlf Audiothek | Interview | Soziologe über Rassismus | „Wir haben ein strukturelles Problem in der Polizei“
    https://srv.deutschlandradio.de/dlf-audiothek-audio-teilen.3265.de.html?mdm:audio_id=837885

    Wenn ihr mir nicht glaubt, vll den Expert*innen, Betroffenen oder Aktivist*innen. Zu empfehlen ist z.B. das Buch ‘Kritik der Polizei’ oder Alltagsberichte von PoC.
    Was ich aber feststelle: aus NSU, Hanau, Halle und all den nicht in der großen Öffentlichkeit besprochenen ‘Verfehlungen’ (wohl eher Versagen) ALLER Sicherheitsbehörden in DE nichts gelernt.

    Vermutlich geht das jetzt wieder bei dem einen Ohr rein, bei dem anderen raus – wer eine Diskussion überhaupt zulässt und der Polizei nicht gleich wieder einen Blankocheck ausstellt. Aber das sind die Leute schon gewöhnt, die regelmäßig von Sicherheitsbehörden gegängelt werden. Vertrauen ist da schon lange keines mehr. Weder in die Polizei, noch in die sogenannte gesellschaftliche Mitte. Das sind die ersten, die in den Rückenfallen, wenn es an deren Privilegien geht.

  • Solitär

    |

    @Tpas

    Und ganz explizit an Sie, da Sie in Ihrem Kommentar behaupten, Demonstrierende hätte die Polizei auf der ersten BLM-Demo letzten Mittwoch attackiert. Das ist, gelinde gesagt, eine Verdrehung der Tatsachen.
    Ja, es wurde nicht darauf gehört stehen zu bleiben. Ja, es wurde einfach über zwei Polizist*innen hinweggenagen, die sich dem Banner in den Weg gestellt haben. Dabei wurde aber weder jemand angegriffen, noch verletzt. Davon war nirgends die Rede!
    Was aber Fakt ist: Die Polizei ist mit Pfefferspray und dem Einsatz physischer Gewalt gegen fünf junge Menschen absolut verhältnislos vorgegangen. Zwei Videos dazu:

    https://www.instagram.com/p/CA-hcYxoF2y/?igshid=1qneiup9sj9rq

    https://twitter.com/patrnoir/status/1268259449178857474?s=19

    Das ich mich in dem sowieso sehr beschaulichen Regensburg nur an eine Einsatz von Pfefferspray bei einer Demo erinnern kann, und das war 2013 (?) bei der Sitzblockade gegen den NPD-Bus, und noch nie gegen eine Nazi-Demo (was wohl auch daran liegt, dass die hier eher schwach auftreten, zugegeben) zeigt vielleicht auch ein wenig die Hilflosigkeit der Polizei letzten Mittwoch gegen fünf Menschen mit einem Stück Stoff.
    Und jetzt reden wir nur von Regensburg.
    Bei einer Anti-Nazi-Demo in Schwandorf letzten Juli wurde die Demo von der Polizei massiv gegängelt und Rechte, die die Demo am Rande immer wieder (zum Teil auch physisch) provoziert haben, durften unbehelligt weiter machen. (Auch hier kann eingewandt werden, dass die Demo in ihrem Auftreten für das ruhige Schwandorf eher martialisch daher kam. Aber dass man in Schwandorf offenbar weniger Probleme mit rechten Strukturen hat, als mit EINER – und ich glaube so ziemlich der ersten – linken Demo, sollte eher gegenüber Schwandorf zu denken geben, nicht gegenüber den Demonstrierenden. Für Informationen zu rechten Netzwerken in der Oberpfalz/in Ostbayern empfehle ich eine kurze Recherche, wozu ich auch gerne Links anbiete.)

    Hier haben wir jetzt noch nicht über Rassismus gesprochen, sondern nur über den offenbaren Bias der Polizei hier in der Region. Wie viele PoC in Regensburg und Umgebung durch racial profiling drangsaliert werden bleibt wohl alles in allem undokumentiert – auch weil sich niemand dafür so wirklich interessiert. Und jetzt haben wir nur über die Gegend hier gesprochen. Informieren Sie sich mal, was letztes Wochenende in Berlin los war, oder in Hamburg. Oder wie viele Menschen in München auf der Straße waren (ich löse auf 25.000). Denen ging es bestimmt nicht darum, der Polizei endlich mal danke sagen zu können für deren hervorragende Arbeit.

    Und wenn ihnen das noch nicht reicht erinnern Sie sich sicher an die neuen Polizeigesetze in ganz Deutschland. Da wurde unter anderen der DNA-Test als Einfallstor für rassistische Polizeiarbeit kritisiert (neben all den anderen bedenklichen, autoritären Maßnahmen der CSU). Und wenn Sie sich jetzt noch mit schwarzer Geschichte in Deutschland beschäftigen bekommen Sie vielleicht einen Eindruck dafür, wie es sich für so viele Menschen anfühlen muss, wenn so weiße Mitte-Ottos (ich spreche allgemein und nicht explizit über einzelne) oder selbst Betroffene (was viele Gründe haben kann) der Polizei als – für viele Menschen mit Migrationshintergrund, PoC oder nicht der sexueller Norm entsprechend als oft einzig erfahrener, und hier eher verbunden mit Angst, Gewalt und Vorurteilen – Repräsentant des Staates für deren Einsatz in der Gesellschaft danken.

  • Ahhb

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    auch_ein_regensburger – Ihre Aussage strotzt vor Arroganz und verzerrter Logik. Von “weißen” Männern dominiert sind wohl sehr viele Berufe in Deutschland und da der Großteil der Bevölkerung nunmal weiß ist, ist das wohl eher ein unnötiger Zusatz. Die Polizei gehört dabei nicht annähernd zu den “Männerlastigsten” Berufen, mit 41 Prozent Frauenanteil in der 4. QE – Also der Wegweisenden Führung. Sind also Automechaniker, Tischler, Maurer etc. mit ca. 95% Männeranteil rassistischer? (Sind übrigens alles leicht recherchierbare Statistiken – aber wer recherchiert schon gerne, wenn es so leicht ist, anonym einfach irgend einen polemischen Mist zu verzapfen, oder?)
    Und was in aller Welt soll das ganze “Faible für Uniformen, Waffen und autoritäre Hierarchien”? Chirurgen sind dann die mit dem Faible für Kittel, desinfektionsmittel und Menschen zerschneiden, oder? Und IT-ler haben ein Faible für Tastaturen, Großkonzerne (Übrigens auch sehr “autoritäre Hierarchien”) und Zivilkleidung? Was ein erbärmlicher Mist.

  • Tpas

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    Solitär – da komme ich jetzt nicht ganz mit.
    Zum Einen bestätigen Sie meine Aussage (“Ja, es wurde nicht darauf gehört stehen zu bleiben. Ja, es wurde einfach über zwei Polizist*innen hinweggenagen, die sich dem Banner in den Weg gestellt haben”) zum anderen verlinken sie zwei sehr interessante Videos. Auf keinem der beiden Videos ist das vorangegangene Geschehen zu sehen, lediglich die daraus resultierende Rangelei und Festnahme. Ist nicht die Vorgeschichte genau das Wichtige? Man kann doch nicht einfach den unliebsamen Teil wegschneiden und dann behaupten, er wäre nie passiert?
    Noch besser ist jedoch die Tatsache, dass auf dem zweiten Video sogar zu beobachten ist, wie einer der Demonstranten dem etwas festeren Polizeibeamten bei Sekunde 6 gegen den Kopf schlägt.
    Zu Schwandorf möchte ich keine Aussage treffen, da ich nicht vor Ort war und mir nicht anmaßen möchte über Dinge zu reden, über die ich keine Ahnung habe. Grundsätzlich kann ich jedoch durchaus behaupten, schon bei einigen Demos dabei gewesen zu sein und noch nie ein “Grundloses” Einschreiten seitens der Polizei beobachtet zu haben. Viele scheinen auch zu vergessen, dass die Polizei sich neutral zu verhalten hat, und zwar sowohl gegenüber der Linken, als auch der Rechten Seite. Wenn also die Abfahrt eines Busses Blockiert wird, – egal wer drin sitzt – so ist dies eine Einschränkung in deren Rechte – (zB in diesem Fall in die Bewegungsfreiheit) und strafrechtlich eine Nötigung. Somit ist es dann Aufgabe der Polizei diesen Misstand zu beseitigen und die Blockade aufzulösen. Egal, ob der, der da sitzt links oder rechts gesinnt ist. Das ist nunmal der Preis unserer Demokratie – jeder hat die gleichen Rechte, egal ob man selbst anderer Meinung ist. Reden sie dochmal mit der AfD, die werden sich genauso über das Verhalten der Polizei letztes Jahr beschweren, als die Infostände in der Altstadt regelmäßig abgeriegelt wurden und so gut wie keiner der potentiellen Laufkundschaft angesprochen werden konnte, weil die Polizei im Weg stand. Ist wohl alles eher ein Frage der Perspektive, oder? Ich persönlich bin froh, wenn die Polizei auch die Rechte derer durchsetzt, die nicht meiner Meinung sind. Denn was, wenn die gesellschaftlich akzeptierte Meinung mal nicht der meinen entspricht?
    Soviel zum angeblichen Bias der Polizei.
    Zu den anderen Vorwürfen: Sie berufen sich auf “undokumentierte” Drangsalierung – am Samstag waren jedoch sehr viele dunkelhäutige Mitbürger an der Demo beteiligt, die sich eigenartigerweise sehr wohl bei der Polizei bedankt haben, inklusive der Versammlungsleiterin. Wie passt das denn bitte zusammen? Ich habe nie behauptet, die Demo hätte stattgefunden um der Polizei zu danken auch in München, Berlin oder Hamburg ganz sicher nicht. Ich habe die Demo als Solidaritätsveranstaltung zu George Floyd und der Bürgerrechtsbewegung in den USA verstanden, und als ein Zeichen gegen Rassismus auch in Deutschland. Aber dennoch hat sich die Versammlungsleiterin bei der Polizei bedankt und ein überwiegender Großteil der Teilnehmer hat dem Beifall gespendet. Warum also partout die Polizei als rassistisch und schlecht darzustellen, wenn dem offensichtlich nicht so ist?

  • Mr. T.

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    Wer Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in der Polizei negiert, manifestiert diese. Es ist offensichtlich, dass solche Einstellungen in der Polizei überdurchschnittlich vorhanden sind. Bezeichnen Ärztinnen einen Teil ihrer Kundschaft auch offiziell als Nafris? Gibt es auch rechte Netzwerke unter Friseuren? Oder gibt es auch linke Netzwerke in der Polizei um für ein Gleichgewicht zu sorgen?

    Und nochmal in dicken Lettern für alle nur binär denkenden – oder besser gesagt binär meinenden: DAS BEDEUTET NICHT, DASS ICH MEINE ALLE POLIZIST*INNEN SIND RASSISTEN

  • Günther Herzig

    |

    Solitär
    8. Juni 2020 um 20:09
    Sie tun mir leid mit Ihren Sammelsurium an Nachweisen für Rassismus in der Polizei. Und vergessen Sie nicht den rassistischen römischen Soldaten unter dem Kreuz, diesen Antisemiten.

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