Nach Uni: FH Regensburg besetzt!

fh-marschDie Studierenden an der FH Regensburg sind Pragmatiker. Im Stanglmayerhörsaal läuft um kurz vor 15 Uhr gerade die Vollversammlung an. Es ist eng, in den Gängen und an den Türen stauen sich die Studis, von hinten drängen immer noch Menschen nach. „Kuschelt euch zusammen.” Die Besetzung liegt auch an der Fachhochschule schon seit Tagen in der Luft. Vor der Tür beginnen die ersten, sich häuslich niederzulassen. Für die mindestens 500 Teilnehmer im Plenum gibt es Getränke. „Wir sind vorbereitet”, meint ein Architektur-Student trocken und grinst. Vorbereitet sind auch die Organisatoren der Vollversammlung – der ersten überhaupt an der Regensburger FH. Ein zweiseitiger Forderungskatalog wird im Saal verteilt. Handzeichen und einige Diskussionsregeln, die einen reibungslosen und disziplinierten Ablauf gewährleisten sollen werden zusätzlich darauf erläutert. Die Forderungen sind konkret. Hier geht es nicht um die Weltrevolution, sondern um bessere Studienbedingungen. Eine Verlängerung der Regelstudienzeit, reduzierter Prüfungsdruck, eine andere Notengewichtung, studentische Beteiligung in den Prüfungsausschüssen, weg mit den Studiengebühren. Die Stadt Regensburg wird aufgefordert, sich an der Finanzierung des Studentenwerks zu beteiligen. „Realistische Forderungen”, lautet die Maxime, die Andreas Gmeiner vom Podium ausgibt. Auch wenn mancher gern mehr hätte, aber: „Wir wollen ernst genommen werden.” Die Diskussionen verlaufen ruhig und relativ zügig. Gibt es größeren Gesprächsbedarf, werden die Punkte in kurzfristig gegründete AGs ausgelagert; man hat schon aus den Erfahrungen an der benachbarten Uni gelernt. Dort läuft die Besetzung seit mittlerweile einer Woche. Bei einer Kundgebung im Vorfeld der Vollversammlung gab es gegenseitige Solidaritätsbekundungen. Fünf Musikpädagogen haben Politik und Hochschulleitung unter Applaus den (Gamsgebirg)marsch geblasen. Bayern ist das Bundesland mit den meisten besetzten Hochschulen. Die mal leiser, mal lauter formulierte Hoffnung der FH-Studis – „hoffentlich sind wir mit dabei” – tritt wenige Stunden später ein. BildungsstreikErst zu diesem Zeitpunkt, am Ende der Vollversammlung, lässt die Disziplin etwas nach: Bei der Diskussion über eine Besetzung der FH bricht immer wieder Applaus los. „Damit haben wir ein Ergebnis: Es kommt fürs erste zu einer unbefristeten Besetzung”, lautet die trockene Feststellung vom Podium. Damit wolle man den Forderungen Nachdruck verleihen, heißt es in dem entsprechenden Antrag. Es ist 17.21 Uhr. „Wer glaubt, dass uns die Luft ausgeht, täuscht sich”, murmelt ein angehender Maschinenbauer in Richtung der Medien. „Studieren und besetzen geht zusammen, wenn’s einem genügend stinkt.” Man darf davon ausgehen, dass bereits Pläne in Arbeit sind, um eine Rund-um-die-Uhr-Besetzung zu gewährleisten, via Twitter werden bereits Schlafsäcke und Decken organisiert. Hier haben sich Pragmatiker versammelt.

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Kommentare (4)

  • Vor kurzem noch Student

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    „Realistische Forderungen”, lautet die Maxime, die Andreas Gmeiner vom Podium ausgibt. Auch wenn mancher gern mehr hätte, aber: „Wir wollen ernst genommen werden.”
    Als erstes möchte ich meine Solidarität mit den Studierenden ausdrücken.
    Ernst genommen werden. Die politischen Verantwortlichen oder andere institutionelle Entscheidungsträger nehmen Protestierende dann wirklich ernst, wenn Druck ausgeübt wird. Dabei wird der Druck ernst genommen, nicht die Personen die Forderungen stellen. In „Sonntagsreden“ wird Verständnis geheuchelt aber solange keine „Gefahr“ für die eigene Position, für die eigene Interessenslage ausgeht, wird überlegt, wie reagieren wir damit wir auch weiterhin unsere Interessenslage durchsetzen. Wir erinnern uns, der Bologna Prozess in Deutschland letztendlich Ergebnis des Centrums für Hochschulentwicklung (Bertelsmannstiftung. Dabei soll Bildung an Hochschulen für die Allgemeinheit zur hochqualifizierten Ausbildung werden und das wurde sie auch (Ausbildung vs. Bildung; eigenverantwortliches Studium, Wahlfreiheit vs. verkürzte Studienzeiten, weniger Qualität) Der Bildungsbegriff der ehemals geprägt wurde und mit dem Zeitalter der Aufklärung verbunden ist, hat sich in Privatunis für einen kleinen Kreis zahlungskräftiger Studis zurückgezogen.
    Wenn die Leute euch sagen sie verstehen euch, sie nehmen euch ernst, die das Ganze eingeführt haben auf der Grundlage einer neoliberalen Interessenslage dann verarschen sie euch. Und wenn es wirklich ans eingemachte gehen würde, dann werdet ihr weggeräumt. Entweder ihr schafft es euren Protest in eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung inhaltlich einzubetten und euch mit anderen von dieser Verwertungslogik betroffenen Gruppen zu solidarisieren oder es wird nur ein Sturm im Wasserglas bleiben. Diese Sichtweise ist realistisch und hat nichts mit übertriebenen Forderungen zu tun.
    Aber nichts destotrotz. Positiv ist die Erfahrung des zusammenschließens und des gemeinsamen sich organisierens. Und so wie es aussieht, soll ja das BaFöG ein bischen erhöht werden.

  • Roland Hornung

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    Damit kein Missverständnis entsteht: Ich unterstütze natürlich die berechtigten Forderungen der Studenten/innen !

    Euer Roland Hornung

  • eduard buchinger

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    an @all und S t u d e n t e n !!

    ## Damit kein Missverständnis entsteht: Ich unterstütze natürlich die berechtigten Forderungen der Studenten/innen ! ##

    Euer Roland Hornung

    Von Roland Hornung am 25. Nov 2009, 08:44 Uhr

    …Warum sollte hier ein Missverständnis entstehen? Wir wissen doch alle, wie sehr sich
    Prof. Dr. Roland Hornung (FH) für „…die berechtigten Forderungen von Studenten und Studentinnen“ einsetzt.

    Beste Grüße an @all in den besetzten Hörsäälen
    der UNI und FH, d u r c h h a l t e n ist angesagt.

    Und vergesst die Großdemo „Kultusminister
    nachsitzen!“…, am 10. Dez.
    2009 im idylischen Bonn, ja nicht!!

    ;-) Euer Edi Buchinger

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