SOZIALES SCHAUFENSTER

Aufforstung

Regensburger Studierende engagieren sich für Kamerun

Sechs Studierende der OTH-Regensburg haben im Rahmen ihres Studiums ein Spenden-Projekt gestartet. Mit den Geldern wollen sie die Wiederaufforstung in Kamerun unterstützen und so einen Beitrag zur Verbesserung der sozialen Verhältnisse vor Ort leisten.

Im Rahmen ihres Studiums unterstützen sechs Studenten der OTH ein Projekt in Kamerun.

Kamerun. Ein Staat, irgendwo in Afrika. Weitreichende Urwälder und ideale Verhältnisse für den Anbau von Kaffee und Kakao. Wo genau das zentralafrikanische Land aber auf dem 30,2 Millionen Quadratkilometer großen Kontinent (das sind etwa 22 Prozent der gesamten Erdoberfläche) liegt, ist vermutlich den wenigsten bekannt. Denn als klassisches Urlaubsziel gilt die Region nicht. Auch über die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation in der ehemaligen deutschen Kolonie und dem späteren französischen Mandatsgebiet erfährt man nur selten etwas. Im Rahmen eines Studienprojekts haben sich sechs Studentinnen der OTH-Regensburg etwas intensiver mit Kamerun beschäftigt und ein Fundraising unter dem Motto „Plant a Tree – Save a Life“ zur Unterstützung nachhaltiger Projekte und zur Wiederaufforstung vor Ort gestartet.

Die Wiederaufforstung stelle für die Menschen vor Ort eine wichtige Lebensgrundlage dar, erklärt Ruth Rahmann, die Teil des Projektteams ist. Zusammen mit dem 2016 gegründeten GREENSTEP e.V. wollen sie und ihre Mitstreiter, die alle am Lehrstuhl für International Relations and Management studieren,  in der Region M´muock Wälder genau das ermöglichen. Dafür sammeln sie seit einigen Wochen Spendengelder. „Holz ist eines der Hauptexportgüter in Kamerun“, so Rahmanns Mitstreiter Florian Schlagbauer. Das Land verzeichnet seit Jahren den höchsten Holzeinschlag aller afrikanischen Staaten, oftmals unzertifiziert. Nach Angaben der EU-Kommission liegt der Anteil exportierten Holzes aus Kamerun, das illegal geschlagen wurde, bei 50 Prozent.

Illegaler Holzhandel ein Milliardengeschäft

Dabei ist Kamerun kein Einzelfall. Für Brasilien und Indonesien geht die EU von rund 70 Prozent nicht genehmigter Holzexporte aus. Im Fall von Kambodscha sollen gar 90 Prozent der exportierten Hölzer ohne Genehmigung geschlagen worden sein. Und da der Handel mit Tropenhölzern und der Verkauf von Möbeln aus eben diesen floriere, werden laut Weltbank jährlich rund 75 Milliarden Euro in die Kassen der Beteiligten gespült. Der Verein Rettet den Regenwald spricht hier gar von einer weltweit agierenden Holzmafia und von enormen sozialen und ökologischen Schäden, die vor Ort entstünden. Das autoritär regierte Kamerun tue selbst nach wie vor zu wenig in dieser Hinsicht und lasse den illegalen Handel weitestgehend ungehindert zu, lautet die Kritik vieler Umweltverbände und der sechs Studentinnen.

„Für die Abholzung muss immer tiefer in den Urwald und damit in den Lebensraum von Milliarden von Tieren und von Menschen eingegriffen werden“, sagen Maria Geusau und Hannah Attallah. Lebensraum verschwinde und zusätzlich werde Erosion und Wasserknappheit gefördert. „Mit unserem Projekt zur Wiederaufforstung wollen wir die stark degradierte Landschaft in der Region M´muock so gut es geht wiederherstellen.“ Das könne laut Attallah „langfristig Wasserquellen wiederbeleben, für mehr Biodiversität sorgen und den Menschen vor Ort wieder eine Lebensgrundlage liefern”.

„Nur eine kurzfristige Lösung“

„Uns ist hierdurch bewusst geworden, dass komplexe Problematiken wie die der Degradation in M‘muock nur durch nachhaltiges und solidarisches Verhalten gelöst werden können“, ergänzt Franziska Haas. „Durch dieses Projekt möchten wir Raum für genau diese Werte schaffen.“ Natürlich seien solche Spendenaktionen „nur eine kurzfristige Lösung“. Langfristig bedarf es eines generellen Wandels, der Bedingungen für einen fairen, sozialen und umweltfreundlichen Handel schafft, sind sie sich einig.

Ihr Kooperationspartner GREENSTEP e.V. verweist auf der eigenen Homepage auf erste Erfolge. In Zusammenarbeit mit Investoren, ökologisch orientierten Projektpartnern und den Menschen vor Ort habe man ein stärkeres Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur schaffen und bereits zwei Baumschulen realisieren können. Zudem werde darauf geachtet, dass die aufgeforsteten Bäume im Besitz der jeweiligen Gemeinden und der Ertrag etwa aus Obstbäumen somit vor Ort bleibt.

Durch die Aufforstung sollen die Schäden durch die massive Abholzung rückgängig gemacht werden. Rechts sind die neugepflanzten Bäume zu sehen. Quelle: Greenstep e.V.

Auch sei dafür gesorgt worden, dass Bäume, die in Wassereinzugsgebieten stehen, nicht gefällt werden dürfen. Denn Bäume können für das Grundwasser eine wichtige Rolle spielen, erklären die Studenten. Eine Stabilisierung des seit Jahren in der Region sinkenden Grundwasserspiegels sei eines der zentralen Ziele des Projektes. „Hierzu werden Bäume, die an Brunnen stehen und zu viel Wasser verbrauchen durch wassersparsamere Arten ersetzt, die gleichzeitig mehr Schatten spenden“, so Schlagbauer. Das schütze den Boden vor Austrocknung.

1.500 weitere Bäume über Fundraising realisieren

Rund 4.000 Bäume wurden seit September 2019 bereits gepflanzt. Weitere 1.500 sollen es werden. Doch dazu braucht es Geld. „Und das wollen wir über unser Fundraising sammeln“, erklärt Rahmann die Rolle der Studigruppe. Ihre Motivation liege auch in dem Studiengang begründet, der interdisziplinär angelegt ist und daher ermögliche, über Fachbereiche und Kulturen hinweg Zusammenhänge zu erkennen.

Langfristig müsse es bei solchen Vorhaben darum gehen, von Spenden unabhängig zu werden. „Wir möchten Verantwortungsbewusstsein bei den Unternehmen wecken“, so Rahmann weiter. Neben dem sozialen Aspekt lernen die Studenten aber auch einiges bei dem im Oktober gestarteten Projekt. „Wir sammeln hier momentan viel Erfahrung bei der Organisierung von Projekten und wie wir als Team effektiv zusammenarbeiten. Es ist oft nicht einfach unterschiedliche Interessen zu vereinen.“ Momentan sei jede von Ihnen um die drei Stunden pro Woche mit dem Projekt beschäftigt, neben Studium und Arbeit. Dass über die eingerichtete Spendenkampagne auf gofundme.de bisher nur ein geringer Teil der geplamnten 700 Euro eingegangen ist, begründet Schlagbauer mit der Corona-Pandemie. Da sitze das Geld schließlich bei niemandem mehr so locker. „Trotzdem hoffen wir, dass möglichst viele dann doch noch ein wenig über haben. Unternehmen dürfen sich übrigens gerne direkt an uns wenden”, sagt er mit einem Lächeln.

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Kommentare (3)

  • Christoph Högl

    |

    Lobenswertes Engagement mit dem Blick über den Regensburger Tellerrand.

  • Mathilde Vietze

    |

    Diesen Bericht sollten vor allem diejenigen aufmerksam lesen, die gedankenlos
    und vorurteilsbelastet über “die Studenten” herziehen. Ich (80 Jahre alt) habe
    politisch viel mit Studenten und sonstigen jungen Leuten zu tun und kann fest-
    stellen, daß mich die meisten hoffnungsvoll für die Zukunft machen.

  • R.G.

    |

    Ich würde diese Bewegung nicht unterstützen, weil die Seite über das Projekt in M’Muock bewusst in Fachchinesisch geschrieben ist. Soll sie halt ihr Geld bei Akademikern ganz weniger Fächer einwerben.
    Hätte ich mich mit dem Thema Aufforstung und Bodenverbesserung nicht schon vorher beschäftigt, könnte ich den Text nicht verstehen.

    Meine bisherige Erfahrung sagt, wer bereits mit Unterstützern von oben herab spricht, tut es mit der örtlichen Bevölkerung allemal.

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