SOZIALES SCHAUFENSTER

„Faszination Altstadt“

Ziele verfehlt – doch es gibt weiter Geld von der Stadt

Der Verein „Faszination Altstadt“ soll für weitere drei Jahre mit je 75.000 Euro unterstützt werden, um seine Geschäftsführung zu bezahlen. Trotz Mitgliederschwund und Tatenlosigkeit während des Corona-Lockdowns. Die Beschlussvorlage für den Stadtrat ist teils vage und irreführend.

„Job gut gemacht“: Ingo Saar, Geschäftsführer von „Faszination Altstadt“ als Redner bei einem Wahlkampfauftritt von Joachim Wolbergs 2019. Foto: Archiv

Im Großen und Ganzen betrachtet ist es die Geschichte eines Scheiterns. Rund 500.000 Euro hat die Stadt Regensburg seit 2015 in den Verein „Faszination Altstadt“ gesteckt. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs hatte diesen Plan Ende 2014 aufs Tapet gebracht. Das Ziel: ein „schlagkräftiger Zusammenschluss – ein ‚Sprachrohr‘ / ‚Management‘ für die Altstadt“ unter professioneller Führung, um insbesondere den dortigen Einzelhandel zu stärken, wie es in der damaligen Beschlussvorlage heißt.

Rückgang bei Straßenfesten

Seitdem sind jedes Jahr 75.000 Euro – Gehalt für den Geschäftsführer und eine Assistenzstelle – geflossen. Mit 28.000 Euro unterstützte die Stadt zusätzlich Feste in einzelnen Straßenzügen und 10.000 Euro sollen nun für einen „Online-Marktplatz“ fließen, den „Faszination Altstadt“ zusammen mit der atalanda GmbH auf den Weg bringen will. Ein erstes, ähnliches Projekt des Vereins in Zusammenarbeit mit der Mittelbayerischen Zeitung und dem Unternehmen yatego war zuvor krachend gescheitert. Und es ist nicht die einzige Zielvorgabe, an der „Faszination Altstadt“ bislang gescheitert ist. Das kann man in weiten Teilen der Beschlussvorlage entnehmen, die am Donnerstag bei der gemeinsamen Sitzung des Wirtschafts- und Planungsausschusses ohne größere Diskussion verabschiedet wurde und die eine weitere Unterstützung für drei Jahre festzurren soll.

Die Zahl der bis zu fünf Straßenfeste jährlich, die der Verein veranstalten sollte, um die Geschäfte und Gastronomiebetriebe in einzelnen Gassen und Straßen sichtbarer zu machen, ging seit dem Start der städtisch alimentierten Professionalisierung kontinuierlich zurück. Waren es 2015 tatsächlich noch fünf, fiel die Zahl bereits im Jahr darauf auf zwei, 2017 immerhin noch drei, dann jeweils nur noch zwei und 2020 gab es gar kein Fest. Dieses Mal coronabedingt, was nicht „Faszination Altstadt“ zuzuschreiben ist. Allerdings machte der Verein während des Lockdowns für Einzelhandel und Gastronomie auch ansonsten keine gute Figur.

Tatenlosigkeit beim Lockdown

Ein studentisches Projekt an der OTH Regensburg („Geschenke aus Regensburg“) lief dem Verein den Rang ab, reagierte rasch und bot den Geschäftsleuten kostenlos eine Plattform, um ihre Lieferdienste oder Online-Einkaufsmöglichkeiten während der zwangsweisen Schließung bekannt zu machen. „Faszination Altstadt“ trat während dieser Zeit lediglich als PR-Maskottchen der MZ-Tochter „City Mail“ in Erscheinung, die den Shutdown nutzte, um ihren kostenpflichtigen Lieferdienst „City Parcel“ zu promoten. Eine tatsächlich wahrnehmbare Unterstützung der Einzelhändler und Gastronomen durch den professionell geführten Verein während der Zeit des Lockdowns – Fehlanzeige. Doch zurück zur Beschlussvorlage.

Mitgliederschwund

Konstant mindestens 250 der insgesamt 560 Betriebe in der Altstadt sollte der Verein mithilfe der städtischen „Anschubfinanzierung“, wie es 2014 noch hieß, hinter sich versammeln. Tatsächlich stieg die Mitgliederzahl des Vereins zunächst auf bis zu 190 an, doch diese Vorgabe erreichte man nie. Anlässlich der ersten „Evaluation“ der städtischen Subventionierung 2017 und auch jetzt 2020 heißt es stets wortgleich, dass Geschäftsführer Ingo Saar das Ziel von 250 „nach wie vor als realistisch“ einstufe. Doch tatsächlich stagniert die Zahl der Mitglieder nicht nur, sie geht zurück. Zum Ende des vergangenen Jahres verließen knapp 30 Mitglieder geschlossen die „Faszination Altstadt“, weil sie dort ihre Interessen nicht mehr vertreten sahen.

Unter dem Vorsitz von Armin Gebhard, Inhaber des gleichnamigen Herrenausstatters, gründeten sie den „Verein Regensburger Kaufleute“. Die mittlerweile rund 40 Mitglieder – darunter Betriebe wie die Historische Wurschtkuchl, Hutkönig oder Sutor – treten seitdem mit eigenen Forderungen an die Öffentlichkeit, die jenen von „Faszination Altstadt“ zum Teil diametral widersprechen. Bereits im Vorfeld hatten die „Kaufleute“ den „Faszination“-Verein deutlich attackiert und eine kritiklose Haltung gegenüber der Stadt vorgeworfen. Ihre Lobby werde mit den 75.000 Euro jährlich zum Schweigen gebracht. Derzeit hat „Faszination Altstadt“ noch 165 Mitglieder – laut der Beschlussvorlage vom Donnerstag.

Exklusive Vergünstigungen, die nicht exklusiv sind

Doch diese Beschlussvorlage enthält auch Aussagen, die schlicht falsch sind. So ist etwa davon die Rede, dass es eine „erfolgreiche Kooperation“ von „Faszination Altstadt“ mit der REWAG „für vergünstigten Strombezug für Mitglieder“ gebe. Ein besonderes Zuckerl also, dass es demnach geben soll, wenn man sich dem Verein anschließt, ein Argument, um Mitglied zu werden. Doch tatsächlich gibt es diesen exklusiven „vergünstigten Strombezug für Mitglieder“ nicht. Das ergibt eine Rückfrage bei der REWAG.

Das sei schlicht ein Stromtarif, „der allen Gewerbetreibenden in Regensburg angeboten wird“ und nicht „eine exklusive Rabattierung einer einzelnen Kundengruppe“, so Pressesprecher Martin Gottschalk.

Überschaubar: Das Projekt „Altstadt-Zehner“

Völlig unklar bleibt auch, was von der vermeintlichen Erfolgsgeschichte des „Altstadt-Zehners“ zu halten ist, einem Gutschein-System, das „Faszination Altstadt“ laut den Vorgaben für die 2014 beschlossene städtische Förderung etablieren sollte. Die Beschlussvorlage bleibt dazu vage und widersprüchlich. Während aus einer Grafik hervorgeht, dass Altstadt-Zehner im Wert von einer halben Million Euro derzeit „im Umlauf“ seien, legt der flankierende Text nahe, dass es sich dabei um sämtliche Gutscheine handelt, die seit 2015 „in Umlauf gebracht“, zur Bezahlung verwendet und dann bei „Faszination Altstadt“ von den Geschäftsleuten wieder zu Bargeld gemacht wurden. „Durchschnittlich 112.000 Euro pro Jahr“ seien in Umlauf gebracht worden, heißt es dazu im Beschlusstext, ein (nicht näher bezifferter) Großteil davon übrigens im Rahmen von „Marketingmaßnahmen“ des MZ-Verlags, des RVV und von Agilis.

Doch selbst wenn man davon ausgehen sollte, dass sich tatsächlich „Altstadt-Zehner“ im Wert von über 500.000 Euro in Umlauf befinden sollten – bei der Stadt Linz, die in den Vorgaben von 2014 als Vorbild für das zu etablierende Gutscheinmodell in Regensburg genannt werden, belief sich der Umsatz über den „Linzer City Gutschein“ im vergangenen Jahr auf annähernd sechs Millionen Euro.

Weder Fragen noch Kritik von Stadträten

In Frage gestellt wird die Fortführung der städtischen Unterstützung für den Verein „Faszination Altstadt“ bei der Ausschusssitzung am Donnerstag nicht. Auch nicht durch CSU-Stadträtin Kathrin Fuchshuber vom Hotel Münchner Hof, die sich den „Regensburger Kaufleuten angeschlossen hat, um ihre Interessen als Geschäftsfrau zu vertreten. Der Beschluss zur weiteren Unterstützung von „Faszination Altstadt“ fällt einstimmig.

Was ursprünglich als „Anschubfinanzierung“ bezeichnet wurde, deren Nutzen alle drei Jahre „evaluiert“ werden sollte, ist trotz des teils deutlichen Verfehlens der ausgegebenen Ziele und des Versagens während des Corona-Lockdowns, zu einer gesicherten Alimentierung geworden, mit dem sich der Verein einen Geschäftsführer nebst Assistenz leisten kann.

„Totaler Humbug“ und „Eitelkeiten“

Lediglich vorsichtig bittet CSU-Stadtrat Tim Helmes am Donnerstag die Verwaltung, doch bis zum kommenden Jahr einen Vorschlag zu machen, wie man denn sämtliche Interessenvertretungen innerhalb der Altstadt bündeln könne, damit diese an einem Strang ziehen. Joachim Wolbergs, der die Förderung von „Faszination Altstadt“ 2014 ins Werk gesetzt hat, bezeichnet diesen Vorschlag als „totalen Humbug“. Der Verein sei die einzige Vertretung und einziger Ansprechpartner für die Stadt. Dieser habe „erfolgreiche Arbeit“ geleistet, „viele Mitglieder“ gewonnen und seinen „Job gut gemacht“. Und alles andere, irgendwelche Abspaltungen, seien eher „Eitelkeiten als sinnvolle Arbeit“.

Kommende Woche muss nun noch der Stadtrat die weitere Förderung absegnen.

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Kommentare (43)

  • Heinrich Kielhorn

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    “Joachim Wolbergs, der die Förderung von „Faszination Altstadt“ 2014 ins Werk gesetzt hat, bezeichnet diesen Vorschlag als „totalen Humbug“. Der Verein sei die einzige Vertretung und einziger Ansprechpartner für die Stadt. Dieser habe „erfolgreiche Arbeit“ geleistet, „viele Mitglieder“ gewonnen und seinen „Job gut gemacht“. Und alles andere, irgendwelche Abspaltungen, seien eher „Eitelkeiten als sinnvolle Arbeit“.”

    Aha.

    Und warum ist das so? Wer entscheidet das eigentlich? Ich halte das ja von vornherein für unzulässig bei einem e.V. zu sagen, das ist unser Ansprechpartner und die anderen interessierten mich nicht. Das ist ja keine aufgrund eines gesetzlichen Auftrags errichtete Kammer. Selbst wenn sowas aber geht, entscheidet das sicher nicht der Ex-OB.

    Im Übrigen sind die Forderungen der Händler um den Schneidermeister Gebhard nicht vernünftiger als der Faszination Unfug. Aber der kommt wenigstens ohne städtische Kohle aus.

    Streicht der Faszination die Gelder. Es bringt ganz einfach nichts. Und diese Vorlage wäre allein schon Anlaß genug.

    Ansonsten sei noch bemerkt, dass ich sehr gelacht habe:
    “Und alles andere, irgendwelche Abspaltungen, seien eher „Eitelkeiten als sinnvolle Arbeit“.”

    Zitat Wolbergs. Köstlich. Der Ex-OB muss gestern einen Clown gefrühstückt haben.

  • Elena

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    .. Dieses Mal coronabedingt, was nicht „Faszination Altstadt“ zuzuschreiben ist..
    Gerade in dieser Situation hätte diese ORGA ihre Chancen nutzen können?
    Wobei ich persönlich die Stadt so angenehm, wie seid 30 Jahren nicht mehr , geniessen konnte. Mir waren diese 75000 € jeden Cent wert.

  • R.G.

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    Da man sich offensichtlich den Linzer City Ring zum Vorbild genommen hat, Information über diesen freiwilligen und eigeninitiativen Zusammenschluss von (erfolgreichen!) Geschäftsleuten:
    https://ooe.wirtschaftszeit.at/unternehmen-detail/article/50-jahre-linzer-city-ring-400-unternehmen-eine-vision
    Ob man den Erfolg kopieren kann, wenn ein Nicht-Geschäftsleut zum einzigen Sprachrohr zur Stadt gemacht wird, nach der Art, “der Parteivorsitzende hat einen Einheitsverein für alle Genossen der Volksrepublik beschlossen” ?

  • KW

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    @Heinrich Kielhorn
    Danke für das verlinkte, unglaublich schlechte “Video” des im Artikel thematisierten, offensichtlich völlig sinnfreien Vereines.
    Selten so was grottenschlechtes gesehen und gehört. Wenn das alles ist was ein mit 75k EUR p.a. bezahlter Vorstand und Assistent auf die Reihe bekommen – na Toll!

  • Christoph Sichler

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    Herr Kielhorn, volle Zustimmung!
    Lediglich bei der Sache mit dem Clown würde ich einen Schritt weiter gehen: Wolbergs frühstückt sicher keine Clowns. Er ist selbst einer. Ein eitler Clown.

  • Charlotte

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    Ich bin schon sehr verwundert, dass nicht sorgsamer mit unseren Steuergeldern umgegangen wird. Ändert sich denn das nie? Stadträte sind schließlich gewählt, um kritisch zu hinterfragen, Konzepte nachbessern zu lassen und nicht alles durchzuwinken und manchmal auch einfach abzulehnen.

  • R.G.

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    @KW
    Meinten Sie das Video zur Erzeugung von Klaustrophobie?
    Es wäre verbesserungswürdig – man könnte den Sichtstreifen noch viel , schmaler machen, mein Vorschlag geht auf 1 cm! ; )

  • Frauke M.

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    Dass lokale Online-Marktplätze im Allgemeinen und bei atalanda im Besonderen nicht funktionieren, ist längst allgemein bekannt ( https://t3n.de/news/vorerst-gescheitert-konzept-1216648 ). Nur bei Herrn Saar und seiner „Ingo Saar Consulting Marketing- und Managementberatung GmbH“ ist diese Erkenntnis ganz offensichtlich noch nicht angekommen. Es ist daher kein Wunder, dass Altstadtkaufleute dem Verein den Rücken zukehren und selbst Mitglieder aus der erweiterten Vorstandschaft hinter vorgehaltender Hand grenzenlosen Frust über den Herrn Geschäftsführer äußern. Aber Kritik kommt bei Herrn Saar leider gar nicht gut an. Schließlich ist er es, der der Stadt Geld aus dem Kreuz leiert.
    Auch die MZ hat es mit viel Geld und Aufwand nicht geschafft, ihr vormaliges Vorzeigeprojekt “Yatego Local” auch nur halbwegs zum Laufen zu bringen, weshalb es still und leise beerdigt wird. Und jetzt steht mit atalanda der nächste Rohrkrepierer mit Ansage am Start – nur diesmal wird´s für die teilnehmenden Läden richtig teuer. Und auch diesmal muss die Verkäuferin im Laden mit ihrem Handy schon wieder schlechte Fotos von Handtaschen machen, um diese auf den nächsten verhungerten Lokal-Marktplatz hochzuladen, für den sich kein Aas interessiert.
    Und dafür schon wieder Geld von der Stadt?

  • Hutzelwutzel

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    Es gibt so vieles in dieser Stadt, was schwer verständlich ist, wenn man es nicht in den historischen Kontext stellt. Die Altstadtkaufleute organisierten sich ursprünglich unter der Führung des Geschäftsführers des Bekleidungshauses Wöhrl als Sprachrohr und politischer Gegenpart zur Stadtverwaltung und zum Donaueinkaufszentrum. Zentrales Thema war die Verkehrspolitik. Deshalb wäre damals niemand aus diesem Kreis auf den Gedanken gekommen, städtisches Geld für die Arbeit zu erwarten. Wer Geld nimmt, kann nicht mehr unabhängig agieren. Von Anfang an waren nicht alle Altstadtkaufleute Mitglied im Verein, der Organisationsgrad lag bei höchsten 50%. Der Rückzug des Bekleidungshauses und des Kaufhofes als Finanzier veränderte die Arbeit des Vereins, war aber unter OB Meier und Schaidinger Ansprechartner für die Anliegen der Altstadtkaufleute. Besonders Schaidinger umarmte sie intensiv und benannte den Wissenschafts- Wirtschafts- und Finanzreferenten als Ansprechpartner und installierte mit dem vormaligen Leiter des Fremdenverkehrsamtes enen Altstadtkümmerer. Es stellt sich deshalb schon die Frage, warum darüberhinaus noch zwei Stellen des Vereins von der Stadt finanziert werden, Es kann wohl nur so sein, dass Wolbergs wieder einmal seinen Vorgänger übertreffen und seinem Freund und Parteigänger dem Buchhändler Strohmeier einen Gefallen erweisen wollte. Schaidinger hätte sich darauf wohl nicht eingelassen, zumal die Stadt auch noch den Verein Stadtmarketing fördert. Wo ist die Aufgabenabgrenzung beider Vereine.

  • Irmgard

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    Es ist natürlich nachvollziehbar wenn der „Alt-OB“ sich für sein Kind einsetzt.

  • Jakob Friedl

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    Die an Mitgliederzahlen gemessen schrumpfende Faszination Altstadt will „Sprachrohr“ und „Management“ für die Altstadt sein und nach Linzer Vorbild eine schlagkräftige Innenstadtorganisation. Der hochsubventionierte Verein scheint jedoch nur ein gut ausgestatteter und ineffektiver Selbstbedienungsladen für teure Werbegags und Relevanzattrappen des Vereinsvorstands zu sein. Es gab und gibt wohl für in der Altstadt Gewerbetreibende viele Gründe diesem Verein den Rücken zu kehren, die nicht in der Vorlage erwähnt sind. Fridays For Future war jedoch laut Vorlage ein Stresstest für den Zusammenhalt der Faszination Altstadt, denn „zu gegensätzlich ist die Auffassung unter den Gewerbetreibenden in der Altstadt, welche Einschränkungen ihres Geschäftsbetriebs sie unter dem Grundrecht auf Versammlungsfreiheit erdulden müssen.“ (vgl.VO/20/17049/66 Foto: https://ribisl.org/wp-content/uploads/2020/10/DSC00052.jpg ) Es ging hier wohl um die Menschenkette, die beim Klimaaktionstag 2019 für eine Stunde die Altstadt umspannte und für motorisierten Individualverkehr symbolisch sperrte.

    Am Dienstag zeigte sich in der Planungsausschusssitzung, wie viel der Faszination Altstadt nicht zugetraut wird:

    Im Rahmen der zwei Jahre dauernden 1,2 Mio € teuren Kanalsanarierungsarbeiten soll für 70 000 € eine Agentur beauftragt werden, die für die betroffenen Kaufleute und Anwohner Kommunikation und Marketing managt. Benedikt Suttner hat in der Sitzung angeregt dieses Geld VO/20/17010/65 direkt lokalen Akteueren, also z.B. Kreativen aus Regensburg, zur Verfügung zu stellen und vorhandene Infrastruktur zu nutzen, wie z.B. die in unmittelbarer Nachbarschaft bei Ingo Saar angesiedelte Faszination Altstadt (zwei Stellen), die zusätzlich noch über ein Budget für Straßenfeste verfügt. Auch vor dem Hintergrund, dass es sich bei den Baustellen in der Oberen Bachgasse um einen kleinen überschaubaren Bereich handelt, wäre es möglicherweise besser davon abzusehen eine auswärtige Agentur zu beauftragen. In Regensburg gibt es genügend Akteuere mit ortspezifischem Interesse und Wissbegierde, die sich rund um die Baustelle in der Oberen Bachgasse einbringen können, miteinander kommunizieren und die Öffentlichkeit auf vielfältige Weise über den Fortgang der Baustelle informieren, z.B. Kreativwirtschaft aus dem Degginger, der historische Verein, der Arbeitskreis Kultur, Kunstvereine, Nachbarn, Gewerbetreibende.
    Mit einem entsprechenden Honorar können auch ortskundige Kreative Kommunikation und Zusammenarbeit in der Oberen Bachgasse organisieren. Eigentlich jedoch fällt diese Aufgabenbeschreibung in die Alimentierung der Faszination Altstadt.

    Das für so eine Nachbarschaftsarbeit zusätzlich zur finanziell sehr gut ausgestatteten Faszination Altstadt, die zudem in der Vorlage damit angibt sich bei der Kommunikation rund um Altstadtbaustellen verdient gemacht zu haben, noch eine Agentur beschäftigt werden soll, erscheint mir auch als Geldverschwendung.
    Die Oberbürgermeisterin freute sich jedenfalls über Suttners Vorschlag Regensburger Künstler*innen miteinzubeziehen, und will dies zusätzlich realisieren. Sie sieht allerdings die städtische Pressestelle mit der zusätzlichen Aufgabe der Betreung der Bachgassenbaustelle überfordert. Das Planungsreferat schlägt in der Vorlage eben vor für 70 000 € eine Kommunikationsagentur zu beauftragen. Es wäre schön nach den lauwarmen und enttäuschenden Erfahrungen mit auswärtigen Agenturen mal etwas Neues zu probieren: Bürgerkultur.

    https://www.regensburg.de/rathaus/stadtpolitik/stadtrat/aufzeichnungen-der-stadtratssitzungen/oeffentliche-sitzung-des-ausschusses-fuer-stadtplanung-verkehr-und-wohnungsfragen-vom-29-09-2020
    Kanalsanierung der Oberen Bachgassen bei min 56:36.
    VO/20/17010/65

  • KW

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    @Irmgard
    Es wäre nur dann nachvollziehbar sich für dieses Projekt “einzusetzen”, wenn dasselbe auch einen Nutzen für die Stadt gebracht hätte. Im Falle des Geldverbrennens, mit einem Geschäftsführer samt Asisstent als einzigen Profitieuren, unterstreicht es einmal mehr die Unglaubwürdigkeit des von Ihnen angesprochenen Regensburger Lokalpolitikers.

  • KW

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    @R.G.
    Ich meinte das im direkt im Namen des Herrn Kielhorn verlinkte Video (auf den Namen das Kommentators klicken). Das ist noch mal zwei, drei Hausnummern grauenhafter als das am Ende des Artikels verlinkte.
    Das unsägliche Hochformat begründet sich wohl in der Annahme, dass es hauptsächlich auf Smartphones angeschaut würde.

  • R.G.

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    @KW
    Das Video meinte ich auch, mit den unsäglichen Hochformats-Bildern und den unmöglichen Bildausschnitten und der unerträglichen Musik.
    Für wie deppert hält man die Konsumenten?
    @Jakob Friedl
    Ich habe Ihren Beitrag gelesen und nur Bahnhof verstanden.Auch ihnen scheint nicht nahegebracht worden zu sein, wie das bei der Vorbildstadt Linz lief.
    Linz an der Donau hatte eine zentrale, in der Altstadt liegende Geschäftsstraße mit wenigen Bestverdienern, voran das gar nicht niederpreisige Kaufhaus Landa. Von diesem Geschäft ging die Initiative aus, eine starke Nachbarschaft der Gewerbetreibenden, über Parteigrenzen hinweg, zu organisieren. Man versuchte, als Gemeinschaft, als ganze lange Straße für Kunden aus einem weiten Einzugsgebiet interessanter zu werden. Es war und ist kein Jammerverein wegen Baustellen, sondern das Bemühen um Lösungen ohne ständige Beauftragung von Werbefirmen und Spezialisten, sondern eine mit Herzblut betriebene Sache. Neben der “Landstraße” mit den aufgrund der Initiativwerdung gestärkt auftretenden und gut verkaufenden Läden “verhungerten” und verkamen aber die Neben- und Parallelstraßen, also bezog man auch sie mit ein, ermunterte sie zu eigenen Konzepten und unterstützte sie (z.B. Herrenstraße). Errichtungen von Fußgeherzonen wurden von den Gewerbetreibenden angeregt, mehrtägige Veranstaltungen gewünscht und organisiert usw. Man wollte eine lebendige Stadt nicht nur für Touristen werden, sondern vor allem die eigenen Einwohner und die Einpendler der Arbeiterstadt ansprechen. Regensburg dagegen bemüht sich um die eigenen Bürger sehr wenig und die Angebote der Altstadt scheren sich nicht viel um die Bedürfnisse heimischer Kunden.
    Die Kaufleute aus der Chefetage waren sich in Linz nicht zu schade, die ganze Landstraße, Herrenstraße und bis in die älteste Altstadt selbst abzulaufen, um allen City-Ring Mitgliedern etwas mitzuteilen, deren Bedürfnisse zu hören, usw.
    Wenn diese Grundverbundenheit nicht gestärkt, sondern von einer Stadt noch bestraft wird, weil sie lieber eine Art Funktionär vorsetzen will und sich nicht willig fühlt, mit dem steuerzahlenden Mittelstand ohne Mittelsmann zu kommunizieren, wird das ein Kas. Da hilft dann die Beauftragung heimischer Künstler auch nichts, sondern verstört, wie man ständig noch mehr gutes Geld schlechtem hinterherwerfen kann.

  • wollenwissenwuppen

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    Mein Amazonkonto habe ich eröffnet, als es nicht durch Vorkasse, Versandgebühren, und und und, möglich war Bücher einer Reihe zu bestellen und nachhause geschickt zu bekommen. Viel besser wurde es dann auch nicht. Für Hausschuhe in der passenden Größe könne ich nächste Woche ja nochmal schauen, vielleicht sind sie dann ja dabei. Und während des Lockdowns lagen die Lieferzeiten für vorrätiges Spielzeug bei zwei Wochen.
    Neben der ganzen Faszination geht’s mir schon auch noch ums Bezahlen und Bekommen. Wenn man bei den großen mitschwimmen kann, kann man auch die eigenen Vorteile nutzen. Theoretisch sind Lieferzeiten unter einem Tag möglich, beim Essen klappts ja zum Glück schon.
    Wenn ich das Internet als Konkurrenten sehe und eigentlich auch keine Lust auf den Stress hab’, dann wird das nix.

  • Jonas Wihr

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    Liebe/r Hutzelwutzel
    Buchhändler stimmt, Strohmeier war’s aber nicht sondern mit “D” vom Kassians-Platz.

  • 'Wurstel

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    Sehr sehhr sehr traurig, was die Stadt an Geld “in die Donau schmeißt” und die Malz-Schwarzfischer zu allem was ihr vorgeschlagen wird (egal ob sinnvoll oder nicht) ja und Amen sagt und so unsere Steuergelder verschwendet.

  • KW

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    Ich denke Dombrowsky darf man ruhig ausschreiben ohne jemanden zu diffamieren. Er wird im Impressum auf der Homepage dieses ‘faszinierenden’ Vereines als 1. Vorsitzender genannt.
    Da kann man übrigens auch Nachlesen, dass das Konzept&Design der Homepage von einer Firma namens ‘Schwarzfischer’ Creativ GmbH erstellt wurde.
    Das ist ja hoffentlich nur eine zufällige Namensgleichheit mit einer anderen Lokalpolitikerin, nicht dass sich hier noch weitere Filz-Abgründe auftun.

  • Mr. T.

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    Keine Angst, KW, einen kreativen Schwarzfischer gibt’s nur einen, und der ist mehr für die Touristifikation Regensburgs (https://www.touristifikation.de) zuständig :-)
    Für die Fassbiernation Altstadt würde der nicht arbeiten …

  • Lutherer

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    Korruption mal anders herum – faszinierend. Früher hat man das direkt mit Freibier gemacht. Irgendwie war die staatsseitige Bestechung damals ehrlicher. Und das von dem Einen gottgleichen (nun) Postsozialdemokraten entwickelt. Tu Felix Regensburg

  • R.G.

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    Eine Frage ist, wie kommt man zu einer Schmalspurkopie des Linzer City Rings, eines eigeninitiativen “Rings”Gewerbetreibender der dortigen barocken und der mittelalterlichen Innenstadt, zweier sehr unterschiedlicher Umwelten? – Die parteigebundenen Begriffe Bund oder Verein wurden extra vermieden.
    (Gab es nicht beispielsweise in Linz einen Dombrowsky?- irgendwann gelesen, schon verschwitzt, eventuell war es ein Buchhändler). Bürgerfamilien Regensburgs siedelten sich seit der Biedermeierzeit gerne in der Altstadt der oberösterreichischen Hauptstadt an, genetische Verflechtungen gibt es viele zwischen dort und da.
    Wie immer wenn man Beispiele aus Linz oder Wien anführt, beschränkt man sich in Regensburg auf eine recht oberflächliche und verkürzte Darstellung, man möchte das Ergebnis replizieren, ohne den gemeinschaftlichen, anstrengenden Weg bis dorthin zu gehen.
    Was stört mich am Video?
    Online-Händler haben eine riesiggroße Auswahl, man kann in Ruhe vom Wohnzimmer aus bestellen, erhält viele Artikel am nächsten Tag zum Bestpreis mit Zustellerdiensten ins Haus.
    Ein Werbefilm sollte daher die Läden der Regensburger Altstadt ihr Angebot so umfassend als möglich darstellen lassen, um konkurrenzfäig zu wirken, statt dessen engt man das Bild extrem ein, sodass es aussieht, als hätten sie noch viel weniger Produkte als in Wirklichkeit. Punkten könnte man gegenüber Online mit persönlicher Beratung und Freundlichkeit, aber auch das bildet man überhaupt nicht ab. Ein Trumpf wäre Zustellung mit Radboten am gleichen Tag, auf Wunsch ins Büro, das bietet man nicht an; die Möglichkeit netter Geschenksverpackung des Gekauften zeigt man nicht; und einen Hinweis auf das haptische Erlebnis beim persönlichen Shoppen bringt man nicht unter.
    Völlig am Thema vorbei.
    Hätte man lieber echte Einzelhändler ihre Sachen darstellen lassen, und das in Webformat übertragen, statt Werbeleute zu beauftragen.

  • Mathilde Vietze

    |

    Ulrich Dombrowsky wird in Fachkreisen sehr wertgeschätzt. Er ist sach- und fach-
    kundig und trickst bestimmt niemanden in der Stadtverwaltung aus, nur um an
    Geld zu kommen.

  • Jakob Friedl

    |

    @Wurstel
    Ich setze mich als nicht stimmberechtigter Beobachter in alle Ausschüsse.
    Die Oberbürgermeisterin moderiert meiner Meinung nach sehr gut und steht konstruktiven Änderungsvorschlägen erfreulicherweise oft sehr wohlwollend gegenüber. Das Thema anschieben und darüber abstimmen muss jedoch der Stadtrat. Es lohnt sich bei Minute 2:59 mal reinzuhören, wie eine lange und inhaltlich interessante Debatte (hier über Förderungen für ein Smart City Modellprojekt in der PLK, die notwendige Einbindung von kritischen zivilgesellschaftlichen Organisationen und OpenSource) zuletzt reaktionär mit dem oberflächlichen Argument niedergebügelt wird, die Änderungsanträge seien überflüssig, dies alles sei Geschäft der operativen Verwaltung und ob man nicht endlich abstimmen könne. So läuft es leider oft.
    https://www.regensburg.de/rathaus/stadtpolitik/stadtrat/aufzeichnungen-der-stadtratssitzungen/oeffentliche-sitzung-des-ausschusses-fuer-wirtschaft-und-des-ausschusses-fuer-stadtplanung-verkehr-und-wohnungsfragen-vom-02-10-2020

  • Matthias Beth

    |

    Ich lese hier zum erstenmal als Regensburger Bürger, dass es diesen Verein gibt. In der Vergangenheit schient er nicht durch irgendeine Tätigkeit aufgefallen zu sein. Dei 3 x 75.000 EUR sind eine Verschwendung von Steuergeldern, mehr nicht!

  • xy

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    Das Geld für die „Faszination Altstadt“ ist genau so sinnvoll, wie das Geld, das Scheuer in das Maut-Projekt gesteckt hat. Die Unterstützung sollte man mindestens sofort streichen und gezahlte Beträge, wenn möglich, zurückfordern!

  • Jakob Friedl

    |

    Da es in der Altstadt offenbar sehr viel um´s Einkaufen geht und heute wieder einmal verkaufsoffener Sonntag ist, hier noch etwas zum Einzelhandelskonzept. Das Einkaufserlebnis Altstadt wird als bedeutender und permanent bedrohter Wirtschaftsfaktor für die Stadt dargestellt. Ich wage dies zu bezweifeln! Leute gehen gerne in die Altstadt. Auch ohne teure Imagekampagnen, Agenturen und aufwändige statistische Erhebungen, deren Ergebnisse zu guten Teilen kaum überraschen und den Ist-Zustand nur selektiv abbilden – und so wird es auch immer bleiben! Entscheidende Aufgabenstellungen betreffen meiner Meinung nach weniger den Umsatz der Kaufleute als die Lebensqualität und die Vermittlung von Umweltbewusstsein. Probleme sind überteuerte Mieten für Ladengeschäfte, seelenloser Leerstand als Abschreibungsmöglichkeit und die Entwicklung der Altstadt hin zu einer Art Einkaufszentrum mit Eventcharakter und Läden als Showcases. Weder darauf, noch auf das Einkaufsverhalten kann die Stadt Einfluss nehmen. Eine wichtige Einflussmöglichkeit der Stadt auf den Charakter ihres Herzstücks ist die Verkehrspolitik: Wie kommen die Leute in die Altstadt? Umweltfreundlich oder umweltverpestend?

    Die Bürgerbefragung des Einzelhandelskonzeptes zu den oberzentralen Einkaufsstandorten Altstadt, Regensburg Arcaden und Donau‐Einkaufszentrum wirkt auf mich tautologisch verblendet. https://www.regensburg.de/fm/121/einzelhandels-zentrenkonzept-regensburg-%20beteiligungsmodule.pdf

    Hier das 1. Ergebnis: Die Altstadt steht als oberzentraler Einkaufsstandort gut da.
    Frage: Kennen Sie auch die anderen oberzentralen Einkaufsstandorte?
    88% der in der Altstadt Befragten kennen die Arcaden und das DEZ
    89% der in den Arcaden Befragten kennen die Altstadt und das DEZ
    94% der im Donau‐Einkaufszentrum Befragten kennen die Altstadt und die Arcaden
    Ergebnis: Alle Einkäufer*innen kennen sich also gut aus.

    Es verwundert nicht: Beim „Lieblingsplatz“ dominiert der jeweilige Befragungsstandort. In der Zusammenschau aller Standorte liegt die Altstadt mit 31% jedoch vorne, allerdings dicht gefolgt vom Donau‐Einkaufszentrum mit 28% der Befragten. Ein Anteil von 24% stellt heraus, dass alle Standorte gleich wichtig sind und in Abhängigkeit vom benötigten Sortiment entsprechend besucht werden. Fahrradläden passen aber angeblich eher nicht in die Altstadt, eine Prognose, die in der Realität bereits widerlegt wurde. (vgl. Maxstraße und Kornmarkt)

    Auf Seite 27 ist zu lesen:
    43% der Regensburger*innen geben an, mit dem Auto zum Einkaufen in die Altstadt zu fahren.
    88% der Auswärtigen fahren mit dem Auto zum Einkaufen nach Regensburg.
    Dass 43% der Altstadt-Einkäufer*innen scheinbar keine alternativen Transportmöglichkeiten finden als das eigene Auto, finde ich erschreckend. Liegt es an der schlechten Infrastruktur oder der eigenen Bequemlichkeit oder einem Marketing, das immer noch zu wenig die Qualitäten einer autofreien Altstadt herausstellt? An diesen Gewohnheiten muss sich dringend etwas ändern!

    Hier die über 550 Seiten zum Einzelhandelskonzept. Viel Spaß beim Lesen und zahlreiche Erkenntnisse: https://www.regensburg.de/rathaus/aemteruebersicht/planungs-u-baureferat/amt-fuer-stadtentwicklung/entwicklungsplanung/aufgaben-und-projekte/einzelhandelskonzept

    Das fortgeschriebene Einzelhandelskonzept dient auch als Grundlage für das Parkraumkonzept Innenstadt, das leider sehr autozentriert ist.
    https://www.regensburg.de/rathaus/aemteruebersicht/planungs-u-baureferat/stadtplanungsamt/informationen-verkehrsplanung/parkraumkonzept-innenstadt

    Eine dringend benötigte Verkehrswende sollte zum Wohle Aller unabhängig von den Befürchtungen der Gewerbetreibenden in der Altstadt stattfinden können. Gerade die kleinen Geschäfte profitieren von einer fahrradfahrenden Kundschaft, wie sich in anderen Untersuchungen zum Einkaufsverhalten in anderen Städten gezeigt hat.

  • Qlando

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    Also bei allem Respekt, ich verstehe die Arbeit dieses Vereins nicht.

    Ich wohne in Regensburg, in der Nähe der Dult. Habe 5 Minuten in die Altstadt zu Fuß.

    Bin quasi jeden Tag geschäftlich in der Innenstadt und ich höre zum ersten Mal, dass es 1) diesen Verein überhaupt gibt oder 2) wann irgendwann ein verkaufsoffener Sonntag sein soll.

    Wie betreiben die eigentlich ihr Marketing? Verteilen die Flyer oder drucken was in der Mittelbayrischen?

    Der Altstadt-Zehner ist um ehrlich zu sein – auch ein Witz. Es würde besser laufen, wenn man % bekommt, z.B. 50 EUR aufladen, 5 € extra. Solange ich das 1:1 umtausche, macht das keinen Sinn und ist eigentlich nur Aufwand für so ziemlich alle.

  • R.G.

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    Zitat:. Joachim Wolbergs:
    “Der Verein sei die einzige Vertretung und einziger Ansprechpartner für die Stadt. Dieser habe „erfolgreiche Arbeit“ geleistet, „viele Mitglieder“ gewonnen und seinen „Job gut gemacht“. Und alles andere, irgendwelche Abspaltungen, seien eher „Eitelkeiten als sinnvolle Arbeit“.
    Aus Sicht eines Oberfunktionärs eines Großvereins mag es eine Versuchung sein, kleinere Vereine zu verunglimpfen. Es zeigt wahrscheinlicher als Kompetenz, eine schlechte Kinderstube.

    Geschäftsleute mussten immer schon und müssen täglich auf die Bedürfnisse der Kunden reagieren, macht man es wie in Linz, entstehen aus spontanen Bedürfnissen der Kaufleute heraus Solidaritätsgruppen ähnliche Verbindungen von Ladeninhabern mit dem Ziel, gemeinsam stärker zu werden, um neben den Stadtbewohnern noch mehr Stammkunden aus einem größeren Einzugsgebiet zu binden, und nach außen hin mit der Stimme vieler Anbieter auftreten zu können, zum Beispiel der Politik gegenüber. Diese Phase der Selbst-Findung bzw. -Positionierung mit Spott zu überziehen, zu bestrafen, würde eigentlich nur Menschen ohne wirkliche wirtschaftliche Begabung einfallen.

    Wie kann man den Erfolg eines Vereins – im Grunde erschaffen zur Belebung der Altstadtwirtschaft – daran messen wollen, wieviele Mitglieder er habe? So nach dem Motto, ich habe einen Laden, der ist ein Erfolg, es kauft zwar niemand, aber es spazieren täglich vierzig Fußgeher des Einheits-Pflichtvereins dran vorbei?
    Weia.

  • Jakob Friedl

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    @RG: Ein paar Worte zu den Regensburger Kaufleuten:
    Die nicht städtisch subventionierte Faszinationsabspaltung Regensburger Kaufleute haben zum Thema Autoverkehr in der Altstadt eindeutige Positionen, wie deren Homepage zu entnehmen ist: Keine Reduzierung der freien Parkplätze, keine weiteren Straßensperrungen, zwei Stunden kostenfreies Parken, Schaffung zusätzlicher Parkplätze und einfache Zufahrt zur Altstadt. Diese Ziele sind sogar mit dem ohnehin überaus autofreundlichen Parkraumkonzept-Innenstadt unvereinbar.

    Diese Partikularinteressen ein paar weniger Kaufleute stellen eine deutliche Gegenposition zu dem breiten gesellschaftlichen Konsens einer Verkehrswende dar. Es ist ja nachvollziehbar, dass hier Einzelne wirtschaftliche Überlegungen anstellen, dabei darf aber die Verantwortung aller für die Gesamtgesellschaft nicht außer Acht gelassen werden. Den besorgten Kaufleuten, muss die Angst vor einer Verkehrswende genommen werden, die nicht ohne eine Änderung der Gewohnheiten möglich ist. Es gibt sicherlich bereits jetzt schon weit mehr Geschäfte, die davon profitieren in einer autofreien Zone zu liegen, deren Kundschaft gar nicht auf besonders gute Erreichbarkeit mit dem Auto angewiesen ist, sondern im Gegenteil sogar die daraus folgende höhere Aufenthaltsqualität zu schätzen weiß. Die Altstadt und die angrenzenden Stadtteile werden ohne störenden Autoverkehr für Alle attraktiver. Die Qualitäten einer autofreien Altstadt müssen entsprechend herausgestellt und beworben werden.

    Eine konsequente Umsetzung des Radentscheids wird für die Stadtspitze eine schwierige Aufgabe, da unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden müssen – offenbar auch rückwärtsgewandte: So wurden vergangene Woche die Regensburger Kaufleute bei einem Ortstermin des Planungsausschusses zur Gestaltung der zukünftigen Fahradhauptroute Prüfeningerstraße einbezogen, Vertreterinnen des Radentscheids blieben bei diesem Ortstermin hingegen außen vor. Die Folge könnte eine „Kompromisslösung“ sein, die mehr gefährliches radwegkreuzendes Bürgersteigparken durch Kunden vorsieht. Ich hoffe allerdings, dass die pragmatischen Alternativvorschläge, die Günther Riepl am Dienstag im Planungsausschuss vorbrachte, hier Berücksichtigung finden: 40 Parkplätze aus der Südseite der Prüfeningerstraße könnten als Senkrechtparker auch in der Schillerstraße untergebracht werden. Die Kunden sollen eben etwas zu Fuß gehen.

    Ganz nebenbei: Vorhandene Park&Ride Angebote werden trotz deutlicher Anreize, z.B. inbegriffene Bustickets, bisher fast nicht wahrgenommen. Hier schafft nur eine konsequentere Bewirtschaftung und Reduzierung von sog. freien Parkplätzen Abhilfe. (vgl. autozentriertes Parkraumkonzept).

    Nur mal so. Am Emmeramsplatz im Sanierungsgebiet westlich der Bachgasse wird geprüft für angeblich nur 3 Mio € eine 8 stöckige Quartierstiefgarage zu bauen, die jedoch nur die Hälfte der Parkplätze des Emmeramsplatzes und des Ägidienplatzes aufnehmen kann. Ein Teil der ruhende Blechlawine verschwindet unter der Erde, die Stadtquerende Verkehrsbelastung durch dem MIV bleibt bestehen. Planungsausschuss 21.07.2020 TOP 10: VO/20/16839/61

  • R.G.

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    Herr Friedl, könnten Sie das Ganze noch einmal, aber beinahe ohne Fremdworte und in einfacher Sprache sagen?
    Das ist Expertenkauderwelsch.

  • R.G.

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    Herr Friedl, Sie könnten ja wertschätzend schreiben, 40 Kaufleute /Gewerbetreibende etc. möchten unbedingt, dass die Autos weiterhin nahe zu ihren Geschäften hinfahren können, sie wissen nämlich, in anderen Städten konnten sich die kleinen Läden in den Fußgeherzonen nicht halten können, weil …

    Steigt einfach alle mal vom hohen Ross runter!
    Und dann sucht Lösungen der Art :
    Wir wollen ein Innenstadt, in der sich kleine Läden halten können, die eigenen Bürger, die Arbeiterschicht, gern gesehene Kunden werden und ohne Autos dennoch Laufkundschaft sind.
    Was muss die Politik tun, um das zu ermöglichen?

  • Mr. T.

    |

    Wie so oft in Regensburg wird das Pferd hier wieder arschlings aufgezäumt. Die Stadt muss sich mit jeder Interessensvertretung aus den Reihen der Geschäftsleute auseinander setzen und nicht eine solche selbst installieren und diese dann zur exklusiven Interessensvertretung erklären, während alle anderen außen vor bleiben. Konsequenterweise sollte es auch nicht nur eine Interessensvertretung geben, sondern mehrere, da die Interessenslagen verschiedener Branchen zu unterschiedlich und teilweise auch konträr sind, als sie unter einen Hut zu quetschen.

    Anstatt so einen müßigen Manager zu bezahlen, wäre das Geld viel besser angelegt, wenn man damit eine kleine Flotte Lastenfahrradkuriere aufbaut, die kostenlos Einkäufe, welche man nicht mehr so einfach schleppen kann, nach Hause oder zu den Autos in den Parkhäusern außerhalb der Altstadt bringt. Genauso können sie auch Koffer von Hotelgästen in den Altstadthotels spedieren. Da gäbs sicher noch einige gute Ideen.

    Ich möchte an dieser Stelle noch mal ein Lob an den wohl fleißigsten Stadtrat in Regensburg loswerden. Der setzt sich auch noch in seiner Freizeit in jeden Ausschuss rein, frisst sich durch Papierberge und arbeitet für seine Aufwandsentschädigung wohl mehr für die Bürgergeschaft Regensburgs als die meisten Arbeitnehmer für ihre Arbeitgegber. Er erklärt hier und in anderen Medien den Bürgern seine Arbeit und die Hintergründe der Entscheidungen. Und jetzt hab ich noch nicht mal von der Qualität seiner Arbeit gesprochen. Sicher mag der Störenfriedl einigen Regensburgern zu progressiv, zu ökologisch, zu solidarisch, einfach zu gutmenschlich sein. Aber ich denke, dass er bei immer mehr Bürgern gut ankommt, wenn sie langsam die Ernsthaftigkeit seiner Arbeit bemerken. So viel zum “Spaßwahlkampf” und der “Spaßpartei”. Viele anderen haben zwar einen “ernsten Wahlkampf” gemacht, liefern aber jetzt eine lächerliche Arbeit ab. Der hält allen den Spiegel vor. Solche Menschen bräuchten wir mehr im Stadtrat!

  • R.G.

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    @Mr.T.
    Danke für Ihren Beitrag, Sie haben mit den unterschiedlichen Interessenslagen und der Fahrradflotte den Kern getroffen!

  • XYZ

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    Viel Lärm um nichts: beerdigt endlich die Freundels- und Vetterles-Wirtschaft, je früher desto besser, nur herausgeschmissenes Geld, Wolbergs lässt grüssen. Da braucht es andere Ideen, zumal in Corona-Zeiten.

  • Lutherer

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    Was ist denn hier los? Geld wird an einen Ingo-SAR-Rentenverein ausgegeben, die CSU haut nicht drauf, die SPD unterstützt damit weiter Wolbergsche Ideen, kielhorn Haut auf den Putz und Friedl schimpft auf Meinungs-Minderheiten. Die Stadträte behaupten, sie können nichts machen – nein, sie machen einfach nichts, weil sie alle die Hosen voll haben ( außer Kielhorn), wenn nicht vor der eigenen Fraktion, dann eben vor der Verwaltung – Hasenfüße alles duckmäuserische Hasenfüße. Aber schuld ist eben doch der Wähler: Gewählt ist eben gewählt

  • Mathidle Vietze

    |

    Zu “Lutherer ” – Es wäre glaubwürdiger und mutiger, wenn Sie Ihren Unmut bei
    einem Bürgergespräch den Verantwortlichen d i r e k t sagen würden. Ob Sie
    dann auch noch so ein Vokabular verwendeten täten?
    Wie sagt der Volksmund so trefflich “Jeder Hund bellt in der eigenen Hütte laut.”

  • Ureinwohner

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    Ist ja super! Ich Gründe sofort den Verein der Altstadt Bürger.Wer macht mit? Und welchem Stadtoberhaupt muss ich in den Ar… ähm meint bei welchem muss ich mich freundlich melden um anschließend die exklusiv Rechte dafür zu bekommen ab sofort das einzige exclusive Sprachrohr der Altstadtbüger und deren Belange zu sein und obendrauf dafür noch 75000€ jährlich zu bekommen? Ach ja Bewerbungen für meinen persönlichen Assistenten nehme ich ab sofort gerne entgegen.

  • David Liese

    |

    Sich “Interessenvertretungen” heranzuziehen, die im wesentlichen unkritische Beratungsgremien des OB sind und eben nicht die Interessen der Vertretenen auch mal gegen Positionen der Stadt artikulieren, war ja gerade ein Modell Joachim Wolbergs’ als Oberbürgermeister (siehe auch die Genese des “Kreativforums”). Dass er diese Organisationen heute noch vehement verteidigt, ist verständlich, sind sie doch verbliebene Beweise für seinen Rückhalt in den entsprechenden Teilen der von ihm ebenfalls gern zitierten “Stadtgesellschaft”. Dass “Kreativforum” und “Faszination Altstadt” eben bei weitem nicht die Interessen aller Kreativschaffenden im Stadtgebiet bzw. aller Altstadtunternehmen vertritt – vermutlich nicht einmal die der Mehrheit – fällt da schnell hinten runter.

  • Lutherer

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    Naja Frau Vietze, meine Funktion ist Wähler und dieser bin ich gerecht geworden. Insbesondere in der Hoffnung meine Vertreter würden den Verwaltungslöwen bändigen. Aber das schafft man leider zahnlos nicht. Obwohl ich mit Ihrer politischen Sicht absolut nicht konform gehe, meine ich, dass Sie mit Ihrer gefestigten Einstellung im Stadtrat der Verwaltung nicht nur spitze Zunge sondern auch Zähne zeigen würden. Das ewige abnicken von Beschlussvorlagen wäre ihnen bestimmt zu langweilig. Aber auf Grund der Listendemokratie sind Sie wahrscheinlich zu unbequem. Und: genau das habe ich bei einer Bürgerversammlung mit genau diesem Wortlaut gesagt. Mir stinkt das alles nur gehörig!

  • Mathilde Vietze

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    Sehr geehrter Herr Lutherer, der momentan staatlich verordnete Maulkorb hat
    bei mir den Vorteil, daß man die Haare auf den Zähnen nicht sieht.

  • Martin Köstlbacher

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    Nur am Rande, aber ich möchte es loswerden: Hut ab, Jakob Friedl, für die fundierten, verständlichen und konstruktiven Beiträge! Das Stadtratsdasein tut dir ganz offensichtlich gut. Weiter so!

  • highwayfloh

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    Ich möchte den Begriff “Faszination Altstadt” aufgreifen und zugleich die Frage stellen: “_Was_ ist denn (noch) faszinierend in / an der Altstadt?”

    Ich kann mich noch erinnern als es das Käsehaus “Zirngibl” gegeben hat. Waren im Sommer die Türen offen, dann roch man es bis in die Maximilianstraße, spätestens beim “Woolworth”, damals. Genauso der kleine Milchladen, der dann verschwunden ist in der Tändlergasse und ein gehobenes Restaurant Einzug gehalten hat. Viele dieser kleinen “altmodischen” Läden / Dinge sind verschwunden, weil man es lukrativer emfpunden hat auf den Mainstream “Gewinnmaximierung um jeden Preis” aufzuspringen, auch was den Massentourismus anbelangt. Wer sich noch erinnern kann, was zu Kindheitszeiten ein Brastwurstkipferl an der Wurstkuchl gekostet hat und es mit den jetzigen Preisen vergleicht, dem wirds grausen.

    Faszination macht doch gerade das aus, was es nach den Theorien der Zukunfts-, Wirtschafts- und sonstiger Forscher einfach nicht mehr geben darf und geben soll, weil es angeblich “überflüssig” ist. Was nützt mir eine ach so “hippe” und moderne Regensburger Alststadt, wo bei einigen Geschäften nur noch die Gebäude-Fassade pro Forma erhalten wurde, aber das “Innenleben” des Ladens “tot” ist, da bieliebig durch jegliche Filialketten austauschbar, wie in anderen Städten Deutschlands auch. Leider! Das was die Faszination Alststadt, wie ich es in meiner Kindheit und Jugend empfunden habe, ausgemacht hat, war eben genau dieses “alte”: der kleine verwinkelte Laden, wo man sich noch nach Herzenslust “durchgruschen” konnte und vor allen Dingen auch durfte!

    Vielleicht denken ein paar Leute mal drüber nach, dass es nicht immer bunter,greller, flippiger usw. sein muss…. ganz im Gegenteil! Unsere Welt ist mittlwerweile zu durchgetaktet und perfektioniert worden, dass es meiner Meinung nach ein entsprechendes Gegengewicht braucht, damit sich die Seele und der Geist regenerieren kann. Dies sollte man meiner Meinung durchaus Bezüglich zukünftiger angedachter Entwicklungsbestrebungen berücksichtigen.

  • Günther Herzig

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    Wenn die Altstadt schon autofrei bleiben soll, weil natürlich auch jeder PKW , solange er sich in der Innenstadt befindet, Platz (verbraucht, die PKWs der Anwohner nicht einfach vertrieben werden können, müssten kleine bewegliche Shuttlebusse, etwa auch wie Taxis, die nach Belieben anhalten und angehalten werden können., dafür sorgen, dass alle in die Innenstadt kommen können. Es ist ja nicht so, dass jeder Besucher körperlich so mobil ist, dass er längere Strecken, belastet auch mit dem Einkauf, machen kann. Und diese Fahrten dürfen nichts oder so gut, wie nichts, kosten.

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