„Wen Gott liebt, den züchtigt er.” An diesen Spruch kann sich Thomas Bauernfeind (Name geändert) immer noch erinnern. Was die „Barmherzigen Schwestern” dem heute 51jährigen in einem Regensburger Kinderheim angetan haben, würde das Bistum wohl mit dem eigens geschaffenem Euphemismus „pädagogischer Übergriff” bezeichnen. Bis zum Alter von 14 Jahren war Bauernfeind ein Heimkind in der Ostengasse. Eines von mehreren Heimen in Regensburg, die im Zuge der Missbrauchsfälle bei den Domspatzen nun auch in den Fokus rücken. Thomas Bauernfeind hat mit unserer Redaktion über den jahrelangen Albtraum gesprochen.
„Meine Mutter hat mich mit drei Monaten dorthin abgeschoben. Sie war überfordert und dachte wohl, christliche Erziehung sei das Beste für mich.” Die Folgen dieser christlichen Erziehung spürt Bauernfeind bis heute – körperlich und psychisch. Als kleiner Junge hat er öfter ins Bett gemacht. Jeden Morgen setzte es dafür Schläge ins Gesicht – mal mit der flachen Hand, aber auch mit der Faust. Dann musste er das Bettlaken von Hand mit kaltem Wasser waschen. Andere Heimkinder sahen dabei zu. „In der Hierarchie bist du da ganz unten.” Oft habe er nächtelang nicht geschlafen, um nicht ins Bett zu machen, erzählt Bauernfeind. Bis vor wenigen Jahren wachte er noch schweißgebadet auf – aus Angst vor den Nonnen.
Auf einem Ohr ist Bauernfeind heute fast taub – Folge einer eitrigen Mittelohrentzündung, die von den Barmherzigen Schwestern jahrelang ignoriert wurde, aber auch der Schläge, die er immer wieder auf das Ohr bekam. „Weil ich nicht zuhöre, hat Schwester Amada dann öfter gesagt.” Es ist nicht die einzige Verletzung, die er bis heute spürt.
„Die Schwester hat mir den Mund aufgedrückt oder mir solange ins Gesicht geschlagen bis ich ihn aufgemacht habe.
Dann hat sie mir das Erbrochene hinein gestopft. ”
„Die haben zugeschlagen wie die Narrischen. Beim geringsten Anlass.” Fast täglich hätten sich die Buben in einer Reihe aufstellen müssen. Dann wurde mit dem Rohrstock auf den Hintern geprügelt. „Oft bis er abgebrochen ist.”
Mehrfach wurden er und andere Kinder gezwungen, ihr Erbrochenes zu essen. Thomas vertrug keinen Käse, aber: „Gegessen wurde, was auf den Tisch kommt.” Er erbrach sich. „Zwei Jugendliche mussten mich dann festhalten. Die Schwester hat mir den Mund aufgedrückt oder mir solange ins Gesicht geschlagen bis ich ihn aufgemacht habe. Dann hat sie mir das Erbrochene hinein gestopft. Mehrmals hintereinander.” Immer wieder sei das passiert. Das erste Mal als er sechs war.
Als Zehnjähriger flüchtete Bauernfeind aus Angst vor einer Nonne, Schwester Amada, auf den Balkon und fiel aus drei Metern Höhe auf den Betonboden. „Schon als ich noch am Boden lag haben die Nonnen auf mich eingeprügelt.” Erst als ein neuer Heimleiter kam, sei es etwas besser geworden. „Zugeschlagen haben die Schwestern aber bis zuletzt. Erst Mitte der 70er wurden sie nach und nach ausgewechselt.”
Fälle wie die von Thomas Bauernfeind gibt es zu hunderttausenden. Der Verein ehemaliger Heimkinder (VEH e.V.), größter Betroffenenverband in Deutschland, beziffert die Zahl der Opfer auf mindestens 500.000. „Wir reden hier nicht nur von Fällen in den 50er und 60er Jahren”, sagt Vorstandsmitglied Dirk Friedrich. „Das reicht mindestens bis in die 80er und es ist bis heute nicht vorbei.” Kinder und Jugendliche wurden als billige Arbeitskräfte zum Torfstechen oder auf Bauernhöfen, selbst in Steinbrüchen ausgebeutet. „Da reden wir noch gar nicht von den Menschrechtsverletzungen, Prügeln, Demütigungen und sexuellem Missbrauch.” Therapien würden von den Krankenkassen oft nicht bezahlt, von den Kirchen oder dem Staat finanzierte Angebote gebe es nicht. „Wir bekommen keine Hilfe.”
„Ich wollte selbst recherchieren,
aber angeblich sind meine Akten nicht auffindbar.”
Es gab bundesweit rund 3.000 Heime, der übergroße Teil davon in kirchlicher Trägerschaft. Ein dafür eingerichteter runder Tisch entpuppt sich zunehmend als Farce. Lediglich drei Betroffenenvertreter sitzen in dem mehr als 20köpfigen Gremium. Ihren Rechtsanwälten wird die Teilnahme verweigert. Ohnehin ist der Runde Tisch eine strikt freiwillige Einrichtung – einklagbare Ansprüche ergeben sich daraus nicht. „Das ist ein rechtsfreier Raum”, sagt Friedrich. Ende des Jahres soll von dort nun eine Empfehlung an den Bundestag kommen.
Thomas Bauernfeind hat sich seine Erlebnisse in vielen Gesprächen mit seiner Partnerin von der Seele geredet. „Seitdem geht es mir besser. Vorher hat keine Beziehung lange gehalten. Ich bin immer wieder in ein tiefes Loch gefallen.” Ein anderer Betroffener, den er aus der Zeit kannte, habe Selbstmord begangen. „Einige sitzen heute im Knast. Andere sind schwere Alkoholiker.” Er engagiert sich mittlerweile selbst im VEH und hat einen Rechtsanwalt beauftragt. „Ich wollte selbst recherchieren, aber angeblich sind meine Akten nicht auffindbar.”
„Wie soll ich zur Kirche Vertrauen haben?
Ich melde mich doch nicht bei den Tätern.”
Seit Donnerstag hat das Bistum Regensburg nun eine Beauftragte für Gewaltopfer eingesetzt, bei der sich Betroffene melden sollen. „Das ist völlig verrückt. Wie soll ich zur Kirche Vertrauen haben? Ich melde mich doch nicht bei den Tätern”, sagt Bauernfeind. „Jetzt so zu tun, als hätte man das alles nicht gewusst, ist der Gipfel der Scheinheiligkeit.” Die prügelnden Nonnen wurden nie belangt. „Uns Kindern hat niemand zugehört.”
Wie die katholische Kirche in Regensburg mit dem Thema umgeht, zeigt ein weiteres Beispiel: Bereits im vergangenen Jahr meldete sich ein Betroffener, der im Kinderheim St. Leonhard geprügelt und gedemütigt wurde, in der Mittelbayerischen Zeitung zu Wort. Eine Gewaltbeauftragte gibt es, wie erwähnt, seit gestern.






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Nein er hat nicht voll und ganz Recht, da sich dieser Skandal um ehemalige Heimkinder keineswegs nur auf katholische Einrichtungen bezieht.
Das war in evangelischen Einrichtungen nicht anders.
Das geht doch nun seit mindestens 2 Jahren ausgiebig durch die Presse, Bundestag, Runder Tisch……., aber kaum jemand weiß wieder mal davon, na ist das nicht erstaunlich!?
Wenn schon, dann geht es definitiv um c h r i s t l i c h e Erziehungspraktiken, die die Kirchen nun mal seit Jahrhunderten im sog. christlichen Abendland in der Hand haben, insbesondere natürlich in sog. caritativen (!) Einrichtungen, und in Deutschland ohne Unterbrechung bis heute und in solchen Einrichtungen immer noch überwiegend.
Um die Erziehung in evangelischen Einrichtungen sorgt er sich aber anscheinend gar nicht, der Herr Datko, wie kann das sein?
Meint er Luther hätte nicht an Teufel und Hölle geglaubt?
Da irrt er.
Egal
Umsonst(!) informieren aber ausnahmsweise mal gründlich:
http://www.vehev.org/
http://www.vehev.org/Lebensberichte%2016.html
Und um historisch mal so ein klein wenig einen Überblick über diese Art Erziehung und deren Verbreitung zu erhalten, das immerhin geht so weit bei diesem runden Tisch:
http://www.rundertisch-heimerziehung.de/documents/RTH_Zwischenbericht.pdf
@Peter Sturm
im Gegensatz zu Ihnen hat Herr Datko in diesem Forum einen Kommentar mit Inhalt verfasst,
und unter der Vorraussetzung daß Herr Datko die Erziehung in Katholischen Institutionen meint, hat er ja auch voll und ganz Recht.
@Frommer Christ
‘Weltoffen’ sein, aber hinter Klostermauern leben?
Da komme ich nicht mehr mit.
Seit wann versteht ein Brunnenfrosch etwas vom Ozean?
Man muß sich vor Augen halten, warum solche
Abscheulichkeiten geschehen konnten.
Damals, als die Leute (was ja “gottgewollt” war)
noch 10 – 15 Kinder hatten, wurden die Mädchen,
die man nicht “an den Mann bringen” konnte,
gegen ihren Willen ins Kloster gesteckt.
Da muß man sich nicht wundern, wenn diese
Frauen der Wut auf die vorenthaltene Lebens-
freuden auf menschenverachtende Weise ein
Ventil verschafften.
Wenn heute eine junge Frau ins Kloster geht,
tut sie das aus Überzeugung.
Ich kenne viele Ordensfrauen, die oft viel welt-
offener sind, als diejenigen die “außerhalb der
Klostermauern” leben.
@datko
“Ich kann vor katholischer Erziehung nur warnen!”
lieber herr datko,
merken sie eigentlich nicht, dass sie mit ihren stumpfsinnigen wiederholungen
jedes forum kaputt machen.
bitte machen sie mal für zwei monate pause.
Ich kann vor katholischer Erziehung nur warnen!
Wenn ich mir das verschrobene Weltbild mit Teufel und Hölle anschaue, dann kann ich nur jedem Katholiken raten auf Abstand zu gegen.
Die Priester arbeiten mit Zuckerbrot und Peitsche, um von der Gesellschaft finanziell versorgt zu werden. Das Zuckerbrot gibt es im katholischen Himmel, die Peitsche in der katholischen Hölle.
Man kann relativ einfach die Kirche verlassen. Regensburger können dies beim Standesamt gegen eine Gebühr von 25 Euro unbürokratisch machen. Den Ausweis bitte nicht vergessen. In Regensburg waren es im März bis zum 10. schon 31 Katholiken, die der Kirche den Rücken gedreht haben.
Siehe:
http://www.mittelbayerische.de/index.cfm?pid=3088&pk=531469&p=1
Für Menschen, die nur noch mehr aus Gewohnheit dabei sind, ist es jetzt ein idealer Zeitpunkt. Es wäre schön, wenn wir im März die 100 voll bekommen würden.
Überzeugte Katholiken könnten die katholische Kirche unter Druck setzen und finanzielle Entschädigungen für die Opfer verlangen. Als Mitglieder sollten sie Einfluss haben.
Bitte eintragen!
http://www.opferverband.de