SOZIALES SCHAUFENSTER

Risikogebiet Flüchtlingsunterkunft

Beim Infektionsschutz sind nicht alle Menschen gleich

Die Lage in den Ankerzentren und Gemeinschaftsunterkünften ist in Zeiten von Corona für Geflüchtete besonders gefährlich. Am Mittwochabend diskutierten darüber Vertreter von BI Asyl und Campus Asyl im Rahmen einer Videokonferenz mit etwa 20 weiteren Teilnehmern. Initiiert wurde die Videokonferenz von der bayerischen Bundestagsabgeordneten Eva-Maria Schreiber. Der Ausbruch in einer Regensburger Flüchtlingsunterkunft macht das Thema besonders aktuell.

Die Flüchtlinge im Quarantäne-Bereich fühlen sich schlecht informiert und haben Angst. (Screenshot aus unserem Video.)

„Die Dieselstraße 3 ist eine tickende Bombe kurz vor der Explosion.“ Mit diesem Bild meldet sich Colins am Mittwochabend in einem Brief zu Wort. Eigentlich wollte er persönlich an der Videokonferenz der bayerischen Bundestagsabgeordneten der Linkspartei Eva-Maria Schreiber teilnehmen. Doch seit Dienstag steht die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete (GU), in der Colins lebt unter Quarantäne.

Wie regensburg-digital bereits berichtete sind aktuell mindestens 37 der insgesamt 289 Bewohner der GU in der Dieselstraße 3 positiv auf Covid 19 getestet worden. In dem Brief, den ein Mitglied der BI-Asyl während der etwa einstündigen Videokonferenz verliest erklärt Colins: „Negativ Getestete werden mit positiv Getesteten in den gleichen Räumen gehalten.“ Informationen würden zudem erst verspätet weitergegeben werden.

Dass viele der Informationen rund um COVID-19 teils sehr verzögert oder teils auch nur auf deutsch ausgegeben würden sorgt bei Gotthold Streitberger von der BI-Asyl für Unverständnis. „Da wurde vor einigen Tagen ein wichtiges Informationsblatt nur auf Deutsch ausgegeben. Die Leute haben uns dann gefragt ´What does this mean?´. Unfassbar.“

“Traurige Bestätigung unserer Befürchtungen”

Gerade die zentrale Unterbringungspraxis „auf meist engstem Raum“ prangert die BI-Asyl immer wieder an. Als nun die Infektionsfälle in der Dieselstraße bekannt wurden war das aus Sicht der Regensburger Bürgerinitiative nur die „traurige Bestätigung dessen was man befürchtet hatte“, wie Streitberger anklagt. Seit Wochen fordern Verbände in ganz Deutschland, die Unterbringung von Schutzsuchenden in zentralen Unterkünften zumindest vorübergehend aufzugeben. „Warum nutzt man nicht die derzeit leerstehenden Hotels und vorhandene Wohnungen“, so der Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrates weiter.

Von einer „erschreckenden Beschreibung Colins“ spricht dann auch die Bundestagsabgeordnete Eva-Maria Schreiber. „Vor allem wenn man bedenkt, dass uns täglich erklärt wird, Abstand zu halten.“ Sobald sie die Möglichkeit bekomme werde sie vor Ort die Menschen besuchen und sich über die Situation informieren.

“Geflüchtete sind besonders gefährdet”

Ihr Parteikollege Thomas Lechner ist „fassungslos“ über die derzeitige Lage. Vor wenigen Tagen starben in der Landeshauptstadt ein 26 und ein 35-Jähriger Geflüchteter an den Folgen von COVID-19, wie der Münchener Stadtrat berichtet. „Viele Geflüchtete sind auf Grund ihrer seelischen und körperlichen Verfassung zu den besonders gefährdeten Personengruppen zu zählen“, meint Lechner und fordert: „Die Kommunen sind hier in der Pflicht sofort eine Lösung für die menschenverachtende Situation zu finden.“

Zwar habe die Politik schon recht früh freiwillige Tests angeboten und auch zwei Isolierstationen im Ankerzentrum in der Zeißstraße eingerichtet, hält Dennis Forster, Mitglied im Vorstand von Campus Asyl, fest. „Aber auch die Verdachtsfälle werden dann wieder in Mehrfachzimmern untergebracht.“ Dadurch setze man Menschen zusätzlich der Ansteckungsgefahr aus. Daher kommt Forster auch zu dem Schluss, „dass in Sachen Gesundheit und Infektionsschutz nicht alle Menschen gleich zu sein scheinen. Für die Allgemeinbevölkerung gelten andere Standards als für die Geflüchteten in den Sammelunterkünften. Das ist menschenunwürdig.”

Für eine dezentrale Lösung

Ohne einer „vernünftigen dezentralen Lösung“ könne man das Problem gerade auch in den Gemeinschaftsunterkünften wie der Dieselstraße auf Dauer nicht in den Griff bekommen, darin sind sich Forster und die übrigen Teilnehmerinnen einig.

Im Zusammenhang mit dem Ausbruch in der Dieselstraße haben wir erneut mehrere Anfragen an die zuständige Regierung der Oberpfalz gestellt. Sobald wir neue Informationen erhalten werden wir hierzu weiter berichten.

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Kommentare (7)

  • Naomi

    |

    Mit der ‚vernünftigen dezentralen Lösung‘ wird’s vermutlich nichts so schnell. Die bisherigen Lösungen waren auch nur schnell gestrickt. Eile mit Weile für Alle?

  • Josch

    |

    Es ist frappierend wie selbstverständlich wir die Menschen außerhalb unseres Kulrurkreises in ihrer Existent geringschätzen.
    Wir sind Weltmeister in Todeszahl, dafür können wir uns auf die Schulter klopfen. Folgeschäden in den Ländern die für uns z.B. unsere Bekleidung nährn- egal- Sozile Folgen? Nicht unser Thema! Fürsorge in Flüchtlingslagern? Nicht leistbar.
    Die Moral als Maßstab des Handelns in der Coronakrise wird ganz groß geschrieben. Hiezulande-hiezulende entet bereits in der Dieselstraße 3.

  • joey

    |

    Für die Integration von Asylsuchenden sind Heime sowieso nicht schlau (ganz ohne Corona). Nachweislich sind dort auch Täter drin, die dort Christen oder Säkulare terrorisieren. Jeder konnte sich seine Identität als Selbstauskunft bestimmen, eine Einladung an alle, die untertauchen wollen.
    Es geht mir hier nicht um die Täter, sondern um deren Opfer, die ein selbst bestimmtes Leben verdient haben und sich am Besten in kleinen Gruppen integrieren können.

    Die Heime sind sowieso Mist.

  • Hartnäckig

    |

    na ja, da legt sich jeder das so zu Recht, wie es in seine Welt passt.
    Diejenigen, die das Coronaproblem allein in der Zimmerbelegung sehen, wollen natürlich nicht die “Sünden” der Asylbewerber sehen.
    Trotz Corona wurde fleißig Fussball gespielt und gegen das Abstandsgebot verstossen ! Oder war Fußball innerhalb der Asylbewerberunterkünfte nicht verboten ?

  • Ralf

    |

    @joey
    Nachweislich sind dor auch christliche und säkulare Täter drin, die Muslim*innen und Hinduist*innen terrorisieren.

  • Julian86

    |

    Ralf und Joey: Was bedeutet euch das Wort “Terror”? Mit dem ihr hier so leicht-fertig umgeht? Egal von welcher Warte aus?

    “Terror” ist sein Ge- und Missbrauch nicht seit 9/11 global die Große Erklärung für Kriege, Raubzüge, Aushebelung der Bürgerrechte, Schürung von Ängsten? Und ja: Auch Ausgrenzung und Diskriminierung von Andersdenkenden, Andersgläubigen?

    Wie definiert sich “Terror”? In Deutschland? Im Trump-Land? Im Nahen Osten?

    Ist der Gebrauch des Wortes “Terror” nicht ein Platzhalter? Für wen? Wofür?

  • joey

    |

    @Julian
    es geht um Leute, die den Islam als Religion streng auslegen und zur verbindlichen Lebensregel für “alle im Haus” erklären. Das betrifft vor allem die Frauen und die Zeit des Ramadan.

    Zum Thema zurück: in Heimen gibt es keine Individualität. Das ist ein Problem, das weit über Corona hinausgeht.

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