Bistum und Wahrheit

„Nachdem er sein Geld bei den Dirnen verprasst hatte, kam er zu seinem Vater zurück, der ihn freudig wieder aufnahm.” Am heutigen Sonntag war es Generalvikar Michael Fuchs vorbehalten, den Gottesdienst im Regensburger Dom zu zelebrieren. Es war an Fuchs, das Gleichnis vom verlorenen Sohn zum zentralen Thema seiner Predigt zu machen. Es war an Fuchs, den Gläubigen zu raten, es immer wieder zu lesen, dort gebe es „noch so viel zu entdecken”. Und es war Fuchs, der es für Müller übernahm, das beharrliche Schweigen zu anderen Entdeckungen, der wachsenden Zahl von Prügel-, Demütigungs- und Vergewaltigungsopfern in Einrichtungen der Diözese, fortzusetzen. Dass all dies von den Regensburger Domspatzen umrahmt wurde, in deren Reihen es mindestens bis in die 90er zu Vergewaltigungen gekommen ist, machte die Szenerie umso bizarrer. Immer bizarrere Verhaltensweisen legt auch Fuchsens Dienstherr, Bischof Müller, an den Tag. Müller scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, die Regensburger Diözese bundesweit bekannt zu machen. Nicht durch eine vorbildliche und rückhaltlose Aufklärung der Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen, sondern durch Nazi-Vergleiche, Falschaussagen und Hasstiraden Heute hat er sich dafür ein Ultimatum der Humanistischen Union (HU) eingefangen. Hintergrund sind Aussagen des Bischofs gegenüber der italienischen Zeitung „La Stampa”. Müller griff darin Justizministerin Sabine-Leutheusser-Schnarrenberger an, die es in der Vergangenheit gewagt hatte, den mangelnden Aufklärungswillen innerhalb der katholischen Kirche zu kritisieren. Das lässt sich Müller nicht nachsagen. Schon gar nicht von einer konfessionslosen Frau. Da trifft es sich gut, dass Leutheusser-Schnarrenberger Beirätin der Humanistischen Union ist. Und so verstieg sich der Regensburger Kirchenfürst zu der Aussage: „Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ist Mitglied einer Vereinigung nach Art der Freimaurer, die Pädophilie als eine normale Sache darstellt, die straffrei zu stellen ist; daher kann sie uns nicht kritisieren.“ Und generell: Deutschland habe andere Probleme als Missbrauchsfälle die 40 bis 50 Jahre zurück lägen. „Die Vergangenheit kann man nicht mehr ändern”, zitiert La Stampa den Bischof. Freilich kann die Humanistische Union für Müller nichts anderes sein, als der Satan höchstpersönlich. Immerhin hat der Bischof Atheismus in der Vergangenheit auch schnell mal mit dem Nationalsozialismus verglichen. Folglich müssen die Forderungen der HU den Regensburger Glaubenskrieger zur Weißglut treiben: Die 1961 gegründete Bürgerrechtsorganisation engagiert sich unter anderem für eine tatsächliche Trennung von Staat und Kirche. Sie fordert die Abschaffung kirchlicher Privilegien. Das geht gar nicht! Weil die HU auch für eine Liberalisierung des Sexualstrafrechts eintritt, verdreht Müller wieder einmal ein wenig die Tatsachen und behauptet, die HU sehe Pädophilie als normal an. „Wir haben als Verband eine klare Position bezogen, wo die Grenze für legitime sexuelle Handlungen von Erwachsenen liegt. Wir gehen davon aus, dass es eine ‚einvernehmliche Sexualität‘ zwischen Kindern und Erwachsenen nicht geben kann”, lautet das klare Statement der Bundesvorsitzenden Prof. Rosemarie Will. Man dürfe aber den Missbrauch von Kindern auch nicht „allein mit den Mitteln des Strafrechts bekämpfen und die Täter dämonisieren”. Müller hat nun bis morgen Zeit, seine Behauptung zurückzunehmen. Falls nicht, erwägt die HU rechtliche Schritte. Über seinen Bistumssprecher Clemens Neck ließ Müller mittlerweile erklären, er habe kein Interview mit der Zeitung „La Stampa” autorisiert. Ach so! Dass er einlenken wird, steht also nicht zu erwarten.

Bitte unterstützen Sie eine unabhängige Berichterstattung in Regensburg.

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (18)

  • bult

    |

    Zwar hat der Bundesvorstand 2004 besagte Erklärung veröffentlicht, nachdem die HU davon überzeugt ist, „dass sexuelle Kontakte von Erwachsenen mit Kindern wegen des inhärenten Machtgefälles nicht einvernehmlich sein können, und daher kein Ausdruck von sexueller Selbstbestimmung sind. Die HU teilt ausdrücklich nicht die innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität (AHS) vertretene Auffassung, dass sexuelle Handlungen von Erwachsenen mit Kindern unter bestimmten Umständen straffrei sein sollten.“ Quelle: Mitteilungen Nr. 186 (Heft 3/2004), S. 4; http://www.humanistische-union.de/themen/rechtspolitik/sexualrecht/detail/back/sexualstrafrecht/article/erklaerung-des-bundesvorstands-der-humanistischen-union/

    Im selben Heft findet sich aber auch eine Bitte um Präzision dieser Erklärung:

    „Klares Agieren der HU in Sachen Pädophilie und Zusammenharbeit mit der AHS.
    Ursula Tjaden
    Mitteilungen Nr. 186 (Heft 3/2004), S.4

    Die Erklärung des Bundesvorstandes vom 7. 8. 2004 zu dieser Frage ist zu befürworten, aber vor dem Hintergrund seines bisherigen Verhaltens nicht hinreichend. Für wie ernsthaft ist dieser einstimmige Beschluß zu halten, da doch bekannt ist, daß mehrere Mitglieder des Bundesvorstandes die gegenteilige Position haben? Die aktive Umsetzung des Beschlusses vom 7. 8. ist damit mehr als fraglich. Erhellend ist auch der letzte Satz der Erklärung, der das vorher Festgelegte wieder zurücknimmt und die weitere Zusammenarbeit mit der AHS von „einer Klärung innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität“ abhängig macht. Das nenne ich, „den Bock zum Gärtner machen“.
    Auf dem Verbandstag in Marburg im Jahr 2000 wurde das Verhältnis der HU zur Pädophilie ausführlich diskutiert. Die Mehrheit der Teilnehmer sprach sich klar gegen die vorhergehende Verlautbarung des BV und gegen eine Zusammenarbeit mit der AHS aus. Die Nichtbeachtung dieses Votums durch den Bundesvorstand – die Satzung hinsichtlich der Autonomie des Bundesvorstandes ist mir bekannt – war, abgesehen von der Sache selbst, auch politisch falsch.
    Daher sind auf dem Verbandstag die Mitglieder über die Vorgänge in den letzten Jahren, besonders in den letzten Monaten, umfassend zu informieren. Darüber hinaus ist, 1 Jahr vor den Neuwahlen, von den Mitgliedern zu diskutieren, wie jetzt dem Willen der Mehrheit der Mitglieder Geltung verschaft werden kann, ob Befürworter der Pädophilie weiterhin in der HU toleriert werden können, wenn nicht die Organisation als Ganzes Schaden nehmen soll.
    Dr. phil. Ursula Tjaden
    Dortmund“

    Quelle: http://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/hefte/nummer/nummer_detail/back/mitteilungen-186/article/klares-agieren-der-hu-in-sachen-paedophilie-und-zusammenharbeit-mit-der-ahs/

    Die HU wäre zu fragen, was sich aus dieser Anfrage entwickelt hat.

  • Querleser

    |

    bult

    was verlangen sie eigentlich mehr, als diese klare stellungnahme, die gestern noch einmal wiederholt wurde? die behauptung müllers ist schlich bullshit und, um es mal ganz deutlich zu sagen: nicht bei der HU, sondern bei der katholischen kirche wurden kinder vergewaltigt.

  • gifthaferl

    |

    Kann die HU bei Gott schwören, dass sie das auch so meint?
    Sonst gilt’s nicht.

    So geht das Querleser, nicht anders!

  • EinFragender

    |

    Die Humanistische Union hat sich im Jahr 2000 sehr intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt und nur sehr knapp konnten sich die Verfechter einer Strafminderung bzw. Strafbefreihung von Pädophilie nicht durchsetzen. Siehe: http://www.humanistische-union.de/publikationen/mitteilungen/hefte/nummer/nummer_detail/back/mitteilungen-172/article/bericht-vom-verbandstag-in-marburg/
    Das dies keine Ausnahme war sieht man an der engen Zusammenarbeit zwischen AHS und der Humanistischen Union, die im Jahr 2004 noch von Frau Rosemarie Will verteidigt wurde. Nachzulesen unter anderem unter: http://www.kindesschutzbehoerde.ch/web/themen-sgpl.php

    Es mag schmerzhaft sein für die Humanistische Union Heute auf das Thema angesprochen zu werden. Da nun bekannt wurde das ein Beiratsmitglieder der Humanistischen Union mit einem der Haupttäter der Missbräuche in der Odenwaldschule leiert ist, zeigt das auf das hier Verbindungen da sind die genauer zu durchleuchten sind.

    Also hat Bischof Müller gar nicht so unrecht … oder?

    Weiterer Link: http://fragen-und-gedanken.blogspot.com/2010/03/padophile-in-der-humanistischen-union.html

  • Bernhard

    |

    @fragender @bult

    es bleibt dabei: es gibt keinerlei belege dafür, dass die HU heute (und auch nicht seit den letzten 5 jahren) das vertritt, was lügen-müller behauptet. ohnehin, was ist das für eine argumentation des bischofs a la „ihr seid doch selber pädophil“. der mann ist einfach verrückt. man sollte über sicherheitsverwahrung nachdenken …

  • Frommer Christ

    |

    Gerhard Ludwig macht schon wieder mal ein Getöse,
    weil die Medien so böse;
    gottlob ist die Presse unbequem
    und enthüllt Mißstände im autoritäten System.
    Dadurch wird manch‘ reaktionärem Kirchenmann verwehrt,
    daß er diese unter den Teppich kehrt.

  • Nachdenken

    |

    Was ist mit den 10-Geboten?

  • Querleser

    |

    Schöner taz-Artikel:

    http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/die-kirchenvaeter-und-die-angst/

    „es Bischofs Hang zu Verschwörungstheorien, wie auf der Internetseite des Bistums deutlich wird und die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ schon vor Jahren festgestellt hat. Und es ist der Müllers fast schon psychopathischer Umgang mit der Presse. “

    „Das Bistum Regensburg ist unter Bischof Müller einer der verstocktesten Flecken im deutschen Katholizismus geworden. In acht Jahren hat der Oberhirte seine Schäfchen mit Brutalität und Selbstherrlichkeit zu einer Herde von Abnickern zu machen versucht, oft erfolgreich.“

  • Norbert Steiner, CSB

    |

    Dr. Schenz verfasste 1894 als Vorwort zu DER HL.WOLFGANG:

    3.
    Mühend sich nach Gärtners Weise,
    Dass das Unkraut weg er reisse,
    Strebt er nur nach guter Frucht;
    Wie die Ordenszucht er hebe,
    Und den Klerus neu belebe,
    Den Verfall schon heimgesucht.

    Da kann sich jetzt jeder, nicht nur der Katholik, seinen Reim daraus machen. Der Inhalt ist der heutigen Realität näher als man glaubt!

  • Corelli

    |

    Augenblick mal – Müller … Müller … ist das nicht die deutsche Übersetzung von ‚Mullah‘? ;-)

    Kein Schelm, wer Böses dabei denkt, denn von einem islamistischen Hassprediger unterscheidet sich der Bischof nur rein äußerlich. Hätte er die Macht dazu, würde er alle Ungläubigen im Jahnstadion zusammentreiben und ihnen nach öffentlicher Folterung die Köpfe abschlagen lassen.

  • Michael Reum

    |

    Ein richtiger und wichtiger Beitrag!

  • Konfessionslos

    |

    @Corelli: Ein Mullah ist keineswegs die Bezeichnung für einen „islamistischen Hassprediger“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Molla
    Da hilft auch der „;-)“ nix.

  • Corelli

    |

    @Konfessionslos

    Danke für den Hinweis.
    Der Fehler ist meiner Unwissenheit in allen religiösen Fragen geschuldet.

    Also, nur sicherheitshalber:

    Tut mir leid, liebe Mullahs, dass ich Euch mit islamistischen Hasspredigern und dem Bischof in einen Topf geworfen habe.
    Soll nicht wieder vorkommen.
    In Wirklichkeit mag ich Euch richtig gern.
    Aber bleibt mir bitte trotzdem vom Hals.

  • Hubert Karte

    |

    Diese unseligen Religionen, an der Spitze die Katholen mit ihren verrückten Höllenszenarios und ihrem Mummenschanz in Rom und auf der ganzen Welt sind der wahre Horror. Leichen pflastern ihre Wege seit Jahrhunderten. Sexuell verwirrte Gestalten in Clownskostümen haben eine Macht, daß einem ein Schauer über den Rücken läuft. Wann endlich lernen die Menschen sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen?

  • Veronika

    |

    Ich packe es langsam nicht mehr! Wenigstens das Gleichnis der Sonntagspredigt hat gepasst! Aber hat es auch jeder verstanden. Jeder, der sonst immer im Chorgestühl rumsitzt, und von nichts was weiss?

    Der Bischof tut mir trotzdem leid, denn der weiss scheinbar wirklich nichts. Nichts von Geldern, nichts vom Schweigen um ihn rum, und schon rein gar nichts von denjenigen Dingen die in seinem Namen, mutmasslich sogar mit seiner Faksimilie-Unterschrift geschehen.
    Da wird es Zeit, dass von 1980 bis heute rigoros aufgeklärt wird. Licht ins Unterholz bringen, dort wo Fuchs und Hirsch (sich) sonst „Gute Nacht“ sagen. Hopfn und Malz ist noch nicht verloren, würde hier wohl ein Agilolfe sagen.

Kommentare sind deaktiviert