SOZIALES SCHAUFENSTER

"Wir sind keine Lernroboter."

Corona-Krise: Künftige Lehrer fordern Neuregelung fürs Examen

Eine wachsende Zahl von Lehramtsstudentinnen und -studenten, die heuer vor ihrem Examen stehen, sieht vor dem Hintergrund der Corona-Krise keine fairen Prüfungsbedingungen mehr gewährleistet. Sie fordern eine grundlegende Änderung der Prüfungsbedingungen, vor allem aber solle das Kultusministerium endlich offen und transparent kommunizieren. Über 1.300 von ihnen haben sich zu einer Facebook-Gruppe zusammengeschlossen. Ein offener Brief hat bereits über 500 Unterzeichner.

„„Wie stellt sich das Kultusministerium die Lebensumstände des Individuums vor?“ Frage einer Examenskandidatin.

„Ich schildere hier mal meine Situation, vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen. Ich bin Mutter von zwei Kindern. Die beiden sind vier Jahre und drei Monate alt. Ich habe mich trotz meiner Schwangerschaft dazu entschieden, das Examen dieses Semester abzulegen, damit ich es hinter mir habe und ab April, wenn meine schriftlichen Prüfungen um sind, wieder mehr Zeit für meine Familie zu haben. Das klappte auch ganz gut. Ich habe die Vormittage, an denen meine Große im Kindergarten war, zum Lernen genutzt und das Baby war ja noch im Bauch…Und dann kam es ganz anders.“

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So beginnt die Schilderung der Regensburger Lehramtsstudentin Stefanie K., die eigentlich im April Examen machen und dann im September mit dem Referendariat beginnen wollte. Bis zu sechs Monate Vorbereitungszeit darf man schon mal rechnen für die – je nach Fachbereichen – fünf oder mehr schriftlichen (daneben noch mündliche und praktische) Prüfungen, die etwa jeweils drei bis vier Stunden umfassen.

Examen erst am Vortag abgesagt

Am 19. März – acht Uhr morgens – hätten z. B. die Examensprüfungen für Geographie stattfinden sollen. Keine 24 Stunden vorher, am Nachmittag des 18. März, kam die Absage – wegen Corona, auf unbestimmte Zeit. „Wir sollen einfach weiter lernen. Man wird uns den neuen Termin zwei Wochen vorher mitteilen, hat es geheißen“, erzählt Jonas Schreiber, einer von über 1.300 Lehramtsanwärtern, die sich zwischenzeitlich zu einer Facebook-Gruppe zusammengeschlossen haben. „So nicht!“, heißt es auf der Startseite mit dem Hashtag #dontforgetourfutureteachers. Die Betroffenen sehen eine Chancengleichheit bei den diesjährigen Examensprüfungen nicht mehr gewahrt und fordern grundlegende Änderungen vor dem Hintergrund der Pandemie.

Erst vor wenigen Tage wurden nun die Prüfungen neu terminiert – für den 18 Mai. Das mündliche Examen kann sich sogar bis Mitte August hinziehen – weniger als einen Monat vor Beginn des Referendariats und dem dann in der Regel notwendigen Umzug.

„Stellen Sie sich vor Sie trainieren über Monate hinweg auf einen Marathon. Dieser wird am Tag vorher abgesagt (was unter diesen Umständen verständlich ist). Dann sollen Sie aber weiter trainieren, ohne zu wissen, wann der Wettkampf genau stattfindet“, heißt es in einer Pressemitteilung der Gruppe. „Plötzlich bekommen Sie die Information, dass der Wettkampf in zwei Wochen stattfinden soll. Werden Sie an diesem Tag Ihre Bestzeit laufen? Sicher nicht. Kommen Sie ins Ziel? Vielleicht.“

Wer durchfällt, verliert mindestens ein Jahr

Die Presseerklärung ist im Kern nur die Kurzversion eines offenen Briefs, den binnen kürzester Zeit über 500 Examenskandidatinnen und -kandidaten unterzeichnet haben. Mehr als 50 Seiten umfasst das online abrufbare Gesamtdokument, in dem Betroffene ihre Situation schildern. Darunter auch Stefanie K. Für sie ist die momentane Situation ein Desaster.

„Seit Wochen gibt es keine Kinderbetreuung, die Kitas sind geschlossen und die Kinder mal schnell zu Freunden oder zur Oma bringen, ist in Zeiten des Lockdowns auch nicht möglich. Meine große Tochter kann nicht mit ihren Freunden spielen und ist total unausgelastet und das Baby wird auch immer aktiver und fordert meine Aufmerksamkeit ein.“ Vernünftige Prüfungsvorbereitung unter diesen Umständen – unmöglich.

Wer durchfällt, verliert mindestens ein Semester, bis zur nächsten Startmöglichkeit ins Referendariat vergeht ein Jahr. Eine zusätzliche existenzielle Unsicherheit, die nun zu der generellen Ungewissheit noch hinzu kommt. Solche Ängste prägen die Schilderungen von Betroffenen, die in dem Online-Dokument – mal kürzer, mal länger – von ihrer individuellen Situation erzählen.

„Ohne Auskunft der Uni oder des Kultusministeriums“

Von der Wohnung, die bereits gekündigt wurde, weil man ja damit gerechnet hatte, das Studium abzuschließen, ist die Rede. Vom Verlust des Nebenjobs, mit dem man sich das Leben finanziert hat. Von der Angst um die Großeltern, den psychischen Belastungen, die die Situation mit sich bringt. Von den zunächst geschlossenen Bibliotheken, deretwegen eine vernünftige Vorbereitung nicht möglich war. Das alles in Verbindung mit einer völligen Ungewissheit, wann denn die Prüfungen eigentlich stattfinden sollen. Es gibt Betroffene, die selbst einer Risikogruppe angehören. Studierende, die aus schwer betroffenen Landkreisen wie Tirschenreuth kommen und selbst wochenlang in Quarantäne waren. Immer wieder kommt Kritik an der mangelhaften Kommunikation des Bayerischen Kultusministeriums. Oder kürzer ausgedrückt: dem kompletten Schweigen der dort Verantwortlichen.

Die Bibliotheken waren über Wochen geschlossen. Der neue Prüfungstermin bis vor kurzem nicht bekannt.

„Die jetzige Corona-Situation, für die niemand etwas kann, hat dazu geführt, dass ich seit dem 18. März zuhause auf meine Prüfungstermine warte, ohne Auskunft der Uni und ohne Auskunft des Kultusministeriums“, schreibt beispielsweise Martina A., die in Regensburg Lehramt für Mittelschule studiert. „Wie stellt sich das Kultusministerium die Lebensumstände des Individuums vor? Mir ist klar, dass wir alle nur kleine Zahnräder im großen System des Kultusministeriums sind, aber auch wir haben das Recht, gehört zu werden.“

„Ministerium beantwortet Anfragen nicht.“

Doch das Ministerium antworte weder auf individuelle Anfragen noch auf solche des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV), heißt es in dem gemeinsamen Schreiben. Deshalb wende man sich nun an die Öffentlichkeit.

Die Verfasser schlagen eine grundlegende Änderung der Prüfungsregelungen vor: „Die vom Kultusministerium angesetzten Prüfungstermine werden von allen wie geplant wahrgenommen und dem Korrekturverfahren zugeführt.“ Dann werde normal benotet, aber: Allen Prüflingen solle mindestens die Note gegeben werden, die zum Bestehen des Ersten Staatsexamens erforderlich ist. „Das stellt sicher, dass alle Absolventen/innen im Herbst 2020 an den Schulen eingesetzt werden können.“

„Wichtig ist eine transparente und direkte Kommunikation.“

Die Prüflinge würden so einerseits vom Bestehensdruck entlastet, „gleichzeitig profitieren die Schulen, die Schülerschaft und auch das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus, da junge, motivierte Lehrkräfte in dieser herausfordernden Zeit ins Referendariat starten können“. Ein weiterer Aspekt: „So stünden Ihnen mehr Referendare/innen zur Verfügung, die Lehrerinnen und Lehrer entlasten können, die zur Risikogruppe gehören.“

Man wolle über den Gang an die Öffentlichkeit erreichen, dass das Kultusministerium sich zumindest mit dieser Option befasst und dazu Stellung nimmt. „Wichtig ist eine transparente und direkte Kommunikation mit uns Betroffenen.“

Bislang jedenfalls fühle man sich, so drückt es eine Betroffene aus, behandelt als wäre man einfach irgendein „Lernroboter“.

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Kommentare (15)

  • Jessica

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    Die hier geschilderten Zustände kann ich hier nur bestätigen. Ich hoffe es wird im Kultusministerium noch mal grundlegend nachgebessert. Wir werden doch gebraucht.

  • Mr. T.

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    Egal, ob für Lehramtstudent*Innen, andere Student*Innen, Schüler*Innen oder andere Auszubildende müssen jetzt im Zweifel auch mal zwei Augen zugedrückt werden. Lieber rutscht mal wer durch, die/der sonst wohl durchgefallen wäre, als dass es jemand durch die besonderen Umstände trotz viel Fleiss nicht schafft. Das wäre einer der kleineren Kollateralschäden im Moment.

  • Ja mei

    |

    „Wir werden doch gebraucht“
    Diese Arroganz und weinerliche Selbstüberschätzung mancher Berufsgruppen ist unerträglich.
    Selbstverständlich werdet ihr gebraucht, aber alle ehrlichen (Berufs-)Gruppen sind in einem Staatswesen wichtig und werden gebraucht.

  • Betroffener

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    Als Betroffener (Mathematik Gymnasium) kann ich nur sagen dass der Zeitpunkt des Aussiebens seit meinem ersten Semester gegeben ist. Allein in diesem lag die Abbrecherquote bei 80 Prozent. Wir sind alle Stress-erprobt und halten einiges aus, aber hier geht es um die Benachteiligung des aktuellen Prüfungsdurchlaufs. Wer die Berufsgruppe Lehrer hier als weinerlich und arrogant bezeichnet sollte sich mal an die eigene Nase fassen. Solche Meinungen kann man nur müde belächeln, denn solche Meinungen gab es schon immer und wird es immer geben.

  • Charlotte

    |

    Willkommen im wahren Leben liebe Lehramtsstudenten!

    Vielleicht beruhigt sie ja, dass momentan für alle Menschen das Leben eine Challenge ist. Und ganz ehrlich sind verschobene Prüfungen nicht wirklich das größte Problem aktuell. Schade, dass die neue Generation Lehrerinnen und Lehrer – hier meine ich selbstverständlich nicht alle – sich selbst disqualifiziert.

    Wo ist ihre Gelassenheit, Flexibilität, ihr Verständnis für Situationen, ihre Lernbereitschaft, ihre Kreativität, ihre Anpassungsfähigkeit, ihre Zuversicht und ihr Selbstbewusstsein, dass sie, wie alle anderen auch auch, diese Situation meistern werden.

    All das sind die persönlichen Voraussetzungen für den Lehrerberuf.

    Und aufgrund leerer Staatskassen In den nächsten Jahren und dem Festhalten am Beamtenstatus steht es in den Sternen, ob für alle dann auch wirklich eine Lehrerstelle wartet.

  • KW

    |

    @ Ja Mei
    In diesem Artikel geht es aber nicht um „alle ehrlichen Berufsgruppen“ sondern um angehende Lehrer und Lehrerinnen, die Deutschland und insbesondere Bayern sehr wohl dringend braucht. Es gibt nämich zuwenige.
    Sie sind davon vermutlich nicht betroffen da Sie Ihre „ehrliche“ Berufsausbildung ja sicher vor mehr oder weniger langer Zeit bereits erfolgreich absolviert haben, richtig? Aber vielleicht haben Sie ja Kinder oder Enkel die gute und ausreichend viele Lehrer benötigen?
    btw, was sollen eigentlich Ihrer Meinung nach „unehrliche“ Berufsgruppen sein? Ich wusste gar nicht das es sowas überhaupt gibt.

  • xa

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    Kommentar gelöscht. Bleiben Sie sachlich.

  • Lothgaßler

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    Wenn das Land Bayern Lehrkräfte in bestimmten Schultypen und mit bestimmten Erstfächern/Fächerkombinationen benötigt, dann sind erstaunliche Dinge möglich (das gab es insbesondere in Beruflichen Schulen).
    In allen anderen Fällen wird ausgesiebt, d.h. die Examensnoten entscheiden mit darüber ob und wann der Start gelingt. Hier geht es nicht so sehr ums „Bestehen“, sondern um die Endnote. Und weil hier die 1-er sehr häufg vergeben werden, reicht eine 2 oder eine 3 vielen nicht mehr.
    Wie sagte mal ein Seminarleiter beim Thema Notengebung zu mir: Man reiche mir meine Würfel. In diesem Sinne: mögen die Würfel günstig für euch fallen.

  • R.G.

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    Was ist die Pflicht des Familienvaters? Die ihm Anvertrauten zu nähren und schützen, und modellhaft vorzuleben, wie ein Mann eine Frau respektiert. Die Familienmutter fühlt gleiche Pflicht, sie ist das erste Modell, von dem das Kind lernen kann, wie eine Frau einen Mann gut wertschätzt.

    Beide werden, weil sie ihre Kinder wirklich lieben, den Betreuern und Lehrern ihrer Kinder grundsätzlich wertschätzend begegnen wollen.
    Wie durchgeknallt verhält sich ein Volk indirekt seinen eigenen Kindern gegenüber, wenn es normal geworden ist, deren Lehrer wie den letzten Dreck zu behandeln?

    Der durch die Corona-Maßnahmen geschaffenen Situation des Lernens aus Plastikkästen (Handys, Computern) oder des Abgehängtseins, wenn die Bedienung diese Geräte nicht zum Familienalltag gehört, sollte zuwendendes Verhalten in der Echtzeit folgen. Fallgerechte, kindgerechte Beschäftigung und allgemeiner Unterricht, angeboten von erfahrenen Lehrern und Referendaren.
    Unterstützt von den Eltern, von der Gesellschaft.

    Zitat von Charlotte: „Willkommen im wahren Leben liebe Lehramtsstudenten!

    Vielleicht beruhigt sie ja, dass momentan für alle Menschen das Leben eine Challenge ist.“
    Werte Charlotte, Zynismus ist kein unterstützender Ton.

    Zitat von Ja mei:
    „„Wir werden doch gebraucht“
    Diese Arroganz und weinerliche Selbstüberschätzung mancher Berufsgruppen ist unerträglich.“

    Werter Nich Ja mei, brütend aggressives Schweigen oder stille Verzweiflung hilft uns nicht durch die Krise, wir werden aus Selbsterhaltungstrieb unseren Mitmenschen Raum geben, ihre Sorgen zu äußern. Wir werden uns ihnen gegenüber freundlich und helfend verhalten!
    Wir brauchen starke, menschlich durchwirkte Ziele, um die kommenden Herausfoderungen gemeinsam zu meistern.

  • Charlotte

    |

    @R.G.
    Mein Kommentar war absolut nicht zynisch.

    Wertschätzung und Respekt verdient man sich aufgrund seiner persönlichen Leistung und seines Einsatzes und nicht aufgrund einer Berufsbezeichnung!

    Es ist richtig, die Corona-Krise hält Familien und Schüler richtig in Atem. Es passiert seit Wochen viel Gutes, aber nicht nur. Durch fehlende Leitlinien für ein einheitliches Handeln aller Lehrer (und auch die regelmäßige Kontrollen durch die Schulleitung!) passiert es eben auch sehr oft, dass keine ausreichende Unterstützung im homeschooling stattfindet. Ich frage mich mit vielen Eltern seit Wochen, warum wir zusätzlich zu unserer beiden Jobs (Ja, wir arbeiten trotz Corona und Ansteckungsgefahr von Anfang der Krise an weiter!) noch die Ausbildung unserer Kinder übernehmen müssen. Es reicht eben nicht, nur ein paar Arbeitsblätter, die wir erstmal selbst formatieren und drucken müssen, an die Kinder zu schicken. In sieben Wochen schafft es das Schulsystem nicht, ‚persönlichen’ Kontakt mit Schülern zu organisieren – für einzelne analog mit viel Abstand in der Schule oder digital in Videochats.
    Würden hier Schüler und Eltern innovativ und kreativ unterstützt, die Wertschätzung wäre riesig. Und selbstverständlich hätten sich Lehramtsstudenten hier wunderbar einbringen können: Installation der neuen Medien, Schulung der Kollegen, Erarbeitung von Konzepten, Planung und Vorbereitung der Schule usw. usw.

    Einfach mal machen!!!! Dann kommt die Wertschätzung ganz von alleine.

  • R.G.

    |

    Charlotte, die Verärgerung der Eltern verstehe ich, jedoch können wir nicht erwarten, dass sich Lehrer Computerwissen in dem Ausmaß, wie es jetzt gebraucht wurde, aneignen konnten, ausgerechnet in einer Zeit der Isolation.
    Die Ausbildung dazu haben sie großteils nicht.

    Gerade deshalb wäre es vorteilhaft, bald Referendare zur teilweisen Unterstützung zu haben.
    Wenn man wenigstens einen Online-Lehrgang gehabt hätte, der Lehrern täglich für ihre Schulstufe Unterrichtsvorschläge samt ganz einfachen Anleitungen liefert, und vorzeigt, wie man etwas, wo am Computer anklicken muss, damit dann bei den Schülern was Gewolltes ankommt!
    Schuldzuweisungen bringen uns nur auseinander.

  • Charlotte

    |

    @R. G., doch, wir können natürlich erwarten, dass sich auch die Lehrerschaft dieses Computerwissen aneignet! In anderen Ländern geht es ja auch.

    Ich finde es tragisch genug, dass diese Kompetenz immer noch nicht vorhanden ist! Wir befinden uns in der Arbeitswelt außerhalb der Schule schon 10 Jahre in der Digitalisierung und ich kann nicht glauben, dass gerade Lehrerinnen und Lehrer es nicht schaffen, sich eigenständig in heute schon übliche Videokonferenz-Tools einzuarbeiten. Die meisten Arbeitnehmer mussten sich das ebenfalls selbst aneignen und dazu braucht man nicht gleich einen Lehrgang. Und in der Isolation eignet sich dann gleich ein Onlinetraining ( je nach Intensität dauert das nicht länger als einen 1/2 bis 1 Tag) oder liest die Bedienungsanleitungen, installiert die App und los geht’s. Und es sollte selbstverständlich sein, dass man das auch mal privat investiert. Stichwort Lebenslanges Lernen!

    Learning by doing ist besser als nichts zu tun. Also auf geht’s, es tut nicht weh und macht sogar Spaß!

  • Lars

    |

    Ich kann die Bedenken der angehenden Referendarinnen und Referendare sehr gut nachvollziehen. In dieser außergewöhnlichen und beunruhigenden Situation, in die uns Covid-19 gebracht hat, ist wohl nichts wichtiger, als den solidarischen Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung an oberste Stelle zu setzen. Die Forderung nach Neuregelung ist unter diesen Umständen durchaus in Erwägung zu ziehen. Junge und hoch motivierte Lehrkräfte sind jetzt wichtiger denn je. Steine in den Weg zu legen wäre dabei sicherlich das Letzte, was das Richtige ist. Diesen Menschen nun die Chance zu geben, sich in der Berufswelt zu beweisen, kann nur die einzig richtige Entscheidung sein.

  • R.G.

    |

    @Charlotte
    Im Lehrerberuf hatte man bisher nicht in der Dienstbeschreibung, es müsse Online-Unterricht abgehalten werden.

    Sie können es sich wünschen, dass am Computer gänzlich oder weitgehend Unkundige sich plötzlich in der Ausgangssperre alles selbst aneignen, weil Sie es für ihren Beruf getan haben.

    Es wäre aber nachteilig für das Bild, das man sich von Ihrer sozialen Kompetenz macht, wenn Sie befehlend und fordernd Ihren Maßstab den Pädagogen unserer Kinder umstülpten.
    Wir sollten die Lehren aus der Ausgangssperre ziehen, jederzeit kann eine neue drohen, ein gutes Ziel wäre, einander zu helfen, dass bei einem hoffentlich nicht erforderlichen zweiten Mal, Lehrer mit besseren Computerkenntnissen, unterstützt durch ???, qualifizierten Online- Unterricht anbieten können, und Schüler ohne Computerkenntnisse unterstützt werden. Durch wen? Welche Geräte will man ihnen zur Verfügung stellen, wo diese in den beengten Wohnungen platzieren? Wie die Kinder den Umgang damit lehren? Wer wird die Gebühren zahlen?
    Ich meine, wir sollten, alle deutschsprachigen Länder gemeinsam, in Anlehnung an den Schulfunk der Nachkriegsjahre und noch erweitert, Unterrichtstunden mit einfachsten technischen Mitteln aufnehmen, damit diese bei Ausgangssperren gesendet werden.

    In der nächsten Zeit wird der Wissensstand der Schüler sehr unterschiedlich sein, in der Aufholzeit für die jetzt Abgehängten könnte Online- und TV- Unterricht die Lehrer in der Schule überdies positiv unterstützen.

  • K. H.

    |

    Ich habe selbst vor sieben Jahren Staatsexamen geschrieben (damals noch nach der alten LPO, sodass das StEx bei meinen Fächern aus 13 aufeinanderfolgenden Abschlussprüfungen bestand – im Vergleich dazu ist das jetzige System eh schon abgespeckt). Ich wäre damals froh um zwei extra Monate Lernen gewesen, von daher sehe ich die Verschiebung des Examens nicht unbedingt als Nachteil. Natürlich verstehe ich Einzelfälle, wie die im Artikel genannte Mutter von zwei Kindern. Dass diejenigen, die es auch ohne Corona schon schwerer haben als andere, durch Corona noch härter getroffen werden, ist leider eine Tatsache, die sich durch viele Bereiche zieht. Aber wenn man mal vom Normalfall ausgeht, finde ich die Lösung, die das KM jetzt gefunden hat, mehr als annehmbar: Das Frühjahrs-StEx wird als Freiversuch gewertet.
    Daher empfinde ich die Forderung „Allen Prüflingen solle mindestens die Note gegeben werden, die zum Bestehen des Ersten Staatsexamens erforderlich ist“ nicht angemessen. Dass man sich bei der Vorbereitung auf das StEx vorkommt wie ein „Lernroboter“ ist leider normal und geht nicht nur dem aktuellen Jahrgang so ;)

    Ich finde außerdem, dass der Vergleich mit der Vorbereitung auf einen Marathon hinkt. „Plötzlich bekommen Sie die Information, dass der Wettkampf in zwei Wochen stattfinden soll. Werden Sie an diesem Tag Ihre Bestzeit laufen? Sicher nicht. Kommen Sie ins Ziel? Vielleicht.“ Wenn man bis kurz vor Absagen des „Marathons“ trainiert hat und dann die Ansage befolgt, weiterzutrainieren, sehe ich keinen Grund, wieso man plötzlich enorm viel schlechter abschneiden sollte. Man hatte ja nicht nur die zwei Wochen zum Trainieren. Außerdem schafft die Forderung, jedem die Mindestnote zum Bestehen zu geben, auch keine Abhilfe, wenn es darum geht, dass die „Bestzeit“ nicht mehr drin ist.

    Naja. Obwohl ich den Forderungen also kritisch entgegenstehe, stoßen mir manche Kommentare hier sauer auf.

    @Charlotte
    Zitat: „Wertschätzung und Respekt verdient man sich aufgrund seiner persönlichen Leistung und seines Einsatzes und nicht aufgrund einer Berufsbezeichnung!“
    Oh, da hat aber jemand die Prinzipien unserer Leistungsgesellschaft verinnerlicht. Applaus, Applaus! Ich hoffe, Sie vermitteln Ihren Kindern nicht, dass sie nur wertgeschätzt werden, wenn sie Leistung bringen.

    Ich glaube, Sie überschätzen Ihre Rolle und Ihre Perspektive etwas, Charlotte!
    Zitat: „Wir befinden uns in der Arbeitswelt außerhalb der Schule schon 10 Jahre in der Digitalisierung und ich kann nicht glauben, dass gerade Lehrerinnen und Lehrer es nicht schaffen, sich eigenständig in heute schon übliche Videokonferenz-Tools einzuarbeiten. Die meisten Arbeitnehmer mussten sich das ebenfalls selbst aneignen und dazu braucht man nicht gleich einen Lehrgang. Und in der Isolation eignet sich dann gleich ein Onlinetraining ( je nach Intensität dauert das nicht länger als einen 1/2 bis 1 Tag) oder liest die Bedienungsanleitungen, installiert die App und los geht’s. Und es sollte selbstverständlich sein, dass man das auch mal privat investiert. Stichwort Lebenslanges Lernen!“

    Ich arbeite nicht mehr an der Schule und kenne somit beide Seiten. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass man Unterricht nicht mit einer Videokonferenz in der Arbeit vergleichen kann? Ich werfe nur mal Stichwörter ein, da das sonst zu lange dauert: Datenschutz von Minderjährigen, kein Arbeitsplatz und kein Equipment, das vom Arbeitgeber gestellt wird, viele Schüler*innen haben selbst nicht das nötige Equipment, 30 Schüler*innen im Videochat?, Grundschüler im Videochat?, methodisch-didaktische Umsetzbarkeit im Videochat gleich Null, etc.
    Sie stellen sich das viel zu einfach vor – da soll der dumme Lehrer doch mal Zoom installieren und los geht’s. Entschuldigung, aber Sie wissen doch überhaupt nicht, wie Unterricht heutzutage funktioniert – das ist kein Frontalunterricht mehr, wo eine Person fünf Stunden lang vorne steht und alle hören brav zu. Das würde über Zoom funktionieren, aber das packen die Schüler*innen nicht, allein von der Aufmerksamkeitsspanne her und didaktisch ist das auch überhaupt nicht sinnvoll. Es tut mir Leid, dass Sie anscheinend schlechte Erfahrungen mit den Lehrer*innen Ihres Kindes / Ihrer Kinder machen, aber Sie stellen es sich wirklich zu einfach vor.
    Und dieses Gerede von „Wir Eltern übernehmen gerade den Job der Lehrer“ kann ich auch nicht mehr hören. Nein, es ist NICHT vergleichbar, a) seinem eigenen Kind etwas zu erklären und b) für 250 Kinder Material rauszusuchen oder zu erstellen, es didaktisch aufzubereiten, es zu strukturieren, zu differenzieren, zu erklären, auf Probleme einzelner einzugehen, Streits zu schlichten, Disziplinprobleme zu bewältigen, Elterngespräche zu führen, sich faire Tests zu überlegen, zu korrigieren, etc. etc. Wenn Sie es schon unzumutbar finden, dem eigenen Kind was zu erklären, können Sie sich dann vorstellen, dass die Arbeit eines Lehrers eine vielfache Potenz davon ist? Und bitte auch nicht vergessen, dass Lehrer selbst oft Eltern sind…

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