SOZIALES SCHAUFENSTER

Interview: Berufsmusiker im Corona-Lockdown

„Der kleine Mann im Kopf rattert die ganze Zeit.“

Thorsten Loher ist Berufsmusiker seit über 20 Jahren. Für ihn hat der Lockdown seit dem Frühjahr im Grunde nie aufgehört. Ein Gespräch über Geld, persönliche Gefühle und warum Künstler kaum eine Lobby haben.

Novemberhilfen? „Bisher freue ich mich noch nicht“, sagt Berufsmusiker Thorsten Loher. Foto: Chris Mühlbauer

Herr Loher, erst Lockdown im Frühjahr, jetzt der sogenannte Lockdown light und im Moment sieht es danach aus, als würden die Einschränkungen weiter verlängert werden. Wie geht es Ihnen?

Fast das ganze Live-Geschäft ist seit März weggefallen. Dabei waren in diesem Jahr über 100 Konzerte geplant. Ich bin stark von der Touristenbranche abhängig. Ich darf zum Beispiel auf der Donau die amerikanischen Touristen musikalisch begleiten. Das sind gute Auftraggeber und das bietet eine gewisse Planungssicherheit. Außerdem spiele ich bei Firmen und Betriebsfeiern. Das sind 90 Prozent meiner Einnahmen. Und das ist jetzt erst einmal komplett weg.

Ich habe einen Großteil meiner Rücklagen aufgebraucht, meine Altersvorsorge angegriffen und zahle derzeit dort auch recht wenig ein, bin also doppelt gestraft. Und es ist überhaupt nicht absehbar, wann das wieder besser wird. Es ist nichts planbar. Ich habe zwar noch Glück, weil ich eine kleine Musikschule habe. Aber das musste ich mir auch erst wieder aufbauen – je mehr ich live machen konnte, und das war früher viel, desto weniger Unterricht habe ich nämlich auch zwangsläufig gegeben. Es geht aber längst nicht nur ums Geld.

Sondern?

Du sitzt daheim und hast nix zu tun. Du hast keine Mission, keinen Auftrag. Das bist du nicht gewohnt als Selbständiger. Und Beruf kommt auch von Berufung. Wenn du dich für den Beruf als Musiker entscheidest, dann ist das dein Ding. Wenn dir das genommen wird, fällst du in ein Riesenloch. Ich bin auch erst seit zwei Monaten wieder auf dem Damm – weil ich zumindest wieder ein wenig unterrichten kann.

Es hat lange gedauert, bis ich mit der Situation abgefunden habe. Du sitzt dann daheim und hättest zwar endlich mal Zeit für die Familie, aber der kleine Mann im Kopf der rattert die ganze Zeit. Du gehst mit dem Gedanken ins Bett und wachst mit dem Gedanken auf. Manch einer hat es nicht geschafft und es gibt auch Leute, die sich den Strick genommen haben, weil sie kein Land mehr gesehen haben. Punkt.

Haben Sie nicht irgendwelche Soforthilfen oder sonstige Unterstützung bekommen?

Ich hatte auf der einen Seite noch ein bisschen Glück. Weil ich mal einen Nebenjob als festangestellter Musiklehrer hatte, habe ich ein wenig Arbeitslosengeld I bekommen. Da war wenigstens die Krankenversicherung bezahlt.

Jetzt sollen ja alle, die von den zweite Lockdown betroffen sind, 75 Prozent ihres Vorjahresumsatzes bekommen. Eine gute Sache, oder?

Wenn diese Unterstützung so wie angekündigt kommt, dann wäre es das erste Mal fair. Aber bisher freue ich mich noch nicht. Es sind ja noch nicht einmal die Anträge da. Dabei wissen wir seit Sommer, dass irgendetwas auf uns zukommt im Winter. Da hätte man sich doch schon vorher damit auseinandersetzen können und einen Plan machen. Und nicht erst jetzt wieder beraten. Aber anscheinend hat man sich darüber überhaupt keine Gedanken gemacht. Dazu passt auch, dass man zuerst nur den November-Umsatz nehmen wollte und nicht den Jahresdurchschnitt.

Inwiefern?

In der freien Kultur- und der Gastrobranche ist der November einer der schlechtesten Monate überhaupt. Das weiß man, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt. Da hat man schon fast geglaubt, das sei Absicht. Aber es liegt wahrscheinlich daran, dass viele Politiker nicht über ihren Tellerrand hinausschauen.

Seit April schreibe ich alle möglichen Politiker an, weil ich schon damals nicht verstanden habe, warum man sich bei der Unterstützung und bei Soforthilfen nicht einfach auf die Einkommensteuererklärungen bezogen hat. Dass hat dazu geführt, dass einige durchs Raster gefallen sind und andere ordentlich beschissen haben. Auf einer Einkommensteuererklärung stünde alles drauf und danach könnte man prozentual entschädigen. In anderen Ländern wurde das ja auch gemacht.

Wie waren die Reaktionen auf Ihre Schreiben?

Ich habe da entweder gar keine oder irgendwelche Standardantworten bekommen, zum Beispiel von Monika Grütters (Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Anm. d. Red.). Monate später irgendein Blabla. Positiv überrascht hat mich da allein Landrätin Tanja Schweiger. Sie hat zumindest veranlasst, dass mich jemand von der Regierung der Oberpfalz anruft und sich mit mir unterhält. So konnte ich wenigstens ein paar offene Fragen klären.

Wie stehen Sie zu den Einschränkungen, die jetzt seit November gelten?

Mir ist schon klar, dass etwas unternommen werden muss. Aber vieles ist für mich einfach nicht ganz nachvollziehbar. Gastronomie und Kultureinrichtungen werden wieder zugesperrt. Man geht wieder auf diejenigen los, die mit Hygiene- und Lüftungskonzepten alles Mögliche getan und zum Teil tausende von Euro ausgegeben haben, um einerseits ihre Gäste und Besucher zu schützen und andererseits noch ein wenig Geschäft machen zu können. Die führen Gäste- und Besucherlisten, über die alle Kontakte nachvollzogen werden könnten und die wären – zumindest stichprobenartig – auch leicht zu kontrollieren. Auf der anderen Seite fahren proppenvolle Busse rum, wo alle nebeneinander sitzen und stehen und wo keiner weiß, wer der andere ist. Oder es wird weiter gearbeitet am Bau oder am Fließband. Da gibt es anscheinend kein Corona. Das passt doch nicht zusammen.

Vorgegebenes Ziel der jetzigen Maßnahmen ist es eben, Kontakte, wo es geht, zu reduzieren, und andererseits Schulen und Wirtschaft so weit als möglich am Laufen zu halten.

Sind wir vielleicht kein Wirtschaftsfaktor? Wir Künstler mit Veranstaltungstechnikern und allen, die noch dazugehören, sind über eine Million Menschen. In der Autoindustrie arbeiten nicht einmal eine Million Beschäftigte. Da wird Geld reingepumpt, aber bei uns nicht. Es geht doch nicht darum, Hobbymusiker zu fördern, die am Wochenende mal Gitarre spielen. Es geht um die Leute, die davon leben. Und wir sind eine große Industrie.

Da gibt es oft das falsche Bild in der Öffentlichkeit, dass man als Musiker entweder ein Star ist, der fünf Porsche vor der Haustür hat oder dass man so einen brotlosen Job hätte und dann eben etwas anderes machen soll. Aber das stimmt einfach nicht. Musiker gibt es schon seit Jahrhunderten und wir haben immer irgendwie unsere Kohle gemacht. Das ist ein richtiger Beruf, ein Handwerk.

Ich habe mit diesem Beruf in den vergangenen Jahren vernünftig verdient, ich habe für mein Alter vorgesorgt und ich habe Rücklagen gebildet. Aber welcher von den normalen Arbeitnehmern würde sich nicht beschweren, wenn er acht oder neun Monate keinen Pfennig Geld sieht? Wie lange sollen meine Rücklagen denn reichen? Ohne den Zuverdienst meiner Frau, dürfte meine Familie und ich noch nicht mal was essen, weil bis jetzt nur ein Teil der Betriebsausgaben subventioniert wird.

Im Moment gehen viele erfahrene Leute zurück in irgendeine andere Branche. Sie werden fehlen. Wenn es nachher noch Kultur geben soll, muss man die jetzt unterstützen. Der Jazz-Musiker Till Bröner hat es schon richtig gesagt: „Wenn ein gesamter Berufszweig per Gesetz gezwungen wird, seine Arbeit zum Schutze der Allgemeinheit ruhen zu lassen, dann muss die Allgemeinheit dafür sorgen, dass die Menschen nach Corona noch da sind. Das ist kein Luxusproblem, das ist ein Kernproblem.“

Der Comedian Michael Mittermeier hat vor kurzem in einem Interview gesagt, das Hauptproblem sei, dass Künstler keine schlagkräftige Lobby hätten, um sich für ihre Interessen einzusetzen. Wie sehen Sie das?

Wenn immer gejammert wird, dass es keine Lobby geben würde, dann muss ich zumindest meine Musikerkollegen auch mal in die Pflicht nehmen. Es gibt eine Lobby. Wir haben bloß alle nie gecheckt, dass wir auch als Selbständige zur Gewerkschaft gehen können. Dort kann man einen abgelehnten Antrag auch mal juristisch prüfen lassen. Es wäre ein Ort zum Sammeln und Druck machen. So kann man die Politik drauf aufmerksam machen, dass wir auch in die ALG-Versicherung rein wollen oder Kurzarbeitergeld wollen, so wie die Arbeiter am Fließband bei BMW oder eben, dass man jetzt entsprechend der Einkommensteuererklärung entschädigt wird. So lange das nur einzelne kleine Musiker wie ich anmahnen, interessiert das ja anscheinend keinen. Wenn da mal die Gewerkschaft was fordert, dann muss auch Frau Grütters reagieren.

Gab es für Sie denn auch irgendwelche positiven Highlights während dieser Zeit?

Nachdem im Lockdown light wohl auch alle Weihnachtsauftritte wegfallen werden, oder sich Firmen gar nicht mehr trauen, geplante Weihnachtsfeiern durchzuführen, besteht eigentlich keine Moeglickeit aufzutreten. Dem nicht ausgesprochenen Berufsverbot konnte ich aber ein Schnippchen schlagen. So habe ich vergangen Samstag einen musikalischen Gottesdienst mit Pfarrer Arne Schnütgen in der evangelischen Kirche in Wenzenbach gestaltet. Wegen der großen Nachfrage gleich zwei Mal – natürlich unter Einhaltung der Vorschriften. Das war kein Konzert getarnt als Messe, sondern ein tatsächlicher Gottesdienst.

In der Vorbereitung hatte ich viel Freude die passenden Gospels, Spirituals und Blues-Stücke zu den Psalmen und der Bibellesung zu finden und einzustudieren. Dieser Abend hat uns soviel positives Feedback beschert, das ist Balsam für die Seele.

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Kommentare (19)

  • Auch a Regensburger

    |

    Herr Loher,

    Vorab, ich habe durch die Pandemie keine finanziellen Einschränkungen.

    Genau deshalb will ich Ihnen stellvertretend danken. Leider gibt es einige Branchen die bis ins Mark erschüttert werden. Sie sind leider einer davon. Ich hoffe Ihnen wird eine ordentliche Unterstützung zu Gute kommen und hoffe das wegen anderen Störgeräusche dies Diskussion in der Öffentlichkeit auch genügend Gehör findet.

    Und nur ein kleiner Trost. Trotzdem habe auch ich meine Einschränkungen und bin im Home Office seit März (die großen Arbeitnehmer der großen Unternehmen machen hier auch Ihren kleinen Beitrag). Mit Kindern gefühlt das halbe Jahr daheim (Ferien, Lock Down, Quarantäne).

    Hoffe das Sie entsprechende Unterstützung erfahren. Wir brauchen Sie und Ihre Kollegen.

  • Petr Czelle

    |

    Jaja auch a regensburger, solche Aussagen helfen Künstlern überhaupt nicht. Immer schön sämtliche sinnfreien Maßnahmen unterstützen, genau das ist der Grund, weswegen diese Menschen jetzt existenzbedroht sind.

  • gumsnhoses

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    @Petr Czelle

    “… Immer schön sämtliche sinnfreien Maßnahmen unterstützen..”

    Ganz genauso isses. Es ist ja nett, wenn auch ein Musiker der 2. Garnitur manchmal was vom Kuchen abbekommt, aber ab einem gewissen Alter muss man eben auch einsehen, dass man mit schönen Träumen alleine nicht weiterkommt.

    In Krisenzeiten zeigt sich eben, was trägt. Es geht nicht, dass hart arbeitende Bürger die Luftschlösser von Möchtegern-Künstlern und anderen Luftikussen finanzieren.

    Da schrumpft sich Vieles gesund, so auch die Gastro-, Zeitungs-, Klein”kunst”- und Klimaspinnerszene.

    Das ist natürlich und gut so.

  • Nocheinüberlebender

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    Menschen in der Kunst und in der Sozialarbeit haben keine Lobby – das muss sich ändern! Künstler erwirtschaften immerhin das zweitgrößte Bruttoinlandsprodukt in Deutschland und ohne die Sozialarbeit könnte das Land in der Krise nur noch einpacken!

  • David Liese

    |

    Dummheiten wie die von gumsnhoses werde übrigens durch ein Defacto-Berufsverbot, gepaart mit monatelangen Diskussionen, wie denen, die eigentlich keine Hilfe bräuchten, zu helfen ist, geradezu gedüngt. Dazu kommt eine Gleichmacherei innerhalb der Kulturberufe, weil doch längst nicht mehr differenziert wird zwischen dem gut gebuchten, unternehmerisch agierenden Solo-Selbstständigen und dem verkrachten Schauspieler ohne Eigeninitiative, der sich jetzt eben auch im großen Mitleid suhlt. Es ist schon ein bisschen zum schreien. Aber schreien fördert die Aerosolbildung.

  • Andreas Weber

    |

    “In Krisenzeiten zeigt sich eben, was trägt. Es geht nicht, dass hart arbeitende Bürger die Luftschlösser von Möchtegern-Künstlern und anderen Luftikussen finanzieren.”

    Also ganz ehrlich wie kann man nur solchen Schwachsinn schreiben. Es ist natürlich sehr einfach in der Anonymität des Internets über andere Leute herzuziehen.
    Musiker ist auch ein ehrenwerter Beruf oder Besuchen sie keine Konzerte ?
    Es geht doch nicht nur um die Künstler und die Veranstaltung Branche. In vielen anderen Berufen sieht es doch nicht viel besser aus. Ich bin zum Beispiel ein Hart arbeitenter Bürger.Früher hat man immer gesagt in der Gastronomie oder als Koch wird man nie arbeitslos, gegessen wird immer.
    Ich bin Koch und seit März ohne Arbeit wegen Corona. Habe aber größtenteils Verständnis für die Maßnahmen der Regierung. Die Virusverbreitung kann nur durch weniger Kontakt eingeschränkt werden. Das heißt aber nicht das ich alle Maßnahmen gut finde.
    Es ärgert mich nur immer wieder wenn solche blöden Kommentare geschrieben werden und Leute dabei Beleidigt werden.
    Herr Loher, ich finde es gut das sie dieses Interview gegeben haben damit wir auch ihre Sorgen und die Sorgen der Veranstaltungsbranche verstehen.

  • R.G.

    |

    @”In Krisenzeiten zeigt sich eben, was trägt. Es geht nicht, dass hart arbeitende Bürger die Luftschlösser von Möchtegern-Künstlern und anderen Luftikussen finanzieren.”
    Vollkommen richtig, buddeln Sie ein Loch aus, salzen Sie es stark, schütten Sie viel Wasser rein, dann hat Regensburg außer den vielen Steinen und paar Brücken ein anstängiges Meer und die Nach Corona-Gäste kommen von selbst und bleiben zum Planschen.

    Bis Sie mit ihrem Werk fertig sind, wird man den Touristen was bieten müssen, Live Musik auf’m Schiff und so. Wie sie der Thorsten Loher machen könnte.
    Also, fange sie mal an mit dem Meer. Über alles Weitere lässt sich dann reden.

  • Mr. T.

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    Mir tun jetzt vor allem die Kunstschaffenden leid, die dann mal wieder aus Versehen vor solchen … wie gumsnhoses auftreten und gar nicht wissen, für was für ein Gesindel sie sich da anstrengen.

  • R.G.

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    Bitte die Kritik an den Musikern und anderen Künstlern ab heute im passenden Ton vortragen. Zum Üben, in Youtube:

    “Desi Foxsplains Everything | The Daily Social Distancing Show”

  • Tobias

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    “Aber welcher von den normalen Arbeitnehmern würde sich nicht beschweren, wenn er acht oder neun Monate keinen Pfennig Geld sieht?”

    Sagte er nicht selber, er hätte ALG 1 bezogen? Und danach gibt es für jeden noch die Grundsicherung; hungern, frieren oder sterben muss man in Deutschland wahrlich nicht. Es klappt halt nur nicht mehr mit der geilen Wohnung in einer Industrie- und Universitäts-Boomstadt. Herr Loher, dieses Argument ist unsinn, denn wir “normale” Arbeitnehmer zahlen monatlich in entsprechende (Sozial-)Versicherungen ein und tragen damit streng genommen die ganze Bevölkerung. Haben Sie ja später selber erkannt. Wozu dann das Pseudo-Argument?

    Das mit den Luftikussen sehe ich aber auch ein bisschen ähnlich, da ich selber schon Aussagen von solchen Leuten gelesen und gehört habe, die einfach nur an Traumtänzerei grenzen. “Ich will mir nix sagen lassen”, “Ich will mein eigener Boss sein/mich frei entfalten”, “Spießer”, “Ich komme nicht aus dem Bett”, “9-5-Jobs sind was für graue Mäuse” usw. usf. Da “studiert” man bis 35 irgendeinen Scheiß and er Uni auf Kosten der Steuerzahler und wundert sich später, warum der Ausdruckstanz in der Mälze einem nicht finanziell über Monate hinweg weiterhilft. So oder so ähnlich.

    Selbst Herr Loher sagt ja, dass er im Lockdown keine Aufgabe mehr darin gesehen hat, was zwar natürlich löblich für seine Berufsehre ist, aber wenn ansonsten nicht viel Interesse an Anderem da ist, dann sind die Alternativen halt flink erschöpft. Denn in solch einer Pandemie, die nunmal außergewöhnlich ist, muss man eben auch mal was tun, was “nicht so geil” ist. Ich sage es noch gerne, aber es wurde gerade im Lockdown 1 sehr viel Personal gesucht, die Aushelfen. Viele Studenten haben bei uns etwa Doppelschichten geschoben, weil die Uni zu hatte. Einer unserer Mitarbeiter war 3 Monate da. Der hat sich aber auch nicht beschwert. Man kann wirklich keine Vollkasko-Versorgung erwarten.

    Und nein, ich besuche keine Konzerte und bezahle meine Musik auf iTunes für 1,29€/Song.

    “Wenn es nachher noch Kultur geben soll…” Wie groß soll der Teufel an der Wand sein? Sobald die Sääle frei sind, wird wieder gespielt und gebucht. Dann sind das halt andere Leute.

    Das Problem ist eher, dass es eben diese Menschen gibt, ich glaube sie heißen Roadies. Also Ton- und Lichttechniker, die Fahrzeuge, indirekte Spesen, Bühnenbauer. Das sind die, die richtig abkacken und auch nur ein Bruchteil von dem eigentlichen Sänger bekommen.

    Um endlich zum Punkt zu kommen: In der jetzigen Zeit ist vieles gerade am Ruckeln. Vor allem der durchschnittliche Nachkriegsdeutsche wird gerade ein wenig (!) aus seiner Komfortzone geholt. Wir haben nach wie vor einen sehr, sehr großen und teuren Sozialstaat und ein funktionstüchtiges Gesundheitswesen. Aber wir haben ein ganz, ganz großes Problem am laufen. Und ob da jetzt “Kultur” (die Definition liegt immer im Auge des Betrachters…) gefragt ist, glaube ich weniger. Dass die “Künstler” jetzt gerade ebbe haben, lässt sich nicht vermeiden, aber das direkte und indirekte Einfordern von Solidarität wird langsam alt. Private Rücklagen und eine Versicherung sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe; letzteres existiert eben genau aus dem Gedanke heraus, dass das erstere nie ausreichen wird. Die Frage ist halt, Herr Loher, es gibt auch Leute, die weniger haben als Sie. Der entlassene 400-EUR-Auffüller oder Kellner, die bekommen nicht einmal ALG1 wie Sie; es geht also vielen noch viel, viel schlechter. Helfen Sie diesen Leuten auch aus, aus “Solidarität”, denn auch diese Hilfsarbeiter haben keine Lobby? Immerhin könnten die ganzen wohlfeilen Kommentatoren hier doch bestimmt 50 oder gar 100€ spenden, da sollte doch hier schon ca. 500€ für Sie zusammenkommen….?

  • Peter Morsbach

    |

    Unterschätzt mir doch die Künstlerschaft nicht! Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist in Deutschland nach der Autoindustrie mit 160 Mrd. € Bruttowertschöpfung der zweitgrößte Wirtschaftsfaktor mit 106 Mrd. Euro. (2019) und liegt damit vor der chemische Industrie, den Finanzdienstleistern und Energieversorgern. Warum will das in der Politik keiner und in der Gesellschaft kaum jemand wahrhaben? Was spricht also dagegen, diesen Zweig in der Krise genauso zu fördern wie alle anderen?
    https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Branchenfokus/Wirtschaft/branchenfokus-kultur-und-kreativwirtschaft.html

  • Stefan Egeli

    |

    Tobias:
    ich denke mal, Ihr Beitrag trifft voll ins Schwarze. Aber die Aussage “Man kann wirklich keine Vollkasko-Versorgung erwarten”. stimmt nicht. Denn gerade in Deutschland, und ich glaube eigentlich nur in diesem Land, gibt es eine derartige Rundumvollversorgung mit Miete, Lebensunterhalt, Kranken und Altersvorsorge. Es nennt sich Harzt 4 und darauf hat hier jeder Anspruch, auch wenn man im Vorfeld keinen Cent in das Sozialsystem investiert hat. Auch jeder Künstler, der nichts mehr zum Leben hat, kann sofort einen H4 Antrag stellen und ist zumindest abgesichert.

  • Auch a Regensburger

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    Herr Weber,..sie haben recht. Bin erschrocken über die Kommentare.
    Auch Ihnen vielen Dank. Wünsche auch Ihnen wie Allen Anderen die so radikal von der Pandemie getroffen werden eine anständige Unterstützung.

  • dümmster künstler

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    Kommentar gelöscht. Bitte sachlich.

  • peter

    |

    ich leide sehr darunter keine live-musik mehr sehen zu können, vor corona war 1 konzert in der woche pflicht, oder die tollen sessions der musik-kult leute im kneitinger, oder das jazzweekend und bürgerfest oder oder.
    neben den musikern gibt es die service-leute, die techniker, die verleiher für equipment.
    die leute die bühnen/messebau machen, veranstalter, usw.
    all diese leute haben faktisch berufsverbot, und ein ende ist auch nicht absehbar.
    wer mir sagt, das diese leute NICHT hart arbeiten, ist in meinen augen ein ignorantes a…….
    wir brauchen all diese leute, ich will nicht ohne kultur leben.
    ——————————————————————————————————————–
    “ich bins, ich bins, die luftfahrtindustrie- oh moment wir können ihnen helfen”
    aus:
    (auf youtube)
    Die Echse – Corona-Krise mit Enten nachgespielt | Mitternachtsspitzen

  • Julian86

    |

    Vorausschauende Pandemie-Bekämpfung: Fehlanzeige!

    Dietmar Bartsch kritisierte am 26.11. die einzelnen Minister, auch die Staatsministerin für Kultur, Frau Prof. Monika Grütters.

    Seine Bundestags-Rede, die auch das Verfahren rügt, nennt Ross und Reiter.

    https://www.youtube.com/channel/UCF2SPLBq18sL88yZw9m-GZQ

  • SKN

    |

    gumsnhoses

    Lieber Igendwer, wissen, Sie, was mir an Ihrem unsäglichen Kommentar als einziges gefällt? Der Gedanke, dass Sie mein Hartz IV finanzieren werden, wenn bei mir alles den Bach runtergeht.
    Mit besten Grüßen, Musikerin

  • Ulrike Meindorf

    |

    Kommentar gelöscht. Keine sinnfreien Provokationen.

  • Jochen Andree

    |

    Servus,
    es gibt kleine dumme Kleingeister die mit Kultur nicht’s am Hut haben und lieber mit Rechtsradikalen auf Demos rumlaufen die glauben, das Ihre Grundrechte aufgrund einer Maskenpflicht zum Schutz anderer bereits eingeschränkt sind.
    Thorsten , schei.. drauf. Ist zwar leichter gesagt als getan aber denk dran : Wenn es zwickt gibt’s Freunde die Dir helfen soweit es geht.

    Gruß Jochen Andree Fullhouse Blues Gang

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