SOZIALES SCHAUFENSTER

Grundversorgung de luxe

Für Neukunden: Die REWAG ist bayernweit konkurrenzlos teuer

Der Vergleich über ein Verbraucherportal zeigt: In keiner bayerischen Großstadt sind Strom und Gas für Neukunden so teuer wie in Regensburg.

Ob Strom oder Gas: Zur REWAG wechselt nur noch, wer keine andere Wahl hat. Foto: George Shuklin

Herbert Schneider (Name geändert) lebt mit Frau und Kind in einem Reihenhaus im Landkreis Regensburg. Er wechselt regelmäßig Gas- und Stromversorger. Diese Möglichkeit hatte die Bundesregierung 2012 geschaffen um mehr Konkurrenz auf die regionalen Monopolisten auszuüben – und Schneider macht davon gerne Gebrauch. So auch in diesem Jahr.

REWAG: Mehr als doppelt so teuer wie in München

Seine Verträge sind im April nach zwölf Monaten Laufzeit ausgelaufen. Seither bezieht Schneider als Neukunde bei der REWAG Strom und Gas im sogenannten Grundversorgungstarif GV2. Mit monatlichen Abschlägen von 145 Euro bei 2500 kwh beim Strom und 225 Euro bei 12.500 kwh bei Gas haben sich seine Energiekosten seitdem weit mehr als verdoppelt.

Regelrecht aus den Wolken fielen die Schneiders als sie Bekannte in München besuchten, die praktisch identische Verbrauchszahlen haben. Auch sie sind seit kurzem in der Grundversorgung. Für die gleichen Leistungen zahlen sie an die Stadtwerke München bei Strom monatlich aber nur 71 Euro und bei Gas knapp 90 Euro.

Laut Verivox: Bayernweit teuerste Grundversorgung

Ein Vergleich über das Verbraucherportal Verivox bestätigt: Die REWAG ist mittlerweile der teuerste Grundversorger bei Strom und Gas für „Neukunden“ aller acht bayerischen Großstädte.

Bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 2.500 kwh pro Jahr kassiert der Regensburger Energieversorger in etwa doppelt so viel wie die Energieversorgungsunternehmen in München, Nürnberg, Fürth und Erlangen. In Würzburg ist es immerhin noch um knapp 40, Augsburg knapp 30 Euro billiger. Am dichtesten hinter Regensburg mit den erwähnten 145 Euro liegt Ingolstadt mit 123,01 Euro.

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Gas. Wer als neuer Kunde im Grundversorgungstarif der REWAG landet, zahlt bei 12.500 kwh Jahresverbrauch 224,87 Euro im Monat – mehr als das Zweieinhalbfache als in der bayerischen Landeshauptstadt München (86,54 Euro) und in etwa doppelt so viel wie in Nürnberg, Fürth oder Erlangen. Die Grundversorger in Augsburg, Ingolstadt und Würzburg sind immer noch zwischen 20 und 30 Euro im Monat günstiger als die REWAG.

REWAG: Für Neukunden vllig unattraktiv

„Verglichen mit den günstigen Anbietern der Grundversorgung zahlt eine dreiköpfige Familie im Versorgungsgebiet der REWAG auf Basis von ‘Neukunden-Preisen’ rund 900 Euro im Jahr mehr für Strom und über 1.600 Euro mehr für Gas“, ärgert sich Schneider. „Das entspricht einer Mehrbelastung von über 2.500 Euro im Jahr bzw. gut 200 Euro im Monat verglichen mit den identischen Leistungen in der Landeshauptstadt München oder in Erlangen.“

Dass selbst die kleineren Stadtwerke in Amberg und Weiden neuen Kunden Strom und Gas zu erheblich günstigeren Tarifen anbieten als der Regensburger Energieversorger, „lässt darauf schließen, dass die REWAG Tausenden von Strom- und Gasbeziehern das Geld schamlos aus der Tasche zieht.“

Sprecher verweist auf hohe Einkaufspreise

REWAG-Sprecher Martin Gottschalk versucht, Schneiders Vergleich etwas zu relativieren. Die Berechnungen über das Vergleichsportal seien problematisch, weil dort mit dem neuen Grundversorgungstarif 2 operiert werde.

Wie im vergangenen Dezember berichtet, wurden dieser neue Grundtarif in den Sparten Strom und Gas eingeführt, nachdem zwei große Energiediscounter ihre Lieferungen eingestellt hatten. Die weitere Belieferung der betroffenen Kunden – Gottschalk spricht von „mehreren tausend“ – übernahm die REWAG gemäß gesetzlicher Vorgaben als örtlicher Grundversorger – allerdings mit einem neuen Tarif, der seitdem für alle Neukunden gilt.

Im Vergleich zum bisherigen Grundversorgungstarif für Gas („rewario.erdgas.basis 1“) beispielsweise wurden die Preise für die unfreiwilligen Neukunden im neuen Grundversorgungstarif („rewario.erdgas.basis 2“) mehr als verdoppelt.

Für den Großteil der Kunden gilt der alte Tarif

REWAG-Sprecher Gottschalk bezeichnete diese Erhöhung damals „vor dem Hintergrund der dramatisch gestiegenen Preise an den Handelsmärkten“ als „absolut marktgerecht“. Darin spiegle sich das hohe Preisniveau an den Energiemärkten wider. Es habe keinerlei „Margenausweitung“ oder dergleichen stattgefunden.

Darauf verweist Gottschalk auch aktuell. Man habe im Dezember kurzfristig entsprechende Energiemengen für die zahlreichen Neukunden „zu Höchstpreisen“ einkaufen müssen und diese Mehrkosten entsprechend weitergegeben.

Ein Wechsel aus dem Grundversorgungstarif ist mit zweiwöchiger Kündigungfrist möglich. Und davon scheint ein Großteil der unfreiwilligen Neukunden in der Folge denn auch Gebrauch gemacht zu haben. Gottschalk verweist nämlich darauf, dass für 99 Prozent der Strom- und 95 Prozent der Gaskunden bei der REWAG noch der alte Grundversorgungstarif gilt, es sich also um Bestandskunden mit Altverträgen handelt.

Hier liege, nimmt man obigen Vergleich, der monatliche Abschlag für Strom bei 71,68 Euro, der für Gas bei 82 Euro. „In beiden Sparten sind wir also auf dieser Grundlage, die für nahezu alle unsere Kunden in der Grundversorgung gilt, der günstigste bzw. drittgünstigste Anbieter.“

Andere Stadtwerke: Dasselbe Problem und trotzdem günstiger

Alles gut also? Für Schneider nicht. „ Für Neukunden bei Strom und Gas ist die REWAG der teuerste Versorger in ganz Bayern.“ Gottschalks Begründung klingt für ihn auch nicht schlüssig. „Andere Stadtwerke mussten doch auch Kunden von Energiediscountern aufnehmen, die ihre Versorgung eingestellt haben. Trotzdem sind sie für diesen Personenkreis deutlich günstiger – zum Teil sogar erheblich preiswerter als alle anderen Anbieter.“ Sein Fazit: „Zur REWAG geht nur noch, wer keine andere Wahl hat.“

Warum die REWAG im Vergleich zu den übrigen kommunalen Grundversorgern eine derartige (negative) Ausnahmestellung einnimmt bleibt derweil unklar. In der Vergangenheit war spekuliert worden, dass der im März geschasste Vorstand Torsten Briegel eine falsche Einkaufspolitik verfolgt haben soll. Doch zu entsprechenden Anfragen schweigen sowohl die REWAG wie auch die Stadt Regensburg hartnäckig oder beschwichtigen.

Herbert Schneider ist zwischenzeitlich übrigens zu einem anderen Stromanbieter gewechselt und spart in den nächsten zwölf Monaten über 700 Euro. Und von Gas als Heizenergie will sich die Familie noch in diesem Jahr trennen. Gemeinsam mit einigen Nachbarn überlegt man sich die Anschaffung einer Pelletheizung.

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Kommentare (25)

  • St. Schrödinger

    |

    Das muss dieser Markt sein, von dem immer alle reden.
    Mein Mitleid hält sich in Grenzen, wenn der Markt (offensichtlich zu Ersten Mal) anstatt der gewohnten Ersparnisse auch mal zu Mehrkosten führt.

  • Hthik

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    Wie im Dezember schon Samy Ateia ausführte, trifft es also gerade die Ärmsten, die häufig auf die Grundversorgung angewiesen sind, weil Sie nicht wechseln können. Etwa wegen schlechter Bonität. Oder wegen eines Bonus. Wenn ein Vertrag mit einer Bonuszahlung am Günstigsten wäre, ist er es für einen Hilfebezieher nicht, denn der Bonus wird als Einkommen angerechnet.

  • Oleg

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    Ist doch schön, dass Bestandskunden nicht immer die Idioten sind, sondern bei der Rewag einen fairen Preis bekommen.
    Wenn jetzt einige wesentlich mehr zahlen müssen, weil ihr Billigheimer Pleite gegangen ist und gerade enorme Preissteigerungen für Energiekosten waren, sind und kommen ist dies doch völlig verständlich.
    Wenn es Ihnen nicht, passt können Sie ja zum Nächsten weiterspringen……

  • Bertl

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    Auch ich gehörte zu den Strombeziehern, die nach Vergleich im jährlichen Rhythmus wechselten. Der letzte Vertrag bei einem “grünen” Anbieter lief am 30.4. aus mit Kündigungsfrist 6 Wochen davor. Aufgerüttelt durch die vielen negativen Pressemeldungen über die überproportionalen Preiserhöhungen für Neukunden rief ich vor Kündigungsfrist an mit der Frage, ob der nach 12 Monaten festgelegte Preis (der gering über dem bisherigen lag) bleiben würde. Zu meiner großen Überraschung bekam ich ein Angebot mit einem noch geringeren Preis, das ich selbstverständlich annahm. Der noch ausstehende Bonus wurde fristgerecht ausbezahlt.
    So kann es auch gehen.

  • Johann

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    Find ich in Ordnung… Wichtig ist die Bestandskunden zu schützen und für die muss die Versorgung sichergestellt werden. Wer ständig wechselt, provoziert von Bonusen trägt aber auch selbst das Risiko, dass es teuerer wird. Hab ich kein Mitleid.

  • Johann

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    *profitiert

  • Tobias

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    Ich habe mich für die REWAG entschieden, nachdem der alte Anbieter in Dinslaken (!!) war. Der Vertrag lief bereits als ich einzug. Abgelesen wurde von Techem. Ihr könnt Euch vermutlich vorstellen, was für ein Chaos das war, wenn es mal ein Problem gab.

    Ich bezahle insgesamt gerne einen höheren Preis, wenn es Stabilität mit sich bringt. Ich habe z.B. auch ein Konto bei der Sparkasse – aber bei Versorgung, Finanzen, Versicherung und Gesundheit möchte ich lokale Ansprechpartner.

    Ich finde den Bestandskundenschutz übrigens hervorragend. Also im Allgemeinen gesehen. Auf Arbeit behandle ich Stammkunden auch anders. Das sehe ich überhaupt nicht schlimm an und findet sich in allen Lebenslagen: Bei Freundschaften die lange gewachsen sind oder beim bekannten Elektriker, der Dich eben noch schnell in seinen Terminplan aufnimmt.

  • Schuldentilgung

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    Vielleicht liegen die hohen Gas u Stromgebühren auch daran, dass angeblich von der Rewag Millionengelder zum Ausgleich an städtischen Töchter RVV, Badeanstalten usw überwiesen werden, um damit deren Schulden teilweise zu finanzieren.

  • Bertl

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    @Schuldentilgung, diesen Transfer gibt es doch schon Jahrzehnte, nicht erst seit der Strompreiserhöhung für Neukunden.

  • Michi

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    @Schuldentilgung: Das ist doch nicht ungewöhnlich. Auch in anderen Städten subventioniert die Energiesparte der Stadtwerke andere Angebote wie Bäder, ÖPNV usw.

  • Sascha J.

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    Es sollte neben der Grundversorgung noch einen Sozialtarif geben, für Menschen mit sehr geringem Einkommen und Bezieher von ALG II/Grundsicherung, der mindestens 50 % unter dem Preis für eine normale Grundversorgung liegt.

  • Mr. B.

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    Der Schutz der treuen Bestandskunden sollte immer gegeben sein!

  • Kritiker

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    Sind die Preise der Bestandskunden denn überhaupt marktgerecht/fair/günstig oder werden auch diese treuen Kunden teuer “versorgt” (rhetorische Frage)? Ist die REWAG als regionaler energieversorger noch wettbewerbsfähig? Quo vadis REWAG und das Stadtwerk?

  • Matthias

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    „Zur REWAG geht nur noch, wer keine andere Wahl hat.“ Damit hat Herr Schneider wohl recht!

    Womöglich falsch gewirtschaftet / wer soll’s sonst zahlen wenn nicht der Kunde.

  • Daniela

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    @ Hthik

    Sie haben vollkommen Recht. Viele Mieter haben gar keinen Einfluss darauf, wo ihr Vermieter das Gas bspw. bezieht. Sie zahlen dann die Zeche. Hat sich bspw. ein Vermieter in der Vergangenheit darum bemüht, bei anderen Anbietern, für seine Mieter, einen günstigeren Gaspreis zu erhalten, um die Nebenkosten für die Mieter zu senken, dann könnte dies bei einer möglichen Pleite des Gasanbieter nunmehr rächen. Aber eben für die Mieter. Es gibt ja nicht nur Eigenheimbesitzer in Regensburg.

    Auch bei Stromanbietern ist das ähnlich. Muss ein Mieter, eben, weil er auf den Cent achten muss, Verträge mit günstigen Anbietern geschlossen haben, jetzt durch die Pleite des günstigsten Anbieter, wenn auch nur kurzzeitig, in die Neukunden Angebote der rewag…, könnte dies in wirtschaftliche Schieflage der Mieter führen.

    Ich kann daher die” Schadenfreude” einiger Kommentatoren absolut nicht nachvollziehen.

  • Auch a Regensburger

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    Gerechterweise sollte der gesamte Preis verglichen werden. D.h. Bestands und Neukunden. Bei über 95% Bestandskunden sind die Preise ja voll OK.

    Schließe mich hier auch vielen an. Wer jedes Jahr ummer das Optimum rausholen will darf das ja machen. Doch braucht man sich dich nicht beschweren, wenn es auch mal in die andere Richtung läuft. Erfreulich, das es nich Anbieter gibt, bei denen der treue Kunde belohnt wird und nicht der, der immerzu mit Trennung droht oder wechselt.

  • Andreas

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    Der Herr Schneider (Name geändert) war wohl nicht wirklich clever, einen Vertrag abzuschließen, der nach einem Jahr endet. Wenn er das bisher schon immer so gehalten hat, hat er sicher mit Wechselprämien und anderem Schnickschnack das Geld gespart, das er jetzt draufzahlen muss.

    Viel wichtiger ist, dass die REWAG die Preise für Bestandskunden niedrig hält statt für solche Wellenreiter.

  • xy

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    “Zur REWAG geht nur noch, wer keine andere Wahl hat.”

    Ich hatte das vor geraumer Zeit einmal überprüft und festgestellt, dass die REWAG keineswegs zu den teuersten Anbietern gehörte, sondern eher zu den preisgünstigeren, wenn man die offenkundigen Fake-Anbieter, die offensichtlich nicht nachhaltig wirtschafteten, mal außer Betracht ließ.

    “Ich bezahle insgesamt gerne einen höheren Preis, wenn es Stabilität mit sich bringt. Ich habe z.B. auch ein Konto bei der Sparkasse…”

    Aber gerade die Sparkasse verlangt beachtliche Gebühren, die man bei anderen Geldinstituten nicht zahlen muss, und verweigert zu allem Überdruss auch noch stur die Rückzahlung, wenn die Banken und Sparkassen vom Bundesgerichtshof dazu verdonnert wurden (vgl. https://www.swrfernsehen.de/marktcheck/artikel-bgh-urteil-bankgebuehren-100.html und https://www.test.de/Die-zehn-gemeinsten-Bankgebuehren-So-schuetzen-Sie-sich-vor-Extrakosten-4863720-0), was aber niemanden zu kümmern scheint.

  • KW

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    Loyalität – bis zu einem gewissen Grad – den lokalen Stadtwerken ggü. halte ich auch für sinnvoll.
    Loyalität Banken ggü. ist allerdings für die Otto NormalverbraucherIn vollkommen unangebracht, keine Bank verhält sich im Fall der Fälle ggü. seinen Otto Normalverbraucher-Kunden loyal.

  • joey

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    ein Unternehmen mit hoher Kundenbindung oder sozialer Ausrichtung schafft Reserven. Das ist hier offenbar nicht passiert.
    In Zeiten des Überschusses wird von der Politik gerne alles Mögliche abgezweigt und beim Klimaschutz gibt es ja sowieso kein Halten. Spare (auch bei den Vergütungen für Aufsichtsräte), dann hast Du in der Not. Wenn sich mal kein Politiker mehr für den Aufsichtsrat findet, kann man ja die Vergütungen erhöhen. Vielleicht wäre mal “Solidarität” angesagt?

  • Hthik

    |

    @Sascha J. 13. Mai 2022 um 20:54

    Das ist ein nobler Gedanke, aber ich bin grundsätzlich gegen Almosen und für Rechtsansprüche. Der Ausgleich des Preisanstiegs ist durch eine Erhöhung der Geldleistungen des Existenzminimums für alle zu gewähren. Nicht nur für Regensburger. Nicht nur für Gas und Strom. Nicht nur durch Sachleistungen, die die Entscheidungsfreiheit wegnehmen. Sondern durch Geld. Das ist es wofür Geld da ist und wo es seinen Nutzen für die Menschheit zeigen kann. Es schafft Entscheidungsmöglichkeiten. Als Tauschmittel, das heißt Verrechnungseinheit ist es genial und hilft den Wirtschaftskreislauf zu optimieren. Die Probleme beginnen erst wenn .. ach, was schreib ich schon wieder soviel. Man lese etwa Silvio Gsell.

  • Luck

    |

    @Hthik:
    “Wohltätigkeit ist das Ersaufen des Rechts im Mistloch der Gnade.” (Pestalozzi)
    Würden Juristen immer korrekt urteilen und hinreichend fähige Sachverständige hinzuziehen und sich nicht mit pro-forma-Sprechblasen begnügen und sich von diesen leiten und bestimmen lassen, dann wäre dies doch überhaupt keine Frage oder Thema.

    Almosen haben einen Herr-und-Knecht-Charakter, während Recht zumindest theoretisch auf gleicher Ebene angesiedelt ist. Anstand, Solidarität und Liebe bewegen sich aber niemals auf erstgenanntem. Insofern riecht Gnade oft den Stiefelgeruch des potentiell Tretenden. Die paulinische Form davon ist ein Beispiel hierfür.

    Inwieweit der in weiten Teilen volkswirtschaftliche Analphabet Gesell, Vorname Silvio, den Nagel mal wirklich auf den Kopf getroffen hat, ist mir nicht bekannt. Ich weiß nur, dass dies oft auch Nobelpreisträgern nicht immer gelingt.
    Nein, ich wollte jetzt nicht auf Krugman verweisen, dessen economies of scale Erkenntnisse durchaus noch ausbaufähig sind. Aber wenn ich es mir so recht überlege: Der Preisträger von 2008 (simre) gehört auch in diese Riege, wenn ich mich auf eine gewisse Kommentierung von ihm beziehe.

  • Hthik

    |

    @Luck 15. Mai 2022 um 10:30 | #

    “Wohltätigkeit ist das Ersaufen des Rechts im Mistloch der Gnade.” (Pestalozzi)

    Das hat er wohl mehrmals verschieden formuliert gesagt.

    “Würden Juristen immer korrekt urteilen und hinreichend fähige Sachverständige hinzuziehen und sich nicht mit pro-forma-Sprechblasen begnügen und sich von diesen leiten und bestimmen lassen, dann wäre dies doch überhaupt keine Frage oder Thema.”

    Ja, würden sie ihren Job machen, würde das vermutlich schon reichen.

    “Inwieweit der in weiten Teilen volkswirtschaftliche Analphabet Gesell, Vorname Silvio, den Nagel mal wirklich auf den Kopf getroffen hat, …”

    Quesnay, Smith, Gsell, Marx. Es gibt viele, die ihrer Zeit voraus waren, rückblickend betrachtet aber Wichtiges nicht erkannten. Man kann nicht von Keynes verlangen, dass er vorhersehen konnte, dass sich die Ökonomie eines Tages um das Überleben des Planeten selbst würde kümmern müssen, nicht nur um das Wohlergehen seiner Bewohner. Die einzige Ausnahme, die mir einfällt ist John von Neumann. Der war persönlich stramm antikommunistisch, möglicherweise eine verständliche Reaktion auf seine Erlebnisse, aber seine Arbeiten sind alle theoretisch und, soweit ich sie kenne, ideologiefrei. Die Frage ist, wo in der Welt man die von ihm angenommenen Idealfälle findet.

  • Erstbezug

    |

    Wirklich gelackmeiert sind alle, die zb durch Umzug oder Erstbezug/ Neubau den hohen Preisen der Grundversorgung nicht sofort entkommen.
    Da freut sich die rewag über die vielen neuen Mieter in der Stadt, die mindestens 2 Wochen nicht entkommen. Und wer nicht aufpasst, zahlt auch länger ordentlich drauf. Soviel Loyalität zum lokalen Anbieter haben vermutlich die wenigsten.
    Langfristig neue Kunden binden wird die rewag somit also nicht, was auf kurz oder lang dann auch zu höheren Preisen für Bestandskunden führen wird – die Kosten werden ja nicht weniger.

  • Haslinger

    |

    In dem Artikel von Stefan Aigner wird deutlich, dass Grundversorger in Bayern aktuell zwei unterschiedliche Strategien im Umgang mit neuen Kunden verfolgen. Unter gleichen Rahmenbedingungen – der Einkauf von Gas und Strom wird für alle Energieversorger teurer – erhöht eine Minderheit der Unternehmen ihre Preise in teils schamloser Weise, allen voran die REWAG.

    Wie diese zustande kommen verraten sie nicht. Ihre Kalkulationen werden manche Grundversorger aber wohl in Verfahren offenlegen müssen, die z.B. Verbraucherzentralen in Form von Sammelklagen anstreben wollen.

    Die Mehrheit der Grundversorger – selbst kleinere Stadtwerke – hingegen nutzt die Turbulenzen auf den Energiemärkten gezielt, um verlorene Kundschaft durch „Preise mit Augenmaß“ zurückzugewinnen. Neue Kunden zahlen hier oft die gleichen Preise wie Bestandskunden, ohne dass diese höhere Strom- und Gaspreise aufgebrummt bekommen.

    Es ist nicht schwer vorherzusehen, welche Grundversorger auf längere Sicht zu mehr Kunden, Umsatz und Gewinnen kommen werden. Die REWAG-Verantwortlichen können sich zum Trost an schadenfrohen Kommentaren mancher Stammkunden ergötzen.

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