SOZIALES SCHAUFENSTER

Supermarkt-Beschäftigte im Dauerstress

Respektlose Kunden, ignorante Vorgesetzte und tatenlose Behörden

Beleidigungen sind an der Tagesordnung, Maskenverweigerer und übervolle Märkte auch – Supermarkt-Beschäftigte aus Regensburg schildern, wie sie seit Beginn der Corona-Pandemie unter Druck stehen. Von den Behörden fühlen sie sich alleingelassen. „Die Kunden dürfen alles. Wir dürfen nichts.“

Verena Schneider fühlt sich alleingelassen – von ihrem Arbeitgeber, aber auch von den Behörden. Wir haben ihren Namen ebenso geändert wie den von Kolleginnen, mit denen wir gesprochen haben. Sie arbeiten alle in Regensburger Filialen des Discounters Lidl und beklagen sowohl mangelnden Infektionsschutz für die dort Beschäftigten als auch fehlende Rückendeckung durch Filial- und Regionalleiter. „Die Kunden dürfen alles. Wir dürfen nichts“, fasst Schneider ihre Wahrnehmung seit Beginn der Pandemie zusammen.

Abstände „vor Filialbeginn und nach Schichtende“. Und dazwischen?

Die Mitarbeiterinnen legen uns „Schulungsunterlagen“ vor, die in den Filialen an sie verteilt wurden. Die Anweisungen reichen von Einhaltung der AHA-Regeln (Abstand, Hygienemaßnahmen, Maske tragen) über die Empfehlung der Corona-Warn-App bis zum Hinweis, ausreichend zu lüften. Pausen zu zweit sind untersagt, ebenso dürfen Waren nur noch alleine und nicht mehr zu zweit von Paletten ab- und in Regale eingeräumt werden. Selbst bei der täglichen Abrechnung wird darauf hingewiesen, dass zwar das Vier-Augen-Prinzip eingehalten, aber auf Abstand geachtet werden solle. „Vor Filialbeginn und nach Schichtende halten wir innerhalb und außerhalb der Filiale die Abstände ein“, heißt es unter anderem.

„Das ist alles gut und schön“, sagt Schneider. Aber sobald der Betrieb los und es um die Kunden gehe, würden keine Regeln gelten. Erst seit kurzem gebe es Security-Mitarbeiter, die am Eingang kontrollieren, ob jeder einen der limitierten Einkaufswagen nutzt, um so eine Einhaltung der maximalen Kundenzahl zu gewährleisten. Zuvor sei darauf nie geachtet worden und auch jetzt seien die Kontrollen lückenhaft. Regelmäßig – etwa an speziellen Werbetagen, zu Stoßzeiten oder am Samstag – werde die Höchstkundenzahl überschritten. „Und wenn wir irgendwelche Sonderartikel haben – Werkzeug, Schuhe oder Klamotten – dann werden wir manchmal richtig überrannt.“

„Oft kommen die wüstesten Beleidigungen.“

Was Schneider noch stärker belastet: „Es gibt immer wieder Kunden, die ohne Masken in den Laden kommen, die Maske nicht richtig tragen oder irgendeine Alltagsmaske tragen statt FFP2.“ Doch darauf ansprechen solle man solche Kunden nicht, habe es vom Filialleiter geheißen. „Der sagt entweder, dass das ist nicht unsere Aufgabe ist oder dass wir dafür keine Zeit haben. Außerdem dürften wir wegen eventueller Maskenbefreiungen auch nicht nachfragen wegen Datenschutz.“

Das verursache doppelten Stress, erzählt eine Kollegin. „Es wird gedrängelt, ohne Maske eingekauft und ohne Wagen und wenn man etwas sagt, kommen oft die wüsteten Beleidigungen.“ Diskussionen endeten nicht selten im lautstarken Streit mit Kunden. „Viele sind eh schon gereizt wegen der Gesamtsituation. Das wird dann an uns ausgelassen. Und im Zweifel kann ich mir dann nicht einmal sicher sein, dass ich bei einem solchen Streit die Rückendeckung meines Vorgesetzten habe.“ Da komme es dann auch vor, dass sie oder Kolleginnen der Diskussion aus dem Weg gingen und Maskenverweigerer gewähren ließen. „Wir fahren eh schon alle am Limit und wollen nicht alles ausbaden müssen.“

„Wie es uns geht, interessiert nicht.“

Die Frauen zeigen uns eine Chatgruppe, in der sich Lidl-Beschäftigte aus ganz Deutschland vernetzen. Die Schilderungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland, aber auch von Region zu Region. Von fehlendem Respekt durch Kunden ist häufiger die Rede und davon, dass es manche offenbar bis heute nicht gelernt hätten, eine Maske richtig aufzusetzen. Unterschiedlich werden die Reaktionen durch Vorgesetzte geschildert, mal gibt es Rückendeckung, oft aber auch Druck und den Verweis, die Kunden nicht zu behelligen.

Regensburg taucht in dem Chatverlauf, den wir einsehen können, häufiger auf – mit ähnlichen Aussagen, wie sie Schneider und ihre Kolleginnen treffen. „Man will eben keine Schlangen vor der Filiale. Deshalb wird die Einkaufswagen-Pflicht nicht ordentlich kontrolliert. Nicht, dass noch jemand woanders hinfährt und dort einkauft“, ärgert sich eine von ihnen. „Es geht um den Umsatz. Der wird auf die Personalstunden herunter- und gegengerechnet. Wie es uns geht, interessiert nicht.“

Immer wieder – über Monate hinweg – habe man versucht, mit den jeweiligen Filialleitern über das Thema zu sprechen oder auch dem Regionalleiter, der für alle fünf Lidl-Filialen in Regensburg verantwortlich ist – erfolglos. „Da kam entweder gar nichts zurück oder die Aussage, wir sollten doch froh sein, dass wir einen Job haben. Wir werden einfach ignoriert.“

Fruchtlose Kontrolle durch Ordnungsamt

Mehrere Beschäftigte wandten sich deshalb im vergangenen November an das Ordnungsamt der Stadt Regensburg und schilderten ihre Probleme – keine Kontrolle von Höchstkundenzahl oder Maskenpflicht – verbunden mit der Bitte um Abhilfe. Schon wenige Tage später rief der Leiter einer Filiale alle Beschäftigten zu sich. Da habe es eine Beschwerde beim Ordnungsamt gegeben. Auch die Zentrale in Straubing wisse darüber schon Bescheid. Warum das denn sein müsse. Man solle doch zuerst mit ihm reden.

Noch ein paar Tage später fuhr dann ein Dienstfahrzeug des Ordnungsamtes vor der Filiale vor. Zwei uniformierte Mitarbeiter seien in den Supermarkt gekommen und hätten nach dem Vorgesetzten gefragt, erzählt Schneider. Dann seien sie im in dessen Büro verschwunden und hätten die Filiale nach nicht einmal zehn Minuten schon wieder verlassen. „Das war‘s. Und seitdem ist auch nichts weiter passiert. Es hat sich auch nichts an den Zuständen geändert.“ Auf eine Rückfrage der Beschwerdeführerinnen verweigerte das Ordnungsamt mit dem Hinweis auf „datenschutzrechtliche Gründe“ jedwede Auskunft zu Art und Umfang der Kontrolle – im Übrigen verwies die Behörde auf das Gewerbeaufsichtsamt. Dort sei man für Arbeitssicherheit zuständig.

Stadt: „Kontrolle nur stichpunktartig möglich“

Nachfrage bei der Stadt Regensburg. Dort geht man auf den konkreten Fall nicht ein, bestätigt aber, dass die geschilderte Kontrolle „durchaus so abgelaufen sein“ könne. „Bei Kontrollen wird auch das Gespräch gesucht (in diesem Fall mit der Filialleitung), da die Überwachung der Einhaltung der Coronaregeln in einem Supermarkt primär der Geschäftsführung eines Supermarktes obliegt.“ Aufgrund der Vielzahl der Aufgaben des „Kommunalen Ordnungsservice“ und der großen Anzahl von Beschwerden seien solche Kontrollen „gerade jetzt während Corona (…) immer nur stichpunktartig“ möglich.

Besonders zu Beginn der Corona-Pandemie seien „geschätzt“ im Schnitt täglich drei bis fünf Einzelhandelsbetriebe überprüft worden, heißt es. Genaue Zahlen dazu lägen aber nicht vor. „Eine längere oder gar dauerhafte Überwachung eines einzelnen Betriebes ist leider nicht möglich.“ Allerdings, auch das teilt die Stadt mit, würden Beschwerden über größere Betriebe, bei denen auch Beschäftigte betroffen sein könnten, „immer auch an die Gewerbeaufsicht weitergeleitet“.

Anruf bei der Regierung der Oberpfalz, wo die Gewerbeaufsicht angesiedelt ist. Dort forstet man aufgrund unserer Nachfrage die Unterlagen durch. Zumindest schriftlich liege nichts vor, heißt es am nächsten Tag von einer Sprecherin. Sie fordert die Betroffenen aber auf, sich jederzeit an die Gewerbeaufsicht zu wenden und verspricht: „Dafür haben wir hier auf jeden Fall ein offenes Ohr und behandeln alles vertraulich.“

Lidl-Zentrale kann Vorwürfe nicht nachvollziehen

Die Pressestelle von Lidl, die wir mit den Vorwürfen der Beschäftigten konfrontieren, kann diese „nicht nachvollziehen“. Man verweist auf sein Hygienekonzept, das stetig weiterentwickelt werde, auf kostenlose Masken und Selbsttests für die Mitarbeiterinnen sowie auf die „allgemein geringen Infektionszahlen in unserem Unternehmen“. In jeder Lidl-Regionalgesellschaft gebe es einen Beauftragten für Mitarbeiter und Soziales, an den sich die Beschäftigten vertraulich mit allen Fragen und Anliegen wenden können. „Es hat sich jedoch kein Mitarbeiter aus Regensburg an ihn gewendet.“

Print Friendly, PDF & Email

SUPPORT

Ist Ihnen dieser Text etwas wert?

(via Paypal)

oder:

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (25)

  • Mr. T.

    |

    In dem Teilsatz “da die Überwachung der Einhaltung der Coronaregeln in einem Supermarkt primär der Geschäftsführung eines Supermarktes obliegt” ist die Hauptproblematik bei sämtlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie erkennbar. Während der Privatbereich, Kultur und Gastronomie bis ins Strengste und mit absurden Strafen reglementiert wurde, wurde bei der Wirtschaft immer nur auf Freiwilligkeit gesetzt. Das Ergebnis waren die Wellen zwei und drei auf dem Rücken der Bevölkerung. Ein Versagen einer Regierung, die von Lobbyorganisationen und Leuten, die ihr eigenes Schicksal über das der Bevölkerung stellen, dominiert wird.

  • Sigi

    |

    Es ist ja schön, dass wenigstens im Zusammenhang mit Corona ein Herz für Lidl-Beschäftigte entdeckt wird. Aber meint man ernsthaft, dort seien die Arbeitsbedingungen sonst ok?
    [Satire] Wenn Corona vorbei ist, dann ist ja zum Glück alles wieder ok.
    Diese ganzen Wellen auf dem Rücken der Bevölkerung und ihr Schicksal ist schon schlimm. Die Schweden sollen ja ausgestorben sein. [/Satire]
    Jetzt die Arbeitsbedingungen von Lidl-Beschäftigten schlimm zu finden und immer noch nichts gegen diese Massnahmen zu sagen ist peinlich.

  • Hthik

    |

    @Sigi 14. Mai 2021 um 19:03

    “Aber meint man ernsthaft, dort seien die Arbeitsbedingungen sonst ok?”

    Davon steht nix im Artikel, wie ich durch Anwendung meiner geheimen Superkraft* feststellen konnte.

    *Lesen

  • Mr. B.

    |

    Wer glaubt denn wirklich noch daran, dass solche Konzerne noch überprüfbar sind!
    Gewinnmaximierung ist angesagt!

    Die Arbeiter und nicht nur bei Lidl, können einem leid tun!!
    Dabei sind sie es, die mit hauptverantwortlich waren, dass wir nur zu Beginn der Krise Toilettenpapiermagel hatten, da der egoistische Kunde am Rad drehte!
    Ansonsten waren sie bisher unermüdlich im Einsatz, sodass wir unser tolles Genuss- und Billighamsterngenussleben auch in Corona-Zeiten fortführen konnten und es an nichts fehlte!

    Danke an diese Menschen!
    Die “billige Geste” mit Singen und Musizieren auf den Balkonen wird Ihnen nicht helfen!

  • Tom J

    |

    Natürlich hat das Ordnungsamt dafür keine Zeit. Die haben viel wichtigere Aufgaben zu erledigen und müssen die Pandemie dort bekämpfen wo es am wichtigsten ist. Z.B. die Maskenpflicht in der Regensburger Altstadt kontrollieren… . Weil das Virus anscheinend in Regensburg draußen viel leichter übertragen wird als drinnen… und natürlich nach 22 Uhr. Und grade bei Tätigkeiten bei denen kein Geld erwirtschaftet wird schlägt das Virus anscheinend besonders heftig zu – und diese Bereich müssen somit folgerichtig verstärkt überwacht werden.

  • Madame

    |

    Es ist schon eine Schande, dass in den sogenannten Discountern der arbeitsschutz, hygnieneschutz ua zu kurz kommen. Dabei arbeitet das verkaufspersonal oft ziemlich schwer, um all die Wünsche der Kunden zu erfüllen. Besonders bei sonderartikel ist der ran die Waren gross. Ein Artikel dieser Waren genügt nicht, sondern 2, 3 4, muss der einzelne Kunde haben. Das ist schon seit Jahren so, das die gier nach sonderartikel unverschämt ist. Natürlich wissen die Behörden von diesen arbeitsbedingungen des Personals. Gerade in der pandemie stehen die Mitarbeiter unter einen besonderen Druck von der einen Seite der geschäftsleitung und auf der anderen Seite der Kunden. Die Verkäufer sind auch nur Menschen.

  • Hüpf ins Land

    |

    Sorry …ich als Endkunde,kann von diesen vorgebrachten Aussagen ,wie ins Geschäft kommen ohne Wagen oder zuviele Kunden, mehr als zulässig als auch der Run auf Werbeaktionen nicht nachvollziehen.
    Ich gehe regelmäßig in 3 unterschiedlichen Lidl Filialen im Stadtgebiet einkaufen.
    Gerade in die Filiale in der Donaustauferstr. kommst du nicht ohne Wagen und Maske rein. Dort steht regelmäßig wer,dies zu kontrollieren. Und selbst in Zeiten,wo niemand zur Überwachung dort ist, sind die Wagen,wie in jedem anderen Supermarkt auf die zulässige Personenanzahlpor qm2 reduziert. Keine Wagen /Körbe …Anzahl erreicht…kein Zutritt bis wieder frei wird.
    Vielleicht hatte ich bisher Glück ,mag sein. Allerdings glaube ich das weniger,da ich auch zu den unterschiedlichsten Tageszeiten ,auch zu den sogenannten Stosszeiten, einkaufen gehe.
    Zu den Hygienemassnahmen sowie den Arbeitsbedingungen kann ich nichts sagen.
    Zumindest fällt mir in dieser Filiale eine eigentlich gute Stimmung unter den Mitarbeiten auf.

  • Giovanni Bavarese

    |

    Ich wusste gar nichts von der Einkaufswagenpflicht. Ich bin immer ohne Einkaufswagen in alle Supermärkte ohne Probleme… In Regensburg wird die wohl (nicht nur von mir, wie der Artikel zeigt) nicht beachtet. Nur in anderen Landkreisen wurde ich immer sehr bestimmt ermahnt, so ein Ding mitreinzunehmen.

    Dachte, das sei Pedantierie, aber gibts denn wirklich eine Einkaufswagenpflichtverordnung?

  • Hthik

    |

    @Giovanni Bavarese 15. Mai 2021 um 11:24

    “Dachte, das sei Pedantierie, aber gibts denn wirklich eine Einkaufswagenpflichtverordnung?”

    Der Händler hat dafür zu sorgen, dass die Beschränkung der Personenzahl eingehalten wird. Wie er das macht, ist ihm selbst überlassen. Abgesehen von Diskriminierung (“Neger werden hier nicht bedient”) ist der Händler frei, wenn er in seine Räume lässt oder nicht. Die Einkaufswagenpflicht erscheint sachlich geeignet. Da hat(te) der Türsteher am örtlichen Tanzladen-In-Schuppen-Disco-Beathall-electrodome-was-weiß-ich-wie-das-heute-heißt ein größeres Rechtfertigungsproblem.

  • Hthik

    |

    @Hüpf ins Land 15. Mai 2021 um 10:21

    “Gerade in die Filiale in der Donaustauferstr. kommst du nicht ohne Wagen und Maske rein.”

    Im Artikel steht ja schon

    “Die Schilderungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland, aber auch von Region zu Region.”

    Es ist natürlich gut möglich, dass es auch lokal unterschiedlich ist, aber es scheint wohl kein Einzelfall eines einzelnen, schlampigen Filialleiters zu sein. Dass es anderswo funktioniert, mag schon sein, aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass das überall zu funktionieren hat.

    Es geht hier nicht um irgendwelche Annehmlichkeiten, sondern um grundlegende Dinge, die man voraussetzen können muss. Sobald man aber genauer hinsieht ist es das leider schon fast übliche Geeiere:
    – vollmundige Behauptungen der Wirtschaft, sie mache alles schon freiwillig und ganz genau
    – unklare Zuständigkeit der Kontrolle
    – Kontrolleure, die leider nicht ausreichend kontrollieren können

    Insbesondere so etwas

    “In jeder Lidl-Regionalgesellschaft gebe es einen Beauftragten für Mitarbeiter und Soziales, an den sich die Beschäftigten vertraulich mit allen Fragen und Anliegen wenden können. „Es hat sich jedoch kein Mitarbeiter aus Regensburg an ihn gewendet.“”

    ist einfach unzureichend. Wenn man Tatsachen wirklich überprüfen will, dann geht man hin und prüft die Tatsachen. Man setzt sich nicht hin und wartet darauf, dass jemand, der vielleicht eine Motivation haben könnte, dass er einen die Tatsachen berichtet, zu einem kommt und dies tut. Letzteres tut man, wenn man die psychologischen und sozialen Mechanismen, die solche Nachrichten unterdrücken, dazu nutzen will, vorzutäuschen, die Tatsachen gäbe es wohl gar nicht, weil man habe von ihnen noch nie gehört, zumindest ist man unschuldig, denn man konnte ja nichts ahnen.

  • George W. Kush

    |

    Dann geh doch zu nettooooo

  • Senf

    |

    @Hthik
    Sie wissen ja anscheinend ganz genau was der Autor hier mit seinem Bericht aufzeigen will und welche Zustände durch den Artikel nicht suggeriert werden sollen ;)

    Ganz allgemein, “die Wirtschaft” und ihre Position im Umgang mit den Regeln anhand von Lidlmitarbeitern zu kritisieren geht ins Leere. Es ist doch wohl offensichtlich, dass diese nur Erfüllungsgehilfen mimen sollen. Ebenso wie die Filialleiter. Die Verantwortung für die Gesundheit trägt immer noch jeder selbst. Und selbst im Infektionsschutzgesetz ist klar geregelt, dass nachdem das Hygieneschutzkonzept ausgedacht und angewandt ist, jeder Kunde selbst für das einhalten davon verantwortlich ist, wenn er darauf hingewiesen wurde. (z.B. durch ein Schild) Die Ordnungswidrigkeit/Straftat begeht ja der Kunde und nicht der Mitarbeiter, deswegen kann ich nicht verstehen, warum jetzt die “fahrlässigen Kunden” hier exponiert werden sollen, aufgrund derer, die Mitarbeiter einen Mehraufwand haben sollen. Sind am Ende nicht die Maßnahmen an sich der Grund für den Mehraufwand? Die Kontrolle derer kann nicht Aufgabe von Angestellten sein, zumindest solange es noch (in)offizielles Amt als Blockwart gibt.

  • Charlotte

    |

    Was hätte es gebraucht? Die Verpflichtung für jedes Geschäft, einen Einlass-Kontrolleur zu installieren. Ob er oder sie dann Bändchen, Körbe oder Einkaufswägen zählt oder eine digitale Lösung verwendet, ist dann völlig egal. Hätte den Infektionszahlen gut getan und das Verkaufspersonal entlastet. Tja, und wenn dann die Ordnungskräfte in Regensburg dann auch wirklich mal konsequent kontrollieren würden… dann wäre es richtig einfach und nachvollziehbar!

  • Tobias

    |

    Da ich selber in einem größeren Warenhaus arbeite (bei “meinen” Kundenzahlen ist LIDL ein Witz) bin ich seit über einem Jahr erstaunt darüber, wie dumm und sinnlos diese Verordnungen sind. Es hätte eine einfache Simulation oder einfach nur das kurze Beobachten von Kundenströmen gebraucht, um festzustellen, was für ein Blödsinn das ist.

    1) Die Kunden bewegen sich frei im Laden, das heißt, “Klumpenbildung” ist total normal. Wie auch sonst? Mit Peitschen die Kunden möglichst in alle Ecken des Ladens drängen und dann mit und gegen den Uhrzeigersinn, aber im Reißverschlussverfahren, durch den Laden dreschen, damit sie sich nicht begegnen? Totaler Unsinn.

    2) Die Einlassbeschränkungen sorgen für Klumpenbildung. So sind vor der Tür 50 Kunden, diese 50 Kunden schieben sich als Masse durch den Laden. Wenn ich bei Obst- und Gemüse stehe und auf einmal 50 Kunden um mich herumfummeln, weil die Schleusen wieder aufgemacht worden sind, fragt man sich, was dann von der Verordnung noch übrig ist. Derselbe Pulk schiebt sich dann Richtung Bäckerei, Milchprodukte etc., nur um dann an der Kasse einen Stau zu verursachen. Die paar Ausreißer, die schneller oder langsamer sind, machen das Kraut auch nicht mehr fett.

    Ist halt so, wenn angeblich gebildete und angeblich kompetente Menschen (Virologen, Politiker) in Branchen herumfuchteln, von denen sie keine Ahnung haben…

  • R.G.

    |

    “Ist halt so, wenn angeblich gebildete und angeblich kompetente Menschen (Virologen, Politiker) in Branchen herumfuchteln, von denen sie keine Ahnung haben…”Zitat @Tobias

    Das unterstütze ich voll und ganz.
    Wie arrogant ist es, den Handel vor Ort betreffende Bestimmungen zur Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Kunden, ohne die Einbindung der praktisch im Handel Arbeitenden zu machen?
    Darf ein Händler Entscheidungen der Politiker und Virologen ohne deren Einbindung treffen?

  • Hthik

    |

    @Senf 17. Mai 2021 um 09:24

    “Die Ordnungswidrigkeit/Straftat begeht ja der Kunde und nicht der Mitarbeiter, …”

    Das ist aber auch kein Grund die Polizei abzuschaffen.

    “Die Kontrolle derer kann nicht Aufgabe von Angestellten sein, zumindest solange es noch (in)offizielles Amt als Blockwart gibt.”

    Man ist in anderer Leute Haus. Das Hausrecht übt der hierfür vom Mieter oder Besitzer beauftragt aus. Selbstverständlich kann ich in meiner Wohnung vorschreiben, das jeder sich anbetend vor mir auf den Boden werfen muss. Dazu zwingen kann ich niemand, aber ihn rauswerfen.

  • Hthik

    |

    @Tobias 17. Mai 2021 um 15:52

    “Mit Peitschen die Kunden möglichst in alle Ecken des Ladens drängen ..,”

    “2) Die Einlassbeschränkungen sorgen für Klumpenbildung. So sind vor der Tür 50 Kunden, diese 50 Kunden schieben sich als Masse durch den Laden.”

    Wenn einer davon geht, darf der 51ste rein. Warum sollen die zufällig alle gleichzeitig gehen.

    Wer nicht soweit zählen kann, kann sich ja einen Fachmann einstellen. Zwei Mathematiker sitzen vor einem Gebäude, in das zwei Personen hineingehen. Wenig später kommen fünf heraus. Sagt der eine zum anderen: jetzt sicd noch minus drei drin.

  • R.G.

    |

    Eine Falle, in die beinahe alle Poster gingen; der Artikel forderte uns nicht auf, die Sicht und Gefühle von Kunden oder Politikern zu verstärken, sondern davon, dass die von Befehlen abhängigen Mitarbeiter ihren eigenen Schutz nicht gewährt sehen, solange an ihrem konkreten Arbeitsplatz einzelne oder alle Kunden sich nicht an die Maßgaben zum Schutz vor Coronaviren halten.
    Weil sie, wie Tobias oben anführte, wegen der Einlasskontrollen in Pulks an den einzelnen Bedienstationen anlanden, nachvollziehbar für jeden bei Obst, Bedientheke mit Kühl- und Backwaren, Kassa etc.
    Durch andere Einlassbedingungen könnten wohl die Knäuelbildungen vermindert werden.

    Andere geschilderte Probleme brauchen weitere Lösungen.
    Ich schlage vor, wer sich folgend noch zu dem Thema äußert, solle ein Problem aus dem Redakteurstext konkret aufgreifen und dazu
    entweder verständnisvoll zu den Mitarbeitern hin schreiben oder Lösungen vorschlagen.
    Wie kann sich eine Supermartktsmitarbeiterin gegen Maskenverweigerer wehren?

  • R.G.

    |

    * In jeder Lidl-Regionalgesellschaft gebe es einen Beauftragten für Mitarbeiter und Soziales, an den sich die Beschäftigten vertraulich mit allen Fragen und Anliegen wenden können. „Es hat sich jedoch kein Mitarbeiter aus Regensburg an ihn gewendet.“*
    Liebe Lidl-Chefetage!
    Es werden sich Mitarbeiter aus Filialen an euch wenden können, wo kein Druck ausgeübt und Regeln eingehalten werden dürfen, somit die Vorgesetzten hinter den Bediensteten stehen.
    Nicht an euch wenden kann sich die Mannschaft von Dienstschichten oder Filialen, wo die Vorgaben unzureichend eingehalten (werden können).

    Die Firmenleitung müsste die Kompetenz der Chefs der Filialen stärken, durch Fallbeispiele, wie mit Kunden bei Zuwiderhandeln gegen Corona 19 Schutzregeln vorgegangen werden soll oder muss.

    Es sollten befähigte Personen abgestellt werden, um einzelne Geschäfte zu besuchen, sich die Situation am Ort anzusehen und unterstützend zu handeln. Dabei kann von unter Druck der Vorgesetzten stehenden Angestellten trotzdem leicht erfahren werden, welche Probleme vorhanden sind, wenn man positive Sätze fertigformulieren lässt:
    Ich wäre besser vor Corona geschützt, wenn..
    Bei uneinsichtigen Kunden bräuchte ich diese Hilfe…
    Wenn Prominente oder Politiker sich nicht an Vorgaben halten, bräuchte ich…
    Usw.
    Ich schlage vor, besonderes Augenmerk auf Filialen ohne kritische Rückmeldung von Mitarbeitern zu jedweden Themen zu legen, da diese entweder als Vorbild taugen oder Hilfe benötigen.

    Die Innenarchitektur, darunter die Anordnung von Schütten und transportablen Regalen, ist darauf angelegt, Kunden möglichst lange Wege durch die Läden gehen zu lassen, damit auf den Umwegen möglichst viele Artikel ungeplant im Einkaufskorb landen. Hier ist überlegenswert, ob Abkürzungen geöffnet werden können, während der Infektionsschutz im Vordergrund steht.

  • R.G.

    |

    “Wenn einer davon geht, darf der 51ste rein. Warum sollen die zufällig alle gleichzeitig gehen.”
    @Hthik
    17. Mai 2021 um 17:00 | #
    So stellen Sie, Hthik, sich das Arbeitsleben vor.
    Dass da ständig eine Person als Zählkasper schaut, ob eine oder drei Personen aus dem Geschäft kommen. Logisch müsste dann beim Eingang jemand mit Sprechverbindung stehen, der die angegebene Zahl von Personen spontan einlässt.
    Zahlen Sie persönlich die zwei zusätzlichen Arbeitsplätze?

    Bitte an alle Eltern!
    Lasst eure Kinder in Zukunft nur studieren, wenn sie zuvor durch harte Arbeit in Läden, Fabriken oder Landwirtschaften das praktische Denken üben durften.
    Es hilft der Logik in den Etagen der Entscheider.

  • Mr. T.

    |

    Hthik, die Pointe ist: “jetzt müssen noch drei rein gehen, damit niemand mehr drin ist”.

    Die Problematik ist leider vielschichtig und überall anders gelagert. In manchen Märkten hab ich mich bislang relativ wohl gefühlt, in anderen gar nicht. Auf jeden Fall wurden in den Supermärkten auch viele Augen zugedrückt, die man dann an anderen Stellen umso weiter aufgerissen hat. Zu Lasten der Kunden und vor allem auch der Angestellten, die dazu gezwungen sind, sich der Infektionsgefahr und bescheuerten Kunden auszusetzen.
    Zugangsbeschränkungen bei hohem Besucheraufkommen mögen eine Möglichkeit sein. Einkaufswagenzwang sorgt zwar für Abstand in einer Richtung, schafft jedoch noch mehr Gedränge. Dann hängt es auch davon ab, wie viel Platz in den Gängen ganz allgemein ist.
    Auch beim Umgang mit renitenten Covidioten werden Angestellte oft alleine gelassen. Da muss eine klare Ansage her, dass niemand ohne Maske rein darf, ohne Ausnahme. Dann werden auch die Attestdiskussionen weniger. Dazu noch die Anweisung, dass man sofort die Polizei holen soll, wenn jemand nicht gleich umdreht. Hier bruchte es wohl auch Druck von oben damit einzelne Marktleitungen keinen Spielraum mehr haben.

    Ansonsten hoffe ich mal, dass wir jetzt hier noch über ausklingende Probleme diskutieren, die sich irgendwann in Lust auflösen werden.

  • R.G.

    |

    Was kann ich persönlich tun?
    Da ich selbst nicht zum Einkauf kann, sondern jemanden beauftrage oder liefern lasse, versuche ich beim Schreiben der Liste verantwortungsbewusst zu handeln.
    Heute ließ ich uns Obst, Gemüse, Kühlwaren und Tiefkühlsachen bringen, soviel wie in den Kühlschrank passt. Das ist die Menge für etwa vierzehn Tage. Mehr kann auf ein Mal nicht geschleppt werden.
    Morgen werde ich eine Liste für die Regale rund um Trockenwaren, Putzartikel und Haushaltspapiere, gleich für ein Monat, erstellen. Meine Einkaufshilfen müssen sich nicht jedes Mal durch das ganze Geschäft schlängeln. Ich fordere ausdrücklich dazu auf, das Verkaufspersonal respektvoll und dankbar zu behandeln.
    Am wenigsten Planungsfreiheit haben die ganz armen Menschen, aber wer nur etwas mehr Geld als das Minimum hat, könnte vorausschauend einkaufen, sodass man sich nur möglichst kurz im Laden aufhalten muss.
    (Während Corona-Lockdown habe ich begonnen, bei einem Bauern Eigenerzeugnisse zu kaufen, der zuvor nur Nachbar belieferte. Er war bei jedem Produkt um wenig teurer als der Supermarkt.
    Zuvor setzte er in unserem Wohnblock einen geringen Betrag um, jetzt verdient er das auf nur einer Stiege. Was er mitbringt, stand bisher nicht auf unserem Speiseplan, vor allem viel Wurzelwerk, das ihm sonst das Gastgewerbe abgekauft hätte. Sein Betrieb stand wegen des Ausfalls vor der wahrscheinlichen Schließung.

  • Hthik

    |

    @R.G. 17. Mai 2021 um 18:09

    “Dass da ständig eine Person als Zählkasper schaut, ob eine oder drei Personen aus dem Geschäft kommen. Logisch müsste dann beim Eingang jemand mit Sprechverbindung stehen, der die angegebene Zahl von Personen spontan einlässt.”

    Nein, nein. Ich habe da eine neue App entwickelt. Da bekommt man auf den Smartphone so ein Token, das die Eintrittspermission gibt und das wieder released wird, wenn man das Geschäft verlässt und der Tokencount wird über WiFi kontrolliert, so dass er immer unter dem Maximalwert bleibt.
    Cool, nicht? Wer einsteigen will, jetzt ist noch die Gründerphase und ich mache allen rd-Lesern natürlich ein besonders Angebot, das man nicht ablehnen kann.

    Man kann natürlich auch eine begrenzte Zahl Einkaufswagen verwenden. Ist dasselbe Prinzip.

    War ohnehin nicht glaubwürdig. Zu wenig Denglisch im Prospekt. Wenn man allerdings vielleicht die Tokens in einer Blockchain …

    https://www.dailykos.com/stories/2021/4/23/2027235/-Cartoon-Infrastructure-tweaks

    Der Punkt ist, ich muss mir da gar keine Gedanken machen. Das regelt die unsichtbare Hand des freien Marktes. Das Ergebnis ist vorgegeben, es einzuhalten ist Aufgabe des Geschäftsinhabers. Sollen sich doch bitte die Vertreter des mitfühlenden Kapitalismus (George W Bush compasionate conservativism) Gedanken machen, wie das geht.

    “Lasst eure Kinder in Zukunft nur studieren, wenn sie zuvor durch harte Arbeit in Läden, Fabriken oder Landwirtschaften das praktische Denken üben durften.”

    Harte Arbeit ist vor allem hart und Denken schult man durch Denken. Es mag schon sein, dass man durch harte Arbeit besonders motiviert ist, sich etwas auszudenken, um diese zu vermeiden, aber mit derselben Logik könnte man erwarten, dass die Kranken selbst ein Heilmittel finden, statt das von der Medizin zu fordern. Abgesehen von zufälligen Ausnahmen funktioniert das nicht.

  • Hthik

    |

    @Mr. T. 17. Mai 2021 um 18:10

    “Hthik, die Pointe ist: “jetzt müssen noch drei rein gehen, damit niemand mehr drin ist”.”

    Viel besser. Danke.

    “Die Problematik ist leider vielschichtig und überall anders gelagert.”

    Nur das Rad, das quietscht, wird geölt. Es ist gut, dass die Mitarbeiter sich in Chats austauschen. Demnächst werden sie sich vielleicht auch in Chats organisieren und noch etwas weiter in der Zukunft, erfinden sie dann die Gewerkschaften neu. Nicht, dass ich behaupte möchte, an den Gewerkschaften gäbe es nichts, was neu erfunden werden sollte.

    “Hier bruchte es wohl auch Druck von oben damit einzelne Marktleitungen keinen Spielraum mehr haben.”

    Der Druck von außen oben, das heißt durch die Aufsicht, scheint auch ungenügend.

    “Ansonsten hoffe ich mal, dass wir jetzt hier noch über ausklingende Probleme diskutieren, die sich irgendwann in Lust auflösen werden.”

    Es wird nicht langweilig werden.

Kommentare sind deaktiviert

drin