SOZIALES SCHAUFENSTER

Nix zu melden, aber was zu sagen V: Grüne Jugend

“Straßenbahn statt Autobahn”

Der künftige Stadtrat wird bunter und jünger werden, davon ist bereits jetzt auszugehen. Bei einigen der etablierten Parteien kam es bei den Listenaufstellungen zu großen Bewegungen. Und auch neue Wahlvorschläge bringen junge und neue Leute für den Stadtrat in Stellung. Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen. Heute in der Serie „Nichts zu melden, aber was zu sagen“: Anna Hopfe und Daniel Gaittet von der Grünen Jugend.

Anna Hopfe und Daniel Gaittet wollen frischen grünen Wind in den Stadtrat bringen. Quelle: Grüne Jugend

40 Jahre sind die Kandidatinnen und Kandidaten auf der Wahlliste der Grünen im Durchschnitt. Damit stellen sie die drittjüngste Liste nach der Ribisl-Partie (37) und DIE PARTEI (32). Drei Jahre trennen die Grünen damit von der CSU und acht Jahre von der SPD und der ÖDP. Seit der Listenaufstellung im vergangenen Oktober sorgten die Grünen mit ihren vielen neuen Kandidatinnen und Kandidaten auf den vorderen Plätzen für reichlich Gesprächsstoff. Die 21jährige Anna Hopfe studiert Politikwissenschaft, Französisch und Volkswirtschaftslehre und tritt auf Platz 3 an. Neben Hopfe ist Daniel Gaittet ebenfalls in aussichtsreicher Position. Der 28jährige Mitarbeiter in einem Landtagsbüro der Grünen wurde auf Platz 4 gewählt.

Anna Hopfe und Daniel Gaittet, über kaum eine Liste wurde wohl soviel diskutiert, wie über die der Grünen. Können Sie kurz Ihre Sicht zur Entstehung der Liste schildern?

Daniel Gaittet: Bei uns hat die Auseinandersetzung mit der Kommunalwahl sehr früh begonnen. Vor allem Stefan Christoph hat hier die Initiative ergriffen. Bereits im Sommer 2018 gab es erste interne Workshops und Diskussionen über unser Wahlprogramm. Daran haben insbesondere Personen teilgenommen, die sich vorstellen konnten, auch langfristig Kommunalpolitik zu machen. Wir von der Grünen Jugend haben im Prozess eigene Schwerpunkte gesetzt: Jugend und Beteiligung, Klima und Umwelt, öffentlicher Raum, Mobilität und Wohnen. Uns war es wichtig, erst das Programm und dann die Liste aufzustellen.

Anna Hopfe:

Nix zu melden, aber was zu sagen

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Ich denke, wir haben hier wirklich gute Arbeit gemacht. Als Grüne Jugend haben wir uns aktiv am Programmprozess beteiligt und insgesamt über 60 Änderungsanträge gestellt, von denen die Mehrzahl im beschlossenen Programm steht. Vor allem zu den Themen Nachtbus-Angebot, Fahrradinfrastruktur und Wohnungsbaupolitik ist es uns gelungen, wichtige Inhalte zu setzen. Unser Arbeitskreis Stadtpolitik der Grünen Jugend hat sich im Laufe der intensiven Zusammenarbeit zu einem echten Team entwickelt. Ich selbst sehe mich deshalb nicht als Einzelkämpferin, sondern ganz klar als Teil des gesamten Teams. Ich möchte auch betonen, dass Daniel und mir die vorderen Listenplätze nicht zugeflogen sind, sondern dass wir viel Arbeit und Vorbereitung investiert haben, um jetzt so aussichtsreich kandidieren zu können. Außerdem sehe ich meine Kandidatur auf Listenplatz 3 auch als Beweis dafür, dass Frauen- und Jugendförderung bei den Grünen ernsthaft betrieben werden.

Dennoch gibt es durchaus Vorbehalte, dass den jüngeren Kandidaten am Ende die Erfahrung fehle.

Daniel Gaittet: Jugend und Erfahrung sind kein Widerspruch. Solange ich mich erinnern kann, beschäftige ich mich mit Politik. Schon in der Schulzeit war ich in Bündnissen gegen Bildungsgebühren aktiv und mit Anfang 20 habe ich als Sachverständiger im Bundestag gesprochen. Anna und ich haben insbesondere das letzte Jahr genutzt, um uns auf die Zeit nach der Kommunalwahl vorzubereiten. Wir haben zahlreiche Stadtratssitzungen besucht, um einen Eindruck zu bekommen, wie dort gearbeitet wird und worauf wir uns einstellen müssen.

Anna Hopfe bei einer gemeinsamen Aktion mit den Jusos Regensburg am 28. Februar. Quelle: Daniel Gaittet.

Anna Hopfe: Ich selbst bin seit mehreren Jahren im Kreisverband tätig und habe dadurch bereits einiges gelernt, was Parteien- und Gremienarbeit betrifft. Vorbehalte gegenüber jungen Politikerinnen liegen oft darin begründet, dass es noch zu wenig sichtbare Vorbilder gibt. Auf Bundes- und Landesebene tut sich derzeit schon einiges, aber auf lokalpolitischer Ebene fühle ich mich als junge Frau im aktuellen Stadtrat nicht repräsentiert. Als Anfang Zwanzigjährige bin ich ein Novum in der Regensburger Kommunalpolitik. Mir wird deshalb mit mehr Skepsis begegnet, aber irgendjemand muss ja den ersten Schritt machen. Ich selbst traue mir das Stadtratsamt zu und genieße auch von vielen Seiten das Vertrauen. Das hat mein Wahlergebnis auf der Grünen Aufstellungsversammlung letztes Jahr deutlich gezeigt.

Leider wird oft unterschätzt, welchen Einfluss und Reichweite kommunale Politik hat. Ich selbst habe das Ausmaß und die Verantwortung der Stadtpolitik erkannt, als wir anfingen, am Grünen Kommunalwahlprogramm zu schreiben. Das war letztendlich der ausschlaggebende Punkt für meine Entscheidung, selbst zu kandidieren: Wir können vor Ort richtig was verändern.

Woran lässt sich das erkennen?

Anna Hopfe: Gerade auf kommunalpolitischer Ebene wird entschieden, wie zufrieden die Bürgerinnen und Bürger mit der Demokratie an sich sind. Werden ihre Wünsche und Befürchtungen gehört, wird zivilgesellschaftliches Engagement unterstützt? Wenn es den Menschen vor Ort gut geht, dann hat das auch Auswirkungen über die Region hinaus. In Regensburg existiert durchaus eine rege und wache Zivilgesellschaft, die möchte ich fördern. Allerdings liegen hinter unserer Kommunalpolitik und Stadtgesellschaft turbulente Jahre. Ich denke, es braucht jetzt frischen Wind, der manche Wogen glätten kann.

Daniel Gaittet: Uns ist wichtig, die Arbeit im Stadtrat transparenter und zugänglicher zu machen. Wir wollen den Stadtrat zu den Menschen bringen, durch eine Politik auf Augenhöhe, die das Gegenüber ernst nimmt. Das Problem in den letzten Jahren ist nicht unbedingt gewesen, dass es zu wenig Möglichkeiten zur Beteiligung gab. Aber wie diese Beteiligung ausgestaltet ist, da sehe ich noch viel Luft nach oben. Als Stadtrat will ich nicht nur in Sitzungen sitzen, sondern raus gehen. Politik muss dort sein, wo die Menschen sind.

Das klingt alles etwas idealistisch. Können Sie konkreter werden? Wie sollen die Bürger wieder in einen engeren Dialog mit der Politik gebracht werden?

Daniel Gaittet: Der Stadtrat ist für viele Menschen oft zu weit weg. Vielleicht braucht es deshalb unterhalb des Stadtrats, also in den Stadtbezirken, eine neue Struktur? Wir haben diese Idee ins Wahlprogramm geschrieben und wollen Räte für Stadtbezirke, sogenannte Bezirksausschüsse, einführen. Spezifische Probleme vor Ort können so direkter in den Entscheidungsprozess eingespeist werden. In einem ersten Schritt könnten diese neuen Räte mit beratender Funktion eingeführt werden. Wenn sich das in der Praxis bewährt, könnten die Bezirksausschüsse wie in München eigene Zuständigkeiten übertragen bekommen.

“Mehr Junge Vorbilder”, wünscht sich Anna Hopfe (3. v.r.).

Anna Hopfe: Mit uns Jungen kommen neue Möglichkeiten der Kommunikationswege, vor allem, aber nicht nur zur jüngeren Generation. Als Stadträtin möchte ich Präsenz zeigen und Angebote schaffen, mit mir ins Gespräch zu kommen. Für junge Menschen wird die Hürde niedriger sein, sich an mich zu wenden, weil ich durch mein Alter näher an ihrer Lebensrealität dran bin. Toll wäre es, ein Vorbild zu sein, und mehr junge Menschen zu ermutigen, sich und ihren Interessen Gehör zu verschaffen.

Jetzt haben wir viel über eine eventuelle Neugestaltung der Stadtratsarbeit gesprochen. Doch am Ende wird die Politik immer auch an den direkten Maßnahmen für die Stadtentwicklung gemessen. Was schwebt Ihnen beiden für die kommenden Jahre vor?

Anna Hopfe: Unser Ziel ist es, Regensburg bis 2030 klimaneutral und damit fit für die Zukunft zu machen. Der Verkehrskollaps in unserer Stadt zeigt, dass mutigere Politik notwendig ist. In den Wahlprogrammen anderer Parteien ist plötzlich viel von der Verkehrswende die Rede, aber wer es damit ernst meint, muss entschlossener handeln. Wir sichern die Mobilität der Menschen, indem wir umweltfreundliche Alternativen zum Auto schaffen. Und natürlich sind wir für eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs. Weniger Autos bedeuten weniger Stress und frischere Luft.

Astrid Freudenstein macht hier eher Klientelpolitik anstatt Maßnahmen ergreifen zu wollen, die jetzt sofort nötig und hilfreich sind. Die CSU gibt vor, die Verkehrswende umsetzen zu wollen, aber wenn es konkret wird, will sie die Privilegien der Autofahrer nicht antasten – das kann nicht funktionieren. An der ein oder anderen Stelle werden wir zunächst mit Übergangslösungen arbeiten müssen, um langfristig konkrete Konzepte entwickeln zu können. Am Ende soll Mobilität Spaß machen und dafür brauchen wir den Radverkehr genauso wie attraktive Fußwege und den Ausbau des ÖPNV. Das muss als großes Ganzes gesehen werden. Nur dann kann das funktionieren.

Daniel Gaittet: Wir schaffen Akzeptanz durch Funktionalität. Zum Beispiel halte ich Park and Ride-Plätze als Übergangslösung grundsätzlich für eine gute Idee. Aber das muss am Ende auch funktionieren, damit die Menschen das annehmen. Deshalb brauchen wir Park and Ride-Plätze am Stadtrand mit guter Busanbindung und Fahrradstellplätzen. Das Parken in der Innenstadt muss teurer sein als am Stadtrand, damit es nicht attraktiv wird, mit dem Auto bis ins Zentrum zu fahren. Genauso beim ÖPNV. Wenn die Linien nicht zweckmäßig und die Tickets zu teuer sind, ist das Auto auch in der Stadt die erste Wahl und davon müssen wir wegkommen. Wir stehen für Straßenbahn statt Autobahn und wollen die Verkehrswende in Regensburg aufs Gleis setzen.

Das Grünen-Programm trägt den Titel „Regensburg gehört allen“, was bedeutet das?

Daniel Gaittet: “Regensburg gehört allen” heißt für mich, wir verhindern, dass Armut am Stadtrand versteckt wird und Reichtum die Innenstadt schmückt. Mit uns muss die Stadt eine aktive Rolle in der Wohnungspolitik übernehmen. Wir werden das kommunale Unternehmen Stadtbau und ortsansässige Genossenschaften stärken. Dort, wo die Stadt vermietet, können wir Mieterhöhungen verhindern. Mit Mieten unterhalb der ortsüblichen Vergleichsmiete beeinflussen wir den Markt über die städtischen Wohnungen hinaus. Als Stadtrat will ich aber auch für Menschen ansprechbar sein, die von Mieterhöhungen, Kündigungen und Zwangsräumungen bedroht sind und mich für einen fairen Umgang mit Menschen ohne Obdach einsetzen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Kommentare (20)

  • Taxifahrer

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    Ich versteh nicht, warum man das eine gegen das andere gegeneinander ausspielt.

  • Volkmar

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    ?Straßenbahn statt Autobahn?
    Jetzt soll wahrscheinlich die letzte deutsche Industrie auch noch an die Wand gefahren werden. Bravo.

  • Piedro

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    @Volkmar
    Soso, Autobahn ist die “letzte deutsche Industrie”. Was für ein Schmarrn. Und Straßenbahnen fahren die “gegen die Wand”. Allerliebst. Sonst noch was?

    Die deutsche Industrie ist vielfältig, ein nicht unwesentlicher Bereich ist immer noch im Mittelstand angesiedelt. D-Land ist nicht nur wegen der Autohersteller Exportweltmeister. Oder meinen Sie, außer Autos exportieren wir nur Spreewaldgurken, Weißbier und Exkanzler?

  • Piedro

    |

    Leider haben die Jung-Grünen meine Erwartung auch nicht enttäuscht: das dauerhaft rechtswidrige Handeln der Sozialbehörden ist auch für diese kein Thema. Trifft ja auch nur die Ärmsten und Hilflosesten, die gehen eh nicht wählen. Aber warum sollten sie sich damit beschäftigen, das interessiert die Bürger ja nicht wirklich.

  • Tröster

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    @Volkmar:
    Geht’s auch eine Nummer kleiner? Die deutsche Automobilindustrie wird sicher nicht “an die Wand gefahren”, das erledigt sie schon ganz alleine (E-Mobilität verschlafen, Diesel-Skandal etc.).
    Außerdem ist sie nicht”die letzte deutsche Industrie”; es gibt ja wohl noch die Chemische Industrie, den Maschinen bau, die Elektroindustrie und die überauszahlreichen diversen Mittelständler. Also bitte nicht immer gleich so übertreiben, zumal in Überschriften gerne etwas zugespitzt formuliert wird.

  • KW

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    @Taxifahrer
    Was genau meinen Sie mit dem einen und was mit dem anderen und in wie weit werden diese beiden Unbekannten in o.a. Interview gegeneinander ausgespielt?

    @Volkmar
    Der deutsche Industrie- und Wirtschaftsmotor besteht mitnichten aus drei oder vier großen, leider seit vielen Jahren wenig innovativen, Autoherstellern, sondern aus sehr vielen Mittelständlern.
    Und falls diese paar großen Autohersteller ihrer Meinung nach wegen einer Straßenbahn (unabhängig davon ob man eine solche in Regensburg für sinnvoll hält oder nicht) an die Wand gefahren werden, dann scheinen Sie diese ja schon als todkranken Patienten zu sehen.
    Ach ja eine Frage noch: Haben Sie, um auch selbst aktiv die großen deutschen Autohersteller zu unterstützen, brav in den letzten Jahren und Jahrzehnten mind. alle 3 Jahre einen neuen Mercedes, VW, BMW, Opel etc. gekauft? Oder haben Sie sich einfach nur darauf verlassen, dass ja eh ein nicht unwesentlicher Teil der deutschen (und somit auch Ihrer) Steuerlast eben jener Autoindustrie zugutekommt?

  • Joachim Datko

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    Die Grünen erzeugen Armut!

    Zu Daniel Gaittet: “„Regensburg gehört allen“ heißt für mich, wir verhindern, dass Armut am Stadtrand versteckt wird und Reichtum die Innenstadt schmückt.”

    Ich sehe in der Innenstadt keinen Reichtum. Die Geschlechtertürme sind noch aus vergangenen Zeiten und nicht mehr aktuell, was die Demonstration von Reichtum anbetrifft. Die Regensburger Innenstadt ist keine gute Wohngegend, da die alte Bausubstanz kein großzügiges, helles Wohnen zulässt. Durch den hohen Kirchenbestand sind auch die größeren Wohnungen in den oberen Etagen einem dröhnenden Lärm der Kirchenglocken ausgesetzt.

    Meiner Ansicht nach erzeugen die Grünen Armut, so z. B., wenn wegen der überzogenen Umweltgesetzgebung Mieten und Nebenkosten horrend erhöht werden.

    Was die Geschäfte angeht, ist in der Regel nicht viel zu holen. Das sieht man am hohen Leerstand, am häufigen Mieterwechsel und an den niedrigen Geschäftsmieten in der zweiten Reihe. Man denke auch an die Maxstraße, in bester Lage, strahlt sie bestimmt keinen Reichtum aus.

  • Bertl

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    Ihr lieben Grünen jungen Rebellen,
    Straßenbahn gegen Autobahn ist also ein Slogan von Euch.
    Dazu die Meinung von jemanden, der mit über 70 regelmäßig verschiedene Ärzte aufsuchen muss:
    Ohne mein kleines Auto ginge das gar nicht. Ich würde ohne dieses Gefährt einen großen Teil meiner Selbständigkeit verlieren. Die Anschaffung eines Elektroautos ist für mich zu teuer. Ein Ruftaxi würde den Rahmen sprengen.
    Ich fahre zwar noch Rad, aber nur auf Radwegen, z.B. an der Donau entlang, nicht mehr in der Stadt, das wäre mir zu gefährlich.
    Die Busse bzw. der Öffentliche Nahverkehr sind nicht so ausgestattet, dass ich sie benutzen kann:
    Z. T. sind die Haltestellen zu weit vom Ziel weg.
    Zu oft muss ich umsteigen, um ans Ziel zu kommen.
    Die Anschlusszeiten liegen oft bis zu 40 Minuten auseinander.
    Die Anschlagtafeln mit den Fahrplänen sind für mich meist nicht lesbar, da zu weit oben, zu klein geschrieben, zu unübersichtlich gestaltet.
    Es ist ohne Auto eine Tagesreise ohne bestimmten Ausgang.
    Zu meiner Selbständigkeit im Alter gehört auch, dass ich meine Einkäufe selbst erledigen kann. Auch dazu brauche ich mein kleines Auto.

    Liebe Grüne, Ihr denkt zwar an Eure Zukunft, das ist gut so.
    Aber vergeßt bei aller Sorge darum nicht die Gegenwart derer, die nicht mehr so fit sind wie Ihr.
    Und vergeßt auch nicht all diejenigen, die im Vertrauen auf die Wirtschaft einen Beruf ausüben, auf dessen Einkommen sie angewiesen sind, mit dem der Lebensunterhalt samt Familie gesichert wird.
    Wenn das nicht mehr erwirtschaftet werden kann, weil die Zukunftsvisionen zwar phantasievoll und gut gemeint sind, aber zur Verwirklichung eben doch etwas mehr gehört als nur der gute Wille und Demonstrationen, dann gibt es auch nichts mehr zum Verteilen.
    Vergleicht lieber die Situation der durchschnittlichen Menschen in den Deutschland vergleichbaren Ländern wie Schweiz, Niederlande, Österreich, Frankreich: Mehr Netto vom Brutto, mehr Rente, bessere Kinderbetreuung, Gesundheitssystem, Bildungschancen usw.
    Auch das gehört zu Eurer Zukunft, vergeßt das nicht. Ihr solltet Euch deshalb mehr mit den alltäglichen Ungerechtigkeiten beschäftigen, bevor zu viel kaputt geht, bevor Neues sinnvoll und gut durchdacht aufgebaut ist.

  • @Bertl

    |

    @Bertl: Denken Sie nicht, die meinen eher den Durchgangsverkehr durch die Altstadt (Gesandtenstraße, Brixener Hof usw. usf.) als die Zufahrt zu einem Behindertenstellplatz für den Arztbesuch?

  • Bertl

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    @Bertl, nein, meine ich nicht. Es gibt eine Art von Mobilitätsbedarf für Ältere, die keinen Behindertenausweis haben, aber nicht mehr so flott im Gehen sind. Arztbesuche können sich vom Äusseren Westen der Stadt bis zu den Arcaden, von Krankenhaus Barmherzige Brüder bis zu den neuen Arztpraxen in der Straubinger Straße und zu Fachärzten in der Günzestraße ziehen.

  • Günther Herzig

    |

    Mehr und mehr gefällt mir dieser Piedro!
    (Abgewandelt aus dem Film “Jakobowsky und der Oberst” mit Curd Jürgens, 1958)

  • Piedro

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    @Joachim Datko
    “Meiner Ansicht nach erzeugen die Grünen Armut, so z. B., wenn wegen der überzogenen Umweltgesetzgebung Mieten und Nebenkosten horrend erhöht werden.”
    Bestimmt haben Sie auch ein Beispiel dafür, wie durch Umweltgesetzgesetze die Nebenkosten erhöht wurden, und warum das “überzogen” ist. Aber wie gewöhnlich werden Sie uns dieses Beispiel nicht nennen, sondern sich mit der Behauptung begnügen.

  • KW

    |

    @Bertl
    Wenn man die Vorschläge der Grünen liest kann man leicht erkennen, dass hier niemand den motorisierten Individualverkehr (MIV) komplett abschaffen will, sondern dass dieser zumindest in der Innenstadt eingeschränkt werden soll, bei gleichzeitig attraktiverem Ausbau des ÖPNV und von P&R Parkplätzen an den Rändern der Stadt.
    Sprich es wird ein Politikwechsel angestrebt, weg von den Fehlern der 1960er und 70er Jahre, in denen auf Teufel komm raus der MIV gefördert wurde. Solche sinnvollen Bestrebungen kann man im Prinzip in jeder Mittel- bis Großstadt in D erkennen.

    Zu ihren Beispielen hab ich mal den Weg vom äußeren Westen zu den Arcaden rausgepickt:
    Linie 6 von der Haltestelle Prüfening (Roter-Brach-Weg, Ecke Rennweg) zur Haltestelle Arcaden: Fahrtzeit 25 min, kein Umsteigen nötig.
    Und es wird angestrebt die Busverbindungen noch besser, kürzer getaktet und billiger zu machen.

    Weiter argumentieren Sie für Ihren konkreten Fall das “kleine Auto” statt des Busses wählen zu müssen, das Lesen der Fahrplanaushänge falle Ihnen schwer. Da Sie sich offensichtlich erfolgreich im Internet bewegen können, empfehle ich Ihnen zur Busverbindungssuche folg. Seiten:
    https://www.rvv.de/Fahrplan.n6.html
    https://www.bayern-fahrplan.de/de/auskunft
    Dort können Sie sich gemütlich zu Hause die beste Verbindung raussuchen.

  • Bertl

    |

    KW, diese gut gemeinten Ratschläge gehen völlig an der Realität vorbei. Ich weiß nicht, wie alt und wie fit Sie sind. Ich war einmal fit, bin es jetzt nicht mehr.
    Die Verbindungen, wie Sie raten, rauszusuchen ist eines. In der Praxis sieht das anders aus.
    Da muss man zeitlich flexibel sein, da die Termine nicht in ein voraussehbares Zeitraster passen – manche dauern länger.
    Genau diese kaltschnäuzigen “gutgemeinten” Ratschläge von Menschen, die noch nicht mit körperlichem Abbau belastet sind, machen mir Angst.

  • KW

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    @Bertl
    Wenn mein Kommentar Sie in “Angst” versetzt, dann tut mir das leid. Das war nicht beabsichtigt und nicht so gemeint.
    Um aber beim Beispiel der Linie 1 (1 ab Prüfening, 6 ab Roter-Brach-Weg, hatte mich vorher vertan) und der geforderten Flexibilität zu bleiben, der 1er und der 6er fahren unter der Woche tagsüber alle 10min. Und der Weg vom Ärztehaus zur Bushaltestelle ist sicher nicht viel weiter als zum Auto auf einem der Parkdecks.
    Aber wie schon geschrieben, der ÖPNV soll gerade für solche Fälle noch verbessert werden und keiner will Autos komplett abschaffen.
    (Und ja, im Interesse der Forenregeln werde ich auf weitere Zwiegespräche verzichten).

  • @Bertl

    |

    Sie schreiben von „ Ältere (n), die keinen Behindertenausweis haben, aber nicht mehr so flott im Gehen sind“. Wenn Sie mobilitätseingeschränkt sind, können diese Menschen einen Grad der Behinderung beantragen. Ich verstehe, dass viele Leute dazu zu stolz sind, sich das einzugestehen. Allerdings muss ich sagen, ich habe kein Verständnis dafür, dass man direkt vor anderer Leute Haustür parken will, dafür aber nichts in Kauf nehmen will (GdB beantragen).

  • Charlotte

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    Ich kann mit vielen Ideen viel anfangen, finde allerdings vieles auch nicht praktikabel und sinnvoll. Aber vielleicht liegt es dann doch an der stürmischen Jugendlichkeit, die oft sehr gute Denkanstöße bietet, aber aufgrund fehlender Lebens- und Berufserfahrung den notwendigen Erfahrungsschatz nicht parat hat. Das ist keinesfalls ein Vorwurf, sondern eine Tatsache. Und für politische Funktionen doch sehr wichtig.

    Es macht auch keinen Sinn, das Auto komplett zu verteufeln. Es hat vieles auch ermöglicht. Aber natürlich wäre es ein wichtiges Anliegen, die Hersteller endlich zu umweltverträglicher Technologie und weniger Verbrauch zu zwingen – und dieses Thema fehlt leider völlig. Denn natürlich ist der ländliche Raum auf Mobilität angewiesen, Familien mit mehreren Kindern, gleichzeitiger Berufstätigkeit und manchmal noch mit der Verantwortung für pflegebedürftigen Eltern irgendwo außerhalb in Regensburg konfrontiert kommen mit Fahrrad oder ÖPNV wenig zurecht. Wie schon kommentiert, können auch Senioren und Menschen mit Behinderung mit Auto lange besser am Leben teilhaben und ihre Selbstständigkeit bewahren.

    Auch finde ich es völlig übertrieben, von Stress durch Verkehr zu sprechen – klar gibt es zu den üblichen Berufsverkehrszeiten mehr Verkehr, aber ich fühle mich keinesfalls auf Regensburgs Straßen gestresst. Tagsüber und am Wochenende ist eigentlich sehr wenig los auf den Straßen.
    Auch als Radfahrer muss man nicht ständig um sein Leben fürchten, auch wenn ich sehr dafür bin, Schwachstellen im bestehenden Radnetz dringend zu beseitigen.

  • Bertl

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    KW: Entschuldigung angenommen.
    Die Linie Westen – Arcaden ist ja nicht die einzige, die ich benützen müßte. Das können Sie aus meinem ersten Beigtrag ersehen.
    Manche Termine finden an einem Tag statt. Dann wird es schon sehr schwierig. Ich konnte z.B. eine zeitlang nicht Auto fahren und war auf den Bus angewiesen. Ich habe Arzttermine versäumt, rausgeschoben und ich hatte Tage, da kam ich erschöpft nach Hause durch den Stress. Ein Taxi zu benutzen, hätte mein Budget gesprengt.
    Ich würde gern erst sehen, dass die Voraussetzungen geschaffen sind, um öffentliche Verkehrsmittel benutzen zu können. Und zwar auch von Menschen, die nicht mehr so flott sind wie Schüler und Studenten.
    Dann erst möchte ich über die Nichtbenutzung meines kleinen Autos reden.

  • Mr. T.

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    Bertl, es ist überhaupt keine Frage, dass gerade Menschen, die mit gewissen EInschränkungen leben müssen, der Alltag mit einem Auto deutlich leichter fällt. Und das gilt nicht nur auf dem Land, sondern auch in Regensburg. Genauso ist es aber auch keine Frage, dass ökologische Forderungen, wie das Fördern des ÖPNV oder das Reduzieren von Autos in der Innenstadt, den Individualverkehr an sich in Frage stellen. Es schadet sicher nichts, wenn der ÖPNV oder das Radlfahren etwas bequemer wird und das Autofahren dafür etwas unbequemer. Vielleicht bietet sich dann für den einen oder anderen öfter die Gelegenheit, das Auto zu Gunsten anderer Alternativen stehen zu lassen.

  • Julian86

    |

    Der Gedanke in der Stadt, ähnlich wie in München, Bezirksausschüsse einzurichten, um die Quartiers-bezogene Kooperation mit dem Bürger zu verbessern, ist ein ausgezeichneter.

    Darüber hinaus:
    Ein Blick zurück erscheint mir (nicht nur) für die jungen Grünen angebracht, von Kanzler Schmidts Rede vom 4. Juli 1979 (“CO2-Anstieg verdreifacht”), mit dem zwischenzeitlichen Einzug der Grünen in den Bundestag bis zum “Erscheinen” von Greta Thunberg 2019.

    40 Jahre lang wurde aus dem Wissen um die klimatischen Zusammenhänge der C02-basierten Erderwärmung keine wirkmächtige Politik gezimmert.

    Ein Grund mehr nunmehr 2020 auch auf lokaler Ebene mit allen fortschrittlichen Kräften den Umbau unserer Lebens- und Produktionsweise gegen alle – konservativen – Kräfte mit Nachdruck und generationsübergreifend anzugehen. Dazu ist der Wählerzuspruch für grüne Politik (u.a. B90/Die Grünen, ÖDP) das Gebot der Stunde, die Methode der (Aus)Wahl.

    https://www.piqd.de/klimawandel/wie-lange-verdrangte-der-bundestag-die-klimakrise

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