SOZIALES SCHAUFENSTER

Beiträge mit Tag ‘Gedenken’

Stadtrat gedachte der Machtübernahme

Bemerkenswert und doch geschichtsvergessen

Zur 80. Jahrestag der Machtübernahme der Nationalsozialisten hat Oberbürgermeister Hans Schaidinger im Stadtrat eine bemerkenswerte Gedenkrede gehalten. Bemerkenswert insofern, weil er sich erstmals konkret mit frühen Opfern des NS-Regimes beschäftigte: mit Kommunisten und Sozialdemokraten. Dies ist in einer Stadt, in der eine Schule nach dem Nazi-Bürgermeister Hans Hermann und eben nicht nach beispielsweise einem kommunistischen oder sozialdemokratischen Gegner des Regimes benannt ist, keine selbstverständliche Übung. In anderen Teilen seiner Rede zeigte sich der Oberbürgermeister schlecht informiert, zum Teil verlor er den Überblick und nicht zuletzt zeigte er sich – wie es schön diplomatisch heißt – geschichtsvergessen. Hans-SchaidingerFür sein Vorhaben, „an das Geschehen auf dem Weg in den Unrechtsstaat in unserer Stadt“ zu erinnern, hatte sich der Oberbürgermeister zuvor auf Recherche begeben. Er war im Stadtarchiv und hat unter anderem mit dem stadtgeschichtlichen Standardwerk von Helmut Halter, „Stadt unterm Hakenkreuz“ gearbeitet. Schaidinger beginnt seine Rede (hier komplett als PDF) mit dem Tag der „Machtübernahme“ der NSDAP am 30. Januar 1933 und schildert, und schildert, belegt mit Quellen, die Eskalationsstufen des politischen Terrors, dem Regime-Gegner ausgesetzt waren. Nach der Reichstagswahl 5. März, aus der Adolf Hitler mit Unterstützung der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) aus Reichskanzler hervorging, habe sich die politische Lage gravierend geändert. Gewalttätige Übergriffe gegen Sozialdemokraten und Kommunisten waren an der Tagesordnung. Schaidinger zitiert für diesen Einschnitt den ehemaligen Stadtrat und Bürgermeister Hans Weber: „Die Verprügelei ist erst richtig losgegangen nach dem 5. März. Da wurden dann einzelne SPDler, die sich mit der SA angelegt hatten, geholt und verprügelt.“ Die Machtverhältnisse im Reich wurden in den folgenden Tagen von neuen Machthabern per Dekret auf die kommunalen Parlamente übertragen. Am 9. März 1933 hing eine Hakenkreuzfahne aus dem Rathausturm, tags darauf wurde die Stadtratssitzung von einer SA-Truppe unter der Führung von NSDAP-Kreisleiter Weigert gestürmt. Es war dies die letzte Sitzung unter Oberbürgermeister Dr. Otto Hipp. In den folgenden Tagen wurde das Regensburger Gewerkschaftshaus „Paradiesgarten“ und die Druckereigebäude der Volkswacht, wo sich auch das Bezirksbüro der SPD befand, von der Polizei besetzt. Der konservativen Presse erging es ähnlich. Mit einem Dekret vom 20. März 1933 untersagte, so Schaidinger weiter im geschichtlichen Verlauf, der bayerische Innenminister und Gauleiter Adolf Wagner „sämtlichen marxistischen Parteien“ angehörenden ehrenamtlichen Bürgermeistern die Ausübung des Amtes. „Gemeint waren natürlich insbesondere die Sozialdemokraten.“

Schaidinger ehrt Stadtrat von 1929

Schaidinger referierte im Weiteren detailliert über die Verfolgung von SPD- und KPD-Mitgliedern, berichtet von der Gefangennahme jüdischer Männer in sogenannte „Schutzhaft“ und von der Zerschlagung rechtsstaatlicher Strukturen. Er verlas die Namen aller Stadträte, die am 8.Dezember 1929 als letzte demokratisch gewählt wurden, einschließlich der Bürgermeister Otto Hipp und Hans Herrmann. Dessen Nazi-Karriere wird vom ihm allerdings verschwiegen, hier wäre es um die unschöne Kontinuität von BVP-NSDAP-CSU gegangen. Schaidinger versäumte es allerdings nicht, die Situation der BVP-Mitglieder bis zum Verbot der Partei zu skizzieren. Dabei resümiert er pauschal und unhistorisch: „Die demokratisch gewählten Stadträte und der gewählte Oberbürgermeister haben mit ihrer Haltung gezeigt, dass die Kommunen das letzte Bollwerk gegen den Nationalsozialismus waren und dass es in den Kommunen mutige Männer und Frauen gab, die versucht haben noch aufzuhalten was tatsächlich unaufhaltsam war.“ Ihnen gebühre Respekt und Achtung. Diese Bewertung ist – nimmt man Halters Studie – gelinde gesagt, recht eigenwillig.

Bedenkliche Bewertung

Und mehr als bedenklich mutet es an, dass Schaidinger neben dem Nazi-Karrieristen und SS-Fördermitglied Hans Herrmann „die Spitzenbeamten der Stadtverwaltung“ fälschlicherweise zu den Opfern des NS-Regimes rechnet. Hätte er Halters Arbeit gewissenhaft zu Rate gezogen, wäre ihm diese Umdeutung der Haltung von „Spitzbeamten“, denen Halter sogar ein eigenes Kapitel widmet, nicht passiert.

„Volksaufstand“ und „die Spitzenbeamten“

Otto Schottenheim beschrieb am 31. März 1933 die Lage in Regensburg wie folgt: „Anläßlich einer Volksbewegung in Regensburg wurden am 20. März 1933 nachmittags die Herren Oberbürgermeister Dr. Hipp, Rechtsrat Zwick, Rechtsrat Dr. Reuß, Oberstadtbaudirektor Schipper, Oberstadtamtmann Jespen zum Rücktritt aufgefordert. Sämtliche Herren kamen dieser Aufforderung nach.“ (zitiert nach Halter, S. 49) Schaidinger bezieht sich indirekt auf diese Beschreibung, spricht jedoch von „Volksaufstand“ und pauschal von den „Spitzenbeamten der Stadtverwaltung“, die zum Rücktritt gezwungen worden seien. Was geschah mit den vier Spitzenbeamten und waren sie Teil des von Schaidinger konstruierten Bollwerks? Drei der vier, Reuß, Schipper und Jespen, haben kurz nach dem 20. März ihren Rücktritt widerrufen. Sie wollten zurück in den Dienst – was auch allen gelang.

Kein NS-Regime ohne Beamtenschaft

Rasch musste Schottenheim sich eingestehen, dass die Nazibewegung ohne eine sachkundige Beamtenschaft keine Stadt verwalten und regieren, geschweige denn einen hochmodernen Rüstungsstandort aufbauen konnte. In seiner ersten Amtshandlung hob Schottenheim die Rücktrittserklärung von Rechtsrat Max Zwick auf. Zwick kehrte zurück in das „Sozial- und Wohlfahrtsreferat“. Als Amtsleiter betrieb er scharf Nazi-Politik. So beantragte er etwa die Einweisung von Alkoholikern in das Konzentrationslager Dachau. Auch ansonsten waltete er in der Stadtverwaltung stets im Einklang mit dem SS-General Schottenheim (Halter, S.92). Anfang Mai nahm Schottenheim auch die Beurlaubung der restlichen drei Beamten zurück. Josef Reuß war Jurist und an der Niederschlagung der „Münchener Rätepublik“ beim „Freikorps Epp“ beteiligt. Seit 1925 wirkte er in Regensburg als Rechtsrat. Nach seinem Rücktritt Anfang März kehrte er am 8. Mai 1933 ins Amt zurück, ließ sich dann aber Anfang Juli wegen vorgeblicher Dienstunfähigkeit in Ruhestand versetzen. Später wurde er Landgerichtsrat in Kaiserslautern und bis 1945 Kriegsverwaltungsrat in Salzburg. Franz Jespen, vormals Direktorial-Sekretär von Oberbürgermeister Hipp und BVP-Stadtrat, kam Ende Mai ins Amt zurück und bekam einen anderen Posten zugesprochen. Nach der Zerschlagung des NS-Regimes tat er sich zusammen mit Hans Hermann beim Ausstellen von sogenannten Persilscheinen für Parteifreunde bei der anstehenden „Entnazifizierung“ hervor. Phillip Schipper war seit 1912 für die Stadtverwaltung tätig, seit 1927 als Oberstadtbaudirektor. Er war ein bei der NSDAP verhasster BVP-naher Spitzenbeamter. Nach dem März 1933 unterwarf er sich dem SS-Bürgermeister und der NSDAP. Er betonte in seiner Stellungnahme hinsichtlich einer Rückkehr ins Amt, dass er „die nationale Erhebung und die damit verbundene Ausmerzung der Parteienwirtschaft auf das Lebhafteste begrüße“ und erklärte sich vorbehaltlos bereit, „als deutscher Beamter (…) mein Amt in der nationalen Front weiterzuführen“ (zitiert nach Halter, S. 57). Ab Juni 1933 führte Schipper wieder das Bauamt. Nach schwerer Erkrankung und auf eigenen Antrag wurde er im Dezember 1944 in Ruhestand versetzt.

Regensburger Spitzenbeamten komplett in der NSDAP

Im Januar 1935 schließlich traten all jene Spitzenbeamten, die noch nicht in der Partei waren, in die NSDAP ein. Nun war die komplette Führungsebene der Regensburger Stadtverwaltung, einschließlich Hans Hermann, mit Parteigenossen besetzt. Doch arbeiteten städtische Amtsleiter schon viel früher im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie. So hatte der städtischen Schulrat Andreas Freudenberger beispielsweise schon am 17. März 1933, also noch vor der einstimmigen Wahl Schottenheim zum Bürgermeister, „die städtischen Schulturnhallen für die Freie Turnerschaft, den Freien Wassersportverein und den Radfahrerverein ‚Solidarität‘ gesperrt“ (Halter, S. 51). Später kam Freudenberger der Bitte der HJ-Führung nach Ankündigung der Bücherverbrennung umstandslos nach. Mit Schreiben vom 10. Mai 1933 unterrichtete Freudenberger die Schuleiter, dass am 12. Mai nach einer Kundgebung auf dem Neupfarrplatz „marxistische Schriften“ verbrannt werden sollten. Auch die Stadtbücherei wurde durch städtische Mitarbeitern von Schriften mit „ausgesprochen bolschewistischen, marxistischen, internationalen, pazifistischen oder atheistischen Tendenzen“ gesäubert (zitiert nach Halter S. 66).

Am Kern der Sache vorbei

Hoffentlich hat OB Schaidinger sich in Sachen Bücherverbrennung bei Helmut Halter besser informiert, als er dies bezüglich der Spitzenbeamten getan hat. Sonst ist zu befürchten, dass die für den 12. Mai geplante Tafel zu Bücherverbrennung am Neupfarrplatz wieder einmal „in fast grotesker Weise am Kern der Sache vorbei“ geht, wie es zuletzt ein Gutachten mit Blick auf das KZ-Außenlager Colosseum feststellte. Oberbürgermeister Schaidinger scheint nach der ausgesprochen deutlichen Kritik an der städtischen Gedenkpolitik etwas Land gut machen zu wollen. So kann man jedenfalls seine Rede und die geplante Gedenktafel zur Bücherverbrennung interpretieren. Was den Oberbürgermeister und die verantwortlichen Fachleute im Amt für Archiv- und Denkmalpflege offenbar nicht interessiert, ist das Thema Kriegsende in Regensburg, das eigentlich nach der Publikation von Peter Eiser und Günter Schießl auf der Tagesordnung stehen sollte. Hier stünde die Revision einer städtischen Gedenkpolitik an, die im Wesentlichen auf den Schutzbehauptungen des Nazi-Bürgermeisters Otto Schottenheim und den Quellenfälschungen eines Robert Bürger beruht. Doch auch über ein Jahr nach Veröffentlichung von Schießls und Eisers Buch tut sich nichts. Konkrete Nachfragen zu diesem Thema, wie sie unsere Redaktion an das Amt für Archiv- und Denkmalpflege gerichtet hat, lässt man – über Monate hinweg – einfach liegen, und steckt den Kopf in den braunen Sand. Im Folgenden dokumentieren wir unsere Anfrage an die Stadt Regensburg vom Dezember 2012: Mit der Publikation von Peter Eiser und Günter Schießl, „Kriegsende in Regensburg. Revision einer Legende, Pustet Verlag 2012 “ müssen bisherige offizielle und offiziöse Darstellungen zum Regensburger Kriegsende 1945 als überholt und sachlich falsch gelten.Das Buch wurde von u.a. von der Mittelbayerischen Zeitung und dem Donaukurier durchwegs positiv besprochen.Auch Regensburg-Digital hat in dieser Angelegenheit ausführlich berichtet und unsere Redaktion arbeitet an weiteren Artikeln in dieser Sache. Hierfür bitten wir um Stellungnahmen zu folgenden Fragen. 1. Die Stadt Regensburg hat den Zweiten Weltkrieg mit relativ wenigen Verlusten an Menschenleben und mit wenigen Zerstörungen von Bauwerken – jetzt Weltkulturerbe – überstanden. Die Gründe dafür sind vielfältig, bislang jedoch in keiner eigenen historischen Untersuchung geklärt worden. Wurde eine solche Studie jemals ins Auge gefasst? 2. Die bislang letzte Darstellungen der letzten Kriegstage im April 1945 von Oberbürgermeister Schaidinger (auf der Veranstaltung 60 Jahre Kriegsende im Mai 2005) entspringt der Schilderung von Robert Bürger (Regensburg in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945, VHVO 123, 1983). Diese ist laut der o.g. Revision von Eiser/Schießl (2012) weitestgehend sachlich falsch und beruht auf gefälschten Dokumenten. a) Arbeitet(e) die Stadtverwaltung an einer Korrektur ihrer bisherigen Darstellungen und Stellungnahmen zum Regensburger Kriegsende? b) Wenn ja, wie lautet die derzeit offizielle Darstellung? 3. Unter anderem laut der Darstellung von Eiser/Schießl leitete der Wehrmachts-Major Othmar Matzke, der ranghöchste und entgegen der Befehlslage in der Stadt verbliebene Offizier, am 27.April die Kapitulation der Stadt ein. Bereits 1969 wandte sich Othmar Matzke an OB Schlichtinger und wollte, dass die Darstellung der historischen Realitäten wahrheitsgemäß erfolgt (und nicht gemäß der Behauptungen Schottenheim vor der Lagerspruchkammer von 1948). Im März 1997, kurz vor seinem 83. Geburtstag, wandte sich Matzke mit einem Brief an Oberbürgermeister Schaidinger und wies erneut auf die gravierenden Widersprüche und Fehler in der Darstellung von Robert Bürger (1983) hin, die „nur ein von Haß erfüllter Mensch“ begehen könne. a) Warum wurde diese Anfrage Matzkes nicht beantwortet, sondern gleich im Stadt-Archiv abgelegt? b) Gab es eine Aufforderung zur Handhabung in diesem Sinne? 4. Im Februar 1985 interviewte u.a. der derzeitige Stadtarchivar Heinrich Wanderwitz den damals in Österreich lebenden Othmar Matzke. Das für die historische Forschung (u.a. für den Tod von Domprediger Johann Maier) Interview ging nur in tendenziösen Auszügen in die historische Literatur ein. Die schriftliche Ausfertigung des Interviews wurde jedoch nach Auskunft des Stadtarchivs nicht archiviert. (siehe http://www.regensburg-digital.de/wie-regensburg-den-fall-othmar-matzke-erledigen-wollte/28082012/) a) Wo befindet sich die schriftliche Ausfertigung des Interviews? b) Wurde danach aufgrund unserer o.g. Berichterstattung gründlich gesucht? Anmerkung der Redaktion: Das Interview ist, nach neuster Auskunft, zwischenzeitlich wieder aufgetaucht. Der Rest unserer Fragen ist weiter unbeantwortet.
Gutachter fordern Umdenken bei städtischer Geschichtspolitik

„In fast grotesker Weise am Kern der Sache vorbei“

Das Gutachten zum Colosseum ist da. Und die Empfehlungen sind mehr als deutlich. Die Experten mahnen bei der Stadt an, sich endlich mit ihrer neueren Geschichte zu beschäftigen. Ein Ort dafür könne das Museum für bayerische Geschichte sein. Die Bodenplatte vor der ehemaligen KZ-Außenstelle in Stadtamhof sei „verschleiernd“ und gehe „in fast grotesker Weise am Kern der Sache vorbei“.

NS-Rüstungszentrum Regensburg

Regensburg und Gusen – Zwangsarbeit für den Rüstungsgiganten Messerschmitt

Das „offizielle“ Regensburg tut sich schwer im Umgang mit seiner Vergangenheit als Zentrum des Rüstungskonzerns Messerschmitt. Die Verbindungen der Stadt zum KZ-System Mauthausen-Gusen waren in der lange kein Thema. Das, obwohl zwischen 1943 und 1945 mehrere hundert der Regensburger Messerschmitt-Facharbeiter zur Flugzeugproduktion nach Gusen versetzt wurden, um dort Zwangsarbeiter anzuleiten und zu überwachen.

Und sie bewegt sich doch

Colosseum: Stadt holt Experten ins Boot

Man muss nur ein paar Jahre hartnäckig bleiben – und schon tut sich was. In der Debatte um ein angemessenes Gedenken für die Opfer des KZ-Außenlagers Colosseum in Stadtamhof hat sich die Stadt nun dazu durchgerungen, auf den Rat von Experten zu setzen. Das gab Kulturreferent Klemens Unger am Mittwoch in der Sitzung des Kulturausschusses bekannt.

Bestandsaufnahme

Messerschmitt und Regensburg

Als beispielhaft für wirtschaftlichen „Fortschritt, politisch demokratische Stabilität und kulturelle Identität“ gelten die Messerschmitt-Werke laut der Regensburger Bewerbung für das Museum Bayerische Geschichte (2011). Eine kleine Bestandsaufnahme zu dem Rüstungsindustriellen Willy Messerschmitt und Regensburg.

Ansichten eines ödp-Stadtrats

Konkurrenz des Gedenkens

Als „Häppchen“ zwischen der Nicht-Diskussion um den Nicht-Skandal der Falsch-Abrechnung ging es im letzten Stadtratsplenum auch um die Regensburger Gedenkkultur. Angestoßen von ÖDP-Stadtrat Eberhard Dünninger stritten sich der honorable Professor a. D., OB Hans Schaidinger, der dritte Bürgermeister Joachim Wolbergs und Richard Spieß um Gedenktafeln, die Rolle des SPD-Bürgermeisters und der Privatperson Wolbergs und ganz am Rande auch um die Aktivitäten Verfassungsschutzes.

„Wir wollen dieses niemals vergessen!“

Babi Jar – eine leere Floskel in der Regensburger Gedenkpolitik

Die Ermordung von 33.000 Juden in der Schlucht von Babi Jar zählt zu den größten Massakern des Zweiten Weltkriegs. Dass Oberbürgermeister Hans Schaidinger bei mehreren Gedenkreden angesprochen hat, dass ein Regensburger daran maßgeblich teilgenommen hat und deshalb 1971 ein „Juden-Mordprozeß“ am hiesigen Landgericht stattfand, erscheint verdienstvoll. Ist es das auch?

Holocaust-Gedenktag

„Erinnern ist Grundlage des Friedens“

Es war ein Einlenken. Anlässlich der Gedenkfeier zum Internationalen Holocaust-Gedenktag hat Oberbürgermeister Hans Schaidinger am Sonntag erstmals vor dem ehemaligen KZ-Außenlager Colosseum in Stadtamhof gesprochen. Die Wahl des Orts ist auch ein Zugeständnis an die zahlreichen Kritiker städtischer Gedenkpolitik.

Mehr oder weniger Opfer

„Volkstrauertag heute muss also auch bedeuten, den Blick über Deutschland hinaus zu weiten und aller Opfer ohne Ausnahme oder irgendeiner Klassifizierung zu gedenken“, erklärte OB Hans Schaidinger beim Volkstrauertag 2010. Ein Jahr später hat sich diese Doktrin geändert. Die 50er Jahre sind in Regensburg wieder das Maß aller Dinge.

Colosseum-Debatte am 10. November

UPDATE: Die Sitzung findet nicht, wie zunächst von uns geschrieben, im Alten, sondern im Neuen Rathaus statt.

Bei einer öffentlichen Sondersitzung kommende Woche (Donnerstag, 10. November, 16 Uhr, Neues Rathaus) wird sich der Regensburger Kulturausschuss erneut mit dem ehemaligen KZ-Außenlager Colosseum in Stadtamhof beschäftigen. Ein Ende von Verschleppung und Peinlichkeiten?

Von Kommunisten, Senf-Fabrikanten und Schwammerlforschern

Heuer zum 40. Mal: Das „offizielle“ Regensburg fehlt beim Gedenkweg für die Opfer des Faschismus. Für die CSU fehlt es an der rechten Ideologie: Es könnten Kommunisten teil nehmen, so die Befürchtung. Das ist nur ein Detail aus dem reichen Fundus an Regensburger Gedenk-Peinlich- und Ungeheuerlichkeiten. Dass diese nicht totgeschwiegen, sondern angesprochen werden, zeichnet den ideologisch bedenklichen Gedenkweg am Samstag aus.

Magie der Medien in Flossenbürg

Das ehemalige Konzentrationslager Flossenbürg. In Regensburg befand sich eines der zahlreichen Außenlager des KZs. Foto: Archiv Mehr als 62 Jahre dauerte es, bis in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg in einer ersten Ausstellung an das Leid der über 100.000 Häftlinge und der 30.000 Toten erinnert wurde. 2007 holte das „vergessene KZ“ als letzte Gedenkstätte nach, was bundes- […]

Ein Platz für Boll?

Wie ein ostfriesischer Omnibus – so ist, nach den Worten von Hans Schaidinger, die Liste mit den Namensvorschlägen für Straßenbenennungen in Regensburg gestaltet: 20 Meter breit und nur zwei Meter lang, „damit alle neben dem Fahrer sitzen können“. Was das heißen soll? Alle Namensvorschläge, 200 sind es nach Schaidingers Worten derzeit, stehen gleichberechtigt nebeneinander. So […]

Jahrelanges Trauerspiel

Unter keinem guten Stern steht der Gedenkstein für die Opfer des KZ-Außenlagers Colosseum in Regensburg Stadtamhof. Nach fast eineinhalbjähriger Diskussion hatte der Kulturausschuss im September 2009 immerhin beschlossen, den bis dahin versteckt stehenden Stein um 90 Grad zu versetzen und so besser sichtbar zu machen. Es dauerte erneut ein dreiviertel Jahr, bis dieser Beschluss Mitte […]

Kultur-Unger: Abmahn-Keule gegen Kritiker

Die Napoleon-Inschrift in Stadtamhof hat ein juristisches Nachspiel. Nicht für Kulturreferent Klemens Unger (Foto), der die Inschrift („1809 Schreckenstage durch Napoleon Zum Gedenken an die Opfer“) eigenmächtig ins denkmalgeschützte Gestein meißeln ließ, sondern für Robert Werner. Der 49jährige hatte Mitte Februar eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Unger bei Oberbürgermeister Hans Schaidinger eingereicht – unter anderem wegen der […]

Gespaltenes Gedenken

Es ist die sich alljährlich wiederholende Regensburger Peinlichkeit: Zum Gedenken an die Opfer des Faschismus finden zwei getrennte Veranstaltungen statt. Das „offizielle Regensburg” würdigt am Dachauplatz Domprediger Johann Maier, den Polizeibeamten Michael Lottner und Lagerarbeiter Josef Zirkel. Sie hatten für eine kampflose Übergabe der Stadt an die Alliierten eingesetzt hatten und wurden deshalb von den […]

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