SOZIALES SCHAUFENSTER

Tarifrunde

Warnstreiks bei Conti und BMW ausgeweitet

Nachdem es bis zum 1. März zu keiner Vereinbarung zwischen der IG Metall und den Unternehmen der Metall- und Elektrobranche kam, rief die Gewerkschaft mittlerweile zu mehreren Warnstreiks auf.

Bereits vergangene Woche kam es bei BMW zu einer Frühschlussaktion. Foto: bm

Auch zwei Wochen nach Beginn der ersten bundesweiten Warnstreiks scheint man in der Metall- und Elektrobranche von einer Einigung in der aktuellen Tarifrunde weiterhin weit entfernt zu sein. Am 1. März hatten die Gewerkschaftsvertreter der IG Metall bereits angekündigt, dass man die von der Arbeitgeberseite forcierte „Nullrunde“ nicht hinnehmen werde. Kurz vor Ablauf der Schonfrist erklärte damals auch Jürgen Scholz, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg, vor dem BMW-Werk Regensburg: „Unsere Leute sind stinksauer über dieses Einmauern der Betriebe. Diese Mauer wollen wir durchbrechen.“

Mittlerweile kam es zu mehreren Warnstreiks. Am 10. März rief die IG Metall die BMW-Beschäftigten zur Frühschlussaktion auf. Um 22 Uhr, und damit zwei Stunden vor dem eigentlichen Schichtende, legten die Angestellten die Arbeit nieder und begaben sich auf den Nachhauseweg. Scholz und weitere Gewerkschaftsmitglieder empfingen sie damals vor dem Werk und wiederholten dabei noch einmal die Forderungen der Gewerkschaft: Vier Prozent mehr Lohn und eine Besserstellung der Auszubildenden. Zudem sollen mit Zukunftstarifverträgen passgenaue betriebliche Lösungen gefunden werden, die Zusagen für Investitionen, Standorte, Beschäftigung und Qualifizierung enthalten.

„Wir lassen nicht locker“

„Ihr habt euch das verdient“, schwörte Scholz die Beschäftigten damals auf weitere Protestaktionen ein. Man werde nicht locker lassen. Diesen Dienstag kam es dann zu einer weiteren Frühschlussaktion. Diesmal war es die Nachtschicht bei Continental Regensburg. Morgens um fünf Uhr wurde hier eine Stunde früher Feierabend gemacht.

280 Angestellte legten Dienstagfrüh eine Stunde vor dem eigentlichen Schichtende die Arbeit nieder. Foto: pp

280 Beschäftigte beteiligten sich diesmal an der Aktion und legten die Fertigung komplett still. „Das klingt vielleicht lapidar“, so Rico Irmischer, Geschäftsführer der IG Metall Regensburg. Die Gewerkschaft bewerte diese Aktionen aber als „echten Erfolg“ und spricht von einer guten Beteiligung. „Corona macht unsere klassischen Streikaktionen natürlich unmöglich. Deshalb müssen wir kreativ werden.“

Erster digitaler Warnstreik der Gewerkschaftshistorie

So kam es vergangenen Donnerstag auch zum ersten digitalen Warnstreik in der Geschichte der Gewerkschaft. Das ungewöhnliche Format sei laut Irmischer gut angenommen worden und eine gute Ergänzung gewesen. Gemeinsam mit den Beschäftigten von Continental und Vitesco – sie sind weiterhin von den Sparplänen der Konzernführung betroffen – tauschte man sich online über die aktuelle Tarifrunde aus und besprach das weitere Vorgehen.

Dienstagfrüh an den Pforten zum Werk in der Siemensstraße standen dann Aktive der IG Metall rund um Feuertonnen und begleiteten so den Auftakt zur zweiten Warnstreikwelle. Die Kollegen verabschiedeten sich in den Feierabend und manche von ihnen brachten mit erhobener Faust ihre Unterstützung für das Anliegen der Gewerkschaft zum Ausdruck. „Die Mitarbeiter von Continental Regensburg aus allen Bereichen und Schichten sind bereit und willens, für Beschäftigungs- und Zukunftssicherung auf die Straße zu gehen“, freut sich Gewerkschaftsvertreter Irmischer.

Anton Knitl, Chef der IG Metall-Vertrauensleute bei Continental, machte klar, es werde weitergehen. „Nächste Woche werden wir erneut zum Warnstreik aufrufen, dann haben wir uns in jeder März-Woche an den Aktionen beteiligt.“ So lange die Arbeitgeberseite kein attraktives Angebot vorlege, werde man an den Streiks festhalten.

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Kommentare (1)

  • Richard

    |

    In unsicheren Zeiten, in denen viele Beschäftigte ihre Arbeit verlieren und durch Corona sicherlich noch weitere Probleme auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu erwarten sind, frage ich mich, ob es sinnvoll ist, wenn eine Branche und deren Gewerkschaftsvertreter nach mehr Geld schreit und gleichzeitig von einer “Beschäftigungs- und Zukunftssicherung” spricht.

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