Analyse der MGH-Studie zu sexuellem Missbrauch

Wie das Bistum die Spitze des Eisbergs schönt

Mit der sogenannten MHG-Studie sollte auf breiter Basis der sexuelle Missbrauch von Minderjährigen durch Kleriker und Diakone in katholischen Diözesen sozialwissenschaftlich untersucht werden. Die Diözese Regensburg tut sich wieder einmal damit hervor, entsprechende Zahlen zu verbergen oder kleinzureden. Einer der Hauptverantwortlichen für die jahrelange Verschleppung von Aufklärung – Kardinal Gerhard L. Müller – flankiert das Ganze mit einem homophoben Erklärungsmuster.

Über vier Jahre lang haben Forscher und Forscherinnen an einer sozialwissenschaftlichen Studie zu sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch katholische Kleriker und Diakone gearbeitet. Bei der Präsentation der Ergebnisse zeigten sich die Auftraggeber, die Diözesanbischofe Deutschlands, betroffen und entsetzt. Wieder einmal. Die Forscher der MHG-Studie resümierten ihr quantitatives Untersuchungsergebnis mit einem geläufigen wie beunruhigenden Bild: Die ermittelten Zahlen und Quoten für den sexuellen Missbrauch durch Geistliche und Diakone seien „die Spitze des Eisbergs, dessen tatsächliche Größe unbekannt ist.“ Da es sich beim Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker „nicht nur um das Fehlverhalten Einzelner“ handle, sondern die „für die katholische Kirche spezifischen Strukturmerkmale weiter bestehen“, existiere auch „das Risiko sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen innerhalb der Strukturen der katholischen Kirche“ fort.

Eine weitere Kernaussage der Studie betrifft ein Diözesen übergreifendes Fehlverhalten: Wenn sexuelle Übergriffe in den bischöflichen Ordinarien bekannt geworden sind, seien die Reaktionen der Verantwortlichen in den Bistümern oftmals „inadäquat“ gewesen, „der Schutz von Institution und Beschuldigten“ habe „Vorrang vor den Interessen der Betroffenen“ gehabt. Die unverändert bestehenden problematischen Strukturen würden indes auch eine wirksame Prävention von Missbrauch erschweren. Die eigentliche Aufarbeitung der ganzen Problematik stehe der Kirche noch bevor, so die Studie, Missbrauchsbetroffene müssten zukünftig einbezogen werden.

I. Ziele und Methoden der Studie

Die MHG-Studie wurde im Juni 2014 von den 27 katholischen Diözesen sowie dem Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) in Auftrag gegeben. Durchgeführt wurde sie von einem interdisziplinären Forschungsverbund. Die daran beteiligten Institute sind in Mannheim, Heidelberg und Gießen angesiedelt, deshalb das Kürzel der Studie: „MHG“. Die eigentliche Laufzeit bis Ende 2017 wurde wegen Verzögerungen, die in einzelnen Diözesen bei der Abgabe der Daten auftraten, bis September dieses Jahres verlängert. Nur gut eine Million Euro musste der Diözesenverband für die Studie berappen.

Das Ziel der in sieben Teilprojekte untergliederten Studie war es, „den sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Verantwortungsbereich der Deutschen Bischofskonferenz“ von 1946 bis 2014 zu erfassen und sozialwissenschaftlich auszuwerten. Insbesondere sollte eine „zahlenmäßige Abschätzung der Häufigkeit der sexuellen Missbrauch“ erarbeitet, Merkmale der Missbrauchstaten sowie der Beschuldigten- und Betroffenengruppen beschrieben, und „Strukturen innerhalb der katholischen Kirche, die das Geschehen möglicherweise begünstigen“ analysiert werden. Die Übergriffe von Täterinnen generell und solche von männlichen Ordensangehörigen, die nicht im Auftrag der Diözesen arbeiten, wurden überhaupt nicht erfasst.

In eigenständig erarbeiteten Teilstudien wurden Interviews mit Betroffenen sowie beschuldigten und nicht beschuldigten Klerikern geführt, Strafakten bei Behörden und in Archiven erforscht, Präventionskonzepte und Fachliteratur analysiert und via Internet Betroffenen anonymisiert befragt.

Wie wurde die Anzahl der Beschuldigten und Betroffenen ermittelt?

Alle 27 Diözesen übermittelten in anonymisierter Form jene Beschuldigten, die anhand von Hand- und Fallakten aus diözesanen Voruntersuchungen, den Geheimarchiven und den Anträgen auf „Leistungen in Anerkennung des Leids“ aus sexuellem Missbrauch in den diözesanen Verwaltungen bekannt waren. Darüber hinaus wurden in zehn durch Zufallsprinzip ausgewählten (Erz-)Bistümern (Bamberg, Berlin, Essen, Freiburg, Hamburg, Magdeburg, Paderborn, Speyer, Trier und München-Freising) die Personalakten aller Kleriker (1946 – 2014) auf Hinweise zu sexualisierter Gewalt untersucht. Für die restlichen siebzehn Diözesen, darunter Regensburg, wurden nur die „Personalakten von im Jahr 2000 noch lebenden sowie evtl. später geweihten oder dem Verantwortungsbereich der Diözesen unterstellten Priestern, Diakonen und männlichen Ordensangehörigen im Gestellungsauftrag hinsichtlich sexueller Missbrauchsvorwürfe durchgesehen“.

Aus den so ausgewerteten Personalakten aller Diözesen (insgesamt 38.156) ergab sich die Summe von 1.670 Beschuldigten – davon sind 1.429 Diözesanpriester, 24 Diakone und 159 Ordenspriester, bei 58 der Beschuldigten war keine Zuordnung möglich. Als Anzahl der Betroffen nennt die MHG-Studie 3.677 Minderjährige, über 2.300 davon männlichen Geschlechts. Mehr als die Hälfte der Betroffenen war nicht älter als 13 Jahre. Die Studie spricht hinsichtlich der Zahlen von Mindestangaben und einem Dunkelfeld unbekanntem Ausmaßes.

Welche Daten die jeweiligen Bistümer mit welcher Erfassungsgüte an das Forschungsteam übermittelten, geht aus den Studienergebnissen nicht hervor. Von daher kann die Studie keinerlei Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Bistümern liefern, also auch kein Ranking in Sachen Aktenführung, Missbrauchsgeschehen, oder Zahlen für Täter und Betroffene ermöglichen. Genau dies wollten die Auftraggeber der Studie, die 27 Diözesanbischöfe, verhindern. Wie der Koordinator der MHG-Studie Dr. Harald Dreßing auf der Pressekonferenz vom 25. September auf Nachfrage betonte, wurde den Diözesanbischöfen explizit vertraglich zugesichert, dass keine bistumsspezifischen Daten bekannt werden. Dies stellt ein großes Defizit für aktuelle und zukünftige Aufklärungs- und Aufarbeitungsbemühungen dar.

Die Akten: unvollständig, manipuliert, vernichtet

Hauptmanko der MHG-Studie ist seine Daten-Grundlage: Die unvollständig geführten und zum Teil manipulierten oder vernichteten Hand- und Personalakten der bischöflichen Ordinariate. Nur wenn sich ein sexueller Übergriff (oder ein ungeklärter Verdacht) in den Akten niedergeschlagen hat (was eben auffällig oft nicht geschah), konnte dieser an die MHG-Forscher übermittelt werden. Die MHG-Studie zeigt neben einer Vielzahl von neuen, wichtigen und datenbasierten Ergebnissen und Erkenntnissen deutlich, dass die Akten von Institutionen, deren primäres Interesse Selbstschutz, die Vertuschung der Taten und das Wohl der Täter sind, eine mangelhafte Grundlage zur Aufklärung von sexuellen Missbrauch und dessen Häufigkeit sind. Folgestudien werden von den Forschern angemahnt.

Was die MHG-Studie nicht thematisiert, sind bedeutsame gesellschaftliche Dunkelfelder, in denen sexueller Missbrauch nicht unbedingt durch Geistliche, aber unter der Verantwortung von Geistlichen geschieht. Dunkelfelder, in denen die katholischen Kirche nämlich als Träger im staatlichen Auftrag oder wirtschaftlich motiviert tätig und als Institution mit moralischen Anspruch verantwortlich ist: Kinder- und Jugendarbeit, Jugendfürsorge, kirchlich geleitete Heime, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser. Da die von Skandal zu Skandal schlitternde katholische Kirche seit Jahren mit ihrem klerikalen Selbstverständnis und hierarchischen Priesterkult, ihrer Sexualmoral und Homophobie, ihrer Doppelmoral und Privilegien beschäftigt ist, fehlt ihr in dieser Hinsicht jegliche positive gesellschaftliche Ausstrahlung.

II. Wie lauten die Zahlen für das Bistum Regensburg?

Laut einer diözesanen Pressemitteilung wurden in Regensburg aus 1.681 Diözesanakten 81 Beschuldigte und 199 Betroffene ermittelt – 70 Prozent von ihnen sind männlich und über die Hälfte war unter 13 Jahre alt, bei 18 Prozent ist keine Altersangabe vorhanden. 16 Mal soll als „Tatkontext“ das Internat der Domspatzen gemeldet worden sein – dazu später mehr.

Nach den Kriterien des MHG-Teams konnten so 28 staatliche Strafverfahren eruiert werden, 25 davon gegen Priester. Mit der Ermittlung der Daten aus den Personal- und Fallakten und ihrer Zusammenstellung wurde die Juristin Dr. Judith Helmig beauftragt. Helmig ist im Bistum Regensburg als Präventionsbeauftragte und Leiterin der Stabsstelle für Kinder- und Jugendschutz (KiJuSchu) tätig.

Keine weiteren Untersuchungen?

Fixierung auf Prävention als Alibi?: Bischof Voderholzer. Foto: Archiv/Staudinger

Die Bewertungen und die Schlussfolgerungen aus der Studie fielen in den jeweiligen Diözesen recht unterschiedlich aus und riefen nicht nur bei Betroffenen Verbänden scharfe Kritik hervor –  etwa  bei der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs ( zur Stellungnahme). Während die Diözese Speyer laut dem Nachrichtendienst katholisch.de ankündigte, „das Forschungskonsortium der MHG-Studie mit einer zusätzlichen Auswertung speziell zum Missbrauch in Speyer zu beauftragen“, hat der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer keine weiteren Untersuchungen oder etwa die Überprüfung aller Personalakten in Aussicht gestellt.

Stattdessen versuchte sich Voderholzer mit der Idee eines einheitlichen und zertifizierten Präventionskonzepts für alle Diözesen zu profilieren. Ein längst bekanntes Vorhaben, das schon die Regensburger Präventionsordnung von Oktober 2017 thematisierte. Die MHG-Forscher hingegen sahen bei der Vorstellung ihrer Studie in der Fixierung auf den Bereich Prävention die Gefahr eines Ausweichmanövers oder Alibis. Alibi für die eigentlich notwendige Aufklärung und Aufarbeitung der strukturellen Missbrauchsbedingungen in kirchlichen Kontexten. Kritische Theologen sprechen in diesem Zusammenhang von einer „Flucht in die Präventionsarbeit“ – in Regesburg kann man eine solche Flucht seit Jahren eindrücklich beobachten.

In seinem Hirtenwort vom 29. September 2018 meint Voderholzer, die MHG-Studie sei „die erste und bislang einzige Untersuchung, mit der sich eine große Institution der Zivilgesellschaft in Deutschland diesem dunklen Kapitel in umfassender Weise stellt.“ Ob die katholische Kirche zur Zivilgesellschaft gehört, darüber könnte man angesichts der kirchlichen Gerichtsbarkeit und ihren eigenen Rechtsvorschriften trefflich streiten. Dass sich das Bistum Regensburg in „umfassender Weise“ den Strukturen und Geschehen hinsichtlich sexuellen Missbrauchs gestellt habe, ist jedoch sicherlich ein Trugbild, dem nicht nur Bischof Voderholzer anhängt.

Anlässlich der neulich vorgelegten MHG-Studie fiel auch der Generalvikar des Regensburger Bistums, Michael Fuchs, wieder einmal auf. Während der Tenor anderer Bistümer von „Scham“, „Bestürzung“, „Trauer“ oder „Wut“ handelt, meint Fuchs in einer Presseerklärung:

„Wir müssen noch besser werden, schneller, transparenter und verlässlicher.“

Als ob seine Diözese mit gutem Erfolg an einem Leistungswettbewerb teilgenommen hätte und nicht mit dem verheerenden Ergebnis einer externen Missbrauchsstudie konfrontiert ist. Fuchs scheint seinen Kollegen weit voraus zu sein. Auch in der beschönigenden Interpretation von Daten, die unter seiner Verantwortung an die von der Deutschen Bischofskonferenz beauftragten MHG-Forscher übersandt wurden.

Die Erfindung von „Nein-Akten“

Während die Studienmacher von einem unbekannten Dunkelfeld und hinsichtlich der ermittelten Zahlen explizit nur von der sichtbaren Spitze eines Eisbergs ausgehen, liegen Fuchs angeblich oder tatsächlich falsch beschuldigte Kleriker am Herzen. Der Generalvikar des Bistums Regensburg präsentiert deshalb durchgängig sogar Zahlen für Vorfälle, die er als „Nein-Akten“ bezeichnet – ein Terminus, den die MHG-Studie schlicht nicht kennt. Fuchs‘ Presseerklärung mindert demzufolge die nach MHG-Kriterien ermittelten Zahlen für Täter, Betroffene, Orte, Häufigkeitsangaben, etc. mit den von der Diözese eruierten „Verdachtsfällen“. Vorfälle also, die sich laut Fuchs „am Ende nicht bestätigt“ hätten. Etwa weil die Staatsanwaltschaft die Beschuldigungen seinerzeit untersucht habe, aber zu dem Ergebnis gekommen sei, das Verfahren einzustellen oder erst gar nicht zu eröffnen.

Dass ein Verfahren nicht eröffnet oder eingestellt wurde, bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass tatsächlich auch kein sexueller Übergriff geschehenen ist. Zur Erinnerung: Obgleich in Sachen Domspatzen die Staatsanwaltschaft nach 2010 über 40 Verfahren eingestellt oder wegen Verjährung und Tod der Täter nicht eröffnet hat, zweifelt heutzutage niemand mehr öffentlich an, dass es tatsächlich eher viel mehr als 40 Übergriffe, denn weniger gegeben hat.

Wer wie Fuchs meint, die an die MHG-Forscher übermittelte Zahl von Missbrauchshinweisen mit „Nein-Akten“ minimieren zu können, versucht, bildlich gesprochen, die Spitze des Eisbergs klein zu reden. Statt sich mit dessen viel größeren, aber unsichtbaren Teil redlich auseinanderzusetzen und sich dem Dunkelfeld, seinen klerikalen Strukturen und der eigenen Vertuschungsgeschichte zu stellen. Dieses wohl beispiellose Vorgehen des Generalvikars kann man nur als ungebrochene Vertuschungsbemühungen begreifen.

Wie man die Spitze des Eisbergs noch kleiner macht

Was im Zuge der MHG-Studie bislang überhaupt nicht thematisiert wurde, ist, dass Generalvikar Fuchs die Auswertung der Regensburger Personalakten schon einmal vornehmen ließ und die Ergebnisse der zwölf Monate dauernden Durchsicht im März 2011 bekannt gab. Damals bemühte sich Generalvikar Fuchs die Spitze des Eisbergs besonders klein erscheinen zu lassen. Er suchte und bilanzierte deshalb nur nach strafrechtlichen Ermittlungen im Sittlichkeitsbereich und nach „verurteilten“ Tätern bzw. deren Opfern.

Bistumssprecher Clemens Neck: Informationen nur für ausgewählte Presseleute. Foto: Archiv/as

Seinerzeit ergab die interne Sichtung „nur“ zehn verurteilte Täter (statt 81 Beschuldigte nach MHG-Kriterien) und lediglich 78 Betroffene (statt 199 nach MHG-Kriterien) sexualisierter Gewalt. Hinsichtlich der Gesamtzahlen gab Fuchs 2011 an, dass zwischen 1945 und 2010 etwa 2.350 Geistliche in der Diözese Regensburg tätig gewesen, insgesamt aber nur 2.315 Personalakten untersucht worden seien. Darunter 1.460 von Geistlichen – die restlichen stammen von 100 ständigen Diakonen, von 268 Pastoral- und Gemeindereferenten und -referentinnen, sowie von 487 Religionslehrern und -lehrerinnen im Kirchendienst.

Diese Zahlen für juristisch abgeurteilte Täter präsentierte damals Pressesprecher Clemens Neck in einem sogenannten zusammenfassenden Arbeitsbericht („Fälle sexuellen Missbrauchs im Bistum Regensburg zwischen 1945 und 2010“) vor sorgsam ausgewählten Presseleuten. Generalvikar Fuchs räumte dabei ein, dass er erkennen habe müssen, „ dass es in den Akten der ersten Jahrzehnte des Berichtszeitraums Lücken gibt.“

Über siebeneinhalb Jahre später, anlässlich der Vorstellung der oben genannten MHG-Studie, wurde klar, dass diese Lücken weder ganz geschlossen noch zwischenzeitlich alle Akten durchgesehen worden sind. Laut einem Bericht der MZ, der auf die oben erwähnten Domspatzen-Zahlen gar nicht eingeht, wollte Generalvikar Fuchs auf Nachfrage „auch nicht ausschließen, dass in Akten von verstorbenen Priestern noch Überraschungen drin sind“. 

Die homophobe Deutung von Kardinal Müller

Wie äußert sich der geschasste Präfekt der römischen Glaubenskongregation Kardinal Gerhard Ludwig Müller zur MHG-Studie (die ihn mit keinem Wort erwähnt). Während Müller im Mai 2010 als Bischof von Regensburg anlässlich der vielfachen Meldungen zu sexualisierter Gewalt von einer die Kirche diskreditierenden Medienkampagne schwadronierte und frei behauptete, dass der bewiesene statistische Anteil von Übergriffen im kirchlichen Bereich unter 0,1 Prozent falle, wählt er aktuell eine andere Stoßrichtung. Mitte September 2018 anlässlich der vorab bekannt gewordenen MHG-Zahlen zu beschuldigten Klerikern, legte Müller in einem ihm gewogenen, homophoben Internetmedium seine Deutung der Vorfälle dar:

„Der sexuelle Mißbrauch durch hauptsächlich homophile Täter ist nicht in der Sexualmoral der Kirche verwurzelt oder im Zölibat der Kirche, sondern eher in der Laxheit der Moral und der Verletzung von Gottes Geboten und dem Versagen dabei, zölibatär zu leben.“

Die MHG-Studie kommt hingegen zu dem Ergebnis, dass „natürlich weder Homosexualität noch der Zölibat eo ipso Risikofaktoren für sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen“ darstelle. Vielmehr „(können) das komplexe Zusammenspiel von sexueller Unreife und abgewehrten und verleugneten homosexuellen Neigungen in einer ambivalenten, teilweise auch offen homophoben Umgebung eine Erklärung für das Überwiegen männlicher Betroffener beim sexuellen Missbrauch durch katholische Kleriker bieten.“

So gesehen bestätigt Müllers klerikal-homophobe Deutung ungewollt eine Annahme der MHG-Studie: eine offen homophobe Umgebung stellt eine systemische Begünstigung sexuellen Missbrauchs von Knaben und Jungen in kirchlichen Kontexten dar.

Voderholzer hält den Verantwortlichen die Stange

Eine tatsächliche Aufklärung aller Vorfälle sexuellen Missbrauchs in der Diözese Regensburg dürfte nicht möglich sein, solange der vormalige Bischof Müller und der von ihm eingesetzte Generalvikar Fuchs nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Der derzeitige Bischof Voderholzer hat in dieser Hinsicht aber bislang nichts unternommen. Im Gegenteil, Voderholzer hält unbeirrt am Vertuscher Fuchs fest und trat seinem Doktorvater Müller sogar ein Stück von Lob und Kuchen für die Aufklärung in Sachen Domspatzen ab. Hierzu erstellte Generalvikar Fuchs eigens eine kontrafaktische Chronologie, die bei Betroffenen Domspatzen Entsetzten und Wut auslöste. Und noch etwas verbindet Voderholzer mit seinem Lehrmeister Müller: Auch er spielt gelegentlich die homophobe Karte, bislang allerdings nur gegen Laien.

Die Hauptverantwortlichen für Verschleppung und Vertuschung: Generalvikar Michael Fuchs und der ehemalige Bischof G.L. Müller. Fotos: Archiv/Staudinger

Von MHG-Forschern ausgewertete internationale Studien zeigen: Wenn vertuschende und übergriffige Bischöfe und Priester vorbehaltslos zur Rechenschaft gezogen wurden, waren immer staatliche Ermittlungs- und Verfolgungsbehörden zugange. So geschehen etwa in Amerika, Australien oder Irland. Von daher ist die Forderung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, die Aufklärung sexuellen Missbrauchs im klerikalen Kontext unter staatliche Kontrolle zu stellen, zielführend und nur folgerichtig. Bischof Voderholzer, der sich in Sachen externen Aufklärung bei den Domspatzen durch Rechtsanwalt Ulrich Weber zu Recht Verdienste und Achtung von Betroffenen erworben hat, ist auf diese Forderung von Rörig allerdings nicht eingegangen. Aus guten Gründen.

Mit Rörigs Vorgehen würde das Prinzip der Schadensbegrenzung, das bei der Institution Domspatzen angewandt wurde, nicht mehr funktionieren. Ein weiterer enormer Verlust an Kontrolle und Glaubwürdigkeit für die Kirche würde aus staatlichen Ermittlungen wohl folgen, was Bischof Voderholzer sicher nicht will. Der von den Studienmachern bemängelte uneinheitliche Umgang mit Betroffenen scheint Voderholzer egal zu sein. Zahlungen, die diese Ungleichbehandlung zwischen Domspatzen und Nicht-Domspatzen offenlegen, lässt er still und leise auf der Homepage des Bistums veröffentlichen. Voderholzer hält nach wie vor an einem „unchristlichen“ Zweiklassensystem von Betroffenen fest und behandelt etwa missbrauchte Knabenseminaristen weniger wertschätzend als ehemalige Domspatzen mit ähnlichem Schicksal, er speist geschlagene Heimkinder billiger, ohne Anlaufstelle und aufklärende Forschungsarbeit ab

III. Der Umgang mit den Übergriffen bei den Domspatzen

Die von Generalvikar Fuchs  zu verantwortende Regensburger Fakten- und Datenlage hinsichtlich sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch männliche Geistliche, bleibt nach wie vor intransparent, widersprüchlich und unüberprüfbar. Dies zeigt sich unter anderem daran, wie mit den Zahlen zu den sexuellen Übergriffen in den Einrichtungen der Regensburger Domspatzen umgegangen wurde und wird.

Wie kam es, dass laut Medienberichten 16 sexuell missbrauchte Domspatzen in die MHG-Studie eingeflossen sein sollen? Anders als etwa der BR/dpa-Bericht anlässlich der Pressekonferenz angibt („16 Fälle ereigneten sich laut Studie im Internat der Domspatzen“), können, wie erwähnt, die anonymisiert an die MHG-Forscher übermittelten Zahlen nicht irgendeinem Bistum zugeordnet werden, geschweige denn dem Domspatzen-Internat.

Tatsächlich stammt die Zahl „16“ aus der vom bischöflichen Pressesprecher Clemens Neck am 25. September 2018 veröffentlichten Presseerklärung zur MHG-Studie. In einer Tabelle namens „Tatkontexte“ gibt es nämlich eine Rubrik „Internat“, die den Eintrag „16“ aufweist – das heißt, in den ausgewerteten Personalakten wird als Tatort 16 Mal „Internat“ genannt. Erst auf Nachfrage von Journalisten während der Pressekonferenz wurde seitens des Bistums eingeräumt, dass mit „Internat“ die „Domspatzen“ gemeint sind. Ob die Anzahl der tatsächlich Betroffen auch bei sechzehn liegt, ist unklar – ebenso die Anzahl der Täter.

Der Abschlussbericht von Rechtsanwalt Ulrich Weber bei der Präsentation seines Berichts im Juli 2017. Foto: Archiv/ Werner

Ein sachlicher Grund, warum das „Internat“ der Domspatzen nur 16 Mal als Tatort an die MHG-Forscher und Forscherinnen übermittelt wurde, könnte in einer zeitlichen Überschneidung liegen. Als die Regensburger Diözese Ende April 2016 die zur Erfassung der Hinweise auf sexuelle Übergriffe konzipierten MHG-Fragebögen erhielt, steckte Rechtsanwalt Weber immer noch in der Aufklärung der Gewaltvorfälle in den Einrichtungen der Domspatzen. Als Anfang 2017 alle Bistümer ihre Fragebögen an das MHG-Forscherteam zurückgesandt hatten, war der Abschlussbericht von Weber, veröffentlicht am 18. Juli 2017, noch nicht verfasst.

Und wieder einmal kleinreden

Die große Diskrepanz zwischen den 16 angeblich an die MHG-Studie gemeldeten Domspatzen-Vorfällen und der von Rechtsanwalt Werber im Juli 2017 veröffentlichten Mindestanzahl von 67 sexuellen Übergriffen, erklärte die Präventionsbeauftragte des Bistums Judith Helmig laut der oben zitierten dpa-Meldung damit, dass in die MHG-Studie nur Übergriffe von Klerikern eingeflossen, in Webers Domspatzen-Bericht aber auch Frauen und Laien als Beschuldigte infrage gekommen seien.

Diese „Erklärung“ entspricht aber nicht den Tatsachen. Der eigentliche Grund für die von Weber ermittelten höheren Zahlen liegt darin, dass sein Aufklärungsprojekt im Wesentlichen auf die ertragreiche Mitarbeit von Betroffenen zurückzuführen ist, das MHG-Projekt hingegen auf Akten der Täter und ihrer vertuschenden Institution basiert. Die Erklärung von Helmig ist bestenfalls geeignet die Zahl der übergriffigen Priester – die Eisbergspitze der Täter – kleinzureden.

Tatsächlich waren, oder wurden laut Webers Bericht fast alle neun Personen, die er mit hoher Plausibilität als Missbrauchstäter an Schutzbefohlenen Domspatzen ermitteln konnte, Geistliche und keine Laien – Webers Bericht belegt dies (siehe Tabelle auf Seite 23). Auch der von Weber darin genannte Musiklehrer P. Über diesen sexuellen Serientäter und Prämonstratenser-Mönch Ambrosius Pfiffig berichtete regensburg-digital bereits 2013.

Das gruslige Beispiel Pfiffig

Die Affäre Pfiffig ist ein so erhellendes wie grusliges Beispiel für den von der MHG-Studie nochmals generell bestätigten verantwortungslosen Umgang mit Missbrauchstätern: Sie wurden einfach auf eine andere Stelle versetzt oder in ein anderes Bistum gesteckt. Den seriellen Missbrauchstäter Ambrosius Pfiffig schickte der damalige Regensburger Generalvikar Josef Franz nach den 1948 ruchbar gewordenen sexuellen Übergriffen im Etterzhausener Domspatzenheim (wo er als Seminarleiter und Jugenderzieher wirkte) ausgerechnet zur Jugendseelsorge nach Tirschenreuth.

Nachdem Pfiffig später im Prämonstratenser-Stift in Geras ein Knabenkonvikt aufbaute und es auch dort zu weiteren Übergriffen kam, zeigten ihn Eltern von Betroffenen endlich bei einer staatlichen Stelle an. Pfiffig wurde daraufhin, nach seiner zwischenzeitlichen Flucht, wegen dem „Verbrechen der Unzucht mit Personen desselben Geschlechtes“ zu zwei Monaten „schweren Kerkers bedingt auf 3 Jahre“ verurteilt. Da der Prämonstratenser Pfiffig nach seiner Haft weiter sexuell missbrauchte, wurde er schließlich von kirchlichen Stellen nach Rom hochbefördert, wo er, ausgestattet mit einer Lehrerlaubnis für alle italienischen Hochschulen, als Dozent wirkte.

Die Zahl von Opfern und Tätern ist weitaus höher

Angenommen, das Regensburger Ordinariat müsste demnächst an eine weitere MHG-Studie mit denselben Erfassungskriterien alle aktuell bekannten Domspatzen-Verdachtsfälle übermitteln, dann müssten neben den von Rechtsanwalt Weber ermittelten 67 hoch plausiblen, auch die 13 mit mittlerer und die zwölf Betroffenen mit geringer Plausibilität gemeldet werden. Dadurch würde die Mindestanzahl der von sexuellen Missbrauch Betroffenen im Bistum Regensburg auf etwa 270 steigen. Die MHG-Forscher haben nämlich, wie Rechtsanwalt Weber, die Beschuldigungen weder juristisch noch strafrechtlich kontrolliert, sondern nur eine Plausibilitätsprüfung vorgenommen.

Auf der Seite der Beschuldigten kämen zu den neun mit hoher Plausibilität von Betroffenen gemeldeten, weitere neun Personen hinzu, die mit mittlerer und niedriger Plausibilität als Missbrauchstäter bei den Domspatzen anzusprechen sind. Ein sehr großer Anteil von sexuell missbrauchenden Geistlichen deutet sich somit an.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Missbrauchsopfern eines Geistlichen, der 1959 für acht Monate als Direktor der Internate der Dompräbende und des Domgymnasiums der Regensburger Domspatzen wirkte und nach seiner Entlassung sein Werk als serieller Missbrauchstäter in einer von ihm gegründeten Knabenkapelle fortführte, bis er in den Knast ging: der Priester Georg Zimmermann.

Der Fall Zimmermann

Geistlicher Missbrauchstäter über Jahrzehnte: Der ehemalige Domspatzen-Direktor Georg Zimmermann.

Regensburg-digital hat mehrfach über die Hintergründe berichtet. In der Hochphase der Berichterstattung zu sexuellem Missbrauch bei den Domspatzen, im März 2010, wurde Zimmermann von der bischöflichen Pressestelle wohlfeil als abgeurteilter Altfall präsentiert, ohne dass man dort von der Vielzahl seiner Opfer wusste (oder wissen wollte). Seine Personalakte konnte in dieser Hinsicht nichts zur Aufklärung beitragen, Chormanager Christof Hartmann zeigte sich noch im März 2016 hinsichtlich Zimmerman unwissend.

Nachdem Zimmermann 1959 als Domspatzen-Direktor entfernt werden musste, schob man ihn ans Gymnasium St. Michael im niederländischen Steyl ab, wo er Musik unterrichtete und den Schulchor leitete. Später ließ er sich in seiner Heimatgemeinde Eslarn nieder, bildete dort Knaben „für den sakralen Dienst im Chorgesang“ aus, und gründete die Knaben-Kapelle Eslarn. Da er im Jahre 1963 nicht wie versprochen Domkapellmeister wurde (sondern Georg Ratzinger), berief ihn Bischof Rudolf Graber am 1. Juni 1964 in das neugeschaffene Amt des Diözesanmusikdirektors, wohl eine Art Schadensausgleich.

Zeitgleich agierte Zimmermann weiter in Eslarn und missbrauchte Knaben, woraufhin er nach einer Strafanzeige von Eltern missbrauchter Knaben im Februar 1969 wegen fortgesetzten sexuellen Missbrauchs von Abhängigen und Kindern zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt und inhaftiert wurde. Nach seiner Haft unterrichte er wieder privat Knaben und Anfang September 1972 wurde er ein drittes Mal beim Regensburger Bistum angestellt. Dieses Mal übertrug man Zimmermann die Stelle eines Musikpräfekten im Bischöflichen Knabenseminar in Weiden. Nach kurzer Zeit und weiteren Problemen wurde er in den Vorruhestand versetzt. Im Abschlussbericht zur Auflösung des Studienseminars Weiden (1989), verfasst von Josef Ammer (seit 2006 Regensburger Domkapitular und Offizial, der den Bischof bei sogenannten Sittlichkeitsdelikten vertritt), wurde sein Name getilgt, ebenso in einer Festschrift der Domspatzen. Nach seinem Tod benannte das polititsche Eslarn ein Straße nach ihm.

Die nach dem Missbrauchstäter Zimmermann benannte Straße von Eslarn, wo das Bistum nach seinen Opfern ermittelte. Foto: Archiv/ Werner

Wie viele Knaben der Priester Zimmermann sexuell missbrauchte, ist unklar. Da ihm ein Regensburger Obermedizinaldirektor 1969 eine verminderte Schuldfähigkeit (Alkohol, abweisende Frauen, etc.) bestätigte, wurden mehrere gleichlautende Eslarner Straftaten nicht weiter verfolgt. Der damalige Staatsanwalt wird in einem Zeitungsbericht von 1969 mit den Worten zitiert, dass von daher „nur eine kleine Spitze zur Aburteilung“ übrig geblieben sei.

Aus dem Abschlussbericht von Rechtsanwalt Weber geht hervor, dass das bischöfliche Ordninariat hinsichtlich des seriellen Missbrauchstäters Zimmermann ab Frühjahr 2010 unter anderem eigene Ermittlungen anstellte, aber keine Ergebnis veröffentlichte. Eine ältere Dame aus Eslarn, die den Priester Georg Zimmermann kannte, schätzt gegenüber regensburg-digital die Anzahl der von ihm dort missbrauchten Knaben mit mehreren Dutzend ein. Die tatsächliche Anzahl der Betroffen bleibt wie der übergroße Teil eines Eisbergs unsichtbar. Ob die Diözese den Serientäter Georg Zimmermann an die MHG-Studie gemeldet hat und, falls ja, wie viele von seinen Opfern, ist unbekannt.

Diesbezügliche und ähnliche Anfragen von regensburg-digital werden von der bischöflichen Pressestelle ignoriert. Generalvikar Fuchs und seine Pressestelle müsste also nicht „transparenter“ werden, wie er meint, sondern endlich damit anfangen, einfache Grundregeln der Transparenz einzuüben.

Bitte unterstützen Sie eine unabhängige Berichterstattung in Regensburg.

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (36)

  • Eingeborener

    |

    Was noch fehlt, ist die Stellungnahme der bigotten Frau Gloria TuT: Die behauptet, Ursache des Missbrauchs sei der zersetzende gesellschaftliche Einfluss auf die Kirche, auf den die Kirchenjustiz nicht mit harter Hand reagiert habe.
    Rörig hat Recht: Solange die Kirche eine totalitäte Organisation ist, die eine sexual- und frauenfeindliche Ideologie hat, muss sie unter staatliche Kontrolle gestellt werden. Jede kleine Sekte mit dieser Verbrechensquote wäre schon längst verboten worden.

  • R.G.

    |

    Es gibt keine einzige Entschuldigung mehr, die ich gelten ließe, wenn leitende Verantwortliche von Diözesen bei Konferenzen zu Ereignissen wie Sexueller oder Gewalttätiger Kindesmissbrauch mit Zahlenspielen herumalbern.
    Ohne viele Nachdenkens fallen mir weitere bewährte und immer noch gängige Späße ein.
    So fand sich die Personalakte eines mir aus der Kindheit bekannten Kaplans nirgends; ein Versetzungsreigen quer durch Österreich, Bayern und Afrika machte es möglich. Er war der einzige Beschützer von uns Kindern gewesen, mutig und selbstlos benannte er missbrauchende Priester klar mit Namen. Bestraft wurde er, indem man ihn „in den Urwald wünschte“, befördert die von ihm „Verleumdeten“. Ich wollte meinem Retter wenigstens das Grab schmücken. Als ich endlich erfuhr, auf welchem Kontinent es sei, waren seine Überreste plötzlich von Klosterschwestern in seine Heimat überführt!

    Dessen gleichaltriger ehemaliger, von ihm kritisierter Pfarrkollege, mir durch seine vielen Bubengruppen geläufig, soll laut Leichenpredigt nie bei uns gewirkt haben. In Deutschland war er überhaupt nie tätig, , heißt es, wiewohl ein Enthüllungsjournalist seinen jahrelangen unseligen Einfluss auf ein bayerisches Kloster, Internat und Gymnasium aufdeckte:
    Geisteskranke, Besessene, Feinde der Kirche sind es, die dem Priester unterstellen, je außerhalb Österreichs gewirkt zu haben!

    Bei jeder Präsentation von Studien höre ich wieder ambivalente Sprache, Verwirrspiele, Zahlenjongliererei, halbstarkes Getue.

    Die große Bringschuld sehe ich dennoch bei den durch das Konkordat grundgeschwächten Staaten.
    Dass sie einen Staat im Staat zuließen und immer noch wollen, der in Missbrauchsfragen, in der Verfolgung von Straftätern aus den eigenen Reihen, schlichtweg die Gesetze ignorierte, ist einfach unerträglich.

  • Mathilde Vietze

    |

    Ausgerechnet Gerhard Ludwig Müller, der einen straffällig gewordenen Priester
    nur versetzen ließ, erzählt jetzt das Schauermärchen, er wäre deshalb abgesetzt
    worden, weil er in Sachen Mißbrauch „eine harte Linie gefahren“ habe.
    GLM könnte sich mit solchen Aussagen als Satiriker bewerben.

  • haimo

    |

    Ein sehr guter Artikel der noch dazu genau zur rechten Zeit erscheint. Morgen ist Landtagswahl und da kann ja wirklich jeder zeigen was er von sogenannten christlichen Parteien im Landtag hält. Mir ist ja nach wie vor schleierhaft, wie es möglich ist, dass ein Hitler Günstling in Regensburg als Ehrenbürger gilt,
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Ehrenb%C3%BCrger_von_Regensburg
    eine Straße nach ihm benannt wurde, und dies auf seinem Grab an herausragender Stelle zur Schau gestellt wird. Allein diese Tatsache läßt uns Opfer an der Ehrlichkeit so mancher Äusserungen der Vertreter der Bischofskonferenz bei der Pressekonferenz zur Veröffentlichung der MHG Studie zweifeln. Natürlich sind die Freunde des Regensburger Domchores stolz auf einen ehemaligen Domkapellmeister, der von der NSDAP als unbedenklich eingestuft wurde.
    Haimo Herrmann _ Etterzhausen 1962 – 1964

  • Novalis

    |

    Sogar im Klerus rumort es schon gegen Bischof, Fuchs und Neck. War jemals ein Bischof, GV oder Domkapitular in Riekofen? Wo sind die Verantwortlichen – also Erzbischof Müller, Fuchs und Frühmorgen? Sind die zurückgetreten?
    Mich würde es übrigens nicht wundern, wenn die beiden Bistümer, in denen Akten manipuliert wurden, München und Regensburg wären. In beiden besteht ein vitales Interesse, den Namen Ratzinger trotz Verantwortung aus dem Missbrauch herauszuhalten – obwohl beide Ratzingers schon infernalisch danach stinken, weil sie bis Oberkante Unterlippe drinstecken.

  • R.B.

    |

    Also, für mich ist das wirklich eine Larifari Studie, mehr aber auch nicht. Alles geht ab mit Inkognito, aber die wirklichen Wahrheiten wollen sie anscheinend nicht herausfinden.
    Zuerst gibts ein wenig von den Domspatzen, eine Randnotitz, dann gibts die MHG Studie eben extra , usw. Für mich ein wirklich derartiges Schauspiel.

    Neue Zahlen des Bistums: Die Dimension von Gewalt und Missbrauch abseits der Domspatzen.
    https://www.regensburg-digital.de/neue-zahlen-des-bistums-die-dimension-von-gewalt-und-missbrauch-abseits-der-domspatzen/06092018/

    Kirchen und ihre Verantwortung zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs“
    Das Bistum Regensburg ist Musterbeispiel für bundesweite Missstände
    Mindestens 40 Ermittlungsverfahren seit 2010. Von Belang sind in diesem Zusammenhang Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die bislang nicht öffentlich bekannt geworden sind. Nach Recherchen von regensburg-digital wurden von der Staatsanwaltschaft nach 2010 in mindestens 40 Verfahren intensive Ermittlung wegen Sexualdelikten innerhalb der Einrichtungen der Domspatzen geführt – unter anderem gegen beschuldigte ehemalige Schüler und Zöglinge der Domspatzen.
    https://www.regensburg-digital.de/aufklaerung-sexueller-missbrauch-das-bistum-regensburg-ist-musterbeispiel-fuer-bundesweite-missstaende/12072018/

    Sogar die bayerischen Staatsanwälte haben jetzt auch von den Bistümern aus Bayern die Akten angefordert. Was da herauskommen soll?
    https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/nach-missbrauchsstudie-justiz-fordert-von-bistumern-akten-an

    Auch müßten die Staatsanwaltschaften die Akten der Regensburger Domspatzen anfordern, dort geht es wirklich nicht mit rechten Dingen zu.
    Deswegen, weil die Geschichten vom Kindergärtner der Domspatzen auch bis heute über Hand nehmen. – Zwei Jahre auf Bewährung für den „Kindergärtner“ der Domspatzen –
    https://www.regensburg-digital.de/zwei-jahre-auf-bewaehrung-fuer-den-kindergaertner-der-domspatzen/19122016/

  • aucheinehemaliger

    |

    Nach Vorstellung der Missbrauchsfarce, Verzeihung -studie, bei Sandra Maischberger (Sendung vom 26.9.), Claudia Mönius, missbraucht von einem ehemaligen Domspatzen, der mit ihr das Spiel „Spatz sucht Häschen“ spielte.

  • Ehemaliger Domspatz

    |

    Eine wirklich seht gut geschriebener Artikel!
    Da beist die Maus keinen Faden ab, ind da muß jetzt das Bistum durch und endlich Farbe bekennen. Noch eine Abmerkung: Ich habe den Kenntnisstand ( von einem Kirchentechtler bekommen ) das der jetzige und leitende Generalvikar Fuchs vom Bistum Regensburg in keinster Weise eine Appropation zum Thema Kirchenrecht hat. Er ist nur von Gottes Gnaden, eben nur von den Bischöfen, dort eingesetzt.
    Das darf nach meiner Meinung nicht sein.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kirchenrecht

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Approbation

  • Dieter

    |

    Danke an Robert Werner für Ihren unermüdlichen Einsatz und Recherche und natürlich an RD, die im Gegensatz zu den anderen Lokalmedien dorthin schauen wo es bitter nötig ist.

    Ich kann mich noch gut an eine Talkshowrunde in den ÖR vor einigen Jahren erinnern. Generell ging es um Kindesmissbrauch und Netzwerke.
    Der geladene Experte sagte klipp und klar: „Der größte weltweit operierende Phädophilenring ist die katholische Kirche.“
    Natürlich ging ein Raunen durch die Menge und der Moderator und Gäste versuchten etwas zu relativieren. Der Experte blieb hart. „Die Zahlen sprechen für sich.“

    Ich bin aus der Kirche schon vor 28 Jahren ausgetreten, ein Schritt den ich nur jedem empfehlen kann.

  • Kein Spatz

    |

    Nicht bei allen Domspatzen hat sich Bischof Rudolf mit der von ihm freigegebenen Weber-Studie Achtung verdient, wie R. Werner schreibt – einige gebracht ihre Ablehnung hier immer wieder zum Ausdruck.
    Ich finde es war ein guter, herausragender Anfang, mehr nicht!

    Wenn ich andererseits lese, wie sich etwa A. Probst (Mitglied im sog. Weber-Kuratorium) anlässlich der MHG-Studie im Donaukurier (bei Dr.Eckl, der im WOCHENBLATT anscheinend nix schreiben durfte/wollte/konnte) äußert, kann ich über so viel Naivität und Unkenntnis nur den Kopf schütteln.
    Probst, lt. Donaukurier „ein bekannter Opfervertreter“, hat wohl einiges durcheinander gebracht, wenn er im Text von „allein 550 Missbrauchs-Opfer bei den Domspatzen“ spricht.
    Weiter im DK: Die Aufarbeitung des Bistums Regensburg, angestoßen von Bischof Rudolf Voderholzer, lobt Probst dennoch ausdrücklich: „Das muss Vorbild sein für Bistümer in ganz Deutschland. “

    Wer nach der oben untersuchten MHG-Studie und Voderholzers Hirtenwort-Worthülsen immer noch meint, Regensburg müsse in Sachen Aufarbeitung Vorbild sein, der schwört wohl auch jeden Meineid für seinen Bischof. Nein, Spaß bei Seite: Alexander Probst macht sich mit solchen Äußerung völlig unglaubwürdig, ja lächerlich, so meine Meinung. Amen.
    https://www.donaukurier.de/nachrichten/bayern/Beschaemend-fuer-alle-in-der-katholischen-Kirche;art155371,3927738

  • Haimo Herrmann

    |

    Haimo
    Zu: kein Spatz
    Ich finde es sehr bezeichnend. Wie jetzt ein Kommentator über A. Probst herzieht.
    Selbst gehöre ich der Betroffenengruppe „gegen das Vergessen“ erst seit 2015 an. Aber es bedarf keiner Schilderung dafür, welcher Einsatz nötig war um überhaupt das Ergebnis „Aufarbeitungsbericht Weber“ zu erreichen. Das kann natürlich nur jemand wissen der beteiligt war und daran mitgewirkt hat. Dies waren ausschließlich ehemalige Regensburger Domspatzen aus einer der drei Lokalitäten, die ihre Schulzeit auf den Tag genau belegen konnten. Hr. Probst ist nicht nur der wichtigste Vorkämpfer in unserer Sache, er hat mit seinem Einsatz, unter anderem dem Buch, entscheidend daran mitgewirkt, dass wir im Kuratorium so erfolgreich waren. Ich habe ihn dort ja erlebt und finde es ziemlich schäbig ihn jetzt zu diffamieren. Zudem spricht er ja auch immer wieder in Interviews und Artikeln von seiner Meinung und es steht ihm wohl zu eine eigene zu haben und mit der muß er nicht hinter dem Berg halten. Langsam kommt in mir der Verdacht hoch, das jemand solche niederträchtigen Zweifel mit Absicht in die Welt setzt um die Position der Betroffenen zu schwächen, denn sie erzeugen vor allem eines, Uneinigkeit. Diese Schreiber haben von der Entwicklung der entscheidenden Jahre nichts mitbekommen. Man stelle sich doch nur mal die Frage , wie es damals weitergegangen wäre, wenn G. Müller heute noch Bischoff von Regensburg wäre? So gesehen ist Voderholzers Handeln wirklich ein Segen gewesen. Aber die Zeiten haben sich fortentwickelt und jetzt sehe ich den positiven Fortschritt bei unserem Problem vor allem in den Aktionen des UBSKM. In Schloss Bellevue habe ich die Gelegenheit schon wahrnehmen können unser Anliegen bei der richtigen Stelle vorzubringen.
    Übrigens ich schwöre keinen keinen Meineid auf Voderholzer, aber ich kämpfe in der Sache solange bis meine Forderungen erfüllt sind.
    Dazu gehört auch endlich eine Antwort der Herren Voderholzer, Marx und Ackermann auf die letzten Anschreiben , die ja ebenfalls schon Wochen zurückliegen.
    Haimo Herrmann _ Etterzhausen 1962 – 1964

  • Kein Spatz

    |

    @H. Hermann.
    Tut mir leid, wenn ich mich missverständlich ausgedrückt habe. Deshalb nochmals meine Meinung: ich finde den bisherigen Aufklärungsprozess bei den Domspatzen gut, einen „herausragenden Anfang, mehr nicht!“
    Verdienste, die A. Probst oder wem auch immer dabei zukommen, habe ich nicht thematisiert, geschweige denn irgendjemanden diffamieren wollen.

    Das von mir wahrgenommene Problem ist, dass Probst seine persönliche Befindlichkeit zu Bf. Voderholzer – „diesem Gesprächspartner können sie vertrauen“- offensichtlich falsch verallgemeinert. Ich weiß von anderen Betroffenen, die dem Regensburger Bischof eben nicht vertrauen.

    Wie die MHG-Studie zeigt, gibt es neben den im medialen Focus stehenden Domspatzen noch andere leidende Menschen, für die sich Voderholzer (und noch viel weniger GV Fuchs) kaum oder schlechter einsetzt. So gesehen finde ich die Prosts Parole, das Regensburger Bistum müsse deutschlandweit Vorbild sein, naiv und m.E. an der Realität vorbei.

    Gerade ein an der Aufklärung Beteiligter/Betroffener wie Probst müsste doch Voderholzer dafür kritisieren, dass dieser nicht alle Missbrauchsopfer des Bistums (aus anderen kirchlichen Schulen und Internaten, Konvikten und Seminaren, u.a. kirchlichen Einrichtungen ) gleich (gut) behandelt (jedenfalls habe ich nichts dergleichen gelesen). Voderholzer lies die Aufklärung bei den Domspatzen nur zu weil ihm dort der größte Schaden droht. Er ist ein Getriebener, der nicht zum Vorbild taugt.

  • Auch ein Überlebender

    |

    @ Zu Herrmann Haimo
    Wie sind denn Sie drauf? Zuerst haben Sie dem Sieber von Intern-at die Stange gehalten und jetzt ist der Probst dran. Geht es Ihnen jetzt um Prinzipien oder um was geht es Ihnen denn wirklich? Der Kommentar von Kein Spatz hat so sehr den Nagel zum Thema getroffen. Bitte lesen sie doch auch ausführlich diesen Bericht vom Donaukurier, wenn dann sogar ein Hr Eckl wie am Fließband schreibt. Hr Eckl schrieb nämlich auch für die Passauer Neuen Presse eben auch fast das Gleiche zum Thema Probst etc. Wenn Sie als Gremiumsmitglied dann nicht einmal das Thema der Anerkennungszahlungen auch richtig in die Wege leiten konnten, dann brauchen Sie bitte auch dann nicht den Bischof auch noch hervorheben. Diese Zahlungen sind nämlich so sehr mikrick, dass man eigentlich wieder das Geld der Anerkennungsleistung dem Bistum Regensburg zurück überweisen sollte. Also, gut Ding hat Weile, aber der Probst vertritt eben nur eine kleine Gruppe von Domspatzenopfer, mehr aber auch nicht. Nein, Spaß bei Seite: Alexander Probst macht sich mit solchen Äußerungen völlig unglaubwürdig, ja lächerlich, so auch meine Meinung.

  • R.G.

    |

    @H.Hermann
    Meine bescheidene Sichtweise zeigt mir ein Grundproblem: Die Kirche verletzt neuerlich ihre Schäfchen, indem sie ihnen das Blöken verbieten möchte.

    Herr Probst konnte, wenn man ihn ausschließlich dankbar betrachtet, die Missbrauchsaufarbeitung mit anstoßen, seit er nach Kämpfen endlich als Gesprächspartner der Träger der geistlichen Ämter anerkannt wurde.
    Aber weder seine Rolle, noch die teils positiven Ergebnisse, berechtigen ihn aus Sicht anderer durch die Kirche Verletzter zur Teilnahme an der Ausrufung eines neuen Geheimnis- Und Relativierungsgebots.

    Alle mir näher bekannt gewordenen Missbrauchten aus unterschiedlichen Ländern berichteten, bei Erhalt des Geldes im Gegenzug einer Art Schweigeerklärung schriftlich zugestimmt zu haben, andernfalls wäre der „Vertrag“ nicht zustande gekommen.

    Wer den Tenor aufnimmt, und die Vorgehensweise in einem Fall oder gegenüber einer missbrauchten Gruppe in der Regensburger Diözese für ausreichend und vorbildhaft erklärt, nimmt sich mehr als Betroffenenvertretung heraus, er misst sich Urteilskraft über die Bedürfnisse und Befindlichkeiten anderer Betroffener zu; er spricht ihnen das Wort ab.

    Die Rolle entspräche dem Kapo in autoritär geführten Heimen, der als Vermittler der (Über-)Macht, aus einer erhöhten Position, die Disziplin unter den ihm ursprünglich Gleichen herzustellen hat, und dabei zwangsläufig nur mitschuldig werden kann.

    @Kein Spatz
    Ihre Worte sind vorsichtig und angemessen, und vor allem von Verantwortungsgefühl getragen.

    Meine persönlichen Erfahrungen mit Initativen gegen Missbrauch in Kirchen sind langfristig gesehen ausgesprochen negativ, weil bisher alle in die gleiche Falle tappten: Sie duldeten es, dass sich Betroffene mit starkem Führungsanspruch, und wenig Dialogwilligkeit gegenüber anderen Opfern, an die Spitze setzten.

  • Angelika Oetken

    |

    Angesichts dessen, was für die FunktionärInnen der katholischen Kirche auf dem Spiel steht, ist es ganz klar, dass sie, seit sich Ehemalige Heimkinder als erste Opfer zu Wort meldeten versuchen, Aufklärung zu behindern. Dazu bedienen sie sich verschiedener Methoden, angefangen von offener Sabotage und Bedrohung, über mehr oder minder geschickter Beeinflussung der Berichterstattung und von Fachleuten, bis hin zur Unterwanderung von Betroffeneninitiativen und vielfältigen Versuchen, deren Arbeit zu behindern. Als Beispiel möchte ich das anführen, was SNAP passierte https://en.wikipedia.org/wiki/Survivors_Network_of_those_Abused_by_Priests#Controversies.

    NGOs leisten eine wichtige Arbeit. In Kombination mit der Arbeit der Medien und anderen Formen des Engagements, zu dem auch die schwarmartige, diffuse Kooperation über digitale soziale Netzwerke gehört, treiben sie die Aufarbeitung voran, zu der die Institution Katholische Kirche aus Gründen nahe liegender Interessenkollisionen gar nicht in der Lage sein kann.

  • Mathilde Vietze

    |

    Ich bin kein Fan von Bischof Voderholzer. Mir wurde aber von kritischen Katholiken
    versichert. daß er – im Gegensatz zu Müller – a) die Betroffenen anhört und b) nicht
    wie Müller herumposaunt, daß an allem die „kirchenfeindiche Presse“ schuld sei.

  • aucheinehemaliger

    |

    @Mathilde Vietze
    Wow, Rudi hört zu und pöbelt nicht. Ich bin begeistert. Bestimmt ist er auch noch tief betroffen.

  • Mathilde Vietze

    |

    ZHu „aucheinehemaliger“ – Jeder Bischof, so er normal gestrickt ist, kann sich vor-
    stellen, daß ein Pfarrer, der den Zölibat nicht halten will, sich eine Freundin sucht
    oder in den Puff oder den Swingerclub geht. Aber solche Perversitäten sind – egal
    ob Bischof oder nicht – kaum vorstellbar. Vielleicht ist der Bischof betroffen oder
    aber vom Ekel gepackt.

  • aucheinehemaliger

    |

    @Mathilde Vietze
    vielleicht ist es ihm auch scheißegal.

  • haimo

    |

    Haimo
    Jetzt kündigt sich der nächste Schritt des Dramas an. Heute fand ich folgenden Artikel und mache mir so meine Gedanken wie der im Bistum wohl aufgenommen wird.

    Kritik des Hildesheimer Bischofs an verstorbenem Vorvorgänger

    https://www.kirche-und-leben.de/artikel/bischof-wilmer-bischof-homeyer-hat-bei-missbrauch-versagt/?fbclid=IwAR0s4akqtNJnMS-bAOfho38etDThHhMZkcC5FxxzKWJ8RGSDSSSZCE3U4tk

    Das ist ja sensationell, dass sich in über 2000 Jahren erstmalig ein Kirchenfürst negativ über einen Kollegen äussert. Zumindest mir ist kein solcher Fall bekannt. Ich nahm schon an, das ein Mitglied einer mafiaähnlichen Organisation nicht in der Lage sein kann Selbstkritik zu üben. Ja man sieht sogar ein, dass für die Aufarbeitung Hilfe von außen benötigt wird. Hier frage ich mich aber, warum ich noch keine Antwort auf Vorschläge zur Aufarbeitung von der dt. Bischofs konferenz, Marx, Voderholzer, und Ackermann bekommen habe, auf die ich seit Sommer warte. In den nächsten 20 Jahren hat sich dann, leider zu spät, herumgesprochen dass eine Entschuldigung von G. Müller und auch eine Verurteilung seiner Vertuschungs bemühungen seinerzeit in Regensburg bei den Domspatzen durch seinen Nachfolger Voderholzer angebracht gewesen wäre.

    Aussagekräftiges Video: Studie enthüllt Gewalt und Missbrauch durch Kleriker

    https://www.socialzon.me/videos/watch/nnS-Jch-t8c

    Haimo Herrmann _ Anerkanntes Missbrauchsopfer _ Etterzhausen 1962 – 1964

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu „aucheinehemaliger“ In der jetztigen Situation kann es Voderholzer vielleicht
    peinlich, aber nicht scheißegal sein.

  • R.G.

    |

    @haimo
    Sie schrieben:
    “ In den nächsten 20 Jahren hat sich dann, leider zu spät, herumgesprochen dass eine Entschuldigung von G. Müller und auch eine Verurteilung seiner Vertuschungs bemühungen seinerzeit in Regensburg bei den Domspatzen durch seinen Nachfolger Voderholzer angebracht gewesen wäre.“
    Eher wird das Gegenteil der Fall sein.
    Dem wegen Missbrauchsvorwürfen abgetretenen Kardinal Groer stecken Gläubige mittlerweile Votivtafeln mit Gebetserhörungen aufs Grab. Vorbereitungen für spätere Seligsprechungsbemühungen?

    Ich wurde über das plötzliche Verschwinden des Chorleiters der Pfarre noch ordnungsgemäß informiert, der Teufel habe ihn in Gestalt eines frühreifen Kindes verführt, ich solle mich von dem verdorbenen Knaben (!) unbedingt fernhalten.

    Der frühere Kaplan sei auf einer Missionsstation wie Jesus vom Teufel geprüft worden, habe aber nicht standgehalten; er ließ sich trotz des sichtbaren Schwanzes vom nur dürftig verkleideten Satan verführen (der junge Priester hatte eine Afrikanerin mit Pferdeschwanz-Frisur zur Partnerin gewählt und den Orden verlassen). Geschehen habe das nur können, weil die Frauen der Pfarre nicht mehr genug fasteten und beteten. Zwei Tage pro Woche nur Wasser und Brot aus Liebe zu Gott und zwecks Aufopferung sei mal ein Anfang. Zwei ganze Rosenkränze, morgens nach dem Aufwachen und abends vorm Schlafen müsse man schon beten.

    Die Vergewaltigungen im Balkankrieg seien nur deshalb passiert, weil hier die Frauen nicht mehr genug gefastet und gebetet hätten.

    Frauen und Mädchen müssten die schlechten Taten aller Männer und Jungen auf sich nehmen und fasten und beten; alles Böse sei nur geschehen, weil sie darin säumig gewesen wären…

    Hirnunrat.

  • Nocheinüberlebender

    |

    Weiß nicht mehr, was ich davon halten soll, außer, dass ich Regensburg Digital dafür danken muss, dass sie das Thema nicht totschweigen, so wie es fast überall geschieht…

  • BR.

    |

    @Domspatz
    …..das der jetzige und leitende Generalvikar Fuchs vom Bistum Regensburg in keinster Weise eine Appropation zum Thema Kirchenrecht hat. Er ist nur von Gottes Gnaden, eben nur von den Bischöfen, dort eingesetzt.
    ___
    Das stimmt, das habe ich auch schon gehört. Also darf der Fuchs auch keine Missbrauchsanträge lesen. Hat er oder hat er nicht?
    Ich frage mich eh schon wie lange der Bischof Voderholtzer da noch zu schaut. Jetzt heißt es mal schnell die Kath. Kirche hat Fehler gemacht? Dann hat aber das Bistum Regensburg die letzten Jahre schon sehr viele Fehler gemacht. Fakt ist, dass in Regensburg mit den Domspatzen in der Reichstraße derart die Pädophilie kocht.

    Omne animal se ipse diligit.
    Jedes Lebewesen liebt sich selbst.
    Cicero, de finibus 5, 9

  • Auch ein Ehemaliger

    |

    Wie ein Missbrauchsopfer die Kirche zum Umdenken brachte
    Alexander Probst sang bei den Regensburger Domspatzen. Was er dort erleiden musste, verfolgte ihn sein Leben lang. Bis er sein Schicksal in die Hand nahm
    https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Wie-ein-Missbrauchsopfer-die-Kirche-zum-Umdenken-brachte-id52483431.html
    _______________________________________________________________________________________-
    A so ein Schmarren!!!!
    Hätte es zum Beispiel diesen TV Bericht von der Frau Mona Botros “ Die Sünden der Sängerknaben “ nicht gegeben, dann hätte auch damals das Bistum Regensburg nicht mehr viel zum Thema gemacht. Damals schon haben sie nämlich den Opfern je 2.500 Euro ausbezahlt.
    Schuster bleibe bei Deinen Leisten. Der Probst vertritt in keinster Weise alle Domspatzenopfer, sondern nur ein paar dutzend Opfer. Der Probst ist zwar ein sehr großartiger Protagonist, aber mehr auch nicht.
    Was sich der Probst hier andauernd heraus nimmt, ist derart unschön und respektlos gegenüber allen Domspatzenopfern.

    # Bayerisches Sprichwort
    Hock di hera, dann samma mehra.

  • RB.

    |

    Zum Thema Institution Regensburger Domspatzen hier noch an alle Freunde ein kleiner Tip:
    Am Samstag Abend den 10.November 2018 steigt wieder das Treffen der Ehemaligen Domspatzen in der Maximilianstraße. + Etterzhausener + Pielenhofener Domspatzen. Es gibt auch heuer ein wirklich sehr großes Jubiläum zu Feiern!
    Bitte mit Anmeldung, Danke
    Ad radices!
    Gruß

    https://www.domspatzen.de/chor/institutionen/verein.html

  • Nocheinüberlebender

    |

    Die Opfer werden zu Tätern gemacht und die Täter zu Opfern – Rechtsanwälte und Institute sind reich genug und es muss den Menschen geholfen werden, nicht den Institutionen, denn die haben genug Geld. Wir Trostknaben brauchen Hilfe und das sehr dringend und noch bevor wir durch den Tod den Tätern ihre Reue und ihr schlechtes Gewissen nehmen.

  • Bluebeardy

    |

    „…Einige in der Studie benannte „Themenfelder“ wie Zölibat, Sexualmoral und Homosexualität „scheinen jetzt von manchen auf der Empörungswelle benutzt zu werden, um ihre Interessen voranzubringen“, hat der neue Kölner Generalvikar Markus Hofmann gesagt. Und ein führender Vertreter des Bistums Regensburg nennt die Studie intern „Lug und Trug“.“ Kölner Stadtanzeiger

    Da bleibt die Spucke weg…

  • R.G.

    |

    @Bluebeardy
    Da fühlen sich wolche welche auf den Schwanz getreten und jaulen irgendwas…

  • Hutzelwutzel

    |

    Eine Röm.-Kath. Kirche die nicht betrügt und fälscht, hat es noch nie gegeben, und wird es nie geben. Auch dies gehört zur „Katholischen Sukzession“, zur „Handauflegungs-Nachfolge“ seit Apostel Petrus. ;-)
    —————————–
    Was habt ihr mit Riekofen? Die Sache mit P.K. soll schon in Nittenau begonnen haben.
    Interessant, dass die Bayerische Sozialministerin Müller bei der Verabschiedung deren Namensvetters GLM neben diesem auf dem Domplatz saß, obwohl GLM nichts aufgeklärt hatte.
    ———————-
    @Auch ein Ehemaliger:

    Ich sehe auch den Film von Mona Botros als „politisch lanciert“ an. Bitte ruhig mal vita von Frau Botros googeln.
    =====================================
    Etwas zum Nachdenken:

    Obwohl die pädokriminellen Dinge der Röm.-Kath. Kirche seit Ende der 1990er Jahre in den USA ausgiebigst und öffentlich diskutiert wurden, schwappte dies er 2010 „richtig“ nach Deutschland. Vorher konnte sogar noch ein Deutscher, ein Bayer zum Papst gewählt werden.
    Da hatte sicher die gesamte Nomenklatura Deutschlands die Finger mit im Spiel. Erstmals – seit der Kaiserzeit LoL !!! – wieder ein Deutscher an weltweit bedeutender Stelle.
    —————–
    Gebt den wirklich Verantwortlichen für Vertuschen und Verschweigen jetzt bitte keine Chance, dies auf Frühmorgen (Dr.!), Fuchs oder irgendeinen anderen „Bauern“ auf dem Schachbrett abzuwälzen.
    Sogar im Vatikan soll man mittlerweile Interesse haben die zivilen wie kirchlichen Verantwortlichen „aus dem Weg geräumt zu wissen“.

  • Hutzelwutzel

    |

    Ergänzung: Bisher war es den Vertuschenden und Verschweigenden noch möglich (Mit)Schweigenden dafür ein Entgelt zu geben. Dies wird künftig immer weniger möglich sein. Stellt sich also die Frage ob diese Leute dann noch schweigen oder sonstwie „mitarbeiten“ werden.
    ———————————————–
    Fazit: Nicht nur der Regensburger Bischof wird noch „bitten und betteln“ ehrlich aufklären zu dürfen.
    Wozu man die RKK in Deutschland (derzeit noch) nicht bewegen kann, dazu zwingt man diese in allen möglichen anderen Ländern dieser Welt.
    Kostet die RKK weltweit erheblichen Einfluß, und denen die sich wirtschaftlich auf diesen Einfluß verlassen täglich jede Menge Geld.

    Man bekommt keine „seltenen Erden“ wenn einem die Mitbewerber vorwerfen können mit einer „mutmasslich kriminellen Kirchenorganisation“ zu agieren. Dies weiß mittlerweile auch Gerd Müller (B.-Entwicklungshilfeminister)
    —-
    Für die Diözese Regensburg war unlängst schon ein „Myanmar-Debakle“ zu verzeichnen. ;-)

  • Angelika Oetken

    |

    Apropos „Kirche, Missbrauch und Geld“:
    Bischof Gregor Maria Hanke, Bistum Eichstätt, verband die drei Themen kürzlich in einem Interview mit der SZ:
    „Das ist der Nährboden für den sexuellen Missbrauch wie für den Missbrauch des Vermögens.“
    „Wenn Sie als Mönch in ein solches System geschickt werden, haben Sie nicht die erforderlichen Möglichkeiten, dieses Dickicht zu durchdringen“
    https://www.sueddeutsche.de/bayern/eichstaett-kirche-finanzaffaere-1.4180050

    Meines Wissens das erste Mal, dass ein hoher Kirchenfunktionär öffentlich diesen, natürlich schon lange bekannten Zusammenhang herstellt. Ich halte Ordensbrüder zwar für alles Andere als weltfremd, aber dass Hanke versucht, die Verantwortung auf die als konservativ bezeichnete Diözesanverwaltung zu schieben, ist aufschlussreich. Wenn ausgerechnet ein hoher Funktionär des Benediktinerordens jetzt das naive überforderte Mönchlein gibt, stellt sich die Frage, wovon werden soll. Bei einer halben Milliarde – offiziellen!!! – Vermögens, über das das Bistum Eichstätt verfügt, würde es sich schon lohnen, der Öffentlichkeit was vorzukaspern.

    Das gilt natürlich auch für andere Diözesen, in denen systematisch missbrauch wurde, nicht zuletzt Regensburg. Bei dem, was als „Aufarbeitung“ tituliert wird, stellt sich nur die Frage, ob man es als geschickte Inszenierung oder schlechtes Theater bewerten sollte.

  • Angelika Oetken

    |

    Adolf Hitler war ja ein Fan und Förderer der Regensburger Domspatzen. Nun hat das CIA Dokumente veröffentlicht, die als „bizarr“ bezeichnet werden, dabei ist das, was darin beschrieben wird, doch mehr als schlüssig https://www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/nationalsozialismus/hitler-ist-mann-und-frau-sadomasochist-mit-homosexueller-ader-cia-gibt-bizarren-bericht-ueber-hitler-frei_id_9783557.html. Hier sind die Originale abgebildet: https://www.cia.gov/library/readingroom/docs/HITLER%2C%20ADOLF_0001.pdf.

    Hitlers spätere Entwicklung zeichnete sich früh ab: http://kriegsursachen.blogspot.com/2011/09/adolf-hitler-teufel-damon-oder-schwer.html.

    Wer von den damaligen Sängerknaben musste damals alles den Preis dafür zahlen, dass der „Führer“ Chor und Bistum förderte? Es müssten noch Zeit- bzw. Opferzeugen leben.

  • R.G.

    |

    Werte Frau Oetken!

    Zwei einfache Regel könnten helfen, sich Achtung und Gehör zu verschaffen.
    Nach jedem Posting abwarten, bis mindestens ein anderer User einen Beitrag veröffentlichte, bevor Sie neuerlich mit Links auffahren (bis auf seltene Ausnahmen).
    Sich entscheiden, ob Sie als selbst Betroffene und damit zwingend Gleiche unter Gleichen auftreten möchten, oder als erhabene Belehrer ohne Empathie.

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu Kardinal Müller und seinen homophoben Bemerkungen: Die größten Kritiker
    der Elche, sind meist selber welche.

Kommentare sind deaktiviert