SOZIALES SCHAUFENSTER

Erinnerungs- und Gedenkpolitik in Regensburg

Die Sehnsucht nach Entlastung

Berichte über ein Geheimzimmer, in dem möglicherweise Juden versteckt worden sein sollen, eine nichtssagende und intransparente Pressemitteilung der Stadt Regensburg, in der von einer „umstrittenen Rolle“ des NS-Karrieristen Walter Boll die Rede ist, eine städtisch geförderte Ausstellung, in der ein Fan von Otto Schottenheim den Nazi-OB unwidersprochen abfeiern durfte. Es sind nur ein paar Beispiele für erhebliche Defizite in der Erinnerungs- und Gedenkkultur von Regensburg. Wir veröffentlichen dazu einen Einwurf der Journalistin und Autorin Waltraud Bierwirth („Die Firma ist entjudet“, „Der Fall Elly Maldaque“, „Das Novemberpogrom und der lange Weg zu einer neuen Synagoge“).

Ja, die Frage nach Demokratie und Transparenz ist wieder dringlicher geworden. Der Umgang mit Geschichte produziert in dieser Stadt eigene Konflikte, die an Deutlichkeit zunehmen. Als größtes Manko erweist sich in Regensburg, dass es bis heute keine öffentliche Präsentationsform für die Darstellung der neueren Stadtgeschichte gibt. 90 Jahre nach der Machtübergabe an die Nazis und dem Ende der Demokratie in Deutschland fehlt es in dieser Stadt dringlich an einem Ort, an dem die Jahre des Nationalsozialismus dargestellt, Zusammenhänge erläutert und handelnde Personen und deren Verbrechen genannt werden.

Die Tolerantel

Nix ist passiert!

Toleranz ist eine löbliche Eigenschaft, die den meisten Menschen aber erst mühsam eingeprügelt werden muss. Sind Sie sich eigentlich klar darüber, wie froh Sie sein dürfen, in Regensburg zu wohnen, wo das Morgen stets wieder zu einem Heute ohne Gestern wird?

 
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