SOZIALES SCHAUFENSTER

Stadträte fordern bessere Informationen

Biotope in Beschlussvorlagen ausweisen? „Viel zu aufwändig.“

Die ÖDP ist mit ihrem Antrag abgeblitzt, Biotope, die von Beschlüssen des Stadtrats betroffen sind, künftig grundsätzlich in Sitzungsvorlagen auszuweisen. Das sei viel zu aufwändig und für die Stadträtinnen und Stadträte auch keine entscheidungsrelevante Information, so die Begründung der Oberbürgermeisterin.

Der Stein des Anstoßes: das kleine Wäldchen an der Ecke Lilienthalstraße/Hermann-Köhl-Straße. Foto: as

„Es ging lediglich darum, den Stadträt*innen die Arbeit ein wenig zu erleichtern und Biotope in Sitzungsvorlagen eindeutig zu benennen“, ärgert sich ÖDP-Fraktionschef Benedikt Suttner. „Denn wenn bisher über einen Bebauungsplan abgestimmt wurde, in dessen Umgriff sich ein Biotop befindet, geht das aus der Vorlage nicht hervor.“ Doch ein entsprechender Antrag der ÖDP im Planungsausschuss des Regensburger Stadtrats wurde kürzlich auf Empfehlung der Oberbürgermeisterin abgelehnt. Die Stadträte bekämen von der Verwaltung „immer alle entscheidungsrelevanten Informationen“, so Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Doch in jeder Beschlussvorlage gegebenenfalls betroffene Biotope zu kartieren und zu bewerten, das sei „ein immenser Aufwand, der zu nix führt.“

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Konkreter Anlass: das Bauerwartungs-Biotop

Anlass des ÖDP-Antrags ist das umstrittene Vorhaben des „Immobilien Zentrum Regensburg“, eine bewaldete Biotopfläche im Stadtwesten (Lilienthalstraße/Hermann-Köhl-Straße) mit Wohnungen zu bebauen (Wir haben mehrfach berichtet.). Der Grundsatzbeschluss, eine mögliche Wohnbebauung auf der 11.000 Quadratmeter großen Fläche durch die Verwaltung prüfen zu lassen, fiel im Januar 2016. In der entsprechenden Beschlussvorlage wurde das seit 2007 kartierte Biotop nicht erwähnt – sehr zum Ärger von ÖDP und Grünen, die seinerzeit mit für die Vorlage gestimmt hatten.

Befürchtet zu viel Arbeit für die Verwaltung: Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Foto: Archiv

Dieses Vorgehen der Verwaltung sei auch richtig gewesen, so die Oberbürgermeisterin. „Diese Information war nicht entscheidungsrelevant.“ Schließlich sei es nicht um die Frage gegangen, ob dort überhaupt gebaut werde. Das Areal sei gemäß dem gültigen Bebauungsplan von 1988 mit einem großflächigen Baurecht für Gewerbe versehen. Die damalige Entscheidung sei also lediglich gewesen, ob man statt Gewerbe Wohnen baut. Mit dem Biotop müsse man sich erst befassen, wenn man in die konkreten Planungen einsteige. Das Baurecht für Gewerbe gebe es ja so oder so – „es sei denn, man will enteignen“, so die Oberbürgermeisterin. Insofern gehe der Antrag ins Leere.

Keine entscheidungsrelevante Information?

Doch auch abseits dieses konkreten Falls hält Maltz-Schwarzfischer es der Verwaltung nicht zumutbar, in sämtliche Beschlussvorlagen Biotope auszuweisen und hinsichtlich ihrer ökologischen Bedeutung zu bewerten. Aktuell werde die Biotopkartierung für das Stadtgebiet ohnehin gerade aktualisiert. „Bis das auf den neusten Stand gebracht ist, ist es ein immenser Aufwand, das gutachterlich zu bewerten.“ Insofern empfehle sie, den Antrag abzulehnen. Und ganz grundsätzlich: „Sie kriegen immer alle entscheidungsrelevanten Informationen von uns.“

Die ÖDP-Doppelspitze Astrid Lamby und Benedikt Suttner kritisiert die ambivalenten Aussagen der Stadtspitze. Fotos: Archiv/Staudinger

Den Hinweis von ÖDP-Fraktionschef Benedikt Suttner, dass es beim Landesamt für Umwelt doch eine Biotop-Kartierung gebe, auf die man zurückgreifen könne, lässt Maltz-Schwarzfischer unkommentiert. Die Koalition folgt geschlossen der Empfehlung der Oberbürgermeisterin – gegen die Stimmen von ÖDP, Grünen, Brücke und Linken-Stadträtin Irmgard Freihoffer.

Ist es zu viel Arbeit, ein Biotop zu erwähnen?

Damit werde, so drückt es ÖDP-Fraktionschefin Astrid Lamby aus, weiterhin „detektivisches Vorgehen“ von den Stadträtinnen und Stadträten erwartet. „Bei jeder Vorlage müssen wir recherchieren, ob ein amtlich kartiertes Biotop betroffen ist, wenn uns etwas an Stadtgrün und Artenschutz liegt.“ Einerseits werde argumentiert, dass die Verwaltung das sowieso ‚auf dem Schirm‘ habe, „andererseits soll es zu viel Arbeit sein, ein Biotop in einer Sitzungsvorlage zu erwähnen“. Da frage man sich schon, „ob man die Koalition mit ihren Zielen zum Klimaschutz ernst nehmen soll, wenn ein harmloser Antrag schon so viele Schwierigkeiten macht.“

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Kommentare (31)

  • Mr. T.

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    Nachvollziehbar! Die Erwähnung eines Biotops in einer Beschlussvorlage könnte einen Beschluss durchaus negativ im Sinne der Verwaltung beeinflussen und ihr das Handeln erschweren.

  • Tröster

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    Tja, es liegt eben immer im Auge des Betrachters, welche Informationen “entscheidungsrelevant” sind, und welche nicht.
    Nach Ansicht der Verwaltung und der grauen Koalition sind es Biotope offensichtlich nicht.
    Soviel zur CSU-SPD-FW-FDP-Glaubwürdigkeit bezüglich Klima- und Artenschutz.
    Alles nur heiße Luft.

  • R.G.

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    *Das Baurecht für Gewerbe gebe es ja so oder so – „es sei denn, man will enteignen“*
    Eine Logikkette.
    Eine zweite prüft man nicht?
    Es scheint mir, als ob man eine Standleitung von Entscheidern in der Verwaltung in den Sitzungssaal legen könnte.
    Die Oberbürgermeisterin müsste sich dann gar nicht anstrengen, sondern könnte bequem zuhören.
    @Herr Suttner
    Das nächste Projekt der Oppositionsparteien wäre vernünftigerweise, von Regensburgern gemachte Fotos, oder Bilder von Zeichnungen bzw. Modellen, von Biotopen zu sammeln, und nach den umgebenden Straßennamen zu archivieren.
    Dabei halte ich es für besonders wichtig, Fotos von dreidimensionalen, aus (Klemm- )Bausteinen, Sand etc. gebildeten Biotopnachbildungen – von Kindern und ev. ihren Eltern erstellt –
    ergänzend zu akzeptieren.
    Man hörte weise Leute sagen …. dass eine im Kindesalter nicht erlernte Wahrnehmung von Biotopen in ihrer Bedeutung für die umgebende Umwelt, im Erwachsenenalter im übertragenen Sinne zu Gesichtsfeldeinschränkungen vor Entscheidungen führen kann.

  • Madame

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    Dass die stadtoberen,wieder@der Tröster so richtig formoliert hat: richtig heisst Luft bringt, zeigt mal wieder die Schwäche der Stadträte. Es scheint mal wieder ein departiercoub zu entstehen. Ausser Spesen nichts gewesen

  • R.G.

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    Man muss früh Bewusstsein schaffen, weil es in einer Stadt wenig vorhanden scheint!
    Zum Beispiel unter SlivkiShow, Terrarium, findet man Videos von Anfertigung der Flaschengärten.
    Muss ja nicht in der Glühbirne sein.
    Slivki Ideen bitte nur unter Aufsicht der Eltern nachmachen lassen…und nicht alle, auf keinen Fall (die Katze bitte nie in den Altraum schicken!).

    “Wie macht man ein ewiges Terrarium!”
    oder:
    “Wie man ein großes ewiges Terrarium macht! “

  • Madame

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    Der Tröster hat gut
    heisst Luft formuliert. Die stadtoberen sind hoffentlich nicht zu müde, um eine geschlossenheit ihrer Entscheidung zu bringen. Wir haben diese Stadträte gewählt, dass sich in regensburg etwas mehr bewegt. Nun sind die Parteien in der Provinz ebenfalls gefragt, wie geht es weiter.

  • Lilo

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    Ein Urteil des VG München, das vielleicht die rechtliche Problematik der Diskussion aufzeigt: https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/Y-300-Z-BECKRS-B-2016-N-51701?hl=true
    Daneben gibt es politische Aspekte wie Vertrauensschutz der Eigentümer, Naturschutz, Wohnbedürfnisse, die in der Abwägung bei der Änderung des bestehenden Bebauungsplans zu berücksichtigen sind. Bin gespannt, wie die Angelegenheit zu Ende gebracht wird.

  • Norbert Hartl

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    2016 bestand auf dem besagten Grundstück Baurecht für eine massive Gewerbebebauung. Mir war 2016 bekannt, dass auf dem Grundstück eine Teilfläche Biotop ist, auch wenn es nicht in der Vorlage stand. Auf Grund des hohen Wohnungsbedarfs wurde damals beschlossen, eine Wohnbebauung zu prüfen. Durch ein neues Bebauungsplanverfahren wird es z. B. möglich Biotopflächen zu berücksichtigen. Wie genau, wird das Verfahren zeigen. Also gegenüber dem bisherigen Recht des Grundstücksbesitzers auf massive Gewerbebebauung nun eventuell Wohnbebauung mit einer Biotopsicherung. Wer aber nun den Leuten einreden will, die gesamte Fläche als Grün erhalten zu können, lügt sich selbst in die Tasche, weil bei gerichtlichen Auseinandersetzungen, die bei einem Enteignungsversuch vorauszusehen sind, der Grundstücksbesitzer zumindest die Gewerbebebauung durchsetzen kann. Fast überall, wo in den letzten Jahren Bebauungspläne für Wohnbebauung beschlossen wurden, entstanden tolle Grünflächen. (Siehe Nibelungenkaserne und Burgweinting) Im Zuge von Wohnbebauung müssen ja entsprechende Ausgleichsflächen geschaffen werden. Diese sollten möglichst zusammenhängend erfolgen, z.B. Sallerner Berg Nord. Damit geschieht etwas für die Umwelt, aber nicht mit Nebenkriegsschauplätzen bei denen es um ein paar Tausend Quadratmeter geht. Allerdings geht mir auch nicht ein, warum es schwierig sein soll, bei Aufstellung eines Bebauungsplans nicht auf ein bestehendes Biotop hinzuweisen.

  • Gscheidhaferl

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    Es lohnt auch, zu fragen, welcher Wohnbedarf dort voraussichtlich adressiert wird. Sicher werden dort keine Wohnungen für Einkommensschwache entstehen.
    Die Immobilienpreise (Kauf oder Miete) werden vor allem durch die Grundstückspreise bzw. deren Marktwert bestimmt. Wenn hier erst ein Grundstück angekauft werden muss, ist die Sache in der Regel schon gelaufen.
    Darum war es doppelt fatal, dass sich die Stadt z.T. zum Schleuderpreis von Grundstücken getrennt hat.

  • Gscheidhaferl

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    Das nur, um dem Versuch vorzubeugen, Eohnungsnot und Naturschutz gegeneinander auszuspielen.

  • R.G.

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    @Norbert Hartl
    ” Im Zuge von Wohnbebauung müssen ja entsprechende Ausgleichsflächen geschaffen werden. Diese sollten möglichst zusammenhängend erfolgen, z.B. Sallerner Berg Nord. Damit geschieht etwas für die Umwelt, aber nicht mit Nebenkriegsschauplätzen bei denen es um ein paar Tausend Quadratmeter geht.”
    Sie sprechen von Ausgleichsflächen.
    Seit die Klimaerwärmung klar ist, gibt es weitere Erfordernisse, unter anderem um die ” Kühle Stadt” “, regelmäßig verteilte “kleinere” Grünzonen, um im unmittelbaren Umkreis eine Abkühlung zu schaffen..und um die “Schwammmstadt.

  • Mr. T.

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    Gscheidhaferl, das gegeneinander Ausspielen von Wohnungsnot und Naturschutz hat man ja schon auf der Platte versucht – zum Glück erfolglos. Mit den Luxusvillen war es aber dann doch zu offensichtlich. Sowas traut man sich jetzt nicht mehr.

  • Raimund Schoberer Bund Naturschutz

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    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ja, ein BBP von vor bald 40 Jahren wurde nie Umgesetzt, ist zwischenzeitlich -wie auch der völlig veraltete Flächennutzungsplan- aus der Zeit gefallen und es ist fraglich ob auf dieser Grundlage in 2021 ohne weiteres Baurecht abgeleitet werden kann, zumal der Stadtrat ja nachstehendes veranlasst hat:

    2016 in höchster Flüchtlingsnot wurde ein BBP-Aufstellungsbeschluss gefasst, dort (vor diesem Hintergrund) insb. Wohnungen zu bauen. Die Werthaltigkeit der Fläche für Natur, Klima und Erholung hat man verschwiegen. Es hat sich dort über Jahrzehnte ein wirklich ansehnliches Biotop mit Klima- und Erhohlungwert entwickelt, wo rundrum alles zugebaut wurde.

    Am 30.01.2020 wurde dann m.W. einstimmig vom Stadtrat https://www.regensburg.de/fm/121/freiraumentwicklungskonzept-handlungsempfehlungen-122019.pdf beschlossen. Der Nördliche Teil der Fläche ist auf Seite 41 als Nr. 7.4 als wichtige Freifläche explizit dargestellt.

    Dann m.W. in 2020 der Kauf von IZ und die Stadt übt ihr Vorkaufsrecht nicht aus ….

    Von Herrn Eigner viel besser zusammengefasst unter: https://www.regensburg-digital.de/quartier-west-wird-zum-kristallisationspunkt-von-frust-und-zorn/17052021/

    Da muss man doch auf die Straße gehen und das öffentlich machen und dafür werben, dass dort nicht gebaut wird!!! Unsere Stadt muss lebenswert bleiben. Es ist in den letzten 20 Jahren schon zu viel verloren gegangen; alleine daran zu sehen, dass diese Fläche die letzte ihrer Art im zentralen Stadtwesten ist.

    PS was den Umgang mit wertvollen Natur-Schutzgütern wir der Zauneidechse angeht: unsere aktuelle Anfrage bei der Stadt hat ergeben, dass von den auf den rd. 15 Hektar (davon rd. 7 Hektar amtlich kartierte Biotopfläche) lebenden Zauneidechsen auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofes (Baugebiet „Das Dörnberg“) nach der Umsiedlung bei einer Nachkontrolle keine einzige lebende Zauneidechse auf der Umsiedlungsfläche nachgewiesen werden konnte. Das ist „gelebter Artenschutz“ in unserer Stadt. Das Vertrauen sinkt so auf 0.

    MfG
    Raimund Schoberer
    Bund Naturschutz Regensburg

  • Dugout

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    Wie wärs wenn man für das Baugebiet, dass jetzt ein Biotop wird, eine Ausgleichsfläche schafft. Vielleicht am Sallener Berg Nord?

  • Norbert Hartl

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    Sehr geehrter Herr Gscheidhaferl,
    das müsste auch zu Ihnen durchgedrungen sein, dass bei jedem neuen Bebauungsplan 40% sozialer Wohnungsbau vorgeschrieben ist.
    zu Herrn Schober:
    Auch heute hat sich die Lage, dass dringend preisgünstiger Wohnraum benötigt wird, nicht gebessert. Ihr Aufruf, auf die Straße zu gehen, dass dort nicht gebaut werden darf, geht an der Sache vorbei. Wir brauchen überall mehr Umweltschutz, dort wo Baurecht besteht, muss Umweltschutz im Rahmen Deutscher Gesetze realisiert werden. Das heißt einem neuen Bebauungsplan Wohnen in Einklang mit dem dortigen Biotop zu bringen.

  • nebenbeibemerkt

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    Wenn ich mir das kleine Bildchen mit dem kleinen Wäldchen anschaue, erinnert mich die Situation mehr an eine Zonengrenze als ein Biotop. Vielleicht sollte Mann*Frau sich mehr um die GROSSEN Dinge kümmern.

  • Mr. B.

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    Man kann es nennen, wie man will!
    Es geht doch in erster Linie nur ums Geld und immer noch nicht um Umweltschutz!!!!
    Erst wenn der “Umweltschutz” viel Geld wieder für ein paar wenige
    “Macher” bringt, dann wird’s interessant!!??

  • Gscheidhaferl

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    @Norbert Hartl
    Zu mir ist durchgedrungen, dass sich Investoren in Regensburg gerne über entsprechende Vorgaben hinwegsetzen. Auch weil sie keine ernsthaften konsequenzen zu fürchten haben. Aber das sollten Sie eigentlich auch wissen.

  • Gscheidhaferl

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    @Nirbert Hartl
    Für Ihre Anmerkung, dass es sus Ihrer Sicht keine Zumutung darstellt, seitens der Verwaltung auf Biotope hinzuweisen, bin ich Ihnen jedenfalls dankbar.

  • Gscheidhafer

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    …und zur Wahrheit gehört auch, dass angesichts der Marktpreise auch der soziale Wohnungsbau mittlerweile ein Preisniveau erreicht hat, dass nicht Wenige an die finanzielle Schmerzgrenze führt.

  • Gscheidhaferl

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    …sorry, weil ich mich schon wieder melde (bin eben ein Gscheidhaferl). Aber: Die ‘Sozialwohnungen’, die durch private Investoren geschaffen werden, unterliegen ja nur einer gewissen Zeit der Mietpreisbindung. Dann werden sie ganz normal weitervermarktet. Über die Nachhaltigkeit dieser Art sozialen Wohnungsbaus lässt sich also trefflich streiten.
    Ansonsten kann ich Herrn Hartl nur zustimmen, dass wir Wege finden müssen, Wohnungsbedarf und Natur-/Umweltschutzbedarf in Einklang miteinander zu bringen.

  • Däumling

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    @ Norbert Hartl,
    ich hätte Sie nicht so eingeschätzt hier so zu kommentieren und muss sagen dass ich das sehr gut finde.

    Einen Baubauungsplan kann man auch wieder ändern, aufgrund des Alters, er wurde immerhin vor der Wende beschlossen, dürfte man damals ohnehin von falschen Annahmen ausgegangen sein. Mir ist noch ein Dokument im Kopf in welchem 1989 geschrieben wurde das die Stadt Regensburg keine Erweiterung des öpnv benötigt da die Stadt heillos überaltert und sich das auch nicht in absehbarer Zeit ändern wird.
    Dann kam überraschend die Wende und Regensburg hat seitdem einen unerwarteten Zuzug an Studenten erhalten.

    Ob es aber sinnvoll ist die Bautätigkeiten für Wohnungen wegen Umweltschutz einzuschränken statt eine verträgliche Lösung zu suchen… halte ich für gewagt. So entspannt sich kein Wohnungsmarkt.

  • Piedro

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    “Das sei viel zu aufwändig und für die Stadträtinnen und Stadträte auch keine entscheidungsrelevante Information, so die Begründung der Oberbürgermeisterin.”
    Mit anderen Worten: die Stadträte müssen nicht wissen, ob sie der Zerstörung eines kartierten Biotops zustimmen oder nicht, relevant ist nur die Zustimmung. Heißt ja auch Beschlussvorlage, nicht Ablehnungsvorschlag. Wenn der Stadtrat dem mehrheitlich zustimmt verfestigt sich natürlich das Bild von Abnickmandataren, die nur gelegentlich den Anschein eines Disputes wahren dürfen. Selbst, wenn ich das als stadt-haft betrachte, bleibt die Behauptung des Aufwands unglaubwürdig. Schließlich sind die Biotope bereits kartiert, der Beschlussvorlage bräuchte also nur diese Karte, nicht eine ohne Biotope beigelegt werden. Es geht ja nicht darum, weitere oder gar alle Biotope der Stadt zu kartieren, nicht um “gegebenenfalls betroffene Biotope”, sondern um den kartieren Bestand, der dem Stadtrat zur Beschlussfindung mitgeteilt werden soll.

    2016 wurde das nicht getan, mutmaßlich hat man sich so die Zustimmung zweier Parteien gesichert, die sonst vielleicht anders entschieden hätten. Die obere Bürgermeisternde hält das nicht für entscheidungsrelevant. Damals wie heute.
    Abgesehen davon, dass erkennbare Teile der wählenden Bürger das anders sehen, und weitere Teile diesem Demokratieverständnis vermutlich nicht zustimmen, ist diese Behauptung: „Sie kriegen immer alle entscheidungsrelevanten Informationen von uns.“, entweder dreist gelogen, oder eine Wahlbeamtin glaubt wirklich sie hätte zu beurteilen, was für einen Stadtratenden entscheidungsrelevant zu sein hat. Kartierte Biotope, durften diese nun entscheiden, sind es nicht. Zumindest bis auf weiteres.

  • Gscheidhaferl

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    @Däumling
    Ich fürchte, der Wohnungsmarkt wird sich erst wieder entspannen, wenn Immobilien nicht mehr eine der wenigen wirklich profitablen und sicheren Anlageformen sind.

    So wie ich das sehe, sind die verheerenden Entwicklungen im Immobiliensektor nicht zuletzt der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken geschuldet. Vermögensverwalter haben seitdem wesentlich weniger Möglichkeiten hohe Renditen zu erzielen. Dieses Geld treibt die Preise in schwindelerregende Höhen. Letztlich ein prägnantes Beispiel dafür, wie eng lokale und globale Geschehnisse miteinander verknüpft sind.

    Wenn Sie so wollen, drohen die wenigen verbliebenen innerstädtischen Grünflächen / Biotope in Regensburg zu späten Opfern der Finanzkrise zu werden. Auch wegen unserer Kurzsichtigkeit.

  • Robert Eisenhofer

    |

    Die Aussage von Herrn Hartl vom 27. Mai 2021 (20:54): “Wir brauchen überall mehr Umweltschutz, dort wo Baurecht besteht, muss Umweltschutz im Rahmen Deutscher Gesetze realisiert werden” ist in meinen Augen leider nur Wunsch und beschreibt nicht die Wirklichkeit… Die Wirklichkeit stellt sich für mich leider wie folgt dar: Am Samstag 27.02.2021 – also ganze 2 Tage vor Beginn der Vogelschutzzeit – fiel auf dem benachbarten Areal “Westlich Landeszentralbank” der letzte Baum (eine beeindruckende alte Pappel). Die in der Artenschutzrechtlichen Beurteilung (siehe Regensburg, B-Plan 232 II aus Mai 2018) beschriebenen Handlungsempfehlungen wurden nicht umgesetzt. Neben der alten Pappel wurde auch alle anderen in der Planzeichnung als “Erhaltung: Bäume” ausgewiesenen Bäume gefällt… Ich bin mal gespannt, ob und vor allem wie die Deutschen Gesetze in diesem Fall zur Anwendung kommen. Das Vorgehen des Bauträgers lässt auch für obiges Grundstück das Schlimmste befürchten!

  • Holzwurm

    |

    Hoffentlich hast du auch den hohlen Stamm von der ‚beeindruckenden alten Pappel‘ gesehen?

  • R.G.

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    @Holzwurm
    Wenn es denn ein kranker großer Baum in der Stadt war, wird zuvor schon ein Baumchirurg, Baumgutachter eine “Ansprache” gemacht, ihn also begutachtet haben.
    Zur innerbetrieblichen Dokumentation sehr wahrscheinlich, für den Auftraggeber jedenfalls, und weil Proteste der Anwohner üblich sind, vernünftigerweise. Nachvollziehbar, von der Fällung bis zu den auf Abtransport wartenden Stammabschnitten.
    Zur Vermeidung falscher Vorstellungen spielt man die Bilder im Normalfall an die Presse.
    Ein transparentes Vorgehen ist Werbung für seriöse Auftraggeber und Vorbild für richtiges Handeln anderer Grundstückseigner oder -inhaber.
    Aus dem Netz eine beliebige Seite, wie ein Baumgutachten heute ablaufen sollte:
    https://www.tree-consult.org/gutachten-beratung.htm

  • Robert Eisenhofer

    |

    Grüß Dich Holzwurm,

    dass die Pappel im unteren Bereich z.T. hohl ist, ist bereits seit Jahren bekannt. Darauf nimmt die Artenschutzrechtliche Beurteilung auch explizit Bezug. Für den Fall, dass dadurch die Standfestigkeit gefährdet ist, gibt es in der Beurteilung Handlungsempfehlungen. Keine dieser Empfehlungen wurde umgesetzt!
    Für einen Baum stellen Hohlstellen nicht automatisch ein Todesurteil dar.
    Beispiele? Einfach mal in der Suchmaschine nach Bildern zu “Baum” , “alt”, “hohl” suchen… Zudem gibt es im Stadtpark beim Figurentheater ein schönes Beispiel, dass auch alte Bäume ein “Leben nach dem Tod” haben. Sie dienen u.a. als Mikro-Biotop und damit schließt sich der Kreis zum diskutierten Thema. Falls gewünscht kann ich Dir (und natürlich auch allen anderen!) die Artenschutzrechtliche Beurteilung gerne zuschicken.

    PS: Besagte Pappel wurde in der Planzeichnung ebenfalls als “Erhaltung: Bäume” ausgewiesenen… Tja…

  • R.G.

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    @ alle Kenner der Norm
    Weiß jemand, nach welcher Deutschen Norm (möglichst nach 2012) Bäume in der
    Stadt Regensburg,
    bzw. bei den einzelnen Bauträgern,
    und im hoffentlich vorhandenen Baumkataster beurteilt werden, bzw. welche Beurteilungskriterien somit angewandt werden?

  • Realist oder Zyniker?

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    Lieber Herr Hartl,
    der Zustand, dass Regensburg keine neuen Wohnungen braucht, kann nicht eintreten, außer Regensburg wächst nicht mehr, d.h., es gibt keine zusätzlichen Arbeitsplätze mehr, d.h., es stellt sich ein Gleichgewicht ein zwischen Wachstum und Schrumpfung. Die Politik ist aber zwangsläufig so gepolt, wie die Wirtschaft gepolt sein muss (und will) und wir alle im eigenen Kopf ticken: Mehr ist besser. Mehr Umsatz, mehr Verwirklichungschancen, mehr Gewinn, mehr Konsum, mehr Wohnfläche, mehr Gewerbefläche. D.h., Regensburg wird weiterwachsen und mehr Wohnfläche brauchen, bis Regensburg ein einziger Teer-Beton-Knäul mit ein paar Lebewesen darin ist, und schon beginnt das Kopfschütteln – gell? Extrapolieren Sie doch einfach mal die Entwicklung Regensburgs der letzten 100 Jahre auf die kommenden 100. Es gab – ich glaub sogar bei der ÖDP-Wahlzeitung von der letzten Kommunalwahl – eine “erfrischende” Grafik, wo die Siedlungsfläche Regensburgs ungefähr aus den Jahren 1800, 1900 und 2000 dargestellt wurde und die Frages gestellt wurde: Wann ist alles voll? Und jedem Deppen konnte da klar werden: Regensburg ist einfach schon fast voll und wenn wir Bürger es zulassen da so weiterzumachen wie bisher, dann werden wir Lebensqualität irgendwelchen Wachstumsfetischisten oder politischen Feiglingen opfern.

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