SOZIALES SCHAUFENSTER

Offener Brief

„Eine städtische Nachhaltigkeitswoche ist nicht zielführend“

Im Rahmen der deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit soll im kommenden Jahr auch in Regensburg eine stadtweite „Nachhaltigkeitswoche“ stattfinden. Aktuell ruft die Stadt verschiuedene Initiativen und Vereine auf, sich daran zu beteiligen. Dr. Harald Klimenta, der unter anderem bei attac aktiv ist, vermutet hinter dieser Aktion ein Ablenkungsmanöver der Stadtregierung. Diese sei keine ökologische, sondern setze auf ein „Weiter so“. Klimenta hat deshalb einen Offenen Brief an Michael Grein, den städtischen „Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik“ geschrieben, den wir hier vollständig veröffentlichen.

Harald Klimenta gehört zum wissenschaftlichen Beirat von Attac Deutschland und ist unter anderem Autor des Buchs „Die Freihandelsfalle“. Foto: privat


Sehr geehrter Herr Grein,

ich schreibe Ihnen als Privatperson, auch wenn ich in mehreren ökologisch orientierten Organisationen hier in Regensburg aktiv bin.

Seit 1985 engagiere ich mich für ökologische Themen, seit dieser Zeit werden Eigeninitiative und Vorreitertum von Bürgern in Deutschland gutgeheißen. Seit dieser Zeit beobachte ich die Politik und vor allem den Einfluss ökologischer Parteien auf den Supertanker „Wirtschaft“, von der regionalen bis zur internationalen Ebene. Dabei offenbart sich eine schreckliche Diskrepanz: Sobald ökologische Regulierungen ökonomische Interessen tangieren, werden sie bekämpft – auf allen Ebenen. Das war bei der Einführung primitiver technischer Dreckreduzierer wie dem Katalysator so, das ist bei der Forderung nach weniger Autos in den Innenstädten genauso. Sobald irgendwo Umsätze oder Wachstumspotentiale gefährdet sein könnten, beginnt ein Krieg gegen ökologisch bewusstes Handeln.

Also werden die Bürger gebeten, „ökologischer“ zu shoppen, und die Politiker werden gebeten, Papiere das Jahr 2040 betreffend zu unterzeichnen, die kurzfristig alles beim alten belassen. Mit dem Resultat, dass es keine allgemeinverbindlichen Veränderungen gibt, die eine relevante Wirkung hätten: Flächen werden weiter versiegelt, Geschwindigkeiten weiter erhöht, Energie- und vor allem auch Materialverbräuche weiter ausgedehnt. Womit die Behauptung im Raum steht, dass die Umweltgesetzgebung, auf welcher Ebene auch immer, im Wesentlichen ein Klein-Klein im steten Strom der Abfall- Abgas- und Abwasserproduktion darstellen. Und nicht nur das Wachstum von Serverbanken, des Durchschnittsgewichts neuzugelassener PKW oder der Zahl der ausgelieferten Pakete vor Weihnachten deuten darauf hin, dass ökologisch orientiertes Handeln ein Nischenthema ist.

Daran wird kein Nachhaltigkeitstag etwas ändern. Er könnte sogar schaden, wenn er ökologisches Handeln entpolitisiert. Wahrscheinlich werden sich mehrere hundert Bürger engagiert daran beteiligen und bemühen, anderen Menschen ihre ökologischen Erfolge schmackhaft zu machen. Gleichzeitig wird die A3 sechsspurig geteert, über einen dritten Tunnel schwadroniert, die Regenbrücke vorangetrieben und eine Stadtbahn geplant, die weder eine Ost-West-Trasse enthält noch weit ins Umland ausgreift – als ob 70.000 Ein- und 30.000 Auspendler ökologisch verträglich wären.

Sehr geehrter Herr Grein, mit dem „Nachhaltigkeitstag“ sprechen Sie Individuen an, die ihren Umweltverbrauch auf Basis privater Initiative reduziert oder optimiert haben. Ein Bürger ist allerdings deutlich mehr als ein Verbraucher.

Ein Bürger sollte stets die Gemeinschaften im Blick haben, in denen er lebt und von deren Wohl er abhängt. Indem der Staat – in diesem Fall die Stadt – Menschen vor allem als Verbraucher adressiert, überträgt er ihnen die Verantwortung für die Gestaltung ihres Lebensumfelds, anstatt sie zu motivieren dafür zu sorgen, dass deren Errungenschaften für alle verbindlich werden.

Es sind vor allem in Sachen Umwelt schuldbewusste Menschen, die ihr Leben verändern – und das ist eine Minderheit. Ein staatlicher (!) Appell an diese Menschen, Werbung für ihren individuellen Weg zu machen, verkennt das Wesen einer Demokratie: Politisch dafür zu streiten, den Weg der Gesellschaft zu verändern. Und als Staat dafür zu sorgen, dass ein auch für unsere Enkel gangbarer Weg auch tatsächlich von allen beschritten wird.

Nur ein Beispiel: Auf Umwelttagen werden häufig Köstlichkeiten dargeboten. Gleichzeitig ändert sich nichts bei Tönnies und Wiesenhof, wird kleinbäuerliche Landwirtschaft durch Freihandelsabkommen und die Wettbewerbspeitsche zerstört und beträgt der Anteil an biologischen Lebensmitteln nach vier Jahrzehnten Ökoläden schlappe sechs Prozent vom Gesamtlebensmittelumsatz.

Wäre es nicht zweckmäßiger, wenn die Stadt sämtliche von ihr verantworteten Kantinen fortan ausschließlich mit biologischen und weitgehend regionalen Lebensmitteln beliefert? Wenn so ein winziger Schritt nicht durchführbar ist, was soll dann ein Umwelttag anderes sein als ein Ablenkungsmanöver? Anstatt einen Nachhaltigkeitstag durchzuführen ist es Aufgabe der Stadt dafür zu sorgen, dass es nur noch Nachhaltigkeitsjahre gibt: Wie wäre es, Nachhaltigkeitsinitiativen monetär mindestens in einem Umfang zu unterstützen, wie die Stadt Straßenbaumaßnahmen finanziert?

Ein Blick auf das Covid-Jahr 2020 offenbart: Ökonomischer Stillstand in vielen Teilen der Welt, nebst gigantischen ökonomischen Verlusten, führen zu einer vergleichsweise läppischen CO2-Emissionsminderung von gerade einmal sieben Prozent. Dies zeigt die Größenordnung der vor uns stehenden Aufgabe: Wir müssen CO2-Minderungen und viele weitere Veränderungen sozialverträglich innerhalb eines demokratischen – und damit auf Zustimmung breiter Bevölkerungsteile angewiesenen – Systems durchsetzen. Wahrlich keine einfache Aufgabe, weshalb sie auch zu scheitern droht. Und natürlich geht es dabei darum, für einen anderen Lebensstil zu werben.

Sehr geehrter Herr Grein, wenn der Bund Naturschutz oder Greenpeace Aktionen wie einen „Nachhaltigkeitstag“ durchführen, dann ist das richtig und wichtig. Vorkämpfer sind zentral für die Gesellschaft, aber viele Menschen in diesen beiden und vielen weiteren Umweltorganisationen sind sich sehr bewusst, dass die politische Ebene das Kernproblem darstellt.

Sie sind als Teil der Verwaltung in einer völlig anderen Rolle: Wenn die Verwaltung einen Nachhaltigkeitstag organisieren soll, dann vermute ich, dass dies im Auftrag der Koalition und der Oberbürgermeisterin geschieht. Dann vermute ich ein Ablenkungsmanöver: Weil die Stadtregierung genau keine ökologische ist, weil deren Beschlüsse im Jahr 2020 auf ein „Weiter-So“ mit und nach der Coronakrise abzielen (z.B. keine Abschaffung der kostenlosen Parkstunde für Autofahrer, Bau weiterer Parkhäuser, keine „Pop-up-Lanes“, also provisorische Radwege während der Corona-Krise, etc..), sollen Bürger dafür herhalten, der Stadtregierung ein grünes Mäntelchen umzuhängen.

Genauso wenig, wie es die Aufgabe der Stadt ist, einen Marathon zu veranstalten, weil sie der Meinung ist, die Menschen müssten sich mehr bewegen, ist es Aufgabe der Stadt, einen Umwelttag zu organisieren. Wenn die Stadt wünscht, dass sich mehr Menschen bewegen, soll sie bitteschön das Vereinsleben stärken, z.B. über ordentliche Zuschüsse oder ÜbungsleiterInnenausbildungen finanzieren. Wenn der Bund Naturschutz oder Greenpeace einen Nachhaltigkeitstag organisieren wollen, dann soll die Stadt sie dabei z.B. finanziell oder mit Infrastruktur unterstützen.

Machen wir uns doch nichts vor. Es ist unter anderem der unerbitterliche Konkurrenzkampf des EU-Binnenmarktes, der es Unternehmen nahelegt, Kosten wo immer möglich zu externalisieren und auf z.B. kommende Generationen abzuwälzen; es sind in Gesetze gegossene Werke wie die „Straßenverkehrsordnung“, die auch kommunalen Entscheidungsträgern vielfach Fesseln anlegen, wenn sie ökologische Wege beschreiten wollen. Aber vor allem sind es die bekannten psychologischen Phänomene, die einer ökologischen Politik im Weg stehen: die Klimakrise betrifft mich nicht unmittelbar und nicht sofort, Rohstoffe sind heute und auch 2022 wahrscheinlich noch genügend vorhanden, Bienen werden noch immer beobachtet und das Wasser sprudelt sauber aus der Leitung. Also nehmen auch wohlhabende Menschen es wichtiger, möglichst viel Geld zu verdienen um über möglichst viel Konsum teilhaben zu können, an sozialem Leben, das hoffentlich bald wieder ohne Corona-Einschränkungen möglich ist.

Die Schwierigkeit besteht in unserer neoliberalen, eher auf Vereinzelung als auf Geselligkeit gepolten Gesellschaft darin, zu erkennen, dass es um das soziale Leben geht und nicht um Mehrkonsum – was in diesen Zeiten jeder spüren kann. Es geht auch nicht um „individuelle Mobilität“, sondern um die Möglichkeit, Ziele zu erreichen. Es geht auch nicht um Verzicht, sondern um eine Veränderung von Gewohnheiten. So lange jedoch einzelne sich zum Deppen machen sollen, die von der Mehrheitsgesellschaft ob ihres Vorreitertums verehrt werden, ohne selbst mit sanftem Druck zu genau dieser Veränderung von Gewohnheiten auch mal gezwungen zu werden, werden wir diesen Planeten einfach nur: Eindampfen.

Genau so, wie sich selbst Automobilisten an die gesetzliche Katalysatorpflicht gewohnt haben, würden sich die Regensburger auch an eine Verkehrspolitik wie in der Radlstdt Kopenhagen (Link) gewöhnen – und viele würden gutheißen, wenn es zusätzlich zu den schönen Altstadtplätzen auch in den anderen Stadtteilen Straßenkreuzungen gäbe, die ausschließlich von Menschen ohne Auto bevölkert wären. Vieles könnte ich hinzufügen. Aber wozu? Die Ideen für einen ökologischen Umbau der Stadt liegen ihnen alle vor – vielleicht ist es sogar ihre Aufgabe – als Privatperson? – den Stadtrat diesbezüglich zu beeinflussen, das wäre wichtig. Dagegen ist die Organisation einer„Nachhaltigkeitswoche“ für eine Stadt nicht zielführend.

Nette Grüße,

Harald Klimenta

Print Friendly, PDF & Email

SUPPORT

Ist Ihnen dieser Text etwas wert?

(via Paypal)

oder:

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (10)

  • Mr. T.

    |

    Guter Standpunkt, Herr Klimenta! Ob’s halt was hilft? Es ist halt viel zu billig, die Rettung der Welt denen zu überlassen, die sie unbedingt wollen, die großen Hebel aber nicht aus der Hand zu geben.

  • gretchen

    |

    Herr Klimenta spricht mir aus der Seele. Ja so ist – die Stadt baut immer mehr Strassen a, entwickelt immer mehr Baugebiete, bemüht sich um immer mehr Gewerbeansiedlungen, mehr Hotels, mehr Touristen, mehr Umsatz, neue 3. Tunnelröhre, mehr Einwohner, mehr Studenten, mehr Titel – alles ist auf Wachstum ausgerichtet und das zu Lasten der Natur und Umwelt die wir aber so dringend brauchen. aber allen geht es nur um das Geld. Herr Grein ist aber wohl der falsche Ansprechpartner- der setzt nur um was die Politiker ihm vorgeben.

  • XYZ

    |

    Zum Klimathema von Herrn ‘Klimenta’:
    Da ist einfach auch noch eine andere Freude am Leben erforderlich. Italien, das noch recht kleinbäuerlich sein kann, hat bemerkenswerterweise die slow-food Bewegung begründet, aber keine Atomkraftwerke. Das schmeckt auch einfach besser, wie wenn ich mich an meine Jugend in der Nachkriegs-zeit erinnere, wo die Äpfel vom Garten oder Wegesrand geklaubt und zum Vermosten gebracht wurden, schmackhafter als alle industriellen Produkte. Und beim Sammeln gab’s genügend Heiterkeit. Wir sind ‘Maschinenmenschen’.

  • frage

    |

    naja, ich hätte jetzt ein bisschen mehr erwartet an vorschlägen was man denn besser machen kann, als die idee, das vereinsleben mit geldern zu unterstützen (sehr verkürzt und überspitzt ausgedrückt). der ganze brief wirkt wie von einem bockigen kind geschrieben, dass nicht bekommt was es will. zum einen wird davon gesprochen, dass durch corona nur 7% co2 weltweit eingespart worden sind (nicht gut?), zum anderen ist man aber der meinung, dass es extrem viel bringt, die altstadt und gleich dazu noch die randbezirke autofrei zu machen. es hinkt vieles in der argumentation. dann doch lieber corona auf lebenszeit, weil die 0,00000007% die das bringen soll, machen das kraut nicht fett.

    ich begrüsse es sehr, wenn man sich gedanken über die umwelt macht, ich kann aber nichts damit anfangen, wenn man eine generelle gesellschaftskritik anbringt. das resume des briefes ist, dass der autor alles richtig macht und alle anderen alles falsch. das stört mich auch mittlerweile bei fff (aber das ist anderes thema).

    die grundidee der stadt, mit dem nachhaltigkeitstag ein wichtiges thema ins bewusstsein der menschen zu bringen, kann doch an sich nicht verkehrt sein, oder? die stadt weiss doch selbst ganz genau, dass sich dadurch nicht sofort etwas ändert, aber mehrere aktionen können es jedem einzelnen ermöglichen, mal darüber nachzudenken. ich sehe da keinen unterschied zwischen aktionen von greenpeace und der der stadt – ok, vielleicht nehmen es die leute von greenpeace etwas ernster, aber es geht um das erreichen von personen. wenn von 100 nur einer übrig bleibt, der etwas von sich aus ändert, ist das doch zumindest schon mal ein anfang. da spielt es doch keine rolle ob der von greenpeace oder der stadt befruchtet wurde… oder geht es auch in umweltfragen darum, wer sich was auf die fahnen schreiben darf?

    es hat sich in den letzten 35 jahren seit der autor sich fürs klima/die umwelt engagiert einiges getan. als kind der achtziger weiss ich noch zu gut, wie es in regensburg ausgesehen hat. von wegen schöne altstadt! diese war versifft, dreckig, grünflächen übersäht mit müll, spritzen und exkrementen. für uns damalige kinder war das nicht schön. und sauberes wasser kam damals nicht überall aus dem hahn…

    im gegensatz zu damals leben wir heute in einem paradies was dies angeht. es wurde meiner meinung nach ein guter kompromiss für die stadt gefunden. klar, jetzt ist es bisschen wie disneyland was wiederum touristen anzieht die müll hinterlassen, aber auch hier gilt: ob dieser nun von einheimischen oder auswärtigen produziert wird, ist der umwelt erstmal egal. wie man damit umgeht und entsorgt ist wichtig. und hier hat sich in regensburg, wie überall in deutschland, sehr sehr viel getan in den letzen fast 40 jahren.

    es war eine menschliche, politische und gesellschaftliche weiterentwicklung und die wird es jetzt auch wieder geben bzw. die hört auch nie auf. das liegt (obwohl ich dem autor mit seiner “neoliberalen, eher auf Vereinzelung als auf Geselligkeit gepolten Gesellschaft” durchaus recht gebe) am grundsätzlichen bedürfniss des menschen etwas zu erschaffen und voran zu kommen. wir haben eine jugend die sich für die umwelt und das klima engagiert und es ist blödsinn, dass nur diese generation die zeche der alten zahlen muss. jede generation trägt die lasten der vorgänger generation und das wird auf ewig so bleiben. aber keine generation wird deswegen unter gehen! im gegenteil: jede generation hat die möglichkeit etwas zu verändern und wiederum besser zu machen. aber daraus soll doch kein wettstreit werden, wer was in welcher geschwindigkeit schafft, sondern es soll eine grundsätzliche positivere umwelt werden. da sind wir doch schon längst auf dem weg und unsere generation (ja, dazu gehört auch die politik) hat viel auf den weg gebracht, wovon die kommende generation profitieren wird. aber diese muss auch wieder liefern. wir waren nicht alle nur saubären, sondern es waren schon auch einige sehr gute und auch nachhaltige ideen dabei, die unser heutiges leben zu einem guten gemacht haben. auf der basis muss man weitermachen.

    es ist nicht alles so düster wie es im ersten moment scheint und manchmal bedarf es einfach eines sanfteren weges um weiter zu kommen. dazu kann (muss aber nicht) ein nachhaltigkeitstag beitragen. wie gesagt, aus einem können viele werden. mit überzeugungsarbeit, aber auch realistischen ideen und auch technischem fortschritt ist mir nicht so bange um unsere zukunft. aber man muss auch mit offenen augen durch die welt gehen und nicht nur das schlechte sehen.

  • XYZ

    |

    Zu frage 16.55
    Lebte in den 70/80’iger Jahren in der Altstadt von R – die war sicher heruntergekommen, aber der Denkmalschutz und staatliche und stattliche Zuschüsse nicht zu vergessen und Petzet haben da sehr viel bewirkt. Das war auch damals nicht im Blickwinkel der Stadtoberen: abreissen statt erhalten und modernisieren ohne Plumpsklos. Eine Altstadt wurde nun mal nicht für Autos gebaut, man nehme sich ein Vorbild an Amsterdam und Kopenhagen, oder Siena und Firenze in Italien oder anderswo.

  • Jakob Friedl

    |

    Regensburg ist nicht nur Fair Trade Stadt, sondern auch Ökomodellregion und demnächst auch Zero Waste Stadt!!! Zur Zero Wate Strategie hat die Ribisl-Partie erneut einen Antrag eingereicht, der am 23.02.21 im Umweltausschuss behandelt wird: https://ribisl.org/sammelbox-fuer-laptops-am-wertstoffhof-und-einbindung-des-computerspende-regensburg-e-v-in-die-zero-waste-strategie/
    Am 21.01.2021 nimmt der Ausschuss für Verwaltung, Finanzen und Beteiligungen den Sachstandsbericht zur Projektstelle von Herrn Grein entgegen, die vom Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zu 90% gefördert im Hauptamt angesiedelt ist: https://ribisl.org/wp-content/uploads/2021/01/VO211752710_Projektstelle_Koordinator_fuer_kommunale_Entwicklungspolitik_Sachstandsbericht_21_01_2021.pdf
    Es ist gut, dass es die Projektstelle von Herrn Grein gibt und es ist gut, dass dieser im Sinne der Agenda 2030 verwaltungsintern Aufklärungsarbeit, z.B. zum Thema sozial und ökologisch nachhaltige Vergabeaspekte, betreibt um innerhalb der Verwaltung entsprechende Richtlinien zu verankern. Ein wichtiges Thema: An der diesbezüglichen Rechtsauffassung der Verwaltung haben sich ökologische und linke Stadträt*innen in der Vergangenheit schon die Zähne ausgebissen, können jetzt vielleicht besser nachhaken und werden mit großer Wahrscheinlichkeit trotzdem an den künstlich geschaffenen Mehrheitsverhältnissen im Stadtrat scheitern. Immerhin: Soziale Nachhaltigkeit wird nun mit einiger Verspätung, sehr sachte und in winzigkleinen Schritten auch innerhalb des trägen Verwaltungsapparats zumindest eine mikroskopisch kleine Norm und kann kleine Wurzeln schlagen.
    Dass bei städtischen Veranstaltungen beispielsweise in Zukunft nur Caterer beauftragt werden, die 15% Bio und/oder regionale Produkte und/oder Produkte aus fairem Handel verwenden, ist ein kleiner vorzeigbarer Schritt in die richtige Richtung.
    Der ökologische Nachhaltigkeitsdiskurs hat in einzelnen Teilsystemen bereits einiges bewirkt: Abwässer werden z.B. besser geklärt und die Donau ist wieder sauber, bei Baumaßnahmen werden Ausgleichsflächen eingefordert, einzelne Wirtschaftskreisläufe werden bilanzierbarer, doch die Ungerechtigkeiten in den globalen Wertschöpfungsketten nehmen ebensowenig ab wie der Autoverkehr rund um die Innenstadt.
    Werbewirksam für´s Greenwashing ist dieser zunehmend ausgehöhlte Begriff schon lange.
    Diese scheinbare Entpolitisierung des Themas bei der Übernahme durch (über)staatliche oder städtische Institutionen und sogar großer Konzerne ist auch ein Erfolg der jahrzehntelangen politischen Kämpfe und der Bewusstseinsbildung linker und ökologischer politischer Bewegungen, die von vielen lokalen Gruppen getragen wurden. Dass an den wesentlichen Stellen keine grundlegenden Konsequenzen gezogen werden ist offensichtlich. Die sozial- und umweltpolitischen Gruppen müssen also weiterhin Widersprüche und Mängel herausarbeiten und gemeinsam und unüberhörbar konkrete Forderungen an die Parteien und die Stadtverwaltung stellen, gerade auch auf kommunaler Ebene – warum nicht selbstorganisiert als mündige Akteure im Rahmen der städtischen Nachhaltigkeitswoche. Als Werbebanner sollten sie sich allerdings nicht hergeben. Aber wem erzähle ich das?
    Nicht zuletzt: Herr Grein macht im Rahmen seiner Möglichkeiten wohl eine gute Arbeit.

  • Joachim Datko

    |

    Wir sind auf die weltweite Abnahme unserer Industrieprodukte angewiesen!

    Zitat: “Wäre es nicht zweckmäßiger, wenn die Stadt sämtliche von ihr verantworteten Kantinen fortan ausschließlich mit biologischen und weitgehend regionalen Lebensmitteln beliefert?”

    Wenn wir unsere Industrieprodukte weltweit verkaufen wollen, müssen wir auch weltweit einkaufen, damit die Leistungsbilanz nicht noch weiter zu unseren Gunsten ausfällt.

    Viele Länder haben große Probleme mit ihrer Leistungsbilanz. Deutschland hat einen riesigen Leistungsbilanzüberschuss und sollte wesentlich mehr Leistung entgegennehmen.

    2018 hatte Deutschland einen größeren Leistungsbilanzüberschuss als die beiden folgenden Länder zusammen.

    Leistungsbilanzüberschuss 2018 – 294 Milliarden Dollar.

    Ich war beruflich in vielen Industriebetrieben und habe gesehen, wo unser Wohlstand erzeugt wird. Ohne unsere Industrie könnten wir die 82 Millionen Menschen in Deutschland nicht ausreichend ernähren und mit Gütern versorgen. Die politische Linke versorgt mich nicht mit den Gütern des täglichen Bedarfs. Meine kontinuierliche Versorgung läuft über unsere Industrie. Es müssen jeden Tag weltweit mehrere Milliarden Menschen versorgt werden, dies geht nur über die Industrie und bei den Lebensmitteln über die industrielle Landwirtschaft.
    Siehe z. B.:
    https://www.wallinger-kfz.at/wp-content/uploads/2018/03/Acker_Erntemaschinen_v2.jpg

    Auch die Kritiker der Industriegesellschaft leben in der Regel von der Industrieproduktion sehr gut. Alternativ müsste ein Großteil von uns körperlich schwer arbeiten und der Hunger wäre wahrscheinlich an der Tagesordnung.

  • Piedro

    |

    Kommentar gelöscht. Fahren Sie bitte Ihren Ton etwas runter. Es geht auch sachlich.

  • Piedro

    |

    Gelöscht. Das Forum moderieren wir.

    Sehr geehrter Herr Datko,
    Sie haben in fast allem Recht, was Sie mitgeteilt haben. “Wir” sind auf den Export angewiesen. Und natürlich auf den Import, wir wollen ja nicht nur Kartoffeln essen. Vor allem sind wir als Menschheit darauf angewiesen, dass unsere Produktion, ob landwirtschaftlich oder industriell, nachhaltig organisiert wird. Sie stellen industrielle Landwirtschaft und industrielle Produktion als Gegensatz von Nachhaltigkeit dar, was Unsinn ist. Zukunftstauglich ist nur noch nachhaltige Produktion in allen Bereichen, gerade in der Landwirtschaft. Technologie ist der einzig mögliche Weg zur Nachhaltigkeit. Andere Ihres Berufsstandes arbeiten daran, mit wachsendem Erfolg. “Kritiker der Industriegesellschaft” wollen in der Regel keine vorindustrielle Zeit, was wir wohl glauben sollen. Das Gegenteil ist richtig. Ohne die “Kritiker der Industriegesellschaft” hätten wie auch hier noch den 16-Stundentag bei vollem Lohnausfall bei Krankheit, Waldsterben, invalide Arbeiter etc. Mit dem technologischen muss sich allerdings auch der soziale Fortschritt entwickeln, und das weltweit. Ohne die “Kritiker der Industriegesellschaft” findet das bestimmt nicht statt. Technokratie und exportorientierte Profitideologie sind schon mittelfristig nicht mehr zukunftsträchtig. Es ist auch nicht nötig, in anderen Ländern ein ökologisches oder soziales Desaster zu verursachen, damit die Industrie und Lieferanten anderer Länder profitiert. Das wird auch nicht besser, wenn mehr in anderen Ländern eingekauft wird. Es ist nicht nötig, eine Armada von niederländischen Erntemaschinen durch Europa rollen zu lassen, um die Monokulturen der Agrarkonzerner (etwa Bertelsmann in Ostdeutschland) abzuernten. Das mag aufgrund der verhandelten Verträge lukrativ sein, aber es zerstört bäuerliche Strukturen, schadet der Biodervisität und auch den Herstellern von Erntemaschinen, weil hier ein Abnehmer andere verdrängt.

    Ich denke, all das ist Ihnen völlig klar. Trotzdem polarisieren Sie völlig unnötig: entweder Industrie oder Hungerelend bei uns und den “anderen”. Auf die Verwendung regionaler Lebensmittel zu verzichten und in fernen Ländern einzukaufen ist weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll. Die politische Nicht-Linke versorgt uns nämlich auch nicht mit Lebensmitteln und Bedarfsartikeln. Teile davon stehen jedoch einer notwenigen Entwicklung so lange im Wege, bis es fast oder tatsächlich zu spät ist. Technologisch ist so einiges möglich, dank Ihres Berufsstandes, in dem sich ja nicht nur Technokraten tummeln. Die soziale und politische Entwicklung muss sich den technologischen Möglichkeiten schnell anpassen, sonst haben sich alle Dispute über Nachhaltigkeit bald erledigt, dann ist nur noch das Elend nachhaltig. Zumindest für die meisten Menschen.

  • J.B.

    |

    Guter Artikel mit dem richtigen Ansatz bei der Kritik.
    Herr Klimenta hat Recht es ist vorerst nur ein Placebo
    Wichtig wäre bei einer Nachhaltigkeitswoche der Zeitplan, nämlich wir üben 2021 ff Nachhaltigkeit auf freiwilliger Basis . Dazu eine offene Diskussion mit der Bürger*innen.
    Ab z.B. 2025 führen wir dann die im Konsens verabschiedeten nachhaltigen Regeln zwingend ein, z.B. weniger motorisierter Indiviudalverkehr im Stadtgebiet (nicht nur Altstadt) weniger Flächenversiegelung, etc.

Kommentare sind deaktiviert

Ist Ihnen dieser Text etwas wert?

(via Paypal)

oder:

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01
drin