Mai bis August

Jahresrückblick II

Mai 2014: In Regensburg findet der Katholikentag statt. Foto: Staudinger

Mai 2014: In Regensburg findet der Katholikentag statt. Foto: Staudinger

Was ist 2014 in Regensburg passiert? Ein ausgewählter und ausdrücklich subjektiver Jahresrückblick unserer Redaktion in drei Teilen. Heute: Mai bis August.

Mai

Zustände an einer katholischen Privatschule

Rudolf Voderholzer Michael DreßelDie Schulleitung der katholischen Bischof Manfred Müller Schule schasst einen langjährigen und beliebten Lehrer. Die Begründung ist fragwürdig. Die Eltern laufen dagegen Sturm und bitten beim Bischof um Hilfe. Doch Rudolf Voderholzer lässt sie abblitzen. Als Regensburg Digital darüber berichtet entsteht eine emotionale und langanhaltende Diskussion. Zahlreiche Eltern beschweren sich. Doch die Entscheidung bleibt. Ein kleiner Lichtblick: Künftig soll ein Mediator für besseres Klima an der Schule sorgen. Die Mittelbayerische Zeitung zieht nach unseren Berichten nach, wie üblich, ohne zu zitieren.

Bunte Koalition

BürgermeisterErste positive Überraschung nach dem Wahlsieg von Joachim Wolbergs: Trotz eindeutiger Angebote schickt er die CSU in die Opposition und schmiedet eine Koalition mit Grünen, Freien Wählern, FDP und Piratin Tina Lorenz. Abgesichert wird das Ganze mit einem 40seitigen Koalitionsvertrag. Vor allem die Grünen machen einige Zugeständnisse. Im Gegenzug wird Jürgen Huber neben Gertrud Maltz-Schwarzfischer Bürgermeister.

Von Demut keine Spur

IMG_0309Er hat sich als Verharmloser sexuellen Missbrauchs einen Namen gemacht: Gerhard Ludwig Müller. Weil er vom Papst kürzlich zum Kardinal befördert wurde, lädt Herr Müller Anfang Mai zum Gottesdienst mit Bratwurst-Event. Auch anderes fragwürdiges Gelichter erscheint. Die Mittelbayerische Zeitung übertrumpft in ihrer Jubelberichterstattung sogar noch die offizielle Pressemitteilung des Bistums. Wir zeichnen ein kleines Sittengemälde. 

Der Ex-OB im Interview

schaidinger (23)Erst mal das Bad fliesen will er, der frisch aus dem Amt geschiedene Oberbürgermeister. Das erste Interview nach seinem Abtritt gibt Hans Schaidinger Regensburg Digital. Wir sind überrascht...

Der antisemitische Universitätsvater

Fotostelle Stadt Regensburg  Silberne Bürgermedaille J. Engert OB Schlichtiger 1962Ein Preis der Stadt Regensburg trägt seinen Namen, er gilt als Vater der Universität: Josef Engert. Doch der vor 50 Jahren verstorbene Theologe war ein Antidemokrat und Antisemit. Das deckt unser Autor Robert Werner in einer ausführlichen Recherche auf. Als wir kurz darauf bei Oberbürgermeister Joachim Wolbergs anfragen, kündigt er an: Der Preis wird wohl abgeschafft. Jetzt ziehen auch andere Medien nach und berichten über den Fall. Erst gibt es aber wieder einmal ein Gutachten. Hoffentlich schreibt es nicht Werner Chrobak... Alles zu Josef Engert gibt es hier. 

Die Schattenseiten des Katholikentages

IMG_0635Ganz Regensburg im Glaubenstaumel: Ende Mai findet der Katholikentag hier statt. Weil das Bistum mit der MZ ohnehin über ein breit gestreutes Werbeorgan für ihr Großevent verfügt, beschäftigen wir uns mit den Schattenseiten. Besonders bemerkenswert: Über vier ältere Männer, ehemals Domspatzen, die sich öffentlich als Missbrauchsopfer outen und den Umgang des Bistums mit der Thematik anprangern, berichtet nicht eines der zahlreich vertretenen Medien. Vermutlich war keine Zeit... Alle unsere Berichte zum Katholikentag.

Alle Berichte vom Mai gibt es hier.

Juni

Brandanschlag auf Galerie

ostdeutsche1Für Museumsdirektorin Agnes Tieze ist ein „politischer Hintergrund“ der Tat klar. Der Rechtsreferent spricht von „vorsätzliche krimineller Energie“. Und Oberbürgermeister Wolbergs hat für die Tat „nur Abscheu übrig“. Anfang Juni fackeln zunächst Unbekannte die roten Säulen der Ostdeutschen Galerie ab. Der Aufschrei ist groß. Lediglich die Polizei warnt vor voreiligen Schlüssen. Zurecht. Am Ende stellt sich heraus: Es war wohl die Tat einer psychisch kranken Frau.

Die Skandal-Diözese bekommt Zuwachs

Tebartz-van ElstDer zweite Aufschrei im Juni: Prass-Bischof Tebartz-van Elst zieht nach Regensburg. Die Gazetten sind voll von der Nachricht; recht rasch wird sein neues Domizil abgebildet. Wir vertreten die Haltung: Der Mann passt genau hierher und hat weniger Dreck am Stecken als die hiesigen Kirchen-Verantwortlichen.

Zynismus pur

VerwaltungsgerichtRegelmäßig berichtet unsere Redaktion über Asylverfahren und das Schicksal von Flüchtlingen in Regensburg. Im Juni stoßen wir auf einen Fall, der besonders zynisch ist: Weil seine halbe Familie in Afghanistan ermordet wurde, soll einem Mann mitsamt Frau und Tochter dort keine Gefahr mehr drohen, meint das Bundesamt für Migration. Schließlich sei der Blutrachezoll ausgelichen. Eine Klage gegen diese Argumentation weist das Verwaltungsgericht Regensburg ab

Alle Berichte zum Thema Flüchtlinge.

Kieferhölle

Zahn2

Ein tragischer Fall von Ärztepfusch schlägt in unserer Redaktion auf: Eine 52jährige, die nach einer Zahnbehandlung über Schmerzen klagt, wird als psychisch krank abgestempelt. 19 Jahre später hat sie zahlreiche Zähne verloren und leidet unter mehreren chronischen Erkrankungen. Gericht und Gutachter lassen sich Zeit. Hier gibt es alle Berichte zum Thema.

In eigener Sache: Traut sich die Crowd?

logo_foerdervereinIm Juni gehen die Krautreporter an den Start. Die Ansage: Per Leserfinanzierung zu unabhängigem Online-Journalismus. So neu ist das Konzept nicht. Regensburg Digital setzt darauf seit einigen Jahren mit seinem Förderverein. Dike Attenbrunner liefert einen engagierten Kommentar zum Thema: „Es gibt hierzulande an etlichen Standorten immer noch viel zu viele Meinungsmonopolisten, denen man journalistisch die Stirn bieten kann und muss. Es braucht nur mutige Journalisten, einen langen Atem und eine Crowd, die sich traut…“  Trauen Sie sich doch auch. Der Reichtum ist bei uns noch längst nicht ausgebrochen.

Alle Berichte vom Juni gibt es hier.

Juli

Radler in der Fußgängerzone

Joachim Wolbergs radeltDie neue Koalition macht im Juli Nägel mit Köpfen und erklärt Radeln in der Fußgängerzone für straffrei. Legal ist es zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht, aber das Experiment klappt. Einige Monate später wird das Radfahren in der Fußgängerzone auch legal. Nur die CSU stimmt dagegen. Freilich gibt es die übliche Diskussion über Kampfradler und wie gefährlich das alles ist, aber es scheint langsam dieselbe Normalität in Regensburg einzukehren wie in anderen Städten auch.

Mollath-Monat

IMG_0725Der Juli steht für unsere Redaktion ganz im Zeichen des Wiederaufnahmeverfahrens von Gustl Mollath. Vor dem Landgericht Regensburg demonstrieren tatsächliche und vermeintliche Opfer von Justiz., Psychiatrie und Gutachtern. Im Gerichtssaal wird die Frage geklärt, ob es sich beim Fall Mollath nun um einen Justizskandal handelt oder nicht. Trotz knapper personeller Ressourcen berichten wir ausführlich über alle Prozesstage. Was uns dabei besonders auffällt: Einige Medien scheinen eine ganz eigene Agenda abseits einer objektiven Berichterstattung zu fahren: Konsequent pro oder contra Mollath. Der Betroffene selbst präsentiert sich als schwieriger Mensch, der zu den Vorwürfen schweigt. Mehrfach überwirft er sich mit seinem Rechtsanwalt. Am Ende steht ein Urteil, das Mollath zwar Freispruch und Entschädigung beschert, ihn aber doch Gewalttätigkeit gegenüber seiner Ex-Frau bescheinigt. Er hat über den Rechtsanwalt Adam Ahmed Revision beantragt. Alles zu Gustl Mollath gibt es hier. 

Der Fall Ilona Haslbauer

IMG_4929Auch Regensburg hat seinen Fall Mollath: Weil sie ihre Nachbarin zwei Mal mit einem Einkaufswagen gerammt haben soll, wird die Sozialpädagogin Ilona Haslbauer zur zwangsweisen Unterbringung in der Forensik verurteilt. 2008 berichtet Regensburg Digital zum ersten Mal über den Fall. 2010 besuchen wir sie in der Forensik und bekommen beängstigende Eindrücke. Doch die Situation der Frau scheint aussichtslos. Erst als der Fall Mollath öffentlich wird, richten mehr Menschen ihre Aufmerksamkeit auf die Zustände in der Forensik. Nina Hagen entdeckt das Thema für sich und telefoniert regelmäßig mit Ilona Haslbauer. Der bekannte Rechtsanwalt Adam Ahmed übernimmt den Fall. Jetzt berichten auch andere Medien. Im Juli 2014 entscheidet das Landgericht Landshut: Haslbauer kommt frei - aus Gründen der Verhältnismäßigkeit. Sie saß länger in der geschlossenen Psychiatrie als Gustl Mollath.

Angebliche Friedensdemos

IMG_0920Angeblich sind es Demonstrationen für den Frieden im Nahen Osten, die im Sommer in ganz Deutschland über die Bühne gehen. Im Juli findet auch in Regensburg eine solche Demonstration statt, die weniger von Frriedenswünschen als von Hetzparolen gegen Israel geprägt ist. Auch Graue Wölfe aus Kelheim nehmen teil. Journalisten werden am Fotografieren behindert und mit Gegenständen beworfen. Einige Wochen später wird erneut eine solche Demonstration angemeldet; die Organisatoren haben dazugelernt. Dieses Mal bleibt es friedlich. Dann hört man von dieser neuen Friedensbewegung nichts mehr. Eine Demonstration gegen die Gräueltaten des IS wird nicht angemeldet.

Fall Eisenberg abgeschlossen

eisenberg-shirt-300x193Fünf Jahre, nachdem der Musikstudent Tennessee Eisenberg bei einem Polizeieinsatz erschossen wurde, hat seine Familie alle in Deutschland möglichen Rechtsmittel ausgeschöpft. Vergeblich: Auch das Bundesverfassungsgericht weist ihre Beschwerde ab. Zwar erwägen sie im Juli noch eine Klage in Straßburg, allerdings hört man davon nichts mehr. Zurück bleibt der fade Beigeschmack, dass die Justiz mit zweierlei Maß misst: Obwohl Eisenberg bei dem Einsatz von zwölf Kugeln getroffen wurde und obwohl es einige Ungereimtheiten gab, erhob die Staatsanwaltschaft keine Anklage. Begründung: In dubio pro reo. Alle Berichte zum Fall Eisenberg.

Alle Berichte vom Juli gibt es hier.

August

Flüchtlinge sind Chefsache

IMG_1406„Wir sagen nicht: Wir nehmen die Flüchtlinge auf, wenn’s sein muss, sondern: Wir wollen sie.“ Es sind bemerkenswerte Worte, mit denen sich Oberbürgermeister Joachim Wolbergs Anfang August an die Öffentlichkeit wendet. An diesem Tag werden die Pläne für eine Erstaufnahmestelle in Regensburg vorgestellt. Aus der Bevölkerung kommt eine Welle der Hilfsbereitschaft. Auch im Regensburger Stadtrat demonstriert man parteiübergreifend Einigkeit bei dem Thema. Einige Monate später, als es Pläne für eine Gemeinschaftsunterkunft in Containern gibt, kommt es zu Reibereien darüber, was menschenwürdige Unterbringung bedeutet. Wolbergs reagiert auf die Kritik beleidigt und mit unnötigen Verbalausfällen. Doch damit ist er in der Koalition nicht allein. Schon schwer, wenn man an seinen Ansagen gemessen wird...

Eine Vergewaltigung verstört den Mob

polizeiEine Frau soll von drei Unbekannten in ein Auto gezerrt und vergewaltigt worden sein. Als diese Nachricht, die Öffentlichkeit erreicht, ist die Aufregung groß. Weil die Männer mit Akzent gesprochen haben sollen, bricht sich der rassistische Volksmob in Internetforen Bahn. Einige Medien heizen die Stimmung mit dämlichen Schlagzeilen weiter an. Schnell wendet sich das Blatt, als sich herausstellt, dass die Vergewaltigung so nicht stattgefunden hat: Jetzt gehen der Volksmob und auch einige Medien auf das frühere Opfer los. Alle Berichte zum Thema

Bootshafen soll Strand werden

IMG_5378Der Bootshafen des Motorbootvereins am Oberen Wöhrd muss weg. Das fordern mehrere Bürgerinitiativen. Das Anliegen ist nachvollziehbar, aber die Kritik ist zu kurz gegriffen.

Rechtsfreier Raum für Denunzianten

VerwaltungsgerichtEine Unbekannte schwärzt Eltern beim Jugendamt an: sie sollen ihre Kinder misshandelt haben. Schnell stellt sich heraus: der Vowurf ist falsch. Die Identität der Denunziantin dürfen die Eltern nicht erfahren. Immerhin: Nach unserem Bericht entschuldigt sich das Jugendamt bei den Eltern.

Das angebliche Sorgenkind

domDem Einzelhandel in der Altstadt geht es schlecht. Deshalb schießt der Oberbürgermeister der Aktionsgemeinschaft Altstadt einen sechsstelligen Betrag zu und richtet einen Runden Tisch ein. Damit will er seine Wirtschaftskompetenz belegen. Recherchen von Regensburg Digital ergeben: Die Behauptung vom angeblichen Sorgenkind Altstadt ist durch nichts zu belegen. Die Zuschüsse sind reine Klientel-Politik.

Alle Berichte vom August gibt es hier.

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