SOZIALES SCHAUFENSTER

Wie rassistisch ist der Wohnungsmarkt?

Zivilcourage bedeutet mehr als „Regensburg ist bunt“

Eigentlich wollte Hamado Dipama im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus in Regensburg einen Vortrag zum Thema „rassistischer Wohnungsmarkt“ halten. Stattdessen ist er momentan zu Besuch bei seiner Familie in Burkina Faso und kommt dort vorerst nicht weg, da alle Flüge gestrichen wurden. Wir haben uns mit ihm telefonisch unterhalten.

Hamado Dipama fordert mehr Zivilcourage. „Nur gemeinsam können wir den Virus Rassismus besiegen.“ Quelle: Dipama

Es ist eine zunächst seltsam klingende Frage, die Hamado Dipama in den Raum stellt. „Gibt es überhaupt einen Zeitpunkt an dem ich den Sprung in die Gesellschaft schaffen kann und ab dem ich nicht mehr als Ausländer gelte?“ 2002 floh der damals 27-Jährige aus Burkina Faso. Die Regierung ging massiv gegen die Studentenbewegung vor, in der auch Dipama aktiv war. „Nicht wenige wurden gefoltert, vergiftet, ermordet oder verschwanden spurlos.“ Über Mali ging es nach Frankreich und von Paris aus nach München. Dort lebt er seit mittlerweile 18 Jahren, ist seit 2010 Mitglied im Migrationsbeirat der Stadt und Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats. Für AGABY – Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten und Integrationsbeiräte in Bayern – ist Dipama zudem auch als Referent für Seminare und Vorträge tätig und versucht hier Menschen zu ermutigen selbst aktiv zu werden.

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„Den Virus R besiegen“

Sechs Jahre lebte er zunächst in einem Lager für Asylsuchende und neun Jahre lediglich mit einer Aufenthaltsduldung. Die Probleme, vor denen zahlreiche Menschen in Deutschland stehen, kennt er aus eigener Erfahrung und weiß wie es sich anfühlt, nur auf Grund des Namens, des Akzents oder des Erscheinungsbilds diskriminiert und ausgegrenzt zu werden.

„Wir müssen das eigene Schweigen beenden“, fordert er von Rassismus und Diskriminierung Betroffene immer wieder auf. Doch auch den Rest der Gesellschaft nimmt Dipama mit in die Verantwortung. Natürlich freue er sich, dass deutschlandweit bei Demonstrationen gegen Rassismus oft tausende von Menschen versammelt seien. „Aber mit einem Schild, auf dem steht ‚Regensburg ist Bunt‘, auf die Straße zu gehen, reicht nicht aus. Alle müssen auch in ihrem eigenen Umfeld Courage zeigen. Nur dann können wir wirklich etwas ändern und den Virus R besiegen.“

Das Virus R

Dass Dipama Rassismus als Virus bezeichnet mag ebenfalls zunächst seltsam und in der derzeitigen Situation abschreckend wirken. „Rassismus ist für uns ein tägliches Problem, das überall grassiert. Ob nun im Privaten, auf dem Arbeitsmarkt oder bei der Wohnungssuche. Allerdings bekommen das die meisten eben erst mit, wenn man es zum Thema macht.“ Man müsse genau hinschauen, um das tatsächliche Ausmaß feststellen zu können. „Wie bei einem Virus muss getestet werden.“

So einen Test führte Dipama 2013 bei Münchener Diskotheken selbst durch. „Ich stellte fest, dass bei zahlreichen Clubs Schwarze und People of Colour tendenziell seltener eingelassen werden. Daraufhin zog ich vor Gericht und bekam in mehreren Fällen recht.“ Das sorgte auch für mediale Aufmerksamkeit.

„Wer schweigt wird nichts verändern“

Es seien diese einzelnen Kämpfe, die geführt werden müssen. „Ich weigere mich, Rassismus anzunehmen.“ Seine Stimme wird ein wenig lauter und auch bestimmter, wenn er solche Sätze sagt. „Wer schweigt und sich vielleicht sogar zurückzieht, kann nichts verändern und vorhandene Bilder bleiben bestehen.“

„Ich nehme rassistische Aussagen ganz klar persönlich.“ Quelle: Dipama

Der 45-Jährige spricht hier auch von einem „latenten Rassismus“. Denn oft zeige sich eine diskriminierende Sichtweise lediglich in den Zwischentönen, wie dem Klang der Stimme. Doch der latent vorhandene Rassismus könne, wenn er nicht in Frage gestellt wird, weiter wachsen.

„Nur für Deutsche“

Das zeigt auch ein Fall im April 2019. Berufsbedingt sucht Dipama damals eine Wohnung in Augsburg und stößt bei der Zeitungsrecherche auf eine Wohnung, die „nur an Deutsche“ vermietet werden soll. „Als ich den Vermieter anrief war die erste Frage, ob ich Ausländer bin. Ich saß dann erstmal da und überlegte, wie ich mit dieser Situation umgehe.“ Einfach so stehen lassen, das kann er nicht. Dipama stellt Strafanzeige und bekommt vor Gericht recht. Wie das Amtsgericht betont, sei es nicht zulässig, alle „Nichtdeutschen“ von einem Vertragsverhältnis auszuschließen und sie somit aufgrund der ethnischen Herkunft zu benachteiligen. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig.

Natürlich sei dies ein besonderer Fall und gerade deshalb so wichtig zu hinterfragen. Auch der Augsburger Vermieter habe seine Mietangebote nicht schon immer so offen ausformuliert, vermutet Dipama. „Aber wenn Diskriminierungen ohne Konsequenzen bleiben, dann haben die Menschen das Gefühl, irgendwann einen Schritt weiter gehen zu können – bis es sogar tödlich wird.“ Der NSU, aber auch die Geschehnisse in Kassel und Hanau seien die traurige Folge dieses nicht wahrgenommenen Virus R.

„Ich werde als Mensch in Frage gestellt“

Wie rassistisch der deutsche Wohnungsmarkt ist wollten bereits 2017 der BR und der Spiegel mit dem groß angelegten Experiment „Hanna und Ismail“ herausfinden und haben 20.000 Wohnungsanfragen verschickt. Immer zwei davon gingen an die gleichen Vermieter. Die einzigen erkennbaren Unterschiede waren die Namen. So wurden einerseits vermeintlich ausländisch klingende und andererseits typisch deutsch klingende Namen verwendet. Alter, Beruf und private Umstände waren dabei in etwa vergleichbar. Dennoch lautete das Resultat am Ende: „Menschen mit ausländischem Namen werden auf dem Mietmarkt deutlich diskriminiert.“ Besonders benachteiligt seien demnach türkisch und arabisch klingende Namen, aber auch italienisch hatte damals nicht gut abgeschnitten.

„Gibt es überhaupt einen Zeitpunkt ab dem ich zur Gesellschaft gehöre?“ Quelle: Dipama

Wie also kann sich jemand als Teil dieser Gesellschaft fühlen, wenn schon allein der Name entscheidet, wer eine Wohnungszusage erhält und wer nicht? „An diesem Punkt werde ich als Mensch in Frage gestellt“, sagt Dipama. Es ist durchaus Wut in seiner Stimme zu hören. „All das kann nicht zuletzt bei Jugendlichen zu einer Identitätskrise führen. Gehöre ich überhaupt dazu? Wo gehöre ich überhaupt dazu?“ Das sei Gift für die gesamte Gesellschaft.

„Müssen die Beweislast umkehren“

„Da Rassismus und Diskriminierung gar nicht immer direkt erkennbar und nachvollziehbar sind, haben wir auch ein Problem der Beweislast“, erklärt er und verweist auf die derzeitige juristische Lage. „Die Beweislast liegt allein bei den Betroffenen. Das müsste definitiv umgekehrt werden, sodass der Beschuldigte in die Beweispflicht gerät. Das macht es bisher um ein Vielfaches schwieriger gegen Diskriminierungen vorzugehen.“ Hinzu komme der finanzielle Aspekt, der zeitliche Aufwand und andere Faktoren, die viele Betroffene schon von Haus aus davon abhalten Anzeige zu erstatten, erklärt Dipama und kritisiert: „Wieso gibt es kein Klagerecht für Verbände, damit diese für Einzelpersonen klagen. Das wäre eine deutliche Verbesserung und Stärkung der Betroffenenseite.“

Gemeinsam gegen Rassismus und Diskriminierung …

Nicht mehr länger schweigen und wegsehen, das hat sich auch Julia Eder zum Ziel ihrer Arbeit gesetzt. Eder arbeitet bei der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern und gibt regelmäßig Argumentationstrainings zum Umgang mit rassistischen Äußerungen und Handlungen. Ursprünglich sollte ein solches Seminar im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus stattfinden.

„Wir haben das nun in einem ersten Probelauf in einem Onlineformat als Webinar veranstaltet und wollen das eventuell zeitnah noch einmal anbieten“, so Eder. Bei diesen Trainings geht es darum, die eigenen Handlungsoptionen für mehr Zivilcourage zu erweitern. „Die Teilnehmer sollen im direkten Austausch Situationen schildern und dann gemeinsam über mögliche Strategien debattieren.“

Für die Sozialarbeiterin stehen dabei die Motivation und die Ziele der Teilnehmerinnen im Fokus. „Es geht vor allem darum, dass jede Einzelne sich am Ende etwas sicherer füllt und Möglichkeiten hat, im Alltag Stellung zu beziehen.“ Das könne sowohl eine Konfrontation sein. „Wenn es die Situation zulässt und das Gegenüber noch nicht völlig gefestigt ist, kann aber auch ein tiefergehendes Gespräch durchaus der richtige Weg sein.“ Das müsse am Ende jede Person für sich selbst entscheiden.

… damit sich langfristig etwas ändert.

Solche Kurse sind laut Eder ein wichtiger Beitrag zur Zivilcourage. „Die Teilnehmerinnen werden in ihrem Handeln gestärkt und ermutigt ihr eigenes Schweigen zu durchbrechen.“
Denn Eder und Dipama sind sich einig: „Integration ist keine Einbahnstraße. Nur wenn die Zivilgesellschaft ihren Teil dazu beiträgt und aktiv rassistische Strukturen und Denkmuster zu überwinden versucht, kann sich langfristig überhaupt etwas ändern.“

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Kommentare (37)

  • Tobias

    |

    Wenn ich mich als Tobias in einem Dönerladen bewerbe, kriege ich dann neben einem Machmut den Job?

    Wenn der Autohändler Slovake ist, kriegt dann Daniela einen Rabatt oder doch eher Pavel?

    Es ist nicht immer alles „Rassismus“, vieles ist schlicht Vertragsfreiheit. Das gibt es überall auf der Welt und gibt es sogar unter Deutschen selber, etwa bei der Aufnahme in Schrebergärten oder Vereine. Könnte ein Deutscher sich in einen Verein einklagen? Nö. Könnten es „People of Colour“? Ja, weil die Rassismuskeule hier wieder blind geschwungen wird. Das nennt sich dann „Reverse Racism“ (ähnlich Angelina Jolie, die sagt, sie adoptiere nur schwarze Kinder).

  • Blaze

    |

    @Tobias

    Hut ab für diesen Kommentar. Ich kann dem nur zustimmen.

    Auch ich finde Rassismus furchtbar, aber eben auch Rassismus gegen Deutsche.
    Vielleicht lebe ich etwas zu behütet, aber dort wo ich wohne (südöstlicher Landkreis) da gibt es keinen Rassismus. In 47 Jahren wurde ich noch nie persönlich Zeuge eines Angriffs oder eine Beleidigung eines Menschen aus einem anderen Land durch einen Deutschen. Ich wurde aber mehrmals Zeuge, (Regensburger Innenstadt bei Dunkelheit, Dult, Münchner U-Bahn), wie blonde Frauen oder auch ich selbst, weil ich keine Kippe (als Nichtraucher) für Menschen aus dem arabischen Raum zur Zielscheibe wurde. Eigentlich müsste es rein von der Statistik her umgekehrt sein, da es eben statistisch viel mehr Deutsche als Menschen aus anderen Nationen in der Region gibt. Letzten Sommer wurde ich auf der Liegewiese des RT Bades Zeuge, wie zwei ca. 14jährige deutsche Mädchen von einer Gruppe ca. 20-25jähriger „Araber oder Nordafrikaner“ (nicht immer leicht zu unterscheiden) bedrängt wurde. Als ich realisiert habe, wie unwohl sich die Mädchen gefühlt haben, bin ich hin und habe sie angesprochen. Sie sagten, sie möchten nach Hause, aber diese „Männer“ lassen sie nicht gehen. Ich habe die Mädchen dann in den Arm genommen und bin mit ihnen an der Gruppe vorbeigegangen. Neben üblen Beleidigungen haben mir noch zwei der Kerle an Rücken und Hinterkopf gespuckt. Da ich eher der Typ schmalschultriger Akademiker bin, habe ich es einfach hingenommen, aber niemand hat es verdient als Schweinefleischfresser, Christensau oder sonstiges verunglimpft zu werden. Auch Deutsche sind Menschen…
    So etwas darf man nie vergessen. Sagt Nein zu Rassismus, aber in ALLE Richtungen.

    Es sind wirklich schwere Zeiten und ich würde mir wünschen, dass die Menschen allgemein toleranter und respektvoller miteinander umgehen. Keiner Mensch ist mehr wert als der andere, nicht die Hautfarbe unterscheidet uns Menschen – es ist der Charakter.

  • Piedro

    |

    @Tobias
    „Ja, weil die Rassismuskeule hier wieder blind geschwungen wird. Das nennt sich dann „Reverse Racism“ (ähnlich Angelina Jolie, die sagt, sie adoptiere nur schwarze Kinder).“
    In dem Artikel wird keinerlei Keule geschwungen. Er spricht sich auch nicht für „Reverse Racism“ aus. Versuchen Sie tatsächlich anlässlich bestehender Misstände diese zu relativieren, weil das Problem nicht nur von einer Seite ausgeht?

    „Denn oft zeige sich eine diskriminierende Sichtweise lediglich in den Zwischentönen, wie dem Klang der Stimme. Doch der latent vorhandene Rassismus könne, wenn er nicht in Frage gestellt wird, weiter wachsen.“

    Dazu fällt Ihnen nicht mehr ein als „es ist nicht immer alles „Rassismus“, vieles ist schlicht Vertragsfreiheit“ und „das gibt es auch unter Deutschen“? Dann bedanke ich mich für diese beispielhafte Bestätigung des Problems. Rassismus kann ja nicht sooo schlimm sein, wenn es den auch „unter Deutschen“ gibt und eh oft „schlicht Vertragsfreiheit“ ist.

    Auf den letzten Satz des Artikels kommt es an, Herr Tobias. Den haben Sie wunderbar unterstrichen.

  • Afrobayer

    |

    I find des sehr guad wos da Hamado do sogt und dafür kämpft und sei Mei aufmocht ( und gwies de oa oda andere Scheyn eifangt ) !
    Wenns eh scheissegal is wos du Gutes tust/bist, di an olle Gsetza hoitst brav deine Steuern zoist – und zam´den dei Lebm lang da “ Anda “ ( “ Außengeländer “ / a foigschissne Stereotypenschublade usw..) bleim soist – dann is des da oanzig richtige Schritt für a menschenwürdigs Sein.

    Und ob jetz da weisse Deitsche Wohnungsvermieter am End, si liaba an andan weissn Deitschn in´d Bude losst – entscheid´da sowieso wiara mog. Oba seine rassistischn Weltansichtn und sorgfältig gepflegten Vorurteile über andere Hautfarben/Kulturen/Glaubensbekenntnisse – deaf derjenige a für sich behalten.

    Und so ebs wia an “ Reverse Racism “ gega weisse Menschn gibts ned amoi. Dafür miassad ma de ganze Kolonialscheisse von mehreren hundert Joah von Schwoaze / BIPoC Menschen gmocht woan sei – und ned fo weisse Europäer ( inklusive freiwillig/unfreiwillig ausgwanderte Europäer ) !
    Zam´den gibts ned amoi verschiedene “ Menschenrassn “ – is selbst fo weisse Wissenschaftler widerlegt woan.

    Oba seine gepflegten Vorurteile ( z.B. da “ Nega “ , usw.. ) sichern oan eben seine “ Vorteile “ im white supremacy system. Der “ Vorteil “ , dass oam de eigene Hautfoa im Allgemeinen NED zum Nachteil wiad. ( Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel )

    Menschrechtla , egal wias hoasn oda wos heakemman – weida so !

  • Piedro

    |

    @Blaze
    Einer von uns beiden hat Tobias falsch verstanden. Ihren eigenen Ausführungen stimme ich zu. Derartige Schwachmaten sind auch mir bekannt, die sind genau so widerwärtig wie alle rassistischen Matschbirnen. Allerdings halte ich das oft für eine Folge der eigenen Erfahrung von Ausgrenzung und Ablehnung, die in der Horde mit anderen Matschbirnen zu einem Überlegenheitsgefühl kompensiert wird. Genau wie die biodeutschen Schwachmaten wachsen die über ihre eigene Blödheit hinaus, wenn sie in der Gruppe unterwegs sind und sich gegenseitig bestärken.

    Auch das ist mit dem Artikel gemeint. Jede Form von Rassismus ist widerlich. Und den meisten Menschen der eigenen Ethnie der rassistischen Großkotze zumindest peinlich. Ich erinnere mich noch gut, als ich meiner Heimstadt von ein paar jugendlichen Türken deppert angegangen wurde und ein alter Türke sie in der Muttersprache zurechtgestutzt hat. Ist ein paar Jahre her… In der Zwischenzeit gab es leider permanente Versäumnisse auf allen „Seiten“, heute würde sich das der Mann vielleicht auch nicht mehr trauen.

  • Mr. T.

    |

    Ich finde es verdammt wichtig, wenn Menschen, wie Hamado Dipama die Probleme, die sie täglich erleben, immer wieder ansprechen. Totschweigen macht es nicht besser. Das gilt natürlich genauso für jede Minderheit, die ständig Repressalien ausgesetzt ist, egal ob PoC, Frauen, Arme, nichtheterosexuelle Menschen und viele mehr.
    Ich finde es dagegen verdammt unnötig, wenn alte weiße Männer dann meinen, sie müssten diese Probleme, die sie nie erfahren haben oder werden, einordnen, relativieren oder anderweitig aufrechnen.
    Alte weiße Männer können hierzlande auch gar keinen strukturellen Rassismus erleben. Sollte es wirklich einmal passieren, dass ich an einen arabischen Vermieter gerate, der mich wegen meines deutschen Namens oder meiner bleichen Hautfarbe ablehnt, oder an einen asiatischen Türsteher, der mich deswegen wo nicht reinlässt, ist das ein sehr seltener Fall und ich bin eben an ein Arschloch geraten. Aber es gibt auch Menschen, die geraten quasi täglich an unzählig viele Arschlöcher – und die haben ein massives Problem, das beseitigt gehört.

    Die geforderte Beweislastumkehr ist allerdings ein grundsätzliches juristisches Problem. Niemand darf dazu gezwungen werden, beweisen zu müssen, dass er etwas nicht getan hat.

  • Heinz

    |

    @Blaze
    „Auch ich finde Rassismus furchtbar, aber eben auch Rassismus gegen Deutsche.“

    In Deutschland kann es keinen Rassismus gegen Deutsche geben.
    Rassismus hat immer etwas mit struktureller Diskriminierung und Machtstrukturen zutun, Deutsche sind in Deutschland keine Minderheit und sind somit nicht von struktureller Diskriminierung betroffen, ergo nicht von Rassismus.
    Das was sie meinen ist schlicht Diskriminierung aber da ich mal stark davon ausgehe dass Sie ein weisser Deutscher Mann sind werden Sie sehr Wahrscheinlich niemals die Erfahrung von struktureller Diskriminierung machen müssen und das ist ein Privileg!

  • Heinzelmann

    |

    Rassismus hat nichts mit der Anzahl der der Individuen einer Ethnie in einem Gebiet zu tun, sondern mit der Haltung/Einstellung des Ausübenden. Natürlich kann ich mich hier auch irren, und die Möglichkeit sich rassistisch zu verhalten ist einzig Menschen heller Hautfarbe vorbehalten.

  • highwayfloh

    |

    Dieser Tage habe ich folgendes in meiner Parkposition am HBF / Maximilianstraße beobachtet:

    Eine ausländische Frau mit ihren Töchtern geht über die Kreuzung und unterhält sich ein wenig lauter und sind völlig auf sich konzentriert. Mit ein paar Metern folgt ein hiesiger Bürger, ca. 75 – 80 Jahre alt mit Loden-Janker und unsicheren Schrittes (da schon offenbar einiges intus). Sie haben den Mann in keinster Weise belästigt oder sich irgendwie verhalten, dass man es beanstanden hätte können.

    Auf einmal schimpft er lautstark zu den drei weiblichen Personen hin, was dies solle, dass die sich hier überhaupt aufhalten und noch vieles mehr, was ich hier nicht rezitieren möchte. Dies in einer Lautstärke, dass es für mich im Bus (geschlossene Türen) in Zimmerlautstärke zu vernehmen war. Ich habe mir dann gedacht: „Ja – jetzt fehlt nur noch das was in der damaligen Zeit an „Gruß“ üblich war!“

  • highwayfloh

    |

    Noch etwas Grundsätzliches zum Thema:

    Es gab mal seinerzeit diesen Spruch:

    „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen!“

    Diesbezüglich stellt sich mir die Frage, ob dies wirklich so erstrebenswert wäre, da es immer mehr Menschen in Deutschland gibt, welche sich genau dies wieder herbeisehnen.

    Ruft man sich in Erinnerung, was – auch gegenüber missliebigen deutschen Staatsangehörigen – zu dieser Zeit geschehen ist, sollte sich ein solches herbeisehnen nach damaligen Verhältnissen von selbst erübrigen.

    Die Welt und wir Menschen sind nun mal per se nicht perfekt, einerseits schade, andererseits gut, denn sonst wären wir Robotter, welche einfach nur nach Schema-F perfekt funktionieren und nur dieses Schema akzeptieren und nichts anderes.

    Kein Raum wäre mehr da für „menschliches“, keine Toleranz etc. etc. Da lebe ich lieber in einer Welt mit Menschen, wo es zwar (teilweise enormen) Verbesserungsbedarf in vielen Belangen gibt, man dabei aber noch „Mensch“ sein kann und darf (mit all den persönlichen Fehlern, die man hat und macht).

  • Blaze

    |

    @Heinz

    mit der strukturellen Diskriminierung haben sie natürlich Recht. Ich werde sicherlich nie wegen meiner Hautfarbe keinen Job bekommen und auch bei der Wohnungssuche würde ich kein Problem haben. Dieses Privileg ist mir bewusst.
    Trotzdem finde ich es nicht schön, wenn man von Gruppen junger Männer fremder Herkunft einfach als minderwertig bzw. wertlos angesehen wird. Siehe Kölner Domplatte an Sylvester. Nur weil man deutsch, weiß oder Christ ist, ist man doch auch nicht weniger wert als Menschen aus einem anderen Kulturkreis. Das war mein einziges Anliegen, wie man das dann nennt, ist mir egal, aber niemand sollte aufgrund seiner Herkunft diskriminiert werden.

  • R.G.

    |

    @
    Heinz
    4. April 2020 um 18:50 | #

    Ich muss mich wundern, in welchem Biotop Sie leben, abgeschottet von den Entwicklungen an der Basis.

    Wie geht es „Braunen“, „Schwarzen“,“ Juden“, „Gastarbeitern“, „Zuwanderern“, in einer Umgebung von sich als „Deutsche“ und „Inländer“ verstehenden Menschen mit häufig sogar „böhmischen“ und „ostpreußischen“ Buchstabensalat-Namen?

    Über Jahre hatte ich engere Verbindungen zu sehr traditionell erzogenen Kindern türkischer Herkunft und wurde zum häufigen privaten Gast in ihren Familien. Können sie sich wirklich nicht vorstellen, wie da über Kurden, Griechen, Juden und „Ungläubige“gesprochen wird? Sind Sie noch nie so nahe gekommen, dass sie das zu hören bekamen?

    Was denken Sie, wie es in einer Brennpunkt – Hauptschule für die wenigen „Weißen“ oder „Schwarzen“ läuft- gemeint sind Deutsche, Schweizer, Österreicher, Juden oder Polen und Schwarzafrikaner – wenn über 95 Prozent der Schüler „braunhäutig“ sind, kommend durchwegs von Südosteuropa, Türkei, bis hin zur Ländern der südlichen Halbkugel ?

    Was meinen sie, was in einem Wohnviertel mit beinahe ausschließlich Moslems jedwede Andersgläubige erleben können?

    Wie benehmen sich fanatische Christen gegenüber alle außerhalb ihrer Gruppe?

    Was geschieht in einem Park, der zwischen Tschetschenen, Türken und Serben aufgeteilt ist, wenn man als mit der Muttermilch gelernt ihnen verhasster Mensch „von sonstwo oder hier“ einen Platz sucht?

    Hören Sie unseren Alteinwohnern, Zuwanderern und Gastarbeitern zu, ein sehr großer Teil floh vor dem großen Krieg, vor Bürgerkriegen, angezettelt von außen, damit sich die Bevölkerung gegeneinander wende, aufgrund ihr eingeredeter rassischer Unterschiede.
    Rassismus ist bei allen Menschen, jeder Herkunft heimisch, sich ein Welt zu malen, in der es ihn nur in eine Richtung gibt, kann richtig gefährlich werden.

    Herr Hamado Dipama, ich bitte sie stellvertretend für die erlittenen rassistischen Erfahrungen um Entschuldigung.
    Sie sehen es richtig: „Nur gemeinsam können wir den Virus Rassismus besiegen.“

  • highwayfloh

    |

    @Blaze:

    So ein Verhalten, wie Sie es ansprechen ist gewiss nicht schön und kommt in der Realität vor. Dennoch greift ihre Pauschalkritik zu kurz. Man muss sich nämlich auch mal selbst den Spiegel vorhalten und auch sehen, wie sich „Deutsche“ im Ausland „benehmen“. Dies spottet oft jeder Beschreibung und geht ebenso einher mit „als Fremder andere als minderwertig anzusehen und dies entsprechend durch das eigene Verhalten zu zeigen.“

    So ehrlich muss man schon sein, dass auch viele Deutsche keine Heiligen sind, was diverse Verhaltensweisen anbelangt.

  • Mathilde Vietze

    |

    Das „Deutsche keine Engel“ sind, zeigt sich auch im Alltag. Ich kriege z.B. die Wut,
    wenn eine sog. bessere Dame glaubt, die Bäckereiverkäuferin, die Putzfrau oder
    den Straßenkehrer von oben herab behandeln zu dürfen. Das ist zwar kein
    Rassismus im klassischen Sinn, aber evtl. die Vorstufe dazu.
    Und – daß deutsche Urlauber sich im Ausland oft benehmen wie die Axt im Walde,
    habe ich bei einem Aufenthalt auf Mallorca selbst erleben „dürfen.“

  • Lukas

    |

    Ich bin Jude und würde es nicht an der Nationalität festmachen.
    Jeder der nicht im Elfenbeinturm lebt oder mit einem Privatchauffeur durch die Gegend gefahren wird, der weiß, wie unfassbar aggressiv Muslime in diesem Land teilweise gegenüber „Ungläubigen“ (insbesondere meinem Volk) umgehen.

    Sicherlich gibt es mal den einen oder anderen rechten Spinner, der mich eine Judensau genannt hat. Nicht schön und es tut natürlich weh, aber das sind Einzelfälle und nichts gegen die Bedrohungen durch Muslime (oder soll ich sagen Salafisten?). Geht man nämlich mit der Kippa durch die Regensburger Altstadt und trifft auf eine Gruppe Syrer oder Afghanen, dann sollte man schnell die Beine in die Hand nehmen. Die sehen mich nicht lediglich als minderwertig an – nein, die sprechen mir gar das Recht zu leben ab.

    Besonders dreist finde ich daher, dass wir zwar unsere Stolpersteine in der Altstadt bekommen, aber gleichzeitig massenweise Menschen aufgenommen werden, für die Juden der Todfeind sind. Das ist heuchlerisch von der Stadt. Der Antisemitismus ist zum größten Teil importiert! Auf eine rechte Pöbelei kommen in meinem Bekanntenkreis 7/8 massive Bedrohungen durch Muslime. Für mich hat sich die Lebensqualität in dieser Stadt seit 2015/2016 massiv verschlechtert, weil ich einfach nicht mehr unbeschwert und sicher mit Kippa durch die schönen Gassen dieser Stadt gehen kann.
    Bitte versteht mich nicht falsch, ich will keine Religion pauschal verurteilen, besonders ältere Muslime begegnen mir durchaus mit Respekt, aber für viele junge Neuankömmlinge ist man einfach ein Objekt, das bestenfalls „nur“ angespuckt wird.

    Daher kann ich nur sagen, Rassismus in jeder Form muss konsequent bekämpft werden, egal von wem er ausgeht! Wir sind eine Welt und das sollten wir langsam mal verstehen!

  • Mr. T.

    |

    Lukas, Ihre Erfahrungen sind nicht weniger schlimm als die von Hamado Dipama. Und es gibt noch genug Menschen mit ähnlich schlimmen, aber anders gearteten Erfahrungen. Im finalen Satz des Artikels sind Sie aber alle mitgemeint. Und es ist natürlich egal, von wem Rassismus ausgeht.

  • Piedro

    |

    @Lukas
    „… wie unfassbar aggressiv Muslime in diesem Land teilweise gegenüber „Ungläubigen“ (insbesondere meinem Volk) umgehen.“
    Hier hakt es für mich. Sicher haben Sie recht, aber der Satz klingt für mich nach einer gefährlichen Pauschalisierung. Ein „manche“ wäre mehr als angebracht gewesen.

    „Nicht schön und es tut natürlich weh, aber das sind Einzelfälle und nichts gegen die Bedrohungen durch Muslime (oder soll ich sagen Salafisten?).“
    Und hier erheben Sie die Pauschalisierung schon zum Rassismus, gleichzeitig schaffen Sie es sogar, die Gefährdung durch Rechtsextreme zu relativieren. Glückwunsch dazu! Machen Sie doch mal Urlaub in manchen Gegenden, wo die „Einzelfälle“ in Horden auftreten, im Osten gibt es geeignete Enklaven, ich kann Ihnen aber auch einige Stadtteile im Westen vorschlagen, etwa in Dortmund.

    „…und trifft auf eine Gruppe Syrer oder Afghanen, dann sollte man schnell die Beine in die Hand nehmen. Die sehen mich nicht lediglich als minderwertig an – nein, die sprechen mir gar das Recht zu leben ab.“
    Bestimmt wollen Sie nicht sagen, dass alle Syrer oder Afghanen das tun. Das wäre Volksverhetzung, und dazu schlicht saudumm.

    „Besonders dreist finde ich daher, dass wir zwar unsere Stolpersteine in der Altstadt bekommen, aber gleichzeitig massenweise Menschen aufgenommen werden, für die Juden der Todfeind sind. Das ist heuchlerisch von der Stadt.“
    Nein, das ist nicht dreist, das ist rechtsstaatlich. Es ist nicht denkbar, dass Asyl- und Aufenthaltsrecht, gerade von Flüchtlingen, nach Religion oder Nationalität gewährt wird. Es ist auch nicht heuchlerisch, dass Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Was erlauben Sie sich?

    „Der Antisemitismus ist zum größten Teil importiert! “
    Bestimmt sind Sie in der Lage diese Behauptung auch zu belegen. Ungeachtet Ihrer persönlichen Erfahrungen wäre das durchaus angebracht, wenn Sie solche Aussagen machen, andernfalls bewegen Sie sich auf AfD-Niveau, die etliche Antisemiten in deutsche Parlamente gehievt hat.

    „Für mich hat sich die Lebensqualität in dieser Stadt seit 2015/2016 massiv verschlechtert, weil ich einfach nicht mehr unbeschwert und sicher mit Kippa durch die schönen Gassen dieser Stadt gehen kann.“
    Das ist sehr bedauerlich, entspricht aber leider auch der Erfahrung vieler dunkelhäutiger, dunkelhaarige, dunkeläugiger Menschen in vielen Städten, in denen die Unbeschwertheit seither gelitten hat.

    „Bitte versteht mich nicht falsch, ich will keine Religion pauschal verurteilen…“
    Das tun Sie nicht, sie verurteilen „nur“ Religionsangehörige einiger Nationalitäten. Bestimmt verstehen Sie, dass ich das als rassistisch empfinde, gerade weil Sie schreiben:
    „Daher kann ich nur sagen, Rassismus in jeder Form muss konsequent bekämpft werden, egal von wem er ausgeht! Wir sind eine Welt und das sollten wir langsam mal verstehen!“

    Wissen Sie, bei mir hat es schon gehakt, als sie von „meinem Volk“ geschrieben haben. Darf ich davon ausgehen, dass Sie Deutscher sind? In Deutschland geboren? Dann würde ich dazu neigen, sie dem „deutschen Volk“ zuzuordnen. Sie jedoch verorten Ihre Volkszugehörigkeit nach der Religion. Das ist zumindest anscheinend eine Abgrenzung. Leider ist diese für „ihr Volk“ gerade da erheblich, wo es mit anderen Religionsangehörigen in einem Land leben und es vermehrt diese entrechtet, enteignet und vertreibt. Aber bitte, ich will hier keine Israeldiskussion vom Zaun brechen, die verläuft leider niemals konstruktiv. Nur so viel: eine weniger chauvinistische Politik würde bestimmt dazu beitragen, dass Muslime „ihrem Volk“ weniger ablehnend begegnen. Leider ist damit in absehbarer Zeit nicht zu rechnen, weshalb dieser idiotische Konflikt auch hier zum Tragen kommt. Aber bitte, deshalb ist es trotzdem in Ordnung, dass Muslime Asyl- und Aufenthaltsrecht genießen, ohne Ansehen der Nationalität; dies dreist und heuchlerisch zu nennen ist mehr als unangemessen.

    Was die Salafisten angeht: ich mag sie nicht besonders, aber das gilt auch für einige „christliche“ Segmente und orthodoxe Juden, oder andere, religiös oder ideologisch selbstüberhöhte Pseudos. Jeder soll sich seinen imaginären Freund selbst aussuchen, jeder soll sein Weltbild aus ihm genehmen Thesen zusammen zimmern. Aber sobald es, tatkräftig oder „nur“ verbal pauschal gegen Gruppen anderer Menschen geht, haben wir es mit Rassismus zu tun. Die Beweggründe dafür sind nicht mal zweitrangig.

  • Piedro

    |

    @Mr. T.
    „Lukas, Ihre Erfahrungen sind nicht weniger schlimm als die von Hamado Dipama.“
    Das Fazit ist allerdings ein gänzlich anderes. Herr Lukas verlangt es nach Ausgrenzung. Interessanter fände ich zu überlegen, wie man diesem Problem begegnen könnte, ohne Rechtsstaatlichkeit und Menschlichkeit als Heuchelei oder Dreistigkeit abzutun. Das ist so wenig hinnehmbar wie Antisemetismus und Rassismus und steht auch dem Kollegen Lukas nicht zu. Es ist geradezu pervers das Verlegen von Stolpersteinen (und damit das Gedenken) in Frage zu stellen, weil syrische oder afghanische Moslems in Deutschland leben dürfen.

  • R.G.

    |

    „Aber bitte, deshalb ist es trotzdem in Ordnung, dass Muslime Asyl- und Aufenthaltsrecht genießen, ohne Ansehen der Nationalität; dies dreist und heuchlerisch zu nennen ist mehr als unangemessen.“

    Es ist im Gegenteil geradezu selbstmörderisch, an den Daueraufenthalt in diesem Land keine Bedingungen zu knüpfen.
    Wenn es neuen Zuwanderern klar wäre, dass das Jagen von Juden zum Verlust des Aufenthaltsrechts führte, wäre der Großteil der „Übergriffe als Freizeitbeschäftigung“ vorbei.
    Die Menschen müssen wissen, was genau man von ihnen hier anders erwartet, wenn sie aus Gegenden kommen, wo der Hass auf Juden bzw. Israeli zur politische und religiösen Grunderziehung gehört.
    Glauben Sie denn, ohne entsprechende Gesetze hätten die in der Nazizeit erzogenen Deutschen nach Kriegsende aufgehört, Juden zu verfolgen?
    Es braucht klare Regeln, die bereits in den traurigen Asylwerber-Ghettos der Zuwanderer Gültigkeit haben. Sodass mit Einbürgerung schon alles klar ist.

    „bei mir hat es schon gehakt, als sie von „meinem Volk geschrieben haben.“
    Gehen wir probeweise davon aus, dass er zu den Aschkenasen zählt und die Muttersprache seiner Vorfahren jiddischdeitsch war.
    Was hat er dann mit Isreal zu tun?:
    “ Leider ist diese für „ihr Volk“ gerade da erheblich, wo es mit anderen Religionsangehörigen in einem Land leben und es vermehrt diese entrechtet, enteignet und vertreibt.“

    Er hätte als Aschkenaze mit Isreal so viel oder wenig zu tun, wie ein Deutscher mit dem heutigen Kaukasus oder mit dem Benehmen der nach Brasilien ausgewanderten Deutschen.
    Welchen Rassebegriff basteln Sie, Piedro, sich da zusammen?
    Nehmen wir die Phantasie her, ein Mann aus dem Gebiet des heutigen Oberfranken hätte sich einst vor tausend Jahren in eine jüdische Händlerstochter aus Köln oder Mainz verliebt. Deren Kinder galten daher als Juden. Wo sehen sie da eine Verantwortung Lukas‘ für die politischen Entscheidungen in Isreal?

    Wenn Sie als Deutscher den Unterschied schon nicht verstehen, von wem sollten die Zuwanderer aus moslemischen Ländern ihn lernen? Deren Grunderziehung, das schrieb ich schon oben, drillte in den meisten ihrer Herkunftsländer die Moslems unserer Zeit auf den „Militärischen Feind=Juden=Isreal“.

    Dass das gemeinsam auseinanderklamüsiert wird, nenne ich notwendige und gewinnbringende Integrationsarbeit.
    Projekte wie Gesprächskreise von „Abrahamitischen Relegionen“, wozu Juden, Christen und Moslems zählen, schaffen das gut.

  • Giesinger

    |

    An Herrn Piedro hätte ich zunächst eine Frage. In welchem Bereich sind Sie beruflich tätig?

    Alsdann hätte ich einen Vorschlag oder eigentlich eine Bitte an Herrn Piedro (geht natürlich erst nach der Corona-Krise):

    Gehen Sie doch mal bitte mit einer Kippa bekleidet durch geschilderte Brennpunkte/Orte. Ich denke, das wäre keine Religionslästerung. Ich sehe und sähe dieses Unterfangen jetzt eher so Wallraff-mäßig.

  • Piedro

    |

    @RG
    „Es ist im Gegenteil geradezu selbstmörderisch, an den Daueraufenthalt in diesem Land keine Bedingungen zu knüpfen.“
    Wie kommen Sie darauf, dass es keine Bedingungen für den Aufenthalt gibt?

    „Wenn es neuen Zuwanderern klar wäre, dass das Jagen von Juden zum Verlust des Aufenthaltsrechts führte, wäre der Großteil der „Übergriffe als Freizeitbeschäftigung“ vorbei.“
    Das ist eine Straftat. Straftaten wirken sich natürlich auf das Aufenthaltsrecht aus, ist alles geregelt.

    „Er hätte als Aschkenaze mit Isreal so viel oder wenig zu tun, wie ein Deutscher mit dem heutigen Kaukasus oder mit dem Benehmen der nach Brasilien ausgewanderten Deutschen.“
    Es war erkennbar, dass mit „mein Volk“ „die Juden“ gemeint war. Volkszugehörigkeit wird über Religion definiert. Das finde ich halt seltsam, da es in vielen Völkern Juden gibt, die sich alle einem Volk zuordnen können.

    „Welchen Rassebegriff basteln Sie, Piedro, sich da zusammen?“
    Und wie kommen Sie von Volkszugehörigkeit auf Rasse? Es gibt keine Menschenrassen, das wissen wir doch bei, da braucht mensch nix basteln.

    „Wo sehen sie da eine Verantwortung Lukas‘ für die politischen Entscheidungen in Isreal?“
    Hä? Wieso sollte er Verantwortung für die Nationalpolitik des Judenstaates haben? Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass zum proklamierten Zusammenhalt der Menschheit eben auch gehört zu sehen, dass diese Politik das Gegenteil bewirkt, und nicht nur regional. Aber wie geschrieben: ich will hier keine Israeldiskussion, das artet aus und verärgert den Chef.

    „Wenn Sie als Deutscher den Unterschied schon nicht verstehen, von wem sollten die Zuwanderer aus moslemischen Ländern ihn lernen?“
    Jetzt werden sie ungewollt lustig. Was der Deutsche nicht versteht, versteht der Moslem nimmer mehr? Lassen wir das.

    „Dass das gemeinsam auseinanderklamüsiert wird, nenne ich notwendige und gewinnbringende Integrationsarbeit.
    Projekte wie Gesprächskreise von „Abrahamitischen Relegionen“, wozu Juden, Christen und Moslems zählen, schaffen das gut.“
    Jetzt wird es doch noch konstruktiv. Eben, es gibt gute und erfolgreiche Modelle der Verständigung. Die nur deshalb funktionieren, weil es da keine Pauschalverurteilung von Menschen nach Herkunftsländern gibt. Der Koran selbst ist eine gute Grundlage, um diesem Ungeist bei zu kommen, aber manche verweisen lieber darauf, dass „die Moslems“ „die Ungläubigen“ wasauchimmer wollen oder tun.

  • Piedro

    |

    @Giesinger
    „In welchem Bereich sind Sie beruflich tätig?“
    In einem sehr interessanten. Dienstleistung B to B, branchenübergreifend vom Maschinenbau über das Gesundheitswesen, technischen Handel, IT, Logistik bis zu Unternehmensberatung. Hilf Ihnen das?
    Ich bin Teamleiter, im Team sind zwei Moslems. Eine säkulare Türkin, eine konvertierte Deutsche, äußerlich „salafistisch“. Beide sind total cool, aufgeschlossen, humorvoll, tolerant.

    „Alsdann hätte ich einen Vorschlag oder eigentlich eine Bitte an Herrn Piedro (geht natürlich erst nach der Corona-Krise):“
    So eine Ansage kriege ich nicht zum ersten Mal. Ich bin dabei. Wenn Sie mich begleiten, oder der Kollege Lukas. Bisher hat sich keiner darauf eingelassen, der so ein „Angebot“ gemacht hat.

    „Ich denke, das wäre keine Religionslästerung.“
    Meines Wissens nicht, andernfalls fiele das aus.

    Ich mache auch gern ein Gegenangebot: Sightseeing in Duisburg-Marxloh, wird gern als No-go-area für Deutsche bezeichnet. Bestimmt eine interessante Erfahrung.

  • Piedro

    |

    Herr Lukas meldet sich vermutlich nicht mehr zu Wort. Eigentlich schade.

    Um es klar zu sagen: es gibt diesen zugewanderten Antisemitismus, das habe ich nie bestritten. Ich würde ihn nie als „selbstmörderisch“ bezeichnen, oder ähnliche Vokabeln verwenden. Ich würde nie das Grundgesetz relativieren und Grundrechte von der Religionszugehörigkeit abhängig machen. Wie jedes andere, gesellschaftliche Problem gehört auch dieses nüchtern analysiert, Lösungen müssen zwischenmenschlich möglich sein. Wo das nicht möglich ist („Einzelfall“) ist staatliche Aktivität und das Strafrecht gefragt. Und natürlich die im Artikel geforderte Zivilcourage. Die erschöpft sich nicht in Onlineklagen und ausgestreckten Zeigefingern.

  • Lukas

    |

    @Piedro

    in manchen Punkten haben Sie sicher Recht. Ich möchte und darf nicht verallgemeinern.
    Was ich aber darf – MEINE Erfahrungen kundtun. Wenn Sie mir nicht glauben, dann gehen Sie selbst einmal mit Kippa an einer Flüchtlingsunterkunft vorbei. Ich denke, dass würde Augen öffnen…(den Hass in deren Augen werden Sie lange nicht vergessen, glauben Sie mir)

    Für meinen Vorwurf bezüglich der Stolpersteine möchte ich mich entschuldigen.
    Es macht mich halt einfach unfassbar wütend, dass ein medialer Aufschrei erfolgt, wenn Neonnazis einen Juden angreifen, aber Angriffe von Muslimen auf Juden aus politischer Korrektheit totgeschwiegen werden. Ich kenne mehrere Attacken hier in Regensburg auf Personen aus meiner Gemeinde. Denken Sie, darüber gab es großartige Zeitungsartikel? Nein!!! Woher kommt das, wer entscheidet das? Man sieht also, da muss System dahinterstecken … und das finde ich nun wirklich heuchlerisch!

    Mir als Juden vorzuwerfen, ich bewege mich auf AFD Niveau ist natürlich schon etwas „schwierig“! Naturgemäß halte ich von der AFD gar nichts – aber auch wirklich gar nichts – um jedoch ehrlich zu sein, wäre ich als Jude tausendmal lieber 2 Wochen mit „Nazis“ und der kompletten AFD in einem Feriencamp, als 10 Minuten mit einer Gruppe junger Afghanen…
    Nein, nicht weil die mir symphatischer sind, sondern weil es nach meinen Erfahrungen für meine körperliche Unversehrheit zuträglicher wäre.

    Mir ist klar, dass Sie meine Ausführungen jetzt wieder Punkt für Punkt zerlegen werden.
    Mir geht es aber hier nicht um einen Philantrophen-Wettstreit.
    Ich nehme mein Wissen nicht aus der Literaratur, Presse oder sonst wo her….ich schildere, was ICH (beziehungsweise Menschen aus der jüdischen Gemeinde, welche ich persönlich kenne) erlebe(n), meine subjektiven Erfahrungen, und diese können sie nicht werten, wenn sie nicht mindestens einmal einer solchen Gruppe gegenüberstanden und dabei eine Kippa trugen.

    @R.G.
    danke – mit Israel habe ich gar nichts zu tun

    @Giesinger
    da hatten wir die gleiche Idee – Wallraff-mäßig ausprobieren finde ich gut :)

  • Piedro

    |

    @Lukas
    Ich sage Ihnen nicht was sie dürfen und was nicht. Das mit dem Kipa-Spaziergang kam schon von anderer Seite. Ich bin da ergebnisoffen. Begleiten Sie mich?

    „Für meinen Vorwurf bezüglich der Stolpersteine möchte ich mich entschuldigen.“
    Danke.

    „Es macht mich halt einfach unfassbar wütend, dass ein medialer Aufschrei erfolgt, wenn Neonnazis einen Juden angreifen, aber Angriffe von Muslimen auf Juden aus politischer Korrektheit totgeschwiegen werden.“
    Und schon sind wir wieder bei falschen Behauptungen. Gar nichts wird totgeschwiegen, das Thema ist schon lange in den Medien. ( https://www.google.de/search?client=opera&q=antisemitismus+moslems+deutschland&sourceid=opera&ie=UTF-8&oe=UTF-8 )

    „…hier in Regensburg auf Personen aus meiner Gemeinde. Denken Sie, darüber gab es großartige Zeitungsartikel?“
    Die örtliche Medienlandschaft ist meines Wissens aufs Mittelmäßige beschränkt. Aus diesem Käseblatt können Sie keine Rückschlüsse auf mediales Totschweigen ziehen.

    „Woher kommt das, wer entscheidet das?“
    Redaktion und Herausgeber, wer sonst? Die Regierung? der Bürgermeister?

    „Man sieht also, da muss System dahinterstecken … und das finde ich nun wirklich heuchlerisch!“
    Aha. Ich sag’s mal mit den Worten des österreichischen Präsidenten: „Wenn sich eine triviale Erkenntnis paart mit Dummheit in der Interpretation, gibt es in der Regel Kollateralschäden in der Anwendung.“
    A. van der Bellen

    „Mir als Juden vorzuwerfen, ich bewege mich auf AFD Niveau ist natürlich schon etwas „schwierig“!“
    Keinesfalls. Es geht nicht um die Argumente, sondern um das Konstrukt der Argumentation, da habe ich halt Ähnlichkeit festgestellt.

    „…um jedoch ehrlich zu sein, wäre ich als Jude tausendmal lieber 2 Wochen mit „Nazis“ und der kompletten AFD in einem Feriencamp, als 10 Minuten mit einer Gruppe junger Afghanen…“
    Aber sicher doch, und Nazis in Anführungszeichen, wie putzig. Offenbar brauchen Sie dringend eine „persönliche Erfahrung“ mit rechtsextremen Antisemiten um solche Aussagen zu unterlassen. Hoffentlich machen Sie die nie.

    „…und diese können sie nicht werten, wenn sie nicht mindestens einmal einer solchen Gruppe gegenüberstanden und dabei eine Kippa trugen.“
    Ich „werte“ nicht Ihre Erfahrung, sondern Ihren Vortrag, der deutlich rassistische Züge trug. Hinzu kamen Ihre Ausführungen zum Aufenthaltsrecht, dass Sie an Religion und Herkunft festmachen möchten. Damit bewegen Sie sich abseits des Grundgesetzes und unserer Grundordnung, das ist für mich nicht akzeptabel, und das liegt nicht an mir und meinen persönlichen Erfahrungen.

    „…mit Israel habe ich gar nichts zu tun.“
    So wenig wie ich mit dem Dritten Reich. Und doch wirkt sich das bis heute auf die Realität aus. Ebenso ist es bei der anhaltenden Unterdrückung, Menschen- und Völkerrechtsverletzungen im Namen einer „jüdischen“ Regierung. Finden wir beide falsch, ist aber nachvollziehbar. Wer sich Versöhnung wünscht braucht einen anderen Ansatz als Sie vorgetragen haben.

    Historisch gesehen ist es ein Irrtum zu glauben, die israelische Politik wirke sich nicht auf Juden in anderen Teilen der Welt aus. Der Islam ist nicht per sé antisemitisch, eher im Gegenteil. Falls Sie das Thema tatsächlich interessiert, das ist recht interessant: https://www.tagesspiegel.de/wissen/islam-und-antisemitismus-die-wurzeln-des-hasses/21125024.html
    „Wallraff-mäßig ausprobieren finde ich gut :)“
    Na, da sind wir doch schon drei.
    Der Kontrollversuch dürfte etwas schwieriger sein, oder kennen Sie ein jüdisch orthodoxes Viertel, wo Sie sich als Araber verkleiden könnten? Wäre doch bestimmt auch interessant.

    Unterm Strich sollten wir auf das Thema Rassismus zurück kommen. In meinen Augen haben sie Rassismus hier bedient, und ich habe erklärt, warum ich das so sehe. Mit persönlicher Erfahrung lässt sich das nur sehr bedingt rechtfertigen. Die Wortmeldungen zu Nazis, die Ihnen lieber wären und bla bla, sind absolut unterirdisch, auch, wenn sie dem Umstand geduldet sind, dass Sie da (noch) keine persönliche Erfahrung gemacht haben. Informationen dazu sind verfügbar und leicht zu finden. Meines Wissens gibt es weit mehr antisemitische Gewalttaten von Nazis als von moslemischen Knalltüten. Das zu verharmlosen ist, entschuldigen Sie meine Wortwahl, total bescheuert.

  • R.G.

    |

    @
    “ Ich würde nie das Grundgesetz relativieren und Grundrechte von der Religionszugehörigkeit abhängig machen.“

    Hier ist der Irrtum.
    Wir sprechen nicht von der Religion des Islam, nicht von einem Rassebegriff, sondern von jungen Männern aus vorwiegend moslemischen Ländern, die häufig über Jahre an der Waffe ausgebildet wurden, manche schon seit der Vorpubertät als Krieger zu dienen hatten; der Feind schlechthin war „Israel“; „die Juden“; als Volk Israels, „der Jude“. Kein persönliches Vorurteil oder Mobbing ist Ursache ihres feindseligen Benehmens, sondern militärischer Drill. Die Programmierung wächst sich nicht nebenbei durch Übertreten der deutschen Landesgrenze aus.
    Da geht der einzelne orthodoxe Jude mit seiner Kippa nicht durch eine Gruppe pöbelnder Männer anderen Glaubens, sondern an auf jemanden seines Aussehen und Glaubens hin ausgebildete Kämpfer hindurch.
    Sie bezeichnen die Angst des zum lebenden Hassziel Gewordenen als rassistische Haltung gleich der AFD? Weil es Ihrer persönlichen 0815 Antirassismus-Predigtvorlage dient uns sie es wieder mal allen zeigen wollen?

    Herr Hamada stammt laut Literatur aus einem Land, wo die Religionen bisher friedlicher zusammenlebten, bei islamischer Mehrheit. Wie ist er selbst gegenüber Juden eingestellt?
    Kann man von ihm Achtung für Andersgläubige lernen?

    Ich meine, durch seine Klage hat er jedenfalls bewiesen, dass er Recht und Gerechtigkeit nicht einfach selbst in die Hand nahm oder einer Religion bzw. Kirche dafür die reale Ordnungskompetenz zuwies, sondern die Gesetze und Gerichte unseres Landes als zuständig sieht.

  • auch_ein_regensburger

    |

    Ist es nicht kompletter Nonsens, verschiedene Formen von Rassismus gegeneinander aufrechnen zu wollen? Ist nicht jede Form von Rassismus total daneben und jeder Rassist, egal welcher Herkunft, einfach nur ein asoziales A …? Sind die im Artikel geschilderten demütigenden Erfahrungen von Hamado Dipama weniger schlimm, wenn es auch muslimische Rassisten-Deppen gibt?

    Unser bemitleidenswerter, aufgrund seiner bio-deutschen Herkunft rassistisch ausgegrenzter AfD-Sympathisant Tobias hat mit seinem ersten Kommentar das Stöckchen hochgehalten und das gesamte Forum springt brav drüber.

  • Piedro

    |

    @R.G.
    „…sondern von jungen Männern aus vorwiegend moslemischen Ländern, die häufig über Jahre an der Waffe ausgebildet wurden, manche schon seit der Vorpubertät als Krieger zu dienen hatten…“
    Vielleicht lesen Sie noch mal was tatsächlich geschrieben wurde. Abgelehnt werden „junge Syrer oder Afghanen“, die nicht ins Land gelassen werden sollen. Und nun erklären Sie, dass die „häufig“ von früh auf an der Waffe ausgebildet und mit Hass indoktriniert wurden. Aber sicher doch. In Syrien und Afghanistan wachsen die Menschen mit militärischem Drill auf, und dann fliehen sie vor dem Krieg nach Europa. Sonst noch was? #

    „Sie bezeichnen die Angst des zum lebenden Hassziel Gewordenen als rassistische Haltung gleich der AFD?“
    Vielleicht lesen Sie mal was ich tatsächlich geschrieben habe.

    „Weil es Ihrer persönlichen 0815 Antirassismus-Predigtvorlage dient uns sie es wieder mal allen zeigen wollen?“
    Danke dafür. Sie sind heute ausgesprochen konstruktiv und sachlich.

    „Wie ist er selbst gegenüber Juden eingestellt?“
    Das halte ich für uninteressant, aber Sie können ihn ja fragen. Mir stößt ein Juden bepöbelnder sonstwas genauso auf wie ein Jude, der meint Menschen nach Herkunft und/oder Religion aus unserem Land fern halten zu müssen. Daran ändern pauschalisierte Erklärungen wie: alle von Kindheit an an der Waffe ausgebildet und mit Hass geimpft nichts ändern. Auch diese Aussage ist rassistisch, und nicht nur deshalb unzutreffend. In Syrien wurden keine Kinder an der Waffe ausgebildet. In Afghanistan werden es die wenigsten sein, die so aufwachsen. Solche Behauptungen tragen weder dazu bei das Problem zu verstehen, noch es zu lösen, auch nicht, wenn sie mit persönlichem Untergriff garniert werden.

  • Piedro

    |

    @auch_ein_regensburger
    Danke.
    Jeder Rassist versucht seinen Rassismus mit Erfahrungen oder vermeintlichen Tatsachen zu objektivieren und daraus Forderungen abzuleiten, die dann berechtigt sind. Man braucht nur ein passendes Label, dass sich mit Eigenschaften versehen lässt, und generiert eine nicht wünschenswerte Folge. Hier: zwei Nationalitäten, militärische Ausbildung von Kindheit an, mit Hass indoktriniert, die ins Land lassen ist Selbstmord. „Ich bin kein Rassist, aber…“ funktioniert ganz gut. Da halte ich mit meiner „persönlichen 0815 Antirassismus-Predigtvorlage“ dagegen.

  • Zuschauer

    |

    Netiquette:
    Punkt 4: Halten Sie Ihre Kommentare möglichst kurz (max. 1.000 Zeichen).

    Hach, wäre das schön!

  • R.G.

    |

    Lukas:„…mit Israel habe ich gar nichts zu tun.“
    Piedro: „So wenig wie ich mit dem Dritten Reich.“

    Für Anfänger.
    Sie leben in Deutschland. Im Land, von dem Nationalsozialistischer Terror und Krieg ausging. Egal von wo wir kamen, wenn wir uns zu diesem Land bekennen, soll es auf einem „Nie wieder!“ gründen.

    Falls Sie christlich erzogen wurden, lernten Sie eine Religion kennen, die wie die der Moslems und Juden ihre religiösen Pilgerorte vor allem/unter anderem im Gebiet des heutigen Israel und seiner Nachbarländer hat. Die Geschichten ihrer Heiligen Bücher stammen aus jenen Ländern. Der gemeinsame „Stammvater“ Abraham eint die drei großen Wüstenreligionen im Grunde.

    Ein (europäischer!) Aschkenase hat mit der Politik des heutigen Staates Israel gleich wenig zu tun wie Sie oder ich.

  • R.G.

    |

    Das lesen Sie in Ihrem Sendungsbewusstsein in den Text heinein:
    „die ins Land lassen ist Selbstmord.“

    Das habe ich geschrieben:
    „Es ist im Gegenteil geradezu selbstmörderisch, an den Daueraufenthalt in diesem Land keine Bedingungen zu knüpfen.“
    Ich erwarte nicht, dass Sie den Unterschied bemerken wollen.

  • R.G.

    |

    @
    auch_ein_regensburger
    7. April 2020 um 15:17 | #

    „Sind die im Artikel geschilderten demütigenden Erfahrungen von Hamado Dipama weniger schlimm, wenn…“
    Seine erfahrungen sind schlimm.
    So schlimm wie gleiche Erfahrungen für meine Familie waren und sind. Sehr schmerzhaft!
    Herr Hamado verwandelte seine miesen Erfahrungen in etwas, was für viele Menschen Vorteile haben kann.
    Dass er Jugendlichen Wege zur Zivilcourge aufzeigt, macht ihn mir überaus sympathisch.

  • Piedro

    |

    @RG
    „Das habe ich geschrieben:
    „Es ist im Gegenteil geradezu selbstmörderisch, an den Daueraufenthalt in diesem Land keine Bedingungen zu knüpfen.“
    Ich erwarte nicht, dass Sie den Unterschied bemerken wollen.“
    Ich habe bemerkt, worauf sich das bezogen hat. Und Sie wissen, dass der Aufenthalt durchaus an Bedingungen geknüpft ist. Im Kontext ergibt sich also das Bild: junge, männliche Afghanen und Syrer sollten nicht ins Land gelassen werden, weil sie potentiell eine antisemitische Bedrohung darstellen. Welche „Bedingungen“ Sie meinen bleibt unklar. Fakt ist: es gibt reichlich Bedingungen, es gibt einen rechtsstaatlichen Anspruch auf Prüfung (wegen der Bedingungen) ohne Ansehen von Religion und Herkunft, für Kriegsflüchtlinge wie für Asylwerber. Gar nicht erst rein lassen wäre ein Verstoß gegen das Grundgesetz und die Flüchtlingskonvention, ob jemand irrtümlich glaubt, die Betroffenen dieser Nationalitäten würden von Kindheit an militärisch ausgebildet und mit Hass geimpft ändert daran gar nichts.

    DAS ist meine Argumentation, ob Sie das bemerken wollen oder nicht. Dafür braucht es nicht viel „Sendungsbewusstsein“.

    Das Problem des „importierten Antisemitismus“ ist nicht von der Hand zu weisen, aber es rechtfertigt keine pauschale Ablehnung oder Stigmatisierung der genannten Gruppen. Das Problem erfordert Dialog und zwischenmenschliche Erfahrung. Und natürlich Gegenwind, auch gegen jene, die es sich gern einfach machen. Auch rechtfertigt das nicht das Relativieren von rechtsradikalem Antisemitismus und Rassismus á la: die sind mir viel lieber, weil ich da noch keine Erfahrungen erleiden musste.

  • R.G.

    |

    „Gar nicht erst rein lassen wäre ein Verstoß gegen das Grundgesetz und die Flüchtlingskonvention,“
    Nicht rein lassen habe ich nie gesagt, das war nur Ihre Phantasie, Sie stricken da etwas zusammen, um sich in mir ihren Phantasiegegner zu schaffen, dem Sie ihre vorgefertigten Antworten geben können.

    Wahrscheinlich hängt Ihnen Lukas‘ Beitrag nach:
    „junge, männliche Afghanen und Syrer sollten nicht ins Land gelassen werden, weil sie potentiell eine antisemitische Bedrohung darstellen.“
    „Auch rechtfertigt das nicht das Relativieren von rechtsradikalem Antisemitismus und Rassismus á la: die sind mir viel lieber, weil ich da noch keine Erfahrungen erleiden musste.“
    Selbstredend muss eine Schilderung erlebter Diskriminierung durch größere Männergruppen nicht abgehobene,
    zusammenfassende Gerechtigkeit bieten. Leider find ich seinen Namen in meinem Archiv nicht, es gibt einen Mann, der über Jahrzehnte gemischte Ferien auf Zypern (?) für gelernte Feinde anbot; jüdische Israeli und Menschen aus den besetzten Gebieten bzw. Nachbarländern lernten einander dabei kennen, wurden Freunde. Am Beginn standen Beschreibungen der eigenen schlechten Erfahrungen.

    Wenn heute ein Jude in Regensburg wünscht, dass die nicht da sein sollten, die ihm in der Gruppe als Aggressoren begegnen, und eine Gruppe Moslems bestimmter Prägung sich wünscht, es solle keine Juden geben, da wo sie leben, ist erst einmal keine Gesprächsbasis vorhanden. Beide Seiten nennen triftige Gründe und haben starke negative Gefühle. Das ist das pure Leben und nicht festgegegossener Rassismus.

    Hinhören, Hinsehen.

    Dann erst, wer hat Fähigkeiten, um einen Weg zwischen den Feinden zu bauen? Was kann man mit Reden schaffen, wo muss man schlicht zu gesetzlichen Möglichkeiten wie Strafen greifen? Welches Verhalten wollen wir nicht dulden?
    Machen Sie einen ersten Schritt.
    Gehen Sie mit Kippa durch bestimmte Stadtteile. Begleiten Sie Juden fallweise. Vielleicht macht ein Moslem testweise mit.

  • Piedro

    |

    @RG
    „Wahrscheinlich hängt Ihnen Lukas‘ Beitrag nach…“
    Genau, darauf haben Sie erwidert.

    „Gehen Sie mit Kippa durch bestimmte Stadtteile.“
    Wie oft denn noch?

    „…dem Sie ihre vorgefertigten Antworten geben können.“
    Ich werde diesen Disput jetzt beenden, das führt zu nichts. Meine Meinung habe ich mitgeteilt. Stereotype bedienen Rassismus auch dann, wenn man nicht wirklich einer ist.

    (Das Ferienprojekt wird vom Komitee für Grundrechte und Demokratie organisiert.)

  • Stefan Aigner

    |

    Der Thread wir wegen Erfolglosigkeit geschlossen.

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