SOZIALES SCHAUFENSTER

"Ghost Town Radio"

Regensburg pur – Old School Radio mit Herz und Bauchgefühl

In der High School nannten sie ihn Kermit – nun hat Adam Lederway seine ganz persönliche Muppet Show gestartet. Seit einem knappen Monat ist er mit Ghost Town Radio jedes Wochenende live „On Air“ und fordert zum Applaus auf – für Discjockeys, Features, Gesprächspartner und jeden, der mitmachen will.

„Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Es soll Spaß machen und persönlich sein.“ Radiomacher Adam “Kermit” Lederway. Foto: Anna Artmann

„Another band from my home“, sagt die sonore Stimme, während „Godzilla“ von Blue Öyster Cult gerade ausklingt. Und dann beginnt der Discjockey ein wenig zu plaudern. Über Stony Brook, Long Island, darüber, wann er dieses Lied zum ersten Mal gehört hat und warum er es gerade jetzt spielt. Es ist der 11. April, kurz vor zehn, das erste Mal ist Ghost Town Radio an diesem Tag live „On Air“. Und gesendet wird nicht aus Long Island, sondern aus einer Wohnung in Stadtamhof.

Einfach mal machen

Es hat erst die Corona-Krise gebraucht, damit Adam Lederway (43) endlich die Zeit gefunden hat, sein jahrelang geplantes Projekt eines eigenen Radiosenders umzusetzen. Seit 17 Jahren lebt der US-Amerikaner in Regensburg. Und von dem, was er in Deutschland an Radio-Kultur vorgefunden hat, sei er immer ein wenig enttäuscht gewesen.

„Klar gibt es auch gute Sachen. Aber häufig sind es entweder nur Charts oder Du bekommst eine Lehrstunde in Kultur“, erzählt er in fließendem Deutsch mit deutlichem Akzent. Dabei gebe es so viele interessante Leute in Regensburg – mit guten Geschichten, unterschiedlichen Geschmäckern und Persönlichkeiten. „Mit denen kann man doch was machen.“ Und Lederway macht.

Sie nannten ihn Kermit

In seiner Wohnung hat er sich ein kleines Studio eingerichtet – mit mehreren Bildschirmen, Mikro und Mischpult. War es am ersten Wochenende nur ein Tag, an dem Ghost Town Radio auf Sendung war, sind es dieses Mal drei. Unter anderem mit dem Regensburger Musiker Mike Kalodner, der Djane, Musikerin und Musikjournalistin Shake, the Snake, Florian Scheuerer, dem Gründer des Hardline-Festivals und anderen bekannten DJs aus der Regensburger Kneipenszene (Holger, Steve, Bombsite Boy, NieblAir..).

Seit einem knappen Monat online: ghost-town-radio.de.

Und natürlich mit Kermit, Adam Lederway höchstpersönlich. Dem Mann am Steuer. Den Namen hat er sich an der High School eingefangen – „ein liebevoller Nickname“ sei das gewesen. „Damals konnte ich Kermit perfekt nachmachen.“ Heute gehe es noch einigermaßen. Und als Kermit verstehe er sich auch bei Ghost Town Radio, als Moderator und Gesprächspartner, der „Applaus, Applaus“ ruft, wenn seine Gäste ihre Musik auflegen, ihre Geschichten erzählen oder einfach mit ihm plaudern.

Talks zwischen Brooklyn und Stadtamhof

Ein Special aus Stadtamhof hat es schon gegeben, mit Anwohnern und Geschäftsleuten, die ihre Stimmung angesichts der aktuellen Situation geschildert haben. Gespräche mit dem Wirt, Autor und Unikum Martin Stein über die Lage der Gastroszene. Ein Feature mit einer Krankenschwester aus New York. Und den wöchentlichen „Brooklyn Report“ mit seinem Bruder Greg.

Lederway spricht mit einem Regensburger, der wegen einer Lungenkrankheit die meiste Zeit in Selbstquarantäne verbringen muss. Und mit dem Psychologen Gerhard Hecht plant er eine regelmäßige Sendung, bei der Zuhörer live anrufen können. „Das wird unser Regensburger Domian“, lacht Kermit.

Alles außer „Fuck“

Radioerfahrung hat Adam Lederway schon früh gemacht. Als Kind hat ihn sein Vater öfter in den Sender mitgenommen, wo er über 30 Jahre lang eine regelmäßige Klassik-Sendung gemacht hat. 1997 saß Lederway dann selbst bei einem Community Sender in Stony Brook am Mikro, plauderte in seiner Show „Duck Soup“ und legte auf.

Old School und immer auf der Suche nach Schmankerln in der gewaltigen Plattensammlung des Senders. „Alles war erlaubt, außer ‘Fuck’ zu sagen.“ Und auch bei der Auswahl seiner Musik musste Lederway darauf achten, nicht gegen die „Decency Standards“ der F.C.C., der Federal Communications Commission, zu verstoßen. „Das hat nicht immer unbedingt geklappt.“

Persönlich statt perfekt

Der Name Ghost Town Radio ist – neben der ersten Eingebung, als er aus dem Fenster auf die verwaisten Straßen Regensburgs in Corona-Zeiten hinunter geschaut hat – auch eine Reminiszenz an Ghost Town Noize, ein hiesiges Plattenlabel, unter dem sich Regensburger Bands zusammengetan haben. Dieses Woche soll es nun auch eine eigene Show ausschließlich mit Regensburger Musik geben. „Ich bin gespannt, ob das etwas wird. Aber das gehört bei einem Regensburger Radio einfach dazu.“

„Es gibt so viele interessante Leute, mit denen man was machen kann.“ Foto: Anna Artmann

Es gehe ohnehin nicht darum, perfekt zu sein, sagt Lederway. „Es soll Spaß machen und persönlich sein.“ Eine Plattform für alles mögliche, was es so abseits des Mainstreams gebe. „Man kann was lernen, man kann reden oder einfach nur Musik hören.“ Und mitmachen könne im Grunde jeder, der eine Idee habe. „Einfach Regensburg pur.“ Kermit wird auf jeden Fall dabei sein und die Zuhörerinnen und Zuhörer zum Applaus auffordern.

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