SOZIALES SCHAUFENSTER

Glück oder Vorsorge?

Todeszahlen, Auskunftsverweigerung und die Angst vor dem “Corona-Pranger”

Während Ministerpräsident Markus Söder pünktlich zum Muttertag an die Mütter und Omis denkt, und als gönnerhafter Landesvater das Besuchsverbot für Altenheime abmildert, finden die hohen Infektionszahlen und COVID 19-Opfer in den Seniorenheimen kaum eine angemessene Beachtung. Die bayerischen Landkreise und Städte mit hohen Fallzahlen haben durchgängig alle massive Probleme und Tote in mehreren Seniorenheimen. Wie kann man diese Zusammenhänge empirisch fassen oder zumindest beschreiben? Die Probleme beginnen damit, dass die meisten Kreisbehörden, die im Zuge dieser Recherche angeschrieben wurden, sich weigerten, amtlich erfasste Zahlen herauszugeben. Der Versuch einer Problembeschreibung.

Behandlung einer Covid 19-Patientin. Überproportional betroffen sind die Bewohnerinnen und Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen. Foto: Wikimedia Commons

„Ministerpräsident Söder zeigt sich zum Muttertag als Gönner. Und wir von der Heimleitung sollen die Besuche von Angehörigen jetzt irgendwie auf die Schnelle hinbekommen und auch die möglichen Folgen voll und ganz verantworten.“ Der Leiter der Pflegeeinrichtung ist offenkundig verärgert. Und mit seinem Unmut ist er nicht allein. Sein Name und der seiner Einrichtung sollen hier nicht genannt werden. Offene, zitierfähige Gespräche zu führen, oder schriftliche Auskünfte zu amtlichen Zahlen zu bekommen, ist zu Corona-Zeiten alles andere als einfach. Eine Erfahrung, die diese Recherche wie ein roter Faden durchzieht.

„Spiel auf Leben und Tod“

Ab heute, spätestens zum Muttertag, soll das absolute Besuchsverbot in Bayern gelockert werden. Bewohner von Alten- und Pflegeheimen dürfen dann im Zwanzig-Minuten-Takt von je einem ihrer Angehörigen wieder besucht werden. Es sei ihm wichtig, für den Muttertag wieder Besuchsmöglichkeiten für Mütter und Großmütter zu schaffen, hatte Ministerpräsident Markus Söder in diesem Zusammenhang bereits einige Tage zuvor geäußert. Der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) hingegen, der eigenen Angaben zufolge die „namhaftesten und umsatzstärksten Unternehmensgruppen der deutschen Pflegewirtschaft vertritt“ und seine Pflegeheime als sehr sichere Orte für alte und mehrfach erkrankte Menschen betrachtet, warnte in diesem Zusammenhang vor einem „Spiel auf Leben und Tod“.

Auch in anderen Bundesländern werden die kurzfristig angekündigten Lockerungen kritisch gesehen. “Viele Heime können in der Kürze der Zeit gar keine entsprechenden Hygienekonzepte umsetzen”, erklärte etwa Christian Woltering, Geschäftsführer beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Nordrhein-Westfalen, gegenüber dem WDR.

Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie waren folgenschwere Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen bekannt geworden. Infektionen, die für Schlagzeilen sorgten und die Todeszahlen in die Höhe trieben. Zum Beispiel in Würzburg, wo derzeit laut einem aktuellen Bericht des Münchner Merkur allein in einer Einrichtung der Bürgerspitalstiftung 22 Menschen an und mit einer COVID-19 Infektion starben, und es zwölf weitere Tote in einer Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gab. Die dortige Staatsanwaltschaft hat von Amts wegen Vorermittlungen wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung oder fahrlässige Körperverletzung aufgenommen.

„Keine Toten in Regensburger Heimen“

In Regensburg ist dieser Kelch bislang an den Heimen vorüber gegangen. Laut Auskunft des hiesigen Landratsamtes vom letzten Sonntag gab es in den Regensburger Seniorenheimen bislang keinen Bewohner und keine Bewohnerin, die positiv auf COVID-19 getestet wurde oder in der Folge einer solchen Infektion gestorben sei. Nur sechs dort tätige Personen, die in fünf der Regensburger Heime arbeiten, seien laut Pressestelle des Landkreises positiv getestet worden.

Ganz anders die Situation etwa in Straubing. Dort wurden nach Auskunft der städtischen Pressestelle nach umfangreichen Tests in Altenheimen 104 Bewohner und 50 Mitarbeiter positiv auf COVID-19 getestet. Doch nicht nur die Anzahl der in Straubing positiv Getesteten sticht ins Auge, auch die der zu beklagenden Toten. Laut Auskunft der Stadt Straubing wurden „insgesamt 41 Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion registriert, davon entfallen 28 auf Heimbewohner“.

Heime in Regensburg waren mit Schutzmaterial versorgt

Die Frage nach den Ursachen für diese gravierenden regionalen Unterschiede kann derzeit niemand mit gesicherten Erkenntnissen oder gar abschließend beantworten. Ob die für alle bayerischen Heime gleichermaßen geltenden Hygienevorschriften überall gleich konsequent und fachkundig umgesetzt werden, ist bislang nicht bekannt.

Es ist für regelmäßige Besucher diverser Altenheime eine Binsenweisheit, dass eine dauernd unterbesetzte Einrichtung mit starker Personalfluktuation und einem hohen Anteil an angelernten Hilfskräften die gelten Vorschriften und Standards schlechter umsetzt, als gut aufgestellte Einrichtungen. Oder hatte man in Regensburger Heimen einfach auch nur Glück, wie aus dem hiesigen Gesundheitsamt zu hören war?

Relevant dürfte auch die Frage sein, ob es in den Regensburger Heimen eine bessere Vorbereitung für das grassierende Corona-Virus gab. Dass der immer wieder beklagte Mangel an Schutzausrüstung zumindest im Regensburger Stadtgebiet nicht so drastisch war, wie andernorts, darauf deutet zumindest eine Auskunft der städtischen Pressestelle vom 29. März hin. Koordiniert über die Heimaufsicht und die Führungsgruppe Katastrophenschutz seien die Heime „aktuell“ mit Schutzausrüstung versorgt, hieß es.

Bayern: 37 Prozent der Toten waren Heimbewohner

Doch wie ist die Situation in Altenheimen anderer bayerischer Kreise und Städte? Nach Auskunft des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) gibt es in ganz Bayern mindestens knapp 3.200 COVID-19-Infizierte, die in Altenheimen und anderen Massenunterkünften untergebracht sind und von den örtlichen Gesundheitsämtern gemäß § 36 Infektionsschutzgesetz als COVID-19-Fälle erfasst wurden (Stand 7. Mai).

Die Zahl der vormals in bayerischen Heimen untergebrachten und an/mit COVID-19-Infektion Verstorbenen beträgt laut Landesamt 771 Menschen. Dies entspricht etwa 37 Prozent der bayernweit gemeldeten Toten (Stand 7. Mai: 2071).

Heime sind gefährliche Orte

Bemerkenswerterweise gleicht der Anteil der in Bayern an/mit COVID-19-Infektion verstorbenen Heimbewohner dem bundesweiten – auch in ganz Deutschland stammen mindestens 37 Prozent der Toten aus Heimen und Massenunterkünften (wieder erfasst gemäß § 36 IfSG).

Der Vergleich Bayern-Bund legt den Schluss nahe, dass die hohe Infektionsrate in Heimen vor allem an länderübergreifenden strukturellen Faktoren liegt und die Heime, anders als der oben zitierte Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) glauben machen möchte, eben keine sicheren, sondern statistisch gesehen gefährliche Orte für ihre Bewohner sind. Unabhängige Fachstellen und entsprechende Publikationen sind sich bezüglich des erhöhten Infektionsrisikos in Heimen einig.

Tirschenreuth toppt Italien um ein Vielfaches

Blickt man auf die vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) täglich für Kreise und kreisfreie Städte veröffentlichten Zahlen für Neuinfektionen und an/mit COVID-19-Infektion Verstorbene, gibt es bekanntlich große Unterschiede. Trauriger Spitzenreiter ist weiterhin der Landkreis Tirschenreuth mit seinen 126 Toten (Stand 8. Mai). Aussagekräftiger und leichter einzuordnen sind diese Corona-Toten, wenn man sie ins Verhältnis zur Einwohnerzahl setzt: je 100.000 Einwohner sterben im Landkreis Tirschenreuth demnach etwa 173 Männer und Frauen.

Nicht nur der Durchschnitt des berühmt gewordenen Landkreises Heinsberg, auch italienische oder spanische Mittelwerte werden so gesehen um ein Vielfaches überragt. (Hier geht es zur Johns Hopkins University, die die relativen Todeszahlen für die jeweiligen Nationen präsentiert.) Sogar die wegen ihren vielen Toten oft unrühmlich genannte norditalienische Region Lombardei mit ihren 143 Toten je 100.000 Einwohner überragt der Landkreis Tirschenreuth deutlich. Es gibt allerdings auch italienische Städte und Provinzen, deren relative Todeszahl weit über der von Tirschenreuth liegt, etwa die Provinz Bergamo (hier zum NTV-Interview mit dem Bürgermeister von Bergamo).

Ein statistisch unsicheres Fundament

Auch wenn die hier vorgestellten relativen Todeszahlen vergleichsweise verlässlich sind (worauf auch der Regensburger Jurist Henning Ernst Müller hingewiesen hat), stehen sie statistisch gesehen auf einem unsicheren Fundament. So kann etwa der Durchschnitt von kleineren Landkreisen schon durch den Tod eines Dutzends in nur einem Altenheim massiv und nicht repräsentativ ansteigen. Da die relativen Todeszahlen zudem die örtliche Altersstruktur und eine höhere Dichte von Seniorenheimen (wie sie der im Rampenlicht stehende Landkreis Rosenheim angeblich hat) nicht berücksichtigen können, geben sie die tatsächlichen Verhältnisse im Kreis nur grob und zu wenig kleinteilig wieder.

Andererseits liegt die relative Zahl der an/mit COVID-19-Infektion Verstorbenen für gewisse Orte im Landkreis Tirschenreuth derzeit nochmals deutlich höher als es der ohnehin hohe Landkreisdurchschnitt vorgibt. Etwa für die Städte Waldsassen und Erbendorf, wo laut Berichten der Zeitung Neuer Tag besonders viele Tote zu beklagen sind. Allerdings stammen die allermeisten dieser Toten wiederum aus Heimunterkünften. Laut Presseberichten wurde in Erbendorf etwa ein vom COVID-19-Virus befallenes Altenheim von der Feuerwehr komplett geräumt. Bewohner und Personal waren zuvor überwiegend positiv auf COVID-19 getestet worden.

Zwischenfazit: Die vom Bayerischen Landesamt für den Landkreis Tirschenreuth veröffentlichten Zahlen können nur ein ungenaues Bild von den tatsächlichen Verhältnissen zeichnen. Während etwa die Bedrohungssituation für die dortigen Landgemeinden unter dem bayerischen Schnitt liegen dürfte, ist Bedrohung für die Heimbewohner im Landkreis statistisch gesehen überaus hoch. Das bayerische Wissenschaftsministerium hat deshalb für den Landkreis Tirschenreuth ein Forschungsprojekt der Universität Regensburg auf den Weg gebracht, das die vorliegenden Infektionswege und die tatsächliche Dunkelziffer der COVID-19-Infektionen untersuchen soll.

Auskunftsvorbehalt des Gesundheitsministeriums?

Fragt man als Medienvertreter, wie vom Bayerischen Landesamt (LGL) vorgegeben, bei der zuständigen Tirschenreuther Behörde nach, wie viele der dortigen Todesopfer in Heimen untergebracht waren und gemäß § 36 IfSG von den Gesundheitsbehörden an das Bayerische Landesamt (LGL) gemeldet wurden, bekommt man zunächst gar keine Antwort.

Hakt man telefonisch nach, wird zwar der Eingang der Anfrage bestätigt, aber keine Auskunft gegeben. Man müsse erst beim Bayerischen Gesundheitsministerium nachfragen, ob man die amtlich von den Gesundheitsämtern erhobenen und übers LGL ans Robert-Koch-Institut übermittelten Zahlen überhaupt herausgeben dürfe, so die Erklärung des Pressesprechers.

Kaum Auffälligkeiten ohne die vielen Heimtoten?

Erneutes An- und Rückfragen beim LGL und geduldiges Abwarten blieben weiterhin ergebnislos. Aufgrund einer solchen Informations-Verhinderungs-Politik wird der Landkreis Tirschenreuth als Ganzes weiterhin am bundesweiten Corona-Pranger stehen. Zu Recht? Wegen möglicherweise vorliegenden Versäumnissen in einigen Heimen?

Nach dem derzeitigen Kenntnisstand wären die relativen Todeszahlen je 100.000 des nordoberpfälzer Kreises Tirschenreuth ohne die außerordentlichen vielen Heimtoten vermutlich nur leicht über dem bayerischen Mittel. Für die Stadt Würzburg lässt sich diese Überlegung jedenfalls belegen. Das Würzburger Mittel läge ohne ihre oben genannten 34 an/mit COVID-19-Infektion verstorben Heimbewohnern weit unter dem bayerischen Mittel von rund 16 Toten je Hunderttausend Einwohner.

Die Angst vor dem „Corona-Pranger“

Um das Verhalten der Tirschenreuther Behörden etwas einzuordnen, sei noch auf ein durchgängiges Muster hingewiesen. Bis auf die Stadt Straubing hat keiner der stark betroffenen bayerischen Landkreise bzw. der herausragenden bayerischen Städte, die von unserer Redaktion unter anderem um Mitteilung der offiziell von den Ämtern nach § 36 IfSG erhobenen Infektions- und Todeszahlen für Bewohner von Heimen und Massenunterkünften gebeten wurden, amtliche Zahlen mitgeteilt.

In teils langen Hintergrundgesprächen mit Pressesprechern wurde dies mit eher fabulös ausweichenden, aber selten mit nachvollziehbaren Ausführungen begründet. Die Angst als Kommune am Corona-Pranger zu stehen, die Befürchtung betroffene Einrichtungen und Menschen preiszugeben, oder der Unwille das grassierende Denunziantentum in den sogenannten Sozialen Medien zu füttern, herrschte dabei vor. Ob eine solche Informations-Verhinderungs-Praxis der Kreisbehörden letztlich zielführend sein kann, muss gelinde gesagt bezweifelt werden.

Die bayerische Situation hat wenig mit der Grenzlage zu tun

Ministerpräsident Markus Söder spricht seit acht Wochen von der besonderen bayerischen Situation (viel Bierfeste, zu nahe an Österreich und viele Skifahrer) und begründet damit auch die von seiner Staatskanzlei dekretierte strenge Linie. Die besondere bayerische Corona-Situation hat aber viel mit der in den Pflegeheimen zu tun und wenig mit der österreichischen Nachbarschaft.

Das besonders strenge, von der Bayerischen Staatsregierung absolutistisch dekretierte Besuchsverbot für Alten- und Seniorenheime hat die vielen Todesopfer unter den Heimbewohnern und die reichlichen Infektionen unter den in den Heimen Tätigen (über 1.500 Infizierte allein in Bayern) offensichtlich nicht verhindert.

Schonungslose Bestandsaufnahme wird verhindert

Eines hat das Besuchsverbot und die längst unglaubwürdige Rede von den besonders schutzbedürftigen Alten und Senioren, die tatsächlich in besonders gefährdeten Massenunterkünften ein- und von ihren Liebsten weggesperrt wurden, aber bewirkt: Die Verhinderung einer schonungslosen Bestandsaufnahme, die Offenlegung und Beendigung der seit vielen Jahren bekannten hygienischen und personalen Missstände in Massenunterkünften, in Alten- und Seniorenheimen, die oftmals vor allem mit einem Profitinteresse betrieben werden.

Ein viel zu großer Anteil der COVID-19-Infektionen von Bewohnern und Personal bzw. der daran und damit Verstorbenen dürfte auf die notorische Unterbesetzung, auf nur angelerntes und oft gestresstes Personal und vor allem auf die immer noch mangelhafte Schutzausrüstung für Alten- und Pflegeheime zurückzuführen sein.

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Kommentare (22)

  • Mr. T.

    |

    Söder hat sich da bei Trump abgeschaut, wie man das am besten macht. Er lockert das Besuchsverbot und schiebt die Verantwortung den Heimleitungen zu. Dort darf man sich dann ein Hygienekonzept aus den Fingern saugen. Ist es zu locker und führt es zu Infektionen, ist die Heimleitung schuld. Ist es zu streng, lassen die Besucher ihre Wut an der Heimleitung aus. Nur Söder steht in jedem Fall gut da.
    Dass in der Pflege was schief läuft, ist jetzt mehr als offensichtlich.

  • R.G.

    |

    @Pflegewissenschaft

    Ekelhaft, mit welcher Vehemenz und Penetranz auf die meisten alten Menschen und ihre Angehörigen eingewirkt wird, eine Patientenverfügung zu verfassen mit dem angeblich eigenen “Wunsch”, nicht intensivmedizinisch behandelt zu werden.
    Es zeugte von gefährlicher Verrohung eines Systems, wenn es nach Wochen des Besuchsverbots und weiterer unmenschlicher Einschränkungen, statt ehrlich nachzudenken, wie man das Leben für unsere Senioren wieder menschengerecht gestalten und ihnen Zugang zu Licht, Luft und Sonne sowie ausreichender Betreuung ermöglichen könne, bloß weiter Druck auf sie aufbaute, gerne durch mehrmalige “Beratung”, für Euthanasie zu unterschreiben.

    Wohin uns ein gewinnorienter Umgang mit Pflegebedürftigen führen kann, sehen wir jetzt an mehreren Auswüchsen.

  • Otmar Spirk

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    Eine ausgezeichnete Recherche .
    Die angebliche ,Fürsorge’ der Staatsregierung war schon vor Corona nicht da, da war und ist seit x Jahren dort der Pflegenotstand, also das Gegenteil von Fürsorge. Hinzu kommt schon immer die Entmündigung der HeimbewohnerInnen, die ich bei meiner Tätigkeit als Berufsbetreuer als absolut ausgeliefert erlebt habe, wenn sie nicht engagierte Angehörige oder Betreuer hatten.
    Die Alten ungefragt ohne Kontaktmöglichkeit einzusperren, war ein Verbrechen gegen die Menschenwürde .

  • Skyrider

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    Hervoragender Artikel und Recherche. Es gibt täglich mehr Menschen, die diese Massnahmen,immer begründet durch das Infektionsschutzgesetz ,der bayerischen Staatsregierung kritisch hinterfragen. Langsam beginnt die Fassade unseres “Machers Söder” zu bröckeln.

  • Britta

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    Stolz und glücklich, dass es noch guten Journalismus in diesem Land gibt.

  • Mr. B.

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    Liebes R-D-Team, ich bin immer wieder froh, dass sie dieses Thema immer wieder, wie kein anderes Medium aufgreifen!!!!!

    Zu Ihrem Bericht:
    “Die Verhinderung einer schonungslosen Bestandsaufnahme, die Offenlegung und Beendigung der seit vielen Jahren bekannten hygienischen und personalen Missstände in Massenunterkünften, in Alten- und Seniorenheimen, die oftmals vor allem mit einem Profitinteresse betrieben werden.”

    Vor allem beim Profitinteresse, auf Kosten der Alten und Schwachen, dass ich auch schon erlebt habe, sollten sich die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft einfach nur schämen und sonst nichts!!!
    Jahrelang wurde hier von der Politik vermutlich auf Anweisung der Unternehmer einfach nur herumgeeiert und fast nichts unternommen!!!! Hauptsache: Der Rubel rollt!!!

  • Hthik

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    @Otmar Spirk 9. Mai 2020 um 19:08

    “Eine ausgezeichnete Recherche .”

    Ja, es wird nur wohl wieder nichts nützen, siehe etwa

    “”Wir haben seit vielen Jahren schlimmste Missstände, auch Todesfälle, in Pflegeheimen gehabt – das hat niemanden richtig interessiert”, sagt Fussek. Die Hilferufe der Pflegekräfte seien klar und deutlich gewesen. ” https://www.deutschlandfunkkultur.de/pflegekritiker-fussek-zu-den-lehren-aus-der-coronapandemie.1008.de.html?dram:article_id=473777

    “Die angebliche ,Fürsorge‘ der Staatsregierung war schon vor Corona nicht da, da war und ist seit x Jahren dort der Pflegenotstand, also das Gegenteil von Fürsorge.”

    Ich erinnere an die Bemühung des Lehrstuhls Graser. Immerhin wissen wir seitdem:

    1. Es heißt korrekt “Pflegenotstand” mit Anführungszeichen.

    2. Die Gepflegten sind selbst dafür verantwortlich. Eigenverantwortung gilt auch hier, daher nochmal im Wortlaut

    “Gegenüber grundrechtswidrigen Pflegemaßnahmen ist um fachgerichtlichen Rechtsschutz zu ersuchen.”

    https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2016/01/rk20160111_1bvr298014.html

    Wie gut das funktioniert zeigt uns ja https://www.regensburg-digital.de/unterwegs-mit-einem-sterbenden/08052020/

    “Die Alten ungefragt ohne Kontaktmöglichkeit einzusperren, war ein Verbrechen gegen die Menschenwürde .”

    Was sogar besonders deutlich ist, denn sachlich ist es für den Staat von Vorteil bei der Infektionsbekämpfung, wenn jemand im Heim wohnt, weil hier Zugang und Ausgang grundsätzlich bereits kontrolliert und reglementiert sind und somit der zusätzliche Aufwand, Beschränkungen, gleich ob nach Zeit, Zahl, Abstand, Maskenpflicht etc. tatsächlich umfassend zu kontrollieren, klein ist – wenn man davon ausgeht, wie fürsorglich Heime in der Theorie sind. Tatsächlich ist der Aufwand aber höher, was darauf hinweist, dass die Theorie nicht stimmt.

  • Hthik

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    “Erneutes An- und Rückfragen beim LGL und geduldiges Abwarten blieben weiterhin ergebnislos.”

    Man muss gar kein Medienvertreter sein.

    Ich erinnere daran, dass Bayern von einer Koalition regiert wird. Der Koalitionspartner “Freie Wähler” hatte, als er noch Opposition war einen Gesetzentwurf für ein Bayerisches Informationsfreiheitsgesetz (BayIFG) eingebracht, das abgelehnt wurde. Medienvertretr oder sonstige gemeine Bürger können ja bei FW-Funktionären gerne mal nachfragen, was daraus geworden ist. Soweit mir zugetragen entspricht die Antwort dem, was man auch von der CSU, der Staatsregierung und dem Staatsministerium hört: ein BayIFG, wie vormals von den FW gefordert, ist überflüssig, da das BayDSG sogar weitergegebene Rechte einräumt.

    Wenn dem so ist, dann spricht ja nichts dagegen, sich auf den Wortlaut des Gesetzentwurfs zu berufen. Damit sind die Mühen, die sich die Abgeordneten Hubert Aiwanger, Tanja Schweiger, Florian Streibl und die Fraktion (FW) gemacht haben, nicht umsonst gewesen, siehe die Drucksache 16/3679 des Bayerischen Landtags

    https://www.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP16/Drucksachen/Basisdrucksachen/0000002000/0000002431.pdf

  • Hthik

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    Ich bitte um Verzeihung für die Rechtschreibfehler. Besser ist

    “Medienvertreter oder sonstige gemeine Bürger können ja bei FW-Funktionären gerne mal nachfragen, was daraus geworden ist. Soweit mir zugetragen entspricht die Antwort dem, was man auch von der CSU, der Staatsregierung und dem Staatsministerium hört: ein BayIFG, wie vormals von den FW gefordert, ist überflüssig, da das BayDSG sogar weitergehende Rechte einräumt.”

  • Hthik

    |

    @Mr. B. 10. Mai 2020 um 09:42

    “Vor allem beim Profitinteresse, auf Kosten der Alten und Schwachen, dass ich auch schon erlebt habe, sollten sich die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft einfach nur schämen und sonst nichts!!!”

    Dazu werden die wenig Anlass sehen, sondern das als völlig falschen Vorwurf zurückweisen. Die Unterordnung des Gesundheits- und Pflegesystems unter die Marktgesetze soll doch gerade den Pflegebedürftigen nutzen. Dadurch können sie unter vielen Anbietern denjenigen auswählen, der ihnen individuell das beste Preis/Leistungsverhältniss bietet. Das ist ganz klar. Obendrein funktioniert das eines Tages vielleicht sogar irgendwo tatsächlich mal. Das kann ich ich jedenfalls nicht absolut ausschließen. https://www.gocomics.com/tomthedancingbug/2017/06/23

  • Meikel Mayers

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    Leute…. einfach mal Ruhe geben.
    Seid einfach froh das wir, die wo das hier lesen können, bis heute überlebt haben.Was is denn bloß los mit euch? Könnt ihr einfach mal mit dem Zufrieden sein was ihr habt? Muss denn alles kritisiert…beleuchtet… recherchiert werden? Mein Gott… legt doch bitte mal eine andere Platte auf… man kann es echt nicht mehr hören

  • Hthik

    |

    @Meikel Mayers 10. Mai 2020 um 15:12

    “Könnt ihr einfach mal mit dem Zufrieden sein was ihr habt?”

    Ich hatte den Eindruck, es ging hier gar nicht um mich. Ich fühl mich nämlich noch nicht so sehr tot, noch nicht einmal pflegebedürftig.

    “Muss denn alles kritisiert…beleuchtet… recherchiert werden?”

    Nunja gut, es ist schon richtig, dass ich auch davon gehört habe, das sei hier ein Blog mit Nachrichten aus linker Perspektive und jetzt bin ich hier und Frage mich: Wo sind die Planübererfüllungszahlen? Die Berichte über die aktuelle Jugendweihe? Die Feierlichkeiten für verdiente Genossen?

    Es ist schon viel Genörgle hier. Ich setz mich jetzt mal hin und schreib eine Bitte dem Positiven mehr Raum zu geben an den Staatsratsvorsi … hmm … welches Jahr haben wir gleich wieder?

  • Wilhelm Ganz

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    @Hthik
    Vielen Dank für diesen wirklich klärenden Link😁😎

  • Jedermann

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    1a recherchiert.

  • highwayfloh

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    Meine Persönlichen Gedanken hierzu:

    Ja, es ist Aufgabe der Politik und sollte es auch vielmehr sein, dass “alles passt.” Dies ist sehr wohl ein Generalanspruch, welchem wirklich gerecht werden kann. Was man aber als “Lehre” ad hoc aus _gerade dieser Situation_ seitens der Politik ziehen sollte und auch muss(!):

    Geht _ehrlicher_ mit den Euch anvertrauten Menschen um! Seid EHRLICHER zu Ihnen und windet Euch _NICHT_ wie gewohnt in politische Floskeln usw. Genau deshalb herrscht ja – auch hierzulande – das Misstrauen gegenüber der Politik und das habt “IHR” (Berufspolitikiker/innen) Euch selbst (auf die Fahnen) zuzuschreiben, dies auch zu Recht!

  • J.H.

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    Der hohe Anteil an Toten in Pflegeheimen “im Zusammenhang mit Corona” ist typisch für die meisten westlichen Länder.

    Als einer der Gründe darf die allgemeine (oft medial verstärkte) Corona-Panik (auch bei profesionellem Pflegepersonal!) nicht unterschätzt werden. Ein krasses Beispiel ist ein Pflegeheim in Kanada: https://orf.at/stories/3162365/

    Ein Teil der Toten sind auch ungetestete “Verdachtsfälle”, man schließt dann einfach auf “Covid-19”. Z.B. meldet Belgien, dass über zwei Drittel der Pflegeheim-Toten solche Fälle sind.

    Bei uns hat auch die panische Flucht von ausländischen Pflegekräften (ausgelöst durch Lockdown und Grenzschließungen) die Unterbesetzung verstärkt.

    Und der psychologische Faktor spielt mMn auch eine Rolle: Ein Teil (ich schätze die Hälfte) der Pflegeheim-Toten ist wahrscheinlich an der plötzlichen Lebensumstellung und dem Stress, an Vereinsamung und Sinnlosigkeit, also letztlich an den drastischen Maßnahmen gestorben. Und der Rest mehr “mit” als direkt “an” Corona.

  • Robert Werner

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    @J.H.
    Woher wissen Sie denn, dass Menschen an Corona-Panik gestorben sind (und nicht an/mit COVID-19-Infektion) und wie hoch der Anteil dieser Panik-Toten sein könnte? Bitte hier keine wüsten Spekulationen verbreiten.

    Die internationalen Zahlen von COVID-19-Toten aus Pflegeheimen zu vergleichen, ist alles andere als leicht – zumal schon die vom RKI veröffentlichen deutschen Zahlen unvollständig und nicht offen zugänglich sind. Die Definition, wer als ein COVID-19-Toter gilt, ist uneinheitlich. Es gibt gravierende Unterschied zwischen den Ländern.
    Hierzu, der Link zu einer laufenden Studie:
    https://ltccovid.org/wp-content/uploads/2020/05/Mortality-associated-with-COVID-3-May-final-2.pdf

  • Queen of Suburbia

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    Weil ich an anderer Stelle mal wieder mit der rd-Berichterstattung nicht zufrieden war und so ein falscher Eindruck entstehen könnte: Zum wiederholten Mal beweisen Sie, Robert Werner, dass Sie die Kunst des genauen Hinschauens und der klaren Beschreibung beherrschen. Mitfühlender Journalismus ohne Selbstzweck oder sentimentale Heuchelei.

    Ich komme nicht immer dazu, alle Beiträge auf rd zu lesen, aber die von Robert Werner lass ich mir nur selten entgehen. Vielen Dank für Ihre oft akribische und sachkundige Recherche. Ich mag Ihren Stil.

  • J.H.

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    @ J.H.
    Bitte hier keine Diskussion über die Verhältnisse in GB, oder generelle Fragen und Probleme bei der Beatmung von COVID-19 Patienten. Es geht im Text um Bayern und Regensburg.
    Robert Werner

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