SOZIALES SCHAUFENSTER

Corona-Krise: Ski-Club entdeckt Skype-Möglichkeiten

Auf unbekannten Pfaden

Der Ski-Club Neutraubling durfte vergangene Woche ein historisches Ereignis begehen.

„Nur das Anstoßen ist geselliger.“ Quelle: Skiclub Neutraubling

Auf dem Bildschirm sind mehrere Gesichter zu sehen. Lächelnd sitzt ein Mann in seinem Stuhl. Hinter ihm stehen zahlreiche Bücher in Regalen. Mit verschränkten Armen hat es sich auch ein anderer vor dem Bildschirm bequem gemacht und ein dritter hat sich vorsichtshalber mal die Ohrenstöpsel geschnappt. Zwei Männer mit Bart sitzen mit gebotenem Sicherheitsabstand unter einer Dachschräge. Es ist der allererste Videochat des Neutraublinger Ski-Clubs – ein historisches Ereignis.

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Normalerweise treffe man sich einmal im Monat zur Vereinsausschusssitzung, meist in irgendeinem Wirtshaus, erklärt Peter Klama. „So ein Verein, gerade auch mit der Anzahl der Veranstaltungen die wir immer wieder alle zusammen auf die Beine stellen, läuft schließlich nicht von alleine.“ Dort werden Themen besprochen wie die Organisation der Veranstaltungen, Mitgliederfragen, Finanzwesen, Anfragen der Sportverbände, Presseanfragen. Was man halt so macht in einem Verein. Doch was tun, wenn Treffen außerhalb des eigenen familiären Kreises, beziehungsweise der Wohngemeinschaften nicht mehr möglich sind? Auch in Neutraubling stand man vor dieser Frage. Die Lösung war dabei schnell gefunden.

Gelungener Erstversuch

Und so wurde der Termin am 19. März kurzerhand ins Homeoffice verlegt. „Um den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden gerecht zu werden, haben wir die erste Skype-Sitzung des Vereins durchgeführt. Mit virenfreien Elektronen ging die zweieinhalbstündige Sitzung erfolgreich über die Bühne“, heißt es auf der Vereinsseite. Lediglich das Anstoßen, das natürlich auch zur Sitzung gehöre, sei bei einem persönlichen Treffen lustiger.

Für Klama hat sich dabei auch durchaus Positives gezeigt. „In der Regel sind wir zwischen sieben und neun Personen bei diesen Sitzungen. Über Skype können aber tatsächlich durchaus mehr Leute auch spontan teilnehmen.“ Ein Vereinsmitglied war sogar aus Innsbruck zugeschaltet. Weiterer netter Nebeneffekt: „Wir konnten auch Dokumente, wie die Jahresplanung, einfach auf den Bildschirm projizieren und dann alle damit arbeiten.“

Seit Monaten eine ungewohnte Zeit

Für den Ski-Club herrscht bereits seit dem Winter eine ungewohnte Zeit. „Dieses Jahr war es einfach insgesamt ein sehr schlechter Winter. Das Wetter hat nicht gepasst und dadurch hatten die Leute natürlich auch kaum Interesse an unseren Angeboten“, so Klama. Der Weihnachtsskikurs musste deshalb letzten Endes abgesagt werden. „Und auch die lange vorbereitete Saisonabschlussfahrt fiel dann genau auf das Wochenende, an dem das Coronavirus in Europa voll durchbrach.“ Somit wurde auch diese abgesagt. „Die einzige zu rechtfertigende Möglichkeit“, betont der Skifan.

Nun hofft man im Club, dass zumindest das Sommerprogramm stattfinden kann. Neben regelmäßigen Sportangeboten, wie einem wöchentlichen Outdoortraining, steht vor allem die gemeinsame Sommerradtour an Christi-Himmelfahrt an. „Die war bereits nach wenigen Stunden ausgebucht“, sagt Klama und freut sich schon jetzt darauf, wenn es dann irgendwann wieder mit den anderen Vereinsmitgliedern raus gehen kann.

Das mit dem Skypen wolle man erst einmal beibehalten und wohl auch künftig als Möglichkeit der Kommunikation beibehalten. „Doch ganz ersetzen wird es unsere persönlichen Vereinssitzungen dann doch nicht.“

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Kommentare (7)

  • Stephan F.

    |

    Bei dieser Meldung dachte ich zunächst an Satire, als Seitenhieb auf den Digitalrückstand hierzulande – Sensation: eine Videokonferenz, im Jahre 2020! Eine regionalpolitisch äußerst brisante Meldung?

    Aber für eine Satire ist es dann doch irgendwie nicht witzig genug.
    Also ist, was etliche überregionale Vereinsvorstände seit vielen Jahren wie selbstverständlich praktizieren (nämlich Telefon- und/oder Videkonferenzen) hier eine Meldung wert?

    Mich deucht, ich habe gerade einen Sack Reis umfallen gehört.

  • R.G.

    |

    @
    “ Eine regionalpolitisch äußerst brisante Meldung?“

    Nö, aber ungehemmt normal.
    Gibt ja auch Menschen, die völlig ungeniert über Cybersex oder Cyber-Gottesdienste reden.
    Oder über Virtuelles Schifahrn im Ausgeaperten.

  • highwayfloh

    |

    @Stephan F. & R.G.

    meine Persönliche Meinung zu Euren beiden Kommentaren:

    Ach hättet ihr doch besser geschwiegen. Lest Sie Euch selbst nochmals durch und erkennt dabei – hoffentlich – dass Ihr es seid, welche sich öffentlich der Lächerlichkeit preisgeben. Nichts für ungut.

  • Stephan F.

    |

    Kein Grund, hier den Anstaltswauwau zu mimen und mich zu beschimpfen, highwayfloh!

    Ich schätze RD sehr, diese Wertschätzung gebe ich sowohl als verbales Lob als auch als Monat für Monat pekuniär in Form meiner „Abo-Gebühr“ an das Team zurück.
    Aber ich finde es auch wichtig, mal ein kritisches Feedback zu einem belanglosen bzw. weniger gelungenen Artikel geben zu dürfen.

  • Michael Bothner

    |

    Ich kann durchaus verstehen warum dieser von mir verfasste Artikel unwichtig erscheinen mag. Zwei Dinge seien jedoch ergänzt. Zum einen schien es uns in der Redaktion eine nette kleine Geschichte aus dem Alltag mancher Menschen zu sein, die durchaus einen humoristischen Aspekt enthält.

    Zum anderen stehen aber Vereine derzeit tatsächlich vor großen Herausforderungen, da etwa rechtlich notwendige Mitgliederversammlungen nicht abgehalten werden können, diese im Vereinsrecht jedoch ausdricklich gefordert und für die Gemeinnützigkeit eines Vereins auch zwingend notwendig sind. Der Gesetzgeber hat nun reagiert und vorübergehend die Bedingungen für diese Treffen gelockert – sie sind nun auch online möglich.

    Mit der neuen Nutzung von bereits lange vorhandenen technischen Möglichkeiten zeigt sich eben die derzeitige Situation in den Vereinen. Das hätte im Artikel erwähnt werden können, hätte aber auch den Charakter des Textes ein wenig verändert.

  • R.G.

    |

    Ach Herr Bothner, Sie haben schon vor Corona gegen die Regel verstoßen, die da lautet: Immer bierernst, muffelig, elitär und ereignisschwer!

  • Stephan F.

    |

    Hallo Michael,
    für Sitzungen von Vereinsausschüssen oder Vereinsvorständen waren auch vor Corona schon Telefon- oder Videokonferenzen völlig unproblematisch.
    Von einer ordentlichen Mitgliederversammlung war hingegen im Text des Artikels keine Rede.
    Sorry wenn das jetzt kleinlich klingt, aber wenn der Artikel einen Mehrwert für Vereine bieten sollte, dann darf er ruhig diesbezüglich auch etwas Substanz mitbringen.
    Den humoristischen Aspekt habe ich durchaus gewürdigt, wenn auch möglicherweise nicht im Sinne des Verfassers…. ;-)
    LG!

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