SOZIALES SCHAUFENSTER

Erneute Debatte um Betretungsverbot

Jahninsel und Gries: Stadt bleibt Lösung schuldig

Eigentlich ging es bei der Sitzung des Jugendhilfeausschusses um die kürzlich durchgeführte Jugendbefragung der Stadt Regensburg. Diskutiert wurde dann aber erneut hauptsächlich über das Betretungsverbot für Jahninsel und Grieser Spitz. Versprochene Alternativen präsentiert die Stadtspitze trotz anderslautender Zusagen bislang nicht.

„Ich will die Abschaffung des Betretungsverbots. Und zwar sofort.“ Die Diskussion im Jugendhilfeausschuss läuft schon eine Weile. Brücke-Fraktionschef Joachim Wolbergs macht aus seiner Position kein Geheimnis. Am Donnerstagnachmittag steht die kürzlich durchgeführte Jugendbefragung der Stadt auf der Tagesordnung. Das große Thema in der Debatte von Stadträten und Vertreterinnen und Vertretern von Jugendorganisationen ist aber wieder einmal das von der Koalition im Sommer 2020 beschlossene Betretungsverbot auf der Jahninsel und dem Grieser Spitz.

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„Völlig sinnfreie Untersuchung“ ohne Ergebnis

Fordert eine Aufhebung des Verbots: Joachim Wolbergs.

Wolbergs zeigt sich verwundert darüber, dass dem Ausschuss keine Alternativen für die beiden umstrittenen Grünanlagen präsentiert werden. Schließlich sei das in der Planungsausschusssitzung Mitte April angekündigt worden. Dort habe man auch schon vergeblich auf Vorschläge gehofft, allerdings sei da lediglich das (ernüchternde) „Ergebnis einer völlig sinnfreien Untersuchung“ vorgestellt worden, so der Brücke-Chef.

Zur Chronologie: Im Sommer verabschiedete der Ferienausschuss eine Änderung der Grünanlagensatzung, die in den Frühjahrs- und Sommermonaten ein nächtliches Betretungsverbot von Jahninsel und Grieser Spitz vorsieht. Die Regelung ist zunächst bis Ende Oktober 2021 befristet. Außerdem darf in allen städtischen Grünanlagen keine „elektronisch verstärkte Musik“ abgespielt werden. Unbefristet.

Im November 2020 beauftragte die Koalition per Antrag die Verwaltung, Flächen im Stadtgebiet zu prüfen, „die sich als Partywiese bzw. Festivalgelände eignen“. Im Verwaltungsausschuss im Dezember strich man den Begriff „Partywiese“ wieder. Es gehe bei dem zu findenden Gelände nicht um einen Ersatz für Jahninsel und Grieser Spitz, so Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer damals. Überhaupt ist die Koalition bemüht klarzustellen, dass eine Verknüpfung der Themen Festivalfläche und Partywiese nicht bestünde.

Festivalfläche, Partywiese – beides, gar nichts oder was?

Bürgermeisterin Astrid Freudenstein sieht außer Räumungen keine Alternative zum Betretungsverbot. Foto: Stadt Regensburg/Peter Ferstl

Doch nicht nur der ursprüngliche Antrag, sondern auch Äußerungen von Bürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein im November stellen diesen Zusammenhang explizit her. Die CSU-Politikerin wollte über die Wintermonate Flächen finden, auf denen Jugendliche auch mal laut sein können.

Obwohl der Begriff „Partywiese“ per Abstimmung eigentlich aus dem Antrag getilgt wurde, tauchte er dann im Verwaltungsbericht „Flächen zum Feiern“ Mitte April dieses Jahres wieder auf. Das Zwischenergebnis der Prüfung: „Nahezu alle Flächen im Regensburger Stadtgebiet“ seien als Festivalgelände beziehungsweise Partywiese ungeeignet. Allenfalls im Stadtosten gebe es vielleicht noch näher zu prüfende Möglichkeiten.

Im Verwaltungsbericht zu dezentralen Veranstaltungsorten im Corona-Sommer 2021, der Ende April im Verwaltungsausschuss vorgestellt wurde, heißt es:

„Der Stadt Regensburg ist an einer weitergehenden Lösung auch im Interesse der Jugendlichen und jungen Erwachsenen gelegen und wird dies auch im Rahmen der Vorstellung der Ergebnisse der Jugendbefragung im nächsten Jugendhilfeausschuss adressieren.“

Eine etwaige Lösung bleiben Stadtspitze und -verwaltung jedoch schuldig. Trotz Ankündigung gibt es bis heute keine Alternativvorschläge.

Freudenstein: Betretungsverbot oder Räumungen

Die einzige Alternative zum Betretungsverbot auf Jahninsel und Grieser Spitz, die Freudenstein am Donnerstag vorbringt: Räumungen. 30 davon habe es im Corona-Jahr 2020 gegeben. Würde das Verbot aufgehoben, müsste eben wieder polizeilich geräumt werden, so die Jugendbürgermeisterin. Bis 23 Uhr dürfe man sich dort ja aufhalten und nachts gelte nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz die Nachtruhe.

Es sei „ein Schlag ins Gesicht von jungen Leuten“, so Wolbergs, wenn man ihnen trotz Clubschließungen und Corona-Frust den nächtlichen Aufenthalt auf den beiden Grünanlagen verbiete, zumal bei den „Riesenprogrammen“, die man angekündigt habe „null“ rauskomme. Man rede lediglich über Festivalgelände, „um die es überhaupt nicht ging“.

Artinger: „völlig sinnfreie Phantomdiskussion“

Ludwig Artinger: “Klare Regelung statt Gummiparagraphen.” Foto: Archiv/Stadt Regensburg

Bürgermeister Ludwig Artinger, der eigens zu diesem Tagesordnungspunkt gekommen ist, lässt Wolbergs’ Kritik nicht gelten. Man habe das Betretungsverbot nun schon „bis zum Abwinken rauf und runter diskutiert“. Als „guter Demokrat“ müsse man eine Entscheidung auch mal akzeptieren. Nun abermals über das Verbot zu reden, sei gerade aktuell eine „völlig sinnfreie Phantomdiskussion“. Man habe derzeit Inzidenzen von 100 bis 200, da sei nachts sowieso „Schicht im Schacht“. Unabhängig von Corona-Regelungen: Man habe auch bisher nicht „um zwölf Uhr laut grölend bumm bumm oder sonst was da bewegen dürfen.“ Das sei „sowieso verboten“. Das jetzige Verbot helfe, um bisherigen Vollzugsproblemen aus dem Weg zu gehen.

Auch für andere Ausschussmitglieder ist die Diskussion um Jahninsel und Grieser Spitz noch nicht beendet. Anna Gmeiner (Gewerkschaftsjugend) appelliert, noch einmal über das Verbot nachzudenken. Auch Grünen-Stadträtin Theresa Eberlein sieht es gerade in der Pandemiezeit als ein schlechtes Signal. Junge Menschen würden dadurch verleitet, sich zuhause statt draußen zu treffen. Detlef Staude (Stadtjugendring) schlägt vor, das Verbot probeweise früher auszusetzen und etwa mit einem „Nachtbürgermeister“ zu versuchen, die jeweiligen Nächte zu begleiten. Da könne jeder Stadtrat mal eine Schicht übernehmen.

Altstadt und Jahninsel sind bei der Jugend beliebt

Das Thema wird im Jugendhilfeausschuss unter dem eigentlichen Tagesordnungspunkt „Jugendbefragung 2021“ verhandelt. Eben auch, weil die Stadt keine Lösungen präsentiert. Denn auch in der Befragung, die zwischen dem 12. März und 7. April online durchgeführt wurde, ist dieser Aspekt zentral. Die Stadt fragte Jugendliche (im Alter zwischen 14 und 27) nach ihrem Corona-Jahr, Treffpunkten im Freien und persönlichen Lebensumständen (hier komplett als PDF).

Auszug aus der Jugendbefragung.

Die Befragung sei nicht repräsentativ, so Sozialplanerin Agnes Schiele bei der Vorstellung der Ergebnisse. 1.043 Personen hätten jedoch teilgenommen, was durchaus ein „Stimmungsbild“ darstelle, ergänzt Freudenstein. So sind neben Altstadtplätzen (64 Prozent) vor allem Jahninsel (54 Prozent) und Grieser Spitz (40 Prozent) als Treffpunkte im Freien überaus beliebt. Als Festivalorte können sich viele den Dultplatz (56 Prozent), den Uni-Campus (45 Prozent) oder städtische Parks (42 Prozent) besonderes gut vorstellen.

Beschränkungen machen fast allen zu schaffen

Fast 84 Prozent der Teilnehmenden macht es zu schaffen, während der Corona-Pandemie Freundinnen und Freunde nicht in Gruppen treffen zu können. Auch dass sie ihren Hobbys nicht nachgehen (69 Prozent) und keine Events besuchen (68 Prozent) könnten, beklagen die jungen Leute. Ebenso die Ausgangsbeschränkungen generell (66 Prozent).

Was bei der Befragung allgemein auffällt: Es haben hauptsächlich Studierende und Personen mit hohen Bildungsabschlüssen teilgenommen, die überwiegend in der Altstadt, im Westen oder dem Stadtsüden wohnen. Die Alterskohorten von 18 bis 23 sind deutlich überrepräsentiert.

 

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Kommentare (46)

  • Mr. T.

    |

    Kommentar gelöscht. Bitte sachlich bleiben.

  • Skyrider

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    ” Allenfalls im Stadtosten gebe es vielleicht noch näher zu prüfende Möglichkeiten”

    Ich vermute mal, hier wird die Fläche ums Pürkelgut ins Auge gefasst. Ich vermute mal weiter, Hr. Kittel soll hier mit ins Boot geholt werden. Eine Vorgehensweise, die mich aufgrund der “Parteizugehörigkeit” von Fr. Dr. Freudenstein, ihres Zeichens “Jugendbürgermeisterin”, nicht wirklich verwundert. Nach solch einer Aussage, sollte jeder Jugendliche in Regensburg für sich entscheiden, ob er sich von solch einer “Jugendbürgermeisterin” überhaupt vertreten fühlt.

  • R.G.

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    Ich würde eine Solidaritäts – Rollator Demo vorschlagen.
    Senioren für die Jugend!
    Wenn ich dran denke, wie sich meine Eltern im Alter, sobald man die schwungvolle Musik spielte, bei der sie sich anlässlich eines Ausflugs kennengernt hatten, immer wieder neu ineinander verliebten und Händchen hielten!
    Gönnt es der Jugend, in Maßen und mit Grenzen fröhlich sein zu dürfen, so wie ihr es wart!
    Mit Rollatoren kann man Riesenbäume transportieren und hoffentlich auch Politikerherzen erweichen.
    Seht unter “Maibaum mit Rollator transportiert” in der Bildersuche.

  • R.G.

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    Herr Artinger, Sie als letzter eleganter Herr eines Provinzgroßstadtnestes haben mich unerwartet enttäuscht.
    Hätten Sie nicht, anlässlich Ihrer Rede, die die Hoffnung der Jugend auf ein wenig nächtliches Sitzen und Frohsein in den beliebtesten Grünflächen in diesem Sommer,
    mit zu Grabe trug, wie bei einem “pompe funèbre” in angemessener Kleidung erscheinen können?
    DAS wäre Stil.

  • HossaNova

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    Mr T: „ Die sitzen hier einfach nur zusammen und haben Spaß mit Bier und Brotzeit. “

    Sie scheinen hier nur zu schreiben, ohne die realen Umstände aber zu kennen uns die Vorgeschichte, in welche Richtung sich das alles entwickelt hat in den letzten zwei bis drei Jahren. Oder muss man Ihnen gar unterstellen, Sie wären vom gleichen Schlag der Eskalierer, die eine vormals studentisch, gemütliche Situation durch blanken Egoismus zu einer Saufspiel-, Müll-, Kotz- und Aggro-Orgie gemacht haben?

    Sie betreiben hier ebenso Framing, nur in eine andere Richtung.

    Es braucht da eine Lösung, das Verbot ist keine. Aber Jahninsel und Grieser Spitz gehört uns allen, das lasse wir uns als Bürger dieser Stadt von ein paar Unverbesserlichen nicht nehmen. Wer sich buchstäblich asozial verhält, macht all das einfach kaputt und alle müssen darunter leiden.

    Sie scheinen selbst dort nie Ihre Freizeit verbracht zu haben in den letzten zwei Jahren. Die Eskalation hat sich da außerdem schon vor Corona abgezeichnet, Corona ist wie an so vielen Stellen nur das Brennglas, das unsere gesellschaftlichen Probleme nun eindeutiger erkennen lässt.

    Weg mit dem Verbot, aber auch ganz eindeutige Ansagen, dass solche Eskalationen und Besäufnisse von ein paar wenigen dort nicht mehr geduldet werden.

  • R.G.

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    “Weg mit dem Verbot, aber auch ganz eindeutige Ansagen, dass solche Eskalationen und Besäufnisse von ein paar wenigen dort nicht mehr geduldet werden.”

    Bestehende und ausreichende Gesetze zu kontrollieren, hätte auch den Großteil der Jugend geschützt vor ihr selbst unangenehmen Entwicklungen.
    Partys durch Social Media Aufrufe, wo Auswärtige ausschließlich zum besinnungslosen Wettsaufen gerufen werden, weiß man sonst, wenn man es will, sehr gut zu unterbinden.

    Herr Wolbergs, zukunftsgewandt, in Verantwortung für die Jugend – in der Rolle sind sie richtig!

  • Ginger

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    Man kann auch übertreiben. Wieviel Tage von 365 im Jahr gibt es eigentlich, wo man sich an der Donau aufhalten kann? Die paar Tage sollte man genießen, der Rest ist Schlechtwetter Regen-Nebel-Schnee-Eis-Wind-Hochwasser. Last doch die jungen Leute ihren Spaß. Wichtig ist, dass jeder nach der Fete wieder alles aufräumt. Das kann man doch lernen? Wenn die Stadt dann noch ein schmuckes Clo hinstellt wird’s schon klappen. Verbote gibts bereits genug.

  • Charlotte

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    Die Nachtruhe gilt selbstverständlich und eigentlich bereits ab 22.00 Uhr auch in den Grünanlagen und in Wohngebieten sowieso. Was auch sonst? Wer das allen Ernstes immer noch in Frage stellt, sollte sein Stadtratsmandat zurückgeben oder einfach mal im Gesetz nachlesen. Ist ja nicht so schwer.

    Es ist der Verdienst der jetzigen Koalition, dass das Problem der Ruhestörungen endlich angegangen wurde. Und das hat nichts mit Corona zu tun, seit Jahren hat das ein Ausmaß angenommen, das nicht mehr akzeptabel ist.

    Und natürlich, die Gesetze zur Vermeidung von Ruhestörungen gelten für alle Bürger und auch das sollte aus Respekt und Solidarität allen gegenüber selbstverständlich sein.

    Die Umfrage ist nicht repräsentativ und es drängt sich sehr der Verdacht auf, dass vielleicht mal wieder eine Minderheit sehr lautstark ihre Meinung durchdrücken will. Das heißt aber überhaupt nicht, dass sie auch automatisch recht hat. Ganz im Gegenteil, wer laut schreit, liegt meist sehr daneben.

    Gar nicht verwunderlich finde ich den Hinweis von RD:

    …Was bei der Befragung allgemein auffällt: Es haben hauptsächlich Studierende und Personen mit hohen Bildungsabschlüssen teilgenommen, die überwiegend in der Altstadt, im Westen oder dem Stadtsüden wohnen. Die Alterskohorten von 18 bis 23 sind deutlich überrepräsentiert…

    Kein Wunder: die Mitglieder der Jusos, grünen Jugend, jungen Liberalen und weiteren Jugendverbände haben selbstverständlich alle ihre Mitglieder aktiviert. Wie schon im Artikel erwähnt: nicht repräsentativ.

  • Tom J

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    Hier wurden unter dem Deckmantel der Pamdemie und weit vor den nächsten Wahlen knallhart Fakten geschaffen. Und – tatsächlich – es gibt in Regensburg keine geeigneten Flächen?! Wo hätten diese auch sein sollen. Die Studenten und Jugendlichen in Regensburg sollen gefälligst die überteuerte Mieten bezahlen, sollte dann noch was vom Geld übrig sein dieses bitte in der Gastronomie ausgeben und nach 22 Uhr sich unauffällig nach Hause begeben. Schließlich haben die Altstadtbewohner so viel für die Wohnung ausgegeben, dass sie eine ruhige Altstadt ja wohl erwarten dürfen….
    Da geisterte doch noch ein anderes Wort während Corona durch die Medien – stimmt – Solidarität! Sollten sich nicht die Jungen solidarisch verhalten? Evtl wäre jetzt ein guter Zeitpunkt für die Älteren etwas mehr Solidarität und Verständnis zu zeigen….

  • Hartnäckig

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    Kommentar gelöscht. Danke, aber wir kümmern uns um die Moderation des Forums.

  • Piedro

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    @Charlotte
    Stimmt, die Umfrage war nicht repräsentativ. Deshalb muss das Ergebnis nicht unbedingt die Meinung einer Minderheit spiegeln. Oder meinen Sie – aufgrund welcher Erhebung? – die Mehrheit zu vertreten?

    Sie unterstellen, Stadträte würden die bestehenden Regelungen zur Nachtruhe in Frage stellen. Wer macht denn das, außer der Stadtregierung(en) selbst, ihre so gelobte Koalition, die diese Regelungen nicht durchgesetzt hat und jetzt meint den einfacheren Weg gehen zu dürfen und ein generelles Betretungsverbot verhängt?

    Ich war ja noch nicht oft in Regensburg, aber mei, die Lärmbelästigung in der spätabendlichen/frühnächtlichen Altstadt ist mir nicht entgangen. Hier könnte ein Betretungsverbot durchaus Abhilfe schaffen. Ob die gerühmte Koalition das schon mal angedacht hat? Immerhin geht hier die Lärm- und Müllbelästigung nicht mal von Einwohnern aus. Vermutlich nicht.

    Auch die Suche nach “Partywiesen” und “Festivalwiesen” ist eine Nebelkerze im Disput um das Betretungsverbot. Weder gegen das eine, noch das andere gäbe es etwas einzuwenden, aber das wäre keine Alternative zu der Selbstverständlichkeit, sich im öffentlichen Stadtbereich treffen und aufhalten zu dürfen. Dieses Recht besteht grundsätzlich, sogar für “die Jugend”, zu der in Regensburg offenbar alle Menschen zählen, die weniger als zwanzig Jahre von der Altersrente entfernt sind.

    Ja, Sie haben natürlich Recht, dieses Recht schließt keine nächtliche Lärmbelästigung ein, auch nicht die Vermüllung des öffentlichen Raums. Dem ist entgegen zu wirken, mit den vorhandenen und gebotenen Mitteln. Die Kapitulation vor dieser Pflicht ist kein “Verdienst”, das ist schlicht erbärmlich, und lässt sich nicht mit Generalverboten schönreden und kaschieren, geschweige denn rechtfertigen. Nicht für eine demokratische Mehrheit, darauf wette ich. Andernfalls hätte die Stadt wohl schon eine repräsentative Erhebung in die Wege geleitet, damit a Rua is.

  • Mr. B.

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    Bei vielen scheint es eben so zu sein, dass seit vielen Jahren die Bubis und Madln, egal aus welcher Schicht, einfach auch zu Hause nicht mehr gelernt haben, wie man sich in d. Öffentlichkeit verhält. Erst ist erst mal fast alles erlaubt und dann wundert nan sich, wenn alles vermüllt zurückbleibt!

  • HossaNova

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    @Ginger: Keiner räumt Erbrochenes am am Spielplatz oder Scherben am Bolzplatz auf, geschweige denn den Müll an sich. Wie Sie das bei dieser Ignoranz der Eskalierenden lehren und durchsetzen wollen, ist mehr als fraglich wenn dort mehrere hundert Personen feiern und die Insel gut ausgeknockt zwischen 02:00 und 03:00 verlassen. Wollen Sie da einen Einsatzzug der Polizei positionieren, oder wie sähe das Belehren aus? Außerdem ist das kein Phänomen der sehr warmen Tage, sondern setzt auch schon ab recht milden Temperaturen ein. Sie können sich dieses Wochenende gerne davon überzeugen.

  • Mr. T.

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    Kommentar gelöscht. Bitte sachlicher.

  • john congleton

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    Kommentar gelöscht. Kein Getrolle. Nutzer gesperrt.

  • R.G.

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    @Hossa Nova
    Als ich für meinen ersten Kurs auswärts musste, kontrollierte die Polizei täglich mehrmals die bei den Jugendlichen beliebten Grünanlagen der dortigen Altstadt. Drogenexzesse, Raub, Belästigung oder Vergewaltigung von Mädchen hatten sich gehäuft. Man musste hart durchgreifen.
    Nach einigen Monaten intensiver Bestreifung war die Lage so beruhigt, dass man, wenn man den letzten Bus versäumt hatte, nachts auf der Stadtmauer schlafen konnte, ohne irgendwie schlimm behelligt zu werden. Während bekannte Störenfriede von den Beamten des Platzes verwiesen wurden, ließen sie die Angepassteren in Frieden.
    Man muss Grenzen aufzeigen, kontrollieren wollen und dranbleiben.
    Agiert man mit Maß und Ziel, hat das erzieherischen Wert, denn Wohlverhalten wird belohnt.
    Das große Aber: Damals wusste man noch Steinbrüche oder Bunker weiter draußen, wo die Überlauten, Sauf- und Rauflustigen feiern gingen und weitestgehend geduldet wurden. Diese Menschen wird es immer geben, sie werden sich allen Verboten zum Trotz irgendwo zusammenfinden.

  • R.G.

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    Zwei nicht käufliche Beispiele, worauf es ankommt.
    *Irgendjemand unter den Eltern in unserer Straße hatte damit begonnen, seinen Kindern das Holz am Hang aufzuschichten, und dann war es rundum Brauch gdeworden, dass wir, während die Großen unten im Garten saßen, eine jede Geschwisterschar um unser eigenes Lagerfeuer saßen.

    *Die ganz Alten waren wohl im Krieg in Stalingrad gewesen. Feiern wollten sie nicht, sie würden sich entweder betrinken oder weinen müssen, wegen ihrer schrecklichen Jugenderlebnisse versicherte man uns. Da meinte einer von ihnen, aber die Sonnenaufgänge waren selbst im Krieg schön! Das wollten, das könnten sie uns weitergeben. Wir wussten von nichts, außer dass alle am nächsten Schönwettertag als Rollstuhlbegleiter vor dem Hellwerden im Wald zu sein hatten.
    Wir stolperten durch Hohlwege und ausgetrocknete Bachbette, die Kinder aus dem nahen Heim am Rolli vor uns, es war eine Plackerei hin bis zu einem Hügel, wo wir warten sollten.
    Das war und blieb für uns alle der erste und einzige von alten Männern uns herzlich gern geschenkte Sonnenaufgang.

    Ich kann sagen, statt Geiz und Gier, wie man es heute konsequent vermittelt, habe ich erlebt, dass manchmal wer von den Älteren uns ein ursprünglichees Lebendigsein, ein Er-leben des ganz Einfachen, GÖNNTE und schenkte. Sie brachten uns Picknickbrote oder Kuchen, oder grüßten und freuten sich einfach nur, dass wir so fröhlich wären.

    Wo, durch welche Frei-Räume oder gezeigte Herzlichkeit, liebe Regensburger Stadträte, zeigen Sie der Jugend von heute diese Großzügigkeit?

  • Gscheidhaferl

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    Leider gab es schon immer und überall Leute, die sich auf anderer Leute Kosten ausgelebt haben. Und wir kennen das auch zur Genüge aus anderen Bereichen. ABER: Wer käme auf die Idee, z.B. den Autoverkehr zu verbieten, weil es immer wieder welche gibt, die glauben, dass die Verkehrsregeln nicht für sie gelten? Wegen der einflußreichen Lobby-Gruppen und ihrer Helfershelfer, die darüber wachen, kommt (leider) niemand auch nur im Traum darauf, derart rigide vorzugehen.

    Was lernen wir daraus? Junge Menschen haben in Regensburg keine ernstzunehmende Lobby. So wie der / die ganz normale Bürger / in in dieser Stadt grundsätzlich in der Regel primär als Ärgernis betrachtet wird. Verwaltung und Stadtregierung wünschen sich offenkundig vor allem den verwaltungskonformen Bürger und kein bürgerkonformes Regensburg. Die wirklichen öffentlichen Angelegenheiten sollen bitte so unaufwendig wie möglich abgewickelt werden können. Außer es geht um die Interessen irgendwelcher aus Sicht der Verwaltung wirklich bedeutsamer Lobby-Gruppen.

    Die wirkliche Lösung kann letztlich nur so aussehen, wie R.G. (und andere) sie skizziert haben: Der städtische Raum muss selbstverständlich zugänglich bleiben und Exzesse müssen gleichzeitig kosequent unterbunden werden. Dafür gibt es Lösungen, wenn das vorhandene Hirnschmalz in Regierung und Verwaltung nicht nur darauf verwendet werden würde, sich selbst möglichst unangreifbar und die Sache möglichst leicht zu machen.

    Ich könnte mir persönlich z.B. vorstellen – wie schon bei der Diskussion um das ‘Luxusklohäuschen’ geäußert – dass es hilfreich wäre, offensiv zu werden, in dem ein Kiosk mit Toiletten und vernünftigen Entsorgungsmöglichkeiten (gerne nach Vorbild der alten Freibadhäuschen nebenan) dort platzieren würde. Das würde natürlich nicht das Problem mit der nächtlichen Randale lösen. Aber ein Betretungsverbot müsste ja auch erst mal ordnungsamtlich / polizeilich durchgesetzt werden. Und dann können auch gleich auf der Grundlage der bestehenden Regelungen solche Exzesse unterbunden werden, ohne neue ‘Sperrgebiete’ auszuweisen.

    Es ist wirklich ein in seiner Dürftigkeit beängstigende Ungeist, dem nur das Verbot einfällt. Oder anders ausgedrückt: Wenn so ein Gemeinwohlzwerg wie Wolbergs so lange Schatten zu werfen vermag, dann muss die Sonne in dieser Stadt schon wieder verdammt tief stehen.

  • Jakob Friedl

    |

    Ich verstehe das nicht: Allgemeines nächtliches Betretungsverbot auf der Jahninsel und am Grießer Spitz und generelles Verbot elektronisch verstärkter Musik in allen Grünanlagen im Stadtgebiet kombiniert mit der erwartbar vergeblichen Suche nach einem Gelände für große Dauermusikfestivals im Stadtgebiet – ergibt was? Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, wird von der Verwaltung jedoch selbst ständig vermischt, dabei kann man beides auch getrennt voneinander nur als das bezeichnen, was beides vereint: Als idiotisch.
    Ich erkläre den öffentlichen Freiraum im gesamten Stadtgebiet zur Spielwiese für zivilen Ungehorsam – was bleibt uns im Alltag angesichts der so unnötigen wie undifferenzierten Verbotspolitik sonst übrig?
    https://youtu.be/D-C2QkZYLP8

    Nach wie vor sehe ich ganz unabhängig von solch fehlgeleiteten Ordnungsmaßnahmen in Kunst, Kultur und experimenteller Gestaltung ein großes Potenzial für eine besser gelingende Stadtentwicklung hin zu mehr Sensibilität und Toleranz – ob nun von “oben” freigegeben oder selbstermächtigt.

  • Madame

    |

    Die jahninsel,der bismarkplatz sind eigentlich die geeignete Plätze zum feiern der Jugend. Beim grieserplatz wohnen zu viel Leute ,die ihre Ruhe haben wollen. Der haidplatz ist geeignet und vielleicht
    noch der Neupfarrplatz. Auf allen größeren Plätzen müssten sich junge Leute verteilen. Und schon wäre Platz. Es sind ja früher auch größere Feste gefeiert worden. Es ist nun mal Sommer. Das ganze Jahr war es in der Altstadt zu ruhig. Auch am dultplatz ist eine Meile zum feiern. Die Herrschaften müssten allerdings ihre Hinterlassenschaften wegräumen oder zumindest mehr abfallkörbe da sein. Aber der Stadtrat ist bloß noch ein departierclub. Man merkt, dass hauptsächlich 2 damen und 2 hauptparteien an der Macht sind. Die bringen nichts zustande. Einmal hüh und einmal hott. Nichts passiert wie in der Bundespolitik. Zeit wird.

    b

  • Piedro

    |

    @Jakob Friedl
    “Ich verstehe das nicht…”
    Tatsächlich nicht? Ist eigentlich recht einfach nachzuvollziehen. Auf der einen Seite das Framing: das betrifft nur die, die sowieso rücksichtslos sind und gegen die Regeln verstoßen, gegen die man angeblich sonst nix machen kann. Ergo sind die, die sich dort aufhalten wollen, potentielle Regelbrecher und rücksichtslos, und gegen die muss die Stadt vorgehen, im Interesse der braven Bürgerlinge. So auch dargestellt von einem Herrn Eckl in der mittelbayrischen Postille. Dort kommt allerdings auch Frau Heidenreich zu Wort, die diese Perspektive dahingehend weitet, dass die Stadt die bisherige Untätigkeit auch künftig fortzusetzen gedenkt. Dieses Bild sollten Sie kennen: nicht entscheiden, wegducken, aussitzen, draufhauen auf die, die vermeintlich schwach sind, keine Lobby haben.

    “Zwischen Appellen, Kampagnen und Schildern, die nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben, und dem generellen Betretungsverbot liegt eine weite Spanne. Die hat die Stadt noch nicht ausgeschöpft. … Eine stärkere Präsenz von Polizei und Ordnungsdienst dürfte zudem dafür sorgen, dass Eskapaden ausbleiben. Zumal beide Instanzen immer wieder betont haben, dass der Großteil der Feiernden vernünftig ist und die Polizei versichert, dass ihre Kontrollen Wirkung zeigen.”
    https://stories.mittelbayerische.de/regensburg/jahninsel-zwischen-freiheit-und-laerm-24504-art1922501.html

    Da liegt der Hase im Pfeffer. Es wäre die Pflicht der Stadt, die bestehenden Regeln zum Schutz der Bürger durchzusetzen. Basta. Das hat man nicht getan, während sie Situation wohl eskalliert ist. Das mit einem allgemeinen Betretungsverbot regeln zu wollen ist nicht angemessen, da es eben nicht nur die rücksichtslosen Schlimmlinge betrifft, sondern alle Bürger und Gäste der Stadt, einschließlich der Anwohner, und insbesondere jene, die von den Kontrollinstanzen als vernünftige Mehrheit bezeichnet werden. Es ist im Grunde eine Bankrotterklärung, die nur von jenen anerkannt wird, die einer rücksichtslosen Minderheit zugesteht die Rechte der Mehrheit auszusetzen,sich an diesen schönen Orten aufzuhalten wann es ihnen beliebt. Man gibt vor, dieses Recht mit der Suche nach Partywiese und Festivalgelände gewähren zu wollen, im Wissen, dass dies gar nicht, oder nur im Interesse eines bekannten Günstlings der Stadtpolitik möglich wäre. Als könnte man das fiktive Recht auf einen innerstädtischen Parkplatz durch eine Autobahnanbindung erfüllen, die ja zu einem Rastplatz führt.

  • R.G.

    |

    Irgendjemand kam auf die Idee, Jugend wolle im Park immer und ausschließlich feiern, bei Alkohol, Drogen und brüllend verstärkter Musik. Was als Kinder der Hippiegeneration Geborene halt so über die Welt denken.
    Was könnte man sonst in einem Park machen? Ist doch nur quietschgrün und ekelig erdig! Siehe im Netz:
    Sonntag im Park, Georges Seurat
    Im Park von Saint-Cloud, Pierre-Auguste Renoir
    Das Picknick, Carl Spitzweg
    Anmerkung: Kunst kann zur diskreten Allgemeinbildung von Stadträten über die menschliche Natur beitragen!

  • Charlotte

    |

    @Piedro, Gscheidhaferl und Madame

    Die jetzige Koalition tut überhaupt mal etwas, die Vorgänger Koalition hat ja das Problem erst verursacht und maßgeblich dafür gesorgt, dass die Grünflächen als Feierareale vermarktet werden. Und wie so oft fehlen bei solchen Ideen die langfristig gedachten Konsequenzen: 800 Feiernde oftmals stark alkoholisiert und – nicht selten sind Drogen im Spiel – ˋhandeltˋ kein Ordnungsdienst mehr. Und erst Recht kein Nachtbürgermeister oder einzelner Stadtrat vor Ort.

    Es ist gut, dass die jetzigen Bürgermeister die Kommunikation geändert haben: jeder kann die Grünflächen bis 23.00 Uhr selbstverständlich nutzen, es gibt natürlich ein Betretungsrecht (!) von 6.00 Uhr bis 23.00 Uhr (das sind 17 Stunden des Tages), zum Feiern und lärmen eben nicht! Und ab 23.00 Uhr ist es eben asslig, Menschen in Wohngebieten um ihre Nachtruhe zu bringen. Das gilt übrigens auch für alle Plätze in der Altstadt. Wie Madame überhaupt auf die Idee kommt, dass in der Altstadt keine Menschen wohnen, lässt ja schon tief blicken.

    Wer feiern möchte, muss eben nach der Pandemie in den Club oder in Kneipen gehen, denn welch Wunder, dort sorgen die Gastronomen für Recht und Ordnung, und das ist gut so. Und ganz ehrlich, wer das auch nicht möchte, geht eben nach Hause.

  • Mr. B.

    |

    Also ich weiß gar nicht, warum man für alles gleich immer die Polizei braucht!

    Die Stadt Regensburg leistet sich einen Ordnungsdienst, zusammen mit einem Verkehrsüberwachungsdienst. Könnten nicht diese ab und zu an den hier diskutierten “Brennpunkten” für Ordnung sorgen, wenn es erforderlich ist?
    Etwas einfach sperren? Muss das sein?
    Es ist doch sowieso schon so vieles verboten, was Spaß macht?
    Im Herbst werden wir vermutlich eine grüne Kanzlerin haben.
    Dann werden sich mindestens 2 Verbotsparteien zusammentun und es wird noch mehr verboten!
    Wo wollen wir denn hin?

  • Mr. B.

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    @Charlotte
    “…ist es eben asslig.”

    ICH GLAUBE ES NICHT!!!

    In unserer wohlvermarkteten Hochkultur, in der mittlerweile “fast alles” erlaubt und hoffähig ist?

  • Gscheidhaferl

    |

    @Charlotte
    Ihnen geht es doch darum, dass die Anlieger nicht unter Leuten zu leiden haben, die sich nicht zu benehmen wissen. Da sehe ich erst mal keinen großartigen Dissens zwischen uns.

    Die aktuellen Bürgermeister*Innen machen in diesem Zusammenhang auf Sie einen deutlich engagierteren Eindruck als deren Vorgänger, weil sie dieses Betretungsverbot eingebracht haben.

    Aber da befürchte ich, dass Sie sich täuschen. Es ist ja nicht so, dass es bis jetzt erlaubt gewesen wäre, sich derart daneben zu benehmen.

    Wenn gesagt worden wäre: “Wir wollen endlich konsequenter gegen die Auswüchse angehen, um die Anwohner besser zu schützen.” Das wäre schon etwas anderes gewesen, oder?

    Stattdessen wird plakativ ein recht pauschales Betretungsverbot erlassen. Für alle.

    D.h. ein zentraler Raum mitten in de Stadt wird quasi zum ‘Sperrgebiet’ erklärt, weil es bislang nicht gelungen ist, gegen die Ruhestörungen etc. dort vozugehen.

    Ich frag mich nur, wie das Betretungsverbot durchgesetzt werden soll? Denn wenn das durchsetzbar wäre, dann sollte es doch auch möglich sein, die zu Recht beklagten Exzesse zu unterbinden. Ohne ‘Sperrgebiet’, das dann vielleicht sogar zu einem regelrechten No-go-Gebiet mutiert, weil es zwar von allen ‘Braven’ (die sich an das Verbot halten) gemieden, von anderen aber unverändert genutzt wird.

    Wie soll das Verbot denn konkret durchgesetzt werden? Patrollieren da dann nachts permanent Sicherheitskräfte? Werden Zäune und Zugangsschleusen errichtet? Bewegungsmelder? Wo kommen plötzlich die Ressourcen für sowas her, wenn sie vorher schon nicht für weniger gereicht haben?

    Ich denk mir eben: Wer das bisherige Geschehen nicht in den Griff bekommt, wird auch kein Betretungsverbot durchsetzen können. Und wer ein Betretungsverbot durchsetzen kann, braucht es eigentlich nicht. Ich fürchte, das Verbot ist nur kontraproduktive Augenwischerei, die Engagement vortäuscht, wo in Wirklichkeit Rat- und / oder Einfallslosigkeit herrscht.

  • Tobias

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    Es handelt sich hier mal wieder um ein NIMBY-Problem. Die “Feiernden” (was gibt es denn zu “feiern”?) möchten überall und immer feiern und Anwohner sind privilegiert und daher böse (deckt sich mit den auftauchenden, links-grünen Enteignungsfantasien). Gibt es nicht in der Stadt genügend Studentenwohnheime, wo man “feiern” kann? Laut MZ von heute wird ja sogar ein “Musikrecht” eingefordert – nach 23 Uhr (!). Also, macht doch in Eurem Wohn- bzw. Studentenhaus 23 Uhr so richtig laut Rammstein an, und das täglich, und dann gucken wir mal weiter. Nächster Treffpunkt: Das Studentenwohnheim gegenüber vom Königstor. Ab 23 Uhr bringe ich mein Auto vorbei, Kofferraum auf, Mukke an. Montag, Dienstag, Mittwoch – immer. Den Müll werfe ich dann in Eure Hauseingänge, Körperflüssigkeiten gegen die Eingangstüre. Wir wollen doch bloß “feiern”, und ich fordere dies nun ein. Nach 2 Monaten rotieren wir, da “feiern” wir tagsüber dann woanders. Eventuell, wenn Präsenzunterricht ist, vor Schulen oder der Universität, denn wir haben ja ein “Recht auf Feiern”, “immer” und “überall”.

    Oder etwa nicht??

  • Piedro

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    @Charlotte
    Gewöhnlich vermarktet man etwas, was Geld bringt, und ich konnte nur städtische Verlautbarungen finden zum fair feiern finden. Die von Ihnen kolportierten 800 Feiernden wurden einmal festgestellt, und da sind die Ordnungskräfte durchaus eingeschritten, und das nicht nur einmalig. Allerdings im Rahmen der Infektionsschutzauflagen, da gab es 30 Einsätze/Räumungen. Es stimmt also nicht, dass die Ordnungsdienste nicht handeln, wenn genug “Feiernde” beinander sind, vielmehr haben sie nicht gehandelt, als es weit weniger Ruhestörer waren, als diese Massen aufliefen waren die Ordnungsdienste sehr wohl aktiv.

    Zu Personen, die unter Drogen randalierten, ließ sich im Bezug auf Insel und Spitz nur ein Artikel des Herrn Eckl finden, der das zwar unter der Überschrift “Die Jahninsel wird zur wilden Party-Meile” aufzählte, die Vorfälle ereigneten sich aber nicht auf der Jahninsel, sondern in der Altstadt, einem “Lokal” und in einer “Diskothek”, und das haben nicht die Gastronomen geregelt, sondern die Polizei. Warum das unter dem Schlagwort “Partywiese Jahninsel” erwähnt werden muss, weiß nur ein Herr Eckl.

    Ihr Verweis, “die” sollen in Clubs gehen wenn sie feiern wollen, trifft genau den Nerv des Disputes. Ich gebe Ihnen recht: wenn sie lauten Sound brauchen, gröhlen und exzessiv saufen wollen, sind das die richtigen Orte. Aber was ist mit denen, die von Polizei und Ordnungsamt als die vernünftige Mehrheit bezeichnet werden, die eben nur draußen beinander sein wollen, oder auch einzeln, ohne Eintritt und teure Getränke bezahlen zu müssen, und halt auch ohne Lärm und Randale? Über die fährt Ihresgleichen gleich mit drüber, und genau darum geht es, um die Verhältnismäßigkeit. Nicht um die Mittelmäßigkeit der Argumentation und Darstellung, wie in diesem Eckl-Artikel.
    Sie meinen bis 11 Uhr draußen sitzen dürfen reicht, danach braucht das Gelände auch keiner mehr betreten. Wer sind sie denn, die Bedürfnisse anderer derart zu limitieren? Wer nachts dort spazieren will, der muss das tun dürfen. wer da allein oder mit anderen sitzen will, der hat schlicht das Recht dazu. Das ist öffentlicher Raum, der jedem verfügbar sein muss, zu den für alle gleichen Regeln, ohne Lex Charlotte zur Bedürfnisregulierung. Die Stadt hat dafür Sorge zu tragen, dass dies ohne übermäßige Belastung der Anwohner möglich ist. Das ist der Auftrag, nicht, den Bürgern öffentlichen Raum zu entziehen.

  • Korber

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    Sicherlich muss man beide Seiten sehen und sich auch die Argumente anhören.
    Leider ist es aber so, dass das eine sehr einseitige Angelegenheit werden wird, denn ein Großteil des Feiernden ist nicht gewillt, irgendwelche Zugeständnisse zu machen. Dies sieht man auch an der Beibehaltung der Forderung, weiterhin den Grieser Spitz und die Jahninsel mit Boomboxen beschallen zu dürfen, auch nach 23 Uhr.

    Auch der Vorschlag, den man in der Presse lesen konnte, die Einnahmen aus dem Toilettenhäuschen könnten doch den Anwohner zu Gute kommen, damit sich diese Schallschutzfenster einbauen lassen, zeugt nicht gerade von sehr viel Verständnis. Ein Anwohner kann ja anstatt seinen wohlverdienten Feierabend zu genießen, sich in die Wohnung zurückziehen und die Fenster schließen, auch wenn bei sommerlichen Temperaturen die Wärme in den Wohnungen bei geschlossenen Fenstern unerträglich wird. Schlafen im Sommer bei geschlossenen Fenstern, damit die Partys bis in die Morgenstunden mit Boomboxen weitergehen können?

    Zu den Kontrollen durch die eingesetzten Polizeibeamten und auch dem Kommunalen Ordnungsdienst empfiehlt sich, dass man auch mit diesen ein Gespräch sucht, man wird erstaunt sein, denn seitens vieler Feiernden gibt es für die eingesetzten Beamten nur ein müdes Lächeln, zum Teil aber auch Beleidigungen und Unverschämtheiten. Aktuell kann man in München beobachten, welche Auswüchse dies beim Partyhotspot Englischer Garten angenommen hat. Polizeibeamte werden angegriffen, sie mussten sich zurückziehen, um schlimmeres zu verhindern. https://www.tz.de/muenchen/stadt/corona-party-muenchen-jugendliche-englischer-garten-feiern-massen-zr-90475450.html

    Auch in Regensburg am Spitz wurden immer wieder Auswüchse beobachtet. Bei einer eher zufälligen Kontrolle wegen eines Fehlverhaltens von einigen Jugendlichen wurde dem Polizeibeamten der zu kontrollierende Personalausweis vor die Füße geschmissen und dieser aufgefordert er könne ihn ja aufheben. So nebenbei sei erwähnt, dass die Polizeibeamten bei dieser Kontrolle fündig wurden und Drogen gefunden haben. Die Polizeibeamten sollen sich jetzt mit dem Kontrollieren beeilen, die Party müsse ja weitergehen, war noch eine der “netteren” Aussagen der Jugendlichen. Später wurden dann Anwohner, die nur dort spazieren gehen wollten, von Jugendlichen ohne Grund angegriffen. Anwohner fanden mehrfach Spritzen im Kinderspielplatz, auch im Sand. Auch gab es dort offen Drogenverkäufe, an Jugendliche und sogar Kinder, die nicht älter als 12 oder 13 gewesen sein dürften. Die Polizeibeamten und auch der Kommunale Ordnungsdienst verzweifelten, aufgrund der Aggressivität und der Unverschämtheiten. Im Gespräch gaben die Beamten auch zu, dass sie den Eindruck haben, sie kämpfen gegen Windmühlen und fühlten sich auch im Stich gelassen.

    Das Gebiet um den Spitz und der Jahninsel eignet sich nicht als Partygebiet. Der weitläufige Hochwasserdamm, die nahe Donau und die Schleusenanlage wird irgendwann zu schweren Unglücken sorgen. Es ist immer wieder zu beobachten, dass Nachts torkelnde Jugendliche um ein Haar den Damm herunterfallen. Auch die Kaimauern der Schleusenanlage bis zum Spitz haben schon zu manch brenzliger Situation geführt. Es wird dort betrunken auf dem Rand, trotz der angelegten Schiffe, balanciert. Bislang ist es immer gut aus gegangen. Es ist schon erstaunlich, dass massive Unfälle nicht in der Presse erwähnt werden. Eine junge Frau ist im Bereich der Grieser Brücke schwer verunglückt und musste mit dem Rettungsdienst abtransportiert werden. Aber auch immer wieder müssen alkoholisierte Jugendliche ärztlich versorgt werden.

    Eine ältere und offensichtlich behinderte Anwohnerin wurde von Jugendlichen aufgrund Ihrer FFP 2 Maske, die sie beim Spazierengehen trug, beleidigt und unter schallenden Lachen verhöhnt: “Haste etwa Corona”

    Da fehlen einem nur noch die Worte und macht auch traurig, dass auch die Besucher, die nur in Ruhe die Natur erleben wollen und z.B. mit ihren Kindern dort picknicken wollen, dies unmöglich gemacht wird.

  • R.G.

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    Also, die Jungen feiern immer und überall und sowieso.

    Das erinnert mich an meinen lieben, stets betrunkenen Schulkollegen, Gott hab’ sein Gehirn selig, sein Körper lebt noch. Er brachte es fertig, obwohl er eben mit mir gesprochen hatt und ich neben ihm saß, anderen zu sagen, ich wäre gar nicht neben ihm da, das müssten sie doch sehen.
    Unser inzwischen in den Wolken wohnender Kollege H. war sich sicher, jeder Mensch mit wunder Nase nach Schnupfen, habe sich was reingezogen. H. starb jung in Berlin an einer Überdosis.
    Nachbar Y., wie er mir stets versicherte, durch sein Saufen jenseits von Gut und Böse, wusste, dass alle andern Nachbarn dauernd “konnten”.

    Und jetzt lasst uns mit den einigen Politikern der Stadt darüber reden, was in ihrem Leben nicht stimmen könnte, falls sie glaubten, alle Jüngeren täten, wollten, forderten, dauernd und immer nachts “Feiern”.
    Ab zum Seelenstriptease!

  • Mr. T.

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    Wo ist denn belegt, dass gefordert wird, die Jahninsel auch nach 23 Uhr noch elektronisch verstärkt beschallen zu dürfen? Das kommt mir wieder wie so eine Unterstellung der ewig gestrigen hier vor, um das Problem als noch viel schlimmer darzustellen, als es ist. So eine Forderung an die Stadt, wäre ja Blödsinn, da sie für das Bundes-Immissionsschutzgesetz gar nicht zuständig ist.
    Wie schon tausendmal wiederholt, die wirklichen Probleme, wie Lärm und Müll sind ohnehin bereits gesetzlich geregelt. Die Stadt hat hier leider Schützenhilfe geleistet, indem sie diese nicht durchsetzen wollte und Mülleimer und Aborte vorsätzlich verweigert hat, um jetzt mit einer bequemen, aber unrechtmäßigen Verordnung, wie dem pasuchalen Betretungsverbot für eine öffentliche Fläche zu reagieren.
    Bislang haben sich auch die Anwohner vorwiegend negativ dem Betretungsverbot gegenüber hier geäußert. Die zustimmenden Stimmen haben sich zumindest noch nicht als Anwohner offenbart. Von der lautesten geh ich eh davon aus, dass sie nur in der Gruft von St. Emmeram hausen kann, die doch recht schalldicht ist.
    Dasselbe Problem haben wir ja schon oft im Zusammenhang mit der Altstadt gehabt, wo es auch einige wenige gibt, die so gern mitten im südländischen Kneipenflair leben, aber es gerne hätten, dass wenn sie nach Hause gehen auch sofort die Gehsteige hinter ihnen hochgeklappt werden.

  • Charlotte

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    @Gscheidhaferl: nur ein Hinweis: es ist natürlich kein Sperrgebiet, die Flächen können überwiegend genutzt werden.

    Auch bin ich überzeugt, dass sich das kontrollieren lässt, wenn der Wille da ist.

    @Piedro

    Ihre Ausführung sind leider unvollständig , denn sich alleine auf ein paar wenige Presseartikel zu stützen, zeigt nicht das Bild der letzten 2-3 Jahre. Ich muss es nicht lange selbst beschreiben.

    KommentatorIn @Korber hat zu 100% richtig die Situationen und Vorkommnisse allein im letzten Jahr beschrieben. Genau so war es.

  • KW

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    Leider waren die Petitionsgründer zum Thema Aufhebung des nächtlichen Betretungsverbot un-clever genug, dass tatsächlich mit der Erlaubnis der Benutzung von sog. Boomboxen direkt zu verknüpfen, zwar nicht explizit nach 23:00 Uhr, aber allgemein.
    Das hatte ich auch schon in einem der anderen Threads hier auf rd zu dem gleichen Thema bemängelt, mit dem Hinweis, dass dies der Grund für mich ist die Petition NICHT zu unterschreiben. Gegen das nächtliche Betretungsverbot bin ich selbstredend, aber man sollte nicht gleichzeitig die Benutzung von sog. Boomboxen mitverlangen, das ist auch tagsüber definitiv zu viel des Guten. Ich bin selbst durchaus Musik-affin, aber die Geschmäcker spreizen da ja doch ziemlich weit auseinander und die Bluetooth-Teile sind schon „der Hammer“, muss man sagen.
    Leider ist auch Herr Friedl, dessen Aussagen ich sonst sehr schätze, für das Erlauben der elektronisch verstärkten Beschallung in Grünanlagen, da müssen wir ihn noch vom Gegenteil überzeugen – vielleicht heute Abend ab 18:00 Uhr :-)

  • R.G.

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    Regensburg Umgangston.
    Jugendliche haben sich blau gesoffen – allen Jungen das Trinken von Wasser verbieten.
    Ein Jugendlicher warf seinen Ausweis auf dem Boden vor einen Polizisten – ab da nur mehr den Ordnungsdienst reingehen lassen.
    Junge Leute haben bei den Booten gefährlich nahe am Wasser balanciert – Boote verbieten.
    Betrunkene drohen vom Steg zu fallen – Steg abmontieren.
    Spritzen werden im Sandkasten gefunden – Mistkübel abmontieren, dann werfen die Leute ihren Müll dazu in den Sand, sieht man die Spritzen nicht.
    Jemand hat einer Oma Corona gewünscht? – Sprachkurs verordnen, man könnte statt dessen vom SARS COV II soprechen.
    Jugendliche wieselten ihre Duftmarke auf die Insel oder auf nen Spitz – Klos weit weg bauen, damit sie sich auf dem Weg dorthin selbst anpissen.

  • Piedro

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    @Charlotte
    Mir ging es um ihre Darstellung von 800 besoffenen, zugedröhnten “Feiernden”, an die sich die Polizei nicht rantraut, als Standard des Problems. Wenn diese Dimension tatsächlich ein anhaltendes Phänomen gewesen wäre, es hätte sicherlich Artikel dazu gegeben. Tatsächlich fand dergleichen lediglich im letzten Sommer statt, aus nachvollziehbarem Grund, und auch da nicht permanent. Und da haben, entgegen Ihrer Darstellung, die Ordnungsdienste sehr wohl eingegriffen. Ich habe mit den mir verfügbaren Mitteln Ihre Glaubwürdigkeit überprüft. Jetzt verstanden?

  • Gscheidhaferl

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    @Charlotte, Korber
    Ich will gar nicht in Zweifel ziehen, dass diese Schilderungen stimmen. Auch weil sie vorzüglich in meine vorurteilsbeladene Sicht der Dinge passen: Die Stadt verschließt so lang sie kann die Augen vor einem Problem, um nichts tun zu müssen. Bis es eben nicht mehr geht und haut dann irgendeine Schein-Lösung raus. Gerne eine, die das Kind mit dem Bade ausschüttet.
    Mir kommt diese Art zu agieren jedenfalls recht vertraut vor.
    Die Mittelbayerische leistete dabei schon immer gerne Unterstützung, indem sie die jeweilige ‘Obrigkeit’ nicht ohne deren Einverständnis mit unangenehmen Wahrheiten konfrontierte.

  • Privatfrau

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    Müllproblem?
    Gelöst – jeder nimmt wieder mit, was er mitgebracht hat.
    Aber halt – das hätte ja was mit gutem Benehmen oder – noch schlimmer – mit Anstand und Rücksichtnahme zu tun.
    Nein! Dann doch lieber den Prinzipien des Zeitgeists treu bleiben.
    ICH! MEIN! MIR!
    Um die Pflichten (Müllbeseitigung) können sich ja die Ewiggestrigen kümmern.

  • Mr. T.

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    Privatfrau, mit Ihrem hervorragendem Argument kann sich die Stadt einen Haufen Geld sparen, wenn sie jetzt auch noch sämtlich anderen öffentlichen Mülleimer abbaut. Brauchts ja nicht, kann ja jeder seinen Müll mitnehmen.
    Ja ja, ICH! MEIN! MIR!, aber bloß nicht den Menschen, die noch Spaß am Leben haben.

  • R.G.

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    @Privatfrau
    Bei meiner ersten Wanderung auf einen der Hügel mit einer Kirchengruppe, hatte jemand von den Erwachsenen einen großen leeren Rucksack mit. Wir sollten ihm Müll bringen , eines von und Kindern barg Flaschen, eines Papiersäcke. Er wollte das ins Tal runtertragen. Ein jeder am Berg müsse mit doppelter Menge Abfall absteigen, als er für seinen Proviant im Rucksack habe. Das sei Berg-Ehre, lernte ich an dem Tag.

    “ICH! MEIN! MIR!”
    Wenn man nicht von den Älteren abschauen kann, wie sie Gemeinschaftsgefühl und Verantwortung praktisch vorleben, wenn sie statt Vorbild zu sein und ihr Handeln pädagogisch zu kommentieren, pauschalisierend herumkeifen, ist es für die Jugend sehr viel schwerer, das Richtige zu tun.
    Was die Grünanlagen der Stadt brauchen, ist ein Mehr an wohlwollendem Miteinander, das kann durch Streetworker, gute Polizeikontrollen, bei denen sich wohlverhaltenden Gruppen Lob und Anerkennung gezollt wird (einige meiner Schulfreunde hatten als einzige männliche, positive Vorbildperson den freundlichen Streifenbeamten !) Parkveranstaltungen sommers tagsüber, Kunst im Park, gezielte Schaffung von beruhigteren, behindertengerechten Sitzzonen und vorwiegend für die Jugend geeigneten Bereichen, die alle gleich kontrolliert werden, erreicht werden.
    Ohne Gärtnermühe gibt es kein Gärtnerglück, und ohne in die Herzlichkeit zu investieren, kommt nichts Warmherziges zurück.
    Eltern können durchaus richtig erzogen haben, es kommt dennoch der Tag, wo die Jugendlichen überprüfen, ob in der Gesellschaft die daheim gepredigten Werte überhaupt gelten. Darf man wirklich den Mist nicht überall hinpflaumen? Muss man sich gesittet benehmen? Die Antwort muss klar ausfallen, vor allem durch das Vorbild.

    Noch einmal hören müssen die jungen Leute aber auch etwas ganz und gar Grundlegendes, nämlich dass sie erwünscht sind. Ein in der Kindheit geschenktes Urvertrauen braucht die Wiederbestätigung von draußen, damit es weiter tragend bleibt, und wem die Grundliebe bei der eigenen Familie vorenthalten wurde, dem kann man in der Pubertät durch richtige Vorbilder zeigen, dass es sich lohnt, ein freundlicheres Mitglied der Gesellschaft zu werden, als es ihre Bezugspersonen waren.
    Ja Wegräumen des eigenen Mülls, und gleichzeitig Ächtung für die Worte, die sich wie stinkender Unrat ungeniert über die Jugend ergießen!

  • Privatfrau

    |

    @Mr. T.
    Autsch, da bin ich wohl jemandem ziemlich heftig auf die Füße getreten?
    Darf ich Ihr Statement so verstehen, dass Sie einen Widerspruch sehen zwischen gutem Benehmen (konkret: lediglich den eigenen Müll wieder mitnehmen) und Spass am Leben haben?
    Falls ja, sind Sie zu bedauern und haben offensichtlich nicht realisiert, dass genau diese dem Zeitgeist folgende egoistische Geisteshaltung zu solchen unsinnigen und überflüssigen Maßnahmen wie Betretungsverbote u.ä. führt.
    Falls nein, habe ich Sie einfach nur missverstanden.
    P.S.: Ihr Vorschlag mit dem Abbauen von Mülleimern hat schon was – wer intellektuell und motorisch in der Lage ist “Sachen” mitzubringen, sollte nicht damit überfordert sein den dadurch entstandenen Müll mitzunehmen und zuhause zu entsorgen.
    Ach – was könnte man mit all dem gesparten Geld sinnvolles anfangen…

  • Die Mitte

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    Es ist wirklich unfassbar. Es gibt keine gesetzliche Nachtruhe. Die BImSchV gilt nur für Maschinen und Anlagenlärm, aber nicht für von Menschen gemachten Lärm. Nachtruhe ab 22 Uhr entbehrt jeglicher Rechtsgrundlage. Um hier mal das Intellektuelle Niveau zu heben.

  • Mr. T.

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    Privatfrau, ich sehe darin keinen Widerspruch. Ganz im Gegenteil versuche ich auch, beides immer zu vereinen.
    Ihre Lösung für das Müllproblem passt für Wälder, Berge, die freie Natur, nicht aber für stark frequentierte öffentliche Flächen. Öffentliche Mülleimer und Aborte vorzuhalten hat sich durchaus bewährt.
    Vielleicht habe ich sie ja fälschlicherweise in die antihedonistische, pietistische Ecke hier verortet, die anderen jede Freude am Leben vergällen will.

  • Mr. T.

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    Falls hier ein falscher Eindruck entsteht: Ich finde es nicht gut, wenn auf der Jahninsel, am Grieser Spitz oder ähnlichen Orten Aggressionen ausgelebt werden, die Umwelt verschmutzt wird, Menschen angepöbelt werden, spätnachts elektronisch verstärkte Musik gespielt wird (besonderes wenn sie mir nicht gefällt) oder die Notdurft verrichtet wird.
    Was aber noch viel schlimmer ist, als all das zusammen, ist eine hilflose autoritäre oder totalitäre Reaktion wie ein Betretungsverbot für eine öffentliche Fläche.

  • Privatfrau

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    Hallo Mr.T.,
    Sie haben natürlich Recht mit Ihrem Plädoyer für eine stadtgerechte Infrastruktur.
    Mit Ihrer Verortung meine Person betreffend, haben Sie auch Recht –
    Hedonismus ist nicht so mein Ding, ich bin da eher der Genußmensch ;).
    Aber jetzt mal Ernst beiseite. Ich denke, im Grunde sind wir auf einer Linie.
    Das Problem ist halt (wie eigentlich so oft im Leben), einen goldenen Mittelweg zu finden und allen Partikularinteressen gerecht zu werden.
    Wenns halt nur so einfach wäre, dann hätten wir das Problem ja gar nicht.
    Das Betretungsverbot ist sicher die keinste (heißt der Superlativ von “kein” so?) Lösung des Problems. Dann könnte man auch Straftaten verbieten.
    Also, nix für ungut!

    PS: meine 16-jährige Tochter, die nicht exzessiv bis in die Puppen feiert, hat – wen wunderts? – auch kein Verständnis für diese Betretungsverbotslösung.

  • Jonas Wihr

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    Aber selbstverständlich gibt eine “Gesetzliche Nachtruhe”. Ich bin da wahrscheinlich viel mittiger als “Die Mitte”:
    Ordnungswidrigkeitengesetz (OWiG)
    Dritter Teil – Einzelne Ordnungswidrigkeiten (§§ 111 – 131)
    Zweiter Abschnitt – Verstöße gegen die öffentliche Ordnung (§§ 116 – 123)
    § 117
    Unzulässiger Lärm
    (1) Ordnungswidrig handelt, wer ohne berechtigten Anlaß oder in einem unzulässigen oder nach den Umständen vermeidbaren Ausmaß Lärm erregt, der geeignet ist, die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft erheblich zu belästigen oder die Gesundheit eines anderen zu schädigen.
    (2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu fünftausend Euro geahndet werden, wenn die Handlung nicht nach anderen Vorschriften geahndet werden kann.
    _ _ _
    So, jetzt kann das intellektuelle Niveau wieder sinken.

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drin