SOZIALES SCHAUFENSTER

In alter Tradition

Stadt misst mal wieder mit zweierlei Maß

Für einen Bauträger wurde der Denkmalschutz in der Ganghofersiedlung durch die Stadt Regensburg eigens aufgeweicht, um eine Luxussanierung zu ermöglichen. Bewohner, die dort Solaranlagen auf ihren Häusern anbringen wollen, können von so viel Entgegenkommen nur träumen.

Bewegen sich Stadtspitze und Verwaltung? Das ist die große Frage, wenn am morgigen Dienstag die Anträge einer nicht alltäglichen Allianz von ÖDP, CSU und Linken im Planungsausschuss des Regensburger Stadtrats auf dem Tisch liegen. Es geht um rund 40 Hausbesitzer in der Ganghofersiedlung, die ihre Gebäude mit Solaranlagen ausrüsten wollen. Doch die Stadt schaltete auf stur und verwies auf eine vor 16 Jahren beschlossene Gestaltungssatzung, die solche Anlagen verbiete.

Laut Mittelbayerischer Zeitung schlossen sich Bürgermeister Jürgen Huber und Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer – wie üblich – dem Votum der zuständigen Ämter an. Und einen rechtsgültigen (Ablehnungs)bescheid, gegen den man dann vor dem Verwaltungsgericht klagen könnte, verschickt die Stadt demnach seit Monaten nicht. Abgesehen davon, dass diese Verweigerungshaltung angesichts der Diskussionen um Klimaschutz und eines städtischen Leitbilds Energie und Klima nicht nachvollziehbar ist, muss man sich auch fragen, warum Huber und Maltz-Schwarzfischer nur als Abnicker von Verwaltungsentscheidungen fungieren und nicht auf die Idee gekommen sind, das Problem in ihre Parteien einzuspeisen, damit SPD und Grüne Anträge gestellt hätten, um die Satzung entsprechend zu ändern. Doch das macht nun die Opposition.

Für manche kann man auch flexibel sein

Das Beispiel zeigt außerdem: Während die Stadt sich bei der Handhabung ihrer (angeblich) strengen Richtlinien gegenüber (manchen) Bauträgern flexibel, kulant und entgegenkommend zeigt, guckt der einfache Bürger oder Bauherr in aller Regel in die Röhre. Und just die Ganghofersiedlung ist ein schlagendes Beispiel dafür, wie in Regensburg bezahlbarer Wohnraum vernichtet und zuvor stets streng gehandhabte Regeln aufgeweicht wurden, damit ein Unternehmen – das „Immobilien Zentrum Regensburg“ – so richtig Kasse machen kann.

Ein Blick zurück. 2005, als die Gestaltungssatzung in Kraft trat, befand sich die 1939 als „Göring-Heim“ errichtete Ganghofersiedlung in Eigentum des Münchner Wohnungsunternehmens IGEWO. In den lange nicht sanierten Häuschen mit Garten wohnten Studenten, Kleinrentner und Familien für günstige Mieten – ein beschauliches Mehrgenerationen-Viertel.

Größere Sanierungen oder der Verkauf einzelner Häuschen wurden stets mit dem Verweis auf Ensembleschutz erschwert bzw. verweigert. Selbst erwerben wollte die Stadt die Siedlung aber nicht – ganz gemäß der damals von Hans Schaiinger vertretenen Prämisse nicht nur keine Flächen und Immobilien zu kaufen, nicht nur, die Stadtbau GembH nichts bauen zu lassen, sondern zudem stadteigene Flächen für ein Butterbrot zu verscheuern.

Extrawürste für die „Revitalisierung“

Und so schlug stattdessen 2007 die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zu und verkaufte die Siedlung wiederum ein Jahr später an die „Grüne Mitte GmbH“, eine Tochter des „Immobilien Zentrum Regensburg“. Eine „Revitalisierung“ des Viertels wurde angekündigt, anders ausgedrückt: Luxussanierung.

Just noch im selben Jahr begann ein geschäftiges Treiben bei den zuständigen Stellen der Stadtverwaltung. Das Bebauungskonzept sollte nun „hinsichtlich seiner Zukunftsfähigkeit“ überprüft werden. „Es wurde ein größerer Parkdruck sowie die Forderung nach mehr Nebenräumen erwartet“, heißt es etwas beschönigend in einem Werkbericht, den das städtische Planungsamt 2011 dazu veröffentlicht hat. Und so genehmigte man Garagen und Carports, vereinzelt Tiefgaragen, zuvor untersagte Dachgauben wurden erlaubt und zusätzliche Anbauten. Und weil offenbar künftig eine etwas zahlungskräftigere und damit anspruchsvollere Klientel erwartet wurde, gab es auch noch die Genehmigung für eine Schallschutzwand.

„Sozialsiedlung wird Luxusquartier“

Unter der Überschrift „Sozialsiedlung wird Luxusquartier“ gab die Zeitschrift „Capital“ denn auch eine Kaufempfehlung für die Häuschen. Schlagende Gründe:

„Ungeachtet der sozialen Bauchschmerzen, die eine Luxussanierung mit sich bringt, werden die Investitionen durch mögliche Denkmalschutzabschreibungen interessant. (…) Um eine moderne Bebauung überhaupt erst möglich zu machen, hat die Stadt den Denkmalschutz aufgeweicht. So dürfen Bauherren in den Dachgeschossen der Mehrfamilienhäuser zusätzliche Gauben einbauen. Das bringt Licht in die dunklen Speicher. Zudem können die kleinen Häuschen durch einen Anbau auf fast 150 Quadratmeter erweitert werden. Billig ist das nicht. Unrenovierte Häuschen kosten zwischen 250.000 bis 350.000 Euro, fertige dürften je nach Aufwand zwischen 500.000 und 750.000 Euro den Besitzer wechseln. (…) Die Chancen stehen gut, dass die Siedlung zu einer gutbürgerlichen Wohngegend aufsteigt.“

Zumindest für das Immobilien Zentrum, das anschließend nur noch als „Vermittler“ beim Verkauf der Häuschen auftrat und so Verantwortung für Probleme bei der Luxussanierung des Viertels von sich wies, hat sich dieses Entgegenkommen der Stadt Regensburg gelohnt. Ein Entgegenkommen, von dem die damaligen – nach Burgweinting, andere Außenbezirke und Altenheime ausquartierten Bewohner nur träumen konnten. Und nun durften auch die neuen Bewohner die Erfahrung machen, dass sie eben kein Bauträger sind, für den manche Verwaltungsstellen ein ganz besonders großes Herz zu haben scheinen.

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Kommentare (32)

  • Jutta Mangel

    |

    Ob die paar m2 für die Energiewende hilfreich sind? Für den Luxus-SUV reichts vielleicht.

  • joey

    |

    eine Frage an die Juristen:
    die Untätigkeit klagen und anschließend die Behandlung der Satzung wegen Abwägungsfehlern kippen? In der BayBO wurden seit langem Solaranlagen pauschal als zulässig erklärt, nur Denkmalschutz… der ist aber abzuwägen. Die Göringsiedlung ist nicht der Dom.

    Ok, wenn sich keiner wehrt, gewinnen die Bösen, das Prinzip ist alt. Ob per Gericht oder in geheimer Wahl. Gott hat nicht CSU und SPD bzw neuerdings Grün als Herren gesetzt. Demokratie verlangt „Bürger“, keine Duckmäuser und Knechte.

  • Joachim Datko

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    Durch geförderte Fotovoltaik werden wir alle finanziell belastet.

    Die EEG-Umlage steigt weiter. Die EEG-Umlage ist 2019 um rund 5 Prozent auf 6,405 Cent/kWh gestiegen. Im Jahr 2020 steigt sie auf 6,756 Cent/kWh.

    Wir haben in Deutschland im europäischen Vergleich mit Dänemark die höchsten Strompreise.

    2018 wurde schon 344.000 Haushalten der Strom wegen Zahlungsschwierigkeiten abgestellt.

    Joachim Datko – Elektroingenieur

  • GSH

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    Nachtrag zu Joachim Datko:

    Die privaten Haushalte und kleinen Gewerbe haben mit die höchsten Stromkosten in Europa –> die Industrie nicht.

    Auch das ist irgendwie wieder passend zum Artikel und wie sich die Politik inkl. Stadtverwaltung ihre eigene Welt schafft und sich immer mehr vom gemeinen Bürger entfernt.

  • Tröster

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    @ Herrn Elektroingenieur (Philosoph etc.) Datko:
    Die Strompreise sind v.a. auch deshalb relativ hoch, weil es für sehr viele mehr oder minder stromintensive Unternehmen dank CDU/CSU und FDP zahlreiche Ausnahmeregeln und Schlupflöcher gibt, weshalb deren EEG-Umlage dann von allen „normalen“ Haushalten zu bezahlen ist.
    Und: Die von ihnen erwähnten 344000 Haushalte entsprechen 0.8% aller 41,4 Millionen Haushalte in Deutschland.

  • GSH

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    @Tröster: War es nicht Rot/Grün im Jahr 2000 mit Bundeskanzler Schröder im Jahr 2000?

  • Tröster

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    @GSH
    Das EEG ist von Rot/Grün, die zahllosen Ausnahmen kamen später dazu…

  • highwayfloh

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    Die im Atikel genannte unterschiedliche Vorgehensweise der Stadt(verwaltung) ist wirklich bemerkens- und beklagenswert. Für mich stellt sich die Frage, ob der paar Quadratmeter Solazellenflächen insgeheim ans Salair von REWAG (und) OBAG gedacht wurde und den daraus entstehenden finanziellen Verlust für diese Stromanbieter.

    Andererseits sollte man durchaus bedenken, dass eine autarke Stromversorgung auch Sicherheitsvorsorge ist, insbesondere in Zeiten von „Smart-Home“, das ja derzeit so gerne propagiert wird. Was macht denn der Immobilienbesitzer wenn sein vernetzter Hochsichereitstrakt (vernetztes Smart-Home) keinen Strom hat und sicherheitshalber in den Fall-Back-Level fällt und alles verriegelt und verrammelt ist? Auch die, die dann drinnen sind, kommen nur noch raus, wenn sie „ausbrechen“. Gut, wird in der Ganghofersiedlung so extrem nicht sein, aber es geht auch um grundsätzliche Gedanken in diesem Zusammenhang.

    Weiterhin frage ich mich, warum es nicht möglich ist, das ganze sogar noch zu fördern und Regensburg damit zu einer Image-Stadt bezüglich Energiewende zu machen. Wenn das clever aufgezogen wird, z.B. dass diejenigen, die solche Solaranlagen für den Eigenbedarf errichten wollen, sich auch noch zusammenschalten können, bzgl. der Stromverteilung usw. dann müssten die überschüssigen Strom gar nicht speichern, sondern würde innerhalb der Siedlung nach Bedarf verteilt, wobei es natürlich auch eine Akku-Station wird geben müssen. Herr Datko, hier ist Ihr Fachwissen gefragt, ob dies möglich ist, so wie ich es jetzt grundsätzlich und laienhaft formuliert habe.

    Das Anliegen gehört meiner Meinung nach jedenfalls unterstützt.

    Appropos… ich weiss nicht welcher Bauträger es ist, welcher in Peising da die neuen Häuser erreichtet hat (jedenfalls glaube ich auch einer, der in die Affaire verwickelt ist) und bei den Häusern sieht man aussen die riesigen Lüfter für Klima-Anlagen. Die ziehen wahrscheinlich gewaltig Strom. Kann mir denken, dass dort die Erwerber sich in den Hintern beissen werden, dass sie keine Solarzellen auf dem Dach haben.

    Je mehr wir in der Lage und vor allen Dingen Willens(!) sind, die Energieversorgung so weiterzuentwickeln, dass wir von fossilen Energieträgern unabhängig sind, desto mehr gewinnen wir doch an Zukunftsperspektiven. Das Atomkraft hierbei nicht das Non-plus-ultra ist, hat die Vergangenheit ebenso gezeigt.

    Ich hoffe, dass es der Menschheit gelingen wird, ansonsten werden wir uns nicht nur wegen diesem Punkte langfristig selbst den garaus machen.

  • Piedro

    |

    @Joachim Datko
    2018 wurde schon 344.000 Haushalten der Strom wegen Zahlungsschwierigkeiten abgestellt.

    Die meisten Betroffenen waren in der Grundsicherung oder bezogen Alg2. Hier ist die Unterversorgung durch zu geringe Regelsatzanteile seit Jahren bekannt. Die Nachbesserungen erfolgen immer nachträglich, zu erwartende Preissteigerungen werden nicht berücksichtigt, in die Berechnungsgrundlage fließen private Anbieter ein, obwohl die meisten Bezieher von Transferleistungen kaum die Möglichkeit haben diese in Anspruch zu nehmen und auf die Grundversorger angewiesen sind; die Unterdeckung wird so chronisch.
    Wenn es dann zu Nachzahlungen kommt, die nicht getragen werden können, wissen die Betroffenen oft nicht, dass sie Anspruch (!) auf ein Darlehen haben. Das wird oft selbst dann verweigert, wenn die Stromsperre angekündigt wird, obwohl das JC dann keinen Ermessensspielraum mehr hat. Muss dann auch noch ein Teil der Miete vom Regelsatz geleistet werden ist es oft nicht mehr möglich Nachzahlungen, Abschläge und Miete in vollem Umfang zu leisten.

    Was natürlich für die künftigen Mieter der privilegierten Luxussanierer ein geringeres Problem sein dürfte. Aber ich vermute mal, die denkmalschutzbegründete Ablehnung der Solaranlagen soll die Allgemeinheit nicht vor der EEG-Umlage schützen, so, wie die selektive Unterstützung von Eigentümern weder dem Denkmalschutz, noch drohenden Stromsperren abhelfen soll.
    Vermutlich haben Sie verstanden, dass hier eine Umschichtung auf dem Wohnungsmarkt stattfindet, die von der Verwaltung gefördert wird. Eigentümer, die ihre Mieter nicht austauschen wollen erhalten keine Sondergenehmigungen für Um- und Anbauten, hier werden die Regeln aufrecht erhalten, ohne ihre Sinnhaftigkeit zu prüfen, oder sie mit anderen Zielsetzungen der Verwaltung in Einklang zu bringen. Und da wollen Sie wirklich über EEG-Umlagen diskutieren? Na dann…

  • highwayfloh

    |

    Nachtrag und kleine Anekdote:

    Ich kann mich zwar nicht mehr genau erinnern, wie lange es her ist, aber jedenfalls wurde es in der öffentlichen Presse publik gemacht:

    Die Beleuchtung der Ost-Tangente lief jahrelang wegen fehlerhaften Verkabelung / Verschaltung auf Kosten eines ansässigen größeren Unternehmens. Man kam erst drauf, als die Stromversorgung des Unternehmens ausgefallen war und damit auch die Beleuchtung der Ost-Tangente. Habs dann nicht weiterverfolgt, aber ich kann mir Vorstellen, dass die Stadt, Schadenersatz an das Unternehmen leisten musste, wegen zu Unrecht erhobener Stromgebühren.

    Auch dies spricht dafür, dass Energieversorgung nicht unbedingt immer „zentral“ erfolgen muss.

  • Stefan Aigner

    |

    @all

    Ich denke, Herr Datko hat das Thema jetzt genug getrollt. Es geht nicht ums EEG.

  • Auch a Regensburger

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    Leider spielt der Klimawandel und die dazu nötige Energiewende keine Rolle in der Regensburger Politik.
    Gegenteilig, es wird aufgehalten. Anstelle dessen sollte die Politik aktiv darauf hin wirken, dass auch Regensburg seinen Beitrag leistet.

    Und bezüglich der Rewag würde ich eher davon ausgehen, dass ein weiterer Ausbau begrüßt wird. Zu Zeiten des größten Stromverbrauchs kann Sie zwar teuer, aber immer noch billiger als an der Strombörse, Strom einkaufen.

  • joey

    |

    @highwayfloh
    nach meinen Kenntnissen ist eine eigene Solaranlage normaler Art keine Autarkie. Wenn das Netz zusammenbricht, stehen die auch die Wechselrichter daheim. Inselanlagen sind sehr aufwendig.
    Sie nutzen einfach nur Ihr Dach für Gelderwerb. Wenn Sie Anteile einer großen Anlage kaufen, haben sie den selben Effekt, nur vielleicht erfolgreicher – weil das steile Dach in der Göringsiedlung meistens nicht die optimale Ausrichtung hat.

    Deshalb hat die Stadt technisch und finanziell gesehen gute Argumente. Es ist aber eine philosophische Frage nach Freiheit und Denkmalschutz (staatliches Verbot). Es ist auch geschichtsphilosophische Frage, in welcher Form NS Architektur erhalten werden muß.
    Muß ein Dach rot sein (und die Bewohner arisch), wie das in KrossTeutschlant zu sein hatte?

  • Lothgaßler

    |

    An die SPD und die GRÜNEN: Wie armselig ist das denn? Es wird Zeit, dass die Rot-Grünen Stadträtinnen und Stadträte sich nicht schon wieder hinter Koalitionsklimbim und einigen Alphatierchen verstecken.
    Die doch sehr einseitige Begünstigung großer Bauträger ist erschreckend, zumal immer wieder ruchbar wird, wie viel Geld in Immobiliengeschäften gewaschen wird (Schwarzgeld, organisierte Kriminalität).

  • Piedro

    |

    @joey
    Wie immer haben Sie mir zu denken gegeben.
    „Deshalb hat die Stadt technisch und finanziell gesehen gute Argumente.“
    Wofür oder wogegen? Das die Eigentümer mit ihrem Geld was besseres anfangen könnten? Ob die sich trauen würden das zu sagen? Könnten sie damit begründen, warum Denkmalschutz bei einer Solaranlage greift, bei grundlegenden Um- und Anbauten anderer Eigentümer jedoch nicht?
    „Es ist aber eine philosophische Frage nach Freiheit und Denkmalschutz (staatliches Verbot).“
    Nicht nur, denn dieser Denkmalschutz wird ja selektiv gewertet. Kann man philosophisch sehen, muss man aber nicht.
    „Es ist auch geschichtsphilosophische Frage, in welcher Form NS Architektur erhalten werden muß.“
    Mag sein, aber diese Frage müsste sich dann auch einheitlich beantworten lassen, nicht eigentümerabhängig.

    Eigentlich geht es doch darum: warum steht der Denkmalschutz einer Solaranlage entgegen, zumal die anderen Zielsetzungen der Stadt entspräche, nicht jedoch einer baulichen Erweiterung zum Zwecke der Mietsteigerung durch Aufwertung für bisher nicht interessierte Mieter, und damit dem Verlust von günstigem Wohnraum für minder begüterte Bürger? Nicht sehr philosophisch, schlicht und einfach kommunalpolitisch. Was macht die Verwaltung da – und warum? Ist doch auch spannend, oder?

  • highwayfloh

    |

    @joey: mitnichten!

    Natürlich wird erstmal die Solarenergie für den Eigenverbrauch genutzt, aber es entsteht auch überschüssige Energie. Wohin damit? Bislang Energieeinspeisung ins öffentliche Energienetz gegen Entgelt, was ja lauthals bemängelt wird, wegen der Energie-Umlage.

    Also warum nicht private Anlagen so zusammenschalten, dass das System entsprechenden Bedarf erstmal „intern“ regelt und absolviert? Daran hat bislang offenbar noch niemand gedacht.

  • XYZ

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    Schon wieder mal ein Unter-unter-Unternehmen des IZ? Bei Solaranlagen auf Dächern könnte vl. die Maschinenfabrik Reinhausen behilflich sein, weltweit führend bei der Regelung von Verteilernetzen, das ist bei erneuerbaren Energien nicht unwichtig. Es gibt inzwischen auch Solar-Dachziegel, da kann der Denkmalschutz trotz Reichsfeldmarschall Göring nichts dagegen haben.

  • joey

    |

    @highwayfloh
    der Eigenverbrauch ist rechnerisch.
    Eine Art Inselanlage braucht Speicher – die sind teuer und zumindest in meinem Sichtkreis kam nicht das raus was versprochen war. Soweit ich das verstanden habe, geht es bei den Wechselrichtern um eine Synchronisierung mit der Taktrate des öffentlichen Netzes. Wenn das steht, steht auch der eigene Wechselrichter. Im Krisenfall könnte man die eigene Anlage theoretisch umbauen lassen. So kann man aber auch einen Kamin aufmauern und Feuer anzünden… dann ist der Feinstaub egal.

  • joey

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    @Piedro
    ja, der Schutz ist selektiv. Man gewichtet Anbauten wohl als tragbar, weil die Grundkörper erhalten bleiben. Die Grundrisse der späten 30er sind halt nicht mehr das, was man heute „braucht“, z.B. eine Waschküche. Auch der Gemüsegarten für Kriegszeiten ist überflüssig, der Millionär (der sich so ein Haus heute kauft) will eine Grillterrasse für seine Gäste. Gut, manche haben auch schon eigene trendige Bienenkörbe wegen dem Klimaschutz oder so…

    Technisch nochmal ausgeführt: eine gebäudeunabhängige Anlage kann man schön nach Süden und in geeigneter Neigung ausrichten. Meine eigene Anlage hat steile Teile, die im Winter viel bringen. Der höchste Solargewinn ist aber im Sommer, wo eine flache Neigung besser ist. Im Sommer ist einfach mehr Tageslicht (Astronomie). Im Winter reicht eine Dachfläche eines Göringhauses so und so nicht für das Göringhaus.

    Jetzt noch einen Scherz: hat schon jemand ein Windrad bei Göring beantragt? Sind Propeller da nicht passender?

  • Julian86

    |

    Input
    Titel: Denkmal und Solaranlagen-kommunale Satzungen zwischen Denkmalschutz und Klimaschutz –
    Autor: Dr. D. J. Martin
    Fundstelle: TU Dortmund Online Stand 15.12.2010

    https://www.denkmalrechtbayern.de/wp-content/uploads/2015/06/19-solarsatzung-10seiten.pdf

    Seite 9:
    „Die Rechtsprechung hat mittlerweile ausreichend Grundsätze für das Verfahren und die notwendige Abwägung zwischen den Belangen des Klima-und des Denkmalschutzes entwickelt, die von grundsätzlichen Erwägungen bis zur Entscheidung des individuellen Einzelfalles führen können.“

    Seite 6 mit Fußnote 15
    „wesentlich beeinträchtigende Solaranlagen“?

    M.E. kommt es daher darauf an, wie die Solaranlage optisch „gestaltet“ ist.

    Im Übrigen ist anerkannt, dass das Staatsziel des Artikel
    https://dejure.org/gesetze/GG/20a.html
    bei der Auslegung, Abwägung … eine gewichtige Rolle inne hat.

  • altstadtkid

    |

    Zuerst kauft irgendeine Bank, und ein Jahr später das IZ, kommt mit irgendwie bekannt vor…….

  • Mr. T.

    |

    altstadtkid, bitte keine Verschwörungstheorien heraufbeschwören ;-)

    Es gibt halt auch komische Zufälle. Die Stadt Regensburg behandelt ganz sicher immer alle gleich. Warum sollte ein so großes Unternehmen, dass alle Möglichkeiten zur Steuerreduzierung nutzt gleiche behandelt werden als ein braver Steuerzahler? Ein Anbau oder eine Dachgaube sind eben viel einfacher rückbaubar als eine PV-Anlage auf dem Dach :-)

  • Giesinger

    |

    Zum Bild:

    Soweit ich es erkennen kann, zieht Herr Aigner genüßlich an einer Filterzigarette. Das gefällt mir.

    Oh, eine Filterzigarette @fff-Kinder, die ist böse!

    Es überlebe nur der echte Tabak!

    Der Schwarze Krauser.

  • R.G.

    |

    @Mr.T.
    In anderen Städten werden die Bauten dieses Stils aus der Zeit schlicht Hitlerbauten tituliert.
    Man zitierte diese „dem umwerfenden Geschmack des Diktators“ gefallenden, in Regensburg errichteten Hausformen in anderen Städten, dort bereits bei der Errichtung bei den Mehrfamilienhäusern und Einfamilienobjekten serien- oder wunschmäßig mit Dachgaube.
    Wenn der Denkmalschutz deshalb rückbezüglich Gauben aber keine Solaranlagen erlaubte, wäre das ein „interessantes“, nicht unbedingt offen ausgesprochenes Argument, eine Konservierung „seiner“ Optik.

    Anders wird das bei einer vom deutschen Industriearchitekten Rimpl errichteten, als Denkmal eingestuften Siedlung aus der gleichen Zeit gesehen, „Die Mehrzahl der Objekte wurde derart verändert und modernisiert, dass von einem Originalbestand nicht mehr die Rede sein kann. Die Siedlungsstruktur und die Grundrisse der Häuser vermitteln jedoch noch einen Eindruck der ursprünglichen Konzeption.“ Zitat aus:
    https://stadtgeschichte.linz.at/denkmal/Default.asp?action=denkmaldetail&id=2262
    https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Rimpl

    Die nächste Frage zur Ganghofersiedlung könnte somit lauten, war die Nachinterpretation = Bestückung mit Gauben in der Ästhetik anderer Hitlerbauten von anderswo eine denkmalpflegerische Leistung? Wenn man zu dem Schluss käme, dass es keine war, öffnet sich die Argumentationslinie, dass nun ohnehin bei den Dächern von Denkmalschutz auf Originalbestand keine Rede mehr sein kann.

    Viele Regionen Europas haben sich zur sanften Stadterneuerung entschieden, am häufigsten indem sie die Fassadenseite in früherer Optik zu erhalten versuchen, Dachausbauten und hofseitige Veränderungen aber zulassen.
    Ich würde meinen, mit den Gauben wurde bereits ein Bekenntnis zu der Gangart gesetzt.

  • Reserl

    |

    Das von H. Aigner angerissene Thema hat mehrere Seiten. Wenn ich mich recht an die Berichterstattung jener Zeit erinnere, wollte die IGEWO, ein Augsburger Immobilienunternehmen die Häuser der Ganghofersiedlung modernisieren, hätte dafür aber einen Dispens von den Auflagen des Denkmalschutzes benötigt, um sie erforderlichen Finanzmittel zu bekommen. Da die Denkmalschutzbehörden bei ihrem apodiktischen Nein blieben, verkauften die Eigentümer an die LBBW. Die Sanierung und Modernisierung wurde zum politischen Streitthema zwischen SPD und CSU. Besonders der damalige Fraktionsvorsitzende H tat sich in dem Streit hervor und trat für die Mieterbelange ein. Warum dann das IZ mit Unterstützung der Planungsverwaltung das Gebiet erwarb und modernisierte, ist mir nicht mehr erinnerlich. Aber sagte der suspendierte OB nicht vor kurzen, dass der damalige Vorstandsvorsitzende des IZ sehr gute Beziehungen zur Verwaltung pflegte?

    Die Gestaltungsvorschrift, die Dr. H kritisiert, musste ihm beim Erwerb des Hauses bekannt sein, zumal seine Gattin ab 2006 im Bauordnungsamt beschäftigt war. Die Gestaltungsvorschrift stützt sich auf den denkmalpflegerischen Schutz des Ensemble. Ob das noch zeitgemäß ist darüber kann man trefflich streiten. Dieser Streit wurde auch bereits bei der Aufstellung des Sanierungsbebauungsplans geführt. Dabei wurden im Rahmen der Abwägung die Umweltbelange gegenüber dem Denkmalschutz zurück gestellt. Mal sehen, was der Planungsausschuss heute beschließen wird.

  • Ulla Peter

    |

    Die Anordnung von Solarzellen an diesem Nordhang der ‚Ganghofersiedlung’ ist zwar architektonisch wie auch vom Wirkungsgrad problematisch.
    In Regensburg gäbe es sicherlich bessere Hanglagen z B Teile des ‚Konradsiedlung-Flachlberg ‘. Aber diese wird leider immer mehr durch Geschoßwohnungsbau verschlimmbessert.

  • XYZ

    |

    Der unselige OB Schottheim war für die Mustersiedlung der Arbeiter des Messerschmitt -Flugzeugwerkes verantwortlich, früher H.Göring Siedlung, jetzt Ganghofer (dem auch ziemlich völkischen Schriftsteller von Welden westlich von Augsburg). Alles streng angeordnet wie Soldaten in Reih und Glied, altdeutsche Häuschen und Gärten wie zur Germanenzeit.
    Überlasst es doch den jetzigen Bewohnern und Eigentümern wie sie ihre Wohnumgebung ohne Weltanschaung gestalten wollen. Was soll da noch der Denkmalschutz?
    .

  • XYZ

    |

    Verkürzt ausgedrückt: wir leben in einer nationalsozialistischen Mustersiedlung, auch wenn wir keine Nazis mehr sind, und da darf nichts mehr verändert werden – geht’s noch?

  • R.G.

    |

    @ „Verkürzt ausgedrückt: wir leben in einer nationalsozialistischen Mustersiedlung, auch wenn wir keine Nazis mehr sind,“
    Allerdings. Der denkmalschützerische Umgang damit kann sein, überhaupt keine Veränderungen zuzulassen, die straßenseitige Front original zu belassen, oder…

    „und da darf nichts mehr verändert werden – geht’s noch?“
    Es gab schon Veränderungen speziell im Dachbereich, weil sie zugelassen wurden. Man bediente sich dabei vielleicht zufällig oder gewollt zeittypischer Versatzstücken aus anderen Göring-Siedlungen = Dachgauben nach Hitlers damaligem Geschmack.

    Und dieses ziemlich aktuell hervorgebrachte, man könnte ebenso meinen hitlerzeitisiernde, = Kompromissergebnis von Dachgestaltung, könnte nun möglicherweise als denkmalgeschützt bzw. ensemblegeschützt verstanden werden wollen.

    So als baute man vor eine schlichte Barockfassade verschnörkelte Balkönchen, und schützte diese veränderte „überbarockisierte“-Fassade vor Eingriffen in das angeblich „ganz im Barock erhaltene“ Objekt.

    Wenn sehr erfolgreichen Firmen im Messen mit zweierlei Maß Eingriffe in ursprüngliche Dachgestaltungen bzw. Zubauten erlaubt wurden, war das irgendwo entsprechend argumentiert worden, um die vorher Anderen nicht gestatteten Veränderungen zu ermöglichen. Hier rechtfertigt man manchmal klug, es würden nur „im Baustil / Zeitgeist von damals rekonstruierte“, sparsame optische Anpassungen erfolgen.
    Das ändert konkret nichts daran, dass Hitlerisiertes bzw. Göringisiertes nicht Originalgetreues ist.

    Kurz: Muss neuere -isierung vor heutigen Veränderungen (denkmal-)geschützt werden?

  • Piedro

    |

    @Reserl
    Sehr interessant, das rundet das Bild ab und führt wieder zur zentralen Frage: wieso darf der eine weniger nicht, und der andere mehr sehr wohl, im Bezug auf die gleiche Rechtsgrundlage, von der gleichen Verwaltung, vielleicht sogar den gleichen Personen beschieden.

    @XYZ
    Es hat sich doch eh schon viel geändert. Gebaut wurden die Häuser für Arbeiter. Sie waren im Besitz eines totalitären Systems. Jetzt sind sie in Besitz von Gesellschaften, Banken, wem auch immer, und ob die etwas ändern dürfen lässt sich nicht verneinen. Es kommt drauf an was. Und wer. Weil das System nicht mehr totalitär ist, sondern demokratisch, und die Handlungsebene bei der Verwaltung einer Kommune liegt, nicht mehr im Ermessen eines Reichsobersonstwas.
    Damit sind inzwischen einige Parameter sicher gestellt:
    Transparenz
    gleiches Recht für alle
    Gemeinwohl
    Marktfreiheit

    Oder vielleicht doch nicht alle? Hauptsache der Markt ist frei. Ist doch schon mal was. Und wenn eine Verwaltung einige Akteure am Markt begünstigt, hat das gewiss mit dem Gemeinwohl zu tun, was sich auch transparent darstellen ließe. Müsste halt mal jemand tun. Dem Aigner ist das leider (noch) nicht gelungen.

  • Giesinger

    |

    Weiß denn jemand, wer den Denkmalschutz oder Ensembleschutz für die Ganghofersiedlung eingeführt hat? Und wann und warum?
    Für mich sind das nur wirklich greislige Siedlungshäuser im 40er Jahre Billig-Baustiel, wie sie in fast jedem Kaff zu finden sind.
    Aber den alten Horten wegreißen und einen Klotz auf den Neupfarrplatz hinstellen. Damals gab es wohl noch keinen Denkmalschutz in Regensburg?
    Ach ja, und alles grau und barrierefrei zupflastern können sie auch gut in Regensburg.

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