SOZIALES SCHAUFENSTER

Beiträge mit Tag ‘Gewerkschaft’

Wie sich der DGB ein dickes Ei gelegt hat...

Nie dagewesen: Gewerkschaft streikt gegen Gewerkschaft

Es ist in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht vorgekommen: Am morgigen Dienstag bestreikt sich die Gewerkschaft quasi selbst. ver.di hat rund 700 Beschäftigte zum Warnstreik aufgerufen. Die zentrale Kundgebung findet in Berlin statt – direkt vor der Zentrale des Deutschen Gewerkschaftsbundes.
Beschäftigte des DGB Rechtsschutzes in Regensburg. Die Gewerkschaft ver.di hat sie für Dienstag zum Warnstreik aufgerufen. Foto: pm

Beschäftigte des DGB Rechtsschutzes in Regensburg. Die Gewerkschaft ver.di hat sie für Dienstag zum Warnstreik aufgerufen. Foto: pm

Was rechtlich eigentlich nicht möglich ist – Tarifkonflikte innerhalb der Gewerkschaft werden vor einer Einigungsstelle gelöst – hat sich der DGB vor gut 14 Jahren selbst eingebrockt. 1998 wurde der Rechtsschutz in eine eigene GmbH ausgelagert. Rein formal gelten deren Beschäftigte, zu 90 Prozent Volljuristen, nicht als Angestellte des DGB, sondern eben besagter Tochtergesellschaft: der DGB Rechtsschutz GmbH. Über diese werden fast sämtliche Rechtsstreitigkeiten, die Gewerkschaftsmitglieder mit ihren Arbeitgebern austragen abgearbeitet. Die Geschäftsstellen des DGB Rechtsschutzes in Regensburg und Weiden erstritten in den letzten Jahren allein für die Mitglieder der Gewerkschaft ver.di 1,2 – übrigens nur der zweitgrößte „Auftraggeber“ – rund 1,2 Millionen Euro.

„Blödheit gehört bestraft“

Die Bezahlung der Juristen, die das erledigen lässt nach den Worten des bayerischen Verhandlungsführers in der Tarifkommission – Bernd Strietzel aus Regensburg – allerdings zu wünschen übrig. In den letzten zehn Jahren habe es keine nennenswerten Erhöhungen gegeben. „Ein Volljurist beim DGB Rechtsschutz verdient in der Spitze rund 4.300 Euro.“ Zum Vergleich: Ein Gewerkschaftssekretär bei ver.di liegt beim Gehalt um 500, bei der IG Metall um etwa 1.000 Euro darüber. „Ich weiß, dass dieser Streik als politisches Signal für die Gewerkschaften verheerend ist“, sagt Strietzel, „aber Blödheit gehört bestraft.“ Blödheit? In der diesjährigen Verhandlungsrunde fordern die Beschäftigten 6,5 Prozent mehr Gehalt, die DGB Rechtsschutz GmbH ist trotz wochenlanger Verhandlungen und Streikdrohung bei ihrem Angebot von 0,9 Prozent geblieben. Zum Vergleich: Im öffentlichen Dienst gab es im vergangen Jahr eine Lohnerhöhung von rund 3,5 Prozent. Die Begründung der DGB GmbH – wie auch schon für die „Lohnzurückhaltung“ in den letzten Jahren: Wir haben kein Geld.

DGB führt Zuwächse nicht an GmbH ab

Das erscheint erstaunlich. Denn Geld wäre da, zumindest mehr als in den letzten Jahren. Der DGB finanziert sich aus den Beiträgen der einzelnen Mitgliedsgewerkschaften – ver.di, IG Metall, IG Bau NGG usw.. Diese führen jeweils zwölf Prozent ihrer Mitgliedsbeiträge an den DGB ab und stellen damit dessen Finanzierung sicher, darunter eben auch den Rechtsschutz für alle Gewerkschaftsmitglieder, egal in welchem Bereich. Gerade bei den beiden größten Mitgliedsgewerkschaften – ver.di und IG Metall – sind die Einnahmen in den letzten Jahren gestiegen. Für 2011 und 2012 konnte der IG Metall-Vorsitzende Berthold Huber sogar zwei Mal in Folge Mitgliedszuwächse und nie dagewesene Rekordeinnahmen verkünden. Entsprechend steigt auch der Beitrag an den DGB. Doch der wiederum weigert sich, diese Zuwächse auch im selben Maß an seine Rechtsschutz GmbH weiterzugeben. Und so werden dort die Beschäftigten mit „Wir haben kein Geld“ abgespeist, während der DGB sich formal darauf berufen kann, dass dies ja nicht seine Beschäftigten seien, sondern die der GmbH.

Politisch verheerendes Signal für die Gewerkschaften

„Auf unsere Forderungen wurde einfach nicht reagiert. Trotz Streikdrohung“, ärgert sich Strietzel. Für den morgigen Dienstag rechnet er mit einer Beteiligung von 75 Prozent. „Wenn eine Tochtergesellschaft sagt, sie hat kein Geld, dann streikt man auch vor der Zentrale der übergeordneten Holding.“ Deshalb fahre man nach Berlin. Wenn dann nicht reagiert werde, könne man auch länger in den Streik treten. So oder so hat der DGB mit seiner harten Haltung gegenüber der Rechtsschutz GmbH sich und seinen Mitgliedsgewerkschaften politisch gesehen bereits jetzt ein echtes Ei gelegt. Wer für eine faire Entlohnung der Beschäftigten eintritt, sollte das auch selbst umsetzen. Und es ist kaum zu erwarten, dass die breite Öffentlichkeit zwischen dem DGB und den Einzelgewerkschaften, und schon gar nicht zwischen DGB und einer DGB GmbH differenzieren wird. Blödheit gehört eben bestraft.
Hauptsache die Statistik stimmt

Ihre Arbeitsagentur rät: Traumjob Leiharbeit

Hauptsache eine gute Statistik – das scheint die Maxime bei der Arbeitsagentur Regensburg zu sein. Anstatt einen 21jährigen Facharbeiter ernsthaft bei der Arbeitssuche zu unterstützen erhielt er fast ausschließlich Angebote von Leiharbeitsfirmen. Darunter unseriöse und gerichtsbekannte Unternehmen. Man lehne grundsätzlich mit keiner Firma die Zusammenarbeit ab, heißt es auf Nachfrage.

"Irritationen" über Pressekonferenz

„Lohndumping per Werkvertrag“: Kein Thema bei Tarifverhandlungen

Es war ein Schwärmen über die positive Lage der bayerischen Metall- und Elektroindustrie: Der Bayern-Chef der IG Metall war auf Stippvisite in Regensburg, um sich bei den BMW-Beschäftigten umzuhören. Schließlich stehen bald Tarifverhandlungen an. Eines scheint aber schon festzustehen: Das Problem „Lohndumping per Werkvertrag“ wird bei diesen Verhandlungen keine Rolle spielen. Noch nicht zumindest.

„Zukunft der Arbeit“

Konfliktfeld: Lohndumping per Werkvertrag

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Über Werkverträge wird dieser Grundsatz von vielen Unternehmen umgangen. Wie eine Gewerkschaft das eindämmen soll? Das ist ein zentrales Thema bei einer aktuelle Fachkonferenz der IG Metall in Regensburg. Der bayerische Bezirksleiter Jürgen Wechsler spricht von einem „heftigen Konflikt“ darüber mit den Arbeitgebern und räumt außerdem ein: „Wir als Gewerkschaft stehen da im Moment noch etwas blank da.“

Öffentlicher Dienst

Warnstreiks am Donnerstag

Am Donnerstag erreicht die Warnstreikwelle im öffentlichen Dienst Regensburg. Betroffen werden davon vor allem Kindertagesstätten sein. „Wenn die Arbeitgeber von Bund und Kommunen nicht einmal ein Angebot vorlegen, bleibt uns nichts anderes übrig als Zeichen zu setzten“, sagt der Bezirksgeschäftsführer der Gewerkschaft ver.di.

Leiharbeit bei BMW

Lohndumping per Werkvertrag – mit universitärer Anleitung

Im Oktober 2011 berichtete regensburg-digital darüber, wie bei BMW die tariflich vereinbarte gleiche Bezahlung von Festangestellten und Leiharbeitern unterlaufen wird. Das Stichwort lautet „Werkvertrag“. Mittlerweile schlägt das Thema breite mediale Wellen Zuletzt beim ARD-Magazin Monitor. Fragwürdig: Namhafte Jura-Professoren stehen Unternehmen wie BMW beratend zur Seite, wenn es darum geht, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit zu vermeiden. Motto: Wer zahlt, schafft an.

BMW: Halber Lohn für gleiche Arbeit

Eigentlich gibt es bei BMW eine klare Vereinbarung: Leiharbeiter sollen dasselbe Grundgehalt bekommen wie Festangestellte. Eigentlich. Über sogenannte Werkverträge mit externen Firmen arbeiten bei BMW Beschäftigte am Fließband für gerade 7,79 Euro die Stunde. Festangestellte verdienen etwa das doppelte Grundgehalt. Ein Regensburger hat sich nun beim Betriebsrat beschwert und damit eine kleine Welle losgetreten. Mittlerweile hat das Thema die Konzernspitze in München erreicht.

„Die Sprache der Straße“ – Druckerstreik beginnt

Den Druckern geht es gut. Zu gut, meinen die Arbeitgeber, die selbst betonen, wie schlecht ihr Geschäft laufe. Sie fordern deshalb: Mehr Arbeit für weniger Geld. Das sei alternativlos und sichere Arbeitsplätze. Betrachtet man aber die Druckereien in der Region, kann es so schlecht nicht laufen. „Argumente zählen bei Tarifauseinandersetzungen nicht“, sagt Gewerkschaftssekretärin Irene Salberg. Sie spricht von einem „Klassenkampf von oben nach unten“.

Brauerei Bischofshof: „Erpressung“ und „Effizienzen“

Mit harten Bandagen gegen Streikende: Brauereidirektor Hermann Goß (im Bild mit seinem Dienstherrn Gerhard Müller). Foto: Archiv Bei der Kirchen-Brauerei Bischofshof wird der Ton zunehmend rauer. Die Geschäftsführung hat am Donnerstag mit Kündigungen und der externen Vergabe von Dienstleistungen gedroht, sollte erneut gestreikt werden. Mehrere Angestellte sprechen gegenüber unserer Redaktion von „Erpressung“. Wie berichtet wurde […]

Bischofshof: Gewerkschaft droht mit Streik

Die Geschäftsführung der Kirchenbrauerei verweigert Verhandlungen über einen Haustarif. Jetzt droht die Gewerkschaft mit Streik. Foto: Archiv Die Brauerei Bischofshof liegt weiter im Clinch mit ihrer Belegschaft. Mit dem heutigen 1. April wurde rund ein Drittel der Beschäftigten des kirchlichen Unternehmens in eine neue Gesellschaft ausgegliedert. Diese „Bischofshof Logistik GmbH“ ist kein Mitglied des Arbeitgeberverbandes, […]

Streik! Bischofshof-Bier bleibt im Lager

Kurz nach sieben kommt die erste Reaktion der Bischofshof-Geschäftsleitung: Den Streikenden wird mitgeteilt, dass sie die Toiletten auf dem Brauerei-Gelände nicht benutzen dürfen. Zu diesem Zeitpunkt ist klar, dass heute kein frisches Bischofshof-Bier ausgeliefert wird. Die komplette Logistik ist für den ganzen Tag in den Warnstreik getreten. Rund 4.000 Kästen des kirchlichen Bieres bleiben im […]

400 streiken am Uniklinikum

Rund 600 Beschäftigte haben sich am Mittwoch nach Angaben der Gewerkschaft verdi in der Oberpfalz an den in 37 Städten laufenden bayernweiten Warnstreiks im öffentlichen Dienst beteiligt. Allein in Regensburg beteiligten sich rund 400 Beschäftigte des Uniklinikums, der Universität, des Wasserwirtschafts- und des Bauamts sowie vom Zentrum Bayern Familie und Soziales an der Kundgebung vor […]

Tarifstreit bei Bischofshof: Tageszeitung hofiert treuen Anzeigenkunden

In den Verhandlungen um eine Auslagerung von Teilen der Bischofshof-Brauerei hat die Geschäftsführung Zugeständnisse gemacht. Im Bild: Brauereidirektor Hermann Goß und Bischof Gerhard Ludwig Müller.„Wir werden den Mitarbeitern bis zum Rentenalter nichts wegnehmen“, so Bischofshof-Geschäftsführer Hermann Goß. Das sei der „ausdrückliche Wunsch“ der Geschäftsführung und der Eigentümerin, der Diözese Regensburg. Bei der Pressekonferenz zur Jahresbilanz […]

Zwei-Klassen-Gesellschaft bei Kirchen-Brauerei?

„Wenn sich heute unter ganz anderen politischen und ökonomischen Bedingungen ein so profanes Unternehmen wie eine Bierbrauerei im Besitz einer Diözese befindet, dann stellt sich der wache Zeitgenosse die Frage nach der Rechtfertigung einer solchen Verknüpfung von Kirche und Wirtschaftsunternehmen.“ Bischof Gerhard Ludwig Müller bei einer Predigt anlässlich des 360. Jubiläums der Brauerei Bischofshof Die […]

Citymail: „Ohne Hartz IV geht es nicht“

Simon Blengl ist Familienvater. Seit gut vier Jahren arbeitet er in Regensburg beim privaten Postzusteller Citymail. Dort verdient er pro zugestellter Sendung zwischen acht und 16 Cent. Das Sortieren der Post muss er zuvor ebenfalls übernehmen – unbezahlt. Akkordarbeit am untersten Level der Lohnskala. In einem „guten Monat“ kommt Blengl auf etwa 1.100 Euro. Citymail […]

„Der Arbeitgeber wäre blöd, mehr zu bezahlen“

„Die Tätigkeit ist extrem schwierig, die Arbeitsbedingungen sind grauenhaft und die Bezahlung ist saumäßig schlecht, aber die Mittelbayerische Zeitung ist hier keine Ausnahme.“ Auch Irene Salberg von der Gewerkschaft verdi hat den offenen Brief des MZ-Zustellers Thomas Reitemeyer an MZ-Herausgeber Peter Esser gelesen.Salberg, die bei verdi für den Fachbereich Medien zuständig ist, spricht von einem […]

„Drückebergerei”: Kein Sozialplan für gekündigte Glöckl-Mitarbeiter?

Alfred Glöckl: Seine Fleischwaren GmbH war nicht mehr überlebensfähig. Jetzt fehlt offenbar auch das Geld für einen Sozialplan. „Von einer Insolvenz ist nichts bekannt”, so Richter Dr. Albert Schmidbauer, Direktor am Regensburger Arbeitsgericht. Dennoch scheint die Glöckl Fleischwaren GmbH kein Geld für einen Sozialplan übrig zu haben. 25 Mitarbeiter hatten im vergangenen September überraschend ihre […]

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